Urlaubslektüre, ich berichte noch eben der Vollständigkeit halber über die Bücher, die bisher nicht erwähnt wurden. Ich war mit Christopher Isherwood im Berlin der Dreißiger, (Mr. Norris steigt um, Deutsch von Georg Deggerich) aber da fand ich die Erzählfigur unglaubwürdig, und dann geht ein Buch für mich nicht. Ich bin ja durch und durch kein Literaturkritiker, aber kennen Sie das, wenn die erzählende Person so wirkt, als sei sie nicht fertig ausgedacht? So ist die in diesem Buch. Das also weggelegt.

Mit Cesare Pavese dann in der Nähe von Turin gewesen, Der Mond und die Feuer (Deutsch von Maja Pflug eine Neuübersetzung). Gegen das Buch war nichts einzuwenden, außer dass es da spielt, wo es spielt, und dass es sich daher mit Eiderstedt nicht vertragen hat, manchmal bin ich da seltsam empfindlich. Das also auch weggelegt. Gleiches Schicksal bei Luigi Pirandello, bei seinen späten Erzählungen. Italien läuft hier nicht.

Mit Françoise Sagan bin ich nach ihrem Autounfall in der Klinik gewesen, sie hat dort etwas Tagebuch geführt: „Ich glaube, ich liebe niemanden mehr“, Deutsch von Waltraud Schwarze. Im Grunde sind das allerdings nur ein paar Seiten, nur ein paar Zeilen. Immerhin gibt es eine wunderschöne Ausgabe der Büchergilde, mit Zeichnungen von Bernard Buffet, die sehe ich mir immer wieder wie ein Bilderbuch an. Ein dermaßen schönes Buch. Sowieso: Die Büchergilde. Da mal ruhig Mitglied werden! Nie bereut. Keine bezahlte Werbung, nein.

Die Sagan übrigens, das mögen ja manche, träumt nach ihrem Autounfall gleich wieder von weiteren schnellen Autos, die sie dringend und schnell fahren möchte. Die Vorbildfunktion kann man da knicken, aber dazu sind schreibende Menschen ja auch nicht immer da.

Ich war mit Frank Witzel tief in den Sechzigern Westdeutschlands („Inniger Schiffbruch), das hat mir für ein paar Stunden gut gefallen, dann wurde es mir aber zu ziellos und bitte, auch das ist keine irgendwie zu verargumentierende Rezension, ich entscheide gerade im Urlaub völlig enthemmt nach Lust und Laune.

Ich war mit Hermann Bang in Dänemark, „Am Weg“ hieß der Roman, Deutsch von Aldo Keel und ich glaube, gerade diese Übersetzung war hervorragend. Hermann Bang habe ich bisher nie gelesen, diese Bildungslücke wurde mit großer Begeisterung geschlossen, gerne demnächst mehr von ihm. Katinka, die weibliche Hauptfigur, sie wird mir in Erinnerung bleiben, in angemessen schmerzhafter, versteht sich.

Ich war mit Emmanuel Bove in Paris, „Die Ahnung“, Deutsch von Thomas Laux. Das gefiel mir gut, allerdings habe ich irgendwo mittendrin den Faden verloren und hatte dann keine Lust mehr, ihn wieder zu suchen. Ja, ich lese respektlos, es ist wirklich schlimm. Damit mir das als Autor mit den Lesenden nicht passiert, habe ich in meinen Texten gar keinen Faden. Raffiniert!

Ich habe Jan Wagner kurz in der Hand gehabt, „Der glückliche Augenblick“, aber das war so eindeutig intellektuell und fürchterlich gebildet, da fühlte ich mich gleich so, als müsse ich besser aufpassen, und das lasse ich mir von Büchern nur manchmal sagen, nicht aber im Strandkorb. Das also auch weggelegt.

Ich lese immer noch in Marlen Haushofers „Die Mansarde“, da geht es schon wieder um Bäume, gleich auf den ersten Seiten schon. Um eine Akazie geht es, die der Mann in dem Roman Agazie ausspricht. Die Frau in dem Roman glaubt aber nicht, dass es eine Akazie ist:

„Da kann ich nur lächeln. Für mich ist der Baum eine Ulme oder Erle, was beweist, daß auch ich nicht sehr viel von Bäumen verstehe, obgleich ich auf dem Land aufgewachsen bin. Es ist eben schon lange her, und wer weiß, wo ich damals meine Augen hatte. Ich lege auch keinen Wert darauf, die Namen zu wissen, die im Naturgeschichtsbuch stehen. „Schönbaum“ genügt mir vollkommen als Bezeichnung. Manche Vögel heißen bei mir Rotfüße oder Grünfedern, und jedes Säugetier, dessen Name mir unbekannt ist, heißt Pelztier, langohriges, dickschwänziges, rundschnauziges, seidenweiches Pelztier. Den so Benannten macht das gar nichts, sie reichen keine Ehrenbeleidigungsklagen ein, und auch dem Baum dort drüben ist es einerlei, wie ich ihn nenne. Also soll er eine Ulme oder Erle sein.“

Marlen Haushofer. Nicht nur Die Wand lesen! Die Mansarde fängt so großartig an, ich bin einigermaßen begeistert.

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