Die Entschleunigung der Menschheit

Die von der EU erzwungene Einführung der Energiesparlampen wird Folgen haben, auf die bisher nur wenige gekommen sind. Abgesehen von ein paar Menschen, die mir ähnlich sind, die also auch unter den Sammelbegriff Hektiker fallen. Wir selbst nennen uns natürlich lieber Dynamiker, Macher oder Effizienzsuperhelden, aber wir können auch mit der beleidigenden Bezeichnung Hektiker leben, da stehen wir in der Tat drüber. Wir haben nämlich gar keine Zeit, uns über so etwas aufzuregen, es gibt einfach überall und immer zu viel zu tun. Noch. Bald wird es nämlich gar nichts mehr für uns zu tun geben. Wir werden leider in Kürze aussterben und die weitere Evolution des Menschen den langsamen Typen mit der gedrosselten Reaktionszeit überlassen. Also Euch, der Mehrheit. Und das liegt an der Vorheizphase.

Das wird bekannt sein: wenn man so eine Energiesparlampe anmacht, dann dauert es einen Moment bis sie geruht, endlich Licht abzugeben. Ein paar Sekunden. Das sind leider ein paar Sekunden zu viel für uns Hektiker. Denn bis die Lampe Licht gibt, sind wir schon gegen Schränke gerannt, Treppen heruntergefallen, über Kartons gestolpert oder auf Bobbycars ausgerutscht. Der normale Mensch steht noch schafbrav am Schalter und wartet auf die Erleuchtung, wir dagegen haben uns bereits Knochen und Köpfe demoliert und können im kalten Licht des Energiesparens, wenn es denn endlich irgendwann hell genug geworden ist, unsere Wunden zählen. Die meisten Unfälle passierten immer schon im Haushalt, bei uns Hektikern wird die Quote jetzt unfassbar ansteigen. Vor einigen Tagen wurde bei uns im Treppenhaus die Beleuchtung modernisiert. Wenn ich auf den Schalter drücke, geht das Licht jetzt erst an, wenn ich schon zwei Stockwerke tiefer gerannt bin. Bis dahin ist Blindflug, und das kann man wörtlich nehmen, wenn z.B. etwas im Weg steht.

Macht es Euch schon einmal gemütlich,  Ihr lieben langsamen Mitbürger – Ihr seid die schnelle Truppe bald endgültig los.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.

 

13 Kommentare

  1. Gerade heute gelernt: Glühlampen sind nicht verboten und werden weiterhin hergestellt. Allerdings nicht für den Gebrauch im Haushalt. Aus der „VERORDNUNG (EG) Nr. 244/2009 DER KOMMISSION“: „Speziallampen (wie Lampen, die in Verkehrssignalanlagen, Terrariumsbeleuchtungen oder Hausgeräten zum Einsatz kommen und in der ihnen beiliegenden
    Produktinformation eindeutig als solche gekennzeichnet
    sind), sollten von dieser Verordnung nicht erfasst
    werden.“

    Das Lampenfachgeschäft unseres Vertrauens (seit heute) hat banale Glühbirnen im Sortiment. Teurer als sie damals waren, dafür auch langlebiger. Von kleinen Herstellern die die Lücke sahen, ihr Produkt optimierten. Weil was als „Haushalt“ zu klassifizieren ist muss ja jeder selbst entscheiden.

    Es gibt also Hoffnung, Herr Merlix. Sie müssen nur den richigen Lampenladen finden. Einen kleinen, spezialisierten. Lumimarkt hat das nicht…

  2. Hm zum einen gibt es noch entsprechende Halogenlampen, die noch nicht von der Verordnung betroffen sind und sofort starten, dann gibt es besonders schaltfeste, schnellstartende Energiesparlampen und mittlerweile auch ein steigendes Angebot an LED-Glühbirnen ohne Helligkeitsverzögerung.

    Vllt. nochmal beim Hausmeister nachfragen, ob das so soll?

    Liebe Grüße

  3. Dafür nehme ich auch das überflüssige „lassen“ zurück. Muss ja nicht noch mehr Kram rumstehen, über den man fällt …

  4. Das ist es also – bei all diesem Energiesparlampen geht es gar nicht um die Umwelt, Geldersparnis oder sonstigem Gedöns, sondern es ist ein knallharter Krieg im Gange!

