Woanders – diesmal mit Hubschrauberpiloten, der Wahl, Mr. Christian und anderem

Zunächst ein paar bemerkenswert realistische Anmerkungen zu Hubschrauberpiloten.

Felix Schwenzel besucht eine Wahlveranstaltung. Man bekommt direkt Lust, das auch einmal zu tun. Schlimm.

Ein Nachruf auf einen gewissen Mr. Christian, dessen einen Vorfahren man aus einem Film kennt. Die ersten beiden Links via Anke Gröner.

Hier besucht jemand ein Sankt-Pauli-Spiel und wenn Sie das nicht kennen, das ist eine sehr erhellende und lebensnahe Beschreibung.

Eine Lehrerin erklärt, warum sie ihren Job mag, mit einem geradezu zwingenden Argument am Ende des Textes. Aber erst alles andere lesen!

Nur für diejenige, die einen RSS-Reader benutzen: Ich versuche es gerade mit Inoreader, der ist nämlich signifikant schneller als Feedly. Und hat eine Suchfunktion, nicht ganz unwichtig. Auch das Hinzufügen neuer Feeds klappt viel besser. Hier ein deutscher Blogeintrag zum Reader.

Ein langer, langer Artikel über einen vom Boulevard.

Bilder: Ein Hippie-Camp aus den Sechziger Jahren. Schöne Bilder, ein Filmtrailer und ein lesenswerter Text. Ich habe den leisen Verdacht, diese Hippies blicken seliger auf Jugend zurück als die Hipster von heute es später tun werden.

Bilder: Umgebaute Busse finde ich immer spannend.

Bilder: Zerliebtes.

Bilder: Eine Foto-Reportage über eine Seilbahn in Russland. Das ist viel interessanter, als es vielleicht klingt.

Bilder: Die Zitronenkojotin fotografiert einen Regentag.

Bilder: Wunderbare Fotos von den Halligen.

Bilder: Eine Buchhandlung. In Hamburg gibt es nichts, was man damit vergleichen könnte. Und in Ihrer Stadt auch nicht.

Bilder: Ein verlassenes Haus.  So etwas geht ja immer.

Film: Ein 96-Jähriger schreibt einen Song für seine vor einem Monat verstorbene Frau.  Es besteht massive Rührungsgefahr.

Film: 27 gut investierte Minuten, Brian May erklärt die Entstehung der Bohemian Rhapsody. Wunderbar. Danach möchte man sich vielleicht das hier noch einmal ansehen.

 

 

Und noch einmal Dank

… an die Leserin S.H., die den Söhnen gleich doppeltes Lindgren-Vergnügen geschickt hat. Kalle Blomquist ist bei Sohn I exakt zum richtigen Zeitpunkt, “Der Drache mit den roten Augen” ist mir noch gar nicht bekannt. Das lese ich dann erst einmal heimlich. Abends, unter der Bettdecke.

Die Sache mit dem Content

Gelegentlich werde ich gefragt, wie viel ich denn dazu erfinden müsste, um auf genug Content für diese Seite zu kommen. Gerade die Sachen mit den Kindern, das könne doch so nicht sein? Dauernd neue Geschichten?

Die Frage kommt meistens von Nicht-Eltern. Eltern wissen, dass man den Kindern nur ein wenig zuhören muss, um etwas aufschreiben zu können. Wenn man dazu noch ihre Lebensumstände beobachtet, ihre Freunde, ihre Spiele, dann kommt man gar nicht mehr hinterher, wenn man alles notieren möchte, was man bemerkenswert, lustig oder tiefsinnig findet. Und da hat man dann noch gar nichts zur Kita gesagt, zum Elterngeld, zum Betreuungsgeld, zur Ernährung, zu Kinderfilmen, zur Kindermode, zu Haustieren, Elternabenden, Notfallbonbons, Motto-Partys, Legopreisen und so weiter.

Am letzten Sonntag kam Sohn I gegen sechs Uhr verschlafen aus seinem Zimmer, er ist ein Frühaufsteher, wie ich. Er wankte schlaftrunken an meinen Schreibtisch, sah kurz darunter und stützte sich dann mit dem Ellenbogen auf die Tischkante, als stünde er an einer Bar.

Sohn I: “What kind of cellar is this?”

Ich: “Bitte was?”

Sohn I: “WHAT KIND OF CELLAR IS THIS?”

Ich: “Was soll das denn heißen?”

