Die Kunst der Lebensführung
Mek schreibt über die Wahl zwischen Flugzeug und Bahn. Also über jene Wahl, die uns in diesem Land durch die Minderleistungen der Bahn dezent erschwert wird. Ich bin seit vielen Jahren nicht geflogen, kenne aber bezeichnenderweise außerhalb meiner Kernfamilie keinen einzigen anderen konsequenten Nichtflieger. Und muss natürlich dazu sagen, dass es mir nicht weiter schwerfällt, nicht zu fliegen, da ich in der Regel nirgendwohin will. Fast ein Selbstgänger.
Es gibt also sicher ökologisch wertvolles Benehmen, für das ich mir mehr Credits geben könnte. Aber da bin ich dann fast so blank wie fast alle. Obwohl – ich trage auch so gut wie nie zum Autoverkehr bei, nur etwa zweimal im Jahr. Das kann man vielleicht als bemühter gelten lassen.
Was noch. Mehr Menschen ernähren sich öfter vegetarisch, und sich vegetarisch ernährende Menschen verbrauchen mehr Nüsse – wie passend, dass die Anbaufläche für Walnüsse in Deutschland größer wird. Und wie faszinierend, dass im Text Walnussknackmaschinen und Walnusswaschmaschinen erwähnt werden. Denn es gibt dann ja Menschen, die so etwas beruflich vorantreiben, die also Walnussknackmaschinenentwicklerinnen sind, und gleich bin ich wieder etwas neidisch auf die Visitenkarte.
Das macht doch etwas her, so ein Beruf. Da komme ich mit dem gewöhnlichen Konzerndurchschnittstitel, der meinen Job benennt, einfach nicht mit.

Literatur und Lesen:
Bitte beachten Sie zum Thema Lyrik das bei der Kaltmamsell eingebundene Video von Dieter Hildebrandt in diesem Post von ihr. Ich wusste nicht, dass diese berühmten Herbstzeilen von ihm stammten.
Ein Kalenderblatt zum ersten Erscheinen von „Winnie-the-Pooh“ am 14. Oktober 1926.
Ein Interview beim WDR mit Sven Regener, es geht um seinen neuen Roman „Frankie und Freddy“. Um die Zeit, in der das Buch spielt, und auch um seine Ablehnung nostalgischer Verklärungen.
Sollten Sie das Buch übrigens lesen wollen – ich bin damit durch und war sehr zufrieden damit –, planen Sie es lieber noch vor Weihnachten ein. Denn es spielt einen Tag vor Heiligabend und vielleicht geht es Ihnen wie mir – ich finde Bücher, in denen Weihnachten eine größere Rolle spielt, nach Weihnachten nicht mehr so bekömmlich.
Durchgelesen habe ich nun auch den Leoparden von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, wobei ich feststellte: Eine der besten letzten Seiten, die ich je bei einem Roman gelesen habe. Der Roman lohnt sich schon, um dort anzukommen.
Heute kann ich also ein neues Hörbuch und auch ein neues gedrucktes Buch beginnen, ist es nicht aufregend? Freudige Erwartung ist zu milde ausgedrückt.
Eine faszinierende und kundige Vorlesung über den Roman „Lady Chatterley’s Lover“ von Markus Gasser auf seinem YouTube-Kanal. Auch und gerade dann empfehlenswert, wenn Sie meinen, über dieses Buch so ungefähr orientiert zu sein – Markus Gasser weiß vermutlich mehr. Und er erzählt es Ihnen hier:
Weitere Links zu Buchthemen drüben bei Ligne Claire.
Felix schreibt über das „Blog like nobody’s watching”-Meme. Man beachte bitte besonders die letzten Absätze; ich würde mich diesen Betrachtungen über den Begriff „niemand“ anschließen wollen.
Und würde für mich ergänzen wollen: Ich blogge so, als sei es eine Selbstverständlichkeit, als sei es etwas, „dass man eben macht“. Wie es bei allen Verhaltensweisen, „die man eben macht“, so ist: Manche besser zu einem, manche schlechter. Und das Bloggen, habe ich im Laufe der Jahre gemerkt, passt ganz gut zu mir. Die Frage aber, wer das liest, sie ist in meinem Empfinden im Vergleich dazu sekundär.

Politklimbim:
Eine sogar nachvollziehbare Kritik an der Wirkung der Branche, in der ich im Brotberuf tätig bin: „Das sonderbare Feedback der Demoskopie“. Aber im Grunde ist es auch eher eine Medienkritik.

Philosophie:
Eine kurze Sendung beim Deutschlandfunk über Foucault und die Foucault-Rezeption: „Ikone und Theoretiker der Macht“. Es geht auch um seine Wirkung in der Popkultur, bis hin zu den Foucault-Badelatschen.

Musik
Ein weiterer schöner Beruf ist übrigens auch „Radiolegende“. Dieser Begriff fällt verlässlich, wenn es um den Musikjournalisten Peter Urban vom NDR geht. Der sich jetzt endgültig in den Ruhestand verabschiedet hat, und zwar im Unfrieden. Aus Gründen, die für Menschen mit Interesse an Radio, Podcasts und/oder Medienrecht und dem Internet von heute von Interesse sein dürften.

Im Podcast „Interpretationssache“ geht es um Cover-Versionen von „Suzanne“ von Leonard Cohen. Da würde ich diesmal etwas anlegen wollen, etwa die eigenwillige Fassung von Gary McFarland, die mir nach mehrmaligem Hören gut gefällt:
Oder die italienische Variante von Fabrizio de André. Die musikalisch gesehen zwar konservativ ausfällt, aber doch interessant und auch angenehm ist, wegen seiner Stimme und der Sprache.
In meinem Bemühen um originelle Musikbeiträge heute außerdem zwei Songs von Dory Previn. Von der ich annehme, dass die meisten sie eher nicht kennen werden (hier der Wikipedia-Eintrag zu ihr). Besonders für die interessant, die intelligente Lyrics mögen.
„Brando“ ist ein Lied für und über Frauen, die ein Problem mit denjenigen Männern haben, die sich durch ein self-inflated Ego auszeichnen, durch Rücksichtslosigkeit, toxisches Verhalten, wie man heute sagt, etc.: Problembären also. Höchst schwierige Männer, an denen alle Frauen scheitern müssen.
Nur die eine, die würde es hinbekommen, sie weiß es doch einfach …
Und dann noch “Mary C. Brown and the Hollywood sign”.
Wie jemand dazu auf YouTube treffend kommentiert hat: „Looks like the first music video ever made”.
Beruhigendes ist auch wieder im Angebot. Schon ein Klassiker aus der Richtung des Weltjazz, oder wie immer man das korrekt benennt. Anouar Brahem aus Tunesien ist der Komponist: „The astounding eyes of Rita“..
Saisonal passend noch Jackson C. Frank mit “October”:
“And it’s already over in October
Already Christmas every year.
It’s always good to sing when you are sober
It’s always good to wipe away a tear.”
Playlist-Titel-Lyrics
Eine meiner Playlists hat durch zufällige Titelreihung wieder eine vernünftige Strophe ausgeworfen, man könnte glatt munter weitertexten:
„Bis zum bitteren Ende
Ist ja immer irgendwas
Bitte bleib
Lösch die Lampe aus.“
(Titel von: Die Toten Hosen, Stoppok, Charles Aznavour, Juliette Gréco)

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