Entscheidungsprobleme

Das weiße Album.

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Ich war heute auf dem Barcamp Hamburg, dummerweise ging es gleich in zwei Sessions um Entscheidungsfindung, was mich wieder daran erinnerte, dass ich dieses Thema prinzipiell interessant finde und ich immer noch den Kahneman nicht gelesen habe. Ich habe mich eben, haha, noch nicht zum Lesen entschieden. Das ist das Schlimme und das Gute an Barcamps, man kommt auf Ideen.

Falls Sie noch nie auf einem Barcamp waren, was ich stets empfehlen würde, da ist am Anfang immer die Sessionplanung, irgendwelche Menschen schlagen also im Plenum vor, irgendwas mit oder vor anderen zu machen. Je nach Barcamptradition fällt das sehr bunt aus, technik, IT- und wirtschaftslastige Themen stellen zwar eindeutig die Mehrheit, aber daneben geht viel. Und mittlerweile kenne ich das schon, ich denke zunächst: Oh mein Gott, das sind alles Experten und Topchecker mit Spezialthemen, die können alle irgendwas, nur ich, ich kann gar nichts. Ich bin nur ein großes gelbes Etwas mit Federn, um noch einmal an den depressiven Bibo zu erinnern. Nach einer Weile werden dann aber ein paar Themen vorgeschlagen, bei denen ich denke: Ach guck, das hättest du auch anbieten können. Vielleicht sogar mit speziellerem Dreh, vielleicht sogar mit mehr Erfahrung. Und das mündet dann schließlich in: Toll, ich möchte bitte von fast allem was mitbekommen.

Das halte ich für einen gesunden Effekt, denn Vielfalt und Diversifizierung findet immerhin auch im eigenen Kopf statt. Also im besten Fall. Und mindestens am Rande bekommt man auf einem Barcamp immer auch andere Firmenkulturen mit, andere Arbeitsstile und Umgangsformen, was für das eigene Erleben und den eigenen Alltag manchmal recht ernüchternd sein kann. Es gibt eben immer Firmen oder sogar ganze Branchen, die in irgendwas weiter sind. Normal.

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Ich habe gestern Sohn I unterstützt, der sozusagen im Home-Office war. Schule fand nämlich wegen der allgemeinen Lernentwicklungsgespräche nicht statt, die Kinder haben dafür reichlich Aufgaben mitbekommen und sollten sie sie zu Hause zu erledigen. Wir haben hauptsächlich Mathe gemacht, da geht es bei ihnen gerade um Mittelwerte, also um das arithemtische Mittel und seine Freunde. Allerdings nennen sie den Median da nicht Medien, sondern Zentralwert, das ist zwar inhaltlich nachvollziehbar, aber für mich schwierig, denn bei Zentral kann man ja auch auf Zentralfriedhof kommen und das dann erst einmal auf Youtube nachschlagen – ich kann so nicht arbeiten. Und was ist mit dem Modus? Der kommt erst noch. Den habe ich jetzt versehentlich zu früh erklärt. Schlimm. 

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Die Verkäuferinnen im Bioladen bezeichnete der Sohn beim Einkaufen spontan als Biotessen, das werde ich jetzt also unweigerlich auch immer denken, wenn ich da reingehe. Eine Bezeichnung für männliches Personal wurde noch nicht gefunden, weil gerade keines zu sehen war, und in der theoretischen Erörterung schien uns etwa das Wort Biozisten nicht passend, das klingt nämlich irgendwie kraftvoller und mächtiger als Biotessen, das ist also inhaltlich unpassend. So aber habe ich als Kind das bei der Polizei nicht gesehen, die Welt dreht sich weiter.

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Ich lese übrigens eventuell eine andere Sturmhöhe als Sie, jedenfalls wenn Sie das Buch vor -zig Jahren gelesen haben, ich lese nämlich die etwas spezielle und noch recht neue Übersetzung von Wolfgang Schlüter, die es wirklich in sich hat. Die Kraftausdrücke darin sind auch solche, und zwar solche, die wir nicht leicht mit unserer eventuell romantischen Vorstellung des 19. Jahrhunderts in Verbindung bringen können. Da steht also nicht “Oh, du niederträchtiges Weib!”, da steht eher etwas wie “Du gottverfickte Schlampe”, jetzt nur sinngemäß und als brauchbares Beispiel angeführt. Was der Herr Schlüter so gemacht hat, um das Krasse und Brutale des Textes so hervorzuheben, wie es auch damals auf das geschockte Publikum gewirkt haben muss. Wobei man auch abgesehen von der Wortwahl alle paar Seiten wieder staunend feststellen muss, was für ein hundsgemeines Buch das ist, das alle seine Hauptfiguren derart perfide behandelt und in den seelischen Ruin treibt. Was für eine Handlung, was für eine Gemeinheit! Und was für ein großartiges Buch, das natürlich auch.

