Die berittenen Buddenbohms

Auf dem Bauernhof in Dagebüll gab es, wie bereits kurz angedeutet, fast keine Tiere, aber es gab doch immerhin einen ziemlich großen Pferdestall nebenan. Dessen Türen einladend offen standen. Verständlich also, dass die Söhne bereits Minuten nach unserer Ankunft auf dem Hof in den Stall verschwanden, wo auch schon ein paar andere Kinder waren. Ein paar davon ritten gerade in einer angrenzenden Halle, die auch nicht gerade bescheiden dimensioniert war, auf Ponys im Kreis herum. Die Söhne sahen die anderen Kinder an, sahen die Pferde an und sahen dann mich an, mit einem dieser Blicke, nach denen vermutlich auch Darth Vader ihnen einen Lolly gekauft hätte. Mindestens. Ich machte also mit der Reitlehrerin, die gerade einer Horde etwa zwölfjähriger Mädchen am praktischen Beispiel erklärte, wie man ausgewachsene Pferde auf einen Anhänger bekommt, einen Termin für den nächsten Tag aus. Die Mädchen machten rosafarbene Kaugummiblasen, die Reitlehrerin rauchte filterlos und selbstgedreht und die Söhne bissen sich vor Aufregung auf die Finger. Das Pferd mümmelte Heu vom Boden des Anhängers. Ich bekam plötzlich Hunger.

Kurz vor dem Beginn der Reitstunde klärten wir die Söhne darüber auf, dass die Reitlehrerin gar nicht für die niedlichen Ponys zuständig war, sondern für die aus Kindersicht ziemlich großen Haflinger. Die Ponys waren in Privatbesitz und nicht verfügbar. Die Söhne sahen mich nach dieser Botschaft nachdenklich und ein wenig skeptisch an und hatten es plötzlich nicht mehr ganz so eilig, in den Stall zu kommen. Langsamer werdende Schritte, erst einmal hier und da ein paar Steinchen aufheben, nachdenken, doch lieber stehenbleiben. Ich erklärte Sohn II, dass Ponys etwas für eher kleine Kinder seien, damit war die Sache für ihn schon erledigt, er wollte sofort auf das große Pferd. Dann erklärte ich Sohn I, dass man auf dem Haflinger viel besser sitzen könne, das sei ja nicht so ein unruhiges Geschüttel wie auf einem nervösen Pony, und damit war er dann auch sehr einverstanden. Die Söhne liefen weiter fröhlich geradeaus, Richtung Stall. Vielleicht hätte ich doch Motivationstrainer werden sollen.

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