Raus! Alle raus!

Die Temperaturen werden in Kürze auch bei uns unvorstellbare, zweistellige Bereiche erklimmen. Die Menschen werden bald wieder den korrekten Plural von „Krokus“ diskutieren, ihre Gesichter gierig in die Sonne halten und am Abend in schnittigen Sportklamotten engagiert um die Häuser traben. Ein allgemeines „Raus!“ wird in der Luft liegen, alle möchten jetzt wieder vor die Tür, in den Garten, in den Park. Luft! Mehr Luft!

Sogar ich, ein durch und durch überzeugter Stubenhocker, lehne lässig in der offenen Balkontür und blättere vergnügt in dem dicken Katalog eines Outdoor-Ausstatters. Da sind Zelte und Schlafsäcke drin, Wanderschuhe und Kochgeschirre, und etliche Dinge, deren Zweck ich nicht einmal erraten kann. Auf den Bildern stehen Menschen mit heiteren Gesichtern und windverwehten Haaren mitten in der Wildnis und scheinen nichts zu vermissen. Ich blättere, lese und freue mich.

Es ist natürlich nicht so, dass es mich in die Wildnis oder auch nur vor die Tür zieht. Aber ich mag einfach diesen leichten Grusel beim Gedanken, ich könnte irgendwas aus diesem Katalog jemals brauchen.

Dieser Text erschien als Kurzausgabe meiner regelmässigen Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung. Im Print gibt es ja manchmal diese drolligen Restriktionen durch das Layout.


5 Kommentare

  1. Nicht mal eine Wind- und Regenjacke im Hamburger Wetter?? Zum Beispiel auf dem Spielplatz mit den Kurzen?? Oder managt das ab jetzt alles die Patentante?? 😉

  2. Schön geschrieben, jedoch das Gruseln wird zwangsweise kommen:

    Für Kinder gibt es nichts schöneres als Zelten!!! Am Besten in der richtigen Natur. Nur „Warmduscher“ gehen auf einen Campingplatz. Alterntiv schickt man die Kinder zu dem Pfadfindern.

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