Weiterhin Sommerpause, ich hatte es hier bereits erläutert, wieso die Links dennoch ab und zu erscheinen.
Gesehen:
Eine weitere Film-Doku auf arte sah ich, diesmal über Javier Bardem, über seine Karriere und sein Engagement für politische Themen.
Tod auf dem Nil aus dem Jahr 2022. Ein Spielfilm von und mit Kenneth Branagh, der diesmal den Hercule Poirot gibt. Und den man womöglich ohnehin gerne sieht. Er kann immerhin etwas, wie man von früheren Auftritten weiß.
Der Film läuft gerade auf Netflix, und es ist einer von besonderer Hübschigkeit bei betont ruhigen Bildern. Man hat also ungewöhnlich viel Zeit zur eingehenden Betrachtung attraktiver Arrangements. Weswegen es vielleicht auch nichts ausmacht, dass man den Ausgang des Kriminalplots aus anderen Verfilmungen längst kennt. Oder sich noch an die auflösende Pointe erinnern kann, weil man die Romane der Christie irgendwann stapelweise gelesen hat. Was zumindest bei Menschen in etwa meinem Alter oft noch zutrifft. Derart langsam getaktete Schnitte jedenfalls, das gibt es ja heute kaum noch.
Es ist aber doch schön so, denkt man da beim Zusehen und entspannt sich vorsichtig ein wenig. Ein zypriotischer Kameramann war es, der dies alles so für uns gesehen hat. Haris Zambarloukos, und er hat es sehr gut gemacht. Der Freundeskreis Kulisse und Kostüm kommt auch auf seine Kosten, und zwar ungewöhnlich und reichlich. Gemocht, den Film.
Wilde Maus, von und mit Josef Hader. Ich habe den Film bei filmfriend gesehen (das ist die empfehlenswerte App der öffentlichen Büchereien), hier aber auch die Seite zum Film bei „Wer streamt es“. Eine Tragikomödie ist es, natürlich ist es das. Und zwar exakt so bitter-amüsant, wie man sich einen Film von Josef Hader vielleicht vorstellt, wenn man seine Solo-Auftritte schon einmal gesehen hat und ungefähr zu wissen meint, wie er tickt.
Nein, für mich war der Film sogar exakt so, wie ich mir den Hader in einer Spielfilmversion herbeifantasiert hätte. Es gab Szenen, die hätte ich in freudiger Erwartung so vorhersagen können. Wie ich hinterher selbstverständlich leicht und selbstsicher behaupten kann.
Kann man also machen, kann man sich ansehen. Und sicher dann am besten, wenn man eh schon etwas zynisch drauf ist. Wenn man etwa leicht angebittert ist, mindestens aber gering gereizt. Wenn man etwas angefressen vom Tag ist, von den Mitmenschen und von ihren Inszenierungen, von der Gesellschaft und überhaupt von der Gesamtsituation. Mit anderen Worten und recht bedacht: Fast jeder Tag ist ein guter Tag für diesen Film.
„Sprich mit ihr“ – ein weiterer Film aus der Almodóvar-Reihe bei arte, den ich schon von früher kannte. Und bei dem ich sogar größtenteils noch den Ablauf parat hatte, bis hin zum eher unhappy End. Mein Filmgedächtnis ist wahrhaft unberechenbar, kaum kann ich ableiten, nach welchen Kriterien es wann was gespeichert hat.
„Interessante männliche Hauptfiguren“, dachte ich jedenfalls nebenbei beim Zusehen. Und Sie können mir glauben: So einen Gedanken habe ich weiß Gott selten. Hier passte er aber.

