Nichts II

Am Sonntag habe ich weiterhin nichts gemacht, und das sogar im Intermezzosommer, im Garten. Dabei habe ich allerdings oft aufs Handy gesehen und mich zwischendurch gefragt, wie problematisch ich das eigentlich finde. Junkie? Smombie? Macht man denn wirklich nichts, wenn man aufs Handy guckt und etwa durch Twitter scrollt? Muss ich scrollen oder will ich? Darf ich? Wie ich immer sage, übers Müssen, Wollen, Können und Dürfen nachzudenken, das reicht schon als Lebensaufgabe, das ist schon kaum zu schaffen. Muss ich richtig nichts machen? Geht’s noch?

Dann aber wieder gedacht – es ist ja etwas anderes. Ich scrolle da immerhin nicht durch irgendwas, nicht durch Beliebigkeiten ohne Bezug, ich lese da nicht stumpf die Freizeit-Revue (was aber letztlich auch okay wäre). Ich scrolle durch Meldungen von Menschen, die ich überwiegend mag, die ich zu einem nicht kleinen Teil persönlich kenne, die mich seit vielen Jahren begleiten, mit denen ich schon etwas mitgemacht habe. Die mir vielleicht mal geholfen haben oder ich ihnen, mit einem Satz oder etwas anderem. Es ist ein wenig, als würde ich die Tür zu einer ewigen und stets gut besuchten Party aufmachen, kurz durch die Küche gehen, wo die immer gleichen Leute vor den Salaten und den Getränken stehen, der harte Kern. Als würde ich dort vielleicht ein, zwei Sätze wechseln und dann wieder gehen. Und der Hammer: Niemand nimmt mir das übel. Niemand fragt, wo ich hingehe. Ich habe da also diese Party in der Hosentasche, ich habe meine Aufmunterungstruppe, meinen Sozialklimbim, meinen Anschluss an die Welt jederzeit abrufbar, und ich kann dabei so introvertiert und schlechtgelaunt und knurrig, smalltalkavers oder auch vollkommen verpeilt sein, wie ich nur will. Ich finde es herrlich, und ich denke gar nicht daran, das schlecht zu finden. Ich hätte es im Gegenteil immer schon haben sollen, es ist perfekt für mich.

Das ist eine mittlerweile altmodische Sicht auf soziale Medien und klar, Twitter ist auch etwas anderes, viel Schlechteres. Vielleicht ist es das sogar vor allem. Aber erstens darf ich qua Geburtsjahr altmodisch sein und zweitens kann ich wahrnehmen, was ich will.

Bei Facebook gelingt mir das übrigens nicht, Facebook ist einfach die Pest. Ein ganz schlimmer Ort, aber da hat jede und jeder so seine Vorlieben.

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Dann doch wieder ein Buch angelesen, Robert Louis Stevenson, den ich sehr bewundere: St Ives. In der schönen und frischen Übersetzung von Andreas Nohl. Ein wunderbar mitreißender Einstieg und noch herrlich viele Seiten vor mir, es ist alles ganz wunderbar schmökerhaft. Stevenson hatte es einfach drauf, nach wie vor für mich einer der ganz Großen und wenn ich „gut erzählt“ meine, denke ich oft an seine Art.

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Im Drogeriemarkt steht ein neues Regal, so eines dieser spontan in den Weg gestellten Sonderregale. Es sind Schokoladenosterhasen und entsprechende bunte Eier darauf. Für einen Moment, für einen ganz kurzen Moment nur, bin ich mir nicht sicher, ob Ostern schon war oder nicht. Dann erst sehe ich im Vorbeigehen die 50%-Aufkleber, die Rabattschildchen, alles muss raus. Natürlich. Vor meinem geistigen Auge justiert sich ein Wandkalender und ruckelt sich zurecht, Pfingsten voraus. Aber ich merke doch – ich bin weiterhin enorm leicht zeitlich zu verwirren. Sagen Sie mir einen Wochentag, ich nehme ihn.

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In den Timelines geht es um Impfneid. Ein im Affekt auftretendes Gefühl, ich kann nichts Schlimmes daran finden. Die Frage ist doch, ob im weiteren Fortgang der Gedanken der innere Fünfjährige gewinnt oder nicht, aber das gilt ja für verblüffend viele Themen im Leben und die Sache mit dem Erwachsenen-Ich bleibt nun einmal hier und da recht anspruchsvoll. Kein Grund, gleich aufzugeben! Vernunft kann gewinnen.

Ich fühle heute übrigens keinen Impfneid, deswegen habe ich auch gut reden, ich fühle, und das aber vehement, Mauerseglerneid. Jedes Jahr im Frühjahr melden nämlich diverse Menschen aus verschiedenen Gegenden der Republik triumphierend die Rückkehr der Mauersegler, ihrer Mauersegler, und ich habe den starken Verdacht, ich habe noch nie im Leben einen gesehen. Dabei soll es in Hamburg sogar welche geben. Mauersegler meiden mich. Schlimm.

Update: 10 Minuten nach diesen Zeilen einen Impftermin bekommen. It’s magic.

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Links am Morgen

Ich finde das hier auch deswegen interessant, weil es eine Corona-Folge der besseren Art ist. Vermutlich ein Beispiel von Tausenden. Es wird solche Spuren geben, viele und überall. Wie es aussieht, kehre auch ich nicht für fünf Tage in der Woche ins Büro zurück. Es wird anders bleiben und sein, vielleicht wird es hier und da sogar besser sein, was denke ich heute wieder positiv. Wobei ich es, ich erwähnte es bereits einmal, gar nicht recht einschätzen kann, denn ich kenne Home-Office ja bisher nur und ausschließlich in Verbindung mit Home-School. Die ersten Tage mit Home-Office als purer Variante, sie werden interessant für mich werden – vielleicht werde ich sie aber auch so dermaßen entspannend finden, dass ich zum ersten Mal im Leben während der Arbeit einschlafen werde. Na, mal sehen. 

Die Jugend, so höre ich hier und da und gar nicht nur aus den Kinderzimmern in unserer Wohnung, ist dagegen jetzt schon genervt, dass es nicht Wechselunterricht für immer geben wird. Einen Tag Leute treffen und Programm und Anspannung, dann zur Erholung einen Tag ganz in Ruhe und nach eigenem Rhythmus mit ein paar besinnlichen Arbeitsblättern im chilligen Zimmer, Musik und Chat dazu, dann wieder Leute und Action, dann wieder ausschlafen, das sind so die Träume. Gar nicht mal so unerreichbar, wenn man es recht bedenkt. Und gar nicht mal so dumm. Eher im Gegenteil. 

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Touristification in Lissabon. Da wollte ich auch immer noch einmal hin, aber das ist eben das Problem. 

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Mario Sixtus mit einem Twitter-Thread über die Learnings aus der Pandemie. Quasi Debriefing, dezent verfrüht. Was könnte man da anlegen, haben wir etwas gelernt? Nun, vielleicht das: Keine der Parteien, die eine oder einen dieser Kultusclowns gestellt hat, kann noch als wählbar gelten. Nur meine Meinung, sehen Sie das ruhig anders. Und apropos: Das hier.

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Über das nächste Schuljahr (Via Frau Nessy). Und: “Schüler werden die Letzten sein, die wieder normalen Alltag erleben.”

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