Mittelhart und erfolgreich

Es war zu warm, so berichteten auch andere, und so wurde es mir auch offline von anderen bestätigt. Ich kann es also wohl notieren, ohne Gefahr zu laufen, als Dachgeschossbewohner wieder eine exzentrische Einzelmeinung zu vertreten.

Gut, dass wir verglichen haben.

Ich nutzte die besonders heißen Stunden, um ein Bett aus tausend Teilen aufzubauen, nach einer Montageanleitung aus der Hölle. Man kann sich schließlich nicht immer für die intelligentesten Timings und Lösungen entscheiden. Manchmal verbleibt man auch nach dem sorgfältigen Abwägen aller Argumente bei einem schlichten „Ich will aber!“

Geistig ausgereift wie ein tobendes Kleinkind vor dem Regal mit der Quengelware an der Kasse im Supermarkt, aber was soll man machen. Man hat nun einmal ein inneres Kind. Und es lebt, dieses innere Kind. Es regt und rührt sich, es ist außerdem verzogen wie der eigene Nachwuchs. Es gibt da womöglich auch Zusammenhänge, aber das ist ein anderes Thema.

Zu einem eigenen Zimmer gehört jedenfalls ein eigenes Bett, befand ich. Und für irgendwelche Restmöbelkonstruktionen, wie etwa Lattenrost auf Ziegelsteinen und dergleichen, bin ich doch schon zu ausgereift, und zwar in jeder Hinsicht, das überlasse ich den Jugendzimmern. Man möchte in meinem Alter morgens auch einfach aufstehen können, und nicht schon an dieser ersten Übung des Tages kläglich scheitern.

Ich kaufte also eine Matratze, ich kaufte ein Bett. Und zwar kaufte ich beides ungeachtet des Umstandes, dass die Auswahl bei beiden Produkten im Grunde längst die Dimension einer grotesken Zumutung erreicht hat. Wieviel Lebenszeit und Energie soll man denn bitte darauf verwenden, sich für die Nachtlagerzubehörteile zu entscheiden. Und wieso stellt einen auch ein so banaler Vorgang schon vor viel zu komplizierte Fragen, bei denen man wieder genau wissen muss, wer man ist. „Sind Sie überwiegend Seitenschläfer?“ Ja, was weiß ich denn. Ich sehe mir beim Schlafen nicht zu und messe Zeiten und Anteile! Ich liege da vielmehr ebenso unbewusst und untätig herum, wie es wohl die meisten Menschen im Schlaf tun.

Matratzen aber, sie haben tausend komplexe Eigenschaften und Ausprägungen, über die man einzeln befinden kann und auch muss, und in welcher Detailtiefe! Schon nach kurzer Recherche möchte ich Loriot dringend abwandeln und anwenden: „Ich möchte hier einfach nur liegen.“

Ich entscheide mich schließlich für ein mittelhartes Produkt. Denn mittelhart, da stehe ich drauf. Die Matratze besteht, abgesehen vom Härtegrad, aus zig Schichten, die dermaßen durchdacht übereinander gelagert und miteinander verbunden wurden, dass man gleich an Raketenwissenschaft und dergleichen denkt. Diese Schichten werden auf der Produktseite grafisch so erläutert wie früher in den Biobüchern die Hautschichten des Menschen: Man hat beim Ansehen gleich das unangenehme Gefühl, etwas definitiv Uninteressantes lernen zu müssen.

Ich sehe mir diese Bilder unmotiviert an, ich stelle fest, dass mir das Subkutane meiner Matratze vollkommen egal ist.

Beim Bett gibt es selbstverständlich noch mehr Auswahl. Denke ich zunächst. Ich stelle dann aber in einem Anfall von jäher Selbsterkenntnis und klarer Gewissheit fest, dass ich gerne einen bestimmten Holzton am Bett hätte. Und der ist, da muss man dem Weltgeist dankbar sein, total und rettungslos unmodern. Das reduziert meine Auswahl enorm, fast bis auf Nachkriegsniveau. Denn der moderne Mensch, er schläft gerne in hellen Möbeln, wie es aussieht.

Es verbleibt daher im Warenkorb: Genau ein Bett. Ohne weitere Bedenkzeit wird es bestellt. Ich lasse liefern, ich packe aus, ich schraube zusammen. Ich zerfließe dabei hitzebedingt, meinen schweißnassen Fingern entgleiten immer wieder Schrauben, Unterlegscheiben und Metallteile aller Art. Es wäre sicher besser, dieses Bett zu zweit oder zu dritt aufzubauen. Aber, wie eine einstige Chefin von mir zu sagen pflegte: „Man muss auch im suboptimalen Lösungsbereich agieren können.“

Und wie ich agiere. Denn ich habe ja damals etwas gelernt bei dieser Chefin, möchte ich mir zumindest einbilden. Fluchend und schimpfend, schwitzend wie Butter in der Pfanne und zwischendurch sämtliche handwerklich begabten Vorfahren schamanistisch aus ihrem ewigen Feierabend heraufbeschwörend. Wenige Vorfahren dieser Art waren das übrigens nicht. Sie werden allerdings auch sämtlich gebraucht, denn ich schlage etwas aus der Art, wie es aussieht.

Und das war also der Dienstag, an dem ich dann schließlich sehr gut im neuen Bett und auf der neuen Matratze schlief. Nämlich so, wie ich mich gebettet hatte, also allein und vergleichsweise zufrieden mit mir.

Spätabendlicher Blick auf den Turm der Alten Post in der Hamburger Innenstadt

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Ansonsten …

… lese ich weiter in der Goethe-Biografie von Thomas Steinfeld und bin sehr angetan. Ein wahres Lesevergnügen ist es, keinen Moment denke ich an die über 700 Seiten und dass da also etwas zu leisten ist. Im Gegenteil, ich freue mich, dass noch herrlich viel übrig ist, und so soll es auch sein.

Natürlich gibt es nicht gerade einen Mangel an Goethe-Biografien, es sind schon ein paar Regalmeter solcher Arbeiten erschienen. Es ist auch nicht die erste Variante, die ich hier gerade konsumiere. Und es kommt mir ein wenig so vor, als habe der Herr Steinfeld, der dieses Bild aber vielleicht vollkommen falsch finden könnte, mit einer angenehm entspannten Lässigkeit vor der überwältigenden Fülle der Fachliteratur gestanden. Um dann nach stattgehabtem Studium sympathisch, souverän und mit beträchtlicher Flughöhe zusammenzufassen, abzugleichen und auszuwerten. Und, versteht sich, auch einiges richtigzustellen, was lange Zeit bestenfalls halbwahr oder schlicht falsch dargestellt, vielleicht auch abgenudelt wurde.

