Mathe, Tiere, Alice

Mathematik macht schlau, da geht es um das Image und den Nutzen der Mathematik. Das schlechte Image begegnet mir gar nicht mehr so oft, es ist mittlerweile schon ganz cool, auch in Mathe was drauf zu haben. Cooler als in meiner Jugend auf jeden Fall, da war Mathe nur etwas für ausgemachte Freaks, wer in Mathe gut war, der machte auch den obersten Hemdknopf zu, solche Typen. Allerdings wird heute zumindest am Anfang der Schule, in den Grundschuljahren, Mathematik auch sinnvoller gelehrt als damals. Die Söhne haben z.B. gelernt, Ergebnisse zu schätzen, das ist sinnvoll und sofort anwendbar. Wenn ich weiß, wie weit ich in einer Stunde gehen kann, dann weiß ich auch, ob ich zu einem Ziel, das 30 Kilometer entfernt ist, zu Fuß gehen will oder nicht. Ich weiß also, wie lange ich für den Weg in etwa brauche – und diese Info reicht ja erst einmal. In Hamburg kann man so etwas praktischerweise in Alsterrunden rechnen, das versteht jeder. Wenn ich weiß, was eine Tafel Schokolade ungefähr kostet, habe ich eine Ahnung, ob ich für zehn Euro eine oder zwanzig Tafeln oder irgendwas dazwischen bekomme, das klappt und hilft sofort weiter. Wenn ich Quadratmeter schätzen kann, weiß ich, wieviel Rasensaat ich für den Garten kaufen muss usw. Keinem der Söhne kommt Mathe bisher völlig sinnlos vor, davon bin ich ganz angetan.

Übrigens fiel mir neulich auf, dass heute schon Erstklässler ein recht genaues Verständnis von Prozentwerten haben, ganz anders als wir damals. Das kommt durch die Akku-Ladestandsanzeigen überall, die verstehen sie sehr gut.

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Auf dem gefrorenen Fleet vor dem Bürofenster liegen Taubenfedern, viele sogar, dazwischen blutige Reste eines Vogelkörpers und auch Knöchelchen. Welches Tier hier wohl auf dem schmutzigen Fleeteis Tauben reißt? Greifvögel in Hammerbrook, zwischen all den Büroklötzen, man kann es sich kaum vorstellen. Ratten? Möwen? Man müsste wie son Tierfilmer stundenlang aus dem Fenster sehen, die Kamera im Anschlag. Aber das fällt im Großraumbüro dann auch wieder unangenehm auf. Nix darf man, wie die Söhne sagen würden.

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Ich lese weiter im Echolot von Kempowski, eine anstrengende Lektüre, ich muss es zwischendurch etwas weglegen, weil die Inhalte kaum zu ertragen sind. Bei den Texten aus Leningrad geht es gerade auf das unvorstellbare Grauen der Belagerung zu – zwischendurch habe ich die Tagesschau gesehen, da geht es um die geplante Belagerung von Afrin. Der Mensch lernt vielleicht Mathe in der Schule, aber gesamt betrachtet lernt er gar nix.

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Endlich mal wieder Topinambur-Kartoffel-Pilz-Gulasch gekocht, ich habe vor Jahren einmal drüber geschrieben. Schmeckt super, auch im Wiederholungsfall. Ausdrückliche Empfehlung.

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Passend zum Eis überall gibt es heute Musik mit Russlandbezug. Das war damals, das waren die Achtziger und meine Güte, was fand ich die Dame schön.

Ein paar Jahrzehnte weiter singt sie es übrigens wie folgt. Sehr interessanter Vergleich.

Apropos Achtziger: Die Herren von Soft Cell geben ihr Abschiedskonzert. Und jetzt alle:

“Sometimes I feel I’ve got to

Run away I’ve got to

Get away from the pain that you drive into the heart of me

The love we share

Seems to go nowhere

And I’ve lost my light

For I toss and turn I can’t sleep at night.”

Lange her, nicht wahr.