Eine Dankespostkarte

Rückseite

Ich habe zu danken für die freundliche Zusendung des „Bukolischen Tagebuchs“ von Wilhelm Lehmann, ich habe das Buch vor einiger Zeit schon einmal im Blog erwähnt. Wer sich für Nature Writing interessiert und dabei besonders für deutsche Texte – Volltreffer. Ich möchte es gerne noch ein-, zweimal lesen, deswegen ist es ein erfreuliches Geschenk für mich.

Vorderseite

Es wäre schick und passend, hier jetzt ein Naturbild einzukleben. Ich habe aber gerade keines und ich möchte diese Dankespostkarten möglichst aktuell bebildern. Nicht irgendeiner Logik, nur einer Laune folgend, versteht sich. Ich nehme also ein Bild vom Arbeitsweg, es ist frisch von heute Morgen und ziemlich großstädtisch. Wenn Sie auf dem Dorf leben oder in einer kleineren Stadt, haben Sie dergleichen vielleicht noch gar nicht gesehen. Spektakulär ist es allerdings nicht, auf den ersten Blick nur etwas seltsam, man sieht wohl zweimal hin – aber nur beim ersten Mal. Danach ist das dann schon Alltag.

Mir kommt also auf dem Gehweg kurz vor einer Schule einer dieser Elektroroller entgegen, die man mieten kann und die, das weiß vermutlich jede und jeder, nach Gebrauch überall in Wildwestmanier abgestellt werden, worüber sich viele ärgern. Auf diesem Roller fahren drei Schüler, sie sind nur knapp über dem Grundschulalter. Die Fahrt schlingert etwas, weil sie dabei eine Menge Spaß haben, und aus dem Kinderknäuel ragen links und recht jeweils zappelnde Arme und Beine hervor, da sieht man Zentrifugalkraft und Gleichgewichtssinn und Albernheit in wilder Kombination. Es liegt ein dreistimmiges Kreischen in der Luft und von souveränem Lenken kann überhaupt keine Rede sein.

Es ist ein Bild, das vielleicht Fragen aufwirft. Etwa: Dürfen die das? Die Antwort ist nein, das dürfen sie keineswegs. Sie dürfen weder zu dritt fahren, noch dürfen sie überhaupt als Kinder fahren, und gleich gar nicht auf dem Fußweg, da kommt also einiges zusammen. Die nächste Frage ist, wer zahlt denn das? Die Elektroroller sind nämlich happig teuer und ich z.B. würde sie meinen Söhnen nicht für den Schulweg finanzieren, also davon abgesehen, dass das eh nicht erlaubt ist. Ich würde die Herren Söhne, wenn sie so etwas verlangen sollten, vielmehr freundlich fragen, ob sie denn noch alle Tassen … na, und so weiter.

Aber noch einmal, wer zahlt denn das? Die Kinder sicher nicht, sie werden ja nicht über Kreditkarten verfügen. Gibt es also Eltern, die im Ernst morgens ihren Nachwuchs auf so ein Ding stellen und sagen: „Fahr schön vorsichtig, bis nachher“? Ich weiß es nicht, vielleiht fehlt mir da auch etwas Fantasie. Ich weiß aber zufällig, das andere Kinder, die morgens von ihren Eltern nicht auf diese Elektroller gestellt werden und schnöde zu Fuß gehen müssen, sich gegenseitig etwas zuraunen, wenn sie so eine wilde Fahrt sehen. Und zwar raunen sie: „Die haben den Hack.“ Englisch ausgesprochen, versteht sich, den Häck haben die. Es gibt da nämlich eine kollektive Annahme, man könne die Roller hacken und dann umsonst und dauernd damit fahren. Ich halte das für herzlich wenig plausibel, denn wenn es so wäre, wüssten doch binnen einer Woche alle Hamburger Kinder, wie dieser Hack geht und es gäbe in der Folge keine freien Elektroroller mehr, nie und nirgends.

Nein, ich denke, es gibt keinen Hack. Aber eine Erklärung habe ich auch nicht, denn diese Kinder auf dem Roller da, die waren kein Einzelfall. Aber es kann ja auch mal Bilder geben, die man nicht sofort versteht.

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!