Die Goethe-Biografie von Steinfeld, von der Seite gesehen, mit Lesebändchen

In der Reihe „Lesenswerte und auch gut lesbare Sachbücher“ bekommt das Buch bei mir jedenfalls einen prominenten Platz. Falls Sie einmal Menschen beschenken wollen, die noch Freude an kanonisierter Klassik, bürgerlichem Bildungsballast, Germanistikgeröllhalden und dergleichen haben, dann liegen Sie mit diesem Werk sicher nicht verkehrt. Deutliche Empfehlung.

Eine Seite aus der Goethe-Biografie von Steinfeld mit der Sessenheim-Zeichnung von Goethe

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… wurde ein weiterer Mietvertrag für eine Wohnung in Hamburg unterschrieben. Was erstens fast ein Wunder ist, wie alle wissen, die den Hamburger Wohnungsmarkt kennen. Und womit zweitens der erste Sohn offiziell als flügge zu gelten hat.

Und womit ich nach, nun, geradezu unanständig vielen Jahren endlich wieder ein eigenes Zimmer habe. A room of one’s own. Vielleicht ist es aber auch ein klarer Fall von „Reduce to the Max“. Ein Werbeslogan, der mich immer schon ungewöhnlich direkt angesprochen hat. Aus naheliegenden Gründen: Immerhin komme ich darin vor, mit einer der vielen Varianten meines Namens.

Menschen mit Interesse an Werbepsychologie oder Werbeforschung, ich grüße an dieser Stelle die geschätzten Kolleginnen, möchten eventuell amüsiert zur Kenntnis nehmen, dass ich das Jahr des Erscheinens dieses Slogans gerade einerseits noch recht gut einordnen konnte, dass ich andererseits aber nicht mehr sicher war, um welches Produkt es damals (1998) eigentlich ging, also abgesehen von mir. Und dass ich auch nach dem Nachlesen keine rechte Erinnerung an das Produkt oder die Kampagne habe, vom Hauptslogan einmal abgesehen.

Es sieht also nicht allzu gut aus mit der Werbeerinnerung.

Detail eines Buchregals mit einer Postkarte, auf der die Alster abgebildet ist und dahinter Bänden einer Kafka-Biografie

Ein eigenes Zimmer also. Ein weiteres Thema, bei dem ich nun entscheiden kann, muss oder will, was ich eigentlich möchte. Und wie ich so bin. „Get to know me!“, wie es in einem alten und berühmten Saturday-Night-Sketch hieß.

Was mir, wie neulich beim Text über das Bild, schon in Anfängen gelang. Aber es ist, wie wir im Büro sagen, definitiv noch work in progress. Es gibt Spiegel in diesem Zimmer, sogar komfortabel neben dem Schreibtisch. Ich kann beim Tippen also ab und zu ohne Verrenkungen hoch- und dort hineinsehen, es ist ein wenig, als würde ich neben mir sitzen. Und dann kann ich, wenn ich mich da neben mir erblicke, je nach Stimmung und Lage erst einmal zwischen zwei naheliegenden Sätzen wählen, um in den Dialog mit mir zu kommen.

Denn ich kann, wenn ich mir selbst wieder einmal zerforschend nachspüre, etwa mit einer Frage beginnen, während ich grübelnd in den Spiegel sehe: „Was bist du denn für einer?“

Ich kann aber auch, wenn ich gerade in eher munterem Schwung bin und etwa an der Tastatur zu wissen meine, was ich da und warum eigentlich mache, wenn ich das vielleicht sogar gut finde, was ich da so treibe, mit einem munteren Statement anfangen, während ich kurz zur Seite sehe und mich dort wahrnehme: „So einer bist du also!“

Bei all dem habe ich natürlich Delphi, Apollon und auch Kant im Kopf, apropos bürgerlicher Bildungsballast, nicht wahr:

„Erkenne dich selbst“ das erste Gebot aller Pflichten gegen sich selbst. Es ist die moralische Erforschung des Herzens als Quelle aller lauteren und unlauteren Handlungen. Nur die „Höllenfahrt des Selbsterkenntnisses“ kann die bösen Impulse im Willen beiseite räumen.“

Aber wie auch immer.

Ich mache jedenfalls gründlich und oft die Tür hinter mir zu, und es ist mir ein Fest. Jedes Mal! Was vermutlich in dieser Ausprägung nur diejenigen Menschen wirklich verstehen können, die das Thema Familie lange und intensiv genug in einer viel zu kleinen Wohnung durchgespielt haben.

Sohn I aber zieht in das nächste Kapitel, nicht ohne mit weisen Werten begleitet zu werden, wie sich gewiss von selbst versteht.

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Krücken-Konnotate

Drei Bemerknisse, nur was gerade so anfällt. Eingesammelt in den drei letzten Tagen, ganz so, als würde täglich brav ein Vorkommnis anfallen. Ich werde das weiter beobachten, denn ich habe, wie der Arzt mir vor einigen Tagen erklärt hat, noch wochenlang Gelegenheit dazu (was Sie zunächst nicht sehen: Der Autor unterbricht an dieser Stelle das Tippen und sieht minutenlang schlecht gelaunt in den enorm heiteren Himmel über Hamburg. Dann macht er Gesten, die eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem haben, was man zu Stummfilmzeiten noch unter „Händeringen“ verstand, bevor er sich wieder entschlossen der Tastatur zuwendet und endlich weiterschreibt).

Sticker-Text: Mein Leid ist hart erarbeitet. Ich habe es wahrlich verdient

Erstens

Ich gehe am frühen Abend eines ungewohnt warmen Tages eine fast menschenleere Straße entlang, in der mir nur ein einziger Mensch entgegenkommt. Im Spektrum „Männliche Bewohner Hamburgs“ ist es eine Art Gegenentwurf zu mir, denn er ist groß, muskulös und außerordentlich athletisch gebaut. Außerdem ist er jung, hat dunkle Haut, sieht gut aus und trägt bunte Sportkleidung. Allerdings hat er, darin immerhin mir gleichend, seinen rechten Fuß in einer Plastikverschanzung. Er geht daher auch ähnlich unelegant wie ich, unterarmgehhilfengestützt und eher langsam.

Wir gehen da also seltsam filmreif aufeinander zu, einer denkwürdigen Inszenierung folgend. Als wir auf gleicher Höhe sind, heben wir beide freundlich grinsend die linke Hand zum Gruß, denn man kann sich kaum ignorieren, wenn man sich derart ähnlich markiert begegnet. Selbst in einer unterkühlten Stadt wie Hamburg nimmt man sich in solchen Momenten zur Kenntnis, und sogar wohlwollend. Da der Weg aber eng ist und wir uns ungewollt nahekommen, wird aus dem Grüßen mit den linken Händen ein durch und durch lässiges, aber eher ungeplantes High-Five auf halber Höhe.

Dann hinken wir beide weiter.

Zweitens

Noch etwas absurder. Noch etwas mehr in Richtung jener Vorfälle und Momente, bei denen man sich umsehen und die Kameras suchen möchte.

