Fotografie

Da ich eigentlich gar keine Ahnung von Fotografie habe, wohl aber eine neue Kamera, war ich vor dem Ausflug an die Nordsee noch einmal schnell in der Bücherei und habe mir eine Armlänge Fotobücher ausgeliehen. Weiterbildung! Immer hungrig im Geiste bleiben, immer strebend sich bemühen. Wenn man schon vom Publikum Ausflüge geschenkt bekommt, kann man sich selbst auch etwas abverlangen, gar keine Frage. Also ein großer Stapel Bücher. Etwas wahllos zusammengestellt vielleicht, da ich ein quengelndes Kleinkind dabei hatte, das mal musste, Hunger und Durst hatte, lieber spielen wollte und mich, wie es lautstark verkündete, überhaupt ziemlich „plöd“ fand und dauernd an meiner Hand Richtung Ausgang zog, während ich eilig Buchtitel durchlas. Experten können raten, um welchen Sohn es sich handelte.

Ich habe all die Bücher jetzt durchgelesen – oder wenigstens quergelesen – oder wenigstens angeblättert. Und ich weiß daher jetzt quasi alles über grundlegende Techniken der Fotografie, und, was noch viel interessanter ist, ich könnte jetzt ein Fotolehrbuch schreiben. Das ist nämlich relativ einfach, wenn man ein paar gelesen hat, dann merkt man, dass in allen ziemlich exakt derselbe Inhalt steht. Es dürfte nicht weiter schwierig sein, so etwas zu reproduzieren. Das Grundrezept für ein Fotolehrbuch geht in etwa so:

Etwa ein Viertel des Buches widme man dem eher obskuren Problem der Wasserfotografie. Ich habe das bis zur Lektüre dieser Bücher gar nicht gewusst, aber offensichtlich treibt es die meisten Inhaber von Kameras um und um, wie man es denn bloß hinbekommen kann, Wasser einmal so zu fotografieren, dass man jeden Tropfen sieht, und einmal so, dass es fließend aussieht. Das Thema illustriere man zwingend mit einem Springbrunnen, es gibt definitiv kein Fotobuch ohne Bilder von Springbrunnen und das erklärt vermutlich auch, warum ich in der Fotografie nicht weiterkomme, ich fotografiere einfach keine Springbrunnen. Ich habe auch noch nie fotografisch Tropfen oder Spritzer eingefroren, ich habe Wasser bisher immer einfach ins Gefrierfach gestellt, wenn ich es gefroren haben wollte. Schlimm!

Ein weiteres Viertel widme man dem ähnlich obskuren Bereich der Feuerwerksfotografie. Denn abends, wenn rechtschaffen erschöpfte Profifotografen ermüdet aufs Sofa sinken und die rauchende Kamera endlich für ein paar Stunden an den Nagel hängen, zieht der ambitionierte Laie immer wieder hinaus in die Nacht und fotografiert ein Feuerwerk. Denn ein fortgeschrittener Fotograf ist man definitiv erst, wenn man genug brillant geknipste Feuerwerksexplosionen vorweisen kann. Was dem Jäger sein Vierzehnender ist dem Fotografen sein gestochen scharfes Feuerwerk. Keine Ahnung warum, ich habe noch nie im Leben Lust gehabt, ein Feuerwerk zu fotografieren, aber das muss so.

Im vorletzten Viertel kümmere man sich um Porträts bei Gegenlicht, die muss man irgendwie hinbekommen, statt sie einfach zu vermeiden, was in aller Regel gar nicht schwierig ist. Aber der Fotograf braucht Herausforderungen, harte Nüsse, schwierige Lichtverhältnisse. Auch das wird schon seinen Grund haben, auch wenn er mir unerfindlich bleibt.

Im letzten Viertel gehe man kurz noch auf die Sonderfälle „Strandfotografie“, „Schneefotografie“ und „Porträtsitzungen mit kohlpechrabenschwarzen Hunden“ sowie „Makros und Insektenpornos“ ein – fertig.