Sohn I: “Papa, das ist Englisch. Es heißt: was für ein Keller ist das?”

Ich: “Ja, das war mir schon klar, aber wie kommst du zu dem Satz?”

Sohn I: “Na, aus der Kita. Haben wir da gelernt.”

Ich: “Ein seltsamer Satz.”

Sohn I: “Wieso? Damit kann man doch ganz gut ein Gespräch anfangen?”

Danach geht er ins Wohnzimmer und liest etwas, er ist morgens bemerkenswert pflegeleicht. Die ersten Stunden des Tages verbringt er gerne mit Lektüre. Zwei Stunden später wacht auch Sohn II auf, ein entschlossener, ein geradezu verbissener Langschläfer, ganz die Mutter. Er kommt aus dem Kinderzimmer und trägt ein Holzscheit unter dem Arm, das er gestern draußen gefunden hat. Er hat schon seit langer Zeit eine Leidenschaft für große Holzstücke, die er verblüffend ausdauernd mit sich herumtragen kann und zu denen er eine recht innige Beziehung entwickelt. Erinnerungen an eine gewisse amerikanische Fernsehserie drängen sich auf, er kann sie natürlich noch gar nicht kennen. Das hält den Sohn allerdings nicht davon ab, mit dem Holz zu sprechen.

Er stellt sich neben meinen Schreibtisch, den Blick finster, die Haare zu Berge stehend. Es ist nahezu unmöglich, sich Sohn II am frühen Morgen in einer gut gelaunten Version vorzustellen.Er drückt das Holzscheit an sich und murmelt düster, schwer zu sagen, ob ich gemeint bin oder das Holz. Es dauert eine Weile, bis ich verstehe. wovon er spricht.

Sohn II: “Morgen ist der letzte Tag.”

Ich: “Ach? Und dann?”

Sohn II: “Nichts mehr.”

Ich: “Und wenn danach doch noch ein Tag kommt?”

Sohn II: “Dann ist das der letzte Tag.”

Es ist vielleicht beruhigend zu wissen, dass er letzte Tage schon sehr, sehr oft prognostiziert hat. Wie wir alle wissen, lag er bisher nicht richtig, als Seher kann man ihn wohl nicht durchgehen lassen. Sohn II tätschelt sein Holz und geht ins Wohnzimmer. Er muss den Bruder vom Lesen abhalten, er hat einen ziemlich klaren Sinn für seine Aufgaben im Haushalt. Wie gesagt, man muss nichts erfinden, wenn man Kinder hat. Die Kunst besteht eher darin, sich rechtzeitig Notizen zu machen.

Heute ist Freitag, genießen Sie Ihr Wochenende, es ist in wenigen Stunden erreicht. Wie mir Sohn II soeben mitteilt, wird es das allerletzte Wochenende sein. Rückfragen dazu richten Sie bitte an ein Holzscheit Ihres Vertrauens.

 

Herzlichen Dank…

… an die Leserin S.F. und ihren Mann T., die den Söhnen die DVD vom Rosaroten Panther geschickt haben – die mich womöglich noch viel mehr freut, als die eigentlichen Empfänger. Wir legen auch dieses Geschenk noch ein paar Tage bis zu den Geburtstagen zurück. “Das ist toll, das mit den Lesern”, wie Sohn I neulich vollkommen uneigennützig bemerkte. Finde ich auch!

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Haben Sie heute mit den Kollegen schon die immer wieder spannende und hochbrisante Frage diskutiert, ob das Management Ihrer Firma eigentlich noch ganz bei Trost ist?  Ob die nicht vielleicht alle Qualm in der Kanzel haben? Falls nicht, holen Sie das ruhig nach. Erst recht, wenn Sie selber in der Führungsetage sind. Warum sollte man denn nicht über die Wahrheit reden?

Und der Wahnsinn im Berufsleben beginnt natürlich nicht mit der ersten Beförderung, nein,  das geht schon viel früher los. Getrieben, gezogen, gelockt, schon die jungen Leute opfern sich dem Karrieregott, und das kann man leider ganz wörtlich nehmen. Normal ist das nicht.

Man möchte nach solchen Berichten sofort alles langsamer stellen, zur Besinnung aufrufen, das irre Karussell anhalten. Immer mit der Ruhe! Etwa mit 30 Stundenkilometern, da könnte man glatt noch etwas von Edinburgh lernen.

