Linkwerk zum Wochenende

Meine Sommerpause geht noch weiter, habe ich etwas hitzelethargisch beschlossen. Und vermutlich wird sie, wie hier angekündigt, tatsächlich bis etwa zum 24. August dauern.

Allerdings läuft das Linkwerk dennoch fast unweigerlich voll, denn manche Maschinen lassen sich nicht so einfach abstellen. Was offensichtlich für die Maschinen im Geiste ebenso gilt wie für die in den Werkhallen. Die Verweise auf Gesehenes, Gelesenes und Gehörtes werden also auch in den Betriebsferien ab und zu erscheinen. Vielleicht interessiert Sie der eine oder andere Link, es könnte immerhin sein. Und ich möchte dieses Format nicht nach der Pause in unmenschlicher Länge posten.

Gesehen:

Einen weiteren Almodóvar-Film, den ich schon kannte, habe ich erneut gesehen: „Leid und Herrlichkeit“ auf arte (verfügbar bis 6.8., halten Sie sich ran). Wieder mit Penélope Cruz, sowie, und es ist diesmal deutlich wichtiger, mit Antonio Banderas. Der einen anschlussfähigen, leicht zauseligen, sorgenvoll lebensrückblickenden und nicht unerheblich derangierten Menschen in meinem Alter gibt.

Es gibt zu diesem Film auch eine passende Doku, die das Verhältnis von Almodóvar und Banderas aufarbeitet. Man kann, wenn man die Doku gesehen hat, den Film, in dem Banderas den alternden Regisseur spielt, noch wesentlich besser würdigen.

„Grace of Monaco“, ein Spielfilm aus dem Jahr 2014. Regie Olivier Dahan, dessen andere Filme ich nicht kenne. In der Hauptrolle Nicole Kidman, die von der Kamera bis zur Vergötterung verherrlicht wird. Alle anderen Darstellerinnen und Darsteller fallen neben ihr kaum auf und beleben bestenfalls Nebensächlichkeiten murmelnd den Hintergrund.

Laut Wikipedia wurde dieser Film überwiegend verrissen, lediglich Nicole Kidman gestand man zu Recht bedeutende dekorative Effekte zu. Das kann ich so nachvollziehen, aber schon aus Interesse an Mode konnte ich dennoch nicht aufhören, mir immer weiter diese sensationellen Kleider und Outfits anzusehen, von denen es dann so erfreulich viele gab. Und die dann durch eine Handlung hindurch vorgeführt wurden, die mir weitgehend egal blieb.

Hier die Wikipedia zum Film. Darin auch ein langer Exkurs über die historische Ungenauigkeit des Drehbuchs und die abweisende Reaktion der Grimaldis auf die dargestellte Geschichte: Man war „not amused“. Und hier der Film bei „Wer streamt es“.

Das Spiegelgebäude an der Enricusspitze

Außerdem sah ich die arte-Film-Doku über Bernardo Bertolucci. Es waren gerade viele Sendungen eher südlich orientiert, fällt mir jetzt erst auf, aber das war schön passend zur Temperatur in der Wohnung. Diese Doku berichtet auch von der entsetzlichen Geschichte zum Hintergrund des Films „Der letzte Tango in Paris“, von dem Leid der Hauptdarstellerin und den Übergriffen beim Dreh.

Marriage Story“ von Noah Baumbach (von dem ich u. a. „Jay Kelly“ kenne) aus dem Jahr 2019, mit Scarlett Johansson und Adam Driver. Hier bei „Wer streamt es“.

Die Kritik sah den Film als besonders gelungene Trennungsgeschichte, das fand ich auch. Enthaltend außerdem eine besonders gruselige, charakterlich absurde Mutterfigur (die Mutter der weiblichen Hauptfigur im Film), und schon deswegen interessant.

Churchill“, ein Film aus dem Jahr 2017 von Jonathan Telitzky, mit Brian Cox in der Hauptrolle. Und das reicht auch schon, um diesen Film zu sehen, denn er spielt den alten Churchill, der nicht loslassen kann, der andere auch nicht lassen kann, der die Beschränkungen seines Alters nicht einsehen kann, großartig und nachvollziehbar.

Auch dieser Film ist historisch furchtbar ungenau, lese ich. Aber das Thema des alten Meisters, der vom Betrieb nicht lassen kann, ist so ausgestaltet, dass man sich viele Bezüge zum Weiterdenken basteln kann. Denn man kennt sie schließlich gut, die alten Männer und Meister in genau dieser Situation, noch in viel zu vielen Themen drin und dabei entschieden zu fern der Einsichtsfähigkeit in die Notwendigkeit des eigenen Abgangs.

Es wiederholt sich an so vielen Stellen, in so vielen Unternehmen, Vereinen, Parteien, Staaten etc.

Hier der Film bei „Wer streamt es“.

Graffiti: Der Kopf von Trump als Schattenriss, darunter das Wort Schwachkopf

Gelesen:

Angefangen habe ich mit der „Zwischenbilanz“ von Günter de Bruyn (Verlagslink), seinen Erinnerungen. Skeptisch und gelassen erzählt der Autor von seiner Jugend, so beschreibt es die werbende Seite des Verlags. Das trifft zu, finde ich bisher, etwa nach dem ersten Drittel. Und es ist eine Erzählhaltung, mit der ich stark sympathisieren kann.

Beim Deutschlandfunk Kultur gibt es einen Artikel aus dem Jahr 2022 zum 90. Geburtstag von de Bruyn, da ist oben ein Bild eingebettet, auf dem der Schriftsteller pfeiferauchend in die Kamera guckt. Und zwar exakt so, dass es zur Beschreibung seiner Erzählweise perfekt passt: skeptisch und gelassen. Es war für mich wieder ein besonders sinniger Zufall, dieses Bild zu finden, denn in letzter Zeit hatte ich mehrmals gedacht, dass ich die Welt gerne pfeifenrauchend betrachten möchte.

Wobei ich nicht im Ernst vorhabe, wieder Pfeifen zu rauchen, damit habe ich schon vor langer Zeit aufgehört. Es war nur dieses anziehende Bild, das mir nicht mehr aus dem Kopf ging, nachdem ich neulich noch einmal über den ehemaligen IT-Chef geschrieben hatte, der auch Pfeife rauchte. Dieses Bild des nachdenklichen, älteren Mannes, der sinnend auf die Lage blickt, sich seinen Teil gründlich und ohne jede Eile denkt und dabei eher zu Rauchringen neigt, nicht mehr zum energischen Eingreifen ins Geschehen.

Ein Mann am Ufer der Binnenalster sitzend, von hinten aufgenommen, vor ihm schwimmen mehrere Schwäne vorbeo

Zwei neue Vokabeln der Gegenwart habe ich aus Artikeln gelernt. Zum einen das „Social Offloading“ (ein Artikel dazu bei t3n9), bei dem man schon wieder einen ausgeprägt boomerhaften und fortgeschritten zynischen Essay über Zeiten, Sitten und die rasende, selbstgewählte Verdummung der Gegenwartsgesellschaft schreiben möchte. Inklusive der allmählich etwas verzweifelt wirkenden Erwähnung des Umstandes, dass einiges früher eben doch besser war. Aber wer würde so etwas noch lesen wollen.

