Frieren und verdampfen

Das Sommergefühl am entspannten Sonntagmorgen, welches man Mitte Juni doch halbwegs sicher erwarten kann, es wird erzeugt durch den Biss in einen überreifen Pfirsich. Keineswegs aber ist das Wetter an diesem Gefühl beteiligt, das spielt weiterhin einfach nicht mit.

Fruchtsaftsabbernd stehe ich vorgebeugt über der Spüle, wie es anders bei diesem Obst auch kaum denkbar ist. Aber immerhin diese Junijuli-Süße auf der Zunge, denke ich. Immerhin die entsprechenden Assoziationen im Kopf und all die Erinnerungen an den früher so sicher erscheinenden Zusammenhang zwischen Sommerfrüchten und Wärme. Man bastelt es sich im Geiste wieder alles einigermaßen zurecht. So wie man es kannte, soll es sich anfühlen, so wie es vermeintlich gehört.

Dabei ist mir weiterhin entschieden pulloverig zumute. Unter meinen nackten Füßen ist das Laminat in der Küche heute auch nicht warm genug.

Und der Regen, er läuft an diesem Morgen wieder in wirren Spuren und sich unentwegt eilig erneuernd über die Scheiben der Dachfenster. Dahinter, nur verschwommen zu erkennen, der alte Kirchturm. Wabernd beult er sich aus, durch die Tropfen betrachtet.

Und der Regen, er regnet jeglichen Tag.

Später am Tag dann doch entschlossen einmal rausgehen, der Mensch braucht Bewegung. Und da kommt die Sonne tatsächlich ebenfalls raus, noch während ich den ersten Schritt vor die Tür mache, genau gleichzeitig treten wir beide hervor.

Dann braucht es nur noch wenige Minuten und einige Schritte in der ungewohnt gleißenden Helligkeit bei rapide steigenden Temperaturen, und ich verdampfe schier in meinen vermeintlich so klug gewählten, regentauglichen Klamotten. Es geht etwas hin und her hier, in diesem Junapril.

Aber egal. Anderswo sterben die Menschen gerade an Hitze und in zwei Wochen steht die 30-Grad-Marke auch hier schon drohend im Wetterbericht, ich will mich lieber nicht beschweren.

Ich schreibe nur mit.

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Auf den Straßen sehe ich später alles voller Menschen in Orange. Holland spielt in dieser Stadt und das halbe Land scheint dafür angereist zu sein. Die EM ist auch für eher Desinteressierte beim besten Willen nicht zu übersehen. Und zwar spielen die Holländer gegen Polen, aus diesem Land laufen aber weniger Fans herum, obwohl es auch nicht weit weg ist. Diese Fans dann durchweg in rotweißer Kleidung.

Einige aus den beiden Ländern tragen auch Perücken, Kostüme etc., mehr oder weniger lustig, alles orangefarben oder rotweiß. Vieles aus Plastik ist dabei, billig glänzendes Partyzubehör. Und außerdem ist noch Opferfest, da tragen besonders die Gläubigen aus afrikanischen Ländern prächtige, bunte Festkleidung, vieles in ebenfalls glänzendem Blau, vermutlich eher nicht so billig, und das mischt sich dann auf sonderbare Weise in der Menge mit den bunten Fußballkostümen.

Da geht einiges thematisch wild durcheinander, ergibt aber im Mix ein ungemein farbenfrohes, hier äußerst ungewohntes Bild in den Fußgängerzonen und unten am Hafen, wo ich herumspaziere, eine geradezu karnevalistische Anmutung in der Stadt, mit etlichen sonderbar gut gelaunten Menschen.

Immerhin aber ohne Bützchen, alles hat Grenzen.

Über diesem Szenario stehen mehrere Hubschrauber wie angepinnt am Himmel über der Stadtmitte, knatternd begleiten sie uns über Stunden durch den Tag. Das unvermeidliche Hintergrundgeräusch der sommerlichen Großereignisse, wie auch die fast konstanten Polizeisirenen um den Bahnhof herum. Als würden sie da immer im Kreis um das Riesengebäude fahren, Stoßstange an Stoßstange.

Wie man in den Nachrichten lesen kann, gab es auch Grund für die Betriebsamkeit der Polizei. Nicht alles ist lustig und bunt an diesem Wochenende.

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Noch später und wieder zwischen zwei Schauern, hop heisa bei Regen und Wind, kurz in den Garten gefahren und dort die erste nasse Kirsche direkt vom Baum gegessen. Immer ein Höhepunkt des Schreberinnenjahres. Allerdings sind die Kirschen damit deutlich vor den Stachelbeeren reif, die nicht recht vorankommen wollen in dieser merkwürdigen Saison, und das verwirrt mich schon wieder. War das denn jemals so? Oder geht wirklich alles durcheinander?

Man müsste auch das akribisch nachlesen, um es besser zu verstehen, aber ich komme dann davon ab.

