Die Herzdame: Experiment – Die Zeit danach

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die das Experiment rückblickend für gelungen hält, auch wenn das meiste nicht besser geworden ist als vorher.

Die Söhne mit dem iPad

Für alle, die das Experiment noch einmal von Anfang an lesen möchten bitte hier entlang.

Das Experiment ist inzwischen schon seit ein paar Tagen beendet. Der Familienrat musste wegen Krankheit im Hause Buddenbohm immer wieder verschoben werden. Aber das war vielleicht auch ganz gut so, denn so konnten wir die Eindrücke noch mal ein paar Tage sacken lassen.

In den Kommentaren haben einige Leser angemerkt, dass eine Woche wahrscheinlich etwas zu kurz ist und die Kinder in der überschaubaren Zeit alles mitnehmen würden, was nur geht. Das trifft bei den Söhnen definitiv auch zu. Aber eine wirklich wichtige Erkenntnis hat das Experiment trotzdem geliefert – vielleicht auch gerade, weil es so kurz und exzessiv war – die Kinder haben erkannt, dass es bei Medien kein Ende gibt. Diese Illusion haben sie ja so lange, wie sie immer wieder von den Eltern gebremst werden. So lange denken sie, dass sie irgendwann freiwillig aufhören würden, dass es irgendwann genug ist, dass sie irgendwann satt sind. Wie der Gatte immer wieder sagt: Das hat damals beim Fernsehen auch schon nicht geklappt.

Was hat nun aus Elternsicht gut geklappt? Was nicht so?

Grundsätzlich haben die Abende viel besser geklappt als die Morgende, das Zähneputzen deutlich besser als die restliche Körperpflege. Und mit Ausnahme des Kinderzimmers war die Wohnung die ganze Woche über erstaunlich ordentlich. Lernen und Hilfe im Haushalt liefen mal mehr, mal weniger gut und alles in allem gar nicht mal so schlecht. Aber ohne Erinnerungen funktionierte eigentlich gar nichts. Wobei ich Erinnerungen auch nicht weiter schlimm finde, wenn sie nicht so dermaßen häufig ausgesprochen werden müssen, dass sie irgendwann unwillkürlich doch wieder ins Schimpfen übergehen. Praktisch war für mich, dass ich weniger waschen musste, weil einfach nichts zum Waschen da war, da es alles irgendwo im Kinderzimmer verschimmelte. Nur die Mediensituation war wirklich schlimm, das wurde auch von allen Beteiligten so empfunden.

Am Ende waren alle auf die ein oder andere Art froh, dass das Experiment jetzt vorbei ist und wir wieder zur Normalität zurückkehren konnten. Wir Eltern dürfen wieder meckern, wovon ich am nächsten Tag auch schon regen Gebrauch gemacht habe. Gleichzeitig merkte ich aber, wie angenehm es war, die Verantwortung an die Kinder abzugeben und mich nicht dauernd aufregen zu müssen.

Die Kinder haben wie gesagt verstanden, dass es bei Medien nie genug gibt und dass dies zu Problemen führt. Sohn 1 hat am Ende nicht mal mehr die kleinsten Kleinigkeiten auf die Reihe bekommen und machte sich ernsthaft Sorgen, durch exzessiven Medienkonsum komplett zu verblöden. Sohn 2 wollte wieder deutlich mehr betüdelt werden und weniger Verantwortung tragen. Ich glaube, er braucht die ganzen Regeln auch, um dagegen sein zu können. Regeln geben Richtung, manchmal eben mit ein paar Umwegen. Alles in allem sind jedenfalls von beiden Kindern ausdrücklich wieder mehr Regeln gewünscht.

Für uns Eltern war eine wichtige Erkenntnis, dass unsere pädagogischen Dramen massiv durch die digitalen Medien verursacht werden. Das größte Problem war einzig und allein das iPad, der Rest regelte sich eigentlich fast wie von selbst. Das war uns vorher nicht in dem Ausmaß klar, die anderen Themen kamen uns manchmal ähnlich schwierig vor – vielleicht lagen wir da gar nicht richtig. Wir haben also beschlossen, das Meckern bei diversen anderen Themen weiterhin einzustellen und öfter abzuwarten, was sich alles von selbst auflöst.