Zum anderen das „Maxxing“. Dazu ein Artikel im Guardian: “How well do you know your maxxes?” Zum Maxxing werden dort diverse Beispiele aufgeführt. Schön fand ich etwa das Hobbitmaxxing:

“The seven habits of highly effective hobbits include going barefoot, keeping warm, prioritising meals and generally tending to the small things in and around your hobbit hole. To be honest, it’s not that different from being a badger.”

Was es alles gibt, nicht wahr.

Frau Novemberregen schrieb über ihren verstorbenen Vater, den auch Sie vielleicht ein wenig aus ihrem Blog kannten: „Er hatte die große Gabe, das Gefühl zu vermitteln, dass vielleicht nicht alles immer gut wird, aber dass wir alles, was kommt, irgendwie hinkriegen.“

Eine wahrlich große Gabe, denke ich.

Im gerade überall diskutierten Lied von Danger Dan, zu dem der Mut beim ZDF nicht gereicht hat, geht es in den Lyrics am Ende um den „Elefanten im Raum“. Sie werden sich gewiss ein Bild machen können, welcher gemeint ist. Thomas Gigold benennt in seinem Blog ein weiteres Tier dieser Art und in dieser Situation. Womöglich steht es sogar in fast jedem Wohnzimmer herum. Allerdings spricht er es explizit aus, worum es ihm bei der Erwähnung geht: Wobei ich glaube, dass Angst allgemein kleiner ist als Bequemlichkeit.

Blick von der U-Banhstation Elbbrücken elbabwärts, sommerliches Morgenlicht

Gehört:

Ein neues Hörbuch gab es, eine ausdrücklich sommeroptimierte Auswahl: „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun. Wunderbar passend gelesen von Fritzi Haberlandt, vermutlich ist sie die Idealbesetzung.

Gleich zu Beginn höre ich da ein besonders schönes Zitat für bloggende Menschen, das man sich auch in den Header seiner Seite schreiben könnte. Wenn das Selbstvertrauen denn dafür reicht und man die Argumentation so hinnimmt: „Ich denke, dass es gut ist, wenn ich alles beschreibe, weil ich ein ungewöhnlicher Mensch bin.“

Herausragend schöne Sätze gibt es in dem Buch, wunderbare Wendungen und feine Ideen zur gekonnten Verwertung gewöhnlicher Wörter. Auch als Lehrbuch geeignet zum Thema „Wie gehe ich mit Sprache liebevoll und pflegend um“. Vor längerer Zeit fand ich das Werk schon als Buch gut, als Hörbuch wirkt es vielleicht noch eindringlicher.

Beim ARD-Podcast “Alles Geschichte” hörte ich einen Dreiteiler über Polen: „Die polnischen Teilungen“, „Der Druck Russlands“ und „Das Massaker von Wolhynien“.  Schwerer Stoff ist das, nichts für heitere, sonnige Stimmungslagen. Vielleicht besser vormerken für den späteren Herbst, denn hörenswert ist es schon.

Der Weg am Ufer der Binnenalster am Ballindamm, bunte Lampions in den Bäumen

Eine „Lange Nacht“ gab es über das Schreiben und Leben im Exil. In der ohnehin stets lobenswerten Reihe der Langen Nächte war dies eine der besten in den letzten Monaten. Sehr empfehlenswert!

Bei „Das Wissen“ gab es für mich die Folge über Elisabeth Kübler-Ross und ihre Sterbeforschung. Enthaltend auch die Kritik an ihr und ihren Methoden.

Eine weitere Folge dieser Reihe lieferte Updates zur Rezeption von Lolita von Nabokov: „Eine Kunstfigur im Spiegel der Zeit“. Diesen Roman habe ich damals im Studium der Bibliothekswissenschaften in einem Seminar gelesen und dann in Bezug auf den Bestandsaufbau von öffentlichen Büchereien stundenlang diskutiert. Es gab auch in jener Zeit Kommilitoninnen, die hätten dieses Buch lieber nicht ins Regal gestellt. Die suchten schon damals nach den richtigen Regeln, um ihre Lust an Verboten korrekt darstellen zu können. In den USA der Gegenwart sieht man nun die unerfreuliche Umsetzung ihrer Grundhaltung.

Ein Zeitzeichen zu Salinger: „Der Fänger im Roggen: Wie der Krieg Salingers Welterfolg prägte“.

Rosalía, die man gerade wegen des aktuellen Albums und der spektakulären Tournee-Auftritte eher modern und pop-orientiert wahrnimmt, kann bekanntlich auch anders, und kommt auch aus einer anderen Ecke.

Hier hören wir sie mit einem Klassiker der spanischen Lyrik, nämlich mit dem berühmtesten Gedicht von José Agustin Goytisolo. Gesungen in klassischer Manier: Palabras para Julia (hier in deutscher Übersetzung mit den spanischen Zeilen darunter).


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To everything a time and season

Wenn man nach etlichen Wochen des harten und permanenten Einsatzes sämtliche Orden an der Overthinking-Front abgeräumt hat, inklusive des Purple Brains, wie man vielleicht scherzhaft anfügen möchte, wenn man also nach all diesem heißen Bemühen weder weiter noch nennenswert fortgekommen ist, weder aus seiner Ecke noch ins Freie, wenn man anschließend auch nicht einfach aufsteht und über Start geht oder wenigstens aus, um Freud‘ zu suchen, dann sollte man vermutlich etwas anders machen und zur Abwechslung das Verfahren überdenken. Nicht mehr den allgemeinen Clusterfuck der Lebenssituation.

Ein Sticker: "That wasn't very agile of you"

Den Alltag ein wenig umstellen. Aus dem Denken ins Handeln kommen, wo es denn machbar erscheint, vielleicht aber auch da, wo es noch nicht so wirkt. Gebastel und Geschiebe, das Drehen und Ruckeln an kleinen oder größeren Schrauben. Versuch und Irrtum, Sie kennen das.

Da passt es mir gut, dass der allgemein und segensreich über uns kommende Sommerurlaubsmodus nicht nur für mich ein hervorragender Anlass ist, sich anders zu verhalten, etwas zur Abwechslung einfach nicht oder auf irgendeine Art anders als sonst zu machen, Abweichungen zuzulassen. Und etwa auch die morgendliche Schreibzeit kurz zweckentfremdend anders zu nutzen als für das Blog.

Ich mache daher etwas Sommerpause. Was für meine Verhältnisse zwar höchst ungewöhnlich ist und bisher niemals vorkam, aber doch von vielen empfohlen wird. Man frage etwa Schülerinnen und Schüler, die werden die Richtigkeit von gründlichen Pausen gerne bestätigen. Oder man frage meine zahlreichen Kolleginnen und Kollegen in Paris, die traditionell eher nicht daran denken, im August zu arbeiten.

Ein Zettel, handgeschrieben und an eine Geschäftswand geklebt: Heute geschlossen! Sorry1

Und außerdem: Lebe wild und gefährlich – da gehören womöglich Haken dazu, die ab und zu geschlagen werden wollen. Weswegen ich mich nun spontan gebe und Unerwartetes abliefere, nämlich eine Weile nichts.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die ich heute noch nicht bis zum Ende ergründen kann. Schon wegen der Raumtemperatur kann ich es nicht, denn es denkt sich wieder zu zähflüssig unter dem in diesen Wochen so sehr besonnten Dach.