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Vanessa war hier um die Ecke und hat jemanden erfolgreich angefeuert. Mir kommt dieser letzte Platz, von dem sie berichtet, ehrenwert und respektabel vor.

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Nils Minkmar schreibt wenig erbaulich über die Lage in Frankreich. Aber was kann man schon noch erwarten. Und was kann man uns allen noch wünschen, außer vielleicht bonne chance. Und viel ist das wahrlich nicht.

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Und dann steht man da und wundert sich

Bei meiner Mutter ging der hochbetagte Fernseher kaputt, ich bestellte ohne große Recherche einen neuen. Ich habe mich nicht erst lange informiert, denn ich verstehe von Fernsehern überhaupt nichts und sie interessieren mich auch nicht. Selbst sehe ich nicht fern und hatte keine Zeit und auch keine Lust, mich da erst mühsam einzuarbeiten. Ich wollte nicht vergleichend Spezifikationen nachlesen, bei denen ich nicht einmal die Messgröße und die Sollwerte kenne.

Ich wusste nur, wie groß das Gerät sein sollte. Der Rest, so dachte und hoffte ich, würde dann schon irgendwie funktionieren, wenn ich einfach das Nächstbeste nehme. Sie werden doch wohl alle können, was sie sollen, diese Fernseher heutzutage. Es ging immerhin nicht um „smart“ und tausend Apps und zuschaltbare Streamingdienste, es ging nur um simples Kabelfernsehen. Die Standardlösung, wie früher. Und es war eilig, der Fernseher wurde dringend gebraucht, denn das Gerät muss, wie bei vielen älteren Menschen, oft laufen. Vermutlich würde es mir ohne Internet auch so gehen, ich will das nicht bewerten.

Und es war dann so: Der neue Fernseher war erstaunlich günstig, ich hatte mit einem viel höheren Preis gerechnet. Ich lag vollkommen falsch in meiner Erwartung. Er wurde schon am Tag nach der Bestellung geliefert, pünktlich und freundlich. Ich bin zu meiner Mutter gegangen, habe ihn ausgepackt, den Fuß an den Bildschirm geschraubt, alles aufgebaut, eingestöpselt und eingeschaltet. Ich habe das Gerät in etwa zehn Minuten fertig eingerichtet. Das Menü war verständlich, und dann lief auch schon alles. Es lagen sogar passende Batterien für die Fernsteuerung in der Sendung, und die tat dann auch, was sie sollte.

Meine Mutter und ich standen etwas verblüfft vor dem neuen Bildschirm, auf dem irgendwas im Nachmittagsprogramm lief. Bestes Bild, bester Ton.

Wir hatten das nicht erwartet. Das ist das Interessante daran, finde ich. Wir rechneten beide nicht mit einem gut laufenden Vorgang, mit Reibungslosigkeit und Einfachheit, und zwar rechneten wir nicht im Entferntesten damit. Nicht bei der Bestellung, auch nicht bei der Lieferung, schon gar nicht bei der Inbetriebnahme. Und da kann man einmal sehen, dachte ich, wie selten so etwas geworden ist.

Es ist aber selbstverständlich schwer zu messen, ob und in welchem Ausmaß man da richtig liegt. Ob es mittlerweile ernsthaft und statistisch greifbar weniger gut laufende Prozesse und Dinge gibt als in irgendeinem schwer abzugrenzenden Früher, oder ob es doch eher eine Stimmungs- oder sogar Alterssache ist, ein Wahrnehmungsproblem. Ein vielleicht längst kollektiv gewordener Shift ins Pessimistische und Skeptische, der uns das alles so empfinden und immer wieder erwarten lässt. Mit einem nicht eben geringen Anteil von Self-Fulfilling-Prophecy. Man kann es kaum sachlich richtig auszählen.

Vor allem hätte man schon früher alles zählen müssen, um korrekt vergleichen zu können. Man hätte stets das mitzählen müssen, was gut war und uns nicht gestört hat, was vollkommen glatt lief. Und das macht niemand. Noch einmal das passende Knef-Zitat, ich hatte es neulich schon: „Dass es gut war, wie es war, das weiß man hinterher, dass es schlecht ist, wie es ist, das weiß man gleich.“ (Aus dem Lied „17 Millimeter fehlten mir zum Glück“, hier bei Youtube, auch so ein Lieblingslied)

Man kommt da also nicht recht zum Schluss. Man verbleibt bei einem Verdacht und einem merkwürdig sicheren Gefühl, dass es insgesamt eher abwärts geht. Quasi mit allem. Mit uns, mit dem Land, mit der Gesellschaft.

Und man stellt nur nebenbei fest: Ab und zu läuft doch etwas gut. Und dann steht man da und wundert sich.

