Der Mittwoch wurde hier als Tag neben der Spur aufgeführt. Quasi von der ersten Stunde an organisatorisch, terminlich und auch seelisch im Abseits und deutlich verspätet, alles Nachfolgende verschiebt sich, Grund dafür sind Schwierigkeiten aller Art oder, um wieder bei Thomas Mann zu landen: „Unordnung und frühes Leid“. Verbunden mit einem schnell einsetzenden Gefühl, welches von einer Erkenntnis kaum zu unterscheiden war: Das wird heute nix.

Und wurde es dann prompt auch nicht. Stabil blieb ich hinter der Zeit, verhaspelt in Zudringlichkeiten von zu vielen Seiten. Ein Zustand der Art, bei der man irgendwann ahnt, dass man es an diesem Tag auch außerordentlich wirkmächtig anzieht. Eine S-Bahn, in die ich nicht mehr hineinpasste, auf dem Bahnsteig zurückbleibend wie in einer Doku über den überlasteten ÖPNV. Eine U-Bahn, mit der ich in die falsche Richtung fuhr, nachhaltig verwirrt auf Stationsnamen starrend.
Im Büro unauflösbare Komplikationen mit neuesten Software-Errungenschaften. Und zwar derartige Komplikationen, dass ich mich schon wieder intensiv mit boomerhaften Gedanken beschäftigt fand, etwa in dieser Art: „Das hätten wir ja 1990 noch schneller hinbekommen! Mit der Kugelkopfschreibmaschine, per Hand, zu Fuß und gefaxt.“
Und ich kann mir nicht helfen, so falsch war der Gedanke gar nicht.
Es schauerte außerdem vor den Bürofenstern in der Hafencity, es nieselte und es regnete auch. Zwischendurch schüttete es einmal. Letzteres selbstverständlich auf dem einzigen Weg an diesem Tag, den ich ohne Schirm zurückgelegt habe.

Meine Mutter benötigte diverse Dinge, die ich ihr dann wieder rotkäppchenmäßig ins Krankenhaus brachte. Ohne Wölfe am Wegesrand, das war einer der wenigen Pluspunkte des Nachmittags. Für die Besorgungen und Erledigungen musste ich aber erst in drei Läden, die alle rappelvoll waren. Einer mit ausgefallenem Kassensystem, das Personal in Aufruhr: „Jetzt geht es gerade wieder, versuchen Sie es ruhig mit ihrer Karte!“
Und dann brauchte das verdammte Ding zehn Minuten, um über meine Karte ausreichend nachzudenken, bis es befand, dass ich okay war. Es waren die längsten zehn Minuten des Tages.
Eine einigermaßen erlösende, ausgleichende Szene dann erst kurz vorm Ende des Tages. Als ich mit meiner emotional ebenfalls desolaten Mutter auf dem tristen Flur des Krankenhauses saß. Neben uns ein Bücherwagen: „Für Patienten“.
Diesen Wagen sah meine Mutter missbilligend an, schon deswegen, weil sie an diesem Tag alles missbilligend angesehen hätte. Was ich ausnahmsweise einmal recht anschlussfähig fand. Nach dem kurzen Blick äußerte sie die Vermutung, dass da doch vermutlich eh nur Schrott draufstehen würde. Nicht wahr, was kann man da schon erwarten, in einem Krankenhaus, und dann noch in einem mit so vielen alten Menschen darin. Wie viele alte Menschen mag sie keine alten Menschen, und bevor man darüber lacht: Warten wir es lieber ab.
Ich sah die Buchrücken ebenfalls kurz an und freute mich dann, die Gelegenheit zu haben, ihr eine sie überraschende Antwort geben zu können: „Nicht nur Schrott!“
Um dann mit der letzten Lässigkeit, zu der ich in dieser Stunde überhaupt noch fähig war, einen bestimmten Band herauszugreifen, ihn aufzuschlagen und wortlos kurz auf das Inhaltsverzeichnis zu zeigen. In dem nämlich auch eine Kurzgeschichte von mir ausgewiesen war, was sie dann doch einigermaßen beeindruckend fand.
Immerhin.
Symbolbild: Mein Hirn am Ende dieses Tages.

Und der Abgesang:
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