Entweder es geht hier ungefähr am nächsten Wochenende weiter, das kann durchaus sein.

Oder aber es zieht sich nach einer Woche Testlauf noch etwas weiter hin, dehnt sich dann womöglich sogar bis in sommerferiale Maßstäbe aus. Denn wenn schon, dann auch richtig, so könnte man es immerhin auch sehen. Fast kommt es mir sogar naheliegend vor. In diesem Fall sehen wir uns etwa am 24. August wieder, wenn Sie denn mögen. Also auf der anderen Seite des Sommers.

So oder so wird eine Pause dieser Art aber sowohl für mich als auch für Sie „in a flash“ vergehen. Da bin ich mir recht sicher, es geht daher gewissermaßen gleich weiter. Ron Sexsmith hat diesmal das passende Lied dazu.

„The end must come for some good reason
I’ve heard it said before
“To everything a time and season
What was this season for?

In a flash, in a flash
There one moment and gone in a flash.”


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Zögerlicher Beginn

Neulich erwähnte ich, dass in den Buchhandlungen nun die Kalender für das Jahr 2027 ausliegen und schon angepriesen werden. Soeben sah ich im Mailpostfach eine Frühbucherrabattwerbung für das Weihnachtsmärchen im Theater um die Ecke, was ich dann doch etwas verstörend fand. Das nächste Jahr zu erwähnen, das ist noch abstrakt und emotional weitgehend folgenlos für mich. Den Herbst könnte man meinetwegen verfrüht, auch stark verfrüht schon herbeireden wollen, damit könnte ich mich gut arrangieren und sogar einiges Verständnis dafür aufbringen.

Aber Erwähnungen von dediziert dezembrigen Begriffen finde ich dann doch etwas daneben. Die stören mich jetzt noch, diese Begriffe.

Zur Strafe das Theater beim nächsten Vorbeigehen nicht ansehen. So.

Straßendeko über dem Großen Burstah

Ansonsten wird es wieder wärmer in dieser Stadt. Wenn auch nicht brutal heiß, es findet vorerst eine Verschonung statt und die Temperatur am Morgen ist noch bestens. Ich beginne diesen Tag etwas zögerlich. Ich überlege hin und her, ob ich etwas vergessen habe, aber es ist wohl tatsächlich so: Ich habe keinerlei Wochenendtermine. Nicht einmal mit mir selbst habe ich etwas vor. Ich habe keinerlei Vereinbarungen mit mir getroffen, die bei Nichteinhaltung mit einem schlechten Gewissen verbunden wären. Und ich glaube sogar, das war halbwegs clever von mir.

Ich kann mich also noch tiefenentspannt zu diesem oder jenem oder aber wahlweise auch zu gar nichts entscheiden. Total gechillt kann ich es angehen, wie die Söhne sagen würden, also aus ihrer Sicht genau richtig. Ich denke betont unangestrengt noch etwas weiter herum. Wobei ich erst einmal alles verwerfe, was tagsüber und draußen stattfindet. Die Darstellung von ausgelassenen Sommerfreuden unter freiem Himmel und enthemmt strahlender „Glanzkröte“ (Sarah Kirsch nannte die Sonne gerne so) überlasse ich gerne all den anderen, die sich wegen ihres Alters, wegen ihrer überbordenden Stimmung oder wegen beider Faktoren hierzu noch aufgerufen fühlen. Oder auch den Tausenden, welche die Teilnahme am Triathlon, der an diesem Wochenende um die Ecke stattfindet, mit Sommerfreuden verwechseln. Ich meide diese Veranstaltung und umgehe sie großräumig, ich sehe Menschen so ungerne leiden.

Einerseits also bin ich zum vage verbleibenden Nichts in Sofa- und Bettnähe einigermaßen fest entschlossen.

Blick auf die Binnenalster vom Jungfernstieg aus

Andererseits hörte ich eben den wachmachenden Song „Summertime Boy“ vom geschätzten Seasick Steve. Und ich sah mir dann auch das Video dazu an. Nebenbei stellte ich fest, dass der Herr etwa 4 Jahre älter war als ich, als dieses Video entstand. Und musste dann überlegen, ob hier am Ende schon wieder so etwas wie eine Challenge vorliegt.

Ich denke aber lieber nicht allzu intensiv darüber nach, denn auch beim Denken wird es einem im Juli schnell warm in Dachgeschosswohnungen. Viel zu warm wird es einem bald. Laut Wetterbericht muss ich es mir vorsichtig einteilen, wie warm die Wohnung, mein Hirn und ich werden können, denn es bleibt eine Woche lang hochsommerlich. Da wird die Konzentration in Kürze wieder nachlassen und der Schlaf wieder schlechter werden. Es ist absehbar, wir kennen das.

Eine schlechte und schlaflose Nacht, habe ich neulich gehört, führt dazu, dass man sich danach etwa vier Jahre älter fühlt. Was also heißt, dass Sie sich dieses Blog im Sommer jeweils als die Aufzeichnungen eines Menschen vorstellen müssen, der gefühlt weit über hundert Jahre alt ist.

Und dafür, um das Immerhin des Tages bloß nicht auszulassen, dafür geht es mir noch gold.

Ich halte mich also erst einmal an das schon mehrfach hier aufgeführte Zitat eines ehemaligen IT-Chefs in meiner Brotberuf-Firma, der allen Usern, die sich bei ihm über etwas beschweren wollten, weil wieder etwas nicht ging, nicht machte, was es sollte, nicht zu starten oder aber nicht zu beenden war, am Telefon riet: „Beobachten Sie weiter die Situation.“

Wonach er sich jeweils zurücklehnte und mit einer geradezu behaglich anmutenden Ausdrücklichkeit selbst erst einmal nichts machte. Es wird schon passen, nehme ich an.

Blick auf das Rathaus durch die dahinterliegenden Straßen

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Linkwerk zum Wochenende

Gesehen:

Eine weitere Film-Doku auf arte. Müsste ich nicht irgendwann mit denen durch sein? Es ist immer noch kein Ende in Sicht. Jedenfalls gab es die Folge über Tom Hanks, bei dem mir das spektakuläre Ausmaß seines Erfolgs, auch abgesehen von Forrest Gump und bereits lange vor diesem Film, nicht bewusst war. Da die Phase in der Doku erwähnt wird, erinnerte ich mich kurz an die kulturgeschichtliche Epoche der Videothekenzeit und dann auch daran, wo damals im Stadtteil und in der Nähe Videotheken waren. Es erforderte allerdings schon etwas Konzentration, denn dieses Kapitel ist mittlerweile auch etwas länger her und schon etwas vergilbt.

Neulich hatte ich diese Serie aus Spanien gerne auf arte gesehen, wie hieß sie noch, „Perfect Life“. Passend dazu sah ich noch einmal einen mir schon bekannten Almodóvar-Film. „Volver“ mit einer fantastischen, sensationell spielenden Penélope Cruz. Definitiv ist dies ein Film, den man zweimal sehen kann. Mindestens. Erneut sehr zufrieden damit gewesen.