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Möwen, Kirschen, Juni

Ich habe noch nie gesehen, dass Möwen Kirschen essen, aber heute wird es mir vorgeführt, ich sehe es vom Balkon aus. Eine Möwenbande fällt ein, fünf oder sechs Vögel sind es. Sie umkreisen gierig den alten Kirschbaum nebenan, dessen Früchte unter der in Hamburg rar gewordenen Sonne gerade erst etwas Röte gewonnen haben. Sie greifen ungeschickt schnappend im Vorbeiflug zu, und man sieht, dass sie dabei keine hohe Erfolgsquote haben können. Geschicklichkeit sieht anders aus.

Sie setzen sich auch auf für sie viel zu dünne Zweige und verrenken sich dann den Hals vom wild wippenden Ansitz aus, mit dem aufgerissenem Schnabel vor den tanzenden Früchten herumfuchtelnd. Sie versuchen, wie die Stare vorzugehen. Und man sieht sofort, das ist nicht ihr Metier, davon haben sie keine Ahnung. Sie machen da bei etwas mit, für das sie nicht geschaffen sind, und sie scheitern mit großer Selbstverständlichkeit daran. Auch bei Möwen hin und wieder etwas mitfühlen.

Ich lese im Internet nach, ob Möwen häufiger versuchen, Obstbäume zu plündern. Und ja, das ist tatsächlich der Fall. Es ist mir bisher nur nie begegnet.

Für ein seltsames Sommerbild reicht mir dieser Moment jedenfalls. Sechs Möwen vor verlässlich grauem Himmel rauben unbeholfen flatternd unter gellendem Überfallgeschrei blassrote Kirschen aus Nachbars Garten. Das ist hier gerade der Juni, und auch bei diesem Bild wiederholen wir spontan ein Lied, ein Lieblingslied.

Natürlich tun wir das. Und wir trinken bei der Gelegenheit vielleicht auch am Abend ein Glas auf Herrn Koppruch und andere Abwesende. „2024 und er fehlt einfach“, steht auf Youtube in den Kommentaren zum Song. Jo.

Im Bild allerdings sind heute nicht die Kirschen in Nachbars Garten. das sind die vom eigenen Baum. So ist gerade der Stand bei uns.

Eine Handvoll roter Kirschen an einem Zweig, im Hintergrund Beete

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Im öffentlichen Bücherschrank steht neben Ibsens Dramen und einigen Werken von Steinbeck und Danella, die Mischung dort ist natürlich immer wild und besonders bunt, Georg Stefan Trollers „Personenbeschreibung – Tagebuch mit Menschen“. Eine angenehme Lektüre, selbst wenn man abends vor Müdigkeit nur noch zwei, drei Seiten schafft. Kurze und sehr kurze Texte über seine beruflichen Begegnungen mit bekannten und schon nicht mehr so bekannten Personen in Paris und drumherum, immer interessant.

Herr Troller ist, wenn ich es richtig sehe, sagenhafte 103 Jahre alt, sein letztes Buch ist nicht lange her. Auch mal solche Vorbilder zur Kenntnis nehmen.

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Ausklänge und Abgesänge

Die Kaltmamsell zitiert hier aus Ulrike Draesners „Die Verwandelten“, und die Zitate gefielen mir. Also gleich mehr nachgelesen – bei Perlentaucher –das Buch dann auch vorgemerkt.

Weiter unten bei der Kaltmamsell im Text der verlinkte Artikel zur nicht mehr existenten Welt der Kindheit, der ist auch beachtenswert. Und es gibt da schon wieder einen Bezug zu den Filmen aus den 70ern, die ich mir gerade reihenweise abends ansehe. Einige der Änderungen, die im Text angesprochen werden, sieht man dort in den Stadt- und Straßenbildern. Deutlich sieht man sie, etwa die reine Anzahl der Autos, ihre veränderte Größe auch. Und wie man die sieht. In „Blutige Hochzeit“ von Chabrol, 1973, wird eine Kleinstadt gezeigt, in der es kaum Verkehr gibt, in der ein nächtlich fahrendes Auto noch auffällt. Das wird schon damals nicht mehr so gestimmt haben, aber es war auch keine Satire, es war noch vorstellbar.

Wenn Sie in einer großen Stadt wohnen, recherchieren Sie doch auch einmal, wie viele nach Ihnen noch dorthin gezogen sind, das lohnt sich vermutlich. Schon weil man dann schlicht und beruhigend merkt, dass man Recht hat. Es hat sich wirklich, wirklich alles enorm verändert und ja, da laufen tatsächlich viel mehr Menschen herum als damals. So viel mehr.

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Aus der Schule erreichten uns in dieser Woche schon die ersten Mails, die auf das Ende des Schuljahres hinweisen, auf den Ferienbeginn in einigen Wochen. Sommermeldungen also, Terminhinweise, Abschiedsfeste und -aktionen auch, Ausklänge und Abgesänge.

Sohn I erlebt eine grundlegende Systemänderung und erreicht die Oberstufe. Da endet ein großer Abschnitt seiner Jugend, die Zeit in einer Klasse ist vorbei.

