Wendepunkte II

Ich denke immer noch auf den Wendepunkten im Leben herum, siehe mein Text von gestern dazu. Wenn man einmal anfängt!

Ein Anruf vor vielen Jahren, meine Mutter am Telefon. Ich hatte gerade mit Ach und Krach Abitur gemacht und hing etwas planlos im Leben herum, frisch angekommen in Hamburg. Sie fragte, ob ich ein paar Stunden im Büro aushelfen könne, es gebe da gerade Arbeit. Klar, sagte ich, denn Geld war in der Phase auch so ein Problem, wie bei fast allen jungen Menschen. Es wollte dummerweise nicht vom Himmel fallen, ebenso wenig wie die klugen Ideen für den Rest des Lebens. Ich war äußerst unschlüssig, was aus mir Tolles und Besonderes werden sollte.

Ich ließ mir also den Weg erklären und fuhr hin und fing an. Dreimaliges Umsteigen in fremder Großstadt ohne Mobiltelefon und Navigation, das waren damals noch Abenteuer, liebe Kinder. Viele von uns gingen bei so etwas verloren und tauchten nie wieder auf.

Das ist jedenfalls deutlich mehr als dreißig Jahre her und ich arbeite da immer noch. Ich könnte dieses Telefonat also recht treffend als Wendepunkt deklarieren, denke ich. Es kommt hin, wenn auch ohne jede Dramatik, man braucht keine Special-Effects, um das zu inszenieren.

Und allmählich habe ich übrigens das Gefühl, die Arbeit dort wird gar nicht weniger. Wieviel Zeit auch immer man damit zubringt. Das habe ich damals nicht unbedingt erwartet, ich dachte zunächst eher, ich arbeite da mal eben etwas ab, ein paar Wochen lang vielleicht. Es kam mir in den ersten Tagen damals ein wenig vor wie „Wir spielen Büro“, das weiß ich noch, und das ist übrigens ein Gefühl, das ich seltsamerweise nie ganz verloren habe. Ich merke es heute noch manchmal, wenn auch nicht mehr allzu oft.

Und an guten Tagen ist es sogar ein interessantes Spiel, heute wie damals. Aber auf Dauer zieht es sich doch etwas.

In einer Komödie könnte man jetzt ein zweites Telefonat mit meiner Mutter, die selbstverständlich schon seit Jahrzehnten in Rente ist, einbauen, in dem sie beiläufig nach meiner Arbeit fragt und dann etwas irritiert sagt, dass ich da ja auch allmählich mal aufhören könnte. Und ich sage okay, und ich mache das dann einfach. Nach wie vor unschlüssig, was den Rest des Lebens betrifft, aber immerhin mit etwas mehr Geld als damals.

Na, wie auch immer. In einem Drehbuch wäre das okay, in der Wirklichkeit wäre es deutlich problematischer.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel.

Wendepunkte

Gesehen: Die Wahrheit über Männer, ein dänischer Film über Liebe und Lebenshoffnungen, über Handlungsbögen und Wendepunkte in Geschichten und im wahren Leben. Die Hauptfigur schreibt Drehbücher und kennt sich mit Wendepunkten also gut aus, sie erklärt auch in den Dialogen etwas dazu. Wobei das wahre Leben in diesem Fall selbstverständlich auch eine Geschichte ist und man also weiterdenken müsste bis zum eigenen Leben, wenn man das noch tiefer ergründen möchte, und man könnte dann, wenn man schon dabei ist, auch überlegen, wieviel im eigenen Lebenslauf durch Wendepunkte und wieviel durch eher inkrementelle Veränderungen geprägt war, durch eher zögerlichen Wandel.

Oder welche Punkte man, wenn man ein Drehbuch über sich schreiben würde, szenisch überhöhen würde, damit die Story etwas mehr hergibt. Oder welche Wendepunkte zum Guten oder Schlechten man in näherer Zukunft für möglich oder sogar erwartbar halten könnte, und wenn man auf keine zum Guten kommt, warum eigentlich nicht, was hat man da wieder falsch gemacht.

Man kann es aber auch alles lassen und einfach nur einen Film sehen. Manchmal ist es schon entspannter, nicht dauernd herumzudenken, ich sehe es ja ein.

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Es gibt neue Pläne für den Hamburger Hautbahnhof, für den Umgang mit dem Elend dort, und sie beinhalten sogar soziale Aspekte. Sollte sich tatsächlich etwas verbessern – ich werde berichten. Das gilt allerdings auch für den Fall, dass sich nichts verändern wird.

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Ansonsten eher nichts. Es ist sehr Februar, meine Laune ist unterirdisch schlecht, ich finde alles schrecklich und unzumutbar. Ich könnte eine Woche durchgehend schlafen und weiß am Ende doch, es ist nur so ein kalendarisches Ding, ich muss mich da also keineswegs besonders ernst nehmen, und das ist immer ein beruhigender Gedanke, den übrigens deutlich mehr Menschen öfter haben sollten, aber das nur am Rande.

Vielleicht mache ich heute mal etwas Positives, etwas eindeutig der Zukunft Zugewandtes und kaufe mir schon einmal die ersten Radieschensamen, trotz Sturmwarnung und Dauerregen.

Wobei – man kann sich wirklich jeden Quatsch als Wendepunkt in einem Film oder einer Serienfolge vorstellen, sogar den beiläufigen Kauf von Saatgut, und es ist sogar ganz lustig, das eine Weile zu machen, mit Kameraperspektive, Schnitt und allem. Ab da wird es dann anders.

Man kann sich sogar, wie hieß es neulich in dieser einen Filmkritik, Musik als Soundtrack dazu vorstellen, die deutlich mehr weiß, als die Zuschauerinnen gerade. Ich klicke eben rüber zum Musikstreamingdienst, ich lasse irgendwas zufällig laufen: „Do somethin‘ good“ heißt der Titel. Chip Taylor.

Geht doch.

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Es gibt Eis, es gab Eis

Ín Schleswig-Holstein öffnen die Eisdielen, lese ich am Morgen in den Nachrichten, natürlich deutlich unterhalb all der Schlagzeilen zur gewohnten Schrecklichkeit der Welt. Wobei Eisdiele ein Wort ist, das seltsam aus der Zeit gefallen scheint. Wenn man es dreimal nacheinander laut aufsagt, fühlt man sich direkt in die Großelterngeneration versetzt, und die Kugel kostet wieder fünfzig Pfennig oder was damals der Preis gewesen sein mag.

In Österreich sagen sie Eissalon, sehe ich gerade. Das klingt für mich so, als müsse man dort etwas aufrechter sitzen und das Eis etwas vornehmer löffeln, an Lecken gar nicht zu denken. Das Wort Eisdiele wiederum hat nicht nur einen heimatlichen Klang, es kommt vielleicht sogar aus Hamburg, guck an.

Bei uns um die Ecke hat die Eisdiele schon seit Wochen auf, sie wirbt aber noch für Heißgetränke, auf Schildern vor der Tür und bei meist einstelligen Temperaturen. Der Februar ist dennoch extrem zu warm, schreiben die Wetterseiten, es wird ein Rekordmonat, und ein guter Rekord ist das nicht.

Ich lese nebenbei die Aufzeichnungen eines Helgoländer Arztes (Walter Kropatschek: Tage und Nächte auf Helgoland), im Februar 1940 berichtet er von Eisschollen, die an der Insel im Nebel vorbeitreiben.

Ich weiß nicht, ob ich es noch zur Ausstellung in der Kunsthalle nebenan schaffe, Caspar David Friedrich, da könnte ich mir auch ein Bild von Eis auf dem Meer ansehen, glaube ich. Einmal im Leben habe ich das an der Ostsee sogar selbst erlebt. Ein zugefrorenes Meer, Eis bis zum Horizont. Man konnte darauf herumlaufen und weit raus.

Meine Eltern und Großeltern haben das sicher noch öfter als ich erlebt, für meine Söhne ist es dagegen schon unvorstellbar. Bilder aus einem Märchenland.

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Gehört: Die Sonderfolge der „Lage der Nation“ zur Spaltung der Gesellschaft, das Interview mit dem Soziologen Steffen Mau, der zu diesem Thema forscht und ein Buch geschrieben hat (Triggerpunkte: Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft). Die Laune steigt beim Hören sicher nicht, aber man kann noch etwas lernen über die Methoden der populistischen Strategieteams.

Und ein paar kurze Sätze, die man konstruktiv verstehen kann, gibt es am Ende auch noch. Immerhin.

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Long Monday

Vorab ein Dank für wiederum zugesandte Tinte, ich werde nun mit dem Vorrat gewiss sicher durchs Jahr kommen. Sehr schön! Ich habe eine zugegeben etwas irrationale Freude an einem großen Vorrat von Notizbüchern, Füllern und Tinte, diese Gegenstände sichern mich seelisch ab. Also neben Geld und all dem anderen Krempel, den man so braucht.

Eine Nachbarin sagt zu der Herzdame, als sie uns im Treppenhaus trifft: „Du wirst immer schöner im Alter“, was mir in der Kunst des zwiespältigen Kompliments beachtlich weit fortgeschritten erscheint. Aber wir erkennen die gute Absicht und sind nicht verstimmt, versteht sich.

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Im Hauptbahnhof läuft mir ein junger Mann nach, holt mich ein, bleibt etwas atemlos vor mir stehen und sagt mit dem wenigen Deutsch, das ihm zur Verfügung steht: „Bruder!“ Denn auch ich sei, so erklärt er kurz darauf, sein Bruder, und er strahlt und rennt weiter und spricht weitere Menschen an, zwecks enthusiasmierter Familienerweiterung. Er hüpft ungeduldig, während er spricht, das machen die überbordende Freude oder die vermutlich eben gerade konsumierten Drogen.

Ich aber weiß nicht einmal, wie mein neuer Bruder heißt.

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Am Wochenende habe ich die erste Hälfte von Paterson gesehen (auf filmfriend, aber auch anderweitig verfügbar), das ist ein Film von Jim Jarmusch und ein Fest für alle, die handlungsarme Filme gut ertragen können, also für mich etwa, und auch für Menschen, die Lyrik etwas abgewinnen können. Denn diese entsteht im Film, während wir dabei zusehen.

Gehört: Der Tod und wir – Rebellion gegen die Endlichkeit, eine ältere Folge von Radiowissen. 23 Minuten mit Verweisen auf Religion, Philosophie und auch auf die Quantenphyik. Es war ganz passend an einem allzu grauen Tag mit fast novembrig anmutender Stimmung vor den Fenstern. Aber egal, der Februar ist nur noch anderthalb Wochen lang, dann mal wieder zu einem inneren Aufwärts durchringen, es der Natur nachmachen, im Rhythmus bleiben.

Und sonst?

Gonna be a long Monday

sittin’ all alone on a mountain by a river that has no end.

Gonna be a long Monday

stuck like the tick of a clock

that’s come unwound. Again.

(John Prine)

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Früher das Eisbein

Gestern waren wir auf einer Fachtagung mit psychologisch-pädagogischer Ausrichtung zu Sonderformen im Autismus-Spektrum. Darüber müsste nun eigentlich die Herzdame etwas schreiben, die da viel tiefer im Thema ist als ich, sie hatte es hier schon einmal erwähnt. Die Herzdame aber hat gerade keine Zeit, es ist überaus bedauerlich.

Es klang in mehreren Vorträgen und auch in Gesprächen am Rande durch, wie vollkommen desolat die Situation rund um die Diagnostik immer noch ist (dies gilt auch in den meisten anderen Ländern, soweit es mir bekannt ist), aber das wissen ohnehin alle, die sich mit Neurodivergenz auch nur von Ferne einmal beschäftigt haben. Und es gilt auch bei ADHS ähnlich, schon gar für Erwachsene.

Fünf Stunden inhaltsreiche Vorträge an einem Sonnabend jedenfalls, danach war ich durch. Es war tatsächlich sehr interessant, aber anspruchsvolles Programm am Wochenende finde ich doch einigermaßen herausfordernd. Dafür fehlt es mir etwas an Form.

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Dann ein ausgesprochen grauer Sonntag. Es ist wieder kühler geworden, selbstverständlich nieselt es auch pausenlos. Auf den Straßen fliegt noch nennenswert mehr Müll herum als sonst, auch durchnässte Altkleider, teils zerfetzt, sowie Lebensmittel, verstreutes Obst, zertretene Mandarinen und dergleichen, aus den Hauseingängen gezogene Isomatten von Obdachlosen, daneben leere und kaputte Flaschen, dazu wie immer all der Unrat, den die Möwen hier zuverlässig aus den Containern und Papierkörben zerren und nach eingehender Prüfung und Zerlegung an die Krähen, Tauben und Spatzen zur weiteren Verwertung durchreichen.

Die Stadt wirkt um den Bahnhof herum insgesamt heruntergekommen, man kann es kaum übersehen, dabei kam sie doch wieder nur auf den Februar. Es ist alles wie in jedem Jahr. Nie fehlt die so gnädig manches verbrämende Laubdekoration mehr als in diesem Monat.

Ich lese in Efraim, das ist ein weiterer Roman von Alfred Andersch, hier eine Rezension dazu. Die Hauptfigur isst in dem Kapitel, in dem ich bin, gerade ein Eisbein, das ist ein Gericht, an das ich schon lange nicht mehr gedacht habe, jahrelang nicht, es ist mir komplett entfallen. In meiner Kindheit war es regelmäßig auf dem Tisch und aus heutiger Sicht verstehe ich, wie schon das Eisbeinessen einen geschichtlichen Bezug hatte, denn die älteren Personen am Tisch, die den Hunger aus den Jahrzehnten vor meiner Geburt vermutlich kannten, aßen das schwabbelnde Fett am Fleisch mit, wir Kinder dagegen nicht, bloß nicht.

Im Weiterbildungsteil des Tages, der bei mir gerade projektbezogen wie von selbst anfällt, beschäftige ich mich mit Erich Lüth und weiß es zu schätzen, dass ich mit meinem Bibliotheksausweis auch das Munzinger-Archiv nutzen kann. Ich habe es bisher gar nicht vermisst, aber wenn man es schon im Angebot hat … Erich Lüth war einmal Hamburger Senatsdirektor und Leiter der staatlichen Pressestelle mit bemerkenswertem Lebenslauf. In der Wikipedia findet sich ein Absatz zum Lüth-Urteil des Bundesverfassungsgesetzes, eine interessante Sache. Ich komme hier im Moment an deutscher Geschichte wohl nirgendwo vorbei.

Hier noch mehr zu diesem Urteil. In den Details ist es wohl nur noch für den Freundeskreis Jura spannend, zu dem ich allerdings nicht gehöre.

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Was man wissen kann und will

Wenn man sein Medienmenü neu aussteuert, geschickter zusammensetzt und auch durch mehrere neue Quellen anreichert, ist man hinterher viel besser informiert und also noch schlechter gelaunt. Toll.

Ich probiere etwas herum. Ich sehe mir neue Newsletter und weitere Medien an, auch mehr aus dem Ausland, da ich mit den etablierten deutschen Zeitungen immer weniger einverstanden bin (aber dank eines freundlichen Hinweises auf Mastodon immerhin gerade verstanden habe, dass ich mit dieser Browsererweiterung und meinen Hamburger Bücherei-Zugangsdaten viel mehr und viel bequemer lesen kann, als ich dachte). Ich habe den Economist und die Krautreporter (die lohnen sich vielleicht schon wegen Gabriel Yoran) testabonniert, ich muss mir auch die Riffreporter noch genauer ansehen, und mir wird dann noch mehr einfallen.

Ich habe den Guardian doch nicht genommen und weiß unterm Strich alles noch nicht recht. Es ist aber auch wahrlich keine leichte Aufgabe und das Budget ist am Ende auch zeitlich und finanziell begrenzt.

Diese Frage, was man wissen will, was man wissen kann und was man meint, wissen zu müssen und warum eigentlich – sie ist jedenfalls verdammt kompliziert, wenn man erst einmal ernsthaft und auch länger darüber nachdenkt.

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Gesehen und gemocht: Mr. Morgans letzte Liebe (Netflix), eine ruhige, wiederum milde Angelegenheit in zeitschriftenschönen Wohnungen und gesellschaftlichen Regionen, in denen Geld angenehmerweise kaum eine Rolle spielt; man hat es eben. Und man hat dadurch dann auch mehr Zeit für die philosophischen Betrachtungen des eigenen Unglücks. In dem eben verlinkten Wikipedia-Text wird eine negative Rezension bei epd zitiert, dieser stimme ich zu und fand den Film dennoch sehenswert. Ambivalenz aushalten! (Ich habe eben den Unterschied zwischen Ambivalenz und Ambiguität in der Wikipedia nachgelesen und absolut nichts verstanden. Vermutlich weil Wochenende ist, da denkt man eben nicht so scharf, nicht wahr. An einem Montag hätte ich das alles souverän herleiten können, sicher doch.

Ich hätte Michael Caine und Clémence Poésy auch gerne längere Zeit beim stummen Herumsitzen auf einem Sofa zugesehen. Es gibt so Konstellationen, die reichen mir pur schon aus.

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Wie geht das zu, wie kann es sein

Im Rückblick waren die Vögel in den letzten Tagen noch gar nicht laut. Jetzt sind sie erst laut. Als hätte jemand am Regler gedreht, an diesem Morgen mit heimatlichen 12 Grad und freundlich leichtem Regen. Zaunkönig, Amsel, Rotkehlchen und Kohlmeise sind heute im Einsatz, und wie sie das sind. Ich stehe am Fenster und bin beeindruckt, wie in jedem Jahr.

Man müsste in den Garten, an so einem Tag, der Natur beim Aufwachen und Räkeln zusehen, aber es stehen mehrere Termine im Weg herum, an denen komme ich nicht vorbei.

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Gehört: Ein Zeitzeichen über den Hauptmann von Köpenick, in dem man auch dessen Original-Stimme hören kann. Die Geschichte, wie es mit dem Herrn Voigt nach der spektakulären Tat weiterging, die kannte ich bisher gar nicht.

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Abends sehe ich gerade eine Serie auf arte „Die Durrells auf Korfu“. Ich finde sie nicht einmal annähernd so gut, wie es in manchen Rezensionen beschrieben wurde, aber immerhin doch milde unterhaltend. Und es gibt so Phasen, da schafft man abends auch nicht mehr.

Außerdem sind in der dargestellten Familie alle komplett verrückt, das holt mich ab, wie man so sagt.

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Apropos Familie, neulich hatten die Herzdame und ich diesen Moment, der für Eltern etwas seltsam ist, wenn man ihn zum ersten Mal bemerkt, weil er vollkommen klischeehaft trotz langjähriger Berechenbarkeit total überraschend eintritt, dieser Moment nämlich, in dem uns zum ersten Mal bewusst, also voll und ganz bewusst wurde, dass Sohn I im nächsten Jahr volljährig wird. Wie geht das zu, wie kann es sein, wie isses denn bloß möglich. Und heißt es nicht auch, dass der andere Sohn dann im nächsten Jahr schon 16 wird – ich habe leise Zweifel an dieser Wirklichkeit, ich neige einer alternativen Wahrheit zu.

Aber gut, man wird sich fügen müssen. Wie immer.

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Außerdem ein Behördentermin, ein Elternabend. Und so verging meine Zeit, die auf Erden mir gegeben war, von wem war das noch – der olle Brecht.

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Valentinstag

Ich höre nach längerer Pause wieder ein Hörbuch, es ist der „Valentinstag“ von Richard Ford, Deutsch von Frank Heibert, hier die diversen Perlentaucher-Rezensionszusammenfassungen dazu. Es ist nur ein Zufall, dass der Titel zum gestrigen Datum passt. Oder mein Unterbewusstsein dreht wieder im Hintergrund an allem herum, das kann natürlich auch sein.

Ich glaube, der Roman gefällt mir nach der ersten Stunde sehr gut, ich kann aber vermutlich nicht präzise genug unterscheiden, ob es tatsächlich an der Geschichte oder doch am Sprecher liegt, der wiederum Christian Brückner ist, der mir auch die Geschäftsbedingungen von Facebook vorlesen könnte und ich würde das Zuhören vermutlich recht angenehm und entspannend finden.

Aber doch, der Roman hat einen leicht zynisch-resignierten Tonfall, der mir nicht unangenehm vorkommt, eher einladend und irgendwie auch altersgerecht. Glaube ich. Andererseits – klingt Christian Brückner nicht immer so?

Aber apropos Valentinstag. An diesem sehe ich wie in jedem Jahr vor den Blumenläden im Hauptbahnhof lange Schlangen am Nachmittag, die sicher längsten Schlangen des Jahres dort. Neu ist allerdings, dass in zumindest einer dieser Schlangen mehrheitlich Frauen stehen. Vielleicht ist es Zufall, vielleicht ändern sich die Zeiten und die Gebräuche, man kann es an nur einem Vorkommnis nicht ablesen.

Durch die Wandelhalle gehen etliche Menschen, die aufgeblasene Herzchenluftballons oder Blumen tragen. Teils noch in Papier zur späteren Übergabe, teils ausgepackt, so dass die Trägerinnen bereits beschenkt aussehen. Konsumrausch, Marketingfest, dies, das. Aber in der Innenstadt dann dieses eine Pärchen in der Fußgängerzone. Ein Mädchen, ein Junge, vierzehn etwa werden sie gewesen sein, kaum älter. Und sie hielt einen großen Rosenstrauß an ihr Herz, rote Blüten, teuer wird der gewesen sein, schon gar für die typischen finanziellen Verhältnisse bei Vierzehnjährigen, und er hielt einen Arm um sie und auch einen Schirm über sie, und sie sahen sich an beim Gehen und sie lächelten, wie sie lächelten. Geigen im Soundtrack und alles.

Ich kaufe keine Blumen, ich kaufe eh jede Woche Blumen. Das wäre bei uns tatsächlich etwas albern, wenn ich mich an diesem Tag da anstellen würde. Wir wollen nicht übertreiben, nicht wahr, die Tulpen im Wohnzimmer sind schließlich noch gut.

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Eingeplanter Übermut

In den Fenstern der Grundschule kleben noch Reihen bunter Pappschneemänner. Auch die sind im Vorbeigehen zu beachten, auch die gehören zum Kalender der Großstadt. Und ja, es ist offiziell noch Winter, okay. Die lachenden Osterhasen und auch die farbig ausgemalten Eier, Blümchen etc. müssen erst noch von den Schülerinnen gebastelt werden, werden die Schneemänner aber zuverlässig demnächst ablösen.

Vor einem Mittelklassehotel um die Ecke hängen noch trauliche Lichterketten in den drei Parade stehenden Nadelgehölzen vor der Tür, da wirkt der Dezember noch nach. „Im Treppenhaus riecht es noch nach Glühwein“, man könnte auch schon wieder Element of Crime hören.

Einer der Bäume auf dem Spielplatz aber hat, zumindest bei einem gewissen Licht und wenn man genau und auch etwas länger hinsieht, so einen hauchfeinen, zartgrünen Schleier ums Gezweig. Ein besonders wagemutiger Baum ist das, in jedem Jahr der Erste hier, allen anderen weit voraus, etliche Wochen Vorsprung knospt er heraus.

In Hamburg werden außerdem die ersten zurückkehrenden Störche gesichtet, lese ich beim NDR, draußen vermutlich, wo die Stadt ins Land und ins Süderelbische übergeht.

Bloggerinnen machen schon ausgedehnte Fahrradtouren, denn der neue Februar ist der März, wenn nicht sogar der April, Lars Fischer fasst hier übrigens die Klimalage kurz zusammen.