Abschließend muss man darauf hinweisen, dass man sehr, sehr viele Bilder machen muss, dass man nie ohne Kamera aus dem Haus gehen sollte und dass man auch bei Regen fotografieren kann, worin übrigens der tiefere Sinn der Plastiktüte zu stecken scheint, das habe ich bisher auch nicht gewusst

In einem der Bücher stand der nützliche Hinweis, dass man beim Fotografieren von Watvögeln in tropischen Regionen auf Alligatoren achten möge, das fand ich vollkommen überzeugend und einleuchtend und auch hilfreich, diesen Hinweis würde ich dann doch unbedingt zitieren wollen.

Vielleicht sollte ich einfach mal anfangen? Sachbücher schreiben ist nett, ich habe da Erfahrung. Vielleicht leihe ich aber auch besser noch eine Armlänge Fotolehrbücher aus, womöglich diesmal von etwas weiter hinten im Regal? Ich kenne mich nämlich nach wie vor nicht mit Fotografie aus, glaube ich. Spannend. Vielleicht mache ich aber auch einfach weiter Fotos, das könnte auch helfen.

Apropos. Gänzlich zusammenhangslos endet dieser Beitrag mit einem gesetzlich vorgesehen Bild. Denn laut einer Sonderbestimmung des Kreises Nordfriesland ist ein Ausflug nach Westerhever ohne Foto des Leuchtturms leider als ungültig zu betrachten. Das will ich natürlich unbedingt vermeiden.

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(Der Ausflug nach Nordfriesland wurde freundlicherweise finanziert durch die Flattr- und Werbeeinnahmen aus diesem Blog. Vielen Dank dafür!)


20 Kommentare

  1. Ist es schlimm, den Springbrunnen auszulassen? Dafür kann ich das noch viel speziellere Einfangen von einzeln aus der Pipette gedrückten Wassertropfen bieten, wie sie gerade die Oberfläche des darunterstehenden Wasserglases durchbrechen? Könner machen das mit Kaffee und Milch, aber so weit bin ich noch nicht.

    Im Urlaub habe ich auch gerade die obligatorische 30-Sekunden-Belichtung des brandungsumspülten Felsens geknipst. Arg kitschig, aber muss ja.

    Schwarzer Labrador: Check.
    Kirschblütenfeuerwerk: Check.
    Insektenporn… Zählt ein einzelnes Gewittertierchen im TFT-Bildschirm?

    Ich fühle mich leicht ertappt und wusste bislang gar nicht, dass es für meine Zielgruppe Bücher gibt. Aber wenn Sie mal eins schreiben, können wir gerne über eine Zusammenarbeit reden, dann liefere ich Ihnen die Bilder.

  2. Im fortgeschrittenen Stadium geht es dann um die Glaubensfrage, ob man seine Fotos mit Photoshop nachbearbeiten darf, bis einem das Ergebnis gefällt (Spoiler: klar darf und sollte man nach Herzenslust, nur natürlich nicht, wenn man Kriegsreporter o.ä. ist) und ob analog nicht sowieso viel wahrhaftiger ist als digital. Einig ist man sich aber offenbar, daß Instagram, Hipstamatic etc. unbedingt zu vermeiden seien, will man es je zu Ruhm und Ehre innerhalb seiner Zunft bringen.

  3. Genau diese Gedanken über den Sinn und Zweck von Fotolehrbüchern befallen mich auch jedesmal, wenn ich ein solches in die Hand bekomme. Gelernt habe ich daraus bislang noch so gut wie gar nichts, ich fotografiere nach wie vor schlicht und ergreifend „aus dem Bauch heraus“, trotz relativ teurer und schnieker Kamera. 😉
    Das vorgeschriebene Leuchtturm-Foto ist Ihnen übrigens wirklich gut gelungen.

