Abraham und alles

Ich habe gestern zum ersten Mal ein Lieferfahrzeug von Amazon vor dem Haus gesehen, das kannte ich noch nicht, dass die jetzt mit eigenen Wagen illegal im Halteverbot stehen und damit nicht mehr andere beauftragen.

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Ich bin wieder Juror in einem Geschichtenwettbewerb hier im kleinen Bahnhofsviertel und lese am Vormittag stundenlang die Texte, die da eingeschickt wurden. Es gibt eben immer etwas, womit man den Sonntag voll bekommt.

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Mit Sohn II bin ich dann zu Fuß nach Eppendorf gegangen, da kamen wir nach dem Dammtorbahnhof am Platz der jüdischen Deportierten vorbei, wo noch Kränze und Lichter am Gedenkstein zu sehen waren, das musste ausführlich erklärt werden, denn Sohn II geht an nichts einfach so vorbei. Danach haben wir Stolpersteine gezählt, es waren ganze 110 nur bis zur Station Hoheluft und nur auf der einen Straßenseite, eine Zahl, die den Sohn nachhaltig beeindruckt hat. Er hat das für sich in Schulklassen umgerechnet, um es sich besser vorstellen zu können, irgendeinen Maßstab braucht der Mensch eben manchmal: “Bis hierhin wäre es eine Klasse gewesen.” Dann haben wir uns über die Nazis damals und heute unterhalten, über Verfolgte und Verfolger und Flüchtlinge und Moral und die Weiße Rose und Arschlöcher und Unschuldige und umgebrachte Kinder, und der Sohn ist sehr wütend geworden, weil das alles passieren konnte und weil der Mensch an sich einfach nicht gut genug ist.

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Dieses Gespräch fand zufällig statt an einem Tag, an dem er später zum ersten Mal ganz alleine gleich dreimal auf dem Hamburger Dom mit der Wilden Maus gefahren ist, wodurch man in Hamburg nach alter Regel zu einem recht großen Kind avanciert. Was in den Tag eines Neunjährigen eben so hineinpasst, sie wachsen an vielen Themen. 

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Mit Sohn I dagegen habe ich morgens für seine in der nächsten Woche anstehende Religionsarbeit gelernt, wobei mir auffiel, dass ich bei einigen Themen bedenklich schwächelte, wer da wann und warum genau und mit wem nach Ägypten und Kanaan und zurück, das ist ja alles gar nicht so unkompliziert. Das Ganze in der Bibel nachzulesen hätte mich aber zeitlich massiv überfordert, die Wikipedia führte leider auch viel zu weit, aber ich habe mir zu helfen gewusst und schnell die erste Hälfte der Kinderbibel inhaliert, die Sohn I damals zur Taufe von Lyssa bekommen hat, die Älteren erinnern sich vielleicht noch an den Namen und die Dame, es war ja nicht irgendeine, to say the least. Jetzt bin ich wieder halbwegs an Deck, was Abraham und Mose betrifft. Immerhin. Das Buch sortiere ich dann auch mal fix zu den Büchern, die ich auf jeden Fall behalte.

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Während ich dies schreibe, beschleicht mich übrigens der unangenehme Gedanke, dass Sohn I noch irgendwo ist, wo ich ihn vielleicht längst hätte abholen sollen – pardon, ich muss los. Jetzt.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Kurz und klein

 

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