Im Kino: Love, Simon (ab 28. Juni)

Ein Text von Jojo Buddenbohm, zehn Jahre alt, auch bekannt als Sohn I.

Ich habe den Film Love, Simon im Kino gesehen. Papa hat mir erzählt, dass wir eine Anfrage für eine Filmpremiere nur für Blogger haben, da habe ich ja gesagt und so sind wir dazu gekommen. Ich bin mit meiner Mutter da gewesen, weil das kein Kinderfilm war und der daher abends lief.

Ich denke, der Film ist vor allem für Jugendliche von 15 bis 17 Jahre, nicht weil der gruselig ist oder so, sondern wegen der Handlung. Die muss man erstmal verstehen. Das ist eher für Teenies, weil das auch mit Liebe ist und da ist auch einer schwul. Ich denke, ich habe den Film schon verstanden, aber der Film ist eher für Jugendliche. Der Film ist sicher noch nicht für alle Kinder in meinem Alter interessant.

Da ging es um einen Jungen, der schwul war. Er selbst wusste das schon lange, aber die anderen noch nicht. Auch seine Familie und seine besten Freunde wussten das auch noch nicht. Aber am Ende wussten das alle, weil ein fieser Typ das auf der Schulseite gepostet hat.

Und es gab noch einen anderen Schwulen an der Schule, aber von dem wusste keiner, wer das ist. Mit dem hat sich Simon immer geschrieben und in den hat er sich verliebt. Da hat man erst am Ende erfahren, wer das ist.

Ich fand den Film gut! Am liebsten mochte ich die Handlung, was da alles passiert ist und wie die Gefühle ausgedrückt wurden. Und ich fand es interessant und gut, dass es mal ein etwas anderer Film war und es um einen Schwulen ging und nicht wie immer um eine Liebe zwischen einem Mädchen und einem Jungen. Es ging um eine andere Liebe.

Den Film kann ich schon weiterempfehlen, aber eher so für die Teenies. Meine Kumpels zum Beispiel haben einen ganz anderen Geschmack.

Danke an Carlsen für die Einladung!

Die Herzdame liest: Garden Girls

So langsam tut sich bei uns im Garten was. Der Bagger ist abgezogen, die Laube bestellt und der Grundriss abgesteckt. Jetzt warten wir nur noch darauf, dass die neue Laube endlich geliefert und aufgebaut wird. Wie es aussieht, haben wir auch einen Termin Anfang Mai.

Jetzt gerade frustriert mich sehr, dass die Kosten für die Verlegung des Stroms in der Laube immer mehr aus dem Ruder laufen. Erst kommt hier noch was zu und dann da noch – und das ganz ordentlich.

Um mich zwischendurch mit etwas Netterem abzulenken, beschäftige ich mich zur Abwechslung mal wieder mit der Inneneinrichtung und dem Anstrich der Laube.

Wie ich vor einiger Zeit hier schon mal geschrieben habe, ist es gar nicht so einfach Inspiration für hübsche Lauben zu finden. Inzwischen habe ich ein paar Instagram-Accounts gefunden, die auch schöne Lauben haben, aber immer noch zu wenig.

Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, dass ich vom Callwey-Verlag das frisch erschienene Buch „Garden Girls – 20 Frauen und ihr Traum von der eigenen Laube“ zum Rezensieren geschickt bekommen habe.

Das Buch wurde von Jana Henschel geschrieben, die Fotos sind von Ulrike Schacht. Wie der Titel schon sagt, haben die beiden 20 Gärtnerinnen in ihren Schrebergärten besucht, von denen auch viele selbst über ihre Gärten bloggen (also noch mehr Inspirationen).

Foto: Ulrike Schacht

Ich finde, sie haben bei den Gärten eine tolle Auswahl getroffen und man findet viele umsetzbare Ideen. Auf jeder zweiten Seite denke ich mir „das will ich auch, und das und das und das auch …“. So viele Gärten kann ich gar nicht bewirtschaften, um alles umzusetzen, was mir gefällt.

