Kultur am Sonntag, die Nachlese

Vorteil Jahreskarte! Ich gehe nun auch zu den Ausstellungen oder Events in der Kunsthalle, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie etwas für mich sind. Kostet ja nix, ne. Man ist außerdem weg von der Straße, hat es warm und trocken und kann sich dabei auch noch wahnsinnig kultiviert fühlen.

Ein durch und durch überzeugendes Konzept, ich werde dieses Abo daher mit Sicherheit verlängern.

Weitwinkel eines Saales mit Novros-Werken

David Novros (Wikipedia), der Name sagte mir nichts. Was nicht weiter erstaunlich ist, da ich von moderner Kunst so gut wie nichts verstehe und in aller Regel auch eher keinen Zugang habe. Wenn ich nicht zufällig einen persönlichen Bezug habe, weil ich etwa die Künstlerin kenne. Oder weil mir jemand mit professionellen Kenntnissen die Sache kundig erklärt. Wobei ich skeptisch bin, ob es richtig ist, dass mir Kunst erst erklärt werden muss, bevor ich geistig auch nur einen einzigen Schritt darauf zugehen kann. Aber das ist am Ende ein allzu abgründiges Thema, und ich habe bisher keine profunde Antwort gefunden.

Seine erste Ausstellung, das las ich gleich am Anfang, hatte David Novros im Jahr 1966. Mit anderen Worten, seine öffentlich zugängliche Kunst ist so alt wie ich, und zack, schon hatte ich meinen Bezug.

Manchmal ist es doch einfach.

Ein Mann steht betrachtend vor einem Novros-Werk

Gäste stehen betrachtend vor Novros-Werken

Eine Frau sitzt betrachtend vor Novros-Werken

Es geht bei ihm um ein Thema, über welches ich vermutlich kaum jemals nachgedacht habe, denn es geht um die Verbindung von bestimmten Räumen mit Kunst. Durch Wandgemälde, Mosaikdarstellungen etc. Es geht also um fest installierte Kunst, die dort hingehört, wo sie ist, und die vor allem für diesen speziellen Ort entworfen wurde.

Was auch bedeutet, dass diese Ausstellung einen Haken hat. Denn die gezeigten Werke sind eben nicht dort, wo sie hingehören. Sie wurden vielmehr transplantiert. Man muss dem ursprünglichen Konzept daher gedanklich durch Videos und Modelle folgen, wofür ich etwas Zeit brauchte, was ich dann aber mit jedem Raum immer interessanter fand.

Der Künstler erläutert das Konzept und seinen Zugang ausführlicher hier in diesem Video:

Er geht in diesem Gespräch auch mit teils erstaunlichen Beispielen darauf ein, dass es etliche seiner Werke bereits nicht mehr gibt, dass sie zerstört worden sind. Wo man doch bei Kunst direkt auf Wänden vielleicht zunächst eine eher längere Haltbarkeit als bei solchen auf Leinwand oder Papier unterstellen möchte. Aber Häuser werden verkauft, abgerissen oder umgebaut. Was man gerade in Hamburg gut versteht, nicht umsonst heißt es hier scherzhaft „Freie und Abrissstadt“. Was übrigens ein Scherz ist, den der erste Direktor der Kunsthalle von sich gegeben hat, Alfred Lichtwark.

Und ein Kunstwerk an einer Wand hält dieses Niedermachen nicht auf. Es begründet keinen sofortigen Denkmalschutz, und zwar auch dann nicht, wenn der Mensch, der die Kunst erschaffen hat, als bekannt zu gelten hat.

Dann konnte ich mir selbst noch einen Kunstkennerpunkt zuschreiben, weil ich eine Anspielung auf Mark Rothko sofort erkannt und richtig verstanden hatte. Das fand ich ebenfalls gut und zufriedenstellend. Auch wenn der Punkt nicht viel wert war. Denn Rothko, okay, den erkennen irgendwie alle, die jemals auch nur einen Gedanken an Kunst verschwendet haben.

Aber andererseits: Immerhin.

Ein wandfüllendes Novros-Werk

Detail eines Novros-Werkes

Detail eines Novros-Werkes

Detail eines Novros-Werkes

Außerdem verband sich der Gesamteindruck im weiteren Verlauf des Tages noch wunderbar mit meinem aktuellen Hörbuch. Also mit „Frankie und Freddie“ von Sven Regener. Denn in der ganzen Romanreihe ist Kunst immer wieder ein Thema, mit der Betonung auf moderner Kunst.

Und selbst wenn es in den Romanen eher unernst daherkommt, Stoff zum Nachdenken bietet es dennoch. Und Sven Regener schrieb es auch nicht, wie man beim Lesen merkt, ohne sich selbst intensiv damit befasst zu haben.

Kunst und Literatur in passendem Gleichklang an einem Sonntagnachmittag also, und ich liebe diese Synchronizität. Vor allem dann, wenn sie nicht geplant oder erwartet war.

Hier noch der Link zur Ausstellung. Sie läuft bis zum 21. Februar 2027 in der Galerie der Gegenwart.

Kann man machen!

Der Katalog zur Novros-Ausstellung

Sessel in der Galerie der Gegenwart, am Rand ein Ausschnitt eines Novros-Werkes

 

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Beschleunigungen III

Noch eine Frage und ein Outing zum Thema.

Die Frage, auf die ich bisher keine Antwort weiß: Wie kommt es, dass seit gar nicht so langer Zeit, seit dem Spätsommer etwa erst, vermehrt joggende Menschen in der Innenstadt auftauchen? In den Fußgängerzonen, auf dem Rathausmarkt, an der Binnenalster auf dem Jungfernstieg etc., überall.

Dort kamen sie sonst nicht vor, nun laufen sie auch dort einzeln und in Gruppen herum. Teils sogar mit Anführer vorweg, der Instruktionen ruft oder eher brüllt. Teils auch noch in verbindender Kostümierung. Als seien sie aus einem Sommerferiencamp in der Nähe gestartet, was doch sicher nicht der Fall sein wird.

Es ist nun einigermaßen meschugge, durch die Innenstadt zu joggen – sind dort doch noch mehr langsam gehende und herumstehende Menschen im Weg als auf der Alsterrunde. Wo also kommt dieser seltsame Trend her, ist es wieder irgendetwas von TikTok oder dergleichen und wie begründet es sich, weiß es jemand?

Ein Fußweg in der Hafencity

Das Outing: Es gibt vermutlich bei jedem Menschen Themen und Bereiche, bei denen er – und das mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar unerwartet – merkt, dass er im Laufe des Lebens immer regelbesessener wird. Ob es dabei nun um eigene oder um gesellschaftlich gesetzte Regeln geht: Man möchte, dass all die anderen sich gefälligst so oder so verhalten. Und es ist ein empörendes Unding, dass sie es nicht tun.

Was man dann auch, wenn man sich nicht mühsam beherrscht, am liebsten in jedem Gespräch anbringen möchte. Denn die Welt wird immer schlechter, so insgesamt, aber vor allem, was dieses Thema betrifft. Man merkt daher, wie man darüber reden möchte, pausenlos merkt man das.

In diesem Sinne stelle ich nicht ohne ein gewisses Amüsement fest, dass ich seit einigen Jahren immer deutlicher zu einem StVO-Ultra mutiere. Was jüngere und in dieser Hinsicht lässigere Ausgaben von mir sicherlich mit erheblichem Befremden zur Kenntnis genommen hätten.

Im Weg stehende E-Scooter

Aber gut, diese früheren Ausgaben konnten auch nicht wissen, dass irgendwann im Verkehr gar keine Regeln mehr gelten würden. Für niemanden. Was in etwa dem Zustand entspricht, in dem wir hier angekommen sind. Wenn man heute in Hamburg-Mitte mit irgendeinem Verkehrsmittel fährt, so geschieht das etwa auf Auto-Scooter-Niveau, was die regelhaften Vorgaben betrifft. Und das ist nicht gerade stark übertrieben, das kommt der Sache nahe.

