Der 4-Zimmer-Hamburg-Mitte-Running-Gag

Wenn ich ein Thema nicht mehr hören kann, dann ist es die Wohnungsssuche. Wenn es ein Thema gibt, das hier komplett den Alltag bestimmt, dann ist es die Wohnungssuche. Man kann sich darüber an jeder Ecke in deprimierendster Weise mit anderen Eltern austauschen, vor allem mit denen, die auch zwei Kinder haben. Denn die suchen alle die gleichen nicht-existenten, bezahlbaren 4-Zimmer-Wohnungen. Mittlerweile sind wir im kleinen Bahnhofsviertel so weit, dass man ganz ernsthaft Gerüchte über Wohnungen diskutiert, die eventuell in zwei Jahren frei werden könnten. Das Stadtviertel ist wirklich nicht groß, man kennt sich eben. Das ist natürlich albern, über diese Wohnungen muss man nämlich eigentlich gar nicht nachdenken. Denn alle Wohnungen, die hier frei werden, werden „topsaniert“ und kosten dann Mieten, über deren Höhe man nur noch lachen kann. Man kann nur gar nicht mehr lachen.

Ein Zimmer mehr, das kann man sehr einfach herunterbrechen, das würde uns – ganz egal in welcher Größe – fünf- oder sechshundert Euro im Monat mehr kosten, wenn wir in diesem Stadtteil bleiben wollen. Und zwar selbst dann, wenn die Grundfläche der Wohnung dabei genau so groß wie unsere jetzige oder sogar kleiner ist.

Und jetzt machen wir es einfach so, damit sich bei dem Thema endlich etwas bewegt: wir legen jeden Monat den Betrag zurück, den wir sparen, weil wir keine Wohnung auf dem Mietniveau haben, das hier jetzt üblich ist.  Dann lebt man eben eine Weile von Knäckebrot, das geht auch! Wir parken das Geld auf einem Sparkonto und wenn zwei Jahre herum sind, kaufen wir davon einen alten Gutshof in Mecklenburg, mit Fischrechten und Jagd und Ponyhof.

Nein, schon gut, kleiner Scherz. Ganz so ist es auch nicht. In Wahrheit kann man in Mecklenburg natürlich schon nach einem Jahr Sparen so etwas kaufen.

Das Thema macht mich wahnsinnig.

 

25 Kommentare

  1. So gerne ich ja in Hamburg leben wollen würde (mein ewiger Traum), so angenehm sind hier am Niederrhein die Preise. Für das Geld, das ihr vermutlich für eine Wohung ausgebt, bekomme ich hier in zentraler und ruhiger Stadtlage ein gediegenes Einfamilienhaus mit Garten und Schnickschnack. Sowas ist hier für unter 250k Euro zu bekommen.

    Trotzdem würde ich liber in Hamburg wohnen.

    P.S.: Wir zahlen für 140m² übrigens zur Zeit 750Euro Miete.

  2. Habt Ihr schonmal darüber nachgedacht, Euch mit anderen suchenden Eltern oder Nichteltern zusammenzutun und gemeinsam ein Wohnprojekt anzugehen? Ich habe immer mehr das Gefühl, dass es in Großstädten wie HH, M oder FFM fast keine Alternative zu solchen Modellen gibt. Wenn das in Frage kommt und Ihr da mal einen Kontakt braucht, gebt Bescheid.

  3. Die Stadt ist offensichtlich nicht daran interessiert, Familien mit Kindern leistbaren Wohnraum in zentralen Lagen anzubieten, oder wie sehe ich das ? Und dann wird groß der Geburtenrückgang allerorten moniert oder gelästert, weil junge Familien mit Kindern in den Speckgürtel oder gleich aufs Land flüchten. Nichts weniger als eine Sauerei ist das.

  4. Es ist ein Trauerspiel mit dem Wohnen in Hamburg. Und wir waren sehr froh, vor einem Jahr eine bezahlbare Wohnung zu finden, die Hund und Kind akzeptierte.
    Nun mussten wir erneut los: Diesmal (wieder) Frankfurt. Und ich muss sagen, es war deutlich einfacher als in HH.
    Daher: Ich könnte eine schöne 3-Zimmer-Wohnung in HH-Wandsbek anbieten 🙂

  5. Da ich genug Hamburger kenne, die nie auf die Idee kämen, dort nachzufragen: Saga GWG. Keine Ahnung, ob die in Sankt Georg überhaupt etwas haben. Aber bezahlbare gute Wohnungen haben sie.