Dass ein süddeutscher oder zumindest teilweise österreichischer Dialekt in der Übersetzung verwendet wurde, das finde ich allerdings auch schwierig, denn ich habe das immer eher norddeutsch assoziiert, Yorkshire ist ja da oben. Aber bei Dialekten in Übersetzungen kann man eh nichts richtig machen, schon klar, irgendwer treibt da als Leserin oder Leser immer assoziativ quer. Immerhin spricht nur die allerunsympathischste Figur ganz aufdringlich so, dass es grob nach Bayern klingt, das kennt man auch aus den Nachrichtensendungen, das ist geradezu seltsam vertraut.

Heathcliff beschließt gerade, in bösester Absicht die falsche Frau zu heiraten, die richtige Frau gerät dabei und deswegen in psychisch auffällige Zustände, um es dezent zu formulieren, das Verhängnis nimmt seinen Lauf und gleich weiß ich mehr.

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Musik!

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Funk, Flickr, Facebook

Um der Jahrsendzeitbeschleunigung auch musikalisch gerecht zu werden und mit deutlich mehr Kawumm in den Tag zu starten, höre ich jetzt morgens eine auf Spotify gefundenene Playlist “Funk – Instrumental”. Die klingt nach US-amerikanischem Großstadtleben und passt nicht unbedingt zu Hamburg im Novembernebel, aber gerade das ist ein sehr schicker Effekt, die Bilder, die man sieht, werden ganz anders betont. Bei der S-Bahnfahrt durch Hammerbrooklyn, wie Menschen aus der Werbebranche dieses absurd hässliche Viertel gerne nennen, passen sie sogar kurz mal zur Musik, für immerhin ein paar hundert Meter. Eigentlich müsste ich beim Hören eine Sonnenbrille tragen und etwas mehr grooven – aber ich will nicht übertreiben.< 

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Sturmhöhe: Cathy hat den Falschen geheiratet und Heathcliff taucht überraschend wieder auf, die Falsche verliebt sich ihn. Nicht viel geschafft, zu müde, es ist noch sehr viel Buch übrig, um der zunehmenden seelischen Verelendung nahezu aller vorkommenden Figuren ordentlich Raum und Tiefe zu geben. Es war eine hervorragende Wahl, das im November zu lesen. Nächstens soll es hier tatsächlich kälter werden, kalt wie nachts in Yorkshire im Winter. Und in diesem Zusammenhang erinnere ich aus Gründen der Saison und der Tradition an den Novembereintrag aus dem Jahr 2012. Passt schon.

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Ich werde mich um meine Bilder auf Flickr kümmern müssen, Flickr, wissen Sie noch, dieses Bilderdings, bei dem vor Urzeiten einmal alle waren. Tausend Bilder darf man da “nur noch” gratis haben, ich habe nachgesehen, ob ich diese Grenze überhaupt erreiche – ich habe da über fünftausend Bilder. Guck an. Dann muss ich die bis Februar mal woanders hinsortieren und den Account endgültig löschen, der wird nicht mehr gebraucht, ich bin überhaupt nie auf Flickr. Da habe ich also schon wieder eine Beschäftigung für die legendären langen Winterabende. Und wenn ich so zurückdenke – die Zeit, in der wir damals Flickr intensiv genutzt haben, in der wir da sogar über Kommentare und Likes kommuniziert haben, sie ist wirklich verdammt lange her. Hier das erste Bild, das ich auf Flickr gepostet habe, es zeigt mich (rechts) mit selbstgebautem Schneemann. 2005! Da hatten wir noch keine Kinder und mussten Schneemänner selbst bauen, Es war eine harte Zeit.

Buddenbohm mit Schneemann

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Apropos Account löschen, ich habe eine Weile nichts auf Facebook gepostet, weil ich Facebook eher furchtbar finde, aber es gibt wohl ein paar mehr LeserInnen, die das Blog hier ausschließlich über die FB-Postings verfolgen und deswegen irritiert waren, dann mache ich das also doch weiterhin. Immer serviceorientiert bleiben!

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Musik!

