Neulich erwähnte ich, dass in den Buchhandlungen nun die Kalender für das Jahr 2027 ausliegen und schon angepriesen werden. Soeben sah ich im Mailpostfach eine Frühbucherrabattwerbung für das Weihnachtsmärchen im Theater um die Ecke, was ich dann doch etwas verstörend fand. Das nächste Jahr zu erwähnen, das ist noch abstrakt und emotional weitgehend folgenlos für mich. Den Herbst könnte man meinetwegen verfrüht, auch stark verfrüht schon herbeireden wollen, damit könnte ich mich gut arrangieren und sogar einiges Verständnis dafür aufbringen.
Aber Erwähnungen von dediziert dezembrigen Begriffen finde ich dann doch etwas daneben. Die stören mich jetzt noch, diese Begriffe.
Zur Strafe das Theater beim nächsten Vorbeigehen nicht ansehen. So.

Ansonsten wird es wieder wärmer in dieser Stadt. Wenn auch nicht brutal heiß, es findet vorerst eine Verschonung statt und die Temperatur am Morgen ist noch bestens. Ich beginne diesen Tag etwas zögerlich. Ich überlege hin und her, ob ich etwas vergessen habe, aber es ist wohl tatsächlich so: Ich habe keinerlei Wochenendtermine. Nicht einmal mit mir selbst habe ich etwas vor. Ich habe keinerlei Vereinbarungen mit mir getroffen, die bei Nichteinhaltung mit einem schlechten Gewissen verbunden wären. Und ich glaube sogar, das war halbwegs clever von mir.
Ich kann mich also noch tiefenentspannt zu diesem oder jenem oder aber wahlweise auch zu gar nichts entscheiden. Total gechillt kann ich es angehen, wie die Söhne sagen würden, also aus ihrer Sicht genau richtig. Ich denke betont unangestrengt noch etwas weiter herum. Wobei ich erst einmal alles verwerfe, was tagsüber und draußen stattfindet. Die Darstellung von ausgelassenen Sommerfreuden unter freiem Himmel und enthemmt strahlender „Glanzkröte“ (Sarah Kirsch nannte die Sonne gerne so) überlasse ich gerne all den anderen, die sich wegen ihres Alters, wegen ihrer überbordenden Stimmung oder wegen beider Faktoren hierzu noch aufgerufen fühlen. Oder auch den Tausenden, welche die Teilnahme am Triathlon, der an diesem Wochenende um die Ecke stattfindet, mit Sommerfreuden verwechseln. Ich meide diese Veranstaltung und umgehe sie großräumig, ich sehe Menschen so ungerne leiden.
Einerseits also bin ich zum vage verbleibenden Nichts in Sofa- und Bettnähe einigermaßen fest entschlossen.

Andererseits hörte ich eben den wachmachenden Song „Summertime Boy“ vom geschätzten Seasick Steve. Und ich sah mir dann auch das Video dazu an. Nebenbei stellte ich fest, dass der Herr etwa 4 Jahre älter war als ich, als dieses Video entstand. Und musste dann überlegen, ob hier am Ende schon wieder so etwas wie eine Challenge vorliegt.
Ich denke aber lieber nicht allzu intensiv darüber nach, denn auch beim Denken wird es einem im Juli schnell warm in Dachgeschosswohnungen. Viel zu warm wird es einem bald. Laut Wetterbericht muss ich es mir vorsichtig einteilen, wie warm die Wohnung, mein Hirn und ich werden können, denn es bleibt eine Woche lang hochsommerlich. Da wird die Konzentration in Kürze wieder nachlassen und der Schlaf wieder schlechter werden. Es ist absehbar, wir kennen das.
Eine schlechte und schlaflose Nacht, habe ich neulich gehört, führt dazu, dass man sich danach etwa vier Jahre älter fühlt. Was also heißt, dass Sie sich dieses Blog im Sommer jeweils als die Aufzeichnungen eines Menschen vorstellen müssen, der gefühlt weit über hundert Jahre alt ist.
Und dafür, um das Immerhin des Tages bloß nicht auszulassen, dafür geht es mir noch gold.
Ich halte mich also erst einmal an das schon mehrfach hier aufgeführte Zitat eines ehemaligen IT-Chefs in meiner Brotberuf-Firma, der allen Usern, die sich bei ihm über etwas beschweren wollten, weil wieder etwas nicht ging, nicht machte, was es sollte, nicht zu starten oder aber nicht zu beenden war, am Telefon riet: „Beobachten Sie weiter die Situation.“
Wonach er sich jeweils zurücklehnte und mit einer geradezu behaglich anmutenden Ausdrücklichkeit selbst erst einmal nichts machte. Es wird schon passen, nehme ich an.

***
Sie können hier Geld in die virtuelle Version des Hutes werfen, herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch. Die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel.

























