In meinen Notizen steht ein kryptischer Hinweis mit Verweis auf diese Woche: „Halbjahresgedanken verbloggen“. Hierzu stelle ich fest: Ich habe gar keine Halbjahresgedanken. Allerdings freue ich mich, dass mein früheres Ich mich für einen gehalten hat, der Halbjahresgedanken haben könnte. Und sogar solche der ernsthaften Art, die es also wert wären, zu einem veröffentlichten Text zu werden. Stark.
Da traut mir doch immerhin jemand etwas zu, denke ich hocherfreut. Auch wenn ich es wieder nur selbst bin. Für ein Immerhin des Tages reicht es doch aus, möchte ich meinen.

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Aber apropos Selbstüberschätzung: Ich habe mir noch etwas Kunst gekauft. Und zwar ist es ein Bild, eine Aquarellzeichnung des Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, welches eine Gemeinsamkeit von Goethe und mir darstellt. Da ich gerade die dicke Steinfeld-Biografie (Verlagslink) über ihn durchgelesen und direkt danach auch noch ein Hörbuch über ihn angefangen habe (Gustav Seibt: Ein Sommer mit Goethe, Verlagslink) und der Faust I auf dem Nachttisch liegt, ist er mir im Moment recht präsent.

Eine kleine Gemeinsamkeit stellt das Bild dar, die sich aber nicht oder nur höchst indirekt aufs Schreiben bezieht. So größenwahnsinnig bin ich nun nicht, da Ähnlichkeiten zu suchen. Nein, wir beide, der olle Goethe und ich, wir teilen schlicht die Vorliebe für Fensterblicke, wir sehen gerne raus. Ich bestellte mir daher einen Druck von „Goethe am Fenster“.
Es ist ein römisches Fenster, aus dem er da blickt, aber das fällt kaum auf. Es könnte ebenso gut in Hamburg oder wo auch immer sein. „… sein Hemd ist ihm teilweise aus dem Bund gerutscht“, heißt es in der Wikipedia, wie nahbar ist das denn? „… wobei sich seine Füße in Pantoffeln befinden.“ Ganz wie der Meister selbst, kann ich mir da denken, während ich ebenso pantoffelig wie er am Fenster stehe, soweit dann doch dem Goethe gleichend. Auch wenn ich dabei selbstverständlich keine Kniebundhosen trage.
Man sollte es mit dem Nachstellen von vorbildhaften Berühmtheiten auch nicht übertreiben. Lieber nur jene Ähnlichkeiten mitnehmen, die sich zwanglos und wie von selbst ergeben.

Wobei ich, ohne es sachlich klug untermauern zu können, die Autorinnen und Autoren, die ich lese oder höre, übrigens seit Jahren unwillkürlich in zwei Gruppen einteile. In zwei Gruppen, die literaturgeschichtlich keine Relevanz haben, die auf einer persönlichen Ebene für mich aber dennoch von Interesse und Bedeutung sind: Es gibt unter ihnen nämlich welche, die gebloggt hätten, und es gibt die, welche keinesfalls gebloggt hätten.
Bei einigen gibt es auch Texte, die mir ausdrücklich bloghaft vorkommen, die in ein Format wie dieses hier gut passen würden. Bei anderen findet man solche Texte gar nicht.
Goethe etwa hätte nicht gebloggt. Das steht für mich zweifelsfrei fest, denn ich befinde das jeweils selbst, und zwar ebenso sicher wie endgültig. Das ist das Schöne bei selbst erdachten Klassifikationen, man kann sich frei fühlen und zuschlagen. Nein, beim Thema Blog bleiben wir uns eher fremd, der Herr Geheimrat und ich. Da finden wir nicht zusammen.
Aber Fenster! Denke ich mir dann so. Fenster fanden oder finden wir immerhin beide gut, und das ist doch auch was. Man sollte stets Verbindungslinien zu Themen, Orten und Personen suchen, dann fühlt man sich auch etwas aufgehobener in dieser Welt.
Well, that’s the one thing we got – wissen Sie noch?
“And I said, „What about breakfast at Tiffany’s?“
She said, „I think I remember the film and
As I recall, I think we both kinda liked it“
And I said, „Well, that’s the one thing we’ve got“
Ein Lied, das man noch mögen kann, finde ich. 1994 war das und ich kann mich, es ist ein wenig merkwürdig, an das Video überhaupt nicht erinnern. Nie gesehen! Möchte ich da fast sagen. Aber das würde sicher die Falschaussage eines unzuverlässigen Zeugen sein, denn ich habe es ganz sicher damals gesehen, und nicht nur einmal.
Ich habe nur wieder nicht aufgepasst. Es wird am Ende doch nicht umsonst so oft in den Zeugnissen gestanden haben.

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