    Die Langsamen haben in gewohnt heimlich-langatmiker Manier ihren Langzeitplan gegen die Dynamiker auf den Weg gebracht. Aber nicht mit mir, ich werde umgehend nicht-kausale Lichtschalter erfinden: Die machen die Energiesparfunzel zwei Sekunden vor Schalterdruck an. Nehmt das, Langsame!

  5. Wir haben uns deshalb angewöhnt, sofort nach Betreten der Wohnung ALLE Lichtschalter nacheinander auf AN zu stellen und erst beim Zu-Bett-Gehen / Verlassen der Wohnung wieder auszuschalten. Bis wir mit dem letzten durch sind, hat sich die erste angeschaltete Lampe zu voller Leuchtkraft aufgeschwungen (manchmal aber auch nicht, dann glauben wir, wir hätten sie vergessen und versuchen sie nochmal anzuschalten).

  6. Meine Küchenlampe braucht ca 10 Minuten, bis man sieht, was im Topf gerade anbrennt.

    In Treppenhäuser, Hausflure und andre Räume mit „3-Minuten-Licht“ gehören grundsätzlich keine Röhren-Energiesparlampen. Man kann Hausflure mit derartigen Lampen beleuchten, sollte dann aber das Licht brennen lassen, um nicht alle sechs Wochen eine neue, sehr umweltschädliche, Energiesparlampe einsetzen zu müssen. („eine“ multipliziert mit der Anzahl der Leuchtmittelfassungen.) Dafür gibt es allerdings andere Leuchtmittel.
    Diodenlampen habe ich noch nicht ausreichend hell und zu erschwinglichen Preisen gesehen, um auch nur eine 40W-Birne zu ersetzen. Die Halogen-Birnen mit 53 statt 75 Watt dagegen sind hier gerngesehene Alternative für alle Durchgangsräume.

  7. Das nenn ich Gedankenübertragung. Kürzlich im Bad die Birne ausgewechselt. Gegen eine Energiesparlampe – Quecksilber hin oder her… und, die Kleinen stolper nachts vom Bett aus rein und finden die Toilette nicht. Dafür gestern im Baumarkt eine mit „Quick Light“ gekauft – sieht jetzt aus wie im Nachtclub…

  8. kann mich pulegon nur anschließen. Der Trend geht bei uns ganz eindeutig zu LEDs.

    @ Wolfram Die Preise für LEDs sind schon noch sportlich – dafür halten die LED-Lampen tatsächlich noch deutlich länger als Energiesparlampen. UND die Preise fallen. UND ganz gewiss werden die LED-Lampen immer altagstauglicher. Habe eine im Einsatz, die ist auf normale, Glühbirnensockel, soll 60W Glühbirnen ersetzen und ist tatsächlich eher noch heller als „60W“. Sind auch bei Stiftung Warentest „sehr gut“ getestet worden. Nachdem der Preis weiter gefallen ist, habe ich gleich noch eine geordert und eingebaut. Habe auch schon einige LED-Lampen als Ersatz für Halogenspots im Einsatz. Da muss man aber auch die richtigen finden und die Versprechungen stimmen meist nicht. Statt 4W/Ersatz für offiziell 20W nehme ich jetzt lieber 5,5W als Ersatz für 20W. Das ist dann aber wirklich ein guter vollwertiger Ersatz.
    Geht eine normale oder Halogenlampe kaputt, nehme ich eine LED. Damit kommt gutes schnelles Licht – mit gutem Gewissen ins Haus. Und jedes Mal sind diese guten Lampen auch wieder ein wenig günstiger.
    Wer umsteigen möchte sollte sich aber gut informieren. Bei den LED-Lampen gibt es viel Schunt, mit schlechter Lichtqualität und eine Menge falscher Versprechen. Der Test von der o.g. Stiftung ist schon eine gute Orientierung.

    Übrigens Energieparlampennutzer: Hattet Ihr am Ende eines Jahres schon mal ein echten Gewinn auf Eurem Energiesparkonto?

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