 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Im Sausetunnel

Bei der GLS Bank habe ich einen Wirtschaftsteil zu sozialen Themen zusammengestellt.

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Auf der Sturmhöhe beginnen derweil die bekanntlich unlösbaren Probleme zwischen Cathy und Heathcliff, die man heute vermutlich beide nach dem letzten Buch der geschätzten Nora Imlau als gefühlsstarke Kinder bezeichnen und ebenso intensiv wie bindungsorientiert und zugewandt betreuen würde, aber darauf kam die Menschheit ja eher spät. Es würden der Weltliteratur allerdings auch großflächig Werke fehlen, wenn es anders gewesen wäre, man muss das als Leser etwas anders sehen als aus der pädagogischen Perspektive. “Die alte Haushälterin bückte sich, bis sie mit Heathcliff auf Augenhöhe war, und redete freundlich mit ihm über sein Verhalten und was es mit ihr machte.” Nein, das hätte keiner gedruckt. Wie viele Romane bleiben überhaupt übrig, wenn man es so betrachtet?

“Ich möchte ihn nicht heiraten. “Dann musst du das auch nicht, Effi, mein Schatz.” Zack, Buch vorbei, sie lebte glücklich als Single bis ans Ende ihrer Tage. Wenn Sie mal kurz an Ihr Bücherregal treten wollen – ohne Erziehungsdesaster bleibt da nichts übrig.

“Hanno ist hypersensibel.” “Da haben wir besondere Angebote, Frau Buddenbrook.”

Leider kann ich nicht die ganze Nacht in dem Roman lesen, dabei wäre das doch völlig angebracht. Wobei Dünndruckbücher irgendwie unbefriedigend sind, merke ich wieder, man schafft ja einfach nichts. Selbst wenn ein Buch noch so gut ist, man möchte es doch durch haben, möchte man nicht? Es warten immerhin noch ein paar andere im Regal. Gestern hatte übrigens der olle Stevenson Geburtstag – enorm verlockend! Die Schatzinsel! Was ein Spaß! Aber nein, erst die Sturmhöhe beenden. Disziplin ist alles, das gilt auch im Bett. Also beim Lesen, meine ich.

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Es gibt hier im Stadtteil eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer, damit die nicht über eine riesige Kreuzung müssen, diese Unterführung ist bei Kindern und Eltern allgemein als “Sausetunnel” bekannt. Weil man eben ganz nett beschleunigt, wenn man da hinabrollt, ob nun mit einem Bobbycar, einem Laufrad, einem Rennrad, Waveboard oder E-Scooter, ganz egal, das geht ab. Wenn ich jetzt einen Blick in den Kalender werfe, dann bin ich oder sind wir schon wieder im kalendarischen Sausetunnel gelandet, der direkt durch die Feiertage führt und erst irgendwo im Januar wieder rauskommt, bis dahin kommt man kaum noch ans Licht, bis dahin ist alles randvoll mit Terminen und ach so besinnlichen Feiern und Events aller Art, gestern gab es die Hinweiszettel aus den Schulen gleich stapelweise, der Alltag wird ganz nett beschleunigt. Das geht ab.

Und wenn ich nicht genau wüsste, dass es physikalisch eher unwahrscheinlich ist, ich würde wetten, dass ich am gestrigen Nachmittag bei zwei Terminen gleichzeitig war. Mindestens. Weswegen auch mehr Text diesmal einfach nicht geht.

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Musik geht aber noch! Es lohnt sich, das bis zum Ende anzusehen. Fanden sogar die Söhne, und das will etwas heißen.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte. Ich gucke neuerdings übrigens immer noch einmal kurz in die Nachrichten, bevor ich den Text mit diesem Schlusssatz abschicke. Besser ist das.

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Fresh passion

Gesichter des Exils – ein Instagram-Account.

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In der Jugendsprache, also in dem Teil davon, den ich so mitbekomme, ist fresh gerade das neue nice. Alles ist fresh, was gut ist und nice war. Der letzte Satz liest sich vielleicht etwas seltsam, zugegeben. Aber so ist es eben.

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Pizza bei der Pizza-Bande gegessen, den Laden kannte ich noch nicht. Das war sehr gut, wollte sagen fresh.

