Bookporn

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Ich bin seit Jahren Mitglied bei der Büchergilde Gutenberg, und das mit solcher Begeisterung, dass ich hier auch einmal ein wenig unbezahlte Werbung für sie machen kann. Die Büchergilde Gutenberg ist eine Buchgemeinschaft, leider ein Wort, bei dem schon viele kreischend weglaufen. Allerdings ist es eine verdienstvolle, besondere Gemeinschaft, die sich seit Jahrzehnten um das Buch verdient macht, die regelmässig Bücher herausbringt, die viel schöner sind als die Originalausgaben. Zahllose Preise hat die Büchergilde damit gewonnen und wenn man die Bücher in die Hand nimmt, dann versteht man das sofort.

Handwerkskunst, Druckkunst, Illustrationen der Meisterklasse, Typographie vom Feinsten, all das, was in vielen großen und sehr großen Verlagen so gar keine Rolle mehr spielt – und bei Ebooks natürlich schon gar nicht. Man kann die Geschichte der Büchergilde hier bei der Wikipedia ein wenig nachlesen, eine wirklich interessante Firma.

Ich habe, wie verschiedentlich früher erwähnt, rein gar nichts gegen Ebooks, ich konsumiere sie mit Spaß und in Mengen, aber je mehr ich davon lese, desto mehr Freude habe ich auch wieder an gut und fein ausgestatten Büchern, an antiquarischen Büchern, an schönen Büchern. Das schließt sich nicht aus, das passt alles sehr gut zusammen, der Zauberberg liest sich als Ebook auf dem Handy und auf dem iPad gut und schnell und komfortabel, aber es ist auch schön, die Erstausgabe in der Hand zu haben, die schon zehn Vorbesitzer hatte. Wobei ich schon glaube, dass es bei Ebooks in naher Zukunft durch die audiovisuellen Möglichkeiten auch zu ganz neuen Buchkunstwerken kommen wird, da geht noch sehr, sehr viel.

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Raymond Chandler, zu dem muss man wohl nichts sagen, der dürfte allgemein bekannt sein. Und wer nur ein Buch von ihm gelesen hat, der wird womöglich den Großen Schlaf gelesen haben, The big sleep, das vermutlich bekannteste Werk von ihm. Bei der Büchergilde in der Überetzung von Gunar Ortlepp, illustriert von Thomas Müller, gestaltet von Cosima Schneider.

Das klappt man vorne auf und fragt sich, woher man dieses Silberpapier kennt, das hat man doch schon einmal irgendwo gesehen, irgendwie gefühlt? Oder auch schon tausendmal? Aber ja doch. Das Vorsatzblatt ist nämlich genau aus dem Silberpapier, das man aus Zigarettenschachteln kennt. Was für eine schöne Idee, ein Buch mit einem kettenrauchenden Philip Marlowe so beginnen zu lassen, ganz wunderbar.

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Und so durchdacht geht es weiter, die Schrift hat ein paar gewollte Fehler, die Illustrationen wurden mit ein paar Tricks kompliziert so gestaltet, als wären sie ein wenig speckig, die Vorder- und Rückseiten der Bilder ergeben einen Raum, geprägter Leinendruck, Fadenheftung, Lesebändchen… so etwas macht dann schon viel Spaß und liest sich auch ganz anders als eine normale, eher lieblose TB-Ausgabe.

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Gute alte Buchkunst eben. Doch, das hat was. Gucken Sie mal. Ist das nicht schön?

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Und apropos Bookporn – kennen Sie das hier?


Woanders – Der Wirtschaftsteil

Wir hatten die Internetwährung Bitcoins schon einmal erwähnt, das ist auch so ein Thema, das ziemlich sicher nicht mehr weggeht. Es gab in den letzten Tagen etliche Artikel dazu in Wirtschaftszeitungen, aber hier gibt es in einem Blog eine angenehm kurze und sehr lesbare Erklärung zur Währung, da wirkt man beim nächsten Smalltalk doch gleich viel kompetenter.

Dass ein deutsches Arbeitsgericht einen Arbeitgeber und einen Arbeitnehmer zum Würfeln verurteilt hat, das haben alle mitbekommen? Dann ist es ja gut.

