Das ungefähre Vorhaben

Im Garten blühen die Schneeglöckchen, und zwar tun sie das im toten Winkel des Gartens. Also in einer Ecke, die im Sommer schattig liegt. Die Erde ist da nicht so gut, da ist dröger und verhärteter Boden, keinen Spatenstich schafft man da. Es ist zudem ein Grenzstück zu den Nachbarn, weder wir noch die machen da etwas, das ist, soweit es das im Schrebergarten überhaupt geben kann, ein Quadratmeter eher unkultivierte Brache, die aber nicht zu einer üppigen Wildnis wurde, eher zu einer Art müdgrüner Karstlandschaft. Der am wenigsten angesehene und betretene, der kaum jemals gewürdigte Bereich ist das, der Fleck, an dem man vorbeigeht, ohne hinzusehen. Und da blühen die also. Eine kleine Kolonie weißer Lämpchen nur, man kann sie schnell übersehen. Aber wenn man erst weiß, dass sie da sind, dann wartet man auch auf sie und sieht immer mal wieder nach. Und deswegen gucken wir also wenigstens einmal im Jahr, sehr früh im Frühjahr, da hin und lächeln und bücken uns und freuen uns. Ist das nicht geradezu kalenderspruchmäßig deep und besinnlich? So ist das mit Gärten, so ist das immer.

Wir ernten Pastinaken, die sind nach dem Winter in der Erde so aromatisch und duften dermaßen angenehm, man könnte sich reinlegen. Wieder nehme ich mir vor, noch viel mehr Pastinaken zu säen, denn das ist es wert, dass man diese kleine Freude noch vor dem eigentlichen Beginn des Gartenjahres hat, diese erste Ernte als Nachhall des letzten Sommers und auch als allerletztes Winteressen. Die Pastinaken scheiden die Jahre, nach den Pastinaken das Neue.

Mehr Pastinaken also. Das reicht eigentlich schon als Plan, beschließen wir spontan. Der Rest ergibt sich. Der Winter war so unfassbar anstrengend, zehrend und fordernd, der Garten wird uns in diesem Jahr nur zur Erholung dienen müssen. Es wird keinen Anbauplan geben, keine Projekte, keine Vorhaben. Hinfahren und Kaffee trinken. Hängematte und Kuchen. Lesen und Schreiben und Schlafen. So etwas. Wir machen nur, was leicht ist, wir machen nur, was uns einfällt. Radieschen, Mangold, Zuckererbsen. Kartoffeln, Kürbis, die sind alle leicht und gut. Wir spielen „Das Beste aus 2020, 2019 und 2018“, wir legen das Gemüse von damals auf.

Das Obst macht sich eh selbst. Unterm Baum stehen und auf Kirschen warten.

Ein Sohn liegt auf dem Rasen und guckt in den Himmel. Das ist das Vorhaben, genau das.

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