Herbstzeit, Lesezeit – Zur kindlichen Reaktanz nach den Modellen der Weltliteratur

Es regnet, es wird kälter, dunkel ist es auch noch, die Söhne spielen im Kinderzimmer friedlich mit der Eisenbahn, schon seit mindestens zehn Minuten. Sie wollen nicht nach draußen, sie prügeln sich gerade nicht. Da kann man sich also endlich wieder in Ruhe Büchern zuwenden. Gerade noch rechtzeitig, bevor ich in einer der kommenden Nächte von dem einstürzenden Stapel ungelesener Bücher auf dem Nachttisch wegen einer unvorsichtigen Bewegung im Schlaf erschlagen werde. Auch der Literaturfreund lebt immer voll im Risiko.

Ich lese gerne Klassiker, das ist eine Haltung, die nicht unbedingt mehrheitsfähig ist. Ich lese sie sogar so gerne, dass es mich oft davon abhält, moderne Autoren zu lesen, schlimm, schlimm. Aber nachdem ich ein paar Jahre Leseerfahrung habe, neige ich zu der Ansicht, von den Klassikern mehr zu haben als von dem, was in den Buchhandlungen auf dem Tisch mit den Neuerscheinungen liegt. Da können natürlich dennoch großartige Werke dabei sein, keine Frage. Aber wie soll man dazu kommen, so etwas mühsam herauszufinden, so lange noch etwas Fontane übrig ist? Ich finde das immer wieder nahezu unlösbar, entscheide aber im Zweifel meist für die Vergangenheit. Für Werke, die aus ihrer Zeit herausragen wie Denkmäler. In vielen Fällen tun sie das mit gutem Recht und ich möchte an einem Beispiel zeigen, wie sinnig diese Werke immer noch sind. Betrachten wir eine typische Familiensituation im Licht einiger Klassiker. Man kommt verblüffend weit damit. Und man weiß, welche Muster nicht gut ausgehen können. Und auch, dass es letztlich keine vernünftigen Lösungen gibt.

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