Vorweg ein Zitat aus der „Ungeduld des Herzens“ von Stefan Zweig, welches ich mir beim Hören aufgeschrieben habe. Es ist ein Zitat für alle, die sich im Moment nicht eben euphorisch guter Laune erfreuen. Fast möchte ich es eine Zielvorgabe für Menschen in bestenfalls mittlerer Stimmung nennen. Eine elegante Variante zum mir von Kid37 bekannten Satz: „Wo ich bin, ist immer Herbst“. Denn man kann es auch so ausdrücken:
„Merkwürdig, mit dem Augenblick, da er gekommen, scheint das Zimmer melancholischer zu schatten …“
Aber gut, das muss man auch erst einmal schaffen, dass ein Zimmer melancholischer schattet. Eine bemerkenswerte, zitierwürdige Formulierung jedenfalls.

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Kaum schrieb ich ansonsten ironisch über die Frühjahrsmüdigkeit, die es doch in Wahrheit gar nicht gibt, wie wir nun gelernt haben, schon steckte ich am Sonnabend kurz nach dem Aufwachen und Bloggen in einem Energietief erster Klasse. Wie von einer Walze überfahren lag ich reglos auf dem Sofa, mir graute bei dem Gedanken an jedwede Handlung.
Allerdings war die letzte Woche auch besonders anstrengend, billigte ich mir dann zögernd zu, in vielfacher Hinsicht und Frühling hin oder her. Wobei es, das ist das eigentliche Problem, seit längerer Zeit schon nur noch die Wahl zwischen anstrengenden und besonders anstrengenden Wochen zu geben scheint. Was ist das überhaupt für ein Angebot, und ist es alternativlos?
Da hat man dann gleich die nächste anstrengende Frage. Na super, vielen Dank auch.

Währenddessen blühen immerhin die Narzissen in den Blumenkästen an den Balkonen, blühen die Zierkirschen im Park, die Mirabelle vor der Haustür und auch die Außengastrositzkissenbezüge. Die Elstern bauen ihr Nest weiter zum Palazzo aus und die Menschen im Stadtteil kaufen wieder Eis. Wobei sie mit der gleichen Hingabe wie im letzten Jahr die Kugelpreise und das Angebot an Sorten diskutieren: „Franzbrötchen und schwarzer Sesam, geht’s noch?“ Nein, die Sorten sind nicht ausgedacht.
Die Besitzerinnen und Besitzer von sehr kleinen, sehr schlecht oder gar nicht erzogenen Hunden der lediglich dekorativen Arten lassen diese an lang ausgerollten Flexileinen durch die Fußgängerzonen tollen, so dass sich die dünnen Strippen wie Schleppnetze um etliche PassantInnenbeine wickeln. Das bringt sogar verschlossene Norddeutsche ungeahnt schnell in Kontakt und manchmal auch zu Fall. Man kommt sich beim gemeinsamen Enttüdeln dann ganz ungewohnt nahe.
Auch Amor geht hier also mit der Zeit, wechselt Methoden und Werkzeuge, bringt Menschen auf zeitgemäße Art weiterhin zusammen.

Auf den Bänken rund um Binnen- und Außenalster wird zum Sonnenuntergang in einer Intensität geknutscht und gekuschelt, dass man im Vorbeigehen gleich an das englische Gegenstück zur Frühjahrsmüdigkeit denkt, an das Spring Fever.
Ich könnte mir Knutschen und Kuscheln auch einmal wieder vorstellen, wer kann dazu schon nein sagen. Ich würde dafür aber an diesem mich generell überfordernden Tag keinen Aufwand betreiben wollen. Am liebsten würde ich dafür gar nicht erst vor die Tür müssen. Für mich sollten sich die saisonalen Kernbegriffe bestenfalls sinnig mischen, ich wäre also für die Variante Frühjahrsmüdigkeits-Fever. Aber die Verhältnisse, sie sind hier nicht so, und ein für solche Vorhaben geeigneter Mensch ist an diesem Tag auch gar nicht im Haus.

Die Herzdame hat, wie mir in diesem Zusammenhang spontan einfällt, übrigens nie die Serie „Friends“ gesehen. Was mir kategorisch jegliche Möglichkeit nimmt, im Dialog mit ihr oder in anderen Texten all jene gerade naheliegenden Kracherpointen anzubringen, die sich auf „We were on a break“ beziehen.
Und ich weiß, es gibt deutlich Schlimmeres – aber ich finde gerade auch das anstrengend.

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