Damit sich aber überhaupt etwas regeln kann, das fiel uns auch am Tag nach dem Experiment auf, müssen die Kinder besser wissen, was wir wann vorhaben. Es ist etwas zu viel verlangt, dass sie bei allem, was wir ihnen mehr oder weniger spontan als Aufgabe hinwerfen, sofort willig mitspielen – das würden wir als Erwachsene ja auch nicht gerne machen. Wir brauchen wohl mehr Struktur und Klarheit und haben also beschlossen, sowohl Werktage als auch vor allem Wochenenden ausdrücklicher vorzuplanen und vorzubesprechen. Wer hat wann welchen Termin mit wem, wie kann das gehen, wieviel Zeit bleibt vermutlich davor und danach, welche Aufgaben müssen – von wem auch immer – erledigt sein, damit so etwas wie Freizeit – und damit auch Medienzeit – überhaupt möglich ist.

In vielen Fällen wird man die Medienzeit schon im Vorwege dadurch klar begrenzen können und müssen, die Werktage geben da durch die Bank nicht viele Möglichkeiten her. Wir haben jedenfalls beide so gar keine Lust mehr, dauernd mit der Stoppuhr neben den Kindern zu stehen, es erscheint attraktiver, mit logisch möglichen Zeiträumen zu arbeiten. Also nicht „Du hast jetzt 25 Minuten“, sondern „Du kannst jetzt ans iPad bis wir wieder losmüssen.“ Und wenn das dann 60 Minuten sind, dann ist es so. Und wenn es nur zehn sind, dann ist das auch so. Wir werden sehen, ob das wirklich ein brauchbarer Plan ist.

Bei den Regeln für die Wochenenden schwimmen wir aber noch. Beim ersten Versuch, da eine vernünftige Regel zu finden, kamen wir gemeinsam auf ein Vorschriftenwerk mit mehreren Unterparagraphen und Ausnahmeverordnungen, nach einer Stunde Familienrat hätte keiner von uns diesen Regelwust flüssig referieren können – und dann weiß man doch gleich, dass es nicht funktionieren kann. Wochenenden bleiben also zu klären, man muss aber auch nicht immer bei allen Punkten sofort gewinnen. Vielleicht klärt das auch der Frühling für uns, ab in den Garten. Da gibt es kein WLAN – und das bleibt auch so.

Sohn II hatte dann auch noch einen sehr schönen Vorschlag, nämlich jetzt eine Woche lang alles zu machen, was wir von ihm wollen, also eine Ausgleichswoche. Sein zweiter Vorschlag, weil er Experimente nun einmal gut findet: eine ganze Woche alles hinzunehmen und mit „Mir doch egal“ zu beantworten.

Alles in allem war das Experiment kurz, intensiv und erkenntnisreich. Es hat unser Leben nicht auf einen Schlag entspannter und besser gemacht. Aber wir haben doch Ergebnisse, mit denen wir nun weiterarbeiten können.

Und wenn die Söhne in Zukunft das iPad nicht freiwillig und schnell genug weglegen, werden wir einfach als Strafe eine weitere Woche komplette Medienfreiheit androhen. Da müssen wir dann nur aufpassen, dass nicht gerade die Mir-doch-egal-Woche ist.

Hier noch mal alle Berichte des Experiments:

Einleitung | Tag 1Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Tag 5Tag 6Tag 7 | Tag 8 | Fazit

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Da die Söhne Hauptfiguren dieser Blogartikelreihe sind, mittlerweile aber schon ziemlich gut mitlesen können und eine genaue Vorstellung davon haben, was sie von sich im Netz lesen wollen und was nicht, werden diese Artikel vor Veröffentlichung mit ihnen besprochen und lektoriert. Auch wenn ich es richtig blöd finde, wenn ein guter Witz von ihnen gestrichen wird und rausfliegt.