Dann sah ich die australische Serie „Five Bedrooms“, zumindest teilweise, aus der ich wegen des etwas lahmen Beginns fast etwas zu schnell wieder ausgestiegen wäre. Sie wurde dann aber doch noch für ein paar Folgen unterhaltsam genug und wurde von mir als mindestens mittelmäßig okay eingestuft. Ein paarmal gelacht, neue Gesichter gab es auch, das war so schlecht nicht. Auch kein wahrer Knaller andererseits. Eher wohl das, was man als leicht sedierende Unterhaltung versteht. Aber das passt eben auch manchmal.

Es kommt keine Politik vor, es kommt auch kaum etwas von Australien vor, es geht fast ausschließlich um die Beziehungen und Trennungen von Erwachsenen. Man könnte hier und da mitreden, es gibt einige anschlussfähige Sequenzen.

In den Besprechungen (etwa hier beim NDR) wird immer „wie Friends“ erwähnt, wird diese Serie als eine Art Fortsetzung für Erwachsene und Gealterte verstanden. Und ja, das muss man wohl so sehen. Zumal einige Wendungen im Plot allzu dicht am Vorbild dran sind

Vier Staffeln insgesamt, es hält also eine Weile vor, wenn man denn durchhalten möchte. Ich weiß noch nicht.

Hundeskulpuren vor einem Lokal in der Speicherstadt

Gelesen:

Weiter im „Billy Budd“, sonst aber so gut wie nichts geschafft. Es war eine etwas merkwürdige Woche.

Vanessa schrieb hier über das Wetter. Ich kann aus Hamburger Sicht krisenkompatibel ergänzen, dass wir nun also die Wahl haben, zumindest aus den letzten Wochen abgeleitet, ob wir in dieser Stadt von der Sonne gegrillt werden, vom Starkregen weggespült oder von saisonal inkorrekten Sturmböen verweht werden. So schön. Dazwischen gibt es manchmal eine Stunde, die sich fast normal anfühlt. Aber doch eher selten.

Die Arkaden an der Kleinen Alster

Die taz greift hier noch einmal das Alkoholverbot rund um den Hamburger Hauptbahnhof auf, „Verdrängung statt Hilfe“, ich hatte es auch im Blog.

Ein Teppich hängt aus einem Fenster in der Speicherstadt

Gehört:

Im Podcast von Jens Brodersen und Patrick Breitenbach „Schweigen ist Zustimmung“ die lange Folge über die letzte Hitzewelle. Das geht sehr ins Detail und bearbeitet auch die politischen Fragen und Folgen, es wird gegen Ende hin immer inhaltsreicher. Falls Sie gerade etwas Bedarf an umweltpolitischer Radikalisierung haben, man lässt ja manchmal nach, kann ich die Folge mit einiger Dringlichkeit empfehlen. Man ist am Ende zuverlässig wieder etwas wütender, und so falsch ist das nicht.

Es fällt darin auch der lange nicht mehr gehörte Begriff „Übersterblichkeit“, es kommt auch zur ebenfalls lange nicht mehr gehörten Frage, ob man mit oder an etwas stirbt. Nur ist es jetzt die Hitze, nicht mehr das Corona-Virus.

In der Reihe „Das Wissen“ beim SWR hörte ich die Folge „Songs als Protest – Was Musiker bewirken können.

Und im KI-Podcast hörte ich eine Folge über die KI-Enzyklika „Magnifica Humanitas“. Das war nennenswert interessanter, als man vielleicht spontan bei dieser Beschreibung denkt. Dass der Papst etwa Mathematiker ist und sich unter Begriffen wie neuronalen Netzen vermutlich mehr vorstellen kann als Sie oder ich, das wusste ich nicht. Ich denke, ich werde auch den Originaltext der Enzyklika noch nachlesen, warum auch nicht, hier ist er zu finden.

Die Flussschifferkirche im Hamburger Hafen

Keine neue Musik gefunden. Stattdessen alte Musik gehört und voller Sympathie anderen Männern zugesehen, die abends allein durch große Städte gehen. Jedem seine eigene Form des Herumkumpelns!

(Der Mann ist Paul F. Tompkins, die Stadt ist Chicago. Zufällig eine Partnerstadt Hamburgs)

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Blaugrüne Tage und Stunden

Vorweg herzlichen Dank für die Zusendung eines Buchs vom Wunschzettel. Es kam die „Zwischenbilanz“ (Verlagslink) von Günter de Bruyn, die dann vermutlich auch bald dran ist. Sehr schön!

Das Buch "Zwischenbilanz"

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Da in letzter Zeit so viel vom Krankfeiern und vom Blaumachen die Rede ist, habe ich es doch noch einmal nachgeschlagen, was es eigentlich bedeutet und warum ausgerechnet Blau – hier die Erklärung, es geht um Stoffe und Farben.

Es verhält sich mit dieser Redewendung ein wenig wie mit dem aus norddeutscher Sicht sonderbaren Fest Fronleichnam – ich kann es noch so oft nachschlagen, ich vergesse es umgehend wieder, was ich da gerade gelesen habe. Es gibt Sachverhalte, für die man eine Art Speichersperre zu haben scheint, merkwürdige Blockaden im Hirn.

Da aber auch das Private der Patienten politisch ist, selbstverständlich ist es das, möchte ich kraft anekdotischer Evidenz thematisch verbunden vom Blau zu Grün überleiten. Und dabei einen weiteren Umstand aufführen, den irritierenderweise bisher kein Mensch in den Beiträgen zur Debatte zu erwähnen scheint.

Denn diese Figur, die in der aktuellen Diskussion mehr oder weniger deutlich immer wieder angesprochen wird, welche sich morgens krankmeldet und dann, man soll sie sich wohl hämisch grinsend dabei vorstellen, für den Rest des Tages in die Hängematte im Garten zurückzieht, von wo sie dann ab und zu hohnlachend ihres solcherart schamlos ausgebeuteten Arbeitgebers gedenkt – die kann ich als Existenzform in meinem Umfeld gar nicht bestätigen.

Niemand macht das so. Niemand, den ich kenne. Obwohl ich doch Menschen auf eine Art in der Nähe habe, dass ich es vermutlich wüsste, wenn sie es machen würden, machen sie es nicht. Ich kann da als Zeuge nichts bestätigen, es kommt einfach nicht vor. Vielleicht schon wegen der um mich herum stark verbreiteten und nach wie vor überaus wirksamen protestantischen Arbeitsethik nicht, das mag sein.

Grenzfälle, die gibt es wohl. Die sind dann meist verbunden mit der Frage, ob man nun krank ist oder nicht, denn manchmal könnte man sich so oder so entscheiden und weiß aber nicht recht. Man hat da nur so ein Gefühl … Was dann richtig ist, was richtig gewesen wäre, darüber erhält man eh keine Auskunft, auch später meist nicht. Das verbleibt alles im Unklaren.

Aber die freundlich zugewandte Aussage: „Dann bleib mal lieber einen Tag zuhause“, sie ist in vielen Fällen der einigermaßen naheliegende und vermutlich auch vollkommen korrekte Prophylaxehinweis. Es wird oft schon passen, und es wird auch aus medizinischer Sicht oft richtig sein.

