Es ist morgens halb vier. Sogar für mich noch etwas zu früh. Ich wache auf, weil es draußen wiederholt scheppert. So ein Geräusch, bei dem man gleich denkt – in Ordnung kann das nicht sein, und Schäden wird es geben.
Ich stehe also knurrend auf und sehe aus dem Fenster, um zu überprüfen, welches Unheil dort wieder angerichtet wird. Ich sehe unten auf der Straße einen Mann mittleren Alters, der zumindest von schräg oben betrachtet dermaßen normal aussieht, dass man ihn vom Fleck weg als Zivilfahnder casten könnte. „Ziehen Sie sich unauffällig an“, und er hat sich strebsam an die Vorgabe gehalten. Er entspricht auch in Größe und Figur mustergültig den aktuellen Durchschnittsmaßen.
Er geht also die Straße entlang, und zwar tut er das, wie zu betonen ist, nicht in Schlangenlinien. Obwohl das als mildernder Umstand vielleicht nicht schlecht und zu gönnen gewesen wäre.
Denn er tritt, während er näherkommt, alle abgestellten E-Roller um. Auch Fahrräder, auch Motorräder, alles auf zwei Rädern. Wobei er jeweils in einem unpassend nüchternen Tonfall, als sei es eine Pflichtübung klingt es fast, „Banzai!“ ruft.
Die Art der Tritte können Sie sich gleich vorstellen. Wenn Sie bitte kurz fantasieren möchten, Ihnen würde ein Haus auf dem Land gehören, so eines mit einem weitläufigen Garten. Und hinten im Garten, wo der Weg am Bach entlang beginnt, ist ein kleines, längst verzogenes, hölzernes Gatter im Zaun. Es klemmt seit Jahren etwas, und seit Jahren schon schließen Sie es daher nach dem Durchgehen mit einem kleinen Tritt.
Routiniert machen Sie das, und auch so, dass Sie längst nicht mehr darüber nachdenken. Das ist in etwa die Art, in der er die Zweiräder umlegt. Unaufgeregt.
Und dieses „Banzai“, es wird in einem Tonfall gerufen, für den ich Ihnen auch ein Bild anbieten kann. Nämlich eine angetretene Kompanie Soldaten der Bundeswehr, noch aus der Zeit des Grundwehrdienstes, damals. Ein brüllender Oberfeldwebel paradiert vor ihnen auf und ab, der irgendwann und aus irgendeinem Grund Begeisterungsrufe einfordert. Eingeleitet mit dem unweigerlichen „Hipp Hipp!“ Woraufhin tausend Mann, die kaum zugehört haben, ein pflicht- und befehlsgemäßes „Hurra!“ zurückmelden. Welches dann nicht nach großer Begeisterung, sondern nach Dienstvorschrift klingt. Würden sie stattdessen „Banzai!“ rufen, nun, dies wäre in Tonlage und Temperament passend.

Die Sirene der Zuständigen vom Staat kommt allerdings schon näher. Das Blaulicht flackert schon heran, es gibt hier daher keine Zuständigkeit für mich. Abgesehen von der gefühlten Notwendigkeit, auch diese lapidare Begebenheit als In-extenso-Version des Statements „Alle bekloppt“ eben für Sie zu notieren.
Man muss so etwas, denke ich mir in solchen Situationen oft, in der relativierenden Auswirkung zur Kenntnis nehmen. Denn ich bin zwar auch ein Freak und mit Sicherheit auf die eine oder andere Art ziemlich speziell, ich habe ganz ohne Zweifel ebenfalls Qualm in der Kanzel, aber andere … meine Güte.
Wenn man es nämlich so bedenkt, dann kann man auch morgens um halb vier leicht fröstelnd und in nicht eben blendender Laune am Fenster stehen, auf komplett Durchgeknallte herabsehen und sich selbst dabei vielleicht seelisch wieder etwas absichern. Es ist etwas tricky, aber es ist doch möglich.
Wie ich immer sage: Man muss es sich nur alles etwas zurechtbiegen, dann geht es meistens.
Neugierig bleiben, das sollte man allerdings auch. Denn die Neugier hilft meiner Erfahrung nach auf eine unspektakuläre, aber doch effiziente Weise gegen Verstimmungen aller Art. Wenn man gerade auf etwas neugierig ist, blendet diese fragende Regung im Hirn oft das unselige und meist wenig zielführende Herumbrüten auf Bekümmernissen aller Art oder überhaupt das depressive Denkmodell zumindest eine Zeitlang aus.
Weswegen ich also noch eben „Banzai!“ nachschlage. Und guck an, ich lag nicht ganz richtig mit dem, was meine Allgemeinbildung hergab.

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Und sonst: Elle Cordova alias Reina del Cid hat einen fantastischen Song zu Halloween. Wenn man seine Englisch-Vokabeln zum Thema Mumien, Monstren und Mutationen aufbessern möchte, kann man in diesem Blogartikel den Originaltext nachlesen.
„On this Hallows’ Eve I’ll make friend with the ghosts,
I’ll gather the monsters and raise up a toast,
A feast for the ages, and I’ll be the host
So come on, come all this Halloween.”
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