Ich gehe im Hauptbahnhof eine Treppe hinab. Nachdem ich kurz vorher am Rathaus noch dachte, Treppen seien für mich kein Problem, und dann prompt fast einen Salto gemacht hätte. Was übrigens eine enorm belebende Erfahrung ist, man ist dann auf einmal sehr wach. Ich gehe die Treppe im Bahnhof daher etwas vorsichtiger hinunter, etwas bedächtiger.

Giebel-Detail am Hamburger Rathaus

Dabei sehe ich, dass ein paar Meter unter mir auch einer geht, der wie ich den rechten Fuß in grauem Plastik hat und bei jedem Schritt konzentriert Beine und Krücken sortiert. Das wäre noch ein Zufall, den man so hinnehmen könnte, nicht wahr. Aber ein paar Meter weiter geht noch einer diese Treppen hinab, und auch der hat den Fuß, wenn es bei ihm auch der am anderen Bein ist, in Plastik. Und auch er stemmt sich auf Krücken.

Wir haben regelmäßige Abstände zwischen uns. Es ist sonst gerade niemand auf der Treppe. Und ich habe doch wahrhaftig lange genug MTV gesehen, um zu erkennen, wenn Szenen perfekt in Musikvideos passen. Wenn etwas nicht einfach nur irgendeine Szene, sondern vielmehr eine Choreografie ist. Aber es läuft keine Musik in der Grand Hall um uns herum, nur die üblichen Bahnhofsgeräusche sind zu hören, die nicht einmal rhythmisch ausfallen.

Irgendetwas stimmt wieder nicht mit der Wirklichkeit.

Drittens

Es ist der Pfingstsonntag, da macht man gefälligst einen Spaziergang. Denke ich mir als traditionsbewusster Mensch so und ziehe mich also pfingstgemäß an. Inklusive der „witten Maibüx“. Da fehlt Ihnen vielleicht der Bezug, kann ich mir vorstellen. Welcher nämlich ausdrücklich hamburgisch ausfällt und auf Hein Köllisch zurückgeht. Ein Dichter aus dieser Stadt, der u. a. das berühmte Lied „To Pingsten ach wie scheun“ geschrieben hat, in dem diese feine Hose erwähnt wird.

De witte Maibüx ziehe ich mir also an. Ich schnalle mir als braver Patient den so lästigen Plastic-Walker um, greife nach den Krücken und gehe los. Ich halte dann aber noch einmal an, um nach meinen Kopfhörern zu suchen und mir mein Hörbuch anzumachen. Wenn man an Krücken geht, hält man überhaupt dauernd an, wegen allem und alle paar Meter. Es ist ein wenig enervierend, wenn man ansonsten zu den Menschen gehört, die sich eher zügig fortbewegen.

Ich höre immer noch Stefan Zweigs „Ungeduld des Herzens“, da ich zwischendurch eine Weile vom Roman abgekommen war. Es kamen zu viele Podcasts dazwischen. Die Pause war etwas länger, kaum weiß ich noch, an welcher Stelle ich mit dem Hören aufgehört hatte. Jedenfalls war es aber eine Szene mit der weiblichen Hauptfigur, die eine starke Gehbehinderung hat. Welche auch den Kern der Handlung und das ganze Drama erzwingt. Das weiß ich noch.

Ich drücke auf dem Smartphone auf Start. Ich greife wieder nach den Krücken, ich mache den ersten Schritt. Die Erzählstimme liest vor:

„Ja, vom Krückengehen bekommt man stramme Muskeln“, sagte Edith.

Sie sehen also, der Zufall und ich, wir führen hier weiter ein Tänzchen auf. Auch wenn ich mich dabei schon einmal gelenkiger gegeben habe.

Kreideschrift auf dem Pflaster: Freiheit für Nutzlose

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Grand and Dance Hall

Na, guck mal an. Jetzt bin ich doch glatt, nachdem ich lange Zeit, über ein Jahr sogar, mit einem wahrhaft üppigen Vorrat gelebt habe, am Ende meiner Notizen angekommen. Der nachfolgende Text unten ist aus irgendeinem Grund in meinen Entwürfen nach hinten gerutscht, vor einem halben Jahr etwa. Und von diesem abgesehen gibt es nur noch einige Stichwörter, von denen ich etwa die Hälfte selbst nicht mehr verstehe. Kryptische Brocken, sie hatten vielleicht irgendwann einen Sinn. Notate wie etwa „Sommer halb und zu“. What?

Mangels ausgedehnter Spaziergänge kommt jedenfalls gerade nichts Neues rein. Gestern habe ich daher versucht, die weiteren Gehstrecken wieder aufzunehmen. Aber das war, so meldete der Problemfuß danach lebhaft zurück, keine allzu gute Idee. „Alles mit Maß und Ziel!“, wie mein Vater zu sagen pflegte, ohne sich je daran gehalten zu haben.

Es war dennoch ein sinniger Satz, keine Frage.

Falls hier in der nächsten Woche also ein, zwei Tage kein neuer Text erscheint – bitte gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen.

***

Eine weitere Szene, in der es um die neuerdings so posh bezeichnete „Grand Hall“ im Hauptbahnhof geht, also um die olle Wandelhalle.

Und zwar geht es um eine Frau, die etwa in der Mitte dieser großen Halle im Zentrum der Fußgängerbetriebsamkeit dieser Stadt steht, mitten am Tag. Sie fällt dort aus verschiedenen Gründen auf. Denn zum einen ist sie überdurchschnittlich groß. Was noch kein Grund für ein Bemerknis wäre, aber sie hat dazu auch noch üppig aufgetürmte Haare. Auf diese Beehive-mäßige Art, wie es sonst nach Amy Winehouse kaum noch jemand trägt.

Eine etwas exzentrisch anmutende Retro-Frisur, vielleicht erinnernd an Soulsängerinnen aus den 70ern, in die auch noch bunte, schillernde Tücher mit Glitzer daran verwoben wurden. Sie ist zum anderen auf eine bestimmte Art festlich angezogen, die ich durch den farbenfrohen, auffälligen Glanz mit dem Sonntagsstaat in Verbindung bringe, der hier von Menschen aus afrikanischen Ländern, vor allem meist wohl aus Ghana, bei Festlichkeiten getragen wird.

Ihre Erscheinung passt zumindest zu den mir bekannten Beispielen, und im Verlauf der folgenden Szene höre ich sie dann auch eine Sprache sprechen, die ich für eine afrikanische halten möchte. Wir können uns in diesem Fall bezüglich ihrer Herkunft aufgrund der Indizienlage also einigermaßen sicher sein, was sonst nicht eben oft der Fall ist.

In der Regel rät man solche Herkunftsdetails aber nur. Meistens meint man nur, ahnt etwas und rät am Ende doch, rechnet lediglich Wahrscheinlichkeiten hoch. Und hat vielleicht auch oft Recht mit seinen Einschätzungen, das mag sein. Aber ich könnte nicht einmal die Trefferquote realistisch schätzen, und es werden jederzeit signifikante Fehler dabei sein.