Im Gegensatz zu den meisten Interieur-Magazinen und -Büchern ist dieses Buch aber nicht nur schön, sondern auch äußerst praktisch. Sonst findet man meistens zwar hübsche Ideen, aber nichts davon kann man umsetzen, weil einem gerade das Industrieloft, das Landhaus oder das nötige Kleingeld für entsprechende Designklassiker fehlt.

Hier nicht! Hier findet man neben Bezugsquellen für bezahlbare Lauben auch detaillierte Farbangaben zum sofortigen Farbkauf und zum Losstreichen. Wie toll ist das denn bitte? Das hat mich echt begeistert. Genau das, was ich brauche, wenn ich eine neue Laube plane oder renoviere.

Foto: Ulrike Schacht

Jede Gärtnerin hat auch einen DIY-Tipp sowie ein Lieblingsrezept für die eigene Ernte beigesteuert. Die DIY-Tipps müssen noch warten, da habe ich aktuell keinen Nerv zu, aber Annas Apfeltarte mit karamellisierten Walnüssen steht schon auf meinem Speiseplan (wenn auch noch nicht von eigenen Äpfeln). Janines Giersch-Pesto ignoriere ich mal, ich habe so einen Hass auf Giersch, ich würde es nicht runter bekommen. Auf der anderen Seite, seinen ärgsten Feind einfach aufzuessen …?

Foto: Ulrike Schacht

Zum Schluss gibt es noch eine Reihe praktischer Tipps, wie man den Garten und die Laube schöner gestaltet, welches der beste Rasenmäher ist, wie man Schnecken und Unkraut loswird oder wie das mit der Toilette im Garten funktioniert. Außerdem kommen noch ein paar Profis zu Wort und erklären, wie man an einen Schrebergarten kommt, fette Beute macht oder was man beim Laubenbau beachten muss.

Alles in allem nicht nur ein schönes, sondern auch sehr hilfreiches Buch.

Und hier noch ein paar Instagram-Accounts mit hübschen Lauben:

https://www.instagram.com/lust_auf_laube/
https://www.instagram.com/fraumeise.de/
https://www.instagram.com/_neon_beige_/
https://www.instagram.com/summerhouselindenlane/
https://www.instagram.com/picturesofmygardendatscha/

Die Herzdame: „Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf“

Der Gatte war eingeladen zur Premiere des neuen Hörspiels von Die drei ??? im Planetarium Hamburg. Da das für ihn aber die Höchststrafe ist, sich Hörspiele anzuhören, habe ich kurzerhand die Gelegenheit genutzt und eine Freundin dahingeschleppt.

Ich liebe Die drei ??? und höre sie noch immer als Musikcassette auf meinem altersschwachen Walkman. Was ich mache, wenn der mal den Geist aufgibt, ich weiß es nicht. Aber umsteigen auf CD oder MP3 kommt gar nicht in Frage – ich habe mit Cassetten angefangen, ich bleibe dabei.

Im Übrigen habe ich irgendwo mal gelesen, dass Musikcassetten in Deutschland nur noch für Die drei ??? Hörspiele Verwendung finden und sonst keine mehr produziert werden. Kult eben … den verstehe hier sogar die Söhne, nur der Gatte leider nicht.

Die drei ??? nicht mehr zu Hause zu hören, das ist inzwischen schon auch schon Kult geworden. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, füllen die drei Detektive inzwischen schon ganze Stadien. Aber ich bin auch da etwas altmodisch und höre sie am liebsten zu Hause. Gerne beim Zusammenlegen der Wäsche. Ich bin es schon gar nicht mehr gewohnt, einfach nur zuzuhören ohne etwas dabei zu tun. Die Söhne leisten mir dabei auch gerne Gesellschaft, jeder macht sein Ding dabei und wir hören gemeinsam. Das ist schön.

Nun aber zum Hörspiel-Event im Planetarium. Das Besondere daran ist die räumliche Wiedergabe der Klangeffekte mit 3D-Sound, während man sich entspannt in seinem Stuhl zurücklehnt und die visuelle 360°-Bebilderung in der Kuppel auf sich wirken lässt. Für mich eine ganz ungewohnte Erfahrung, hören und nichts tun.

Plakat ???