In einem Absatz der Mail wird dann noch nach den Schwimmabzeichen der Schülerinnen und Schüler gefragt. Schwimmabzeichen! Gefühlt haben unsere Söhne ihre Schwimmabzeichen vor etwa zwanzig Jahren gemacht, und so alt sind sie noch gar nicht. Erstaunlich.

Die Lehrerinnen schreiben jedenfalls diese vollkommen erwartbaren Mails und setzen damit Marker für Jahreszeitenwechsel, für Phasen und unterliegende Rhythmen in der Zeit. Mir fällt es besonders auf, weil ich das beruflich auch mache. Eine Mail schreiben und damit das Halbjahr beenden, das Quartal, das Jahr. Das sind feste Rituale, seit Jahrzehnten mache ich das schon, und manche Kolleginnen werden bei meinen Mails sicher das denken, was ich bei diesen Lehrerinnenmails denke: Ach guck, ist das auch schon wieder vorbei.

Ein Blick zum Kalender vielleicht, wenn es noch einen an der Wand gibt, ein kurzes Kopfschütteln. Dann weitermachen.

Blick von der Kennedybrücke auf die Außenalster unter blaugrau verhangenem Himmel. Einige Segelboote, im Hintergrund die Mundsburghochhäuser.

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Sehr grobe See

Satzbruchstücke, die ich am Tag nach der Wahl im Vorübergehen auf der Straße gehört habe, beide in einer Stunde:

„Hier, Olaf Scholz, der ist doch in der CDU …“

„Die Wagenknecht war doch bis neulich noch selbst in der AfD, und jetzt ist sie aber gegen die oder was.“

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In den Timelines werden dieser Tage vermehrt Heizungen erwähnt, man denkt an sie, man macht sie an, man zieht es zumindest in Erwägung. 12 Grad, nachts noch weniger, dazu der Regen. Und Wind bis Beaufort 7 aus Nordwest, in der Definition dieser Stärke ist von „sehr grober See“ die Rede. Da kommt man hier und da in Versuchung, die ersten geben also nach. Die Stimmung ist allgemein spätoktobrig.

Auf dem Wochenmarkt in Hammerbrook stehen die Verkäuferinnen frierend hinter dem sommerlichen Obst, und in den S-Bahnen sehe ich wieder Menschen in dicken Winterjacken. Man hat sie doch noch einmal herausgekramt, das morgendliche Fluchen vor den Schränken kann ich mir vorstellen. Auch Schals und Mützen sind im Einsatz, und passend zu diesem Bild in der Bahn lese und höre ich wieder vermehrt von Corona-Infektionsmeldungen, dummerweise auch im näheren Umfeld.

Wie auch immer, wir nennen es postpandemisch und haben noch Tests auf Lager, natürlich haben wir das.

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Ein Update zur politischen Lage aus Frankreich, wo es bekanntlich auch nicht gerade gut aussieht, wo es um den Sommer auch nicht gut steht. Überall ist es besser, wo wir nicht sind, das lässt sich nicht mehr so gut zitieren, als Einwohnerin einer Großstadt ohne schwarzbraune Mehrheit hat man heutzutage schon Glück. Vorsicht bei der Wohnortwahl.

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In den letzten Tagen gehört: Eine Folge Radiowissen über Fontane, eine über Lou Andreas-Salomé. Eine über Maxie Wander, die ich auch mal lesen muss, was ist das denn wieder für eine Bildungslücke.

Und dann eine, auch einmal etwas abwegige Themen mit reinnehmen, über Hedwig Courths-Mahler. Die hätte ich historisch glatt falsch eingeordnet, geradezu peinlich, viel zu früh. Ich wusste nicht, dass sie das Dritte Reich erlebt hat. Sie starb, so höre ich in der Sendung, 1950 in ihrem Lesesessel, ein aufgeschlagenes Buch auf dem Schoß. Freundliche Abgänge ebenfalls zur Kenntnis nehmen.

Und abschließend noch eine Folge über Konsalik. Wobei ich diese Folge am dringendsten empfehlen möchte, und zwar aus aktuellen Gründen. Denn es geht darin auch und viel um die Rechtsaußentendenzen in der alten Bundesrepublik.

Die kann man sich gerne wieder bewusst machen, wenn man von den so neu wirkenden Nazis unserer Tage spricht. Ich halte das für wichtig. Immer auch die geschichtlichen Konstanten beachten, und keineswegs nur aktuelle Wahlergebnisse oder einzelne Bundesländer, in welcher Himmelsrichtung auch immer.

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Abkühlen, aufheizen

Was vollkommen erwartbar war: Hamburg räumt für die EM auf. Es geht wieder einmal gegen die Obdachlosen und es geht um das Wegerecht, wer darf eigentlich wo sein. Die Frage ist fundamentaler, als man vielleicht zunächst annehmen möchte.

