Anlässlich eines Anrufs

Es gibt wirklich Männer, die mich von unbekannter Nummer aus anrufen und sagen „Hallo, hier ist Stefan.“ Sehr witzig. Ich kenne so viele Stefans, sie könnten auch sagen „Hier ist ein Mann“, das würde mir in etwa genauso viel weiterhelfen. Ich kenne tatsächlich etwa zwanzig Stefans, und wenn ich noch ein wenig nachdenke, steigt die Zahl immer weiter, bis ich auch noch die Stefans aus der Grundschule dazu addiere, allein in meiner Klasse waren es drei. In meinem Jahrgang gibt es so inflationär viele Stefans, dass alle Frauen meines Alters schon mit Stefan im Bett waren, nur nicht unbedingt mit demselben. Aber einer war immer schon da.

Wieso haben all diese Stefans nicht mittlerweile, die sind ja alle schon ein paar Jahre erwachsen, gelernt, sich am Telefon mit qualifizierenden Zusatzmerkmalen zu melden? Also zum Beispiel mit der Frau, zu der sie in enger Beziehung stehen, „Hier ist Stefan von Gloria“? Das klappt in der Regel gut, es sei denn, es ist der Stefan von Julia, denn diese Kombination kenne ich auch schon vierfach. Oder mit der Nennung des Berufs, „Hier ist Stefan, der Schlachter“, gerne auch unter Angabe beider Kriterien, um alle Risiken zu vermeiden? „Hier ist Stefan, der Schlachter von Karla.“ Okay, das könnte man missverstehen. „Hier ist Stefan von Karla, der Schlachter.“ Ist das zu viel verlangt? „Hier ist Stefan der Geschiedene, Hartz IV.“ Das hilft einem doch weiter, da weiß man Bescheid.

Mein Vorname ist natürlich auch häufig, sogar furchtbar häufig, aber wenigstens erst seit ein paar Jahren. Diese ganzen neuen Maximiliane, die rufen noch nicht irgendwo an, die laufen noch in Höhe der untersten Regalbretter durch die Supermärkte und grabbeln Überraschungseier und Smarties aus Kartons. Weswegen ich leider nicht mehr in Ruhe einkaufen gehen kann, weil alle paar Minuten eine strenge Frauenstimme hinter mir keifend „Maximilian! Nimm die Finger da weg!“ ruft.

Wenn diese neuen Maximiliane alt genug sind, um herumzutelefonieren, dann werde ich mich am Telefon mit „Hier ist Maximilian, der Ältere“ melden, versprochen, aber es ist ja noch Zeit.

Die Stefans aber, die sollten sich gefälligst ab sofort melden wie oben beschrieben. Und die Stephans auch. Und die Julias gleich mit, wenn wir schon dabei sind.

(Jüngere Leser dürfen Stefan durch Kevin tauschen, dann werden sie schlagartig verstehen)


18 Kommentare

  1. Und dann noch die Leute, die einem eine SMS schreiben, deren Nummer man aber nicht gespeichert hat. „Würde dich gerne mal wiedersehen. Wann hast Du Zeit?“ Ja, was antwortet man da? Selbst, wenn er „Stefan“ drunterschriebe, würde es mir – wie Ihnen – nichts nützen.

  2. In Bayern kann man Maximilian Maximilian durch Stefan ersetzen; „Maximilian, der Hamburger“ vermeidet Irritationen bei Ferngesprächen mit dem Süden.

  3. Das ist eh ein Phänomen: Warum die Generationsgenossen, die alle Andreas, Christian oder Mark oder eben gern auch Stefan heißen, nicht aus Schaden klug geworden ihrem Nachwuchs ein echtes Alleinstellungsmerkmal verschaffen. Also Hubertus. Oder Oberon. Oder so ähnlich. Stattdessen heißt der Nachwuchs dann Maximilian. Mit seiner kleinen Schwester Hannah. Und Nachzügler Luise.

  4. Mein (wirklicher) Vorname ist ein Alleinstellungsmerkmal, ebenso wie der Vorname meines Sohnes eines bedeutet. Und damit ist es dann so wie mit den Locken und der Grünheit des Grases. Was hätte ich darum gegeben, mit den Millionen anderen in Grundschul- und Gymnasialklassen einfach eine unauffällige Barbara sein zu können. Aber nein.

  5. Pingback: Link(s) vom 9. Oktober 2012 — e13.de
  6. Moden gehen glücklicherweise auch wieder vorbei, und so zucke ich immer seltener zusammen, wenn eine Mutter in der Ubahn kreischt „Markus, nimm die Füße vom Sitz!“

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