Ich war vor einigen Jahren schon fasziniert davon, wie es immer deutlicher wurde, dass rote Ampeln keine zwingende Verbindlichkeit mehr darstellten. Was mich besonders interessiert hat, weil rote Ampeln bis vor einigen Jahren eine doch recht starke Verbindlichkeit waren. Sowohl als einfache gesetzliche Regel, die es unbedingt zu beachten galt, immer mit dem Satz im Kopf: „Sonst Führerschein weg!“ Wie auch als Tugendgebot, gegen das man auch aus moralischen Gründen einfach nicht zu verstoßen hatte. Das machte man nicht, dass man bei Rot fuhr, die Älteren erinnern sich.

In einer Zeitspanne, die ich, obwohl ich es nicht ganz genau sagen kann, wiederum in etwa mit dem Beginn der Pandemie verbinde, hat sich dieses Gebot von Jahr zu Jahr mehr erledigt. Es ist zu einer bloßen Handlungsempfehlung herabgesunken, der man folgen kann oder nicht.

Wie es gerade passt, die Anweisung ist nun unverbindlich.

Im Weg stehende E-Scooter

Die roten Ampeln waren aber nur der erste und besonders auffällige Veränderungsschritt, der nach meiner Wahrnehmung erstaunlich schnell vollzogen wurde. All die kleineren Abweichungen, dass man also etwa nicht mehr blinkt, dass man beim Fahren aufs Smartphone sieht, dass man überall parkt, wo Platz ist etc., sie fielen im Vergleich dazu kaum auf.

Die zweite und erneut besonders auffällige Befreiung, die mich wiederum gewundert hat, ist tatsächlich erst etwa ein Jahr alt. Das ist die von den Einbahnstraßen. Denn die sind mittlerweile ebenfalls nur noch als unverbindliche Vorschläge zu betrachten, und wenn einem gerade keiner entgegenkommt, dann kann man ruhig dadurch, vorgegebene Richtung her oder hin.

Zwischendurch der wichtige Hinweis, dass dies alles für Hamburg-Mitte gilt. Es kann bei Ihnen aber durchaus anders sein. Die deutschen Großstädte haben jeweils ihre eigenen Verkehrsriten, Traditionen, Verhaltensmuster etc. Daher rede ich hier nicht von einem Deutschlandtrend.

Ich weiß noch, wie Anke Gröner vor etlichen Jahren einmal schrieb, und ich erinnere mich da hoffentlich richtig, dass in München das Fahren auf der falschen Straßenseite mit dem Fahrrad vollkommen unüblich sei, in Hamburg aber ein normales Verhalten. So etwas meine ich, diese Abweichungen muss man im Sinn behalten.

Ein im Weg stehender E-Scooter

Die Sache mit den Einbahnstraßen kann ich mir vielleicht sogar erklären. Denn ich nehme an, dass die zahlreihen Lieferwagenfahrer, tatsächlich sind sie fast immer männlich, damit begonnen haben. Aus halbwegs verständlichem Zeitdruck und aufgrund ihrer ungemein harten Arbeitsbedingungen, was also in etwa nachvollziehbar, aber dennoch nachteilig für alle ist. Denen jedenfalls wird man es wohl nachgemacht haben, nehme ich an. Und ich fand es als Trendbeobachtung dann besonders faszinierend, wie schnell es üblich wurde. In nur etwa sechs Monaten war das Thema durch, und eine neue Art, mit diesen Straßen umzugehen, war hier etabliert.

Man kann es sicher etwas abstrahieren und an dieser Stelle kurz feststellen, wie schnell eine Gesellschaft grundlegende Regeln umdefinieren kann. Was an sich weder gut noch schlecht ist, es ist erst einmal nur ein erstaunlicher Umstand. Den man mit Gruseln oder auch mit Hoffnungen zur Kenntnis nehmen kann, je nach Interpretation und Thema. Wir könnten auch ganz anders, und wir könnten es bald.

Die Promenade hinter der Elbphilharmonie

Abschließend noch eine Miniatur-Szene, etwa drei Jahre ist sie alt und illustriert meine letzte Anmerkung zum Thema.

Es ist ein früher Sommerabend, muss man sich vorstellen. Unser wildes kleines Szene-Viertel belebt sich gerade, das abendliche Ausgehen hebt an. Alles ist voller Touristen, es wimmelt wieder einmal auf allen Wegen. Es geht auf den Straßen mit der vielversprechenden Außengastro dicht gedrängt zu.

Auf einem E-Scooter fahren zwei Jugendliche wild herumhampelnd und krakeelend über den Fußweg. Der eine hat dabei ein Smartphone, der andere eine Dose Bier in der Hand. Ich denke mir das übrigens nicht aus, auch wenn es so klingt. Ich habe es mir die ganze Zeit gemerkt, weil der Anblick so überaus absurd war, denn die beiden fuhren in ihren wilden Schlangenlinien direkt auf zwei Streifenpolizisten zu.

Die allerdings diskret zur Seite sahen und ihren Weg plaudernd fortsetzten. Was für mich seitdem als Sinnbild für eine weitere verblüffende Entwicklung in diesem Zusammenhang steht: dass nämlich die Polizei eher nicht mehr zuständig für den Verkehr ist. Abgesehen von öffentlichkeitswirksamen Großaktionen, Blitzermarathon etc., die dann von den Pressesprechern und Medien groß abgefeiert werden. Aber sonst: Man sieht längst eher nicht mehr hin, man sieht eher konzentriert weg.

Eine Promenade in der Hafencity am Baakenhafen

Eine Promenade in der Hafencity am Baakenhafen

Aus soziologischer Sicht finde ich das bemerkenswert, denn die Abweichung zu der Polizeiwahrnehmung, mit der meine Generation großgeworden ist, sie fällt doch erheblich aus.

Mein innerer Nörgelrentner jedenfalls, das wollte ich nur eben noch sagen, geht seit etwa sechs Jahren nur noch krückstockfuchtelnd durch die Straßen hier. Er hat es wahrhaftig nicht leicht. Und er ist auch der Grund, warum mir die zahllosen Belästigungen durch Jogger, E-Cargo-Bikes, E-Scooter etc. auf den Fußwegen erstaunlich viel ausmachen:

Mir reicht es ernsthaft schon, was ich alles auf und an den Straßen erlebe. Ich würde ansonsten gerne ungestört und ungefährdet auf den Fußwegen herumgehen.

Der Fußgängertunnel zwischen Außen- und Binnenalster

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Linkwerk zum Wochenende

Die Kunst der Lebensführung

Es gibt Blogs, da lebt die seelisch unterstützende Rubrik „Was schön war“ noch fort. Da auch mal wieder drüber nachdenken! Und tatsächlich habe ich dazu eine passende Notiz, gleich in der nächsten Woche wird sie wohl vertextet. Pläne und Ziele!

In diesem Zusammenhang ein kurzer Beitrag beim Deutschlandfunk: Museumsbesuch kann gegen Depressionen helfen. Es kommt auch der Begriff „Neuroästhetik“ vor, den ich noch nicht kannte, aber er ist auch interessant – siehe Wikipedia.

Gäste in der Kunsthalle, von einer Bank aus ein Gemälde betrachtend

Literatur und Lesen:

Verleger Sebastian Guggolz über die Krise des Lesens

Lesen gegen Geld: Wie Singapur für Bücher begeistern will

Das macht das Nichtlesen mit dem Gehirn. Man kann es dem Titel der Sendung nicht entnehmen, aber es geht auch um die fatalen Auswirkungen des Gebrauchs von KI auf unser Gehirn.

Ein Aufkleber an einer Laterne: Leuchte nicht in Betrieb

Ich hatte ansonsten erhebliches Glück und konnte mir das von ihm selbst eingelesene Hörbuch zum neuen Roman von Sven Regener schon in der App der öffentlichen Bibliotheken ausleihen: „Frankie und Freddie“. Hier die Verlagsseite, hier Perlentaucher mit bisher erst zwei kurzgefassten Rezensionen.

Das siebte Buch in dem Zyklus ist es schon. Man ist Fan seiner Werke oder man ist es nicht, daneben gibt es nicht viel zu verhandeln. Ich bin Fan, gar keine Frage. Um aber dennoch einen literarischen Aspekt zu bringen: Es gibt nicht so viele, die in der neueren deutschsprachigen Literatur einen derartigen erzählten Großraum geschaffen und belebt haben. Ein belebtes Universum und ein Erinnerungsraum, den es so nur in der Literatur geben kann.

Der andere Autor, der in diesem Zusammenhang zu nennen und auch zu preisen ist, wäre Gerhard Henschel. Der mit seinen mittlerweile 12 Martin-Schlosser-Romanen, die jeweils auch noch von gewaltigem Umfang sind, ebenfalls einen Erzählplaneten besiedelt hat.

Wenn man sich für westdeutsche Geschichte interessiert oder sogar an Westalgie mehr oder weniger leidet, das soll es ja geben – man kann in den Werken der beiden tief genug versinken, um in dieser Hinsicht bestens bedient zu werden.

Sven Regener empfehle ich aber erneut auch mit Nachdruck als Vorleser von Kafka. Er ist, jedenfalls soweit mir bekannt, der Einzige, der die Werke so eingelesen hat, dass man den Humor von Kafka, der eine eher unterschätzte Grundlage der Texte ist, beim Zuhören zu erahnen meint.

Für meine Kafka-Rezeption war das eine wichtige Bereicherung.

Wenn Sie dazu ebenfalls Lust haben – am deutlichsten wird, was ich hier meine, vermutlich bei seiner Version von „Das Schloss“. Aber gut, das ist mir ohnehin das liebste Kafka-Werk.

Es passt wieder herausragend gut, sehe ich gerade: Mit dem nächsten Klick fand ich nach diesem Absatz diesen aktuellen Text beim Bücheratlas-Blog über eine Neuausgabe des Schloss-Romans. So fügt sich wieder alles zusammen, und so soll es sein.

Ein Holzsessel im Alstervorland

Ausgehen

Ein Tipp für den November: Josef Hader tritt am 10. und 11. im Sankt-Pauli-Theater auf.

Und einer für den Dezember: Anna Depenbusch hat einen Solo-Abend in der Laeisz-Halle.

 Musik

Eine eher nerdige Angelegenheit, wobei es von Dylan-Nerds nicht eben wenig gibt – hier spricht Manfred Maurenbrecher kundig über sein liebstes Bob-Dylan-Album: „Shot of Love.“

Und wo ich schon Manfred Maurenbrecher erwähne, den ich kenne und den ich für einen der sympathischsten Menschen halte, die mir je begegnet sind, weise ich noch einmal auf sein Lied vom alten Mann mit dem Fahrrad hin. Denn es ist ein gutes Lied, mit einer guten Story und einem sehr guten Ende. Echtjetztmal.

Es hat mit der Art, in der ich versuche, die Welt zu sehen und zu schreiben, viel zu tun. In einer gewissen Weise könnte ich es auch als Bloghymne betrachten.

Noch eines der Fundstücke dieser Woche: Ich hatte nicht parat, dass es von The Moody Blues auch Songs gibt, die eher in den Gutelaunebereich des Tages fallen.

Dr. Livingstone, I presume. Bitte beachten Sie auch die zwischendurch kurz eingeblendeten Schalter am Tasteninstrument. Ich habe schwere Anfälle von Haptik-Nostalgie, wenn ich derartiges sehe, ich möchte so etwas drücken und drehen.

Für den Abend eine weitere Empfehlung, man muss ja auch wieder runterkommen. Das gelingt mit dem israelischen Jazzmusiker Avishai Cohen (Wikipedia) und „Shir Eres“, Lullaby:

Falls das noch nicht reicht, wir können auch tiefer in die Melancholieschublade greifen. „Summer’s gone“. Und gone ist dieser Summer nun in der Tat, restlos wurde er abgezogen. Wie man in ganz Hamburg bezeugen kann, wo gestern kollektiv der erste Tag mit Heizung zelebriert wurde.


Gegessen, getrunken, besucht:

Nach aktuellem Stand bekommt man den besten Latte Macchiato in unserem kleinen Bahnhofsviertel bei Coffee-Unlimited (Lange Reihe 76). Wenn ich von gutem Kaffee rede, dann meine ich allerdings einen, der ein etwas robusteres Mandat hat. Das wird nicht unbedingt mehrheitsfähig sein.

Es gibt in diesem Mini-Coffeeshop keine Sitzplätze, und es gibt auch draußen nur eine Handvoll am Schaufenster, auf einer schmalen Bank direkt davor. Aber wenn man dort einen Platz bekommt und wenn das Wetter mitspielt, wenn dann nach und nach der halbe Stadtteil an einem vorbeidefiliert, dann sitzt man dort wirklich gut.

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Beschleunigungen II

Zwischen dem Hauptbahnhof und unserem Viertel liegt eine Straße, die mir aus einem ausgesprochen großstädtischen Grund etwas unangenehm ist, das ist die Kirchenallee.

Sie gehört schon zur Ankunfts- und Abfahrtszone des Bahnhofs. Man sieht dort fast immer Verabschiedungen und Begrüßungen, Menschen springen aus Privatautos, Taxis oder Bussen, winken Zurückbleibenden, eilen zu den Zügen. Oder sie kommen gerade aus dem Bahnhof und stürzen sich in die Arme ihrer Lieben. Oder, öfter, sie stehen mehr oder weniger desorientiert herum. Sehen auf ihre Smartphones, manchmal auch noch auf Stadtpläne, wobei dies aber nur noch bei älteren Menschen vorkommt. Sie drehen sich, sie suchen die Himmelsrichtung, Wegmarken oder Straßenschilder. Manchmal suchen sie auch Menschen, die sie um Rat fragen können, gelegentlich komme ich da ins Spiel. Sie sortieren ihr Gepäck, telefonieren und teilen ihre Anwesenheit in dieser Stadt irgendwem mit, dem das hoffentlich wichtig sein wird.

Sie kaufen noch eben Blumen oder Pommes an den Ständen vor dem Bahnhof. Und sie stehen, wenn sie aus der Provinz kommen, oft vollkommen entgeistert im Getümmel und Geschiebe, besonders am südlichen Ende des Bahnhofs. Das ist ohnehin ein heikler Punkt, denn dort ist alles zu eng für die durcheilenden Massen, und es stoßen außerdem Szenen zusammen, die sonst kaum Berührung haben. Die Junkies, die von der nahen Methadon-Ausgabestelle kommen oder dort mit Dringlichkeit hinmüssen. Die Taumelnden aus der Alkoholszene. Die irritierten Touristen. Dazu die Massen der Berufstätigen in Zeitnot, die es drängt, nach Hause oder zur Arbeit zu kommen. Dazwischen Schulklassen, Pfadfindertrupps, christliche Missionare, ein Drehorgelmann und Handwerker, die irgendetwas am Bahnhof aufreißen wollen, sowie Dekorateure, die Plakate und Zeug montieren oder wieder einsammeln.

Man steht in einem Wimmelbuch.

Ein Sticker: Ramba Zamba

Vom angrenzenden Steindamm kommen unentwegt Menschen dazu, die wiederum für Gäste, welche Großstädte nicht gewohnt sind, ungewohnt international ausfallen. Die teils auch staunenswert gekleidet sind, wenn man das alles nicht kennt. Die Ampel an dieser Ecke ist die einzige mir bekannte Stelle in dieser Stadt, die etwas nach New York aussieht. Nach never sleeping, nach Melting Pot, nach Metropole und nach stattgehabter Globalisierung.

Ein Sticker: Lieber für die Stadt

Dann gibt es noch eine Sondergruppe, die aber ziemlich auffällig ist: All die Ankommenden aus anderen Gegenden und Städten nämlich, die hier mit sichtlicher Begeisterung zum ersten Mal auf E-Roller stoßen, die man mieten kann. Und die dann auf so ein Ding steigen und entsprechend unbeholfen erste Runden drehen. Gar nicht so selten mit klaren Misserfolgen, die an Wänden, Laternen oder anderen Menschen enden.