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Links für Menschen mit Interesse an Mode hat Kid37 in seiner neuen Sammlung.

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Wir nehmen Abschied von Madame Hardy, merci pour les chansons. Hier ein Nachruf im Guardian. Auf Youtube gibt es viel von ihr, und es ist eine ebenso empfehlenswerte wie schöne Beschäftigung, sich da durchzusehen und zu hören. Wieder einmal und völlig enthemmt bis zum Hals in Nostalgie badend.

Lebensbegleitende Musik war das, ist das auch weiterhin, und in den Kommentaren unter den Songs kann man nun lernen, was man im Nachbarland im Todesfall schreibt. Repose en paix. Ich wähle ein Video, das zu der Zeit passt, aus der ich gerade etliche französische Spielfilme ansehe.


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In loser Fortsetzung der Gedanken von gestern: Es ist schon seit mehr als einer Woche deutlich kühler in dieser Stadt. Es regnet auch reichlich. Es geht nicht eben sommerlich zu da draußen, das könnte auch März oder später Oktober sein. Und es wird so schnell auch nicht wieder sonniger, sieht man in den Wetterberichten, und längst hört man hier und da entsprechende Beschwerden im Smalltalk.

In der Außengastro sitzen nur noch wenige Gäste, teils bis zum Kinn in Decken gewickelt, sich unter quertreibendem Regen wegduckend. Es sind wie immer die, die sich an ihre Zigaretten und Heißgetränke klammern. Die anderen sitzen jetzt drinnen, wo es warm und trocken ist, wo auch der Wind nicht hinkommt. Dieser ewige Wind, von dem es mir so vorkommt, als sei er nennenswert präsenter in der Stadt als in anderen Jahren. Jeden Tag diese Böen. Jeden Tag immer wieder auffrischend, seit Wochen schon, auch an den warmen Tagen, das war doch sonst nicht so.

Aber seiner Erinnerung kann man auch nur noch partiell trauen, wenn es um Wetter und Klima geht. Draußen auf Trischen hat das Wetter währenddessen tragische Folgen.

Mir ist das bescheidene Wetter eher recht, denn unsere Wohnung unter dem elenden Metalldach war schon Ende Mai wieder zu stark aufgeheizt. Die ersten Nächte wurden mir bereits zu anstrengend. Auch diese saisonale Wahrnehmung war deutlich früher als sonst im Jahr, wie alles in diesem Sommer.

Die Bauweise unseres Hauses aus den Achtzigern wurde am Beispiel eines ähnlichen Gebäudes neulich von einer Architektin mir gegenüber als „Hartes Camping“ bezeichnet. Das wollte ich eben berichten, denn ich mochte den Ausdruck sofort. Hartes Camping, da hört man gleich, wie gut das hier isoliert ist. Man hat umgehend eine überaus einleuchtende Vorstellung von der Energiebilanz und also von der Sanierungsbedürftigkeit des Hauses. Und man weiß noch genauer, was man von der Architektur der 80er zu halten hat, die auch vom Design her nicht eben würdevoll in die Jahre kommt, wie wir alle um uns herum sehen.

Vermutlich trauert niemand um abgerissene Häuser aus diesem Jahrzehnt, wenn nicht gerade besondere persönliche Verklärungen aufgrund darin erlebter Geschichten vorliegen. Diese Gebäude können weg und hinterlassen in aller Regel keine Lücken, die irgendwem besonders wehtun. In Hammerbrook etwa werden de Bürohäuser aus dieser Zeit, und es sind viele dort, geradezu routinemäßig abgerissen, wenn langjährige Vermietungen enden. Und es interessiert niemanden. Da stehen keine Menschen mit Wehmut im Blick an den Bauzäunen und denken zurück.

Nein, man sieht kaum hin. Man hat da keine Gedanken in der Richtung von: „Das Stadtbild, das arme Stadtbild!“ Denkmalschutz eh kein Thema.

Wenn die Anzahl der Hitzetage im Sommer jedenfalls weiter zunimmt, und vermutlich wird sie das tun, auch wenn es gerade noch so frisch ist, wenn die Durchschnittstemperatur weiter stetig steigt, und vermutlich wird sie das tun, wird das Wohnen in diesem Haus für mich schwieriger. Denn mit fortschreitendem Alter kann der Mensch Hitze nicht besser ab und ich merke dummerweise etwas deutlicher als andere, dass ich Wärme mit jedem Jahr schlechter vertrage. Problem.

So werden die Themen, die in den Nachrichten statistisch aufbereitet werden, auch abseits der aktuellen Unwettergebiete wieder zu einer persönlichen Angelegenheit und finden auf dem eigenen Sofa statt, auf dem man an einem Nachmittag im Sommer alles von sich wirft und vergeblich Kühlung sucht.