„Unsere Seelen bei Nacht“ habe ich bei Netflix gesehen, bzw. sehe ich. Noch bin ich nicht durch. Aus dem Jahr 2017, mit der alten Jane Fonda, die ich, wie ich hier zwanghaft erwähnen muss, in Boston einmal an einer Hotelrezeption getroffen habe. Wobei wir uns in ausgeprägter Eloquenz mit einem freundlichen und wechselseitigen „Hi!“ gegrüßt haben. Was den Dialog allerdings auch vollständig wiedergibt.
Ich gebe zu, dieser Anekdote mangelt es einerseits etwas an Inhalt und Zündung. Aber andererseits: Jane Fonda.
Außerdem ist es ein Film mit dem alten Robert Redford. Die beiden gehen versuchsweise und in aller Vorsicht eine zögerliche und erst einmal nur platonische Beziehung ein. Sie teilen dabei experimentell ein Bett. Nicht wegen Sex, sondern nur, um nicht jede Nacht so verdammt einsam zu sein, wie es alte Menschen, wie es Witwen und Witwer nun einmal oft sind.
Und mehr muss man eigentlich nicht wissen. Das reicht doch schon, um da hineinzusehen, denke ich. Schon die ersten 15 Minuten kann ich wärmstens empfehlen, in denen sie ihn fragt, ob er vielleicht bei ihr schlafen möchte. Seine wortkarge, aber doch bewegte Reaktion – so ist das nämlich, wenn man schauspielern kann, so sieht das dann aus.
Gelesen: Ich las die „Zwischenbilanz“ von Günter de Bruyn weiter und auch durch, sehr zufrieden war ich damit. Einer der wenigen Intellektuellen, der nicht von sich behauptet, schon in sehr frühen Jahren die Abgründe des Dritten Reichs scharfsinnig verstanden zu haben und immer schon gegen alles gewesen zu sein. Sondern einer, der genau beschreibt, wie er mitgemacht hat, wie fast alle mitgemacht haben. Man liest es nicht eben oft in dieser Ausprägung, aber es ist geschichtlich doch wichtig und richtig.
Um halbwegs im Kontext zu bleiben, lese ich nun in einem schmalen Heinrich-Böll-Band weiter, es sind frühe Erzählungen von ihm. Die titelgebende Erzählung des dtv-Buches, das so nicht mehr lieferbar ist, hier bei der Wikipedia: „Als der Krieg ausbrach“. Die Bezüge zur Zwischenbilanz von Günter de Bruyn ergeben sich dabei zwanglos und häufig.

Zurück zur Gegenwart, Frau Herzbruch holt gerade etwas weiter aus, und das ist auch gut so.
Die Kaltmamsell schreibt über Drogen in den großen Städten und verlinkt weitere Artikel dazu.
Der englische Guardian hat eine ausgezeichnete und frei zugängliche Rubrik „Environment“, auf die man vielleicht ab und zu einmal hinweisen sollte. Ich finde die Meldungen und Artikel dort oft lesenswert, staunenswert. Auch dann, wenn man alles schon zu ahnen oder sogar zu wissen meint: „Millions face long-term coastal flooding risk in UK without climate action, scientists warn“.
Gehört:
Das nächste Hörbuch gibt es für mich wieder in der Sounds-App der Öffentlich-Rechtlichen. Es läuft erneut ein bereits bekanntes Buch – ich fühle mich mit Wiederholungen bei Büchern und Filmen gerade wohl. „Rheinsberg“ gibt es, von Kurt Tucholsky, und mir fällt beim Hören wieder ein, wieviel Spaß mir die Sprache der Verliebten, besonders der Frau, damals bei der ersten Lektüre gemacht hat. Vielleicht war es eines der ersten Bücher für Erwachsene in meiner Leseerfahrung, in dem mit der Sprache so ungestüm kreativ umgegangen wurde.
15 werde ich damals beim Lesen etwa gewesen sein, 16 vielleicht, und das war ein gutes Alter dafür. Jürgen Thormann liest die Liebesgeschichte vor.
Dann hörte ich ein WDR-Zeitzeichen zu einem bestimmten Aspekt der Geschichte der Arbeit. Gut passend in unseren Zeiten, in denen wir über die Grundbedingungen von Lohnarbeit wieder nachdenken und alte Regeln zur Arbeitszeit etc. neu definieren möchten: „Als Gerresheims Glasmacher zum Arbeitskampf bliesen“.
Das Hören war für mich außerdem verbunden mit Familiengeschichte, denn die mütterliche Seite stammt von dort und war auch mit dem Glas beschäftigt, und zwar in der Hütte, um die es in der Sendung geht.
Mit einiger Überraschung höre ich dabei allerdings, dass damals in polnischen Gebieten nach willigen Ersatzarbeitern gesucht wurde, als es in Gerresheim zum großen Streik kam. Unter den solcherart Angeworbenen war nämlich mit einiger Sicherheit auch mein Urgroßvater, mit dem für mich schön klingenden Vornamen Jean-Stanislaus. Der dann später, wenn es stimmt, was mir überliefert wird, Parfumflakons in Gerresheim hergestellt, also vermutlich geblasen hat.
Mir war bisher nicht klar, dass es in der Vorgeschichte einen Bezug zu einem Streik gab, das kam in der familiären Überlieferung so nicht vor. Wobei sich meine Mutter auf Nachfrage zu erinnern meint, dass der Streik in ihrer Kindheit noch erwähnt wurde.
Auch der Sohn von Jean-Stanislaus war dann mit Glas beschäftigt, auch der Schwiegersohn in der nächsten Generation. Dann wieder dessen ältester Sohn, der mein Bruder ist. Und er arbeitet bis heute mit Glas, wenn auch nach ihm wohl keine Person mehr nachkommt, die auch diese Richtung einschlagen wird. Zumindest nach aktuellem Stand nicht.