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Um der Verdummung durch zu viel digitale Medien entgegen zu wirken – der Sponsor dieser Reihe ist die SZ Familie.

Die Herzdame: Experiment Tag 8

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die heute leider gar nicht viel zu berichten hat.

Die Söhne mit dem iPad

Für alle, die das Experiment noch einmal von Anfang an lesen möchten bitte hier entlang.

Es ist Freitag und der letzte Tag des Experiments. Auch heute Morgen läuft es nicht anders als die Tage zuvor. Sohn 1 kommt wieder nicht vom iPad los, schafft es dann aber tatsächlich noch, in letzter Minute zu duschen. Hurra! Konfetti! Alles geht, man braucht nur ein paar Tage Anlauf.

Beiden Jungs fällt dann allerdings ein, dass sie nachmittags zum Schwimmen wollen und das dieses Duschen daher eigentlich überflüssig war, und diese Erkenntnis ist nicht gut für die Stimmung.

Ich habe schon früh einen Termin zur Bestellung unserer Laube und muss kurz vor 8 Uhr los. Als ich gehe, ist Sohn 1 immer noch nicht fertig. Ich laufe zufällig am Haus seines Kumpels vorbei, der schon auf dem Balkon steht und seit einer Weile auf ihn wartet. Und obwohl es mich diese Woche ja eigentlich nichts angeht, macht es mich echt traurig, dass diese Kleinigkeiten nicht funktionieren, ohne dass man alles anweist.

Eigentlich wollten wir heute Familienrat halten und über unsere Erkenntnisse sprechen, aber die Termine machen uns wieder einen Strich durch die Rechnung. Abends sehe ich die Jungs nur für eine halbe Stunde, da sie lange unterwegs sind und ich dann mit einer Freundin zum Essen verabredet bin. Der Familienrat wird also erst einmal kurz verschoben.

Und das Fazit dieser kleinen Reihe damit auch.

Hier noch mal alle Berichte des Experiments:

Einleitung | Tag 1Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Tag 5Tag 6Tag 7 | Tag 8 | Fazit

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Da die Söhne Hauptfiguren dieser Blogartikelreihe sind, mittlerweile aber schon ziemlich gut mitlesen können und eine genaue Vorstellung davon haben, was sie von sich im Netz lesen wollen und was nicht, werden diese Artikel vor Veröffentlichung mit ihnen besprochen und lektoriert. Auch wenn ich es richtig blöd finde, wenn ein guter Witz von ihnen gestrichen wird und rausfliegt.

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Die Herzdame: Experiment Tag 7

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die heute doch geschimpft hat.

Die Söhne mit dem iPad

Für alle, die das Experiment noch einmal von Anfang an lesen möchten bitte hier entlang.

Donnerstag ab 6 Uhr klebt Sohn 1 wieder am iPad. Immer noch ungeduscht, die Haare sehen immer schlimmer aus, mittlerweile wie eine durchgehende Filzmatte. Ich spreche meine freundliche Empfehlung aus, keine Reaktion.

Ich wecke Sohn 2, der dreht sich aber wie immer nochmal um. Als ich ihn das nächste Mal auf die Zeit hinweise, bekomme ich wieder Ärger, dass ich ihn nicht früher geweckt habe. Das interpretiere ich so, dass ihm Schimpfen wohl lieber gewesen wäre. Nun ja. Ich stelle laut fest, dass er so langsam riecht. Da springt Sohn 2 auf und geht duschen. Leider auf den letzten Drücker, deshalb bleibt keine Zeit mehr, noch die Haare zu waschen. Aber ich freue mich auch über die kleinen Erfolge.