Die Geschichte basiert auf der ersten Die drei ???– Grafic Novel, die 2015 erschienen ist. Die Handlung zitiere ich jetzt einfach mal aus der Einladung: „Horror-Regisseur James Kushing erwacht eines Morgens mit einer mysteriösen Tätowierung auf dem Arm: ein dreiäugiger Totenkopf! Was hat das Tattoo mit dem Film zu tun, den Kushing niemals fertiggestellt hat? Und welches Geheimnis steckt hinter dem gestohlenen Smaragd, der vor Jahren spurlos vom Filmset verschwand? Justus, Peter und Bob stürzen sich in den Fall und entdecken nach und nach die Wahrheit hinter dem Rätsel…

Die Bilder sind immer unscharf und düster, man sieht auch nie die drei Detektive, so dass immer noch genug Raum für die eigene Phantasie bleibt. Meine beiden Highlights waren der Platzregen, der die Kuppel runter lief, sowie die Fahrt in Bobs altem Käfer, während draußen die Palmen von Rocky Beach an einem vorüberzogen.

Der Sound war beeindruckend, besonders dann, wenn ich gerade vor lauter Entspannung drohte wegzudämmern und hinter mir plötzlich laute Stimmen losdonnerten.

Das Hörspiel selbst fand ich überzeugend, mit ein paar sehr spannenden Passagen. Bei der Geschichte selbst zeigte sich, wer passionierter Die drei ??? Hörer ist und wer nicht. Meine Freundin, die seit damals keine einzige Folge mehr gehört hat, teilte mir schon früh mit, wen sie für den Übeltäter hielt, was ich aber absolut nicht glauben konnte, weil sonst in Zukunft die Geschichten umgeschrieben werden müssten. Wer Recht hatte, verrate ich aber nicht.

Wir beide hatten einen sehr vergnüglichen Abend. Und wäre es nicht so schön, auch mal nur mit Erwachsenen was zu unternehmen, ich würde glatt das nächste Mal meine Jungs mitnehmen. Vom Alter her würde es passen.

Informationen zu Terminen und weiteren Veranstaltungsorten gibt es hier.

Süddeutsche Zeitung – Familie (Werbung)

Ein Text von Johnny Buddenbohm, acht Jahre alt, auch bekannt als Sohn 2 und von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, die schon ewig keine Elternzeitschriften mehr gelesen hat.

 Wie Ihr wisst, gibt es gelegentlich Reklame im Blog, die gekennzeichnet werden muss, das hier ist so ein Fall.

Johnny:

Wir haben die Süddeutsche Zeitung Familie [und zwar die Ausgaben November/Dezember 2017 und Januar/Februar 2018, Anmerkung der redaktionellen Mutter] zum Testen bekommen. Das Besondere ist, dass es ein Kinder- und Erwachsenenheft in einem ist. Wenn sie geliefert wird, ist sie eine einzige Zeitung und dann kann man sie auseinanderreißen. So zack! Man hat dann zwei Hefte und die Kinder können ihre Zeitung lesen und die Erwachsenen die andere. Ich denke, das Kinderheft ist für Grundschulkinder.

Zeitschriften

Mir gefällt das Kinderheft gut, am liebsten mag ich die Bastelsachen. Da waren schon Fingerpuppen drin und eine Wegschaubrille und Aufkleber, mit denen man Luftballons bekleben kann. Wir haben damit einen Karton beklebt und hinterher war der Karton ein Monster. Das hat Spaß gemacht.

Bastelsachen

Am zweitbesten fand ich die Rätsel. Am Anfang gibt es ein Suchrätsel, da sind kleine Bilder und die muss man im Heft suchen und die Seitenzahl dann aufschreiben. Das habe ich immer als erstes gemacht. Oder die, wo man Zahlen verbinden muss, also von der 1 zur 2 und von der 2 zur 3 und am Ende kommt ein Bild raus. Das ist richtig nice. Ich mag alles mit Zahlen wirklich gerne.

Bildersuche

Die Geschichten finde ich auch gut. Das sind Texte mit Bildern, also die Eltern lesen den Text und die Kinder die Bilder.