All das verwirrt verständlicherweise viele, die dort entlanggehen oder die gerade wartend herumstehen. Es lenkt sie ab, es lockt ihre Blicke fortwährend und mit Vehemenz in diese und jene Richtung, es kapert ihre Aufmerksamkeit.

Es fahren dort aber auch Autos und Busse entlang. Solche aus dem ÖPNV und solche von den Stadtrundfahrten. Kurierfahrer und Taxis sind ebenfalls zahlreich dabei, oft mit besonders flottem Fahrstil, um es noch freundlich auszudrücken.

Graffiti: Auf geht's ab geht's

Mit anderen Worten, die Wahrscheinlichkeit, dass man dort einen Unfall sieht, erscheint überdurchschnittlich. Tatsächlich habe ich dort schon viel zu viele knappe Szenen gesehen. Vor allem mit Junkies, die in etwa so bewusst über die Straße gehen, wie es auch Dreijährige tun.

Ein Sticker: Cars ruin cities

Nicht immer war es nur knapp, es gab auch noch Unerfreulicheres. Da sich aber der Verkehr weiter beschleunigt und rücksichtsloser wird, und da zwei komplett verkehrsregelfreie Gruppen noch relativ neu im Spiel sind – die E-Roller-Fahrer und die Kuriere der Lieferdienste auf E-Bikes –, wird es tendenziell weiter wilder, nicht besser.

Ein Sticker: Der Struggle so real

Der letzte Unfall, den ich sah und durch den ich auf diesen Text komme, ist gerade zwei Tage her. Und er passierte nicht da, wo ich es immer erwarte, also auf der Straße. Er passierte da, wo das Risiko für die Menschen, die noch zu Fuß gehen, immer größer wird, auf dem Fußweg.

Wo ein E-Bike-Fahrer mit erheblicher Geschwindigkeit eine Obdachlose, die vor einer Bäckerei bettelte, die also herumstand und nicht einmal in irgendeiner Form am Verkehr teilnahm, frontal und ungebremst umgebrettert hat. Er war gerade um eine Ecke vor der Bäckerei gebogen, offensichtlich ohne zu erwarten, dass dahinter jemand stehen könnte.

Und hier gibt es zwei Immerhins der eher traurigen Art, auch wenn sie dennoch als Immerhin-Faktoren durchgehen müssen.

Zum einen war die Obdachlose eine jener Menschen in Not, die alles anziehen, was sie haben. In ihrem Fall war dies besonders viel. Junge Menschen werden das Bild gar nicht mehr parat haben, aber für meine Generation gilt es noch, dass man das Michelin-Männchen assoziiert.

Sie wurde daher zwar durch den Aufprall umgeworfen wie ein Kegel, es ist ihr aber, soweit ich es mitbekommen habe, außer leichten Schrammen nichts zugestoßen. Wäre sie z. B. ein Kind gewesen, die Geschichte hätte man mit Sicherheit am nächsten Tag in der Zeitung nachlesen können.

Zum anderen stieg der Radfahrer sofort ab und kümmerte sich. Er beging also erstaunlicherweise keine Fahrerflucht, wie es mittlerweile auch üblich ist.

Immerhin, immerhin.

Irgendwann in den letzten zwei Jahren etwa, es ist mir neulich erst bewusst geworden und hat Bezug zu dieser Szene, hat sich meine eigene gefühlte Unfallwahrscheinlichkeit geändert. Während ich als Fußgänger mein Leben lang das Angefahrenwerden durch Autos für das Risiko schlechthin in der Stadt gehalten habe, kommen mir ein angreifendes E-Bike oder ein querschießender E-Roller mittlerweile viel wahrscheinlicher vor.

Und ich nehme an, ich werde auch dazu bald eine Statistik lesen, die es bestätigt.

Kreide auf Pflaster: Holzköpfe

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Beschleunigungen

Neulich erwähnte ich hier die Verschiebungen im Vibe der Stadt und hob dabei auf eine Entwicklung ab, welche die meisten eher positiv deuten würden. Es wird hier etwas netter, etwas südlicher, etwas entspannter – ja, warum nicht, das klingt doch gut und anziehend.

Es gibt allerdings parallel dazu weitere Verschiebungen, und zwar Verschiebungen jener Art, die man kaum jemals in flagranti erwischt. Änderungen, die einem erst spät und plötzlich bewusstwerden und die sich dann meist mit einem Rückblick verbinden, wozu dann die irritierte Feststellung kommt: „Das war doch früher nicht so.“

Wenn man um den obligatorischen Stichprobenfehler in unserem Denken weiß und damit halbwegs bewusst umgeht, prüft man anschließend durch Gespräche mit anderen, Recherche etc., ob das, was man gerade zu beobachten meint, ein allgemein anerkanntes Element der Wirklichkeit ist. Ob es womöglich sogar objektiv messbar und darstellbar ist. Oder ob man aufgrund höchst individueller Umstände, hyperlokaler Effekte, spezieller Stimmungsfilter etc. eher auf geistigen Sonderwegen unterwegs ist, um nicht zu sagen paranoid herumspinnt.

Es ist immerhin alles möglich.

In diesem Zusammenhang zwei, drei Anmerkungen zu den Themen Geschwindigkeit, Verkehr und soziales Miteinander. Es werden wohl zwei, drei Texte.

Eine Gruppe Ruderer in Kajaks (?) auf der Außenalster

Beginnend mit einer Miniaturszene, die an der Alster spielt, an der Alster am Morgen. Vielleicht ist es der frühe Morgen, das hängt allerdings davon ab, was der Biorhythmus einem vorgibt. Es ist viertel nach acht – das ist für mich schon nicht mehr besonders früh. Für andere schon. Es fällt aber sicher nicht mehr unter das, was in meiner Kindheit immer als „unchristliche Uhrzeit“ bezeichnet wurde. Es ist ein schöner Tag, noch einer aus der gerade finalisierten Spätsommerabschlussreihe, die hier auch neulich verhandelt wurde.

Die Alster liegt also in der üblichen Postkartenpracht. Sie haben hier vermutlich schon viele Bilder im Blog gesehen, welche diesen Anblick darstellen. Ab und zu weise ich auf etwas hin, das Menschen nicht wissen können, die hier noch nie waren: In einem gewissen Sinne lügen diese Bilder alle. Denn sie suggerieren meist so etwas wie Ruhe und Frieden. Das ist allerdings nicht einmal mehr ansatzweise zutreffend, wenn man die Tonspur dazu nimmt. Denn in meinem Rücken läuft der Verkehr mehrspurig, drängelnd und auch seit einigen Jahren immer rabiater, wie gerade wieder durch Studien belegt wurde.

Der Anleger Krugkoppelbrücke, von der Brücke aus aufgenommen

Falls Sie sich fragen, ob der Verkehr immer schlimmer wird oder ob es nur an Ihrer Wahrnehmung oder an ihrem Älterwerden liegt: Das ist so ein Fall, den man objektivieren kann. Der Verkehr wird de facto schlimmer. Die Menschen in oder auf Verkehrsmitteln aller Art werden nachweisbar gnadenloser. Ich komme noch darauf zurück.

Die Alster also. Vorne Frieden. Mit dem Blick zum Gewässer besinnt sich der Mensch, hinter ihm brummt und hupt es dabei und drückt ihm den urbanen Alltag auf die Ohren. So die Szenerie.

Ein Mensch auf einer Bank an der Außenalster, von hinten gesehen

Ich ging dort an diesem Tag etwa eine Viertelalsterrunde. Wenn Sie nicht aus Hamburg sind, überrascht es Sie vielleicht, dass gar nicht wenige Menschen in dieser Stadt nach dieser Aussage parat haben, dass es dann wohl etwa 1,75 Kilometer gewesen sein müssen. Die Länge der Alsterrunde ist hier Allgemeinwissen.