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In Hamburg hängen Plakate für eine Messe, sie ist wohl schon vorbei, glaube ich, man sieht so etwas ja immer nur aus dem Augenwinkel irgendwo am Bahnsteig. Eine Messe für Vorsorge, Pflege und Bestattungen war das jedenfalls, sie trug den bemerkenswerten Titel “Happy End” und nein, ich denke mir das nicht aus. Den Titel kennt man auch von gewissen Toilettenpapierpackungen oder von den Titelseiten einiger Groschenromanreihen und vermutlich gibt es bei Thalia auch Regale, die so betextet sind, die lassen in der Hinsicht ja nichts aus, was flach und massenkompatibel ist. Das ist jedenfalls ein etwas heikler Titel für eine Veranstaltung diese Berufe, ist es nicht? Wenn man beispielsweise in der Pflege arbeitet, strebt man dann wirklich ein Happy End an? Ich verstehe, was gemeint ist, und doch … Wenn ich mich um die Vorsorge kümmere, male ich da in rosa Glitzerschrift “Happy End” auf eine Mappe und füge auch meine letzte Spaßverfügung bei? Wenn jemand aus meinem Freundeskreis mein Ableben tatsächlich als Happy End betrachtet, ist das nicht geradezu beleidigend und was hat er davon? Wird bei Beerdigungen ein Toast auf das Happy End ausgebracht? Und wenn sie nicht gestorben sind, dann war noch kein Happy End. Ich weiß ja nicht. Happy End, das könnte doch besser ein Kongress für DrehbuchautorInnen sein.

Es gibt im Moment auch Plakate für eine BDSM-Messe, die heißt aber nicht Happy Submission oder so, die heißt einfach nur Passion. Das klingt doch im Vergleich geradezu leidenschaftslos. Wobei interessanterweise dem Wort Passion ja auch Krankheit, Leid und Tod zu entnehmen sind, besonders wenn man das mal nicht albern englisch, sondern kultiviert lateinisch ausspricht, dann springt einen das mehr an. Weswegen man die andere Messe doch auch mit einigem Recht genauso hätte nennen können, wenn man es recht bedenkt. Das hätte dann zu allerschönsten Verwechslungen bei den Besucherströmen der Passionsmessen geführt (Kirchen hätten auch noch mitspielen dürfen!), Situationskomik galore, geradezu kinotauglich wäre das gewesen, hatten wir nicht eben schon die DrehbuchautorInnen? Hier wären sie dann mal richtig sinnvoll gewesen, hier hätten sie zielstrebig auf ein Happy End nach etlichen haarsträubenden Komplikationen hinarbeiten können, wenn dann der attraktive Fetischist endlich mit der prominent besetzten Bestatterin … wäre das nicht wahnsinnig fresh gewesen? Na, was man eben so denkt, wenn man vor Plakaten steht, Sie kennen das. Und dann kommt die S-Bahn.

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Am Morgen war ein Kind krank, Schulbesuch nicht möglich. Und wissen Sie was? Die anderen drei Familienmitglieder sind wie immer aus dem Haus gegangen, während der Sohn einfach wieder ins Bett schlich. Dann folgten ein paar Whatsapp-Nachrichten und Telefonate im Laufe des Tages und mehr Aufregung ist das bei größeren Kindern dann gar nicht mehr. Also jedenfalls nicht bei den normalen Wehwehchen. Falls Sie an den organisatorischen Folgen der Krankheiten bei kleineren Kindern gerade verzweifeln – es wird besser. Ab etwa zehn Jahren.

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Musik! Ganz ohne Bezug zu Bestattern, es kann nicht immer alles aufgehen.

 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Abraham und alles

Ich habe gestern zum ersten Mal ein Lieferfahrzeug von Amazon vor dem Haus gesehen, das kannte ich noch nicht, dass die jetzt mit eigenen Wagen illegal im Halteverbot stehen und damit nicht mehr andere beauftragen.

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Ich bin wieder Juror in einem Geschichtenwettbewerb hier im kleinen Bahnhofsviertel und lese am Vormittag stundenlang die Texte, die da eingeschickt wurden. Es gibt eben immer etwas, womit man den Sonntag voll bekommt.

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Mit Sohn II bin ich dann zu Fuß nach Eppendorf gegangen, da kamen wir nach dem Dammtorbahnhof am Platz der jüdischen Deportierten vorbei, wo noch Kränze und Lichter am Gedenkstein zu sehen waren, das musste ausführlich erklärt werden, denn Sohn II geht an nichts einfach so vorbei. Danach haben wir Stolpersteine gezählt, es waren ganze 110 nur bis zur Station Hoheluft und nur auf der einen Straßenseite, eine Zahl, die den Sohn nachhaltig beeindruckt hat. Er hat das für sich in Schulklassen umgerechnet, um es sich besser vorstellen zu können, irgendeinen Maßstab braucht der Mensch eben manchmal: “Bis hierhin wäre es eine Klasse gewesen.” Dann haben wir uns über die Nazis damals und heute unterhalten, über Verfolgte und Verfolger und Flüchtlinge und Moral und die Weiße Rose und Arschlöcher und Unschuldige und umgebrachte Kinder, und der Sohn ist sehr wütend geworden, weil das alles passieren konnte und weil der Mensch an sich einfach nicht gut genug ist.

