Hör mal, hör mal

Ich lerne gerade erhebliche Mengen Vokabeln, also eigentlich nicht ich, eher die Söhne, mein Lernen ist da nur ein Nebenbeigewinn. Ich frage ab und sage vor und schreibe auf und lasse buchstabieren und bilde lustige Beispielsätze, was man eben so macht. Dauernd fallen mir dabei zu allen möglichen Vokabeln Songs ein, in denen das zu lernende Wort im Refrain oder sonstwie prominent vorkommt, und dann kennen die Kinder den Song natürlich nicht, weil der wieder von Dean Martin oder von Jacques Brel oder so ist. Dann spiele ich ihnen den Song vor und sage “Hör mal, hör mal, da kommt es, jetzt, hörst du?”, und die Söhne gucken mich groß an und sagen ratlos: “Na und?”

Da steht man dann mit seinen musikalischen Erinnerungen und sharing ist gar nicht immer caring.

Comment soll der Junge lernen, also das französische comment, nicht das englische, comment wie in “Comment te dire adieu” sage ich sofort und da guckt er schon wieder so. Schlimm.

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Hier ein Gespräch mit Thomas Bauer (Audio), dessen Buch über den Verlust der Mehrdeutigkeit ich mit großem Interesse gelesen und erhellend gefunden habe, es waren einige wirklich originelle Gedanken darin, fand ich. Ich habe dieses Interview auf der Autobahn zwischen Nordostwestfalen und Hamburg gehört, weswegen der  Rest der Familie unfreiwillig ebenfalls zuhören musste; ich habe aber nach all den Jahren mit Leo Lausemaus und Konsorten auch ein gewisse Bedürfnis nach Revanche, das gebe ich gerne zu. In dem Interview wird irgendwann die Würde des Menschen erwähnt, wozu es von der Rückbank den Kommentar “Ah, Artikel 1” gab, woraus ich zufrieden schließe, dass die Söhne in den Schulen also tatsächlich etwas lernen. Schön!

Kurz darauf sind dann alle im Auto eingeschlafen. Also alle außer mir.

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Ein langer Artikel über Plastik im Boden und im Salat und überhaupt. Am Wochenende haben wir zufällig im Heimatdorf der Herzame gesehen, was für eine Plastikorgie ein Bauernhof heute sein kann, das Zeug wird da in so krassen Mengen eingesetzt, man kann seine Bilderbuchvorstellung vom Land unmöglich noch im Kopf behalten. Aber wenn Sie jetzt in einen Buchladen gehen und sich die Bilderbücher dort ansehen, da werden immer noch drei freilaufende Hühner von der rotbäckigen Bäuerin mit der Hand gefüttert und das herrlich dreckige Schwein strahlt durch den heimeligen Holzzaun und die taufrisch geerntete Karotte wird sanft in den Korb aus Weidengeflecht gebettet und per Kutsche oder immerhin Oldtimer-Traktor von dem Bauern mit dem lustigen Strohhut auf dem Kopf gemütlich in Ihren Edeka gefahren, es ist allerliebst. Man liest das kleinen Kindern an der Bettkante vor und zeigt die gefälligen Illustrationen und  leistet damit seinen Beitrag zum Erhalt des Systems, denn es ist ja alles gut, und wie gut das ist. Guck, das niedliche Kälbchen, guck, die goldenen Strohballen, sag, wie macht der Hahn? Und wenn er dann Kikeriki macht, dann können wir schon Bauernhof, hurra. Es ist eine so festgefahrene und für die Ewigkeit aufgeschriebene Kollektivlüge, sie ist unbedingt zu hinterfragen, und wenn man das nur lange genug tut, dann kommt man vermutlich darauf, dass es die schlicht auch deswegen gibt, damit wir sie selbst immer weiter an schöne Bilder glauben können. Vielleicht ist das sogar der Hauptzweck und diese Bilderbücher retten uns somit immer wieder das nächste Schnitzelchen.

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Der Obstanbau im Alten Land und der Klimawandel.

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Irland und der Klimawandel.

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Über autofreie Straßen, Stadtviertel, Innenstädte. In der Hamburger Innenstadt gibt es jetzt auch ein autofreies Sträßchen, das sehe ich mir demnächst mal an. Und in Ottensen geht auch etwas los, sogar ein paar Straßen mehr, und da war ich ohnehin schon lange nicht mehr.

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Aber wie willst Du den Leuten erklären, dass man auf unserem Planeten nicht mehr wird leben können? Das kann man sich eben nicht vorstellen. Und deswegen ist es so schwer den Menschen die Konsequenzen begreifbar zu machen.”

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Und manche halten es nicht mehr aus. Ich finde das verständlich. Und hoffe sehr, die Pause hört auch wieder auf. Denn eine Pause ist ja kein Ende.

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Musik! September! Da haben wir doch so eine Tradition, die Älteren erinnern sich.

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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