Weswegen es für mich auch schwierig bis unlösbar bleibt, die Menschen, denen ich hier in der Stadtmitte begegne, in Texten so realitätsnah für andere zu bezeichnen, dass diese beim Lesen ein zutreffendes Bild im Kopf haben würden. Ich scheitere da sprachlich und finde keinen Weg, das gleichzeitig angemessen vorsichtig und zurückhaltend, aber auch attraktiv beschreibend und zutreffend darzustellen, so dass sie sehen können, wer mir hier entgegenkommt, wenn ich durch die Fußgängerzonen gehe.

Ich denke, unsere aktuelle Schriftsprache gibt das einfach nicht her. Weswegen es hier weiterhin meist Ausmalmenschen geben wird. Ich rede also nur von Passantinnen oder von Menschengruppen an Ampeln etc., und Sie können sich aussuchen, wonach die wohl aussehen könnten. Ob nach Bayern, nach Bulgarien oder nach Brasilien. Und ob sie wohl die Landestracht tragen, was bei diesen Beispielen nur im Falle von Bayern einigermaßen wahrscheinlich ist. Denn der Bayer als solcher, er lässt sich oft gerne als ebendies identifizieren. Vielleicht sogar besonders dann, wenn er Hamburg besucht.

Diese Frau im Bahnhof jedenfalls, zurück zur Szene, in ihrem bunten, schillernden Festkleid, sie ist auch außerordentlich schön. Das allerdings ist selbstverständlich eine betont subjektive Wahrnehmung und fällt vielleicht keiner Mehrheit auf. Was aber definitiv auffällt, auch allgemein, das ist, wie sehr sie sich freut.

Denn sie winkt quer durch die Halle einem ihr entgegenkommenden Mann zu. Der, ebenfalls in feinerer Gewandung, gerade auf sie zueilt. Sie rufen sich winkend etwas zu, diese beiden. Sie steht mit erhobenem Arm und wartet ungeduldig, bis er herankommt, kriegt sich dann aber auf einmal nicht mehr ein vor lauter Begeisterung. Man muss jedenfalls annehmen, dass es die Begeisterung darüber ist, dass er kommt, dass er jetzt gerade zum Treffpunkt kommt, dass er fast schon bei ihr ist. Weswegen sie nämlich ein Freudentänzchen aufführt.

Weiße Schrift auf einem Ampelmast: Jetzt hier Liebe

Nur wenige Schritte sind das, nur ein kurzes Wiegen der erhobenen Arme, es ist auch nur eine einzige Drehung und es sind nur wenige Schritte, wenn auch gekonnte, wie man gleich erkennt. Es ist nur ein Momentchen, leicht zu übersehen. Aber es ist eben ein Tanz, gar keine Frage. Ein Tanz, der sogar in dieser Kürze gut aussieht.

Ich müsste lange nachdenken, um darauf zu kommen, wann ich zuletzt so etwas wie ein veritables Freudentänzchen bei einem erwachsenen Menschen gesehen habe. Zumindest abseits von großen Sportübertragungen und dergleichen, wo so etwas nicht weiter auffällt und in der kollektiven Begeisterung untergeht. Hier aber, in der Wandelhalle, pardon, in der Grand Hall – es kommt mir geradezu spektakulär vor. Und nicht nur mir, einigen Umstehenden geht es ähnlich.

Dann fallen sich die beiden in die Arme, wie sich nur je ein Filmliebespaar der plakattauglichen Art entgegengesunken ist. Wenn an dieser Stelle eine laute, aufrauschende Soundtrackmelodie der etwas süßlichen und dabei doch betont beschwingten Art eingesetzt hätte, es hätte sich gewiss niemand gewundert, der diese Szene beobachtet hat.

Es haben, ich kann das überaus seltene Vorkommnis bezeugen, mehrere Menschen unwillkürlich gelächelt, die diese beiden gesehen haben. An einem Werktag. In Hamburg. Noch vor der üblichen Feierabenduhrzeit, noch vor den ersten Drinks oder anderen Entspannungsritualen.

Was es alles gibt, nicht wahr.

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Linkwerk zum Wochenende

Gesehen:

Unerwartet gut fand ich die Serie „Das letzte Wort“, von und mit Thorsten Merten und mit einer herausragenden Anke Engelke, die aber ohnehin, das weiß man längst, alles kann. Aber auch bis in die Nebenrollen war die Produktion ungewöhnlich gut besetzt.

Auf der verlinkten Wikipedia-Seite werden die meist positiven Rezensionen zitiert, ich stimme denen zu. Es wird nicht nur mir so gehen, dass ich bei deutschen Produktionen eine etwas unheilvolle Klamauk- und Klischee-Erwartung habe, umso erfreulicher, wenn dann etwas anderes geboten wird. Eine fast versöhnliche Erfahrung.

Dazu passend gab es noch einen deutschen Spielfilm, bei dem aber schon wegen Katharina Thalbach und Axel Prahl nicht viel schiefgehen konnte: „Du bist nicht allein“ aus dem Jahr 2007.

Serie und Film zusammen waren geradezu eine Glückssträhne, so dass man hinterher eine Weile nichts mehr anmachen möchte, es kann ja nur schlechter werden.

Aber es nützt ja nichts.

Ich sah dann in „Pure“ hinein, eine Serie auf arte über eine junge Frau mit einer Zwangsstörung, sie hat unkontrollierbare sexuelle Gedanken der überwältigenden Art. Ein gutes Thema, das auch nicht schlecht umgesetzt wurde, eine gute Hauptdarstellerin gab es auch, aber insgesamt war es nicht mein Fall und vermutlich war das Ganze, nun ja, zu jung für mich. Wohlwollendes Durchwinken, Sie kennen das.

Wo ich aber schon bei psychischen Störungen war, sah ich doch noch einen US-Film, nämlich „Silver Linings Playbook“. Eine Romanverfilmung, die Vorlage dazu schrieb der mir unbekannte Matthew Quick. Mit Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Robert De Niro, kein Mangel an bekannten Gesichtern also. Es geht um bipolare Störungen und andere psychische Auffälligkeiten, ich fand es erstaunlich gut umgesetzt und besonders sympathisch in Szene gesetzt.

Wenn man sich für Macken aller Art interessiert, ist dieser Film auf jeden Fall vorzumerken.

Es war kein Plan von mir, aber die Woche ergab sich als Film-Festival der Macken, Abweichungen und Besonderheiten, und wo ich schon einmal dabei war, sah ich noch den ebenfalls sympathischen Film „Falling into Place“ von Aylin Tezel. Darin spielen Depressionen eine wichtige Rolle, es ist aber auch ein bildschöner Film, der an interessanten Orten spielt.

Regelmäßige Fernsehkonsumenten kennen Aylin Tezel, nehme ich an. Durch meine lange Abstinenz sind mir aber nahezu alle unbekannt, überall frische Gesichter und großartige Entdeckungen, das hat auch seinen Vorteil.

