Camping, Tag 4

Und dann ist das Erstaunliche geschehen und die Herzdame hat tatsächlich mit mir im Zelt übernachtet. Mit beiden Söhnen. Und es hat nicht geregnet, und es war nicht zu kalt und auch nicht zu warm. Und die Unterlagen waren flauschig und die Kinder schliefen ruhig, viel ruhiger als in den Betten. Und kein Nachtvogel störte und kein wildes Tier. Keine Insekten waren im Zelt, keine Steinchen unter dem Boden. Und am Morgen gab es einen winzigen Schauer, fast nur so, als hätte jemand kurz einen Rasensprenger Richtung Zelt gehalten. Und mit diesem Schauerchen gab das Zelt auf und ließ alles Wasser durch, die bedingungslose Kapitulation des Campingzubehörs.

Man muss auch mit Niederlagen leben können. Oftmals bringen sie einen auch weiter und führen zu ganz neuen Erfahrungen. Die Herzdame und ich haben zum Beispiel überrascht festgestellt, dass wir gut, sehr, sehr gut sogar darin sind, gemeinsam ein Zelt abzubauen. Hand in Hand, pure Harmonie, emsige Effizienz und zielgerichtetes Vorgehen. Wir haben uns mindestens zehn Minuten bestens verstanden. Und dann habe ich ihr natürlich zugestanden, dass das mit dem Zelt vielleicht auf Dauer doch etwas heikel ist, wenn man an künftige Familienurlaube denkt. Ich habe nämlich grundsätzlich kein Problem damit, auch einmal zurückzutreten, das muss in einer guten Ehe auch so sein. Gönnen zu können, das ist ein elementarer Bestandteil der gelungenen Beziehung.

Ich habe das sorgsam gefaltete Zelt und den ganzen Zubehörkrempel fein säuberlich im Auto verstaut. Dann habe ich mich dezent ins Haus zurückgezogen. Der Herzdame habe ich gesagt, ich müsste nun erst einmal ein wenig fleißig sein, sie könne aber ruhig mit den Söhnen im Garten bleiben, der mittlerweile heiter von der Sonne beschienen wurde. Die Herzdame, noch ganz enthusiasmiert vom Ende des Campingterrors, nickte lächelnd. Dann habe ich mich an Omas Schreibtisch gesetzt und das Notebook angemacht.

Denn auch in das Thema Wohnmobil muss man sich ja erst einmal in Ruhe einarbeiten.


14 Kommentare

  1. Da ich in der Campingsache ganz auf der Seite der Herzensdame bin, kann ich Ihnen zum Thema Wohnmobil soviel zu sagen:

    Wenn Sie keinen Lkw-Führerschein besitzen, ist die Sache schon „gestorben“.
    Die Herzensdame wird nämlich auf keinen Fall ein Mobil ohne eigene sanitären Anlagen akzeptieren, was schon mal alles in Bully-Größe wegfallen lässt. Ferner wird sie auch nicht unbedingt ein Alkoven-Modell bevorzugen. Eingeklemmt zu schlafen zwischen Lenkrad und Dachhimmel ist fast so nervig und eng wie im Zelt.
    Das heißt, es bleiben vorzugsweise Modelle ab Schlachtschiffgröße übrig, die ein gewisses Konfliktpotential bieten, da man eigentlich nur geradeaus fahren kann und die Besichtigung pittoresker Altstädte im gesamten Europa abhaken kann.
    Zudem man für den Preis eines Wohnmobils bis einschließlich der Abireisen der Jungs in so schicke Appartments überall auf der Welt reisen kann.

  2. Nein, bitte nicht entmutigen lassen! Man kann ja auch den LKW-Führerschein nachmachen. Vielleicht zusammen mit dem Motorradführerschein, dann sieht es nach Midlife-Crisis aus und fällt nicht so auf. Und Schlachtschiffe kann man sicher auch mieten. Von solchen Kleinigkeiten dürfen Sie sich nicht abhalten lassen! Wäre ja gelacht!