Die Stadt Hamburg veröffentlichte, ich sah es dieser Tage, eine neue Karte mit „Kühlen Orten“. Es werden auch wieder die üblichen Verhaltensempfehlungen für Hitzetage gepostet. Man wird in den nächsten Jahren sicher mehr davon sehen, in allen Städten.

Und wer weiß, vielleicht steht irgendwann unter einem der Texte hier, aus welcher angenehm temperierten U-Bahnstation ich ihn gesendet habe. Empfohlen wird von der Stadt die Station am Jungfernstieg, aber die in der Hafencity sind noch kühler, meine ich zu wissen.

Vielleicht noch einmal vergleichen. Man will kein Prepper sein, aber doch irgendwie vorbereitet.

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Bananen wachsen wie Unkraut

Die Kaltmamsell hat wahlgeholfen, hier ihr Bericht. In dern Kommentaren dort auch Erklärungen zur Frage, warum beim Wählen oft kein Ausweis vorgezeigt werden muss, darüber haben wir hier auch nachgedacht.

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Das Thema Klimawandel ist nennenswert zu groß für mich. Und vermutlich ist es das auch für Sie, für wen sollte es das nicht sein, es geht immerhin um alles. Ich werde mich hier weiter eher mit den kleinen Aspekten beschäftigen. Also etwa mit dem, was ich davon sehen und erleben kann, im Garten, in der Stadt, vor der Haustür. Auch vor meiner virtuellen Haustür, in den Blogs und in meinen Timelines und Newslettern.

Ich verstehe, aber das gehört hier gerade gar nicht in diesen Text, pardon, übrigens immer noch nicht, warum irgendwer Newsletter schreibt. Statt einfach zu bloggen. Ich kann es mir bis heute nicht sinnvoll deuten, bestreite energisch alle Notwendigkeiten, sehe keine Vorteile und nehme es allen Beteiligten tendenziell übel. Aber egal.

Wo war ich. Ab und zu auch das Thema Klimawandel noch medial unterfüttern, wenn ich auf Interessantes stoße, zu dem ich mir einen Bezug, eine Ableitung denken kann. Ab und zu doch etwas aus den großen Medien verlinken.

Obwohl ich es definitiv nicht schaffe, auch gar nicht mehr schaffen will, mir jeden Tag sämtliche Berichte zum großen Drama und zu neuen Erkenntnissen und Schrecken anzutun. All die apokalyptischen Analysen, so berechtig sie auch sein mögen, ich zweifele da nicht. Aber es hilft mir nicht mehr weiter, es nützt mir im Alltag nichts und ist meiner Stimmung nicht dienlich. Man muss trotz allem durch die Tage kommen. Ohne minütlich die Hände zu ringen, ohne Heulen und Zähneklappern, und es scheint mir eine immer größer werdende Aufgabe zu sein, die jeweils angemessene und aushaltbare Dosis an Wirklichkeit für sich zu definieren und zuzulassen. Einen Bezug zu den Wahlen am Sonntag kann man sich an dieser Stelle leicht ergänzend denken, die Gesamtsituation als einzige Zumutung.

Aber hier, das etwa fand ich gerade interessant, eine Radiosendung über den Anbau von Oliven und anderen Gewächsen, die man bisher südlicher verortet hat, in Österreich: „Die Bananen wachsen wie Unkraut.“ Der ökonomische Aspekt ist mir dabei egal, ist vielleicht nur ein weiteres Teilstück des allgemeinen Wahns, aber die bloße Tatsache, dass da Olivenbäume in der Landschaft herumstehen … da kann man doch gedanklich einen Moment verweilen.

Schrebergärtnerinnen und auch Menschen mit Vorgärten können dabei vermutlich aus dem Stand anlegen, was sie in den letzten Jahren oder mittlerweile Jahrzehnten schon alles Erstaunliches durch die milder werdenden Winter gebracht haben. Was bereits alles ging, was in einem variabel definierten Früher nie ging. Und was alles nicht mehr ging, etwa durch die Dürrejahre, durch den Starkregen, was da eben mehr zutraf, das natürlich auch.

Die kindlich neugierig wirkende Frage: „Was wächst denn da“, sie ist längst politisch, sie ist ein aktuelles Nachrichtenthema. Noch während ich diesen Text schreibe, ich sehe es beim wie immer allzu leicht abgelenkten Herumklicken, erscheint drüben bei der Tagesschau: Wie wird der Garten klimafest. So fügt es sich, und man denkt doch wieder mitten im Thementrend herum.

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Dennoch

Am Sonntag haben wir das erste Mal einen Sohn zum Wählen geweckt. Geschichte findet auch in Familien statt und ich begrüße das demokratische Teilnehmen ab 16.

Auch wenn ich es mehr als erstaunlich finde, wie leicht es die anderen Parteien den Rechten gemacht haben, bei denen (also bei den jungen Wählerinnen gesamt, nicht speziell bei meinen Söhnen) massiv Einfluss zu gewinnen. Ein mich immer noch verblüffender Umstand, wie unfassbar schlecht die Kommunikationsstrategien in meiner politischen Ausrichtung im weitesten Sinne sind. Wie durchweg unfähig die Beteiligten, wie hilflos und stümperhaft.