Ja, so war das, mit den seelisch Verbogenen in Film und Fernsehen in dieser Woche. „Ich sing für die Verrückten“, hieß es einst bei Hanns Dieter Hüsch.

„Ich sing für die Verrückten

Die seitlich Umgeknickten

Die eines Tags nach vorne fallen

Und, unbemerkt von allen.

An ihren Küchentischen sitzen

Und keiner Weltanschauung nützen.“

YouTube-Link zum Lied.

 

Gelesen:

Die Liste der 100 besten Romane, die im Guardian veröffentlicht wurde. Wie immer bei solchen Spielen, denn etwas anderes kann es doch kaum sein, las ich das Ranking lediglich mit dem Interesse, auf weitere Bücher zu stoßen, die ich dringend einmal lesen müsste. Weil sie ein gewisses Verlangen wecken, aus keinem anderen Grund. Sicher jedenfalls nicht, weil irgendwer sagt, sie seien bedeutend.

Ein kurzes Interview mit Hans-Ulrich Treichel über seinen neuen Roman „Das Karussell“ (Verlagslink). Treichel habe ich immer gerne gelesen, vermutlich sogar fast alles von ihm. Diesen Roman werde ich sicherlich auch bald auf den Stapel legen.

Bei Frau Novemberregen gibt es eine sehr lehrreiche Geschichte. (Niemand wird etwas aus ihr lernen, ich weiß.)

Den Artikel von Berit Glanz bei 54books: „Zwischen Bestseller und Brainrot – Wie der Markt die Literatur sortiert“. Und es war ein bloßer Zufall, dass ich direkt nach diesem Artikel in der Goethe-Biografie von Thomas Steinfeld weiterlas, in der es dann gerade darum ging, dass es zu Goethes Zeiten kaum Autoren gab, Autorinnen schon gar nicht, die von ihrer Kunst leben konnten. Goethe war finanziell eine Ausnahme, aber keineswegs nur durch sein Schreiben. „Wo er war, gab es Champagner.“ Das hat sich dann später bei Thomas Mann wiederholt, und ich nehme an, man könnte lange, lange überlegen, welche Frau wohl in diese Reihe passen könnte.

Franziska über den „Mythos Blogosphäre“.

Weitere interessante Links drüben bei Heike.

Ein Sricker mit einem kleinen Vogel, über dem in einer Sprechblase "Harte Liebe" steht

Gehört:

Ein Zeitzeichen: „Poet, Player, Provokateur: Wie Heine mit Deutschland haderte“, 14 Min.

Beim Deutschlandfunk eine Sendung über das Potenzial obsoleter Stadträume (29 Min.). Klingt sehr abstrakt, ist aber eine greifbare Angelegenheit, denn es geht um die Umnutzungen von z. B. Bürobauten, die wegen des Home-Office-Trends nicht mehr gebraucht werden, oder von Kirchen, die nicht mehr besucht werden, von Friedhöfen, die man wegen der Urnenbestattungen verkleinern kann etc. Es geht also um Potenziale, die man in jeder Stadt finden kann.

Im Podcast „Nice & Nötig“ von Übermedien gab es eine Folge (43 Min.) mit Philip Banse von der Lage der Nation, über das Nachrichtenpodcasten als „Gesprächstherapie“.

Ein Zeitzeichen über Erik Satie (15 Min. Ich ging, während ich diese Sendung hörte, an diesem sensationell gut passenden Schriftzug auf dem Pflaster vorbei:

Schriftzug auf dem Pflaster, mit Kreide: "Zur Behörde für nackte Gymnastik"

Ein weiteres Zeitzeichen gab es dann noch über Franziska Gräfin zu Reventlow und die Bohème (15 Min.). Ihr Name wird in der Sendung anders betont, als ich ihn immer im Kopf hatte. Nanu.

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Ex negativo

Ich sehe gerade etliche Urlaubsberichte und Strandfotos in den Blogs und auch meinen privaten Nachrichten, es ist der Beginn der Reisesaison. Durchweg aus südlicheren Gegenden kommt das alles, in fast allen Fällen mit einem postkartentauglichen Meer im Hintergrund. Und es ist außerordentlich hilfreich für mich, denn daran erkenne ich schon einmal, dass mir das gerade nicht fehlt. Keine Spur von Fernweh habe ich, keinen Funken davon kann ich spüren.

Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein, ich schrieb irgendwann schon einmal darüber, glaube ich. Ab und zu denke ich es nach wie vor. Ich weiß aber auch nicht, was ich stattdessen will. Vielleicht will ich beim Thema Reisen einfach gar nichts, das ist immerhin möglich. Auch wenn es eine eher unübliche Einstellung ist. Vielleicht komme ich nur nicht darauf, was ich will. Das mag auch sein.

Segelboote an einem Steg an der Aussenalster

Es gibt allerdings zusätzlich zur Urlaubsfrage gerade fast unangenehm viele Themen, bei denen ich ebenso wenig weiß, was ich eigentlich will. Und bei denen ich noch hoffe, dass es vielleicht auch okay ist, wenn man eine Weile lang eher betont ergebnisoffen, um es freundlicher als „ratlos“ auszudrücken, auf ihnen herumdenkt. Was auch immer dann aber die richtige Definition von dieser „Weile“ sein könnte. Da hat man nämlich gleich die nächste Frage am Hals, die es intensiv zu durchgrübeln gilt.

Aber so ist es ja immer, die Themen falten sich vor einem auf, noch während man sie ansieht. Und zwar sämtliche Themen, der Freundeksreis Overthinking und philosophische Grundbegriffe kennt das Problem gut.

Wenn ich jedenfalls bei einem dieser Themen verbindlich feststellen kann, was ich ausdrücklich nicht will, dann bin ich doch wieder einen Schritt weiter, möchte ich mir gerne einbilden. Erfolgsorientiert und strebsam, wie ich nun einmal bin. Das geht selbstverständlich bei vielen Problemen, etwa auch bei der Wahl von neuen Partnerinnen oder Partnern. Man stellt sich einfach in die Fußgängerzone, sieht sich eine Weile um und stellt dann fest: „Also die schon einmal nicht!“

Schon ist man wieder etwas weiter, ohne sich seelisch allzu sehr verausgabt zu haben.

Ein Sticker mit der Aufschrift "Liebe Digga"

Hätte ich jedenfalls ab morgen drei Wochen Sonderurlaub – was weiß ich, als angemessenen Ausgleich für besondere Verdienste und außerordentlichen Einsatz oder so, in einer idealen Welt wäre dies immerhin möglich und auch passend –, ich hätte spontan nach wie vor nicht parat, was ich da für das Beste halten würde, um diese drei sogenannten besten Wochen des Jahres für mich optimal zu füllen.

