Woanders – diesmal mit der Heimat, dem Wiederlesen, einer Einschulung und anderem

Frau Modeste über das Wiederlesen. Das Vergnügen werde ich in Kürze neu nachvollziehen können, wenn es Herbst wird und ich wieder in Tristram Shandy hineinlesen werde. Ohne jeden Ehrgeiz, es ganz durchzulesen, aber der Anfang ist so schön, so wunderschön, es ist mir jedes Jahr ein Fest. Es gibt nichts Besseres, an den ersten langen Abenden.

Das Nuf schult ein Kind ein und weiß gar nix mehr.

Don Dahlmann versteht eh nix mehr.

Bei Frau Novemberregen kommt der Chef nicht mehr mit. In diesen ganzen Links wird anscheinend nur noch gestaunt, eine Woche der Verwirrung liegt hinter uns.

Auch Wolfram Siebeck wundert sich, und zwar über Kaffeetrinker.

Eine Liste der bestverdienenden Autoren. Ich habe verblüffend viele, da staune ich dann schon wieder, noch nie gehört, aber wenn man weder Krimis noch Fantasy liest, gehört das wohl so? Nichts gegen Krimis oder Fantasy, das ist eine reine Geschmacksfrage und soll keine Wertung sein. Früher hab ich auch mal Krimis und Fantasy gelesen! Glaube ich.

Isa hat wieder Sachen gemacht und wurde dabei nass. Was die Menschen für Content alles auf sich nehmen! So tapfer.

Georg Schramm in der taz über sich und den Zorn und die Sozialdemokratie.

Bilder: Die letzten Aufnahmen von den Beatles als Band. Auch der Text dazu ist interessant.

Bilder: Einfach nur hängende Wäsche.

Bilder: Gut angezogene Tiere.

Bilder: Das hier werden einige albern und sinnlos finden, ich finde es aber großartig. Nachkolorierte historische Schwarweißbilder, die durch die Farbe  eine ganz andere Wirkung erhalten. Ich kann die Freude am Spiel mit den Farbeffekten sehr gut verstehen, ich finde Bildbearbeitung so entspannend wie andere Sticken oder Schnitzen.

Bilder: Hier der Abschlussbericht zum iPhone-Fotoprojekt, das ich schon mehrmals verlinkt habe.

 

 

Früher war alles besser

Wissen Sie noch früher, als alles besser war? Die Musik, die Politik und die Kartoffeln? Man merkt das eigene Alter auch an der Bereitschaft, diesen Satz zu bejahen. Stimmen tut er natürlich nicht. Wenn ich die Hitparaden aus meiner Kindheit wieder anmache, dann singt da Vader Abraham das Lied der Schlümpfe, nein, die Musik war sicher nicht besser als heute. In der Tagesschau von vor -zig Jahren debattieren graue Herren über die Tarife im öffentlichen Dienst. Auch die Politik war gar nicht besser als heute. Die war auch nicht schlechter, die war genauso. Die Kartoffeln schmecken seit über hundert Jahren gleich. Früher war nichts besser. Oder fast nichts. Denn wir wollen ehrlich sein! Die Wahrheit auf den Tisch! Es ist Wochenende und wir wissen daher alle ganz gut, was früher wirklich besser war: die Brötchen.

Früher haben Bäcker Brötchen gebacken. Heute wärmt das Verkaufspersonal Teiglinge auf. Ich habe keine Ahnung, was die Bäcker heute so treiben, mit Backen hat es gewiss nichts mehr zu tun. Teiglinge kann man immer in drei Varianten kaufen. Als halbrohe Gummiware, so elastisch, dass man sie in eine Zwille spannen könnte, um damit die Frühstückseier durchs Wohnzimmer zu schießen. Außerdem als krachend splitternde Knusperhülle, die ein fluffiges Innenleben verbirgt, als würde man in ein Daunenkissen beißen. Drittens als mineralharte Kohlenvariante in dezenten Dunkelbraun- und Schwarztönen. Es ist das Grauen. Es schmeckt nicht. Niemand will das essen. Es ist nur leider nichts anderes da.

Und wissen Sie, wann die verdammten Teiglinge erfunden wurden? 1987. Danach haben die Bäcker angefangen, nicht mehr zu backen. 1987. Das war also früher! Womit wir wieder bei der Überschrift sind, die wir nun bitte gemeinsam wie folgt korrigieren: Früher war nichts besser. Aber früher wurde alles schlechter.

So viel zur Wahrheitsfindung. Manchmal ist es einfach.

 

Dieser Text erschien als Sonntagskolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung.