Love and laugh

Endlich mal eine Stellenausschreibung, die mich anspricht. Warum auch immer man da teamorientiert sein soll, warum muss man überhaupt kategorisch teamorientiert sein? Wörter, die einem auf den Geist gehen können.

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Ich habe mir zwei Bücher besorgt, einfach weil mir die Titel gefielen, dann fiel mir erst auf, dass es zwischen ihnen einen Zusammenhang geben könnte. Zum einen Ralf Konersmann: Die Unruhe der Welt. Zum anderen, und es empfiehlt sich vielleicht wirklich, das dann direkt danach zu lesen, Fredrik Sjöberg: Wozu macht man das alles? Deutsch von Paul Berf.

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Neues von der Plastikfront: Beim Edeka hängt jetzt ein Hinweisschild, dass sie da an der Frischetheke gerne auch mitgebrachte Behälter befüllen. So etwas sehe ich zum ersten Mal, das sei hier also festgehalten.

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Auf dem Fußweg in unserem kleinen Bahnhofsviertel steht eine Dame fortgeschrittenen Alters, sie raucht mit einiger Grandezza aus einer Zigarettenspitze, das sieht man heute kaum noch. Sie trägt eine übergroße Sonnenbrille, sie sieht überhaupt aus wie eine alternde Filmdiva aus den Siebzigern. Sie wirft den Kopf zurück, sieht sich um und fragt Passanten, in einem Tonfall, dem man anmerkt, wie wahnsinnig lästig es ihr ist, irgendwelche dahergelaufenen Leute ansprechen zu müssen: “Pardon, wo ist denn hier heute der Bahnhof?” Wobei sie mit der Zigarettenspitze vage in der Gegend herumwedelt. Irgendwo da muss er sein, der Hamburger Hauptbahnhof.

Es ist natürlich nicht so, dass sie ihn nicht gefunden hat, nein. Man wird ihn wieder irgendwohin verschoben haben, was wirklich ungemein enervierend ist, wer würde das nicht verstehen.

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Aus einem Supermarkt kommt mir eine junge Frau entgegen, die ein Sixpack mit großen Plastikwasserflaschen auf dem Kopf trägt. Also freihändig und einfach so, als sei das gar kein besonderes Kunststück. Selbstverständlich geht sie dabei ungemein gerade, es sieht dennoch entspannt und natürlich aus, und man fragt sich sofort, warum nicht alle ihre Einkäufe so wunderschön nach Hause tragen. Es sieht entschieden besser aus als die sonst übliche Methode, dieses schiefe Schleppen, das bei vielen Menschen wie auf orthopädischen Warntafeln anmutet. Warum machen wir das denn nicht auch auf die elegante Art? Natürlich weil uns alles sofort und immer wieder runterfallen würde – aber das ist als Antwort vielleicht doch etwas kurz gegriffen, denn man könnte ja üben. Man könnte schon Kinder üben lassen, dann würden das bald alle können, das dauert doch nur ein, zwei Generationen. Früher, als ich noch viel ferngesehen habe, da haben in Reisereportagen irgendwo aus Afrika Frauen das Wasser vom Brunnen so ins Dorf getragen, und das Kleid, das die Frau mit dem Sixpack auf dem Kopf da vor mir trägt, das passt übrigens hervorragend zu diesen vage erinnerten Bildern. Ob es in unserer Weltgegend überhaupt jemals üblich war, Gegenstände so zu tragen? Ich habe keine Ahnung, das kam in Geschichte nicht vor.

Und ob wohl in Afrika jemals jemand denkt, dass er einmal in irgendeinem Reisebericht im Fernsehen gesehen hat, wie Menschen irgendwo in Europa total malerisch vor einem Brunnen am Dorfrand standen … so ganz ohne auch nur ansatzweise das richtige Land parat zu haben, weil die Länder da oben im Norden doch eh keiner unterscheiden kann? Mazedonien, Dänemark, Portugal, irgendwas? Europa eben. Reicht doch.

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Aus der Reihe words of the prophets: In einer Bäckerei in Eppendorf steht eine Frau vor der Theke mit den Brötchen und Kuchenstücken, sie guckt akut verstimmt und geht die Reihen der Auslage wieder und wieder durch, der Blick geht von links nach rechts und von oben nach unten, sie liest Kuchen, aber es gefällt ihr alles nicht. Sie schüttelt energisch den Kopf, verzieht leicht angewidert den Mund und sagt, als sie endlich drankommt: “Das ist ja jetzt nicht so einfach!” Sie sagt es scharf und ganz so, als könne die Verkäuferin etwas dafür und müsse daher erst einmal zusammengefaltet werden. Auf dem T-Shirt dieser Kundin steht: love and laugh.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Was noch? Musik! Luftgitarren raus!

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, Sie müssen aber nicht. Aber wenn Sie wollen und auch können – nichts möge Sie aufhalten, Sie feiner Mensch.

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Like a Ninja

Ich gucke mir am frühen Morgen Landkarten an, denke über Unterkünfte nach und bespreche mit der Herzdame organisatorische Fragen, dabei wird die erste Etappe der Wanderung denkbar unspektakulär und eher kurz sein, aber es ist eben so – dieses Vorbereitungsdings macht mir Spaß. Selbstverständlich ist meine Idee völlig bekloppt und äußerst unpraktisch umzusetzen, aber egal. Nach neuestem Kenntnisstand kommen übrigens doch beide Söhne mit. Was soll’s, Planung mit Familie, l’art pour l’art, Sie kennen das. Im Kern wird es am Ende darum gehen, dass ich gehe, die Familie kann gerne in wechselnder Besetzung dabei sein.

