Woanders – Der Wirtschaftsteil

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In der Annahme, dass ein erheblicher Teil der Leserschaft immer noch in irgendwelchen Sommerlöchern herumliegt, starten wir mal mit einem Longread, es haben ja alle Zeit. Viel Zeit. Etwa für einen Artikel über das Ende eines Kaufhauses, der auch ein Artikel über die Gesellschaft ist, über den Onlinehandel, den Konsum an sich usw. Bitte sehr.

Und nach diesem langen, ruhigen Artikel wechseln wir flugs zu einer sich emsig aktualisierenden Darstellung des Konsums in Deutschland in Echtzeit. Wir empfehlen, das ein wenig offen zu lassen und einfach anzustarren. Es ist interessant, keine Frage.

Aber bevor man zu passiv vor etwas sitzt, darf man natürlich auch den eigenen Anteil nicht vergessen,die eigene Aufgabe, die eigene Möglichkeit. Auch wenn es bequemer ist, sitzen zu bleiben, auch wenn sowieso alles sinnlos ist und so weiter, schon klar. Hier ein Text gegen Ausreden. Auch einen älteren Text aus der FAZ kann man da problemlos anlegen, das passt schon. Auch wenn es natürlich gleichzeitig Meldungen gibt, die tatsächlich so klingen, als sei die Menschheit nun einmal komplett unbelehrbar.

Aber gucken wir dennoch, was die so treiben, die die Weltrettung beruflich angehen. Etwa die Sache mit dem Naturschutz also, mit bio, öko, regio. Hier geht es um ein Zero-Waste-Restaurant. Keine Woche ohne neue Vokabel! Bei manchen dieser Experten meint man, es beurteilen zu können, was sie da tun, bei manchen aber auch nicht. Etwa wenn es um Gentechnik geht. Es lässt einen doch wieder ratlos zurück. Und wenn man schon komplett ratlos ist, dann passt die wöchentliche Meldung zu TTIP doch super dazu.

Aber noch einmal kurz zurück zum oben erwähnten Waste… da findet man im Moment so manche Meldung, es werden tatsächlich immer mehr zu diesem Thema, Müll macht anscheinend kreativ.

Und von da ist es gedanklich gar nicht weit zum Pfandringerfinder, auch eine wirklich wunderschöne Berufsbezeichnung. Und zu Pfand gab es noch eine ziemlich erstaunliche Meldung in den letzten Tagen. Denn die Rückgabe von Flaschen hilft nicht nur der Umwelt und Menschen, die kann auch Tieren helfen. Guck an.

Im Kulturteil schließlich sehen wir uns eine dänische Fahrradbrücke… nein, Moment mal, hatten wir nicht gerade erst eine skandinavische Fahrradbrücke, in der letzten Woche oder so? Ja, das hatten wir. Aber es war tatsächlich eine andere und ja, wir sind dann doch allmählich etwas neidisch. Können wir jetzt bitte endlich so ein Ding in Deutschland bauen? Wir wollen auch so durch die Stadt fahren!

GLS Bank mit Sinn

Potts Park

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Der Potts Park ist ein Freizeitpark in Minden, der sich ausdrücklich an kleinere Kinder richtet. Er ist entsprechend unspektakulär ausgestattet, weil man nicht viel braucht, um etwa Dreijährige zu unterhalten, denn dort fängt es etwa an. Bei etwa elf Jahren wird es wohl aufhören, nehme ich an. Mit zwölf Jahren ist man vermutlich zu cool für den Park und geht dann erst wieder hin, wenn man eigene Kinder hat. Die Gerätschaften sind teilweise uralt, der Park ist von 1969, man sieht ihm das Alter auch deutlich an. Klingt negativ?

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Der Park ist ein Paradies für die Söhne, unsere jährlichen Besuche dort ein Höhepunkt des Sommers, gar keine Frage. Man kann sich problemlos einen ganzen Tag amüsieren, man kann sich an die eigene Kindheit erinnern, weil Spielgeräte aus den 70ern heute noch herumstehen, als hätte man sie gestern aufgebaut. Da steht tatsächlich meine Rutsche! Vom Spielplatz nebenan! Man kann zusehen, wie die eigenen Kinder Spaß haben, der genau zu ihrem Alter passst. Man kann alles immer wieder machen, nichts kostet extra. Man kann die Kinder alles machen lassen, die meisten Attraktionen sind auch für kleine Kinder selbständig machbar. Der Potts Park ist ganz entschieden einen Ausflug wert, man muss das mit Kinderaugen sehen, nur dann versteht man es. Vielleicht versteht man es auch nur ganz, wenn die Kinder noch keinen der großen Freizeitparks kennen, das kann ich mir vorstellen. Bei uns ist das so.

