Prosa und Pastinaken

In der letzten Woche war ich in der Bücherei, denn jetzt, wo meine Sachbuchphase erst einmal wieder beendet ist, brauche ich Nachschub und frisches Futter, Romane und Geschichten. Ich habe viele Bücher mitgenommen, denn ich bin ein furchtbar ungnädiger Leser und breche schnell ab, im Grunde gibt es wenig, was mich wirklich interessiert. Kein schöner Zug von mir, ich weiß. Ich habe “Das Buch der entbehrlichen Gedanken” von Ömür Iklim Demir (übers. von Gabriela Senti und Mathias Müller Senti) angelesen, das gefiel mir gut, aber dummerweise geht es u.a. um Folter, so etwas verfolgt mich dann wieder wochenlang, das las ich also nicht sehr weit. Aber wie gesagt, gut war es doch.

Ich habe Lydia Davis angefangen, das war überhaupt nicht mein Fall. Ich habe George Saunders angefangen, das war auch nicht mein Fall. Das sind aber keine Qualitätsurteile, die Bücher können meinetwegen nobelpreiswürdig sein, deswegen müssen sie mir ja noch lange nicht gefallen. Ich habe womöglich einfach einen schlechten oder auch nur zu schlichten Geschmack, man sollte das nie ausschließen. Also ernsthaft nicht, das ist gar kein Scherz, das klingt nur so. Ich habe Colm Tóibin angefangen, da wird eine Figur in einer Kurzgeschichte eingeführt mit dem Satz: “Cassidy trug, was er immer anhatte […]”, und an der Stelle hat jemand wütend an den Rand geschrieben: “Wie anschaulich!!!” Mit drei zeternden Ausrufezeichen, ich war das also nicht, so etwas mache ich nicht. Aber grundsätzlich ist diese Randbemerkung nicht völlig unverständlich, möchte ich meinen. Auch abgebrochen, das zündete irgendwie nicht.

Hängengeblieben bin ich dann an Mariana Leky mit “Was man von hier aus sehen kann”, ich glaube, danach ist mir gerade. Ein friedliches Buch, mit Liebe, angenehmen Figuren und überschaubarer Handlung, mit guten Bildern und  überhaupt schön geschrieben. Ich habe Rezensionen nachgelesen, da wird der Autorin der Satz: “Im Gegensatz zu Selma fieberte der Optiker bei der Vorabendserie kein bisschen mit, aber bei Selmas Profil, da fieberte er mit […]” allen Ernstes als Fehler angekreidet. Wissen Sie warum? Na? Weil man nur bei sich entwickelnden Prozessen mitfiebern kann, etwa bei einem Fußballspiel, nicht aber bei einem statischen Profil. Das stand da wirklich, ganz offensichtlich war da also jemand in der Feuilletonredaktion noch nie ernsthaft verliebt und hat überhaupt keine Ahnung davon, wie man bei einem Profil sehr wohl Zentimeter für Zentimeter mitfiebern kann, ein Banause erster Klasse. Denn das ist doch ein sehr brauchbares Bild, ist das doch! Aber nein, es ist ein Fehler und da freute sich also jemand wirklich, dass er diesen furchtbaren Fehlgriff  in einer Zeitung zeigefingerig und mit wahrer Oberlehrerfreude hämisch benennen konnte, Herr im Himmel. Man möchte sich beim Lesen Bücher auf den Kopf hauen. Oder ihm oder ihr, ich habe es schon wieder vergessen, wer das genau war. Egal.

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Wir haben überraschend viele und große Pastinaken aus dem längst kahlen Beet im Garten gezogen. Ich habe sie geschält, das duftete schon so, wie man es bei der Ware aus dem Laden nicht kennt. Ich habe sie mit ein paar Kartoffeln und einer Zwiebel in Öl angedünstet und dann gekocht und versuppt, ich habe alles püriert, etwas Kokosmilch untergerührt und nur mit Brühe, Pfeffer und Salz gewürzt, ein denkbar einfaches und großartiges Essen. Wenn man Pastinaken lange im Beet lässt, so wie ich das den ganzen Winter über gemacht habe, dann werden sie sehr mild und süß, die Suppe schmeckte grandios aromatisch. Sollten Sie mal Pastinaken anbauen: Lassen Sie sie lange, lange drin, es lohnt sich. Den Geschmack kennen Sie so eventuell noch nicht.

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Drüben bei der GLS Bank habe ich etwas zum Thema Arbeit und Freizeit geschrieben und zusammengestellt.

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Ein Nachruf: Mama Blume.

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Musik! Victor Borge. Endlich mal ernste Musik hier.

 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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