  6. Die Suche zumindest auf angrenzende Stadtteile erweitern?

    Unsere ehemalige Vermieterin hatte ein tolles Konzept: Sie hat immer an junge Paare vermietet, die ihre erste gemeinsame Wohnung bezogen. Spätestens mit dem zweiten Kind mussten die raus. Allerspätestens, denn der Wohnungsschnitt war eigentlich nicht kindertauglich. Wir haben ihr die Rechnung versalzen, in dem wir über ein Jahrzehnt dringeblieben sind. Und als wir jetzt ausgezogen sind, ging die Miete über 40 Prozent hoch. Und nein, es wurde nach uns nicht luxussaniert. Es wurde quasi gar nicht saniert.

  7. Es soll auch andere gut angebundene Stadtteile in Hamburg geben, hab ich mal gehört 🙂 sich komplett auf St. Georg zu beschränken wird bei dem aktuellen Wohnungsangebot wohl ziemlich schwer. Viel Glück trotzdem 🙂

  8. … studiert mal die Anzeigen zum 50. Hochzeitstag im Lokalblätchen und werdet dort vorstellig – vielleicht wird die Wohnung bald frei 😉

  9. Bei mir gegenüber wird ja neu gebaut. Wohnen am Wasser inklusive Photoshop-Möwen und Sonnendurchflutung selbst auf der Nordseite. Preise allerdings gehoben, laut MoPo aber „moderat“. Der Sky-Markt hier hat bereits die Regale umgeräumt und verstärkt Bio gelistet. Sie könnten Ihr Blog verkaufen und von dem Geld… Und dann winken wir uns zu oder spannen so Wäscheleinen übers Wasser wie in Italien.

  10. @ AP Will die SAGA nicht einen §5 Schein sehen, wenn man dort nachfragt? Oder hat sich das heutzutage entspannt?

    @Sven Hehe, wie in Harry & Sally. „Sie könnten es uns allen viel leichter machen, indem sie die Todesanzeigen im Wohnungsmarkt plazieren.“ #gnicker

  11. Es wird nicht besser werden, Herr Buddenbohm, es wird schlimmer werden. St. Georg ist erstmal versaut, es kann einige Jahrzehnte dauern, bis der Stadtteil wieder bezahlbar wird für Normalsterbliche.
    Ziehen Sie um, bevor es in den anliegenden Stadtteilen auch zu teuer wird. Nützt ja nix.

  12. @AP
    Bitte, bitte, nicht SAGA-GWG. Kenne die Firma aus Dienstleisterperspektive (Handwerk)… oh my god.
    @Kiki
    Nein §5-Schein ist meist nur für bestimmte Wohnungen oder Wohnlagen erforderlich. Nicht nur SAGA-GWG, auch bei manchen Genossenschaften. Man versucht aber vermehrt, aus der Bindung vorzeitig heraus zu kommen.
    @alle
    Einzig mir bekannte bessere Lage seitens SAGA ist Langenhorn.
    Ansonsten moderater Wohnraum in Volksdorf/Walddörfer, Rahlstedt und Süderelbe, auch Wilhelmsburg. Nix mit HH-Mitte.
    Viel Spaß

  13. Ich kann voll verstehen, dass Ihr im Stadtteil bleiben wollt. Wir haben vier Jahre gesucht, weil es nichts gab bei uns (anderer Stadtteil, selbe Probleme, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Preisniveau) – aber wir haben nie ernsthaft anderswo gesucht. Das wäre wie ein Umzug in eine andere Stadt. Man weiß, dass man Freunde in anderen Stadtteilen Hamburgs mehr oder weniger aus den Augen verliert und sich höchstens einmal im Jahr oder so trifft. Und die Kinderinfrastruktur (Kita, Schule, Spielplätze usw.) möchte man auch nicht noch mal von vorne entdecken müssen.

  14. Auf die Gefahr hin, dass ich hier zum Bloggehassten werde. Warum nicht nach Kirchdorf-Süd? Ist nur 15 Minuten mit der S-Bahn bis St.Georg.
    Im Übrigen kann ich das Gejammer aus St. Georg nicht mehr hören. Jeder normale Arbeitnehmer muss aus seinen günstigen Einfamilienhäusern den Jobs hinterher ziehen. Das ist der Grund, warum die Wohnungen so teuer sind. Ihr wohnt da, wo Arbeit ist.