Überlastungsfälle kenne ich auch, kennen wir vermutlich alle. Gut erinnerbar etwa aus der Kleinkindzeit, in der man mit neuen Aufgaben, Terminen, Viren und Zumutungen aller Art derartig heftig bombardiert wird, dass man zwischendurch aufgeben möchte. Da heißt die Krankheit dann aber Erschöpfung und wird für einige vielleicht diskutabel sein. Für einige, die es unbedingt eher kalt und ohne jede Empathie betrachten wollen, und gibt es selbstverständlich auch. Alle anderen neigen da tendenziell eher zum Verständnis.

Das Blaumachen als diebisches Vergnügen aber – eher Fehlanzeige.

Und was überhaupt nicht zur Sprache kommt, was aber seit Beginn der Home-Office-Zeit in sämtlichen Büroberufen ein neu eskalierter und komplett gegenläufiger Umstand ist, das ist das Arbeiten im Zustand der Krankheit. Das Dennoch-Arbeiten. Das Abarbeiten wenigstens der wichtigsten Sachen. Denn man liegt ja nur herum, da kann man sich doch zumindest kurz und vielleicht nur stundenweise … Ich glaube, man unterschätzt leicht, was es ausmacht und vor allem, in welcher Häufigkeit es auftritt.

Es ist ein Plus an Arbeitsstunden, das man zwar statistisch kaum greifen kann, das ich aber für eindeutig nennenswert halte. Man schaltet das Notebook trotz Grippe, Covid, Kopfweh, Übelkeit, Hexenschuss oder was auch immer ein. Einige Mails beantwortet man dennoch und man ruft vielleicht auch jemanden schnell an. Man wird dabei in MS Teams zwischendurch als anwesend und also grün angezeigt.

Was dann eine äußerst sinnige Gegenposition zum Blaumachen ergibt. Wir haben mittlerweile das Grünmachen erfunden, und zwar merkwürdigerweise so, als habe es eine sprachliche Notwendigkeit oder Folgerichtigkeit hierfür gegeben.

„Du bist krank und bleibst hier? Prima, dann kannst du ja etwas Schlaf nachholen.“

„Nein, ich mache grün und habe gleich einen Call.“

Schon gut, ich weiß, das sagt niemand.

Ein Teil der neuen Wirklichkeit ist es dennoch längst geworden. Und wenn man Krankentage oder -stunden zählt und die Ergebnisse argumentativ einsetzen möchte, man müsste diesen Faktor eigentlich mitdenken, um ein korrektes Bild zu ermitteln.

Aber was weiß ich schon.

Ein Frisieralon abends, grünes Licht, an der Wand der Neon-Schriftzug "Farb-Bar"

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Reinlesen, Behalten und Weggeben (8)

Thomas Manns „Lotte in Weimar“ habe ich in der hervorragenden Hörbuchversion von Gert Westphal durchgehört (jetzt auch in der ARD-App Sounds verfügbar).

Das war allerdings etwas arg knapp, denn ich hatte das Hörbuch nicht bei Sounds gehört, sondern in der App der öffentlichen Büchereien ausgeliehen. Sechzehn Stunden Laufzeit waren für die etwas eng begrenzte Leihzeit dann doch etwas sportlich. Aber egal! Meine Spaziergänge wurden für einige Tage noch etwas länger. Ich sage es ja wieder und wieder: Der Mensch braucht Ziele, und sei es nur der Beginn des nächsten Hörbuchkapitels.

Es soll ohnehin enorm gesund sein, viel zu gehen, und das Wort „Laufzeit“ will am Ende auch einmal mit Sinn verbunden werden.

Dieses Buch ist jedenfalls ein hervorragendes Beispiel, warum es sich lohnen kann, die Bücher aus der Anfangszeit seiner Bildungsgeschichte als reiferer Mensch noch einmal und mit neuem Interesse zu lesen. Es ist doch ein anderer Mensch, der jetzt liest, er versteht vieles nun anders. Er achtet auf andere Aspekte, hat auch eine andere Haltung beim Lesen als der etwa Zwanzigjährige damals. Und das gilt nicht nur körperlich.

Der Roman erschien 1939 und die Meinung zum Thema Deutschland und Deutschsein, die Thomas Mann darin durch Goethe markant ausdrücken lässt, sie hatte viel mit dessen Entstehungszeit zu tun. Er hat seinen ihm heiligen Goethe den Nazis in einem intellektuellen Raubzug gekonnt entwendet (im Wikipedia-Artikel zum Buch beim Kapitel „Rezeption“ wird es ausführlich dargestellt).

Ich bin sicher, dass ich diesen Bezug als junger Mensch, etwa Anfang zwanzig werde ich bei der Erstlektüre vermutlich gewesen sein, verpasst habe. Fraglos habe ich das Buch bei der ersten Lektüre „nur“ als Schilderung der Goethe-Zeit verstanden. Als etwas gemütlichen, manchmal auch dezent amüsanten historischen Roman. Wobei das damals noch gar keine Gattung im heutigen Sinne war und keine Regalmeter in Buchhandlungen unter diesem Schlagwort mit Bestsellern befüllt wurden.

Im Grunde müsste man alles noch einmal lesen. Oder zumindest die Werke, die einem groß und wichtig erschienen. Bei denen man den Verdacht hat, sie könnten es ernsthaft sein. Mit diesem Rekapitulieren hätte ich wohl etwas früher anfangen müssen, vor etlichen Jahren schon. Aber gut, man kann nicht alles richtig machen, und man will vielleicht ab und zu auch einmal etwas ohne Bildungsgedanken dabei lesen.

Thomas Mann verstand es jedenfalls gut, vorbildhaft gut, Menschen so exakt und treffend zu beschreiben, dass man sie sehen kann. Dass man sie genau und vielleicht sogar etwas besser als im Film vor sich sehen kann. Sozusagen von mehreren Seiten gleichzeitig. Eine ausführlich geschilderte Thomas-Mann-Figur würde man auf der nächsten Parkbank erkennen, sollten sie da zufällig sitzen. Das glaubt man zumindest direkt nach der Lektüre. Und es beschreiben nicht eben viele schreibende Menschen ihre Figuren so, dass dieser Effekt verlässlich eintritt.

Das Buch steht hier auch in der gedruckten Version im Regal, irgendwann wurde es von meiner Mutter an mich abgegeben. Und es bleibt da auch noch stehen, sozusagen als Lehrwerk. Behalten und Wiederlesen als Beschluss und Qualitätsprädikat. Ich habe ein eher schwieriges Verhältnis zu Thomas Mann, er war zu früh zu präsent in meinem Leben und wurde von zu vielen als Heiliger verehrt, aber seine Bücher abgeben – nein danke.

Ich hatte beim Lesen lebhafte Vorstellungen davon, wie sich heutige Lektorinnen gesundheitsschädlich aufregen würden, käme so ein Manuskript herein. Und zwar ob des aus heutiger Sicht unfassbar klaren Kürzungsbedarfs. Den man wohl zweifelsfrei feststellen muss, wenn man aus unserer Zeit der schnellen Schnitte und der TikTok-Geschwindigkeit kommt. Wenn man auf die schier endlosen Passagen und Szenen blickt, in denen nichts oder nur wenig passiert. In denen nur jemand redet, unendlich viel redet, der vielleicht nicht einmal besonders sympathisch ist.

Allein der Monolog von Goethes Mitarbeiter Riemer dauert im Hörbuch über drei Stunden. Man möchte, auch wenn man die Sprache permanent bewundern kann, dauernd „Cut!“ schreien beim Zuhören oder Lesen. Zumindest ging es mir so, aber es war natürlich ein stark gegenwartsbezogenes Gefühl.

Eine wunderbare Stelle aus dem Roman sei noch eben zitiert. Da erwähnt die Hauptfigur, jene Lotte, die Goethe in ihrer Jugend das Vorbild zur weiblichen Hauptfigur im Werther war, einen Vorfall aus ihrer Vergangenheit. Und sie sagt dazu etwas, das wir heute mit einem schlichten Satz ausdrücken würden. Ungefähr so würde es bei uns klingen: „So dumm hätte ich doch gar nicht sein können.“ Im Buch heißt es aber:

„Ich hätte müssen mit dem Dummklotz geschlagen sein!“

Und das kam mir doch ebenso schön wie wiederverwendbar vor.

Ein Fachwerkhaus, eine alte Stiftsheim in Sankt Georg

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Gern gesehene Figuren II

Es scheint mir eine auch in diesen Zeiten nützliche Übung in der Wahrnehmung des Positiven zu sein. Ähnlich wie bei der aus verschiedenen Blogs bekannten Reihe „Was schön war“, also mache ich mit dem hier begonnenen Format noch etwas weiter.

So sind mir etwa jene Typen ausdrücklich sympathisch, die eine gepflegte Verrücktheit lediglich in einem kleinen Teilaspekt ausweisen. Komplette Verrücktheiten, die hier auch reichlich vorkommen, finde ich dagegen eher anstrengend. Weil mir selbst das permanente Auffallen und Darstellen so überaus unangenehm wäre, es hat sonst keinen rational vertretbaren Grund.

Mit jenen Menschen aber, die nur partiell ein wenig aus dem Rahmen der Konvention fallen, die in gebotener Dezenz verrückt sind, sympathisiere ich sehr.

Verrücktheit nicht im negativen Sinne, versteht sich. Eher als interessante Abweichung von der Norm, von unserer kollektiven Erwartung gemeint. Wie etwa bei jenem Herrn, der hier schon mehrfach erwähnt wurde, weil ich ihn öfter sehe. Bei diesem Herrn, der so sehr nach erfolgreichem Notar aussieht. Oder vielleicht nach dem Chef einer Privatbank von Bedeutung, davon laufen in Hamburg immerhin auch einige herum.

Ein distinguierter Herr also. Wobei man den Ausdruck wohl kaum noch gebraucht. Sehr schön, aber das nur am Rande, sind die hier gelisteten verwandten Ausdrücke: edel, erhaben, erlaucht, hehr, illuster). Sagen wir einfach, er sieht nach Vermögen, Bildung und Stil aus. Wenn Sie spontan auf andere Berufe oder gesellschaftliche Positionen kommen, die für Sie plausibel diese Mischung ergeben können: Es ist schon recht. Sie können das so einsetzen.

Wie in einem vermutlich ebenfalls kaum noch bekannten Tango von Milva gehört er zu den Männern mit den graumelierten Schläfen:

„Das sind die Männer mit Erfolgen und Erfahrung
Sie sind für jede Frau ein wenig Offenbarung“

Allerdings gibt es eine dezente Abweichung im Bild, eine kleine Störung im Klischee. Denn der Herr trägt zwar einen dunkelhanseatenblauen Anzug, wie er feiner kaum ausfallen kann, mit einem derart perfekten Sitz, dass man spontan einen starken Maßschneiderverdacht haben kann. Aber er trägt dazu hochhackige Pumps. Auf denen er zudem, das Bild ist eindeutig, gekonnt geht. Fast möchte man sagen, besser als manche Frau.

Und neuerdings gibt es ein Pendant zu diesem Herrn. Er hat eine Parallelfigur bekommen, mit Ähnlichkeit in der Ausführung etwa des Anzugs und überhaupt im ausgestrahlten Niveau, welches man ihm unterstellen zu können sofort glaubt, wenn man ihn nur flüchtig betrachtet. Seine kleine Abweichung trägt er allerdings nicht an den Füßen, sondern vielmehr auf dem Kopf, wo wir neonpink gefärbte Haare sehen. In einer Frisur, die fast eine normale für Männer seines Alters und seines Berufsstandes sein könnte. Ein gewöhnlicher und gepflegter Schnitt. Nur einen Tick voluminöser fällt das Haar vielleicht aus. Etwas wogender steht es auf seinem Kopf und hat ein wenig mehr freudige Üppigkeit, so dass es nicht nur durch seine Farbe auffällt.

Ich stelle es mir nun als eine Art Sonderglück im allgemeinen Stadtbildlotto vor, diese beiden nebeneinander an einer Ampel stehend warten zu sehen. Zwei Herren, die sich vermutlich gar nicht kennen, sich aber doch so überaus sinnig ergänzen. Bisher habe ich sie allerdings nur in weiten zeitlichen und auch räumlichen Abständen wahrgenommen.

In einer Fernsehserie, das versteht sich fast von selbst, würde man bald herausfinden, dass sie das, was sie beruflich betreiben, diese Kanzlei, Bank, Praxis oder was auch immer es genau sein mag, selbstverständlich entweder gemeinsam führen oder aber in direkter Konkurrenz zueinander. Irgendwie müssen sie zusammengehören.

In der Wirklichkeit hilft uns erst einmal nur, diesen Bezug wenigstens zu bemerken und zu beschreiben, sich den bereits gestern erwähnten sinnigen Zufall als Verbindung zwischen so vielem wenigstens zu denken.

So bleibt man immerhin geistig beschäftigt, selbst wenn man gerade nur an Ampeln herumsteht und sich irgendwelche Menschen in der Großstadt ansieht. Auch schön.

Ein Sticker: More sweet nonsense please

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Antreten zum Wochenbeginn

Ich hatte mich neulich in diesem Text mit der Rechtschreibung und vor allem mit fehlenden Bindestrichen befasst, das fand sogar ungewöhnlich viele Leserinnen. Passend dazu hörte ich gerade einen Podcast der Zeit, der Sie dann folgerichtig auch interessieren könnte. Aus der Reihe „Woher weißt Du das?“ nämlich die Folge „Wozu Rechtschreibung, wenn KI jetzt alles korrigiert?“ (47 Min.) Ein Interview mit dem Linguisten Simon Meier-Vieracker, sicher vielen von TikTok, Instagram etc. bestens bekannt.

Darin werden etliche Aspekte rund um die Rechtschreibung angesprochen. Bis hin zu dem seltsamen Umstand, dass die Fehler von Frauen stärker beachtet werden als die von Männern. Fand ich alles hörenswert.

