Traniger Überschuss

Sehr viele Menschen in dieser Stadt machen gerade ein Gesicht, das einer Redewendung voll und ganz entspricht, nämlich der Wendung: “Der macht ja ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter.” Und das liegt nicht an der Nachrichtenlage, nein. Das liegt auch nicht an den Wahlen, die viele ganz im Gegenteil sogar recht erfreulich finden, das liegt nicht am Warten auf Corona und nicht einmal an der Situation auf dem Wohnungsmarkt, das liegt an etwas, auf das man gar nicht mehr sofort kommt, nach all den trockenen Monaten, das liegt einfach an sieben Tagen Regenwetter. Und wer schon immer wissen wollte, wie die interessanten Varianten “Ein Gesicht wie vierzehn Tage Regenwetter” und “Ein Gesicht wie 21 Tage Regenwetter” aussehen, es wird in Hamburg bald über eine Million Beispiele dafür geben.

Ich jedenfalls ziehe gerade in Erwägung, mich morgens nach dem Duschen nicht mehr abzutrocknen, wozu auch, man wird eh gleich wieder nass.

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Ich höre immer weiter und mit einigem Einsatz Moby Dick. Ich gehe also noch viel mehr einkaufen als sonst, ich gehe immer noch zwei, drei Geschäfte weiter, ich mache freiwillig alle nur denkbaren Besorgungen der Familie und gehe dauernd sinnlos durch das oben erwähnte Regenwetter um Blöcke. Ich frage zu unmöglichen Zeiten sehr interessiert, ob jemand etwas braucht, irgendetwas, und dann gehe ich los, allzeit bereit. Ich würde das Buch ja sonst endlos oder zumindest jahrelang hören, und ich bin vielleicht gar nicht jahrelang in Melville-Stimmung, was weiß denn ich, as my whimsy takes me, wie es anderswo hieß. Ich bin aber trotz dieses erheblichen Einsatzes erst etwa in der Mitte des Werkes, da nützt die ganze Mühe nichts. Moby Dick ist eben ein großer Wal und kein dünnes Brett.

Man beschäftigt sich in dieser Mitte gerade in vielleicht doch etwas nervtötender Breite mit dem Verzehr von Walbestandteilen, es werden etliche Beispiele für Küchen, Zubereitungsarten, Völker und Fettarten gelistet, bis man als Leser oder Hörer endlich Wahnvorstellungen vom tranigen Kalorienüberschuss bekommt. Die Kapitel sind also nicht direkt appetitanregend, eher im Gegenteil, und man kann ja auch mal ohne Abendbrot ins Bett und von einem frühlingsgrünen Salätchen träumen.

Weltliteratur als Diätform, das habe ich so noch gar nicht gesehen.

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Kiki über gute Kunst, mit einem sehr feinen Zitat am Ende. Hier noch die Langversion zum Zitat, auch sehenswert:

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Über den Begriff “Erbenszähler”.

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Noch eine kleine Geschichte, die erzählt heute Dota Kehr, nämlich die Geschichte von den beiden im Bus.

Und apropos Dota, da gibt es auch ein neues Stück, wenn auch ohne Filmchen, noch einmal etwas von Kaléko, wieder mit Begleitung, die einem bekannt vorkommt. Schön, schön:

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld für Salätchen in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!