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Wir waren an einem Montag da, der Park war leer, wir hatten alles für uns.

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Ich habe viele Fotos gemacht, man kann sie als nostalgisch oder fortgeschritten skurril anmutende Zeugnisse eines seltsam aus der Zeit gefallenen Parks sehen – oder mit den Kinderaugen der Söhne als Erinnerungsbilder an den besten Spielplatz ihrer Kindheit, so viel Lob muss sein.

Man muss auch nicht alles verstehen, was man dort sieht. Stahl? Was?

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Bedienelemente mit einem gewissen Alter.

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Ist aber egal, es funktioniert alles.

Man muss oft selbst Hand anlegen, etwa die Schlauchboote zur Rutsche hochtragen, wie es hier die Herzdame und Sohn II tun. Sehr geile Rutsche, wie man heute sagt.

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Digitale Anzeigen braucht hier kein Mensch.

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Apropos Rutsche:

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Hier gibt es Wunder, die nur noch bei kleinen Kindern Erstaunen hervorrufen.

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Und reelle Unterhaltung. Funktionierte damals, funktioniert heute.

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Alles in einem seltsam antiquierten Design.

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Die Kinder werden sich an einen sehr bunten Park erinnern.

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Die Melancholie leerer Bänke sehen sie natürlich nicht. Egal.

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Woanders – diesmal mit einem Foodblog, Gifs, GPS und anderem

Küche: Manchmal entdeckt man ein Foodblog und staunt dann kurz, wie hübsch so etwas sein kann. Das ging mir gerade bei Tiny Spoon so.

Familie: Das ist wirklich ziemlich albern, aber ich lachte dann doch bei dem Gif Nr. 11.  Nicht direkt nach dem Essen ansehen.

Familie: Ein Artikel über GPS-Tracker für Kinder, eine ebenso abwegig erscheinende wie logische Aufrüstungsmaßnahme für Helikopter-Eltern. Also für nahezu alle Eltern, wenn man es recht bedenkt.

Familie/Reise: Bei der Frau Gminggmangg kann man gerade über etliche Einträge hinweg bei einem etwas anderen Familienurlaub mitlesen. Und das sollte man auch.

Reise: Wo ist das Meer? Ich kann die Situation nachvollziehen, ich wohne in einer deutlich abschüssigen Straße und werde dauernd von Touristen gefragt, ob die Alster da oben oder da unten liegt.

Familie: Das Nuf über Aufzughonks.

Familie: Was man als Vater so erfindet, wenn man genug Kinder hat. Ich würde das kaufen, versteht sich.

Familie: Eine Meldung zum Betreuungsgeld, die niemanden überraschen dürfte.

Gesellschaft: So geht Spaß in Deutschland.

Gesellschaft: Oliver Driesen war auf Borkum.

Feuilleton: Ein Interview mit dem Kinderbuchautor Andreas Steinhöfel.

Feuilleton: In der FAZ wird Helene Fischer erklärt.

Hamburg: Ein Artikel zur Sharing Economy in dieser Stadt.

 

Zum Willem

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Wenn man sich in Nordostwestfalen doch einmal zu einem Ausflug aufraffen kann, dann fährt man z.B. zum Willem, wie man hier sagt. Der Willem ist ein weithin sichtbares Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Stil des späten Tschingbumm, eine monumentale Anlage, die man verblüffend weit sehen kann. Das ist auch ihr Hauptzweck.

 
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Das Denkmal steht an den ersten Hängen des Wiehengebirges, das kurz hinter Minden plötzlich aus dem Boden wächst, ohne jede Vorwarnung durch irgendein sanftes Hügelland. Als würde man aus der norddeutschen Tiefebene heraus gegen eine Wand laufen.

Zum Willem kann man mit dem Auto fahren, zu seinen Füßen ist ein Parkplatz. Die Denkmalsgaststätte dort ist schon lange geschlossen, der Kiosk auch, die ganze Anlage rund um den Parkplatz ist nicht gerade einladend, um es noch freundlich auszudrücken. Dennoch werben Tourismusmanager für die Gegend tapfer mit einem Poster des Willems auf dem der Slogan “Endlich… Urlaub” die Überschrift bildet. Nun ja. Auch als Texter muss man eben irgendwas liefern, ich kenne das Problem ganz gut.

