Der Rest von Hamburg

Wir ziehen allmählich doch in Erwähnung, tatsächlich andere Stadtteile bei der Immobiliensuche zu berücksichtigen. Langfristig. Das ist kein leichter Entschluss, denn die anderen Stadtteile haben ja alle den eklatanten Nachteil, dass sie andere Stadtteile sind und wie alle Großstädter wissen, sind andere Stadtteile in der Regel doof und voller seltsamer Typen. Sie liegen falsch, sind unschön bebaut, schwer zu erreichen und voller falscher Geschäfte und Cafés mit schlechtem Latte Macchiato. Allerdings soll es hier und da noch Mieten unterhalb von 17 Euro /Quadratmeter kalt geben, das klingt dann doch wieder interessant.

Im Zuge dieser Überlegungen fiel mir auf, dass ich zwar eloquent und argumentreich gegen Gegenden wie Farmsen oder Rahlstedt agitieren kann, tatsächlich aber noch nie da war. Diese Stadt ist genau genommen sogar voller Stadtteile, die ich überhaupt nicht kenne. Wahrscheinlich völlig zu Recht, versteht sich. Sinstorf? Marmstorf? Lokstedt? Eidelstedt? Rönneburg? Keine Ahnung. Letzteres habe ich sogar noch niemals gehört. Das geht Berlinern sicherlich genau so, darauf würde ich wetten, die kennen auch nur die vier, fünf wichtigen Gegenden, das war es dann. Der Rest ist Brandenburg. Was man hier so Pinneberg nennt.

Daher demnächst in diesem Blog: Besichtigungstouren durch Stadtteile, die nie zuvor ein Mensch aus dem kleinen Bahnhofsviertel in der Stadtmitte betreten hat. Mit Kamera und entschlossener Bereitschaft, gar nicht alles wirklich sehr schlimm zu finden. Man ist ja so weit weltoffen. Theoretisch.

Womit fängt man an, damit es nicht allzu niederschmetternd ist?


58 Kommentare

  1. Der Zauber Quickborns hat bislang auch noch keine Macht über mich gewonnen. Klar, es gibt ganz nette Golfplätze in der Gegend (Gut Kaden o. den Club an der Pinnau; die Wulfsmühle ignorieren wir mal besser), aber soooo toll sind die nicht und für Euch wohl ohnehin nicht relevant.
    „Raus aufs Land“ ist zwar schnell gemacht, aber die Jungs sind ja dann zunächst mal auf „Mamas Taxi“ angewiesen wenn sie in die Stadt müssen oder wollen. Und nur mit der örtlichen Landjugend zu spielen zu können ist auch im Teenageralter kein Zuckerschlecken.

    Was ist denn mit der Neustadt? Zwischen Michel und Gänsemarkt, sozusagen? Kommt mir immer hübsch, aber etwas trostlos vor, allerdings gilt das auch für St. Georg, nichts für ungut. Oder ist das auch hoffnungslos?

  2. Viele andere (außer meinem Kiez) Bezirke in Berlin kenne ich erst seit ich überwiegend Fahrrad fahre. Als ich noch mit der U-Bahn unterwegs war, hatte ich keinen Schimmer von der Stadt.

  3. Ist der Leidensdruck nicht allzu gross , d.h. ihr habt wirklich noch Zeit, kann ich auch nur empfehlen, sich bei sämtlichen Genossenschaften eintragen lassen. Wenn euch die Angebote nicht passen, könnt ihr ja immer noch absagen. Auf diese Weise bin ich zumindest zu einer Wohnung im für mich schönsten und lebenswertesten Stadtteil Hamburgs gekommen (Neustadt). Eine Freundin sagte mal in bezug auf Wohnen „Sekt oder Selters“‚ , also Bergstedt ist für mich dann auch nicht mehr Hamburg. Nach 12 Jahren hatte ich dann allerdings kene Arbeit mehr in HH. Da nützt einem auch die schönste Wohnung nichts mehr. Nun lebe ich gaaaaaanz woanders und bei Besuchen in der Schanze sehe ich scheinbar alles nur noch durch die „Elternbrille“ bzw. bin älter geworden. War das früher auch alles so dreckig da ? Nee, auf den Spielplatz möchte ich hier aber auch nicht gehn. Mein Vater bestätigt, es war früher auch alles so dreckig da.
    Einen sentimentalen Gruss.

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