15 Minuten bevor Sohn 1 losmüsste, klebt er immer noch am iPad und hat sonst nichts gemacht. Als ich ihm das mitteile, gibt es keine Reaktion. So langsam kocht doch die Wut hoch. Mir fällt es wirklich schwer mich zu zügeln und dann rutscht es mir doch raus. Ich schimpfe kurz, fange mir aber böse Blicke von allen Seiten ein, auch vom Gatten.

Sohn 1 reißt sich dann doch los und wirft einen alten Pullover über, das muss reichen. Ihm fällt aber noch ein, dass er frühstücken muss, Sohn 2 schließt sich da an. Die Zeit rennt. Und wo ich gerade dabei bin mich aufzuregen, rege ich mich auch gleich über alles auf. Ich falte den Gatten zusammen, das darf ich ja. Das ist nicht verboten, denke ich, das Experiment bezieht sich nur auf die Kinder. Der Gatte sieht das natürlich anders. Ich bin still und rege ich mich innerlich weiterhin auf. Es wird immer hektischer. Die Kinder laufen durch die Wohnung – erst mit Toast, dann mit Zahnbürste. Ich schicke sie zurück ins Bad, das darf ich aber wirklich. Das war Bestandteil der Vereinbarung: die Wohnung bleibt weitgehend ordentlich und sauber (haha).

Das Fazit für morgens: irgendwie geht es nicht ohne Meckern, auch wenn ich eigentlich ruhig bleiben will und es mir egal sein sollte, ob die Kinder zu spät kommen. Vielleicht ginge es, wenn das iPad nicht wäre. Ich stelle noch schnell eine Waschmaschine an. Es ist weniger Wäsche zu waschen als sonst, weil noch bergeweise Kleidungsstücke im Kinderzimmer liegen. Das hat immerhin einen Vorteil, es spart Wasser und Waschmittel und ist gut für die Umwelt.

Nebenbei stelle ich fest, dass die Kinder es eigenständig geschafft haben, sich wettergerechte Kleidung anzuziehen, es sind immerhin Minusgerade.

Nachmittags gehen die Kinder eigentlich zum Parkour, aber wir stellen es ihnen frei, weil das irgendwie auch zum Experiment gehört. Sie entschließen sich nicht zu gehen, was mich anfangs insgeheim freut. Ich muss keinen Fahrdienst machen und kann an meinen Berichten schreiben. Was sie statt Sport machen, muss ich hier nicht weiter schreiben … Aber obwohl das alles klar und abzusehen war, bin ich dann doch etwas enttäuscht.

Sohn 1 hat sich mit seinem Kumpel zum gemeinsamen Zocken am Telefon verabredet. Sie spielen stundenlang Clash Royal, das Telefon liegt daneben, sie besprechen Strategien und man darf auf keinen Fall stören. Nur Sohn 2 darf zugucken.

Abends gehe ich zum Lindy Hop, bekomme also nicht mit, wie es läuft, der Gatte ist jedenfalls hinterher ganz zufrieden. Bisher waren die Jungs abends aber immer so spätestens um 21 Uhr im Bett, was ich durchaus vertretbar finde.

Ich stelle fest, abends läuft es besser als morgens. Wesentlich besser.

Hier noch mal alle Berichte des Experiments:

Einleitung | Tag 1Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Tag 5Tag 6Tag 7 | Tag 8 | Fazit

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Da die Söhne Hauptfiguren dieser Blogartikelreihe sind, mittlerweile aber schon ziemlich gut mitlesen können und eine genaue Vorstellung davon haben, was sie von sich im Netz lesen wollen und was nicht, werden diese Artikel vor Veröffentlichung mit ihnen besprochen und lektoriert. Auch wenn ich es richtig blöd finde, wenn ein guter Witz von ihnen gestrichen wird und rausfliegt.

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Die Herzdame: Experiment Tag 6

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die auch nur das tut, worauf sie Lust hat.

Die Söhne mit dem iPad

Für alle, die das Experiment noch einmal von Anfang an lesen möchten bitte hier entlang.