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Schilder künden oben den kompletten Umbau der Anlage an, wenn das so durchgezogen wird, dann gibt es dort bald ein ziemlich spektakuläres Ausflugslokal direkt unterm Denkmal, das sehen wir uns dann sicher wieder an. Man hat aber anscheinend gerade erst angefangen, dort herumzubuddeln.

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Kinder finden den Willem ganz interessant, weil man an seinem Podest herumklettern kann – mehr aber auch nicht. Einen Spielplatz oder sonst eine kinderkompatible Einrichtung gibt es nicht. Immerhin stehen auf dem Parkplatz oft ein Eiswagen und eine Wurstbude, das hilft etwas. Der Ausblick in die Tiefebene, bei dem die Erwachsenen unwillkürlich kurz verharren und andächtig Anerkennendes murmeln, der interessiert die Kinder aber nicht ansatzweise. Das fiel mir schon ein paar Mal auf: Kinder haben überhaupt keinen Sinn für diese Ausblick-Sache, da reicht immer eine Sekunde mit der lapidaren Feststellung: “ja, da kann man runtergucken”. Na und? Das ist den Kindern völlig wurscht. Viel spannender ist, ob sie selbst irgendwo raufkönnen.

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Und rauf konnten sie dann auch noch, denn hinterm Denkmal starten mehrere Wanderwege durch den Wald, da geht es für unsere Verhältnisse schon tatsächlich gebirgig zu. Aber dieses total befremdliche Konzept, dass Wege auch bergauf führen können, das müssen wir mit den Söhnen des Flachlandes vor dem Bergurlaub in Tirol im nächsten Jahr noch einmal gründlich besprechen. Ein Kinderstreik nach hundert Metern, weil es noch nicht wieder bergab geht, verhilft einem jedenfalls nicht zu Wanderfreuden, daran ist zu arbeiten.

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Viel weiter als bis zur ersten Schutzhütte konnten wir auf diese Art nicht kommen, dort immerhin fanden wir, liebevoll ins Holz der Sitzbank geritzt, die Vornamen zweier ehemaliger Mitschüler der Herzdame.

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Mit der Jahresangabe von damals und Herzchen, wirklich sehr romantisch. Da standen die Namen so mancher Liebespaare, der Vorname der Herzdame war aber nicht zu finden. Bei dem Schulausflug damals war wohl gerade niemand an Schnitzarbeiten für sie interessiert. Und ich hatte an dem Tag leider kein Messer dabei, sonst hätte ich das selbstverständlich sofort nachgeholt. Auch das wird vorgemerkt, versteht sich.

Aber habe ich überhaupt schon jemals einen Namen irgendwo ins Holz geschnitzt? Ich kann mich nicht erinnern. Ist das schwer? Mir fällt nur ein, dass ich mal zu Schulzeiten mit einem Lötkolben irgendwelche Frühstücksbrettchen bearbeitet habe, das war recht einfach, glaube ich,das konnte sogar ich. Beim nächsten Ausflug zur Schutzhütte nehme ich dann wohl besser einen Lötkolben mit. Immer die effizientere Lösung wählen, versteht sich.

 

Backen mit der Herzdame: Waldmeisterweingummitorte

Bis wir Kinder bekommen haben, war die Küche hier nur mein Revier, weil das Kochen in dieser Ehe fast ausschließlich mein Job ist. Gebacken wurde hier gar nichts, denn Backen mag ich nicht und die Herzdame hatte sich damit nie beschäftigt.

Waldmeisterweingummitorte

Erst durch die zahlreichen Kindergeburtstage, Kinderfeste, Kitaveranstaltungen und ähnlichen Erscheinungen ergab sich die Notwendigkeit, dauernd irgendwo Kuchen zu liefern, das war alternativlos. Man kann anscheinend keine Kinder großziehen, ohne dabei dauernd Kuchen zu backen, das ist hier so, Gegenwehr zwecklos. Dieses Backen hat die Herzdame übernommen – zunächst im mehr oder weniger passiv-aggressiven Widerstand nur mit Backmischungen und Halbfertigprodukten, dann nach und nach mit Rezepten aus ihrer Familie, schließlich sogar mit Rezeptheften, Foodblogs usw. Und weil dabei jetzt gelegentlich Ergebnisse herauskommen wie die nachfolgende Waldmeisterweingummitorte, mit der man auf jedem Kindergeburtstag wirklich Eindruck macht, werden hier in loser Folge ein paar Rezepte vorgestellt.