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Falls Sie aufgrund der Nachrichtenlage in den letzten Tagen von diesem Jahr mittlerweile endgültig genug haben, was ich durchaus nachvollziehen könnte, denn wer könnte es nicht: In der Buchhandlung sah ich am Sonnabend ein neu aufgestelltes Hinweisschild: „Die Kalender 2027 sind da.

Mit anderen Worten, dieses Halbjahr geht auch vorbei. Es ist zwar in der Regel und nach aller Erfahrung nicht so, dass mit dem nächsten Jahreswechsel mildernde Umstände oder gar reihenweise Glückslose verbunden sein werden. Aber da sich der Alltagsmythos, ein frisches Jahr habe etwas von „Neues Spiel, neues Glück“ doch hartnäckig hält und vermutlich weiterhin trotz aller Irrationalität als tröstlich und hilfreich empfunden wird, können wir das immerhin zum Vorausdenken im Sinn behalten. Man muss sich in diesem Zusammenhang auch nicht rationaler als der Rest der Welt verhalten, nehme ich an. Wozu sollte es dienen.

Zur Nachrichtenlage schrieb ich ansonsten vor drei Tagen an anderer Stelle, was auch hier noch einmal zitiert werden kann, wegen bleibender Gültigkeit:

„Die Nachrichtenlage weckt wieder aus dem Familienleben bekannte Gefühle: Man möchte das alles am liebsten kurz und ruppig aufräumen. Man möchte einmal flott die nähere Zukunft durchregeln und dann noch ein paar klare Ansagen zur generellen Lage machen.

Wie so ein angefressenes Elternteil, das sich in gebotener Eile durchs Chaos im Kinderzimmer fräst und dabei laut knurrend pädagogisch Wertvolles befindet.“

Denn es war wieder so eine Woche, also die letzte, in der nicht nur ich dermaßen angewidert von diversen Entwicklungen war, dass es geradezu körperlich wehtat. Es reicht einem allmählich mit dieser Wirklichkeit, man möchte sie ob ihres Verhaltens ungewöhnlich scharf verwarnen, und das ist noch milde gedacht und gesagt. Diese erschreckend missratene Wirklichkeit, die sich immer weiter fatal zu entwickeln scheint.

Ein Sticker, von Hand beschriftet: "If only closed minds came with closed mouths."

Wie jemand, der zusehends auf die schiefe Bahn gerät, dabei noch Fahrt aufnimmt und partout keinen guten Rat hören will – man kennt das Verhalten so auch aus Familiengeschichten.

Und man steht mit steil erhobenen Augenbrauen daneben, warnt immer weiter und sieht zu, ein wenig auch wie beim Unfall auf der Autobahn. Man sieht zu und voraus und wehe, wehe … Aber wir trauen uns kaum noch, auf das Ende zu sehen, wenn wir ehrlich sind.

Man sieht nicht recht, wie man noch gegensteuern könnte. Es ist ein wenig wie ein Rätsel, das wir einfach nicht lösen können. Aber egal! Alles dennoch machen. The week 28 expects that every man will do his duty. Frauen sind diesmal mitgemeint, eh klar.

Auch wenn sie es historisch keineswegs waren, damals vor Trafalgar.

Nachtrag: Direkt nach dem Verfassen dieses etwas mindergelaunten Textes griff ich zu einem Buch, hauptsächlich um nicht schon wieder irgendwo versehentlich Nachrichten mitzubekommen. Den „Billy Budd“ von Melville nahm ich mir vom Nachttisch, eine überfällige Bildungslücke zu schließen. Deutsch von Richard Moering, in der Diogenes-Ausgabe versehen mit einem Essay von Albert Camus. Da ahnt man dann schon, heiterer wird einen dieses Buch auch nicht stimmen. Ansonsten wusste ich aber nichts über den Inhalt der Novelle.

Wer aber tritt ebenso prompt wie unerwartet in dem Buch auf? Auf welches Zitat wird wohl gleich in den ersten Kapiteln Bezug genommen? Genau, der olle Nelson, genau, der berühmte Pflichterfüllungssatz von Trafalgar.

Ich halte also noch eben fest: Wohin auch immer die Wirklichkeit sich entwickelt, der sinnstiftende Zufall scheint zuverlässig mitzureisen. Immerhin.

"Billy Budd" als Diogenes-Taschenbuch

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Der Regen regelt

Der Sonnabend war, was hier lange kein Tag mehr war, grau und gründlich verregnet war er. Gleich am Morgen nach dem Aufwachen hörte ich dieses beruhigende, von früher vertraut wirkende Geräusch auf den Dachfenstern. Fast war es schon in Vergessenheit geraten, wie das klang. So ein gleichmäßiges, sachtes Rauschen und Tröpfeln. Ein filmnoirjazzmäßiges Hintergrundgeräusch zu Geschichten mit Substanz und tiefer Ernsthaftigkeit.

Die Heckscheibe einer Göttin von Citroen

Unten auf der Straße gingen währenddessen Menschen in Schwarzweiß an alten Autos vorbei. Aber, versteht sich, es war wieder nur einer dieser sogenannten Zufälle, dass ausgerechnet bei diesem Wetter eine Göttin vor dem Haus parkte. Eine Göttin, der manche Passanten einen Moment andächtig huldigten, bevor sie weitergingen. Bevor sie im Regen um die nächste Ecke aus dem Bild bogen, vielleicht in einen anderen Text.

Ein Geräusch jedenfalls auf den Scheiben, dem man schon nach kurzem Zuhören anzumerken meinte, dass es lange, lange anhalten wird. Den ganzen Tag vielleicht, und dann auch noch morgen. Dass also ausnahmsweise die norddeutsche Grundregel, die wir uns früher am Strand mehr als tausendmal mit trotziger Hoffnung gegenseitig aufgesagt haben, „Da hinten wird es schon wieder hell“, diesmal sicher nicht zur Anwendung kommen konnte.

In meiner Familie hätte man früher „Landregen“ dazu gesagt. Mir fiel erst spät auf, dass es im festen Vorrat der Redewendungen und Sondervokabeln kein urbanes Pendant dazu gab, keinen Stadtregen. Wir benannten nur diesen besonders lange anhaltenden, den sanft fallenden und besonders gleichmäßig niedergehenden Landregen. So lange anhaltend vielleicht, wie die norddeutsche Tiefebene weit ist. Dieser Regen, der so zuverlässig Stunden und Tage durchnässt und durchweicht.

Er kühlte auch die Wohnung weiter runter. Er war mir daher recht, dieser Regen, sehr recht sogar, endlich wieder einmal unter 25 Grad am Schreibtisch. Gerade noch rechtzeitig vor der nächsten Hitze kam dieser Regen. Und meinen Segen hatte er daher, nicht nur ein Tagestourist zu sein. Um eine Stadt kennenzulernen, um sich anzufreunden, braucht man sowieso mindestens drei Tage.

Die anderen Tagestouristen übrigens, die zum Schlagermove in der Stadt waren, zum fest eingeplanten Besäufnis also, die spülte der Regen diesmal aus all den Stadtteilen, die vom Umzug mit den Party-Trucks nicht betroffen waren. In der Innenstadt, an der Alster und auch im kleinen Bahnhofsviertel waren in diesem Jahr kaum Grüppchen in grellbunten Outfits zu sehen. Dort hörte man auch diese Musik nicht, und es fand kein schlagerseliges Cornern mit kreisenden Proseccoflaschen statt. Diesmal schien sich alles auf Sankt Pauli zu konzentrieren.