  4. Da hat sich aber jemand tief in die Materie Fotografie hineingekniet. Danke, jetzt muss ich keine Fotobücher mehr lesen, sondern kann dank dieser Anleitung gleich selbst eines schreiben. Spart eine Menge Zeit. Die habe ich dann, um endlich mal einen Springbrunnen zu fotografieren. Der fehlt mir noch in meinem Archiv.
    Toller Text, habe herzlich gelacht.

  5. Ich habe – von einem Ohr zum anderen grinsend – sehr sehr viele Fotobücher in dieser Kurzbeschreibung wiedergefunden. Wenn ich Ihnen ein steinaltes, aber alle anderen Bücher überflüssig machendes Buch empfehlen darf: Alexander Spoerl „Mit der Kamera auf Du“. Es dürfte bei ZVAB für recht wenig Geld zu finden sein. Es stammt allerdings aus der Zeit, in der der aktuelle Streit nicht um „digital vs analog“ tobte, sondern es um die Frage ging, ob man mit Kleinbild im Vergleich zu Mittelformat überhaupt ernsthaft fotografieren könne und ob Farbfilm denn nun wirklich sein müsse. Als Zeitdokument ein Schmaus – und die technischen Zusammenhänge von Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit sind ohnehin in Stein gemeißelt und deswegen bis heute gültig.
    Wenn Sie das Buch irgendwo aufstöbern und vielleicht auch noch lesen, könnte dieser Blogeintrag ja noch eine Fortsetzung erfahren.

  6. Den weiteren Gang in die Bücherei zum Thema Fotobücher kannst Du Dir sparen, es sei denn Du suchst noch ein Buch in dem Dir die Springbrunnenbilder besser gefallen als in den vorhergehenden. Aber ansonsten ist das alles doch recht redundant.
    Wenn man einigermassen verstanden hat wie Blende, Belichtungszeit und die daraus resultierende Schärfentiefe zusammenhängen ist man so ziemlich gewappnet.
    Das digitale Entwickeln könnte man dann eh besser aus anderer Fachliteratur lernen, sowas hat in den Fotobüchern eher nichts zu suchen … aber wie sonst sollte man Bücher, die man vor 30 Jahren schon mal veröffentlicht hat, jetzt nochmal für teuer Geld erneut herausbringen? 😉

  7. So sehr ich Bücher liebe – ich weiß genau, weshalb ich das hierorts erwähnte Genre bis dato großräumig umschifft habe; will man sehr schnell den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, ist man mit Fotoratgebern allerdings bestens bedient.

    Ideal ist, über ein Bildbearbeitungsprogramm zu verfügen, welches auch die Aufnahmedaten des jeweiligen Fotos aufzeigt (Blende, Belichtung usw.), denn dann sieht man sofort die Ergebnisse diverser Experimente und macht diese somit reproduzierbar.

  8. Je nun. Das sind nun mal die Standardfälle für technische Problematiken, die einem an jeder Ecke begegnen können:
    der Springbrunnen für „kurze oder lange Belichtungszeit, was macht das und wie kann ich das nutzen“, das Feuerwerk für „sehr lange Belichtung, was kann ich damit machen“, die Portraits bei Gegenlicht für alles, was nicht im Frontallicht aufgenommen wird. Da ist eine Ecke zu dunkel, wie helle ich die auf, hier ist ein Schatten zu stark, was mache ich damit?
    Nebenbei, Frontallicht blendet nicht nur Portraitmodelle (Opfer?), sondern macht auch alles flach, konturlos. Seitenlicht mit langen Schatten – das bringt Tiefe ins Bild.
    In der Aufstellung fehlt dann noch der gesamte Komplex Tiefenschärfe/Schärfentiefe (GLaubenskrieg, welcher Begriff besser ist…) und Blende, sowie ein paar Hinweise zur ISO-Empfindlichkeit.