In aller Ruhe nach Hause fahren, das wäre es doch. Durch die Straßen zuckeln, statt zu rasen. Entspannt sein. Den Job vergessen, das Heim genießen. Und dort dann den Werkzeugkasten vom Großvater entstauben und das tun, was man jahrzehntelang nicht gemacht hat: etwas reparieren. Das fühlt sich nicht nur schräg und retro an, das ist jetzt auch noch hip.

Es ist ein wahnsinnig romantisches Bild, das sich da aufdrängt. Wie man da am frühen Abend in den letzten Sonnenstrahlen vor dem Haus sitzt, das kaputte Spielzeug der Kinder vor sich, der Nachwuchs andächtig wartend daneben. “Der Kätner lehnt zur Tür hinaus, behaglich blinzelnd nach den Bienen. Sein Junge auf dem Stein davor, schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr” – haben Sie das auch noch in der Schule auswendig gelernt? Ja, das war Storm, genau. Aber egal, Bienen gibt es eh bald sowiesonicht mehr, wenden wir uns wieder der dynamischen Wirklichkeit zu. Es ist Feierabend, die Vögel singen in den ökologisch sinnlosen Rhododendron-Hecken und man schraubt und sägt und merkt endlich wieder den Sinn der Hände, die nicht nur für die Tastatur oder den Touchscreen gemacht sind. Weiter hinten tollt der Hund durch das Bild, wollte sagen durch den Garten – na, oder auch nicht. Aus Umweltschutzgründen könnte man den eventuell gleich wieder streichen.

Anderswo laufen die Hunde übrigens herrenlos herum, etwa in Detroit. Wollen Sie mal eine Zahl raten? Wieviele Hunde laufen da wohl ohne Frauchen oder Herrchen herum? Wahrscheinlich lagen Sie gerade viel zu tief.  Damit Sie sich die Hunde besser vorstellen können, denken Sie sich doch noch diese Häuser ins Bild, das passt dann schon. Beeindruckende Bilder vom Niedergang. Nicht in Detroit, aber egal. Anderswo geht es auch abwärts.

Die handwerklich Ungebabten unter Ihnen wollen zum Feierabend vielleicht lieber nicht fluchend und dreckverschmiert an Fahrradketten herumzerren, auch wenn es gerade noch so sehr in Mode ist. Aber auch diese Menschen können sich natürlich sinnvoll beschäftigen. Sie könnten etwa ein paar Kapitel zum Thema Finanzen in einem lehrreichen Buch nachlesen. Das macht nämlich sonst kein Mensch in Deutschland und vielleicht hilft Bildung auch da?

Wenn das Basteln mit den Händen oder dem Gehirn nach Feierabend aber zu anstrengend ist, dann liegt es vielleicht nur am mangelnden Energienachschub. Da wirft man hierzulange im Sommer erst einmal zwanghaft etwas auf den Grill. Und vergisst vielleicht, wie sehr man auch dabei Teil einer geschlechterrollenkonformen Zielgruppe ist.

Die Zeit, die uns so rasend durch den Alltag schleift, sie wird übrigens auch ganz von selbst wieder langsamer. Aber erst später. Viel, viel später. Das kann man in der FAZ in einem Interview mit einer Hundertjährgen nachlesen. Ein Text, der mit Wirtschaft natürlich überhaupt nichts zu tun hat. Außer dass es auch um Geschwindigkeit geht und man daher sinnig über seine eigene nachdenken kann, womit wir dann doch schon wieder bei Arbeitsprozessen sind. Warum machen wir was wie schnell? Sind wir mit dem Job auch froh, so als schnellste Maus von Mexiko? Und wo führt das eigentlich hin?

Und das lenkt den Blick dann wieder zurück auf die durchgeknallten Banker in London, der zweite Link von oben, die weniger hektischen Teile des Publikums erinnern sich vielleicht noch. Nach solchen Texten findet man oft die ganze Ausrichtung falsch, das System, die Ideologie, alles weist doch irgendwie in die Irre. Alles weist sonstwohin, aber nicht zum Glück, zum Frieden und zur Wohlfahrt. Erreicht man die nicht viel eher über soziale Werte? Oh, Werte. Da kann man also auch wieder etwas nachrechnen, das machen wir dann auch.

Womit wir am Ende unserer kleinen Wochenschau wären. Sie dürfen sich jetzt wieder Ihrem Job widmen.  Bevor es zu Entzugserscheinungen kommt.

GLS Bank mit Sinn