Fresh passion

Gesichter des Exils – ein Instagram-Account.

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In der Jugendsprache, also in dem Teil davon, den ich so mitbekomme, ist fresh gerade das neue nice. Alles ist fresh, was gut ist und nice war. Der letzte Satz liest sich vielleicht etwas seltsam, zugegeben. Aber so ist es eben.

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Pizza bei der Pizza-Bande gegessen, den Laden kannte ich noch nicht. Das war sehr gut, wollte sagen fresh.

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In Hamburg hängen Plakate für eine Messe, sie ist wohl schon vorbei, glaube ich, man sieht so etwas ja immer nur aus dem Augenwinkel irgendwo am Bahnsteig. Eine Messe für Vorsorge, Pflege und Bestattungen war das jedenfalls, sie trug den bemerkenswerten Titel “Happy End” und nein, ich denke mir das nicht aus. Den Titel kennt man auch von gewissen Toilettenpapierpackungen oder von den Titelseiten einiger Groschenromanreihen und vermutlich gibt es bei Thalia auch Regale, die so betextet sind, die lassen in der Hinsicht ja nichts aus, was flach und massenkompatibel ist. Das ist jedenfalls ein etwas heikler Titel für eine Veranstaltung diese Berufe, ist es nicht? Wenn man beispielsweise in der Pflege arbeitet, strebt man dann wirklich ein Happy End an? Ich verstehe, was gemeint ist, und doch … Wenn ich mich um die Vorsorge kümmere, male ich da in rosa Glitzerschrift “Happy End” auf eine Mappe und füge auch meine letzte Spaßverfügung bei? Wenn jemand aus meinem Freundeskreis mein Ableben tatsächlich als Happy End betrachtet, ist das nicht geradezu beleidigend und was hat er davon? Wird bei Beerdigungen ein Toast auf das Happy End ausgebracht? Und wenn sie nicht gestorben sind, dann war noch kein Happy End. Ich weiß ja nicht. Happy End, das könnte doch besser ein Kongress für DrehbuchautorInnen sein.

Es gibt im Moment auch Plakate für eine BDSM-Messe, die heißt aber nicht Happy Submission oder so, die heißt einfach nur Passion. Das klingt doch im Vergleich geradezu leidenschaftslos. Wobei interessanterweise dem Wort Passion ja auch Krankheit, Leid und Tod zu entnehmen sind, besonders wenn man das mal nicht albern englisch, sondern kultiviert lateinisch ausspricht, dann springt einen das mehr an. Weswegen man die andere Messe doch auch mit einigem Recht genauso hätte nennen können, wenn man es recht bedenkt. Das hätte dann zu allerschönsten Verwechslungen bei den Besucherströmen der Passionsmessen geführt (Kirchen hätten auch noch mitspielen dürfen!), Situationskomik galore, geradezu kinotauglich wäre das gewesen, hatten wir nicht eben schon die DrehbuchautorInnen? Hier wären sie dann mal richtig sinnvoll gewesen, hier hätten sie zielstrebig auf ein Happy End nach etlichen haarsträubenden Komplikationen hinarbeiten können, wenn dann der attraktive Fetischist endlich mit der prominent besetzten Bestatterin … wäre das nicht wahnsinnig fresh gewesen? Na, was man eben so denkt, wenn man vor Plakaten steht, Sie kennen das. Und dann kommt die S-Bahn.

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Am Morgen war ein Kind krank, Schulbesuch nicht möglich. Und wissen Sie was? Die anderen drei Familienmitglieder sind wie immer aus dem Haus gegangen, während der Sohn einfach wieder ins Bett schlich. Dann folgten ein paar Whatsapp-Nachrichten und Telefonate im Laufe des Tages und mehr Aufregung ist das bei größeren Kindern dann gar nicht mehr. Also jedenfalls nicht bei den normalen Wehwehchen. Falls Sie an den organisatorischen Folgen der Krankheiten bei kleineren Kindern gerade verzweifeln – es wird besser. Ab etwa zehn Jahren.

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Musik! Ganz ohne Bezug zu Bestattern, es kann nicht immer alles aufgehen.

 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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