Das ist einer der Umstände, für die ich keine mir schlüssig vorkommende Erklärung finde. Warum ist das so? Was wirkt denn da? Ich hätte dafür gerne eine brauchbare Privattheorie, warum Rechte das offensichtlich besser können, ich habe sie nicht.

Direkt anschließen kann ich mein unentwegtes Staunen über die Zielsicherheit, mit der die Medien, mittlerweile fast sämtliche Medien, an ihrer Abschaffung oder zumindest an der Weiterführung in die Bedeutungs- und Niveaulosigkeit weiterarbeiten. Aber das haben andere nun ausreichend dargelegt und auch unterfüttert, immer wieder. Ich kann da nichts Originelles mehr anlegen und es ist auch egal. In den nächsten Wochen werden in den Talkshows noch mehr Nazis sitzen und sich noch gelassener ausbreiten, werden auf den Titelseiten noch mehr Fragen gestellt werden, die rechte Positionen schon ohne die Antwort stärken. Das damalige (2018 war es) „Oder soll man es lassen?“, manche werden sich noch daran erinnern, es wirkt fort und fort und gärt immer weiter.

Man kann das alles ohne Glaskugel zielsicher vorhersagen und es scheint kein probates Gegenmittel zu geben.

Zu den Ergebnissen der EU-Wahlen weiß ich ansonsten nichts Geistreiches zu sagen, mir ist auch nach den elenden Balkendiagrammen in den News noch zu schlecht, um mich damit länger zu befassen.

Dan Gardner schreibt gerade über moralischen Fortschritt:

Progress is possible: That’s a modest conclusion, in a sense, but also one of immense importance — particularly at a time when so many talk as if the elevator can only go down.”

Dein Wort im Gottes Ohr, möchte man zweifelnd drunter schreiben.

Wobei ich gerade abends reihenweise Filme aus den Siebzigern sehe, alte französische Filme, und wenn man die sieht und über die abgebildeten sozialen Probleme nachdenkt, an denen sich etwa Claude Chabrol damals Film um Film abgearbeitet hat, wird man Dan Gardner widerstrebend und zumindest teilweise Recht geben müssen. Trotz des aktuellen Rückschritts.

Aber meine Laune, ganz komisch, hebt das nicht. Dieser Rückschritt gerade ist mir einer zu viel.

Das haben geschichtlich gesehen vermutlich alle Betroffenen stets so gesehen. Quer durch die Jahrhunderte und bei sämtlichen Rückschritten, an denen die Historie nicht eben arm ist. Es gibt Phasen, da ist Optimismus etwas viel verlangt – vielleicht denkt es fast jede Generation irgendwann.

Und dann macht man eben dennoch weiter. Wie immer, wie alle vor uns. Man kann das nachlesen, so war es stets.

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Kurze Auftritte, Kreidekreise und Kreuze

Ich habe einen größeren Teil des Sonnabends damit verbracht, mir eine neue Playlist nur mit Soundtracks zusammenzustellen. Die Radiosendung über Truffaut neulich wirkt immer noch fort bei mir. Hauptsächlich Stücke aus französischen und italienischen Filmen der 50er, 60er und 70er habe ich da gesammelt, wenige Ausnahmen. Die Musik irgendwo zwischen Jazz und Swing, mit vereinzelten, dezenten Anklängen von Funk auch, dazu viel Cocktail-Lounge und Easy-Listening. Es ist Spaziergangsmusik, andere würden bei einigen Stücken sicher auch von Fahrstuhlmusik reden.

Die Spiegelungen in den großen Schaufenstern werden mit Filmmusikschnipseln manchmal ein wenig interessanter. Ach guck, diese Figur wieder, die kenne ich doch von zuhause. Hier spielt er jetzt also auch mit. Na, immerhin ein kurzer Auftritt, das haben andere Regisseure bekanntlich auch so gemacht. Und dann in genau zum Takt passender Geschwindigkeit aus dem Bild gehen, wenigstens seinen eigenen Abgang gut und stimmig finden. Self-Care für Anfänger.


Ansonsten habe ich noch Schlaf nachgeholt, auch tagsüber, und vergleichsweise hemmungslos. Es bestand weiterer Bedarf.

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Im kleinen Bahnhofsviertel war jemand fleißig und hat alle Stolpersteine, von denen es hier nicht eben wenige gibt, einige neue wurden auch gerade erst gesetzt, mit Kreide umkreist und in bunten Farben jeweils groß „FUCK AFD“ danebengeschrieben. Er oder sie wird damit eine Weile beschäftigt gewesen sein.