Woher dieses spezielle Rezept genau stammt, das lässt sich nicht mehr feststellen, es handelt sich um eine uralte Kopie aus irgendeiner Zeitschrift mit sehr viel Herzchen am Rand, mehr weiß man nicht. Es war aber damals die Lieblingskindergeburtstagstorte der Herzdame, die musste ihre Mutter wieder und wieder für sie machen. History repeating, das wird bei uns jetzt wohl auch so. Man braucht:

150 Gramm Löffelbiskuit
100 Gramm Butter
3 Blatt weiße Gelatine
1 Päckchen Götterspeise Waldmeister
100 Gramm Zucker
200 Gramm Frischkäse
2 Päckchen Vanillinzucker
3 EL Zitronensaft
Etwas grüne Speisefarbe
¼ Liter Sahne
Weingummi, viel

Nicht vergessen: Backen ohne Schürze ist ungültig, alte Regel.

Schürze

Biskuit

Die Löffelbiskuits in einen Gefrierbeutel und am besten auch noch in ein Handtuch einschlagen, es krümelt gleich nämlich wie Sau. Das verschlossene Paket vom Nachwuchs zertrümmern lassen. Ja, macht es kaputt, richtig kaputt, wir wollen das niedergemacht haben, plattgewalzt, zerstört. Die Kinder zehn Minuten gewähren lassen, das sollte reichen.

Biskuit

Biskuitpäckchen

Biskuitgemetzel

Die Butter weich werden lassen und mit den Biskutitrümmern gründlich verrühren, das kann ein williges Kind natürlich auch mit der Hand oder mit einem Gerät machen.

Biskuit und Butter

Rührgerät

Biskuittrümmerpampe in eine Tortenform füllen und von den Kindern sorgfältig andrücken lassen. Feste. Dann kalt stellen.

Biskuit in Tortenform

Die Gelatine in kaltem Wasser einweichen.

Herzdame hinter Gelatine

Götterspeise in ¼ Liter Wasser auflösen und 10 Minuten quellen lassen.

Götterspeise

50 Gramm Zucker einrühren, aufkochen, abkühlen lassen. Gelatine ausdrücken lassen und dann in die Götterspeise mischen.

Gelatine

Die Zitrone auspressen lassen. Wir machen das ohne Küchengerät, nichts als Kraft und Physik, auch wenn das vehementen körperlichen Einsatz erfordert. Kinder können sich ruhig einmal anstrengen. Kurz nach diesem Bild stand Sohn II übrigens auf der Zitronenpresse, die Zeit bis zum Absturz reichte aber nicht für ein gelungenes Foto.

Zitronenpresse

Den Frischkäse mit dem übrigen Zucker, dem Vanillinzucker und drei Esslöffeln Zitronensaft verrühren.

Grüne Speisefarbe, die in unserem kleinen Multikultiviertel natürlich vom Inder kommt, in die Götterspeise einrühren.

SpeisefarbeKurz bevor das Zeug fest wird, die Käsecreme mit einem Schneebesen unterrühren. Es kann durchaus eine halbe Stunde oder länger dauern, bis das Festwerden beginnt. Sahne schlagen und auch unterrühren.

Sahne

Dann die gesamte Masse, die jetzt auffällige Ähnlichkeit mit der Abdruckmasse beim Zahnarzt haben sollte, auf dem Tortenboden verteilen und glatt streichen.

Grüne Pampe

Mindestens 5 Stunden im Kühlschrank fest werden lassen. Dabei unbedingt die Kinder im Blick behalten, damit sie nicht per Fingerdruck prüfen, ob die Torte schon fest ist, dann hat man nämlich Spuren in der Torte, verdammt nochmal, das stört bei eventuell fälligen Fotos ganz ungemein und gefährdet den Familienfrieden.

Torte

Weingummi beliebiger Sorte von den Kindern nach Farben und Formen vorschulmäßig sortieren lassen.

Weingummi

Weingummi

Ansprechendes Muster auf die Torte legen – fertig.

Tortendeko

Das schmeckt jedem Kind, ist immer eine Überraschung und man ist garantiert nicht schon wieder der zehnte Apfelkuchenlieferant beim Sommerfest. Auch was wert!

Waldmeisterweingummitorte

Die Zubereitungszeit wird vom Rezept mit anderthalb Stunden angegeben, wir haben deutlich länger gebraucht, weil man unter Kinderbeteiligung die Küche wirklich unfassbar einsaut, das wirkt auf den Fotos seltsam, wenn man nicht zwischendurch aufräumt. Es ist überhaupt nicht zu fassen, was Backen mit Kindern in Küchen anrichtet. Aber Spaß macht es auch, doch, doch.