Ein weiteres Zeitzeichen hörte ich noch, diesmal über der Tragödie zweiten Teil, nämlich den Faust II von Goethe. Ein Werk, an dem ich auch schon mehrfach gescheitert bin, obwohl ich sicher eher zu den Ultras gehöre, wenn es um die Fans des ersten Teils der Tragödie geht. Aber der letzte Versuch mit der Fortsetzung ist auch schon lange, lange her, vielleicht sollte ich also wieder einmal … Ja, mach nur einen Plan.
Ein Kulturfeature gab es beim WDR für mich: „Die ewige Miss Marple – Das bizarre Leben der Margret Rutherford“. Man kann diese Sendung als Fan ihrer Filme hören, aber auch als jemand, der sich routiniert über jene mittlerweile so zahlreichen Berichte freut, in denen es wohlig kichernd um das Phänomen der britischen Exzentrik geht.
Man kann weiterhin sinnige Gedanken anknüpfen, man sollte es wohl auch, die sich mit der Frage beschäftigen, wie psychische Probleme der gravierenderen Art mit jener meist als liebenswert deklarierten Exzentrik zusammenhängen. Und was dies dann ausmacht, diese seltsame Kombination, entweder für die Rezeption von solch vermeintlicher oder echter Komik oder aber für den Blick auf die eigene kleine Exzentrik für den Hausgebrauch.
Die wir vermutlich fast alle bei uns selbst leicht nachweisen können, möchte ich doch annehmen.

Besucht:
Die Ausstellung „You’ll never watch alone“ zu den Fotografien von F. C. Gundlach im Bucerius-Kunst-Forum. Welches sich ohne Bindestriche schreibt, ich weiß. Aber.
Diese Ausstellung läuft noch bis zum 16. August, man muss daher jetzt langsam anfangen, den Besuch ernsthaft einzuplanen. Ich fand schon das berühmte Bild von der Obermaier mit den bunten Sinalco-Puppen den Besuch wert.
Es ist auch ein Bild, das war klar zu beobachten, vor dem viele Gäste länger stehenbleiben.



Schon einmal einen Hinweis wert ist sicher auch die Vorschau auf die Ausstellung ab 11. September am gleichen Ort. Denn manche planen in kultureller Hinsicht weit voraus, habe ich gehört: „Von Monet bis Picasso – Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland“.
Das werde ich mir wohl auch ansehen, wenn mir nicht vorher der Himmel auf den Kopf fällt.
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