Bildergeschichte

Und dann gibt es noch wichtige Themen im Heft, zum Beispiel „Was soll der Müll?“ Da geht es um Müll im Meer. Und im vorletzten Heft war ein Klimavertrag. Den haben wir zusammen mit der ganzen Familie ausgefüllt und unterschrieben. Und jetzt versuchen wir uns auch an den Klimavertrag zu halten. Und bei manchen Artikeln lernt man was dabei, zum Beispiel wie andere Kinder leben. Es gibt da Kinder, die im Internat leben oder in anderen Ländern.

Was soll der Müll?

Auf der letzten Seite gibt es auch immer ein Comic zum Mitraten. Da geht es um Inspektor Sadie Lavone. Das ist eine Frau und die löst Kriminalfälle. Das mag mein Bruder sehr gern.

Mir hat das auch gut gefallen, dass meine Mama und ich die Kinderzeitung zusammengelesen haben. In den Weihnachtsferien haben wir es uns auf dem Sofa gemütlich gemacht und haben die Zeitung gelesen. Das fand ich sehr schön.

Monster

Herzdame:

Zur Kinderzeitschrift ist eigentlich ja schon alles gesagt. Aus Elternsicht möchte ich aber noch kurz ergänzen, dass ich es gar nicht mal so einfach finde, eine Kinderzeitschrift zu finden, die MEINEN Kindern gefällt und die ICH auch gerne kaufe. Was die Kinder meistens gut finden, sind die Zeitschriften mit billigem Plastikspielzeug, das nach spätestens 30 Minuten Schrott ist. Und die Zeitschriften landen nach weiteren 5 Minuten ungelesen im Müll. Oder auch schon vorher. Was ich gerne kaufen würde, sind diese Zeitschriften mit viel Wissen, was die Söhne aber nicht wirklich interessiert. Auf diese Zeitschrift hier können wir uns alle einigen. Und das Schöne ist, das Kinderheft ist auch noch werbefrei.

Nun zum Elternheft. Fangen wir mal wie bei Johnny an, was mir am besten gefallen hat. Es klingt etwas seltsam, aber es ist die letzte Seite und die heißt „Blick zurück“. Da ging es in der Vorweihnachts-Ausgabe darum, dass der Tannenbaum früher nicht aufgestellt, sondern aufgehängt wurde. Und in der Januar-Ausgabe geht es um den früher sehr verbreiteten Eintopf. Also ein Topf in der Mitte des Tisches aus dem die ganze Familie gegessen hat. Und ganz ohne Extrawurst, nix mit Laktose- oder Glutenunverträglichkeit. Alles in einem Topf und alle aus einem Topf. Mit solchen Artikeln kann man mich immer glücklich machen.

Blick zurück

Sehr schön finde ich auch die Verbindung zwischen den beiden Heften. Nicht nur, dass man sie erst auseinanderreißen muss, es gibt einige Parallelartikel. Es werden zum Beispiel Familien vorgestellt, bei denen im Elternheft die Eltern zu Wort kommen und im Kinderheft natürlich die Kinder. Oder die Erklärkolumne „endlich verstehen“. Im Elternheft wurden zum Beispiel der Bottle Flip oder das Phänomen Einhorn erklärt, im Kinderheft der Diaabend oder die Grenze (also die mit Grenzkontrollen und Stau früher).

Erklärdingens

Die Kolumne „ankommen“ von der afghanischen Journalisten Sharmila Hashimi mag ich auch sehr. Sie lebt jetzt mit ihrem zehnjährigen Sohn in Berlin und schreibt über das Ankommen in ihrer neuen Heimat. Außerdem gibt es sowas wie ein Dr. Sommer-Team für Eltern mit Erziehungsfragen. Hier antworten drei Experten, u.a. Jesper Juul, auf Erziehungsfragen von Lesern.

Rezepte wie Ottolenghi für alle und DIY-Ideen gibt es auch, das ist aber eher nichts für mich. Fürs Kochen ist hier mein Mann zuständig und DIY-Anleitungen ohne Kettensäge sind laaangweilig.