Bio & Regio, das hört man immer öfter zusammen und fast gleichlautend. Auf Utopia findet man gerade ein wenig Aufklärung zum Begriff “regional” bei Lebensmitteln und zu den Komplikationen, die sich dabei ergeben. Zur Abwechslung sind auch die Bildstrecken im Artikel interessant. Und wenn man sich bezüglich der Regionalität schlau gemacht hat, dann kann man gleich noch bei den Begriffen etwas weitermachen und über Fair Trade nachdenken, etwa hier bei Foreign Affairs, wo das Fair-Trade-Konzept allerdings scharf angegriffen wird (englischer Text). Mal sehen, ob wir dazu in Kürze einen Text mit  etwas anderer Position finden – Hinweise nehmen wir übrigens immer gerne entgegen.

Und wenn Fair-Trade vielleicht gar nicht richtig ist, was ist es denn dann? Darüber denken auch andere nach, nicht nur Sie. In dieser Linksammlung finden sich immer wieder Texte zur Frage, was denn nun richtig ist, was falsch ist und woran man das denn erkennen kann und was man daraus ableiten soll – in dieser Woche fragt sich das z.B. Isabel Bogdan, mit einem übrigens glanzvollen Schlusssatz zum Begriff des Gutmenschen. Und hier gibt es bei ihr auch gleich noch eine Fortsetzung zum Thema, und weitere Artikel zum Thema sind in Planung, wie gut informierte Quellen berichten. Also ich zum Beispiel.

Und gute Menschen, um das noch kurz anzuschließen, arbeiten womöglich künftig weniger, weil tatsächlich einiges dafür spricht, mit weniger Arbeitszeit auszukommen. Allerdings denken das schlechte Menschen vermutlich auch – irgendwas ist immer.  Bestimmt nicht weniger arbeiten übrigens die Textilarbeiterinnen in Bangladesch, auch wenn die großen Modekonzerne gerade sehr gerne ein wenig an ihrem Image drehen möchten und ziemlich viel Text zum Thema absondern.

Noch einmal kurz zurück zu den Begriffen, Kai Biermann analysiert hier das überaus niedliche Wort “Steuersünder”.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Thema, bei dem viele Menschen reflexartig und nahezu bedingungslos zustimmen möchten. Dieser provokante Disclaimer hier kann zwanglos dazu benutzt werden, die Sattelfestigkeit der eigenen Argumentationssicherheit zu prüfen.  Aber Achtung, der Link führt zu Heise und wie immer gilt dort: Nur nervlich sehr stabile Menschen mit heiterem Naturell, Gemütsbernhardiner und routinemäßig Sedierte dürfen dort einen Blick in die Kommentare werfen.

In Tallinn sind jetzt die öffentlichen Verkehrsmittel für die Einwohner der Stadt kostenlos. Das lässt doch hoffen, wer weiß, vielleicht ziehen die ersten deutschen Städte schon in hundert Jahren nach!

Gleich noch eine gute Nachricht hinterher, wenn wir schon in Jubelstimmung sind, ein Neunzehnjähriger macht etwas gegen den Müll im Meer. Unbedingt auch den eingebetteten Film ansehen. Das ist wirklich toll und macht gute Laune.

Zum Thema Frauenquote eine interessante Meldung von Daimler, wo die Alphamännchen tatsächlich auf die Barrikaden zu gehen scheinen. Die Geschichte greift einem wirklich ans Herz. Kleiner Scherz.

Und in der letzten Woche hatten wir einen Link zur Armut in Frankreich, da wollen wir nicht unfair sein und jetzt auch einmal nach Großbritannien sehen.

Ganz zum Schluss in dieser Woche einmal nicht zur Architektur, sondern zum Design und zur Windkraft. Mit einem wirklich bezaubernden Film über windgesteuerte Roboter. Das hat etwas von Science-Fiction und Phantasy, das ist seltsam und anrührend und überhaupt ganz wunderbar. In den Kommentaren steht die schöne Formulierung “inventing for the sake of inventing stuff”, das trifft es sehr schön. Und wenn Sie der Film in spielerische Stimmung bringt, dann werfen Sie doch eben noch einen Blick auf den hier verlinkten Kinderfilm, der inhaltlich wirklich faszinierend dicht an dem Film über den Erfinder der Windroboter dran ist. Und dann husch, husch, ab in den Hobbykeller und etwas zusammenschrauben. Die Welt braucht auch zweckfreie Zonen. Wer weiß, was daraus entsteht.

GLS Bank mit Sinn