Worauf ich aber hinauswill: Es war in einem gewissen Sinne eine Premiere für mich. Es mag zwar sein, dass es eine ähnliche Erfahrung schon einmal gab und sie mir nur nicht aufgefallen ist, aber für diesen Morgen jedenfalls gilt mit Gewissheit: Ich war der einzige Mensch an der Alster, der dort entlangging. Alle anderen – ausnahmslos – rannten.

Segelboote an Stegen an der Außenalster

Sie joggten, trabten, sprinteten oder schleppten sich keuchend und schweißspritzend über ihre letzten Meter. Als es mir auffiel, blieb ich noch eine Weile stehen. Ich setzte mich auch kurz auf eine Bank und sah der Sache dann etwas länger zu. Aber es trat keine Änderung ein. Da liegt also dieses fantastisch schöne Gewässer mitten in der Stadt, und niemand der Menschen ringsum sieht es sich in Ruhe an.

Mir scheint für das Gesamtbild noch wichtig, dass in aller Regel von all den laufenden Menschen so gut wie niemand so aussieht, als würde ihm das Spaß machen, was sie oder er da treibt. Oder als würde es irgendwie guttun. Der vorherrschende Eindruck ist eher der von Verbissenheit und selbstgewählter Qual.

Man sieht dort etwas, so kann man es sicher sagen, das wie das Gegenteil von Entspannung aussieht.

Ein Boot der weißen Flotte auf der Außenalster

Diese Szene war außerdem eine Bestätigung meiner Beobachtungen zu anderen Uhrzeiten: dass nämlich der Anteil der Laufenden auf dem Rundweg immer noch größer wird. Wodurch, wie neulich in den Medien hier zu lesen war, auch die Konflikte mit den Gehenden stetig größer werden. Zumal immer mehr Menschen in teils auch großen Gruppen laufen. In Sportgruppen, die den Teilnehmenden eine Art kollektives Panzergefühl vermitteln müssen. Denn diese Gruppen weichen anderen oft nicht mehr aus, sondern walzen eher durch.

Tatsächlich kann man diese Konflikte, von denen in den Medien die Rede war, leicht selbst beobachten. Man muss nicht allzu lange auf Vorkommnisse warten, denn man kommt sich dort dauernd ins Gehege.

Man muss dafür nur, wie ich jetzt weiß, auf irgendeine Uhrzeit warten, die später als viertel nach acht ist, wie sich gezeigt hat. Bis sich die ersten Gehenden und Flanierenden aus der Deckung trauen und den Rundweg betreten.

Fortsetzung folgt.

Segelboote auf der abendlichen Alster

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Mit Inhalt und so

Einerseits kann man sich als Mensch mit Interesse an Spaziergängen und Fotos der Stadt in diesen Tagen wirklich nicht über die Beleuchtung da draußen, die Dekoration, die Farbwahl und Anmutung der Szenerie beschweren. Es ist alles hervorragend, ja, geradezu liebevoll arrangiert worden. Mit einem jeweiligen Höhepunkt zwischen 18:30 und 19:30, was ebenfalls angenehm ist.

Blick über die Elbe vom Fischmarkt aus Richtung Sonnenuntergang

Und sogar die Temperatur liegt dabei oft im exakt richtigen Bereich, also herrenmode-optimiert. Hemd und Sakko sind wunderbar passend und man ist draußen und drinnen vollkommen richtig angezogen. Ohne Sauna-Effekte, ohne zwischengeschaltete Frostminuten im Schatten oder im Wind. So oft ist es gar nicht dermaßen passend in dieser Stadt, man muss es nach Kräften genießen.

Abende an Alster und Elbe gab es gerade, da verstand ich auf einmal wieder, wieso sich Menschen in Städte einigermaßen leidenschaftlich verlieben können. Der Blick elbabwärts an den Landungsbrücken im Sonnenuntergang, an Blohm & Voss vorbei und zumindest gefühlt Richtung Nordsee … Man möchte romantische Lieder schreiben, wenn man sich das zu dieser Jahreszeit ansieht, wenn man dort länger sitzt und Besinnlichkeit einübt. Chansons oder Romane vielleicht auch. Ein Novellchen zumindest, oder eine kurze Hamburg-Erzählung. Und zwei, drei Herbstgedichte wären auch gut und angemessen.

Aber wer hat Zeit für so etwas.

Andererseits halten mich dieses Wetter und dieses Licht nun von anderen, saisonal ebenfalls passenden Unternehmungen ab. Denn es wäre doch auch wieder die traditionell richtige Zeit für mehr Kultur, vor allem mehr besuchte Kultur. Für Theater, Museen, Galerien, Oper und Gott weiß was. Es ist immerhin dies und das im Angebot in so einer mittleren Millionenstadt.

Ich hätte auch Lust dazu, überraschend große sogar, die ich in diesem Jahr gar nicht erwartet habe. In den Programmteilen der Lokalmedien lese ich nach, was es alles gibt. Und ich denke bei dem einen oder anderen Termin: Das wäre doch was.

Dann sehe ich aber wieder aus dem Fenster und der Gesamteindruck dort sagt mit verblüffender Vehemenz: „Komm raus, du kommst jetzt sofort raus!“

Und erneut gehe ich nirgendwo rein, sondern vielmehr herum.

Gestern war ich, persönliche Beziehungen überzeugen dann doch manchmal, aber wenigstens einmal in Sachen Kultur unterwegs. Wenn erst der Regen kommt, wird es schon noch mehr werden, denke ich.

Bei der zweiten Hamburger Podcastnacht war ich jedenfalls, über deren erste Ausgabe ich im letzten Jahr hier bereits berichtet hatte. Wieder fand der Abend im Hansa-Theater statt, also erstens bei mir um die Ecke und zweitens in einem der schönsten Theater bei uns. Ohnehin ist es unbedingt einen Besuch wert, auch schon wegen der historischen Drehtüren zum Toilettenbereich, siehe Bild weiter unten.

Der Eingangsbereich des Hansa-Theaters

Plakat für die Hamburger Podcastnacht

Die Erfahrung aus dem letzten Jahr, die mich etwas gewundert hat, sie bestätigte sich: Es ist entgegen meiner früheren Annahme vollkommen okay, es ist sogar eher schon richtig gut, sich Podcasts live anzuhören – ich lag da also früher falsch.

Es ist, so denke ich mittlerweile, ein Format, das es ruhig öfter geben könnte. Sowohl in kleiner als auch in großer Ausführung wie gestern. Es ist eigentlich eine vollkommen zeitgemäße Form des Unterhaltungsprogramms. Auf den üblichen Seiten mit Veranstaltungshinweisen könnte ich mir daher auch eine neue Rubrik „Live-Podcasts“ gut gefüllt vorstellen.

Interieur im Hansa-Theater

Der Zuschauerraum im Hansa-Theater

Warum nicht, es gibt immerhin reichlich Podcasts, und sie haben reichlich Hörerinnen und Fans. Und das jeweilige Publikum, das merkte ich auch gestern wieder deutlich, interessiert sich sehr für die Menschen, die sonst nur gehört werden.

Es waren vier Podcasts aus Hamburg auf der Bühne, es ging jeweils um Fragen der Nachhaltigkeit und der Stadtzukunft:

Elbvertiefung von der Zeit (der Podcast ist ansonsten gerade im Pausenmodus)

Sinneswandel von Marilena Berends, mir vorher nicht bekannt

Synapsen – Ein Wissenschaftspodcast vom NDR

Hamburg, was willst du wissen von der Hamburg Open Online University HOOU.

Einen Kurzauftritt hatte auch „Zumutung Kurswechsel“. Ein Podcast, der mir bisher ebenfalls nicht bekannt war, der aber interessant klang. Es geht um komplexere Fragen und Hintergründe der Nachhaltigkeit. Da werde ich mir die „alten“ Folgen wohl demnächst einmal anhören.