Vermutlich ist dergleichen nun so etwas wie die Definition von Peak Luxusproblem, das ist mir bewusst. Mind your privileges und so, schon klar. Und genau deswegen sollte man Probleme dieser Art auch nach Kräften genießen. Man sollte darauf intensiv herumdenken, auf einer Edelherausforderung dieser Art, keine Frage. Man sollte dabei nur unbedingt, wie auf einer Hintergrundspur, immer den folgenden Gedanken im Endlos-Loop laufen lassen:

Wie großartig ist das denn bitte, dass man über solche Fragen ernsthaft und lange nachdenken kann.

Wenn man das so hinbekommt, stelle ich mir vor, dann macht man es halbwegs richtig. Dann kann man sich bei seinen offenen Themen, bei seinen diversen Baustellen und Problemzonen langsam weiter vorarbeiten. Gedanke um Gedanke. Vielleicht auch erst einmal nur vorsichtig und zögerlich bis zum nächsten Erkenntnisabschnittstrich auf dem imaginären Zollstock, mit dem wir unsere Geistesgröße messen.

Dann komme ich im aktuellen Beispiel bei den sicher bald nachfolgenden Urlaubsberichten aus dem Rest der Welt vielleicht zu so etwas wie: „Okay, in den Norden möchte ich auch nicht.“

Damit werde ich dann schon wieder etwas geschafft haben; damit wird sich auch dieses Jahr Tag für Tag erfolgreich fülllen. So dass ich irgendwann sagen kann, auf diese Zeit zurückblickend:

„2026? Ja, das war damals ein gutes Jahr. Was ich da alles nicht gewollt habe!“

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Verdrängung, Auftrieb, Schwimmfähigkeit etc.

Gerade im Bereich der Geschichte der Popmusik höre ich oft auch alte Podcasts, die mit Tagesaktualität nichts zu tun haben müssen. Weil es etwa um Songs, Bands oder Alben aus den Sechzigern geht, um olle Kamellen, um gut abgehangenes Zeug.

Gelegentlich stoße ich beim Hören dieser älteren Podcasts bis in die erste Zeit der Pandemie vor, also eher zurück. Fünf oder sechs Jahre alte Sendungen, so etwas in der Art. Die Hosts erwähnen die  damaligen Umstände der Podcast-Produktionen oft zumindest nebenbei. Diese Umstände also, die wir alle vermutlich ausnahmslos erlebt haben, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Sie klingen zwar nur an, denn es geht in den Sendungen um andere Themen, um Musik und Geschichte meist, aber deutlich werden sie doch am Rande.

Selbst aus flüchtigen Nebensätzen heraus werden sie mir beim Hören plastisch und zumindest kurz wieder vorstellbar. Bei Sätzen etwa, in denen es um das erste Erleben von Home-Office-Situationen geht, um Home-Podcast-Studios auch, um Lockdowns, um verunmöglichte Reisen und Treffen. Dann auch um Impfungen, Ansteckungsrisiken, Krankheitsverläufe etc. Auch um Todesfälle geht es manchmal in der Musikszene. Siehe etwa John Prine, aber es gab mehr Opfer, auch in dieser Szene, viel mehr.

Manchmal wird auch krank moderiert, frisch und erstmalig infiziert oder in der Rekonvaleszenz. Und oft wird erwähnt, was alles gerade während der Aufnahme nicht geht. Konzertbesuche, Zugfahrten, Flugreisen, Kongresse, Interviews etc.

Mit einiger Faszination stelle ich nun beim Hören fest, wie überaus deutlich ich das lieber nicht als Inhalt serviert bekommen möchte. Es stößt mich ab, und wie stark es mich abstößt. Ich müsste vermutlich länger, viel länger darüber nachdenken, um es in der Tiefe zu ergründen, was da genau passiert. Ich müsste mich, zumindest bildlich gesprochen, vielleicht auf eine Couch legen. Und erzählen, was es mit mir macht, wieder von diesen Themen zu hören, während eine weise Therapeutin nickend Notizen macht und vor dem Fenster, wenn die Kamera einmal kurz schwenkt, der Blick auf die Hochhäuser von Manhattan … Seltsam, immer lande ich irgendwann in Woody-Allen-Filmen, wenn ich mir so etwas vorstelle.

Wenn man ein eher ereignisloses Leben führt und dennoch jahrelang nahezu jeden Tag über irgendetwas bloggt, so wie ich, dann lernt man mit der Zeit, die eigenen Reaktionsmuster und Gedanken, die Gefühlchen und die seelischen Mechanismen vergleichsweise aufmerksam mitzuschneiden. Denn über irgendetwas muss man ja schreiben, nein, will man schreiben. Und sie könnten immerhin interessant sein, diese Gefühle etc. Sie könnten Content sein.

Vielleicht könnten sie sogar ein Thema sein, das ein wenig über mich hinausragt, in die Gesellschaft hinein. Oder zumindest in meine Peer-Group, in meine Stadt, in mein Berufsleben etc. Dieses lange Training in Selbstwahrnehmung zahlt sich manchmal aus, bilde ich mir zumindest ein. Denn hier und da, Sie merken es, möchte auch ich gerne etwas gut können. Wie wir alle, nehme ich an.

Deswegen jedenfalls erwische ich mich beim Lesen einer Online-Romanrezension, die ich umstandslos und im Bruchteil einer Sekunde wegklicke, fast reflexhaft, sobald ich merke, dass es in den Familiensituationen der geschilderten Figuren auch um das Home-Schooling im Jahr 2020 geht. Klick und aus, nächstes Thema bitte.

Wi-der-lich ist mir das, geh weg, hau ab, lass mich bloß in Ruhe mit dem verdammten Elend von damals. Und das ist noch milde ausgedrückt. Es ist eine Form des Ekels, die mein Hirn da kurz empört funkt, wenn auch nur aufblitzend und kaum zu verstehen.

Nun frage ich mich gerade, ob mir die die Weltgeschichte hier etwas liefert, das mir womöglich einen dezenten Hinweis darauf geben sollte, wie das beinharte, fast vollkommen undurchdringliche Schweigen meiner Eltern, Großeltern, Tanten etc. über die Zeit vor 1945 auch zu erklären ist. Ohne da etwas direkt vergleichen zu wollen, versteht sich, denn das ginge selbstverständlich nicht auf. Wenn wir uns neben den Kriegsgenerationen vermessen, hatten wir schließlich nie etwas auszustehen. Einerseits.

Andererseits steht man immer das aus, was einem von den Zeiten, die man durchlebt, geliefert wird. Und die Reaktionsmuster, mit denen wir das gut verarbeiten, wegstecken und bewältigen oder eben nicht, sie sind im Gegensatz zu den zugrundliegenden Ereignissen vielleicht doch in ihrer Mechanik vergleichbar? Hm?

Na, es ist nur so eine vage Vermutung. Man denkt so herum, nicht wahr.

Ich bin, das jedenfalls weiß ich aus vielen Gesprächen, nicht der Einzige, der die Pandemie und gerade ihre Anfänge lieber ausdrücklich nicht als Inhalt serviert bekommen möchte. Nicht in Filmen, nicht in Romane, nicht in Gedichten oder Songs. Nicht einmal in Dokus.