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Dieses Gespräch fand zufällig statt an einem Tag, an dem er später zum ersten Mal ganz alleine gleich dreimal auf dem Hamburger Dom mit der Wilden Maus gefahren ist, wodurch man in Hamburg nach alter Regel zu einem recht großen Kind avanciert. Was in den Tag eines Neunjährigen eben so hineinpasst, sie wachsen an vielen Themen. 

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Mit Sohn I dagegen habe ich morgens für seine in der nächsten Woche anstehende Religionsarbeit gelernt, wobei mir auffiel, dass ich bei einigen Themen bedenklich schwächelte, wer da wann und warum genau und mit wem nach Ägypten und Kanaan und zurück, das ist ja alles gar nicht so unkompliziert. Das Ganze in der Bibel nachzulesen hätte mich aber zeitlich massiv überfordert, die Wikipedia führte leider auch viel zu weit, aber ich habe mir zu helfen gewusst und schnell die erste Hälfte der Kinderbibel inhaliert, die Sohn I damals zur Taufe von Lyssa bekommen hat, die Älteren erinnern sich vielleicht noch an den Namen und die Dame, es war ja nicht irgendeine, to say the least. Jetzt bin ich wieder halbwegs an Deck, was Abraham und Mose betrifft. Immerhin. Das Buch sortiere ich dann auch mal fix zu den Büchern, die ich auf jeden Fall behalte.

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Während ich dies schreibe, beschleicht mich übrigens der unangenehme Gedanke, dass Sohn I noch irgendwo ist, wo ich ihn vielleicht längst hätte abholen sollen – pardon, ich muss los. Jetzt.

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Kurz und klein

 

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Beschlusstherapie

Weintrauben. Gesundes Obst, sogar kinderkompatibel, zumindest wenn kernlos. Man wäscht sie, man legt sie auf einen Teller, prächtig sieht das aus, die Früchte mit den glänzenden Wassertropfen daran, immer sieht das etwas nach Luxus aus, ganz egal, wie billig man das Pfund im Discounter nebenbei mitgenommen hat, jeder Raum gewinnt durch ein Tellerchen mit Weintrauben ungemein. Sehr gut erzogene Menschen pflücken sich mit spitzen Fingern Teile der Zweige ab und essen manierlich die Trauben, die daran hängen, die Mehrheit rupft aber zumindest in den eigenen vier Wänden in spontaner Gier und im Vorbeigehen irgendwelche Trauben aus dem nett angerichteten Gesamtkunstwerk, das dadurch allmählich verstruppelt und unansehnlich wird. Die größten und prächtigsten Trauben gehen natürlich zuerst weg, so ist der Mensch, das Beste für mich. Schwächere und kleinere Früchte, solche mit dubiosen Stellen und nicht ganz idealer Form bleiben aber zurück, ebenso die, die dummerweise ganz unten liegen und dadurch langsam eindellen. Nach einer Weile sind nur sie noch übrig, Blicke und Finger tasten suchend über die Mängelexemplare hinweg, ach nee, nicht mehr so gut, lass mal. Weil man sie aber prinzipiell noch essen könnte, bleibt der Teller da stehen, das ist vernünftig und richtig, wenn auch sinnlos. Bis endlich doch beschlossen wird, die unansehnlichen Reste zu entsorgen, dieses dürre und trostlose Zweiggewirr mit den paar murkeligen Trauertrauben, die einfach keiner will. Die Trauertraube ist eine Frucht des Novembers.

