Einen Tag mit diversen Special Effects bei Beregnung und Beleuchtung gab es gerade. So einen Tag, an dem es erst nieselte, dann schüttete und dann kübelte. Wonach es von einer Sekunde zur anderen aufriss, und zwar dergestalt blitzartig schnell, dass erstens die nasse Stadt auf einmal gleißend blendete und auch die Temperatur sofort wie unter einem Heizstrahler stieg, so dass man allgemein hektisch nach Sonnenbrillen suchte und auch die Jacken aufriss, nach oben sah und dabei an seinem Verstand zweifelte. Denn da mussten doch eben gerade noch Wolken gewesen sein? Wie geht das wieder zu, was stimmt denn mit dem Wetter nicht?
In der nächsten Sekunde wurde es aber schon wieder dunkler, viel dunkler, dramatisch dunkler. Die Wolken rückten wieder vor, stürmend wie eine über den Himmel walzende Invasionsarmee der fantastischen Art, und der Regen begann nicht etwa zögerlich, also mit ersten und eher zögerlichen Tropfen als Vorhut, wie es sich doch gehört, sondern indem eine Wasserwand vom Himmel fiel, die sich überzeugend anfühlte, als würde die komplette Septemberregenmenge am Stück geliefert werden.

Die Menschen in den Fußgängerzonen waren durchnässt, noch bevor sie auch nur die Schirme wieder aufspannen konnten. Und als sie endlich ihr Gewirr von Regenschirm, Hundeleine, Einkaufstüten und Kinderhänden sortiert hatten, da kam die Sonne bereits wieder jäh aufleuchtend durch. Es war eine Art Prank-Wetter-Situation, die ganze Stadt wurde gründlich veralbert, und es ging stundenlang so zu.

Es wurde, und das erstaunt mich weiterhin, aber von vielen mit Humor genommen. Durch diesen unkalkulierbaren Regen gingen etliche, die ihre Schirme einfach nicht mehr aufgespannt und auch die Kapuzen nicht mehr aufgesetzt hatten. Denn es war ohnehin alles egal. Nass ist nass. Aber es wirkte erneut wie ein entspanntes Egal, nicht wie die hier sonst übliche Variante aus der passiv-aggressiven Richtung.
Ich habe das nun schon mehrfach beobachtet. So oft, dass ich sie für einen Trend halten möchte, diese befremdliche Gelassenheit. Sie ist aber für mich ein weiterhin seltsamer Umstand und ich kann mir noch keinen rechten Reim darauf machen. Ich habe bisher nur eine vage Idee, ich muss noch weiter nachdenken.

An den Rändern der Fußgängerzonen standen die nun herbstlich leeren Tische und Stühle der Außengastro. Klitschnass, vom Wind bedrängt und angerempelt, und oft auch kreisförmig eng unter Markisen und Dachvorsprüngen zusammengedrängt. So wie sich in den ländlichen Gebieten das Vieh auf den Weiden manchmal unter Bäumen oder in halboffenen Schutzhütten zusammenstellt, wenn es heftigen Regen und Sturm gibt. Die Kleinen halten sich dabei unter den Großen versteckt, die mit ihren breiten Rücken ebenso freundlich wie stoisch Schutz bieten. Wie es in der Außengastro die größten Tische für die Stühle tun: Patterns in repeat.
Im Dekofachgeschäft aber gibt es jetzt schon den neuen O-Tannenbaum-Schmuck der Saison, wo neulich noch das Grillzubehör stand. Außerdem gibt es auf etlichen Regalen auch alles rund um Kerzen. Und wenig ist das wirklich nicht, bei Kerzen und Ständern haben wir eine etwas wahnsinnig anmutende Auswahl. Vermutlich liegt es daran, dass diesem Land weiterhin jene alte und so überaus wichtige Regel gilt, siehe auch Wertekanon etc.:
„Die Gemütlichkeit ist jederzeit vollumfänglich zu gewährleisten.“
Davon abgesehen war der 5. September der erste Tag nach der Sommersaison, an dem mir nicht irgendwann zu warm war. Nicht einmal bei so sportlichen Tätigkeiten wie Staubsaugen oder Einkaufen. In dieser Hinsicht also war der Tag sehr okay für mich, wenn auch in kaum einer anderen.
Aber ich sage es ja, man findet stets ein tröstendes Immerhin, wenn man nur lange genug nachdenkt.

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