Die Drehtür zum Toilettenbereich im Hansa-Theater

Interieur im Hansa-Theater, Lampen

Die Bühne im Hansa-Theater

Es kamen ansonsten, das fiel mir noch besonders auf, in Bezug auf die Entwicklung der KI zitatweise Hannah Arendt und die Herren Kant und Kästner vor. Die Dame mit der „Herrschaft des Niemand“ (ein genaueres Nachlesen via Google etc. könnte sich lohnen, wenn man das Konzept nicht kennt), der eine Herr mit seinem Satz von der selbstverschuldeten Unmündigkeit, den ich in der Schule damals noch in der Langform auswendig zu lernen hatte, der andere Herr mit seinem Satz vom Unfug, an dem auch die schuld sind, die ihn nicht verhindern.

Ich fand diese drei Zitate jeweils hervorragend gewählt und vollkommen angemessen aktualisierbar.

Die historische Kellner-Ruf-Vorrichtung im Hansa-Theater

Service-Ruf im Hansa-Theater

Brotzeit-Teller im Hansa-Theater

Thematisch vielfältig war es ansonsten, und ich möchte, um es kurz zusammenzufassen, einen jungen Mann, einen Studenten vermutlich, zitieren. der in der Pause rauchend vor dem Theater stand. Wenn ich seinen Tonfall richtig mitbekommen habe, war er dabei dezent angesäuselt, aber nur in etwa in dem Bereich, in dem es z. B. in Filmen noch charmant wirkt und eine Szene in einer romantischen Komödie daher noch weitergehen könnte.

Er sagte etwas zu seiner Begleitung, was ich dann einigermaßen anschlussfähig fand, nur etwas anders ausgedrückt hätte: „Alter, geiler Abend, voll mit Inhalt und so!“

Ja, so war das, in der Tat.

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Des Blogartikels zweiter Teil

Die leeren Bilderrahmen, die auf einer der Abbildungen im ersten Teil dieses Textes zu sehen waren, sie repräsentieren all die nach wie vor verschollenen Werke aus den Sammlungen der jüdischen Kunstmäzene. Es geht in der Ausstellung um den Zeitraum vor 1945, in dem diese Sammlerinnen und Sammler durch ihr Interesse und ihre Käufe einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der modernen Kunst geleistet haben. Und es geht in Texten, Dokumenten und Fotos auch um das Schicksal dieser Menschen, welche sich dieser nach Nazibegriffen „entarteten“ Kunst gewidmet haben. Es geht auch um ihre Familien, ihre Nachfahren und Erben.

Die Sammlungen wurden geraubt, zwangsversteigert, zerstreut, zerstört. Teils wurden sie auf abenteuerliche Weise in Teilen gerettet, teils sind die Werke bis heute unauffindbar. Oder in fremdem Besitz oder auch nach Jahrzehnten immer noch Gegenstand von Rechtsstreitigkeiten um das Eigentum an ihnen. Die Verbrechen der Nazis wirken sich weiter auf die Erbengenerationen aus.

Ich war spontan in der Ausstellung, da ich gerade dort vorbeikam und Zeit hatte. Es war allerdings eine strategisch einigermaßen dämliche Uhrzeit, denn es war wochenendvoll.  Es standen also überall Menschen vor Buchstaben und Bildern. Weswegen ich auch den Textmengen, die dort in reichlichem Ausmaß Lebensläufe, Untaten und Schicksale erläutern, nicht einmal annähernd gerecht werden konnte.

Einen zweiten Besuch wird es daher wohl geben müssen, aber es gibt sicher schlimmere Verpflichtungen als diese selbstgewählte Übung.

Und apropos Menschen vor Buchstaben. Dabei ist dann doch einmal Kritik angebracht. Denn wenn man so eine Ausstellung plant, bei der man schon wegen einiger besonders klangvoller Namen aus der Kunstszene vor 1945 davon ausgehen kann, dass sie überaus gut besucht werden wird, dann ist es eine ausgesprochen schlechte Idee, die Texte neben den Kunstwerken eher klein zu halten. Und außerdem in weißer Schrift auf hellgrünem Grund anzubringen.

„Usability!“, möchte man dem Menschen, der sich das ausgedacht hat, gerne unwillig zurufen, „Usability gibt es nicht nur beim Webdesign!“ Und man möchte ihn sehr ernst ansehen dabei. Analog zum Roman von Franz Werfel „Eine blassblaue Frauenschrift“ hatte ich dauernd „Eine blassgrüne Kunstbetextung“ im Sinn.

Die Kunstwerke wiederum sind eine fantastische Auswahl. In der Kunsthalle gibt es auch gerade eine Ausstellung zur Moderne, ich berichtete hier, und vermutlich werden die Auffassungen da variieren, aber ich fand die Ausstellung im Bucerius-Kunst-Forum noch beeindruckender. Aber, versteht sich, es geht dabei gar nicht um Konkurrenz, es geht vielmehr um Ergänzung und Bereicherung. Es hängt ohnehin stark vom persönlichen Geschmack ab oder von dem, was man vielleicht schon in früheren Jahren verehrt hat.

Es bietet sich jedenfalls an, und zwar in aller Deutlichkeit, beide Ausstellungen zu besuchen. Und wenn Sie nicht aus Hamburg kommen und womöglich noch einen letzten, einen allerletzten Grund für eine sinnvolle Tagesreise gebraucht haben – et voilà. Besonders dicke Empfehlung.

Schrift auf dem Pflaster: Influenzer? Du Narr!

Es hängen dort, und ich fand es äußerst erfreulich, nicht nur Gemälde, es hängen auch Zeichnungen. Etwa von Schmitt-Rottluff, Barlach, Liebermann usw., und es war mir eine besondere Freude, sie zu sehen. Wenn Sie sich ebenfalls für Zeichnungen interessieren oder sogar selbst ambitioniert welche verfertigen – ich weise besonders auf die „Hängende Wäsche“ von Liebermann hin.

Man kann eine Weile davor stehenbleiben, fand ich.

Die Gemälde aber sind ebenfalls grandios, etwa der Utrillo. Wie hieß es denn noch, irgendwas mit Mühle. Einen van Gogh sah ich außerdem, den ich entweder noch nie gesehen oder aber vergessen hatte: das „Mädchen mit zerzausten Haaren“ (eine Abbildung hier). Das Bild ist nicht so küchenpostertauglich wie die ollen Sonnenblumen oder wie die psychedelische Sternennacht, aber wenn man sich für seine Arbeitsweise interessiert, ist es doch vielsagend. Entstanden ist es spontan, noch auf der ersten Skizze.

Hier noch einmal der Link zur Ausstellung, dort auch Öffnungszeiten, Anfahrt etc.

Morgen früh, um das auch schon anzukündigen, wird es hier keinen neuen Text geben. Morgen früh gehe ich stattdessen noch vor der Arbeit um die Alster, denn ich lebe bekanntlich spontan, wild und gefährlich.

Weswegen ich mir so etwas auch sorgsam vornehme und es einplane, nicht wahr.

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Des Blogartikels erster Teil

Da man in Hamburg im gesamten Stadtgebiet pünktlich wie selten mit den vielfältigen Dekorationsarbeiten zum Goldenen Oktober begonnen hat und da auch das entsprechende Wetter und besonders die passende Beleuchtung am Wochenende schon einmal erfolgreich durchgespielt und generalgeprobt wurden, habe ich am Sonnabend und gestern noch längere Spaziergänge als sonst gemacht. Man könnte auch mit einigem Recht sagen: Sogar für meine Verhältnisse habe ich ein paar Kilometer zu viel absolviert. Also mit Vergnügen, das schon, aber auch mit Folgen. In den Beinen und in … (der Autor macht mit beiden Händen vage kreisende Bewegungen um sich selbst).

Den Rest kann man sich denken. Ich muss sicher nicht den berühmten Horst-Schlemmer-Monolog rezitieren, der mit „Ich habe Rücken“ beginnt. Aber passen würde er schon.