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Für meinen kaputten Arm wurde eine Operation beschlossen, mit Termin und anschaulicher Schilderung der Schnitte und allem. Sofort nach diesem Beschluss wurde der Arm besser, schnell und deutlich. Ha, dachte ich, das ist ja einfach, so ein Gelenk braucht einfach nur eine Deadline, guck an, so ein Gelenk ist am Ende auch nur ein Mensch. Und ich fühlte da so hin und bewegte bedacht und beschloss also, was jeder beschlossen hätte, nämlich die Operation lieber wieder abzusagen. Sofort nach diesem Beschluss wurde der Arm schlechter, schnell und deutlich. Und wenn das so billig ist, überlege ich jetzt, kann man aus solchen Szenarien nicht eine Therapie entwickeln, die ganz ohne jede medizinische Behandlung auskommt, die nur mit Beschlüssen und Bedrohungen arbeitet und solcherart Symptome austariert, bis alles schön zur Bestform passt?

Maximilian Buddenbohm, der bekannte Begründer der behandlungsfreien Beschlusstherapie. Klingt schon mal gut.

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Den schmalen Rühmkorf beendet, jetzt wird es also stürmisch:

1801. – Bin gerade von einem Besuch bei meinem Pachtherrn zurück, dem einsiedlerischen Nachbarn – der mir noch zu schaffen machen wird. – Prächtiger Landstrich, weiß Gott! Schätze, ich hätte in ganz England keine Gegend finden können, die dermaßen fern liegt vom Getriebe der Gesellschaft: perfekte Zuflucht für Misanthropen! – und Mr. Heathcliff und ich sind gerade die rechten zwei, um diese spröde Einöde zu teilen.”

Ein wenig mehr Sturm über Hamburg wäre bei der Lektüre zwar nett, aber es geht zur Not auch so. Schon die Beschreibung der Räumlichkeiten auf Wuthering Heights, was ein Genuss, kein Mensch braucht eine Verfilmung des Buchs, so wie das beschrieben ist. Groß.

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Apropos Verfilmung. Mit Sohn I aka Jojo im Kino gewesen, denn wer so viel lernt wie er, der braucht auch mal Ausgleich. “Johnny English – Man lebt nur dreimal” wollte er sehen, er hatte natürlich freie Auswahl, also im Rahmen des Jugendschutzes, versteht sich. Die Kritik überlasse ich lieber ihm: “Der Film war sehr, sehr lustig, der Spannungsaufbau war gut und er hatte viele neue Gags, auch wenn man die Vorgänger schon alle kennt. Der Film ist sicher geeignet für Kinder ab sechs Jahren, brutal oder unheimlich war da gar nichts. Es war nicht einmal sehr laut. Und die Witze würden Sechsjährige auch schon verstehen. Mein Vater hat aber auch mal gelacht, ganz so schlecht kann der Film also gar nicht sein. Ich finde, das hat sich gelohnt.”

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Was noch? Musik! Und ein Glas auf abwesende Sängerinnen.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, verbindlichen Dank, heute natürlich für Sohn I. 

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Ganz nett

Im Laden steht eine Spendendose für ich weiß gar nicht was an der Kasse, da wirft Sohn II einen Cent ein. Und erklärt mir dann: “Das war jetzt nur ein Cent, weil ich mehr gerade nicht hatte, aber darauf kommt es auch nicht an, wie viel das ist, es kommt eigentlich darauf an, dass man nett ist, denn wenn man nett ist, werden andere, die das sehen, auch nett, also wenn man Glück hat jedenfalls, und wenn die dann nett sind, dann machen sie auch was Nettes und andere sehen das dann und immer so weiter, es kommt einfach mehr Gesamtnett in die Welt und wenn die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt nett sind, zack, hat man einen Weltkrieg verhindert. Für einen Cent. Ist doch so. “

Das lassen wir heute mal so stehen.

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Kurzentschlossen vor der Sturmhöhe noch schnell einen Band Rühmkorf gelesen, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich ihn besitze, nie gesehen, diesen schmalen Insel-Band: “Aufwachen und Wiederfinden – Gedichte”. Den behalte ich natürlich, denn ein vollständiger Rühmkorf ist in einer gepflegten Bibliothek anzustreben. Aber bitte, nur meine Meinung.

Der Mond ist aufgegangen,

Ich, zwischen Hoff- und Hangen,

rühr an den Himmel nicht.

Was Jagen oder Yoga?

Ich zieh die Tintentoga

des Abends vor mein Angesicht.

 

Die Sterne rücken dichter,

nachtschaffenes Gelichter,

wie’s in die Wette äfft –

So will ich sing- und gleißen

und Narr vor allen heißen,

eh mir der Herr die Zunge refft.

[…)

(Variation auf “Abendlied von Matthias Claudius, natürlich vom ollen Rühmkorf selbst)

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Musik! Eine Perle. Man beachte die sehr angebrachte Träne auf 3:12.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfenheute natürlich für Sohn II. Vielen Dank!