    Wenn man nur mit der Auto-Einstellung der Kamera herumklicken will und nur ein paar Portraits von wegen Blendung kniepernden Familienmitgliedern, dann braucht man kein Fotobuch.
    So wie man kein Reparaturhandbuch braucht, wenn man vom Autofahren nicht mehr wissen will als was man in der Fahrschule eh gelernt hat.

    Um mehr zu erfahren über das gekonnte Fotografieren bestimmter Motive, sollte zu entsprechenden Büchern gegriffen werden, die beispielsweise „Insektenfotografie“, „Sportfotografie“, „Landschaftsfotografie“ o.ä. im Titel oder zumindest im Untertitel tragen.

  9. Die Krönung wäre also ein Porträt bei Starkregen im Gegenlicht eines Feuerwerks? Mal schauen, wann wieder Dom ist.

  10. Bitte, bitte aufhören Ratgeber über Fotografie zu lernen.
    Wirklich. Das macht dermassen keinen Sinn, im Gegenteil, es droht Gefahr! Denn das Gehirn hat in der Fotografie nichts zu suchen, es sollte auf keinen Fall gelesene Sätze rezitieren, während das Auge mit dem Sucher kuschelt.
    Es ist nur das Gefühl und der Instinkt, der die wirklich guten Bilder produziert. Das Gehirn wird aus der Erfahrung (und dem, was Ihnen fotografierende Menschen erklären und bereits erklärt haben) lernen. Die Grundsätze über Blende, Schärfe und Einstellungsmöglichkeiten an der Kamera haben Sie verstanden, das reicht völlig.
    Wenn Sie sich fotografisch „bilden“ wollen, verschlingen Sie Bildbände. Sehen Sie Bilder an. Immer weiter und immer mehr. Die Bilder und die Fotografen der verschiedenen Epochen werden Ihnen zeigen, was Fotografie bedeuten kann, wie Bilder ihre Geschichten erzählen, was Licht und Schatten tun und all das wird Sie leiten und hoffentlich inspirieren.
    Ich wiederhole mich gern, legen Sie bloss diese Ratgeber weg.

  11. was mich sehr wundert, ist, daß es keine Abteilung Katzenportraits und Wassertropfen auf nackichter Herzdame gab in Ihren Büchern!
    Aber zur ernsthaften Beschäftigung mit dem Thema empfehle ich Ihnen Andreas Feininger. Egal welches Buch, die lohnen sich alle und sind sehr lesbar.

  12. Nanu, warum hat noch keiner „Goldener Schnitt“ gerufen?

    Falls wirklich der Wunsch nach verbesserung der eigenen Fotos besteht, hilft Lobhudeln per Kommentar nicht wirklich weiter – falls wirklich der Leuchtturm das Motiv sein sollte, dürfte es kein Suchbild sein.
    Offensichtlich sollte es ja aber mehr die friedliche Stimmung der Landschaft im Abendlicht abbilden.
    Ich finde es dazu alles zu mittig. Horizont mitig, Leuchtturm mittag… ach nö.
    Ich könnte mir gut vorstellen, dass in all den Ratgebern neben Springbrunnen und Gegenlichtportraits auch etwas vom goldenen Schnitt stand – und ich finde, das lohnt sich wirklich, das mal auszuprobieren.
    Ich hab mir mal die Freiheit genommen, am Foto ‚rumzuschnippeln (lösche es natürlich gleich wieder von meinem PC).
    Ergebnis siehe

  13. @anicca: Weil einige vielleicht verstanden haben, dass das Bild ein erztypisches Touristenbild darstellen sollte, und sich der normale Tourist einen Teufel um den goldenen Schnitt kümmert?

  14. Pingback: TRIPPLO.de – 3xEspressoBlog » Blog Archive » Der Weg zum Profi-Fotografen
  15. okayyy, man könnte auch fotobücher studieren. ich gehe lieber in die abteilung, in der ich mir meine kamera gekauft habe und lasse mir da alles „genau“ erklären – der verkäufer sieht aber auch gut aus!
    liebe grüße
    lisanne

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