Kastanienzeit

Wir haben vor ein paar Tagen Freunde besucht, die aus dem netten Hamburger Stadtteil Eimsbüttel in das mir bis dahin vollkommen unbekannte Hamburg-Bramfeld gezogen sind. Auf meine Frage, mit welcher S- oder U-Bahn man sie am besten erreichen könne hieß es, am besten sei das Auto. Das sagt eigentlich alles über die Wohngegend, also alles, was ich wissen muss. Es ist natürlich nett dort, ruhig, friedlich, gute Luft und alles und es gibt bestimmt auch noch die gute Butter und die dicken Kartoffeln – aber man kommt nicht hin und nicht weg, man ist ohne Auto verloren und braucht bis zum nächsten Café eine Wegstrecke von, ach, man will das gar nicht schätzen, so etwas stimmt einen nur traurig. Die Gegend liegt im Stadtgebiet, hat mit Stadt aber nichts zu tun. Die Freunde haben ein tolles Haus gekauft, mit Garten und Wellnessbereich, alles wunderbar, alles super. Nette Nachbarn, Eichhörnchen auf der Fensterbank, Igel im Garten und womöglich Schwalben unterm Dach. Alles sehr hübsch, sehr anziehend, und wenn es nicht in Bramfeld gewesen wäre, ich wäre wirklich grün vor Neid. Es bringt einen ja tatsächlich kurz in Versuchung, so ein Haus. Der Kamin im Winter, der Garten im Sommer, der Raum. Die Anzahl der Zimmer, der Toiletten. Ja, das alles lockt dann doch ein wenig. Sie sind nicht einmal teuer, diese Häuser, wobei in Relation zu unserem kleinen Bahnhofsviertel fast nichts mehr wirklich teuer ist. Die Wohnungen, die gerade direkt hinter unserer Wohnung gebaut werden, die kosten bis zu 3.000 Euro Miete warm im Monat, ohne riesengroß zu sein, mehr muss man dazu gar nicht wissen. Wie im Gespräch mit Freunden kürzlich wieder festgestellt: „Das Immobilienthema macht einen aggro.“ In Bramfeld kriegt man noch reichlich Gelände und Gemäuer fürs Geld, es ist eine Freude, wenn man die Immobilienanzeigen ansieht. Aber, aber. Das ist Bramfeld. Ein einziges großes Aber.

(Vormerken: Bei etwaigem Umzug nach Bramfeld diesen Artikel löschen)

In der Straße standen Kastanienbäume, sehr viele Kastanienbäume sogar. (mehr …)