Nachtrag Minden

Nachdem mich einige beleidigte Menschen – und nicht nur die Herzdame – darauf hingewiesen haben, dass Minden auch Vorteile hat, Attraktionen und schöne Seiten – aber ja. Ich habe auch schon einmal über eine der Hauptattraktionen geschrieben, ist schon eine Weile her. Gilt aber immer noch.

Ruhelose Gesellen

Vielleicht bin ich jetzt in dem Alter, ich dem ich so dermaßen weit aus den relevanten Werbezielgruppen rausfalle, dass ich die Werbung einfach nicht mehr verstehen kann, weil sie nicht mehr auf mich und meine Lebensumstände zugeschnitten ist. Vielleicht ist es ein Schreibfehler, vielleicht habe ich auch einfach nur ein Brett vor dem Kopf, aber ich denke schon seit Tagen über eine Anzeige nach, die mich auf Facebook hartnäckig verfolgt. Es ist eine Anzeige für eine App, die ich mir auf meinem Handy installieren könnte, wenn ich denn wollte, sie kostet nicht einmal etwas. Sie will mir den überaus seltsamen Vorteil verschaffen, Handwerker unterwegs zu finden. Steht da.

Aber warum zum Teufel sollte nun jemand Handwerker unterwegs finden wollen? Was sind denn das für Leute? Gehen da Menschen in der Stadt herum, bleiben an einem schönen Plätzchen stehen und denken ach, wenn doch jetzt ein Tischler käme, der mir flugs Tisch und Stuhl hier hinschreinern könnte! Ich setzte mich glatt eine Stündchen hin! Wie schade, dass ich noch nicht diese App geladen habe! Oder haben Leute, die S-Bahn fahren, plötzlich das Verlangen, sich etwas löten zu lassen? Will man sich in der Fußgängerzone vor Karstadt die Schuhe besohlen lassen? Denkt man beim abendlichen Spaziergang vor einer zerbrochenen Scheibe: “Ach komm, ich geb hier mal schnell einen Glaser aus, kostet ja nicht die Welt?”

Oder ist es ganz anders gemeint und die Handwerker sind heutzutage selbst dauernd unterwegs, ruhelose Gesellen in Scharen, sie kreisen durch die Stadtviertel, den Blick aufs Handy gerichtet, bis die App blinkt, weil jemand ihre Nähe bemerkt hat und sie dann zur Landung auffordert?

“Schatz, wir brauchen einen Klempner. Der Hahn tropft.“
“Warte, ich sehe eben nach, wo einer läuft und winke ihn dann ran.”

Ich verstehe es einfach nicht. Aber ich habe jetzt auch keine Zeit mehr, darüber nachzudenken. So als Blogger unterwegs.

 

Woanders – diesmal mit Maschinenbauern, Kunst, Brücken und anderem

Kid37 über achtbeinige Bienen und Maschinenbauer. Ich halte das hermetische Café ja für eines der bestgeschriebenen deutschen Blogs, aber das sei hier nur ganz, ganz am Rande erwähnt. Der Meister ist immer so mädchenhaft verschämt, wenn er gelobt wird.

Kunst in der Stadt, mit der Kunst habe ich es ja gerade ein wenig. Hier geht es um urban subversion von Brad Downey, der so etwas gerne auch einmal in Hamburg machen könnte.

Frau Novemberregen trifft Brückenbauer. Wenn ich Frau Novemberregen morgens treffen würde, ich würde Haltung annehmen und sehr freundlich gucken, nur um in ihrem Blogeintrag später möglichst gut wegzukommen.

Die liebe Nessy lernt Russisch.

Das Museum of modern Mett. Schön, so schön. Oder so.

Dr. Mutti lang und gründlich über Rechtschreib- und Journalismuskatastrophen.

Martin Weigert über den Zusammenhang zwischen Gelassenheit und digitalem Publizieren. Und alle so: Ommmmm.

Eimerchen wird nass. Kann ja mal vorkommen. Ich habe noch nie im Ausland gelebt und habe das auch ganz gewiss nicht vor. Und da ich nicht gerne reise, bin ich tatsächlich auf solche Berichte angewiesen, man weiß ja sonst gar nichts von der Welt. Oder von Londons Osten. In London war ich sogar schon einmal, aber ich habe dabei nicht mitbekommen, dass die Stadt überhaupt einen Osten hat. Ich erinnere nur vage sehr, sehr schlechtes Bier.

Herr Meinhold über das Schreiben und warum das alles etwas deprimierend ist.

Lego für weit Fortgeschrittene.

 

Im Heimatdorf

Unbenannt

Unbenannt

Unbenannt

Unbenannt

Unbenannt

Unbenannt

 

Der Ausflug ins Heimatdorf wird bezahlt mit den Flattr-Einnahmen aus diesem Blog. Vielen Dank dafür!

Es spritzt

Ich war mit den Söhnen auf einem Wasserspielplatz, davon gibt es ja heutzutage erstaunlich viele. Einer dieser Spielplätze mit Pumpen, Becken und Röhrensystemen, wo alles fließt, spritzt, plätschert und matscht. Für Eltern sind diese Plätze praktisch, man zieht den Kindern fast alles aus, setzt sich auf eine Bank und sieht zwei Stunden zu, wie der Nachwuchs mit Wasser experimentiert. Das macht die Kinder zwar nass, aber auch schlau, eine frühe Heranführung an die Physik ist dabei immerhin nicht zu übersehen. Die meisten Erwachsenen ziehen es natürlich vor, dem Treiben vom Rand aus zuzusehen, denn Eltern werden nicht so gerne nass und auch nicht mit Begeisterung matschig.

Nur einige Väter stehen mittendrin an den Pumpenanlagen und Röhrensystemen und klopfen hier und da gegen etwas, wie es Männer so oft tun. Es ist eine Art Baumarktsyndrom. Mal sehen, woraus das ist. Mal sehen, wie fest das ist. Mal sehen, ob das auch anders geht. Mütter sitzen lesend oder dösend auf Bänken, die Sonne scheint, es ist im Grunde eine ganz angenehme Art, den Nachmittag zu verbringen. Wenn die Kleinen nur nicht dauernd streiten würden! Die Kinder haben nämlich ungeheuer Spaß daran, andere Kinder nass zu spritzen. Leider drehen sie aber alle komplett durch, wenn sie selbst auch nur einen einzigen Tropfen abbekommen, und da es jedem Kind gleich geht, ist es auf Dauer doch etwas anstrengend. Ohrenbetäubendes Geschrei, Tränen und das wilde Lachen derjenigen, die gerade zuletzt gespritzt haben – bis sie selbst wieder erwischt werden. Immer wieder. Die Eltern sitzen dabei, trösten, mahnen und schütteln die Köpfe, dass die Kinder das nicht gelassener nehmen können? Das ist doch ziemlich albern von den Kleinen, also wirklich. Wieso bloß können sie das nicht lernen?

Die eigene Schuld nicht wahrnehmen und dann sofort durchdrehen, wenn jemand anderes sich ein klein wenig schuldig macht. Das würde einem Erwachsenen schließlich nie einfallen.

 

(Dieser Text erschien als Sonntagskolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)