Aber ich bin auch sicher, dass ich dies damals, also etwa 2020, nicht so erwartet habe. Nicht einmal ansatzweise. Ich dachte damals eher, ich weiß es sogar noch ziemlich genau und könnte es auch bei mir selbst nachlesen, dass es uns alles lange und intensiv beschäftigen wird. Eine Verarbeitung über Jahre hinweg hatte ich da antizipiert.

Na, guck an. Wie es dann so kommt.

Im Bild ein Epidemie-Denkmal, allerdings mit älterem Bezug: Der Hygieia-Brunnen im Innenhof des Rathauses.

Der Brunnen im Innenhof des Rathauses, blauer Himmel, rote Sonnenschirme der Außengastro

 

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Ein Highlight, die Haseldorfer Marsch und eine Einkaufsempfehlung

Ein weiteres Highlight gab es, das erneut auf die schwindende Distanz zwischen Satire und Wirklichkeit zu verweisen schien. Und welches wieder belegte, dass wir kollektiv dem Irrsinn zutreiben oder auch längst alle darin ein prima Biotop gefunden haben. Vermutlich geht es mittlerweile bei solchen Fällen eher um die letztgenannte Option, nehme ich an.

Bei einem meiner Versuche jedenfalls, einen der wenigen verfügbaren Arzttermine in dieser Stadt zu bekommen, wurde mir an einem Empfangstresen in einer Praxis eine Terminmöglichkeit am nächsten Tag benannt. Also in spektakulärer zeitlicher Nähe! Es war eine Option, welche ich dann freudig und selbstverständlich sofort bestätigen und buchen wollte – aber nicht konnte. Wie mir das Personal dann mit sparsam eingesetzter Freundlichkeit erklärte, denn dafür, so hieß es dann, müsse ich jetzt erst nach Hause gehen und mir diesen Termin dann online sichern. In der Praxis, so wurde weiter erläutert, ginge das nicht mehr. Oder, versteht sich, mobil übers Handy, das ginge auch, selbstverständlich.

Aber mit dem Handy hatte man wieder keinen Empfang in dem Gebäude und ich hätte mir auch erst die verdammte App … von den Login-Daten ganz zu schweigen.

Wie auch immer, der Nächste bitte.

Da steht man dann in so einer Situation, guckt womöglich etwas dümmlich und überlegt vielleicht, so wie ich, wer hier gerade den Verstand verliert. Ob nur man selbst oder doch vielleicht alle anderen.

Und was jene Menschen in solchen Fällen eigentlich machen sollen, die gar nicht online sind, das kann man sich allerdings auch einen Moment überlegen. Denn ich zumindest habe solche Menschen noch in der Familie. Und so wenige sind es insgesamt auch gar nicht, wir hatten das Thema neulich schon einmal. Es sind immerhin ein paar Millionen in diesem Land, das ist kein so kleiner Anteil der Bevölkerung. Man hat diese Menschen nur oft nicht parat, weil sie uns, haha, online nicht so auffallen.

Ich humpelte nach Hause, was sollte ich auch machen, und buchte mir den so verlockend nahen Termin. Immerhin erfolgreich. Es ist nicht alles schlecht.

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Blick über die Kleine Alster an den Rathausarkaden

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Davon abgesehen rahmte ich mir einen Druck. Stieg ich in wilder Abenteuerlust, vielleicht aber auch, siehe oben, eher schon im wilden Wahn, trotz des kaputten Fußes auf einen Stuhl, hämmerte ich einen Nagel in die Wand und hängte ich mir dann endlich ein Bild auf, das mir an dieser Stelle wirklich zu passen schien. Weil mich mit dem Künstler einiges verbindet, weil das Motiv mir wohlig heimatlich vorkommt und weil mir die Stimmung zusagt, auch Farbe und Wirkung: Die „Haseldorfer Marsch“ von Horst Janssen, aus dem Jahr 1978.

So sieht das Bild aus, und ich mag es sehr.

Ich kenne die Haseldorfer Marsch allerdings gar nicht aus eigener Erfahrung, ich war dort noch nie. Ich sah mir vor dem Kauf des Bildes Fotos aus der Gegend an, ich las auch nach, wo genau sie ist (der Wikipedia-Artikel enthält übrigens den ungeheuren Begriff „Allerkindleinsflut“, man möchte sofort passende Prosa dazu verfassen).

Gegenüber von Stade liegt sie an der Elbe, diese Marsch. Also in der Gegend, in die ich ohnehin demnächst einmal wollte. Und sie sieht, auch auf den online gefundenen Fotos, verbindlich norddeutsch aus, das passt schon.

Da könnte ich, auch genau auf diesem Weg, den Janssen da gekonnt abgebildet hat, entlanggehen und mich im weitesten Sinne wie in meiner Gegend fühlen. Das finde ich gut, das so an meiner Wand zu sehen.

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Blick über die Binnenalster Richtung Jungfernstieg

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Der Dienstag, der ansonsten eher betrüblich und auch unangemessen anstrengend ausfiel, er wurde davon abgesehen deutlich aufgeheitert durch eine freundliche Meldung, welche mir ein Online-Shop auf das Smartphone schickte: „Basierend auf deinem letzten Einkauf glauben wir, dass dir auch Müllbeutel gefallen könnten.“

Alles wissen diese Algorithmen nämlich über mich, einfach alles. Und gut kümmern sie sich um mich. Doch, doch.

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Blick über die Binnenalster am Ballindamm entlang

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Reinlesen, Behalten und Weggeben (6)

Vorweg herzlichen Dank für die freundliche Zusendung von Safranskis Hoffmann-Biografie vom Wunschzettel! Sehr schön und gerade auch sehr passend. Hier noch der Verlagslink dazu.

Die E. T. A. Hoffmann-Biographie von Safranski

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Nach den letzten drei herausfordernden und betont anspruchsvollen Büchern ohne Absätze brauchte ich dringend etwas Erleichterung und eine Art geistige Hängematte. Ich verschlang daher aufatmend und fast schon gierig, wie man an einem Sommerabend ein Kaltgetränk kippt, einen Band Kurzgeschichten von Ian McEwan: „Zwischen den Laken“. Bei Diogenes erschienen, und zwar vor längerer Zeit schon, es sind ältere Geschichten (1978). Deutsch von Michael Walter und Bernhard Robben. Wieder war es ein Buch aus dem so überaus nützlichen öffentlichen Bücherschrank.

Das Buch "Zwischen den Laken"

Ein anständiger Kurzgeschichtenband ist es, gut und gekonnt geschrieben, wie bei McEwan auch nicht anders zu erwarten. Auch wenn es sich um ein Frühwerk handelt. Es war erst sein zweites Buch, er hat seither ein paar mehr veröffentlicht. Kein Grund für Enthusiasmus, aber gepflegte Unterhaltung doch allemal. Gut geeignet als Urlaubslektüre, wenn einem gerade nach Geschichten ist. Oder auch nur nach Texten mit Absätzen.