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Büroballast

Heute nur die Kurzversion, der Alltag ist zu turbulent, keine Zeit, keine Zeit, geschwind zu Pferde! Ich möchte aber doch eine berufliche Sache erwähnen, was auffällig ist, da ich ja nie berufliche Sachen erwähne, das ist eben etwas schwierig, wenn man in einer Finanzabteilung arbeitet. Aber eines dann doch, wie gesagt nur auf die Schnelle, ein Bekenntnis am Rande sozusagen, es hat auch fast gar nichts mit Zahlen zu tun.

Ich arbeite selbstverständlich viel mit Excel, und in dieser schönen Software gibt es eine Funktion, die ich oft verwende, sie heißt “Blatt schützen”. Damit sperrt man Excel-Arbeitsblätter, so dass andere sie zwar noch sehen, aber nicht mehr an den Zahlen herumspielen können, das ist eine feine Einrichtung, wenn ich das mal kurz loben darf, keine bezahlte Werbung, versteht sich. Ich mache also irgendwas, ich gehe anschließend auf “Blatt schützen” und, Achtung, jetzt wird es seltsam, dann meldet sich mein innerer Husar – man hat aber auch Typen in sich! – und brüllt im kernigen Paradenton: “Gott schütze das Blatt!” Jedes verdammte Mal spult mein Hirn diesen Satz ab, je-des Mal es ist tatsächlich auf Dauer ein wenig belastend und trägt nicht gerade dazu bei, dass ich mich für geistig gesund halte. Gott schütze das Blatt! Und dann Marschmusik. Schlimm.

Falls Sie auch mit Excel arbeiten und dabei gelegentlich ein Blatt schützen müssen – vergessen Sie diesen Text. Schnell.

Es ist aber überhaupt so eine Sache mit den Automatismen im Hirn, ich klicke auch jeden Tag in einem anderen Programm auf einen Link mit der Bezeichnung “Yesterday”, wonach unweigerlich Paul McCartney singt, wenn ich Pech habe sogar den gesamten Song. Nichts gegen den Song, aber irgendwann reicht es eben. Was aber auch wiederum noch harmlos ist gegen die wirklich üble Phase, Gott sei Dank ist sie vorbei, in der mir jeden Tag unweigerlich das Wort Mexico auf dem Bildschirm begegnete, und dann Les Humphries volle Pulle und in aller Fröhlichkeit lostobten, die Älteren erinnern sich, ich zitiere hier zur Orientierung nur mal eben den Refrain:

Mexico, Mexico, Mexico, Mexico, Mexico

Yeah, yeah

Mexico yea yeah

Yeah, yeah

Mexico yea yeah

Yeah, yeah

Mexico yea yeah

Oh oh

Mexico yea yeah

Oh oh oh

Mexico

Oh oh oh

M-E-X-I-C-O

Mexico, Mexico, Mexico, Mexico, Mexico

Ich nehme an, Sie verstehen das Problem.

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Zwischendurch ein besonderer und herzlicher Dank an die Leserin I.R. für besondere Treue in Sachen Trinkgeld, das muss auch mal gesagt werden. 

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Ich habe Väter und Söhne von Turgenew beendet und zwar, grandioser Zufall, am Geburtstag des Autors, Timing kann ich. Ich könnte jetzt anpeilen, die als nächstes zu lesende Sturmhöhe am Todestag der Autorin zu beenden, das ist nämlich der 15. Dezember, doch, das wäre absolut machbar. Aber man will ja nicht zu exzentrisch werden.

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Musik! Gucken Sie mal, ein unfertiger Song. Faszinierend.

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Mit Hut und Hendrix

Max Scharnigg über seinen Schrebergarten, der Text enthält das wunderbare Wort “Brauchtumsbeklemmung” und auch sonst viel Schönes.

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Am Morgen hat der Nebel die Kirche vor dem Wohnzimmerfenster entturmt, das Gemäuer verliert sich nach oben hin vage im Dunst. Auch der Hauptbahnhof wirkt unvollständig und die Hochhäuser in Richtung Hammerbrook haben seltsam viel Weichzeichner abbekommen, der ihnen in romantischer Hinsicht keineswegs zusteht. Aber das immerhin kann als Herbst durchgehen, das ist soweit in Ordnung und ein akzeptables Bild der Jahreszeit, die gefühlte Morgenkühle geht meinetwegen auch noch klar und okay, das güldene Laub im ersten Licht des Morgens, schon ganz schön, aber der Rest des Tages! Ich muss doch sehr bitten! Es ist zu entschieden zu warm und immer noch zu trocken, ich kann so nicht in Frieden einherbsten.

