Zur Orientierung

Ich arbeite in einem Bürogebäude, in dem Menschen, die es zum ersten Mal betreten, nach spätestens zwei Abbiegungen eines Ganges garantiert jede Orientierung verlieren. Es ist so gut wie unmöglich, dort als Besucher einmal durchzugehen und dann genauso wieder hinaus zu finden, wenn man nicht gerade kundige Begleitung hat. Soweit ich mich erinnere, hat das noch niemand geschafft. Als wir vor ein paar Jahren in das Gebäude gezogen sind, brauchten wir Wochen bis zu einem normalen Betriebsablauf, also bis jeder auf Anhieb alles gefunden hat, seinen Schreibtisch, die Kaffeemaschine, das Klo, den Kopierer, was man als Büroangestellter eben so braucht.

Neulich kam ein verirrter Kollege, der normalerweise an einem anderen Standort arbeitet, in unser Büro, sah sich kurz um und fragte dann einigermaßen ratlos: “Ist das hier das Ende?”

Womit er eigentlich nur das Ende des Ganges meinte, denn unser Büro hat nur einen Eingang, es ist kein Durchgang, die Frage war also gar nicht so schlecht und durchaus berechtigt. Aber wie es so ist, man denkt dann eben doch eine Weile darüber nach, ob dieses Großraumbüro eigentlich das Ende ist, ob man nun will oder nicht. Ich habe jetzt nicht nur den Sohn mit dem Sinnproblem, ich berichtete hier, ich habe jetzt auch noch verwirrte Kollegen mit unerwartet tiefschürfenden Fragen. Ich brauche dann bitte bald mal ein Sabbatical, um das alles vernünftig beantworten zu können.

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And now her watch is ended.

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Im Garten einen Kirschbaum, einen Pflaumenbaum, einen Pfirsich, mehrere Himbeeren, eine Johannisbeere gepflanzt. Die Reineclaude ist bestellt. Das Kartoffelfeld ist in Vorbereitung, Radieschen, Rauke,  Speisezwiebeln und etliche Blumensorten sind schon in der Erde. Und das ist erst der Anfang.

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Easter Parade

Mein Studium, das ich damals mit dem glanzvollen Titel “Dipl.-Bibl.” beendet habe, ist zwar gefühlte hundert Jahre her, aber ein Stichwort aus dem Grundstudium ist gerade wieder sehr aktuell geworden. Das ist ein seltsam anmutender Begriff, so ein Wort, von dem man sich als Student denkt, gut, das habe ich mir jetzt zwar gemerkt, nachdem ich es etwa zweihundertmal gehört habe, das brauche ich aber ganz sicher nie wieder im Leben, das ist beim besten Willen nur Deko-Bildung. Obwohl man damit nicht einmal angeben kann, wenn man es genau nimmt, denn das kennt ja kein Mensch, bei so einem Exoten-Studium. Aber das gibt es vermutlich in jedem Studiengang, solche Begriffe, an denen sich verlässlich jene erkennen, die das studiert haben. Und wenn man zwanzig Jahre später in einer Kneipe abends dieses Schlüsselwort in sein Bier murmelt, dann fragt vielleicht jemand vom Hocker daneben, ob man auch und wann und wo denn und bei wem. Folgt großes Hallo und Verbrüderung, na, Sie kennen das.

Lange Rede, kurzer Sinn, ich lege gerade einen Ordner an, in dem ich mir akribisch genau notieren werde, was wann in welchem Teil des Gartens stehen wird, da geht es also um das System, mit dem die Beete bepflanzt werden, Fruchtfolge und so. Welches Gemüse, welche Blume wuchs also wann wo und wie erfolgreich war das. Und jetzt ein Scherz, den womöglich nur, siehe oben, sehr wenige Menschen auf Anhieb verstehen werden, der Rest kann das aber gleich gerne googeln. Obwohl sich das, offen gesagt, nur begrenzt lohnt. Auf dieses Ringbuch mache ich nämlich einen Aufkleber, und was schreibe ich da als Titel in Schönschrift hin, die ersten kommen sicher jetzt gerade schon kichernd drauf: Beethordnung. In genau der Schreibweise. Ein echter Brüller. Also für nur zwei, drei Leute, aber warum soll ich hier nicht auch einmal sehr enge Zielgruppen bedienen.

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Eine Runde Ärger. Ich verstehe insbesondere den Teil mit der CSU, die mich auch – je länger ich darüber nachdenke – immer wütender macht.

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Der folgende Link hätte eigentlich in den Wirtschaftsteil gehört, aber ich finde stets mehr, als ich da jemals unterbringen könnte. Außerdem hat der Link auch einen deutlichen Bezug zur Elternbloggerei, der ich phasenweise bekanntlich nicht fern stehe. Es geht aber auch noch um einen aussterbenden Beruf, um soziale Fragen und um Wirtschaftlichkeit. Vor allem aber geht es darum, aus einem Problem etwas Sinnvolles zu machen, und das finde ich schon aus persönlichen Gründen gut, denn ich halte mich z.B. auch für ein Problem und versuche dabei dauernd, irgendwie sinnvoll zu sein. Es geht um ein Buch über Geburten, genauer über Geburten im Auto. Und wenn Sie Geburten im Auto jetzt nur für ein Problem halten – Moment mal bitte.

Patricia Cammarata hat hier schon ausführlich rezensiert.

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Und sonst? Frohe Ostern, versteht sich.