Die Kunst der Lebensführung
Es gibt Blogs, da lebt die seelisch unterstützende Rubrik „Was schön war“ noch fort. Da auch mal wieder drüber nachdenken! Und tatsächlich habe ich dazu eine passende Notiz, gleich in der nächsten Woche wird sie wohl vertextet. Pläne und Ziele!
In diesem Zusammenhang ein kurzer Beitrag beim Deutschlandfunk: Museumsbesuch kann gegen Depressionen helfen. Es kommt auch der Begriff „Neuroästhetik“ vor, den ich noch nicht kannte, aber er ist auch interessant – siehe Wikipedia.

Literatur und Lesen:
Verleger Sebastian Guggolz über die Krise des Lesens
Lesen gegen Geld: Wie Singapur für Bücher begeistern will
Das macht das Nichtlesen mit dem Gehirn. Man kann es dem Titel der Sendung nicht entnehmen, aber es geht auch um die fatalen Auswirkungen des Gebrauchs von KI auf unser Gehirn.

Ich hatte ansonsten erhebliches Glück und konnte mir das von ihm selbst eingelesene Hörbuch zum neuen Roman von Sven Regener schon in der App der öffentlichen Bibliotheken ausleihen: „Frankie und Freddie“. Hier die Verlagsseite, hier Perlentaucher mit bisher erst zwei kurzgefassten Rezensionen.
Das siebte Buch in dem Zyklus ist es schon. Man ist Fan seiner Werke oder man ist es nicht, daneben gibt es nicht viel zu verhandeln. Ich bin Fan, gar keine Frage. Um aber dennoch einen literarischen Aspekt zu bringen: Es gibt nicht so viele, die in der neueren deutschsprachigen Literatur einen derartigen erzählten Großraum geschaffen und belebt haben. Ein belebtes Universum und ein Erinnerungsraum, den es so nur in der Literatur geben kann.
Der andere Autor, der in diesem Zusammenhang zu nennen und auch zu preisen ist, wäre Gerhard Henschel. Der mit seinen mittlerweile 12 Martin-Schlosser-Romanen, die jeweils auch noch von gewaltigem Umfang sind, ebenfalls einen Erzählplaneten besiedelt hat.
Wenn man sich für westdeutsche Geschichte interessiert oder sogar an Westalgie mehr oder weniger leidet, das soll es ja geben – man kann in den Werken der beiden tief genug versinken, um in dieser Hinsicht bestens bedient zu werden.
Sven Regener empfehle ich aber erneut auch mit Nachdruck als Vorleser von Kafka. Er ist, jedenfalls soweit mir bekannt, der Einzige, der die Werke so eingelesen hat, dass man den Humor von Kafka, der eine eher unterschätzte Grundlage der Texte ist, beim Zuhören zu erahnen meint.
Für meine Kafka-Rezeption war das eine wichtige Bereicherung.
Wenn Sie dazu ebenfalls Lust haben – am deutlichsten wird, was ich hier meine, vermutlich bei seiner Version von „Das Schloss“. Aber gut, das ist mir ohnehin das liebste Kafka-Werk.
Es passt wieder herausragend gut, sehe ich gerade: Mit dem nächsten Klick fand ich nach diesem Absatz diesen aktuellen Text beim Bücheratlas-Blog über eine Neuausgabe des Schloss-Romans. So fügt sich wieder alles zusammen, und so soll es sein.

Ausgehen
Ein Tipp für den November: Josef Hader tritt am 10. und 11. im Sankt-Pauli-Theater auf.
Und einer für den Dezember: Anna Depenbusch hat einen Solo-Abend in der Laeisz-Halle.
Musik
Eine eher nerdige Angelegenheit, wobei es von Dylan-Nerds nicht eben wenig gibt – hier spricht Manfred Maurenbrecher kundig über sein liebstes Bob-Dylan-Album: „Shot of Love.“
Und wo ich schon Manfred Maurenbrecher erwähne, den ich kenne und den ich für einen der sympathischsten Menschen halte, die mir je begegnet sind, weise ich noch einmal auf sein Lied vom alten Mann mit dem Fahrrad hin. Denn es ist ein gutes Lied, mit einer guten Story und einem sehr guten Ende. Echtjetztmal.
Es hat mit der Art, in der ich versuche, die Welt zu sehen und zu schreiben, viel zu tun. In einer gewissen Weise könnte ich es auch als Bloghymne betrachten.
Noch eines der Fundstücke dieser Woche: Ich hatte nicht parat, dass es von The Moody Blues auch Songs gibt, die eher in den Gutelaunebereich des Tages fallen.
Dr. Livingstone, I presume. Bitte beachten Sie auch die zwischendurch kurz eingeblendeten Schalter am Tasteninstrument. Ich habe schwere Anfälle von Haptik-Nostalgie, wenn ich derartiges sehe, ich möchte so etwas drücken und drehen.
Für den Abend eine weitere Empfehlung, man muss ja auch wieder runterkommen. Das gelingt mit dem israelischen Jazzmusiker Avishai Cohen (Wikipedia) und „Shir Eres“, Lullaby:
Falls das noch nicht reicht, wir können auch tiefer in die Melancholieschublade greifen. „Summer’s gone“. Und gone ist dieser Summer nun in der Tat, restlos wurde er abgezogen. Wie man in ganz Hamburg bezeugen kann, wo gestern kollektiv der erste Tag mit Heizung zelebriert wurde.
Gegessen, getrunken, besucht:
Nach aktuellem Stand bekommt man den besten Latte Macchiato in unserem kleinen Bahnhofsviertel bei Coffee-Unlimited (Lange Reihe 76). Wenn ich von gutem Kaffee rede, dann meine ich allerdings einen, der ein etwas robusteres Mandat hat. Das wird nicht unbedingt mehrheitsfähig sein.
Es gibt in diesem Mini-Coffeeshop keine Sitzplätze, und es gibt auch draußen nur eine Handvoll am Schaufenster, auf einer schmalen Bank direkt davor. Aber wenn man dort einen Platz bekommt und wenn das Wetter mitspielt, wenn dann nach und nach der halbe Stadtteil an einem vorbeidefiliert, dann sitzt man dort wirklich gut.
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