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Als ich im Sommer – Achtung, Rückblende! – in Sankt Peter-Ording war, wollte die Familie wieder an den Strand. Ich gehe nicht gerne dort an den Strand, da gibt es keinen Schatten, das macht mich regelmäßig fertig, denn ich kann pralle Sonne nicht mehr so gut ab, jedenfalls nicht stundenlang. Wir gaben dort also das bei uns schon traditionelle Bild ab, drei Menschen mit entspanntem Strandspaß und einer schmollend daneben stehend, selbstverständlich vollständig bekleidet, will ich einen Sonnenbrand haben oder sandig werden oder was. Und ich war nicht nur vollständig bekleidet, ich habe mir außerdem ein Badehandtuch übergehängt und mir noch den Sonnenhut den Herzdame ausgeliehen, so einen großen Strohhut mit einem niedlichen Blumenkränzchen oben herum, da war mir aber völlig egal, wie der aussah, dieser Hut war immerhin mein einziger Schatten. Die Herzdame weigerte sich, mich auch nur kurz anzusehen, aber mit so etwas kann ich umgehen, wir sind ja schon ein paar Jahre verheiratet, das läuft bei uns alles ganz routiniert. Und nachdem ich diesen Strandaufenthalt schon jahrelang mitspiele, frage ich auch immerhin nicht mehr alle fünf Minuten, ob wir jetzt endlich gehen können, nein, ich stehe da einfach nur herum, halte knurrend aus und produziere schwarze Gedanken. Kann man sich das etwa vorstellen, wie ich da stehe? Dann kommt jemand auf mich zu und fragt freundlich: “Sind Sie nicht der Buddenbohm?”

Und da fragte ich mich ja schon, woran ich genau erkannt wurde, an der schlechten Laune? Am grotesk albernen Hut? An unpassender Kleidung? An den heiteren Söhnen und der vergnügten Frau neben mir? Wie auch immer, durch diesen dann sehr netten Kontakt kam es zu einer Kolumne von mir in einer österreichischen Frauenzeitschrift, da haben wir wieder das Schicksal und die seltsamen Wege. Vielleicht sollte ich für weitere Aufträge einfach öfter in seltsamer Aufmachung irgendwo nicht hinpassen. Ist es am Ende das, was ich wirklich gut kann und daher tun sollte? Man hat ja manchmal Spezialbegabungen und merkt es gar nicht, doch, das soll vorkommen.

Wenn Sie jedenfalls aus Österreich zugeschaltet sind, das wollte ich eigentlich nur sagen, in der November-Print-Ausgabe der “Welt der Frauen” finden Sie etwas Buddenbohm.

 

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Auf den Schulhöfen geht es bei Kindern und Jugendlichen um die Artikel-13-Panik (hier der Inhalt dazu), ich kriege das natürlich nur am Rande mit. Darüber kann und muss man mit Kindern lange reden und viel erklären, das ist immerhin ein wunderbarer Aufhänger für die endlos schwierige Frage, wie man sich halbwegs vernünftig informieren kann. Dann wissen sie mit etwas Glück immerhin mehr als andere Kinder und stehen danach umso ratloser vor der Welle an aufgeregten Meldungen und Statements zum Thema, denen übrigens kein konstruktives Element anzumerken ist. Also keine Spur von “Dann machen wir eben was anderes”, oder “Dann machen wir eben etwas dagegen” – hätten wir das nach etlichen Jahren Internet nicht vielleicht von der Jugend erwartet? Hat nicht geklappt, try again.

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Musik! Jimi Hendrix an einer stromlosen Gitarre, was man so auf Youtube findet. Solange es Youtube noch gibt, wie die Kinder auf den Schulhöfen jetzt sagen würden. Es gibt ein Foto von Jimi Hendrix, wie er vor dem Hamburger Hauptbahnhof auf einen Bus wartet, und das tut er auf diesem Foto genau da, wo ich heute am frühen Morgen stand und auf den Bahnhof im Nebel sah. Hier, wenn man da etwas runterscrollt, dann sieht man das Bild. Das kann ich immer denken, wenn ich da herumlungere, genau hier hat der Hendrix auch gelungert, so wie ich hat er da gestanden. Aber was soll’s, der Gedanke hilft einem auf Dauer auch nicht wirklich weiter.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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