Es ist Mittwoch, Sohn 2 will nicht aufstehen und dreht sich noch einmal um. Später gibt es Ärger, weil ich ihn angeblich nicht geweckt habe.

Sohn 1 hat heute gute Vorsätze und will nach dem Aufstehen nur ganz kurz 5 Minuten „anfordern“ (man bekommt bei manchen Spielen eine Belohnung, wenn man einmal kurz online ist und ein paar Buttons drückt. Verstehen muss man das aber nicht).

Ich erinnere beide Söhne noch mal ans Duschen. Ihnen fällt auch selbst auf, wie lange sie schon nicht mehr geduscht haben und sie wollen auch duschen, aber nur nicht jetzt, lieber abends.

Trotz freundlicher Empfehlungen und regelmäßiger Zeitansage spielt Sohn 1 dann aber doch so lange, bis die Zeit wieder knapp wird.

Sein Freund steht schon vor der Tür, Sohn 1 muss aber noch Zähne putzen. Ich sage ihm, dass er seinen Freund doch nicht warten lassen kann und das Zähneputzen ausfallen lassen soll. Er besteht aber darauf. Braves Kind! Wobei ich mich aber frage, was ist jetzt wichtiger, dem Kind zu vermitteln zuverlässig und pünktlich zu sein oder doch die Körperpflege?

Mir wird bewusst, dass die Kinder in manchen Dingen schon ganz schön selbstständig sein könnten, wenn man nicht ständig reinquatschen würde. Ich habe seit Tagen eigentlich nichts mehr zum Zähneputzen gesagt und frage mich, warum das bis vor kurzem noch so ein Riesenthema bei uns gewesen ist, besonders mit Sohn 2.

Es fällt aber auch auf, was die Kinder alles nicht machen können, in der Zeit, in der sie vor den Medien abhängen. Und wie schwierig es ist davon loszukommen, auch wenn sie gute Vorsätze haben, wie etwa Duschen, Lernen, Kuscheln, Pünktlichkeit. Eigentlich wollen sie ja …

Jetzt meckert Sohn 2, weil er keine lange Unterhose mehr im Schrank hat, denn die hat er nicht zur Schmutzwäsche gelegt hat und ich habe sie also nicht gewaschen. Er will jetzt, dass diese Woche endlich aufhört.

Nachmittags hat Sohn 1 einen Termin, im Anschluss besuchen wir noch einen Freund von mir. Während wir uns unterhalten, spielt Sohn 1 ununterbrochen auf meinem Handy, was ich jetzt aber in Ordnung finde, weil es wirklich langweilig für ihn ist und ich mich in Ruhe unterhalten will.

Um 18 Uhr liefere ich Sohn 1 schnell zu Hause ab und muss dann zum Elternabend. Der Gatte hat auch noch einen Termin außer Haus. Gegen 20 Uhr sind wir beide wieder zu Hause, bis dahin haben die Kinder offenbar durchgehend Youtube-Videos gesehen. Inzwischen haben sie aber wenigstens Bibis beknackte Beauty-Videos komplett durch und schauen Minecraft-Videos. Ob sie was gegessen haben, weiß ich nicht. Sie wollen jedenfalls nicht mitessen und lieber spielen.

Zwischendurch sage ich immer wieder die Zeit an, das interessiert aber niemand, die Kinder spielen weiter. Geduscht ist immer noch niemand, wann auch?

Sohn 2 hat aber immerhin irgendwann sein Lager etwas freigeräumt, das heißt, er hat alles in den Schrank zurück gepfeffert und kann endlich wieder auf dem Fußboden schlafen, wo er sich am wohlsten fühlt. Gegen 21 Uhr liegen sie ohne Essen im Bett, wahrscheinlich haben sie heimlich genascht. Aber immerhin ist Zähneputzen hier überhaupt kein Thema mehr.