Weswegen ich also zusammenfassend etwas allzu müde in die Woche starte. Etwa so, als hätte ich es mit dem Sport in der Freizeit etwas übertrieben, und weswegen ich mir berechtigt denken kann: Immerhin hat es diesmal einen guten, einen sogar sehr guten Grund, dass die Schwerkraft am Montagmorgen etwas ungewöhnlich intensiviert ausfällt.

Und weswegen ich auch den Text noch gar nicht fertig habe, den es hier gerade geben sollte.

Da aber einige Menschen am Morgen vor dieser Seite stehen, auf ihre Gewohnheitsrecht pochen und auf etwas warten, und da es nach wie vor ein serviceorientiertes Blog ist, mache ich es jetzt so, dass ich Ihnen schon einmal die Bilder aus dem Kulturprogramm des Sonntags hinlege. Den Bericht dazu liefere ich dann am Nachmittag oder Abend nach.

Ich war also im Bucerius-Kunstforum, in der Ausstellung „Von Monet bis Picasso – Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland“. Und die, ich zitiere:

„Rekonstruiert 15 bedeutende Kunstsammlungen deutscher Jüdinnen und Juden vor 1945 und führt viele ihrer heute weltweit verstreuten Meisterwerke der Moderne wieder an einem Ort zusammen. Präsentiert werden rund 100 Werke vom Realismus und Impressionismus bis zum Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit von Künstler:innen wie Paul Cézanne, Lovis Corinth, Ferdinand Hodler, Ernst Ludwig Kirchner, Franz Marc, Paula Modersohn-Becker, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff, Milly Steeger und vielen anderen.“

Mehr dazu später. Falls Sie sich aber noch vor dem Erscheinen des nächsten Textes fragen, ob Sie dort womöglich heute noch hingehen sollten, und falls Sie meinem Urteil vertrauen: Ja. Empfehlung.

Bilder aus der Ausstellung zu jüdischen Kunstsammler:innen in Deutschland

Bilder aus der Ausstellung zu jüdischen Kunstsammler:innen in Deutschland

Bilder aus der Ausstellung zu jüdischen Kunstsammler:innen in Deutschland

Bilder aus der Ausstellung zu jüdischen Kunstsammler:innen in Deutschland

Bilder aus der Ausstellung zu jüdischen Kunstsammler:innen in Deutschland

Bilder aus der Ausstellung zu jüdischen Kunstsammler:innen in Deutschland

Bilder aus der Ausstellung zu jüdischen Kunstsammler:innen in Deutschland

Bilder aus der Ausstellung zu jüdischen Kunstsammler:innen in Deutschland

Bilder aus der Ausstellung zu jüdischen Kunstsammler:innen in Deutschland

 

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Ein Ergänzungsblatt und Playlist-Lyrics

Vorweg ein Ergänzungsblatt zum gestern geposteten Linkwerk. Ich kam erst heute dazu, diese Rubrik durch Nachlesen ausführlicher bedienen zu können:

Das Leben und alles in den Blogs:

Im Fachblog für Bewölkung geht es um ungewöhnliche Erinnerungen an den 3. Oktober 1990, inklusive der Beteiligung von Wolfgang Thierse und Chris de Burgh. Und die muss man auch erst einmal zusammendenken können.

Apropos Geschichte und Rückblick:

„wenn ich so zu­rück­den­ke an die zeit ohne mo­bil­te­le­fo­ne und in­ter­net, kom­men mir die din­ge die wir da­mals ge­tan ha­ben sehr ei­gen­tüm­lich vor. wir ha­ben ein­an­der ein­fach be­sucht. also im sinn von, ich ver­las­se mein haus, gehe zum haus ei­ner freun­din und kling­le an der tür. wenn sie nicht da war, ging ich wo­an­ders hin oder zu­rück nach hau­se.“

Weitere Hinweise zur demnächst anstehenden Bloglesung in München mit prominenter Besetzung.

Vanessa hat ihre Gedanken sortiert und kann daher über alles schreiben. Also über die ganze Lage, und sie tut es, was einigermaßen originell ist, mit Blick nach vorne.

Und wenn Vanessa das macht, ist es selbstverständlich interessant. Quasi meine Kanzlerin des Herzens.

Die abends beleuchteten Masten der Rickmer Rickmers

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Was noch. Wie berichtet, verbringe ich gerade viel Zeit mit Musik, mit dem Sortieren, Erstellen und mit dem fortwährenden Verbessern von Playlists. Man kann es sich exzessiv vorstellen, und es ist dabei erstens unschädlich für mich und andere und zweitens auch noch seelisch ausgesprochen rettend. So muss es anderen gehen, die „ein Hobby haben“, denke ich mir dabei. Also warum nicht, denke ich weiter, und verbringe dann noch einmal drei, vier Stunden damit. Und dann erneut, bis auch diese Phase vorbei sein wird. Es ist ein wenig wie das Abreiten von Wellen.

Gerade erst kam ich jedenfalls darauf, dass ich den großen Bildschirm auf dem Schreibtisch auch so drehen kann, dass ich vom Bett aus äußerst bequem die gerade laufenden Lyrics zu den Songs mitlesen kann – ich muss dabei nicht einmal ein Smartphone in den Händen halten.

Die Elbphilharmonie im Abendlicht

Und das Mitlesen von Lyrics ist selbst bei der Musik interessant, die man schon seit Ewigkeiten zu kennen meint. Je nachdem, wohin ich mich gerade verlaufe, decke ich etwa immer noch (!) Ungenauigkeiten oder Hörfehler aus der Jugend, wenn nicht sogar aus der Kindheit, auf. Sie wissen, als man damals noch mit höchst mangelhaften Englischkenntnissen etwas zusammengeraten hat. Ich hatte hier einmal das Beispiel des Sipptibbles genannt, glaube ich.

Dieser Sipptibble kommt in „By the rivers of Babylon” vor:

“Let the words of our mouth and the meditations of our heart
Be a sipptibble in thy sight here tonight.”

Ein seltsames Rätsel meiner Kindheit. Es begegnete mir, als ich zwölf Jahre alt war, in der Version von Boney M. Viel später erst habe ich irgendwann gemerkt, dass es „acceptable“ heißt. Und in noch späteren Jahren lernte ich erst, dass es zu diesem Lied andere, viel ältere und interessantere Versionen gibt.

Hier etwa das Original:

Falls Sie sich auch für Songversionen, Varianten, Cover, Tributes etc. interessieren sollten, gucken Sie bei diesem Song auch nach – und es ist hoffentlich überraschend – Linda Ronstadt (hier findet man ihre Aufnahme auf YouTube).

***

Aber da wollte ich gar nicht hin, wo war ich. Es ist wirklich so eine Sache mit der Konzentration. Was wiederum im letzten Text erst vorkam, nicht wahr.

Die Texte, die Texte. Beim Mitlesen von Lyrics fliegen bei mir auch ein paar Songs wieder raus, weil mir die Inhalte dann doch nach neuerer Erkenntnis zu dämlich sind oder auf irgendeine Art verwerflich vorkommen. Zu kitschig, das kommt auch vor, obwohl ich da erstaunlich viel vertrage. Viel mehr als etwa bei Filmen oder Romanen.

Hochhäuser in der Hafencity im Abendlicht

Manchmal kann es unangenehm überraschend sein, einen Song, bei dem man im Prinzip nur den Refrain gut kennt und immer schon und zumindest im Geiste mitgesungen hat, auch einmal in seiner gesamten Textlänge aufmerksam zur Kenntnis zu nehmen. Unterhaltsam ist es aber in jedem Fall, finde ich.

Und ich sitze oder liege also in der momentan verfügbaren Höchststufe meiner Solo-Gemütlichkeit auf dem Bett, höre Musik und lese mit. Etwa hier, das ist der Anfang von „I found a reason“ von Velvet Underground:

Songlyrics, die nur aus "Papapa" bestehen

Es wird dann etwas später doch noch etwas inhaltsreicher, so geht es weiter:

Okay, es gibt wahrhaftig geistreichere Texte, aber was soll’s. Dafür ist es eben Velvet Underground, und das ist auch ein Argument.

