Blogsport

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Seit ich diese kleine Reihe „Auf dem Arbeitsweg“ angefangen habe, und morgens mit dem Handy irgendetwas Sehenswertes fotografiere, gehe ich nur noch zu Fuß zur Arbeit. Ich könnte auch die S-Bahn nehmen, das wäre bequemer und viel schneller, aber da sieht man natürlich nichts, außer schlechtgelaunten Menschen. Ich gehe also zu Fuß, durch den gentrifizierten Teil des Bahnhofsviertels, durch den Multikultiteil des Bahnhofsviertels, über abartige Ausfallstraßen, durch die Bürowüste der City-Süd.

Das beweist wieder, was altgediente Blogger natürlich längst wissen: Bloggen ist gesund und hält fit. Es macht schlank und schön, es ist nicht nur bio  – kein Massencontent – alles sorgsam auf dem eigenen Mist gezogen – sondern auch regio. Es schont die Umwelt, schärft den Blick und garantiert seidiges Fell und feste Krallen. Blogger nehmen ihre Umgebung genauer als andere wahr, sehen schärfer hin, hören besser, riechen besser  und stehen öfter im Weg.  Kein Sport ohne Risiko.

Wenn ich wieder bei einem Arzt in einem Formular nach meinen Sportarten gefragt werde, schreibe ich da einfach „Blog, Foursquare, Instagram“ hin. Passt schon.

12 Kommentare

  1. Ah ja, die City Süd…ich erinnere mich düster.

    Das Betonskulpturenfeld rechts von der Graffiti-Wand fand ich auch schon immer toll.

  2. Das mit dem zu Fuß gehen hat natürlich noch den Vorteil, dass die Strecke immer etwas anders sein kann, je nach Zeit und Lust. Dabei entdeckt man immer wieder etwas Neues, zu jeder Jahreszeit ergibt sich oft eine völlig andere Sichtweise. Und wenn wir mal ehrlich sind, ich kenne kaum eine Stadt, die soviel an verschiedenen Motiven hergibt, wie Hamburg.

  3. Stimmt – Als Blogger verhält man sich anders. Allerdings bin ich nicht sportlicher geworden, nur das Einkaufen dauert manchmal „etwas“ länger, also noch länger als ich Tratschliesel hier auf dem Dorfe sowieso schon brauche. Und fürs Fotografieren bekommt so eine gewisse Chuzpe. Besonders, wenn ich beim örtlichen EDEKA mal wieder was im Visier habe.
    Blöde Blicke stören nicht mehr, oft gibt es Gespräche, manchmal gewinnt man einen Leser mehr.
    Die Kamera im Handy – nee, nicht mein Ding, wird es wohl nie werden.
    Irgendwie sieht Hamburg bei Dir immer ein bisschen trist aus; trotz Hafennähe, nie die Postkartenmotive, aber immer höchst interessant.

    PS,: Ganz schön frühe Vögel hier ;o)

  4. Ich mag diese Serie sehr. Die Fotos finde ich richtig gut – und sie zeigen mir außerdem meine deutsche Lieblingsgroßstadt aus einer eher inneren Sicht.

  5. Endlich hat es mal einer auf den Punkt gebracht – den Zusammenhang von Bloggen und Sport. Wir sollten vielleicht, analog zum „Theatersport“, den „Blogsport“ erfinden.

    Eine ähnliche Beobachtung wie Sie mit dem Arbeitsweg und der Funkfernsprecherkamera habe ich mit meinem Projekt Tagesfoto gemacht, das ich mehr als zwei Monate betrieben habe. Huch, ich muss ja jeden Tag was fotografieren, also muss ich auch los, was aus-gucken und abbilden. Der Arbeitsweg ist ca. 300 Meter, da musste ich mir allerdings was Anderes einfallen lassen. (Morgens von Frankfurt (Oder)-Zentrum über West wieder zurück ins Zentrum laufen, das schaffe ich nicht.)

  6. Pardon, ich meinte natürlich den Blogsport „in echt“ erfinden. Frau Isabo wäre mit dem Rhönrad sicher dabei, nicht wahr?

  7. „Es schont die Umwelt, schärft den Blick und garantiert seidiges Fell und feste Krallen. Blogger nehmen ihre Umgebung genauer als andere wahr, sehen schärfer hin, hören besser, riechen besser und stehen öfter im Weg. Kein Sport ohne Risiko.“

    Selten so gelacht – und mich selten so liebenswert entlarvt gefühlt. Ich, die ich notfalls auch gnadenlos im ärgsten Touristenrummel in der Kärntner Straße (1.Bezirk, Hotspot für alle Wienbesucher, Einkaufsstraße) stehenbleibe, um eine mir eine anmutig erscheinende zusammengeknüllte, auf dem Pflaster liegende Serviette zu fotografieren.

  8. hah, stimmt genau! zudem ist es der einzige sport zu dem ich mich nicht überreden muss. und spaziergänge dauern mindestens doppelt so lange, man verbringt also viel mehr zeit an der frischen luft.

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