Die Wohnung ist insgesamt wesentlich weniger verwüstet, als ich gedacht hätte, sie müsste aber allmählich doch einmal mal geputzt werden. Auch die Küche sieht mittlerweile eher schlimm aus. Ich beschließe aber, dass ich auch nur das mache, worauf ich gerade Lust habe und gehe ins Bett. Bäm! – wie Sohn 2 sagen würde.

Hier noch mal alle Berichte des Experiments:

Einleitung | Tag 1Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Tag 5Tag 6Tag 7 | Tag 8 | Fazit

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Da die Söhne Hauptfiguren dieser Blogartikelreihe sind, mittlerweile aber schon ziemlich gut mitlesen können und eine genaue Vorstellung davon haben, was sie von sich im Netz lesen wollen und was nicht, werden diese Artikel vor Veröffentlichung mit ihnen besprochen und lektoriert. Auch wenn ich es richtig blöd finde, wenn ein guter Witz von ihnen gestrichen wird und rausfliegt.

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Um der Verdummung durch zu viel digitale Medien entgegen zu wirken – der Sponsor dieser Reihe ist die SZ Familie.

Die Herzdame: Experiment Tag 5

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die überrascht ist von den Erkenntnissen der Söhne.

Die Söhne mit dem iPad

Für alle, die das Experiment noch einmal von Anfang an lesen möchten bitte hier entlang.

Es ist Dienstag und Sohn 1 ist von alleine aufgestanden. Was er als erstes getan hat, muss ich hier jetzt nicht weiter ausführen. Sohn 2 habe ich heute um 7 Uhr geweckt, das war aber auch wieder falsch, er möchte in Zukunft früher geweckt werden.

Ich spreche in regelmäßigen Abständen Empfehlungen aus, aber die Jungs sind erst auf den letzten Drücker fertig. Übrigens wieder mit geputzten Zähnen und ohne dass ich etwas gesagt habe. Es hat geschneit und sie wollen den Schlitten mit zur Schule nehmen. Eigentlich sollte ich das nicht tun, aber ich schimpfe jetzt doch und gehe dann mit ihnen in den Keller. Mich ärgert es, dass sie sich das erst so spät überlegt haben. Aber wann ist in Hamburg schon mal so viel Schnee, dass man mit dem Schlitten zur Schule kann? Und mir geht es ja auch nicht um Konsequenzen oder Strafen, sondern ich will einfach nur mehr Ruhe und Frieden haben.

Sohn 1 hat in der Mittagspause einen Schlittenunfall, muss abgeholt werden und zum Arzt. Deshalb ist er dann auch schon ziemlich früh zu Hause. Und weil der Gatte und ich zwischendurch auch noch weitere Termine haben, u.a. mit Sohn 2, hat er nun richtig viel Zeit iPad zu spielen. Besonders schlimm finde ich es, dass Sohn 1 nicht ansprechbar ist und er es trotz guter eigener Vorsätze nicht schafft, seinen Aufgaben nachzukommen und wie magisch angezogen vor dem iPad hängen bleibt.

Gegen 19 Uhr kommt Sohn 2 zurück und klebt auch gleich neben Sohn 1 am iPad. Jacke, Schuhe und Ranzen hat er immerhin selbstständig weggeräumt.

Trotz freundlicher Empfehlungen hat niemand etwas für die Schule getan, geduscht oder sonstige Aufgaben erledigt. Dafür aber jede freie Sekunde am iPad geklebt.

Kurz vor dem Schlafengehen hat Sohn 1 dann aber eine neue Erkenntnis. Er möchte wieder feste Medienzeiten, weil er selbst merkt, dass er davon nicht loskommt und nun Angst hat, in kurzer Zeit zu verblöden.

Und Sohn 2 möchte in Zukunft wieder früher ins Bett geschickt werden, damit er noch genügend Zeit hat, ausgiebig mit uns zu kuscheln.

Es gibt dann auch noch Streit deswegen. Sohn 2 will unbedingt kuscheln, obwohl uns das schon zu spät ist, er aber sonst nicht einschlafen kann und Sorge hat, am nächsten Tag nicht ausgeschlafen zu sein, wenn er seinen Test schreibt. Er muss auch wieder oben im ungeliebten Hochbett schlafen, weil sein Lager auf dem Boden immer noch verwüstet ist.