Architektur am Westfield-Center im Abendlicht

Playlist-Lyrics

Worauf ich aber eigentlich hinauswollte, was sind das eigentlich wieder für Umwege hier:

Natürlich sind die Titel von Songs oft besonders starke Textstücke. Inhaltsreich sind sie in vielen Fällen, andeutungsschwer, vielversprechend, lockend, oft auch etwas rätselhaft. Und wenn man nun am Computer oder am Smartphone Playlists bearbeitet oder fremde Playlists nachliest und dabei konzentriert durch Bands, Sängerinnen, Sänger, MusikerInnen aller Art und auch durch Titel, Genres und Jahrzehnte rauf- und runterscrollt, nach Titeln, Alben, Interpreten oder wonach auch immer sortiert, dann fällt sicher nicht nur mir auf, dass die Abfolge der Titel, die da entweder sortiert oder geshuffelt in schneller Folge an einem vorbeizieht, gar nicht selten vollkommen plausibel aussehende Lyrics ergibt.

Manchmal geht das über drei Zeilen so, manchmal auch über vier oder fünf. Weiter aber kaum je. Nur eine valide wirkende Strophe etwa erhält man also auf diese Art. Aber oft eine gehaltvolle.

Ich finde die nun oft so schön, amüsant oder interessant, dass es etwas schade ist, sie nur einfach vorbeiziehen zu lassen. Daher werde ich diese Strophen hier einbauen. In welcher Frequenz auch immer, je nachdem, was ich finde.

Erst zitiere ich dabei die Zeilen der fiktiven Strophe, die also jeweils aus den Songtiteln bestehen. Untendrunter folgen dann die Interpreten der Stücke in der Reihenfolge dieser Zeilen. Falls jemand tatsächlich etwas nachhören möchte, es könnte ja immerhin sein.

Ich fange tragisch an, polyglott und nicht ohne persönlichen Bezug:

„I know it’s over

I know it’s over

I know what I know

Il es trop tard”

(Jeff Buckley, The Smiths, Jeffrey Martin, Georges Moustaki)

Manchmal sind bei diesem Nebenbei-Spiel Ergebnisse dabei – man möchte fast den Song dazu spontan weiterentwickeln. Weil man schon sicher zu ahnen meint, dass er gut klingen könnte, wenn nicht sogar ein Erfolg werden müsste.

Aber Melodien zu erfinden … da bin ich dann raus.

Die Oberhafenbrücke mit den großen Schriftzügen "Himmel" und "Eisenbahnbrücke"

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Linkwerk zum Wochenende

Aus den Blogs:

Eine saisonale Meldung, definitiv kommt sie noch rechtzeitig.

Weitere, teils die Laune hebende Links dazu bei Christian Fischer. Kurz nachgesehen, ob in der ebenfalls dort verlinkten Filmdatenbank, die man nach Karte und Orten durchsuchen kann, meine direkte Nachbarschaft vorkommt. Es wird korrekterweise der James-Bond-Film aufgeführt, bei dem Szenen im Hotel Atlantic spielen: „Der Morgen stirbt nie“.

Eine schäbig aussehende Wand des Hotels Atlantlics, die nach dem Abriss der Nachbarhäuser gerade freiliegt

Von dem Film, in dem die Kunsthalle vorkommt, wusste ich dagegen noch nichts.

Die Kunst der Lebensführung

Mira denkt. Ich sympathisiere ausdrücklich mit dieser Beschäftigung.

Erinnerungen an Arkadien, hier „Peak Selbstbestimmung“ genannt.

Beim WDR hörte ich in der Reihe „Das Wissen“ eine ausführliche Sendung über Pausen und deren Notwendigkeit für das Gehirn. Es war dann in Teilen auch eine Sendung über das Default Mode Network, das Ruhezustandnetzwerk (Wikipedia). Also über den Teil des Gehirns, der aktiv ist, wenn wir nicht aktiv sind. Denn das Gehirn ist nie nicht aktiv, abgesehen von finalen Zuständen.

Ich fand es hörenswert, weil es zum einen, auch wenn man es nicht gerne hören möchte, um die aktuellen Vermutungen zu den Schäden geht, die unsere Smartphonezeit an uns anrichtet – man kann vielleicht in jedem Fall einmal darüber nachdenken, denn das wird nicht schaden – und weil es zum anderen auch um die Theorie geht, dass eben dieses Ruhezustandsnetzwerk der Kern dessen ist, was uns diesen aberwitzigen evolutionären Vorteil beschert hat. Durch den wir nun da sind, wo wir sind, und okay, man könnte oder müsste „Vorteil“ vielleicht noch einmal diskutieren.

Diese Theorie jedenfalls, die kannte ich noch nicht. Aber plausibel klingt sie durchaus.

Literatur:

Mia Raben las mir und anderen aus ihrem Roman „Unter Dojczen“ vor (hier die Verlagsseite, hier ein Artikel beim Goethe-Institut darüber). Das Buch ist schon wegen des Themas empfehlenswert und hat auch einen Bezug zu den Inhalten hier im Blog.

Denn es geht zum einen um die Situation von polnischen Pflegekräften in Deutschland, es geht aber auch um das Schicksal der vielen Männer aus Osteuropa, die hier (und dieses Hier ist vor meiner Tür) auf der Arbeitssuche stranden, trinken, untergehen – oder doch noch einen Ausweg finden. Wenn ich die Obdachlosen in meinen Texten erwähne, was so selten nicht ist, muss man diese Gruppe immer mitdenken.

Besonders sympathisch war mir auch die Erklärung von Mia Raben während der Lesung, ihre Muttersprache sei „Deutsch mit polnischem Akzent“. Ich finde das sehr vorstellbar, ich habe auch zu allen Zeiten meines Lebens Menschen gekannt, die sich in dieser Sprachversion ausgedrückt haben. Für mich klingt sie ausdrücklich angenehm.

Musik

Erinnerungen an ein Townes-van-Zandt-Konzert.

Gegessen, getrunken, besucht:

Ich bereitete Flammkuchen mit Ziegenkäse und Champignons auf diese Art zu. Die interessierte Kundschaft hier im Haushalt war zufrieden, auch dieses Gericht kommt auf Wiedervorlage.

Flammkuchen

Und ich war mit Isa, die leider schon wieder als Exbloggerin zu bezeichnen ist, in der Roofdrop-Bar auf der Villa Viva im Münzviertel hinterm Hauptbahnhof, was übrigens nebenbei ein Hotel-Tipp für Hamburg-Mitte ist.

Ich hatte im Februar angekündigt (hier), dort noch einmal für Fotos vom Ausblick hinzugehen, was ich jetzt also tatsächliuch noch vor dem nächsten Februar geschafft habe. Nicht schlecht, Herr Buddenbohm, nicht schlecht.

Die Bar ist innen und außen nett, der Barkeeper aber ist noch viel netter und vielleicht die freundlichste Service-Kraft Hamburgs. Außerdem kundig, versteht sich, was die Cocktails und die Beratung dazu angeht.

Wenn ich diese Bar in Gesprächen erwähne, scheint sie kein Mensch zu kennen. Da sie aber dennoch gut besucht ist, wird es wohl an meinen Kreisen liegen, dass es da Wissenslücken gibt. Ich ändere das jetzt, in dem ich dort nach und nach die Menschen hinschleppe, die mir für einen gemeinsamen Drink geeignet erscheinen.

Der Mensch braucht Ziele, ich sage es ja. Und Ausblick! Ab und zu braucht der Mensch auch Ausblick. Etwa so, von der Terrasse der Bar im 12. Stock:

Ausblick Roofdrop Bar

Ausblick Roofdrop Bar

Ausblick Roofdrop Bar

Ausblick Roofdrop Bar

Ausblick Roofdrop Bar

Die Bar ist auf der Villa Viva, einfach durch den Hotel-Eingang zu erreichen, Schultzweg 4. Vom Hauptbahnhof kommend hinter der Zentralbibliothek etwas weiter runtergehen Richtung Elbe.

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