Besonders gern gelesen habe ich aus dem Dezember-Heft den Artikel über Handynutzung. Das ist in den meisten Familien ja leider so ein Dauerbrenner und funktioniert selten ohne Streit. Hier gibt es neben ein paar Tipps von der Autorin auch Interviews mit einigen Eltern, die berichten, wie es bei ihnen läuft. Auch gerne gelesen habe ich den Artikel über ein Paar, das in einer offenen Beziehung lebt und wie sie als Eltern damit umgehen.

Im aktuellen Heft fand ich den Leitartikel sehr spannend „wie man Kindern beibringt, sich um die Welt zu kümmern“. Neben einem langen Interview mit der Autorin Juli Zeh, gibt es hier auch noch ein paar Tipps für ein gutes Miteinander.

Interessant fand ich noch den Bericht über Patchworkfamilien. Ein Familienmodell, von dem viele berichten, wie bereichernd es ist und wie gut es läuft. Die Erfahrungen der Autorin klingen allerdings nicht nach Sonnenschein. Sie findet Patchwork „zum Kotzen“.

Alles in Allem kommt mir Konzept gut durchdacht vor, es sind auch für mich viele lesenswerte Artikel dabei und die Frage, ob wir die Zeitschrift noch mal kaufen, muss ich mir nicht einmal stellen. Sohn 2 besteht sowieso darauf.

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Kennenlern-Angebot:

Aktuell bietet die Süddeutsche Zeitung ein Kennenlern-Abo an, da könnt Ihr 3 Ausgaben zum Preis von 2 bestellen. Der Preis beträgt 15,90 € und wäre auch ein super Geschenk für Patenkinder und Ihre Eltern oder befreundete Familien.

Eltern, die schon Abonnenten der Süddeutschen Zeitung sind und Ihren Nachwuchs entsprechend einnorden wollen, zahlen für das SZ Familie Jahresabo nur 39,90 € statt 46,80€.

Ein Hörbuch, ein Buch

Ich habe “Wiener Straße” gehört, Sven Regener liest seinen Roman und natürlich macht er das großartig, wie nicht anders zu erwarten. Äußerst unterhaltsam ist das, ich warne allerdings vor einer Nebenwirkung: Man bekommt beim Hören auch zu völlig unpassenden Tageszeiten Lust auf Bier und Kneipe. Man bekommt ferner Lust, fremde Menschen im Berliner Dialekt grundlos anzupampen und das Wort Grabgabel ohne jeden Sinnzusammenhang mehrfach zu wiederholen. Ich habe es ja nicht so mit Hörbüchern, die funktionieren bei mir so wenig wie Podcasts, aber das hier war großartig.

Ich habe außerdem in “nachts” gelesen, Erzählungen von Mercedes Lauenstein, hier eine Rezension in der Zeit. Das sind Konzepterzählungen, in allen Texten geht es darum, dass eine Frau nachts durch Straßen zieht und dort klingelt, wo zur Unzeit noch Licht brennt. Und dann erfragt, wer da warum noch wach ist, wie und in welchem Zustand, das sind also kleine Schicksalsskizzen, was eben in einen kurzen nächtlichen Besuch passt. Ein hervorragendes Nachttischbuch, besonders für Menschen, die beim Lesen im Bett schnell unmenschlich müde werden, das soll ja ein verbreitetes Leiden sein. Denn die Texte umfassen durchweg jeweils nur ein paar Seiten, da kann man also bequem ein, zwei Szenen schaffen und sich ein wenig Gedanken machen, warum andere nachts wach sind. Vielleicht sieht man aus dem eigene Schlafzimmerfenster auch noch irgendwo Licht brennen da draußen, das ist ein ideales Arrangement zum Einschlafen. Für Sie getestet! Am nächsten Abend muss man sich nicht fragen, wo man beim Wegdämmern den Faden verloren hat, es gibt einfach keinen längeren Faden, das ist auch mal schön. Außerdem sind die Wohnungsbeschreibungen gut, das hat man gar nicht mal so häufig, wenn man mal drauf achtet. Wohnungen sind schwierig, Zeichner kennen das von Händen, die sind auch schwierig. Bestimmt gibt es auch eine Entsprechung in der Musik, aber da kenne ich mich nicht aus.