Beide Kinder finden die Woche jetzt doof und freuen sich darauf, wenn sie endlich um ist.

Der Gatte und ich sind überrascht über die Erkenntnisse der Söhne und hätten so einen (möglichen) Ausgang des Experimentes nicht erwartet – aber es ist ja auch noch Zeit. Wir freuen uns vor allem über die Fähigkeit der Selbstreflexion bei den Kindern. Dass Sohn 1 selbst realisiert hat, dass ihm Medien ohne Limit nicht guttun und dass er feste Regeln braucht. Und dass Sohn 2 merkt, wie wichtig ihm die Kuschelzeit mit uns ist und er deshalb wieder früher ins Bett möchte, dafür also anderes aufgeben kann.

Grundsätzlich könnte ich mir mittlerweile schon vorstellen, dass Experiment noch zu verlängern, wenn das iPad auch mal wieder für längere Zeit verschwinden würde. Freiwillig!

Sven Dietrich von Pop64 hat sich zum Thema Medien auch Gedenken gemacht und dazu noch ein paar sehr interessante Links zu Lootboxen und free2play-Spielen. Den Spieleratgeber-NRW kannte ich noch nicht und werde den erstmal zu meiner Bettlektüre machen. Vielen Dank für die Leseempfehlung.

Hier noch mal alle Berichte des Experiments:

Einleitung | Tag 1Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Tag 5Tag 6Tag 7 | Tag 8 | Fazit

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Da die Söhne Hauptfiguren dieser Blogartikelreihe sind, mittlerweile aber schon ziemlich gut mitlesen können und eine genaue Vorstellung davon haben, was sie von sich im Netz lesen wollen und was nicht, werden diese Artikel vor Veröffentlichung mit ihnen besprochen und lektoriert. Auch wenn ich es richtig blöd finde, wenn ein guter Witz von ihnen gestrichen wird und rausfliegt.

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Um der Verdummung durch zu viel digitale Medien entgegen zu wirken – der Sponsor dieser Reihe ist die SZ Familie.

Die Herzdame: Experiment Tag 4

Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die Gott sei Dank den ganzen Tag unterwegs war.

Die Söhne mit dem iPad

Für alle, die das Experiment noch einmal von Anfang an lesen möchten bitte hier entlang.

Es ist Montag, 6:30 Uhr und ich empfehle den Kindern aufzustehen. Sohn 1 springt sofort aus dem Bett, rennt zum iPad und muss dringend „anfordern“. Ich verstehe bis heute nicht so richtig, was das eigentlich ist. Es gibt eine ganze Reihe Spiele, bei denen man Belohnungen bekommt, nur weil man einmal kurz online war. Und von den Belohnungen scheint dann das ganze Leben abzuhängen, so klingt es jedenfalls immer, wenn wir die Kinder bitten, das iPad wegzulegen. Aber heute Morgen spielen diese Bitten keine Rolle.

Um 7 Uhr weise ich Sohn 2 noch mal darauf hin, dass es jetzt 7 Uhr ist. Lust aufzustehen hat er keine und Lust auf Schule noch viel weniger. Irgendwann kommt er doch aus dem Bett und gesellt sich direkt zu seinem Bruder.

Ich spiele in regelmäßigen Abständen Zeitansage, sage aber sonst nix. Innerlich bin ich mittlerweile echt genervt, weil ich pünktlich zur Arbeit muss. Gerade rechtzeitig bekommt Sohn 1 die Kurve, um noch pünktlich seinen Kumpel zur Schule abzuholen. Mit geputzten Zähnen, aber ungekämmten Haaren.

Eigentlich finde ich auch, er könnte mal wieder duschen und Haare waschen, vielleicht sogar heute Abend. Diese Empfehlung gebe ich noch schnell mit auf den Weg.

