Gerade Gemütlichkeit gehabt

Frau Novemberregen schreibt über Gemütlichkeit, das sieht bei mir ganz ähnlich aus. Tendenziell macht mich der Begriff nervös oder aber komatös müde, je nach Tageszeit, und bei der bloßen Erwähnung von so etwas wie Wellness kriege ich bekanntlich unkontrollierbares Muskelzucken. Aber gestern! Gestern kam ich so bleiern und gedankenleer von der Arbeit, dass hier nicht einmal ein Text erschienen ist, in meinem Hirn waren nur leises Rauschen und blassgraues Flackern, diese Art von Erschöpfung, Sie kennen das. Wie früher auf dem Bildschirm, wenn man nur einen kleinen Schwarzweißfernseher und leider keinen Empfang hatte. Es war am Tag gar nichts besonderes los, ein regulärer Mittwoch, das war nur ein kleines Leistungstief, was im November ja nicht ganz unüblich ist. Und Saisonales finden wir doch super, das wollen wir alles haben, was jetzt gerade auf dem Markt angeboten wird, wir wollen die Kürbisse und das Grau und den Regen und die Abgeschlagenheit und das Frieren und die kuscheligen Decken und die frühen Lebkuchen und überhaupt, den ganzen November eben, das volle Programm, auch ruhig in XXL. So weit, so korrekt, ich saß also unschlüssig in der frühen Dämmerung auf dem Sofa herum und wartete, dass endlich ein Kind nach Hause kam, denn wenn man Nachwuchs hat, dann kann man zu heimkommenden Kindern sagen: “Mach doch bitte mal Licht an” und muss sich dafür nicht selbst bewegen, das ist manchmal ganz schön und spart anstrengende drei Meter Weg.

Licht nützte aber auch nichts mehr, weswegen ich noch früher als bei mir ohnehin üblich ins Bett ging, bzw. eher hinein fiel. Die Herzdame ging noch aus und besuchte ein wildes Konzert. Allein die Vorstellung, auf ein wildes Konzert zu müssen, sie ließ mich noch tiefer und schwerer in die Kissen sinken. Zu meiner Überraschung fanden aber auch die Söhne die Idee gut, einmal einfach auf dem Bett herumzuliegen, weswegen sie sich solidarisch zu mir gesellten und auch lasen. So lagen wir da ganze zwei Stunden lang und es wurde nicht gesprochen, nur umgeblättert. Es gab keine Action und keine Diskussionen und kein Lernen und kein Tippen und auch keine Spiele auf dem Handy, es gab quasi gar nichts, nur drei Bücher und drei Buddenbohms und das war also – so etwas muss unbedingt festgehalten werden – der lange Winterabend 2018, das war die Sache mit der Gemütlichkeit. Haben wir das also jetzt, die Kandidaten erreichen die volle Punktzahl, bitte sehr, wir sind durch.

Dann können wir ja ab heute wieder wild und gefährlich leben und spätabends noch, was weiß ich, hemmungslos herumbloggen oder so.

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Musik!

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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