  3. Immer wieder toll die Geschichten hier.
    Und kommt mir sooo bekannt vor. Ich schaffe es ja auch immer, dass es im Urlaub regnet, wenn man es am wenigstens gebrauchen kann. Umso mehr habe ich mich auch über die letzte Woche Urlaub gefreut: Sonnenschein von Montag bis Samstag und Sonntags Auspacken, Wäschewaschen und mental wieder auf Arbeit Einstellen ist ja auch bei Regen möglich.

  4. Wohnmobil ist eine Sachgasse. Wohnwagen ist besser. Hatte ich schon erwähnt, dass es in Prerow, wahrscheinlich aus oben genannten Gründen, deutlich mehr Wohnwagen als Zelte zu mieten gibt?
    Nur so, falls ihr das mal ausprobieren wollt.

  5. Ja genau, gemietet Wohnwagen. Wir hatten in so einem Teil mal einen sehr harmonischen Urlaub in Holland. Es hat fast durchgängig geregnet, aber zum Lesen war es super.

  6. Wohnmobil gucken. Unbedingt. Das mit dem LKW Führerschein ist Quatsch, die haben normalerweise unter 3,5t. Und es ist ein super Kompromiss! Betten. Waschbecken. Dusche. Herd. Alles da. Und trotzdem Camping. Unbedingt probieren.

  7. Ich muss da Krickeline zustimmen. Wohnmobile sind ne prima Sache. Einzig fieses Detail ist das Entleeren des Klo-Tanks, aber sonst ein absolut notwendiges Erlebnis.

  8. Kinder lieben Wohnmobile oder Campinganhänger, weil man ein komplettes kleines ‚Haus‘ dabei hat. Die Raumgröße kommt ihrer Körpergröße sehr entgegen. Das Kochen und die Körperpflege sind komfortabel genug, der Geräuschpegel auf Campingplätzen kann ausgeblendet werden. Sie sind teuer, leider, und bezahlbare gebrauchte Modelle haben leider oft Einrichtungen im Stil von bräunlichem Gelsenkirchener Barock. Ich würde daher auch erstmal zum Mieten raten.

    Wohnmobile sind leichter zu manövrieren, praktischer sind Wohnanhänger, weil man nicht jedes Mal alles verstauen muss, wenn man das Auto benutzen will.

  9. Wohnwagen – das sind doch die Dinger, die gerne mal ins Schleudern geraten und sind dann so hübsch an der Autobahnböschung drapieren.

  10. … und jetzt bin ich enttäuscht. Ich dachte nun käme ein besseres Zelt ins Haus oder davor.

    Das Zelt ist einfach besser für das Erlebnis der Natur.

    Meine Herzdame konnte am Ende auch dann im Zelt sein, wenn echte Elefanten, Hyänen und andere wilde Tiere direkt um dieses schlichen. Nur eines hat sie mir dabei übel genommen, dass ich dabei auch noch schlafen konnte…..

  11. Petra übertreibt; Kl. 3 reicht vollkommen. Sogar mit dem neuen Führerschein B kann man einiges bewegen, dann muß man allerdings bei der Zulassung schwer aufpassen.

    Ich bevorzuge allerdings den Wohnanhänger, der ist erstens günstiger anzuschaffen, zweitens wesentlich günstiger zu versichern (ein Wohnmobil als Alltagsfahrzeug ist eher blöd, also muß man nebenbei ein normales Auto haben), und drittens kann man auch noch größere Touren machen, ohne das Häusel mitzunehmen. Allerdings ist die Fuhre noch mal eins länger als das Mobil.
    Ach ja: einen Wohnwagen in die Waagrechte zu stellen, kann eine Herausforderung sein. Ein Wohnmobil in die Waagrechte zu stellen, kann unmöglich sein, und dann funktioniert weder der Kühlschrank noch der Nachtschlaf der Ehefrau…

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