Sohn 2 hat während dessen auf der Suche nach seinen Handschuhen seinen halben Kleiderschrank rausgerissen und auf seinem Nachtlager auf dem Fußboden verteilt, in dem er seit Wochen schläft, weil er sein Hochbett nicht mag. Unter dem ganzen Wust sehe ich auch Möhrenreste und eine halbe Gurke durchschimmern. Ich bin unsicher, was ich machen soll, bleibe dann aber ruhig und spreche eine freundliche Empfehlung aus. Jetzt bloß nicht ausrasten! Ich freue mich aufs Büro.

Montags habe ich immer einen langen Arbeitstag und bin erst um kurz vor 19 Uhr zu Hause. Ich möchte mir von ihrem Tag berichten lassen, aber die Söhne kleben schon wieder oder immer noch am iPad. Ich bin so froh, dass ich das heute nicht die ganze Zeit miterleben musste.

Sohn 1 hatte spontan Besuch zum Zocken bekommen. Es scheint sich rumgesprochen zu haben, dass es bei Buddenbohms kein Limit mehr gibt. Was Sohn 2 gemacht hat, erfahre ich nicht. Der Gatte weiß es auch nicht, der war froh, dass er ungestört arbeiten konnte. Er hat den Kindern aber zwischendurch den Spaß verdorben, und festgestellt, dass unbegrenzte Medienzeit nicht für Besuchskinder gilt. Denn er kann ja nicht wissen, was deren Eltern davon halten und ob er da irgendwie die Preise verdirbt.

Die Kinder wollen noch was von mir und räumen freiwillig die Spülmaschine aus. Ich muss irgendwie an die Pawlowschen Hunde denken, die jetzt ihre Belohnung erwarten.

Sohn 1 fällt dann noch ein, dass er lernen wollte. Und Sohn 2 möchte in seinem „Lesepass“ von der Schule weiterkommen und mir vorlesen. Eigentlich ist es dafür schon zu spät, aber wenn sie selbst dran denken, kann man doch nicht nein sagen. Oder?

Am Ende ist es schon ganz schön spät, als die Kinder im Bett liegen. Ich nehme an, sie haben Zähne geputzt, aber geduscht hat keiner mehr.

Da sich der Schrank leider nicht wieder von alleine eingeräumt hat und es auf dem Kleiderhaufen so unbequem ist, schläft Sohn 2 jetzt wieder oben in seinem Hochbett.

Ich stelle fest, dass ich heute gar nicht gemeckert habe, auch wenn ich manchmal kurz davor war. Trotz allem war es aber vergleichsweise entspannt, nur der Medienkonsum nervt mich.

Wobei ich mich schon frage, warum eigentlich? Ist doch so schön friedlich. Und was ich alles schaffen könnte, in der Zeit, in der die Kinder mit dem iPad ruhiggestellt sind! Auch wenn es ganz ohne Limit offensichtlich nicht funktioniert, warum nicht mal Fünfe gerade sein lassen? Warum nicht einfach mal die erlaubte Medienzeit von 30 Minuten pro Tag ausdehnen und die Ruhe genießen? Und vieles regelt sich dann bald durch den Frühling sowieso von selbst.

Hier noch mal alle Berichte des Experiments:

Einleitung | Tag 1Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Tag 5Tag 6Tag 7 | Tag 8 | Fazit

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Da die Söhne Hauptfiguren dieser Blogartikelreihe sind, mittlerweile aber schon ziemlich gut mitlesen können und eine genaue Vorstellung davon haben, was sie von sich im Netz lesen wollen und was nicht, werden diese Artikel vor Veröffentlichung mit ihnen besprochen und lektoriert. Auch wenn ich es richtig blöd finde, wenn ein guter Witz von ihnen gestrichen wird und rausfliegt.

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Um der Verdummung durch zu viel digitale Medien entgegen zu wirken – der Sponsor dieser Reihe ist die SZ Familie.