    Warum nicht Lüneburg oder Winsen? Warum nicht Lübeck oder Kiel, erstere könnten die Kolummne sogar per Fahrrad bekommen.

    Bis auf die Tatsache, dass Ihr da wohnt, fehlt mir etwas die Begründung, da zu wohnen. Für Familien mit Kindern gibt es doch wesentlich bessere und günstigere Orte. Nur, weil Ihr dort sozialisiert seid und die Annehmlichkeiten mögt, die auch die Leute mögen, die dort mit mehr Geld hin ziehen?

  15. Könnte man nicht 2,5 oder 3 Zimmer zu 4en machen, z.B. mit Raumteilern wie hier http://www.fine-shoji.de/varianten.html#raumteiler?
    Wir haben 6 Jahre zu dritt auf 39 m2 gewohnt, das ging, weil die Küche unser Wohnraum war. Das Problem war schließlich nur die Anhäufung von zuviel Kleidung und Büchern, die nicht mehr verstaut werden konnen, nicht die Anzahl von Räumen. Zugegeben, wir waren viel draußen und auf Ausflügen auf dem Land unterwegs.

    Und die Wohnung jetzt besteht aus 2 etwas größeren Zimmern, die der Vormieter mit Trennwänden zu 4 Zimmern umgestaltet hat (zwei davon jetzt Durchgangszimmer).

    4 Zimmer in der Großstadt, unbezahlbarer Luxus!

  16. Oh, ich stimme so aus vollstem Herzen zu! Wohne in derselben Stadt, allerdings weit unten rechts, also gerade nicht in einem gut angebundenen Stadtteil – und wir suchen seit knapp 6 Jahren nach einer bezahlbaren 4-Zimmer-Wohnung. Zu den exorbitanten Preise kommt hier noch hinzu, dass es schlicht keine gibt! Wer 2 Kinder hat, hat sich in Hamburg gefälligst ein Haus zu bauen, wer sich das nicht leisten kann, wurschtelt halt jahrelang auf 70qm und 2,5 Zimmern herum… Es ist schlicht zum Kotzen. Speckgürtel ist ja ein netter Vorschlag, wird aber spätestens mit schulpflichtigen Kindern schwierig.

  17. Ich find’s gut, dass Familie B. (und alle anderen) in Bahnhofsviertel suchen. Nicht nur, weil Menschen nunmal Wurzeln schlagen, sondern ganz pragmatisch, weil alles andere die Preise in meinem Viertel noch mehr nach oben treiben würde als dies ohnehin schon der Fall ist (mit Gruß & Dank an Herrn von Beust, dessen Wohnungspolitik wir heute zu spüren bekommen).

  18. Die Situation kommt mir bekannt vor, wir wohnen allerdings in Köln — und haben jetzt die Wohnungssuche aufgegeben!

    Noch vor Jahresende geht es (hoffentlich) raus aus dem Rheinland ins eigene Haus im Weserbergland.

  19. Hier in Berlin kannst du ebenfalls jede Hoffnung auf eine bezahlbare Wohnung in deinem Heimatkiez vergessen. Ganz weit draußen im Osten schon fast in Polen, da gehörst du mit Kindern hin. Vergiss all deine sozialen Bindungen. Es ist ein Trauerspiel.

  20. In Kirchwerder gibt es auch keine Wohnungen, dafür allein zwischen uns und Kindergarten (700 m) drei Häuser zu verkaufen, durchaus bezahlbar. Und wir sind fast an der Grenze zu MeckPomm. Alles in einem, sozusagen. Aber ich will ja auch keine In-Ecke aus dieser Gegend machen.

  21. Da kann man diskutieren und kommentieren, die Zahlen sind da eindeutig und sagen dir, was so etwas kostet. Nicht umsonst sparen da Normalsterbliche mehr als nur ein paar Jahre für. Aber auch da gibt es differenzen, und diese Differenzen müssen durch eine bürgerorientierte Politik (nicht durch den Markt) zumindest teilweise eingeebnet werden. Wer eine Ahnung hat, wer so etwas kann und will, soll mir bitte am besten vor der Bundestagswahl Bescheid geben, danke.

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