Passend dazu habe ich auf einmal meine Winterjacke satt. Schwer und runterziehend kommt sie mir nun vor, deprimierend geradezu. Wie unzumutbar ist es, so etwas jeden Tag zu tragen, ein schwarzes Gewicht auf den Schultern, ein Symbol für saisonale Verstimmungen. Wie schön muss es dagegen sein, nur mit einem Sakko rauszugehen, mit einem dicken Pullover vielleicht.

Gegen Ende der Woche werden 15 Grad erwartet, sagen die Wetter-Apps. Da dann mal übermütig werden, ich plane das ein.

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Im Bild frisches Grün, der Bedarf daran steigt.

Frühlingshaft wirkendes Kleingrün unter einem Zaun, Moos und Kräutchen

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Hinter dem Hauptbahnhof

Ich habe einen Radio-Essay von Roberto Simanowski gehört: Die Logik des Digitalen – Es zählt, was sich zählen lässt (28 Minuten, man kann den Text aber auch unter dem Link lesen, wenn das besser erscheint oder schneller geht). Er ist empfehlenswert für alle, die mit dem Digitalen etwas zu tun haben. Fühlen Sie sich also ruhig angesprochen, denn das haben Sie ja.

Und hinterher dann pflichtgemäß Billy Bragg hören: Not everything that counts can be counted. Manchmal müssen gewisse Songs einfach sein.

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Ich habe meinen Account bei Linkedin deaktiviert. Ich ertrage das Marketing-Geschwurbel dort einfach nicht, es ist mir geradezu körperlich unangenehm, warum soll ich mich damit herumquälen.

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Einige Herren sagten etwas dazu“ – ein neues Buch über die Autorinnen der Gruppe 47. Das mal vormerken.

Es gibt frische Links bei Kid37.

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Hinter dem Hauptbahnhof, wo die Stadt deutlich unschöner wird, zwischen dem ZOB, der Methadonausgabestelle, dem Museum für Kunst und Gewerbe, dem Duschbus für die Obdachlosen und der Zentralbücherei, wo schmucklose Brücken über die vielen Gleise führen, steht ein stark schwankender Mann am Straßenrand und pisst.

Er steht dabei nah an den vorbeifahrenden Autos, die durch tiefe Pfützen fahren, so dass das Wasser aufspritzt und ihm die Beine nässt, der Mann dreht sich daher etwas aus der Richtung. Er macht das allerdings, während er noch seine Blase entleert, und er dreht sich dabei dummerweise in den Wind, der hier ungehindert über breite Schneisen für Gleise und mehrspurige Straßen weht.

Er braucht eine Weile, bis er es bemerkt, denn er denkt nicht mehr allzu schnell, wie man sich aufgrund seines Schwankens leicht vorstellen kann, aber er steht nun in einer scharfen Brise und daher auch in seiner Uringischt, hellgelbe Tropfen wirbeln hoch auf und um ihn herum, und die wenigen Passanten in der Nähe schlagen ruckartig Haken, um dem Geschehen nicht zu nahe zu kommen. Angewiderte Blicke, lautes Schimpfen, Kopfschütteln, und der Mann steht da, bedröppelt und bepinkelt, und guckt leer.

Pardon. Es ist nur, was man hier so beobachtet, wenn man kurz um den Block geht. Quasi Chronistenpflicht.

Es geht diesen Menschen, also denen aus der Alkoholszene, darunter viele osteuropäische Männer, sehr schlecht, und es wird ihnen exakt gar nichts helfen, dass der Konsum von Alkohol auch um den Bahnhof herum bald verboten sein wird, ab April wohl. Symptombekämpfung ist das, keine systemische Lösung.

Zum Beispiel gibt es auch, um an den ersten Absatz zu diesem Thema kurz noch einmal anzuschließen, viel zu wenig kostenlose öffentliche Toiletten. Dabei besteht hier Bedarf an buchstäblich jeder Ecke und mehr davon würden tatsächlich ein Problem lösen, nicht verschieben.

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Im Tagesbild eine Ente mit Haltung.

Ein Sticker an einer Wand, darauf eine Ente im Disney-Stil, wie Donald, mit Sprechblase: "Stand against Racism" , darunter der Slogan "Enten gegen Nazis"

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