Erhellendes las ich über Mimosen und über die mir unbekannte Vokabel „Forcerie“, und zwar bei der geschätzten Korrespondentin in Südfrankreich.
Ich muss mich nach der Lektüre leider für voraussichtlich lange Zeit sehr zusammenreißen, bei der Kenntnisnahme von Problemen in Kindergärten, Schulen, Konzernzentralen und Großraumbüros aller Art nicht dauernd „Mimosen in der Forcerie“ zu denken. Schlimm.
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Weiter ging es für mich ansonsten mit den Kunst-Dokus auf arte. Etwa mit Max Beckmann: „Ein Reisender“ (ein YouTube-Link, da die Sendung auf arte nur noch kurz verfügbar ist) und mit Camille Claudel: „Eine Jahrhundertkünstlerin“. Von ihrem tragischen Ende wusste ich bisher nichts. Sowie mit Paula Modersohn-Becker: „Keine Kompromisse“.
Im Gegensatz zu den anderen Folgen der Reihe gibt es bei Modersohn-Becker viele Spielszenen, und sie sind, es ist fast ein Wunder bei Dokus, gut gemacht und stören nicht, heben die Sendung im Gegenteil eher deutlich an. Die Künstlerin wird gespielt von Katharina Stark, die gerade auch in der aktuellen Meyerhoff-Verfilmung im Kino zu sehen ist.
Gefiel mir, wie sie hier auftrat.
Weiter ging es mit Toyen: „Die Malerin des Surrealismus“. Diese Sendung fand ich nützlich, weil sie wieder zur Bescheidenheit aufforderte. Denn auch wenn man denkt, sich mit einem Thema halbwegs auszukennen, hat man doch vielleicht noch Bildungslücken groß wie Scheunentore. Man muss das immer für möglich und wahrscheinlich halten. Ich hatte von dieser Künstlerin noch nie etwas gehört.
Zur Abwechslung sah ich danach noch 45 Minuten beim ZDF über Frida Kahlo. Und bemerkte dann später an diesem Tag in der Filiale einer Buchhandelskette in der Innenstadt, dass es da gerade Kahlo-Kitsch-Tische gibt. Leuchtend bunt designtes und selbstverständlich blumiges Zeug liegt darauf. Kissenbezüge, Schreibblöcke und Ordner, Becher, Socken, Geschenkpapier und Einkaufsbeutel in Kahlo-Colours.
Quasi Kahlo-Lifestyle-Accessoires. Eine kultivierte und südlich-sommerliche, mexikanisch anmutende Munterkeit sollen sie wohl verbreiten, mitten im Hamburger Februar.
Na, wer’s braucht.
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Gehört: Ein WDR-Zeitzeichen (14 Minuten) zu Lou Andreas-Salomé und ein Kalenderblatt zu Umberto Eco (5 Minuten nur), der vor zehn Jahren gestorben ist.
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Einen Artikel bei der Deutschen Welle las ich, der ein Gefühl trifft, welches bemerkenswert viele gerade haben. Nämlich dass wir in diesem Land etwas verlernt, eine Fähigkeit verloren haben, die lange als sicher und auch als fest eingebaut betrachtet wurde, als stets zuverlässig mitgeliefertes Modul der Menschen hier: „Was wurde nur aus der deutschen Projektplanung?“
„Große Projekte werden nicht mehr schnell, effizient und bedarfsgerecht realisiert. Das alte, positive Image Deutschlands trifft nicht mehr zu.“
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Dann hörte ich eine halbe Stunde aus der oft interessanten Reihe „Essay und Diskurs“: „Für immer jugendlich“.
Der Teaser dort lautet: „Die Babyboomer bleiben ewig jung: Sie übernehmen Trends ihrer Kinder, konsumieren Jugendlichkeit und verwischen die Grenzen der Generationen. Was bedeutet dieser Wandel für Gesellschaft, Konsum und unser Bild vom Alter?“
Ich stimme nicht allen Schlussfolgerungen und polemischen Anwürfen zu, einiges kam mir unnötig überspitzt vor (muss ich gerade sagen, ja, ja). Ich fand aber besonders die Passagen interessant, in denen es um soziologische Forschungsergebnisse ging.
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Gesehen habe ich einen Film zum zweiten oder dritten Mal, weil ich gerade gemerkt habe, dass hier jemand im Haushalt für Netflix bezahlt hat und der Film dort verfügbar ist: „Lost in Translation“. Den kennen selbstverständlich alle längst, ich weiß, dazu muss man kaum etwas sagen. Aber ich habe beim Sehen jedenfalls wieder gedacht, dass dies eines der Patadebeispiele dafür ist, welche Filme ich gerne sehe: Kaum Handlung, dafür hervorragende Besetzung, interessante Bilder und Dialoge.
Reicht mir so.
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Eines der Bücher, das ich auch zum vierten Mal genießen kann, ist „Bartleby, der Schreiber“ von Melville (Wikipedia-Link). Wenn ich irgendwo für Pflichtlektüre zuständig wäre, dieser schmale Band wäre mit großer Sicherheit dabei. Der Wikipedia-Artikel dazu ist ungewöhnlich lang, aber er lohnt sich auch.
Am Rande wird dort die Geschichte „Wakefield“ von Nathaniel Hawthorne erwähnt, und falls Sie diese nicht kennen sollten, die kann ich gar nicht genug empfehlen. Es ist ein sensationeller Text, der damals komplett aus der Zeit fiel, eine ungeheuer moderne Idee, ein Vorgriff auf Kafka und andere.
In der ARD-Audiothek wird der Bartleby gerade von Benno Schulz vorgelesen, rund zweieinhalb Stunden sind das. Es wird allerdings nicht genannt, wer es übersetzt hat. Schlimm.
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Im Podcast „Talk mit Thees“ war Martin Bechler zu Gast (123 Minuten), der Frontmann von Fortuna Ehrenfeld (Wikipedia-Link), die übrigens bald auch in Hamburg spielen.
Dieser Podcast ist mir vom Format her im Prinzip etwas zu redselig, aber Martin Bechler sagt zwischendurch sympathische Sachen („In mir tobt etwas, das will sich nicht damit abfinden, wie unkomfortabel wir Menschen miteinander umgehen“) und es geht über längere Passagen um Song-Lyrics und Song-Writing, um Ideenfindung etc. Ich nehme fast an, das wird hier auch einige interessieren.
Ferner kommt ein Effekt vor, den ich hier schon einmal am Beispiel von Hildegard Knef hatte. Wenn man ein LLM nach Titeln der Gruppe fragt, werden fast nur solche genannt, die es gar nicht gibt – aber sie klingen beeindruckend plausibel und so, wie es Martin Bechler auch sagt: „Könnte man sofort schreiben.“
Der tiefere Sinn des schlicht wirkenden „I want to misbehave“ wird ebenfalls verhandelt, dito die Geschichte der Markenzeichen-Schlafanzüge.
Falls Sie Fortuna Ehrenfeld allerdings gar nicht kennen, es geht bei denen auch oft um Ruhigeres, etwa so:
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Ansonsten weiter im Ausverkauf der Winterbilder (was wiederum wie ein Songtitel von Element of Crime klingt):







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