#reading

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Egal. Jetzt wieder ein Buch über Gemüse lesen (Cora Leroy: “Gemüsesamen selbst gezogen”. Auch interessant!)

Raben und Zippen


Thomas Bannerhed: “Die Raben”, aus dem Schwedischen von Paul Berf. Die Zitronen haben mir dem Buch nichts zu tun die lagen da einfach nur gerade herum. Ein Buch, das in den deutschen Feuilletons seltsam wenig vorkam, ich habe nicht verstanden, warum das so war. In Schweden viel gerühmt und mit Preisen beworfen, hier eher unter ferner liefen. Nanu? Mir hat es sehr gut gefallen, es kommt meiner etwas befremdlichen Aversion gegen komplexe Handlungsstränge weit entgegen. Es gibt einen Sohn und es gibt einen Vater, Figur hier, Figur da, das reicht ja manchmal schon. Der Vater ist wirtschaftlich versagender Kleinbauer, der pubertäre Sohn soll demnächst übernehmen, guckt aber viel lieber Vögel im Wald. Oder Bäume und Blümchen. Oder überhaupt Natur. Der Vater versinkt langsam in Depressionen, man ahnt den Bezug zum Titel, der Sohn lernt ein Mädchen kennen mit all den Folgen, die das in dem Alter so hat, und das ist alles dicht, beeindruckend und überzeugend geschrieben. Ob der verhängnisvollen Schwere der seelischen Verwicklungen ist es auch ein gutes Winterbuch, das passt gerade jetzt ganz hervorragend in den sinnlosen Restwinter nach den Feiertagen. Feines Buch, klare Empfehlung, auch wegen der Naturbeschreibungen.

Denn da ist, logisch, enorm viel Natur im Buch, sonst könnte das Konzept auch nicht aufgehen. Der Vater fährt über die Felder und sprüht Gift, der Sohn sucht Nester und liest über aussterbende Falken und andere Vogelarten, darunter solche, die mir nicht einmal bekannt waren. Und bei den Zippen habe ich dann doch einmal gegoogelt. Die kommen im Buch häufig vor, singen da im Gebüsch und sind überhaupt bei jedem Spaziergang präsent. Mir war beim ersten Lesen der Begriff seltsam vertraut, haben wir nicht damals, also vor hundert Jahren etwa, die Freundinnen der Jungs so genannt? “Da kommt Sven mit seiner neuen Zippe.” War das nicht so? Je länger ich darüber nachdachte, desto fragwürdiger kam mir das aber vor, haben wir das denn wirklich so gesagt? Und war es eigentlich abwertend gemeint? Das gibt es ja, dass ein Wort beim Herumgrübeln immer komischer wird, immer bedeutungsleerer, immer fragwürdiger. Es gab damals, die Älteren erinnern sich, nur drei Fernsehsender, das Zappen war in Deutschland noch nicht bekannt, sonst hätte man das häufige Wechseln der Freundin als Zippenzappen benennen können, das ist doch eine verpasste Chance, also sprachgeschichtlich gesehen. Wobei bei mir von Zippenzappen eh keine Rede sein konnte, in dem Alter, in dem wir das Wort in Jungskreisen mutmaßlich benutzt haben, fanden meine Beziehungen zu Mädchen noch komplett im Konjunktiv Irrealis statt.

Was beim Googeln jedenfalls herauskam: Die Zippe, das ist ein veralteter Ausdruck für die Singdrossel. Und von der hat man natürlich sehr wohl schon einmal gehört, sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Das Buch spielt in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts, vielleicht ist das Wort erst seit der Zeit veraltet, so dass der Übersetzer es hier also korrekt verwendet, was ich ihm sofort zutrauen würde, denn das liest sich alles ganz hervorragend.

Ich weiß es aber nicht genau. Wobei ich schwören würde, in den Siebzigern garantiert nichts von der ornithologischen Bedeutung des Wortes Zippe gewusst zu haben. Egal. Lesen bildet jedenfalls, das wäre damit wieder bewiesen.