Denn Absätze sind, das kann ich sicher im Namen eines großen Teils des Lesepublikums schreiben und gerade nach den Erfahrungen mit den letzten Büchern, doch eine feine Sache. Ich sehe nach wie vor nicht recht ein, dass es irgendeinen Vorteil haben soll, und nein, auch keinen intellektuellen, keine Absätze in den Text einzubauen.

Ich finde das eher, nun ja, etwas affektiert. Günter de Bruyn, Thomas Bernhard und José Saramago mögen es mir bitte verzeihen.

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Dann las ich die Erinnerungen von Hilde Spiel, „Die hellen und die finsteren Zeiten – Erinnerungen 1911 bis 1946“. Viel hochkultiviertes Name-Dropping aus der Intellektuellen-Szene in jener Zeit liest man da, wie es auch nicht anders zu erwarten war. Für Interessierte an deutschsprachiger Literaturgeschichte ist es ein Fest, ihre Erfahrungen in dieser etwas gedrängten Form aufgezählt zu bekommen, und auch ich konnte in meiner Vorstellung des komplizierten Beziehungsgeflechts der deutschsprachigen Autorinnen und Autoren aus jener Zeit noch einmal einige Aspekte geraderücken.

Hilde Spiel: Die hellen und die finsteren Zeiten

In die im Buch erinnerte Zeit fiel bekanntlich das Erstarken der rechtsextremen Kräfte in Deutschland und Österreich, selbstverständlich nimmt es auch im Buch viel Raum ein. Ich las den Text aber leider, während auf allen Kanälen, und ob ich es nun mitbekommen wollte oder nicht, immer wieder erwähnt wurde, welchen außerordentlichen und rekordmäßigen Zuwachs die extremen Rechten in der Gegenwart in Deutschland gerade haben. Grafiken mit Umfrageergebnissen, die ich durchaus nicht sehen wollte, die ich dann aber sehen musste.

Man nimmt diese Nachrichtenlage noch nennenswert fassungsloser als sonst zur Kenntnis, wenn man dabei von so einem Buch hochsieht. Ich stellte es bei dieser Gelegenheit wieder fest.

Und während alle gerade nach der Freigabe der entsprechenden Listen nachsehen, ob die Großeltern, Urgroßeltern oder andere geschätzte Vorfahren in der Partei der originalen Nazis waren, sollte man vielleicht auch überlegen, was die noch lebenden Angehörigen der Sippe politisch so treiben. Es könnte im Moment wichtiger sein.

Das Buch von Hilde Spiel behalte ich jedenfalls noch, da muss der Bücherschrank etwas warten. Und ich werde weitere Bücher von ihr lesen.

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Überlagerungen, Unterbrechungen und Erzählstränge

Ich habe lange Zeit, über etliche Jahre, nur sehr wenige Filme und noch weniger Serien gesehen, ich hole aber gerade etwas auf. Dabei fallen mir vielleicht Aspekte verstärkt auf, an die sich andere längst gewöhnt haben. Vielleicht wurden sie auch neuerdings erst in auffälliger Häufigkeit in den Drehbüchern untergebracht. Ich weiß es nicht genau, mir fehlt in der Regel der Vergleich.

So ging es mir z. B. gerade bei drei Produktionen, die ich nacheinander weg gesehen habe, in denen die Hauptdarstellerinnen bei der Kommunikation dauernd das machten, was man heute eben so macht, was also durchaus realistisch abgebildet war – sie tippten etwas ins Smartphone oder lasen etwas darauf, sie reagierten auf Hinweisgeräusche und auf grafische Notifications. In allen nur denkbaren Situationen taten sie das, und zu allen Tages- und Nachtzeiten.

Und wer bei diesem Thema ohne Schuld ist, der werfe bitte das erste Handy, um es gleich vorwegzunehmen.

Der Text dieser Nachrichten auf den Smartphones war als Dialogsurrogatextrakt für den Fortgang der Handlung natürlich wichtig und wurde daher folgerichtig jeweils eingeblendet. Wurde also kurz, manchmal auch zu kurz, über die weiterlaufende Handlung oder über die Gesichter mit der auf die Nachricht reagierenden Mimik gelegt. In einigen Fällen auch in äußerst kleiner Schrift, und ich könnte an dieser Stelle also schon wieder etwas zum fortschreitenden Alter anmerken, zur Lesebrillen- oder Gleitsichtproblematik etc. Aber egal.

Bei einer skandinavischen Serie sah man jeweils gleich zwei Einblendungen. Eine in der Originalsprache mit all den lustigen Sonderzeichen, eine in der übersetzten Fassung für das deutschsprachige Publikum. Da waren in einer Sequenz dann immerhin drei Informationsebenen zusammen zu sehen: das klassische Handlungsbild, der Originalsprachentext und die Übersetzung.

Selbstverständlich passt das so zu unserer Wirklichkeit, denn so verhalten wir uns. Zumindest viele von uns. So kommunizieren wir. So lassen wir uns durch Textbröckchen bei allem und fast jederzeit unterbrechen und genauso werfen auch wir fortwährend oder zumindest häufig mit Informations-, Gefühls- oder Gesprächshäppchen um uns.

Aber wenn man es so auf einem weiteren Bildschirm gespiegelt bekommt, fällt es auf einmal noch viel mehr auf, was man ohnehin schon lange ahnt, nämlich wie seltsam das manchmal ist. Um es noch nett auszudrücken. Weil es alles ständig unterbricht, weil es Abläufe, Szenen und Bilder aller Art überlagert, weil es letztlich kommunikative Ruckbewegungen sind und weil dabei kaum jemals ein sprachlicher Abschluss erreicht wird. Weil wir uns diesen Kurztexten immer nur kurz widmen, gerade so, als sei das die Bedingung für den Gebrauch, was natürlich Unfug ist. Weil es oft dem eigentlichen Handlungsstrang schadet. Und weil es, wenn es nur häufig genug eingesetzt wird, also so häufig wie in der Wirklichkeit vielleicht, auch erheblich nerven kann. Etwa wenn es nicht gerade um den Austausch mit geschätzten, gewollten und zu diesem Spiel ausdrücklich eingeladenen Menschen geht. Man kennt es immerhin auch von MS Teams im Büro, zumindest die mit den Corporate-Jobs kennen das.

Dabei war doch das klingelnde Telefon, schon gar in der mobilen Variante, als potenziell jederzeit drohende Unterbrechung bei allem schon schlimm genug. Könnte man meinen.

Das fand ich jedenfalls interessant, mir das auf diese Art wie von außen anzusehen. Etwas unangenehm erhellend kam es mir vor.

So weit jedenfalls, wie ich es eben mitbekommen habe, während ich nebenbei … na, egal.

Eine mechanische Schreibmaschine, daneben eine Postkarte mit einem Bild von Anders Zorn

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