Romantik!

Wenn die Herzdame und ich die Bilder unserer Hochzeit vor gefühlten hundert Jahren ansehen, dann fällt uns nicht nur auf, dass wir beide auf den Bildern wesentlich jünger aussehen als heute und dass das superniedliche kleine Blumenmädchen von damals mittlerweile fast erwachsen ist, nein, wir stellen dann auch immer wieder fest, wie viele der Paare auf der Party , die auf den Fotos noch glücklich Arm in Arm in die Kamera lächeln, heute gar nicht mehr zusammen sind. Zerstritten, getrennt, einander weggelaufen, durchgebrannt, geschieden, auseinandergedriftet, auseinandergelebt. Eine ist abgehauen, eine wurde sitzengelassen, einer hat sich aus dem Staub gemacht, einer hat etwas Besseres gefunden. Alle denkbaren Varianten, bekannt aus Funk und Fernsehen. Manche sind mittlerweile schon in der dritten oder vierten neuen Beziehung angekommen, bei manchen waren wir schon auf zwei Hochzeiten. Das Praktische daran ist, dass man seinen Bekanntenkreis irgendwann nicht mehr aktiv vergrößern muss, durch das fortgesetzte Patchworking der sich neu gruppierenden Freunde aus dem Bestand lernt man sowieso dauernd neue Leute kennen.  “Das ist Klaus, den bringe ich jetzt öfter mit.”  “Ah, okay. Hallo Klaus.”

Wir sind tatsächlich eines der wenigen Paare, die aus diesem Kreis der Feier von damals noch zusammen ist. Und auch wenn wir das Thema nicht an der Hochzeit festmachen, sondern in ganz anderen Zusammenhhängen zurückdenken, etwa in Bezug auf die Kollegen in den Büros oder im familiären Kontext oder wie auch immer – überall sehr, sehr  viele Trennungen. Manchmal überlegen wir minutenlang, bis uns ein Paar aus alter Zeit einfällt, das noch immer zusammen ist.  Da kann man schon einmal nachdenklich werden.

Ich: “Aber ist unsere Beziehung denn wirklich so viel besser als die der anderen?”
Herzdame: “Nein. Wir sind nur leidensfähiger.”
Ich: “Ich Dich auch, Schatz.”


24 Kommentare

  1. „Eine ist abgehauen, eine wurde sitzengelassen, einer hat sich aus dem Staub gemacht, einer hat etwas Besseres gefunden.“
    Interessant. Wen habt ihr denn wo hinanalysiert? 🙂

  2. Eine der denkbaren Varianten, bekannt aus Funk und Fernsehen, gönnt Euch das von Herzen und findet es sehr schön :).

    [Grübler am Rande: Funk und Fernsehen? Film und Fernsehen?]

  3. Ha, wir waren nicht da, kennen euch aber auch schon so lange und wir sind noch nicht einander weg gelaufen oder ähnliches 😉 Auf unserem Hochzeitsfoto ist nur ein Paar, das nicht mehr zusammen ist meine ich.
    LG

  4. Der Dialog am Schluss ist sehr schön und zeigt gut auf: Ohne Humor geht gar nix auf lange Sicht.

  5. Trennungen sind nie schön…

    Schön aber zu lesen, dass es eben dennoch Paare gibt, die beieinander bleiben und sich auch nach so langer Zeit lieben! :o)
    Möge es immer so sein!

  6. Wer zwei Jungfrauen als Söhne hat, trennt sich nicht. Da könnte man sich ja sonst gleich verbrennen, denn dann hätte das intrinsische Leiden wenigstens ein Ende.

  7. Ich gehöre auch zu dem elitären Kreis ,der Verlassenen , ich denke das gehört zum Leben.
    Ich hatte auch anders geplant…aber manchmal kommt es eben wie es kommt…und das heisst nicht, das es mir schlechter geht 😉

  8. leidensfähiger… so so. Schicksalsannehmend, hm? Wir hadern doch alle mit allem – die, die keinen haben, hätten gerne einen (Partner-/ Partnerin). Die, die keine Kinder haben, hätten gerne welche und wir, die wir welche haben, träumen manchmal davon keine zu haben…also alles ganz einfach eigentlich.

  9. Ihr schafft das! Die Kombi passt (merkt man) und der Rest ist viel Einstellung. Wie sagt der Volksmund: *Es kommt selten etwas Besseres nach.* Auch wenn die Kirschen in Nachbarsgarten manchmal saftiger duenken.

    Und hey, ein bisschen Leidenschaft kann jeder…

  10. Der Vorteil bei soviel Trennungen ist, man kann die doofe Frage nach „Warum bist Du denn eigentlich noch nicht verheiratet?“ einfach mit „Und warum bist Du schon wieder geschieden?“ kontern 😉
    Aber Frische Brise und Isabo kommen dem Kern wohl sehr nahe. Den anderen nicht umbauen wollen und Humor haben.

  11. Aus Liebesheiraten können Vernunftsehen werden. Ich bevorzuge Geborgenheit und Verlässlichkeit zum Preis von zähen Auseinandersetzungen vor Romantik, Schmetterlingen und Kissenschlachten, schon zum Wohl der Kinder. Die Schmetterlinge können trotzdem immer mal wieder kommen, auch wenn man schon gar nicht mehr mit ihnen rechnet.

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