Wir dachten wie immer voll Anteilnahme an die Menschen, die dort wohnen, wo sich 200.000 Menschen vor ihrer Haustür dringend betrinken möchten.

Hier darf man das bald ohnehin nicht mehr. Meine Gegend wird nämlich demnächst eine ausgeweitete Alkoholverbotszone. Zum Schutz der Anwohnenden, versteht sich, so wird stets argumentiert. Es ist aber, wenn ich das als Anwohner anmerken darf, doch ein wenig verdreht, denn die Außengastro in dieser Zone wird es selbstverständlich weiterhin geben. Man darf sich also sitzend und als zahlender Gast sehr wohl immer weiter in die kreischend gut gelaunte Aperolekstase des Hochsommers trinken. Das bleibt jederzeit willkommen und heißt dann auf den Seiten, die dem Tourismus positiv zugewandt sind, „Urbanes Flair“ oder „Buntes Treiben“.

Und beides wird sehr gut bewertet, das sind Qualitätskennzeichen für großstädtische Gegenden.

Ein Schild in der Außengastro: Aperol to go

Man darf künftig aber nicht mehr mit einem offenen Dosenbier an dieser so lustigen Gesellschaft vorbeigehen. Dann bekommt man ein Problem mit der Polizei, denn dann stört man. 200 Euro Bußgeld.

Wenn ich aber an ein Delikt wie etwa Ruhestörung denke, vermutlich ein Bagatelldelikt aus juristischer Sicht, nicht aber aus der Perspektive der betroffenen Nachbarschaft, sind im Sommer eher die zahlenden Gäste in Cocktailpartystimmung vor den Restaurants, Kneipen und Bars das Problem, nicht aber die meist leise leidenden Alkoholkranken am Straßenrand. Bei denen würde vermutlich doch eher Sozialarbeit weiterhelfen. Aber was weiß ich schon.

Kreideschrift auf dem Pflaster: Freibier

Auch bei diesem Thema ist jedenfalls gar nichts so einfach, wie es auf den ersten Blick vielleicht wirkt.

Bei diesem Wetter – es regnet immer noch ländlich weiter – ist es allerdings ohnehin egal. Es findet da draußen ohnehin nichts statt. Eine herrliche Ruhe und tiefer Frieden am Sonntagmorgen. Landruhe könnte ich es nennen, der Regen regelt.

Auch mal schön.

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Prüfende Instanzen

In Hamburg kommt das Abpflastern nicht recht voran, lese ich beim Frühstück. Wie einem Menschen mit offenen Augen vielleicht auch auffällt, wenn er ganz ohne Karten, Zahlenmaterial und Vergleichswerte durch die Stadt geht. Wobei der Versiegelungsgrad hier insgesamt bei angeblichen 31,2 % liegt, so steht es in dem Artikel. Dieser Wert kommt mir nicht sehr hoch vor. Online findet man auch höhere Angaben, eher um 40 %. Wenn man in der Stadtmitte wohnt, so wie ich, könnte man leicht eine noch deutlich höhere Zahl annehmen, denn die Kunst besteht hier eher darin, das Entsiegelte, das Abgepflasterte überhaupt zu finden. Unter dem Pflaster der Elbstrand! Man muss aber etwa in der Hafencity schon erheblich Fantasie aufbringen, um diesen Gedanken ernsthaft zu glauben.

Fassaden in der Hafencity

Eine Promenade in der Hafencity, Kirchenpauerkai

Ludwigshafen hat wohl den schlechtesten Wert in Deutschland, über 60 Prozent sind dort zubetoniert oder asphaltiert, dahinter folgen Mannheim und Rüsselsheim. Köln ist auch schlechter dran als Hamburg – ich fand hier weitere Angaben dazu, auch z. B. für Ihr Bundesland.

Nun sehe ich gerade mit großem Interesse, dass man bezogen auf dieses in Hamburg nicht recht vorankommende Thema prüfende Instanzen aufbauen möchte, und da klingelt sofort meine brotberufliche Neugier. Prozesse und Regeln, Checks, Prüfungen, Auszählungen und Ablaufsteuerung – hat mich etwa jemand gerufen?

(Knarrend öffnet sich eine uralte, schwere Eichenholztür. Nach einem Moment der Gewöhnung an das schwache Licht erkennt man den Kopf von Graf Zahl in der dämmerigen Atmosphäre seines abendlichen Kontors. Huschende Schatten vor den Fenstern, es werden sicher jagende Fledermäuse sein. Der Graf sieht kurz von seiner Buchführung hoch, er legt die Feder weg. Die Innenseite seines weiten Umhangs leuchtet im flackernden Kerzenschein siegellackrot auf, er wendet sich langsam dem Publikum zu. Es werden ferne Gewittergeräusche zugespielt, es blitzt mehrmals.)

Pardon, ich verlor mich kurz in Abzählträumereien. Ich leite also aus dem Artikel ab, dass da womöglich bald ein Abpflaster-Controller gesucht werden wird. Ich setze mich sofort etwas aufrechter hin, ich überprüfe im Spiegel eben den Sitz der Frisur und gucke möglichst auffällig interessiert. Das ist wieder ein Beruf, denke ich mir dann, den ich auf einer Visitenkarte gut und passabel finden würde. Ich halte ihn auch für angemessen zeitgemäß, mit diesem mir attraktiv vorkommenden Gemisch aus konservativer Wortfindung und grüner Intention schon in der Bezeichnung. Abpflaster-Controller! Ich sage es mir versuchsweise mehrmals auf, ich bin weiter angetan von diesem neuen Begriff.

Im Büro wird es dann Entsiegelungsziele und auch ein Versiegelungsmonitoring geben, so heißt es. Ich habe die hierfür notwendigen Werkzeuge gleich vor Augen, ich bin in Gedanken schon in Datenbanken und Excel. Mir fallen jetzt schon Möglichkeiten für den Büroalltag und die berufliche Ausgestaltung ein, es ist ein dermaßen einladendes Thema. So würde ich etwa Flächen, die sich hartnäckig nicht entsiegeln lassen, Heftpflasterflächen nennen. Denn treffende, klare Bezeichnungen sind immer wichtig, in allen Berufen.

Ich könnte das alles aber auch ernsthaft interessant finden, abseits der Wortspiele. Doch, ich habe den dringenden Verdacht, das könnte ebenso interessant wie sinnvoll für mich sein. Außerdem werde ich bald 60 Jahre alt, daher wird es allmählich denkbar knapp für mich. Mein in unserer wilden Gegenwart etwas seltsam anmutendes Schicksal, lebenslang nur in einer einzigen Firma gearbeitet zu haben, es wird sonst wohl in Kürze endgültig besiegelt sein.

Wie auch immer, man überlegt so vor sich hin. Wie hieß es früher in der Werbung: „Entdecke die Möglichkeiten.“

Graffiti - ein Mädchen mit einem herzförmigen Ballon

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