Gleichzeitig klebt ein anderer Mensch bedruckte Zettel an Stromkästen, auf denen Pamphlete gegen die „linke Ampeldiktatur“ stehen, die Schuld „an Mannheim“ hat. Und es wird auch weiter und täglich gegen Israel und auch gegen die Hamas geklebt und gesprüht und geschrieben und, wenn es denn genehmigt wird, auch demonstriert.

Die urbanen Meinungsäußerungen der öffentlichen Art werden hier gerade schärfer und öfter, direkt neben den Wahlplakaten, die allerdings durchweg vergleichsweise inhaltsarm daherkommen. Was vielleicht auch einiges erklärt, wenn man lange genug darüber nachdenkt.

Dann eine Demo am Hauptbahnhof, jemand schreit, brüllt und tobt in ein Megaphon, aggressiv, fordernd, aufrührend. Wir verstehen kein Wort. Es ist zwar laut, und der Wind trägt die Parolen bis zu unserem Haus und zur offenen Balkontür herein, aber die Satzfetzen kommen unklar und wie verwirbelt hier an. Ich bin nicht einmal sicher, welche Sprache das da ist, eventuell sind es auch mehrere. Nach einer friedlichen Veranstaltung, so viel steht fest, klingt es eher nicht.

Am Tag davor gab es noch einmal eine große Demo gegen Rechtsextremismus, bei der ich allerdings die Ankündigung verpasst habe. Wenn man nicht dauernd aufpasst! Alles Politische hier ist im Moment etwas anstrengend.

Zur Wahl zu gehen allerdings, das wiederum ist leicht. Elf Kreuze sind zu machen, denn in Hamburg sind auch Bezirksversammlungswahlen, und elf Kreuze, das kann man schaffen. Den Rest des Tages habe ich dann frei. Okay.

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Bloggen im Lebenskreis, Kaurismäki, Kafka, Goodman

Hier einige Links bei Ligneclair, ich mochte besonders den ersten.

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Die Kaltmamsell schreibt im unteren Teil des Textes über das Bloggen im Lebenskreis. Siehe in dem Zusammenhang aber auch hier, es passt gerade.

Zu den beiden Fragen, welche die Kaltmamsell in den letzten Sätzen ihres Textes aufwirft, möchte ich zweimal ein deutliches Ja schätzen. Dummerweise werden wir die Auflösung dann aber nicht oder kaum noch erleben, dieses Rechthaben werde ich also eher verpassen. Etwas schade ist es schon, denn ich habe ab und zu gerne mal Recht. Wie wir alle, nehme ich an.

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Gesehen (bei Filmfriend, aber auch anderweitig bei mehreren Streamingdiensten verfügbar):  Die andere Seite der Hoffnung, das ist Aki Kaurismäkis Film über die Geschichte eines Flüchtlings aus Syrien in Finnland, aus dem Jahr 2017. Hier ist die Wikipedia-Seite dazu, hier gibt es eine längere Rezension im Spiegel und hier noch eine im Tagesspiegel.

Ich fand den Film schwer auszuhalten, und zwar im besten Sinne. Er war mitnehmend und fordernd, ich hatte, wie nennt man das, geradezu seelische Mühe, mir das anzusehen. Ein beeindruckender Film, ich fand ihn auch bestens besetzt, eine Empfehlung von mir. Das wird dann allerdings kein besonders lustiger Filmabend, obwohl auch die aus früheren Filmen bekannten Kaurismäki-Elemente und die vertraute Optik darin selbstverständlich enthalten sind, sogar sehr gelungen sind

Der folgende Trailer hebt eher auf die witzigen Momente des Films ab, sie lockten sicher mehr Interessierte in die Kinos. Das wird der ganzen Länge allerdings nicht gerecht, finde ich. Für mich war es eine eher ernste Angelegenheit, keine Komödie.

Aber gut, vielleicht liegt es wieder nur an mir und an meiner Art der Wahrnehmung. Das muss man immer in Betracht ziehen, bei allem Kunstgenuss.


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Gehört: Eine Folge Radiowissen über das Schloss von Kafka. Sie ist auch dann noch hörenswert, wenn man schon einiges oder auch vieles über den Roman weiß. Für mich war Interessantes dabei und das Schloss ist definitiv mein Kafka-Text der Wahl.

Ebenfalls gehört: Diese Folge über Benny Goodman, den man auch einmal wieder in Ruhe hören könnte, für mehr Swing in der Stimmung. Da hatte ich doch vor Jahren einmal dieses fantastische Video mit Peggy Lee, dämmert mir soeben, was war es denn noch gleich – dieses hier. Wun-der-bar.

 

In den Kommentaren bei Youtube steht, Peggy Lee sei bei dieser Aufnahme erst 22 Jahre alt gewesen, man wundert sich dort über ihr souveränes Auftreten. Das ist oft schön bei Youtube, gerade bei alter Musik, dass man in den Kommentaren mit Fachwissen und Nerd-Ergänzungen aller Art zugeworfen wird. Ich lese das gerne nach.

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