Man kommt zu nix. Das aber gründlich.

Vor etwa zwei Wochen hatte ich eine dieser speziellen Terminlagen, die man mit “Land unter” ganz treffend umschreiben kann. Oder mit “Nichts geht mehr”. An einem Vormittag hatte ich so viel vor, dass nur noch ein einziges weiteres To-do schon im Bereich des Lächerlichen gewesen wäre, am Nachmittag das Gleiche, dazwischen keine Pause, nur ein kleiner Kulissenwechsel, wie das so ist, wenn man mehreren Berufen nachgeht. Das ist an sich übrigens meistens ganz schön, die Sache mit den mehreren Berufen, ich bin auch nach mehreren teils anstrengenden Jahren immer noch sehr angetan von diesem Lebensstil, doch, doch. Vormittags Zahlen, nachmittags Buchstaben, das ist eine feine Aufteilung. Aber ab und zu gibt es eben Tage, die wollen nicht funktionieren. Die brechen unter der Überlast der Tagesordnungspunkte schon am Morgen zusammen, wenn die Söhne beim Aufstehen nicht mitmachen, wenn sie kurz darauf auch nicht frühstücken und nicht zur Kita wollen, nicht diesen Weg gehen wollen, sondern ganz andersherum, aber nur auf einem Bein und zwar rückwärts. Wenn sie nicht ohne größere Mengen Spielzeug gehen wollen, und auch nicht in diesem Pullover, und schon gar nicht mit Papa und so weiter und so weiter. Tage, an denen man völlig entnervt die alte Parole “Single sein ist auch schön” durchs Treppenhaus schmettert, was aber nur die durch die angespannte Lage auch nicht eben vergnügte Herzdame, nicht aber die Kinder zu würdigen wissen. Das ist allerdings auch egal, denn mit der Herzdame bin ich dann zu dem Zeitpunkt eh schon mehrfach frontal so zusammengestoßen, daß wir uns besser den Rest des Tages weiträumig umfahren.

Auf dem Weg zur Kita einmal kurz aufs Handy gesehen, da sind drei Nachrichten von drei Kunden, die etwas wollen. Es sind sogar drei potentielle Neukunden, die etwas von mir wollen, das muss so eine Art Burn-Out-Satire sein, dieser Tag, und sie wollen alle eine Antwort noch am Vormittag. Ich tippe mit der rechten Hand Antwortbrocken und zerre mit der linken Hand mal an dem einen, mal an dem anderen Sohn herum. Ich werfe die renitente Bande in die Kita, flüchte ins Büro, telefoniere, beantworte Mails, meete, telefonkonferenze, supporte und Gott weiß was. Aus all dem erwachsen beständig neue Termine, nichts wird weniger, nichts löst sich auf, jede Mail generiert drei weitere, jedes Meeting gebiert einen Arbeitskreis, jedes Telefonat endet mit einem Rückrufverlangen. Zwischendurch ruft die Kita an und eine Stimme sagt “Es ist was mit ihrem Sohn”.

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