Ich kaufe in Kürze mal eine Wanderkarte, obwohl ich die eigentlich gar nicht brauchen werde, der Weg wird leicht zu finden sein.

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Ein Mann und ein Wörterbuch.

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Der Duft nach nassem Asphalt.

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Bitte beachten Sie in diesem Text das wunderbare Wort “Impressionsmeisterschaft”.

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Weil der Mensch nun einmal etwas doof ist, kauft er immer noch mehr SUVs. Wobei man hier in unserem kleinen Bahnhofsviertel mittlerweile den Eindruck hat, dass noch mehr SUVs gar nicht in den Stadtteil passen, es ist eben doch irgendwie physikalisch begrenzt, was da geht. Was da fährt. Steht. Egal.

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Vor zwei, drei Wochen dachte ich, es wäre nett und interessant, mehr auf das zu achten, was an den Wänden steht. Die erschütternde Erkenntnis ist leider, dass da echt wenig steht. The words of the prophets are not written on the walls anymore. Aber da mir gerade gestern die Frau mit dem Text auf dem T-Shirt auffiel, achte ich jetzt eben auf diese Texte, vielleicht haben die etwas zu sagen. Immer der Spur folgen, dem weißen Kaninchen, den Hinweisen! Und wenn man erst einmal darauf achtet, dann ist es jedenfalls verblüffend, wie viele Menschen beschriftet herumlaufen. Heute im Fang:

Vor der Kirche steht ein Jogger mit grauen Haaren, ein schlanker Mann im Rentenalter. Er steht da einfach nur in entspannter Grundhaltung und guckt unbestimmt geradeaus. Er hat Sportkleidung an, neu aussehende Laufschuhe, eine kurze Sporthose, er sieht ziemlich einsatzbereit aus, aber er steht eben nur. Er läuft nicht, er schwitzt nicht, er atmet nicht heftig, er sieht auch nicht so aus, als würde er in den nächsten Sekunden losrennen. Auf seinem T-Shirt steht: Unterschätze nie einen alten Mann.

Auf einer Rolltreppe in einer S-Bahnstation kommt mir ein kleiner Junge an der Hand seiner Mutter entgegen, ich fahre nach unten, er fährt nach oben. Er kapriolt etwas herum und der allergeschickteste Rolltreppenturner ist er nicht, das sieht man gleich auf den ersten Blick. Er schwankt, er stolpert, er balanciert mit wedelnden Armen auf der Kante einer Stufe, da reißt ihn die rettende Mutterhand abrupt nach oben, so dass er eine Weile hampelnd in der Luft herumbaumelt wie eine schlecht gespielte Marionette. Auf seinem T-Shirt steht: Like a Ninja.

An einer roten Ampel steht ein junger Mann neben mir, der eine verspiegelte Sonnenbrille trägt und mich durch sie ansieht, also nehme ich jedenfalls an, man erkennt das dann ja nicht. Seine Mundwinkel weisen unerbittlich nach unten, das erkenne ich immerhin zweifelsfrei. In der Hand hält er ein Smartphone, auf dem er die ganze Zeit herumtippt ohne auch nur einmal hinzusehen. Auf seinem T-Shirt steht: I’m not a human being.

Ich überlege gerade, ich selbst besitze gar keine Kleidung mit Botschaft drauf, nur ein paar T-Shirts mit dem Aufdruck Barcamp. Die Herzdame hat immerhin ein Oberteil, auf dem Swingtanzen verboten steht, dass zieht sie ab und zu zum Swingtanzen an. Logisch.

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Ich lese weiter in Henning Sußebachs “Deutschland ab vom Wege”, und ich glaube, ich sehe da etwas anders als der Autor. Er trifft auf seiner Wandertour nämlich – wie nicht anders zu erwarten – ganz normale Leute, also Leute, die bisher in seiner Journalisten-Bubble nicht so prominent vorkamen. Und er fragt sich dann, ob sich die Medien und ihre Vertreter zu weit von diesen normalen Leuten entfernt haben. Das ist eine gängige Annahme, das liest man in letzter Zeit öfter. Der linksliberale Journalist aus der Großstadt versteht den rechtsaußen wählenden Landwirt in Brandenburg nicht, der wiederum versteht die von den Medien auch nicht und redet irgendwann empört von der bösen Lügenpresse, wie konnte es nur so kommen, die gespaltene Gesellschaft.

Ich glaube, dass es keine Entfremdung gab. Es kann auch gar keine gegeben haben, weil es doch überhaupt nie Nähe gab. Es gab kein ideales Zeitalter der Medien, in dem sich alle glücklich verstanden haben, wir wollten sein ein einig Volk von Zeitleserinnen und -lesern. Jede Lektüre eines Romans aus dem Neunzehnten Jahrhundert weist doch nach, dass es auch da schon diese Distanz gab, dass es auch da schon die Blasen gab, dass die in den Städten auch da schon abgehoben über die Provinzblätter und die Trampel vom Lande gelacht haben.

Und immer schon, seit ich Leser bin, gab es in den großen Zeitungen vereinzelt, drei- viermal im Jahr oder so, großartige Reportagen von außerhalb der Bubble, ganz nahe an den anderen Lebenswirklichkeiten. Und die gewannen dann die ganzen Preise, diese Reportagen, die wurden herumgereicht und geshared und als Buch gedruckt, die wurden immer wieder lobend erwähnt, verbunden mit dem Ausdruck “Empathie”. Da hat also mal wer den Bauern verstanden, den Schuhverkäufer, die Krankenschwester.

Aber wirklich und wie nebenbei verstehen – das können oder konnten vielleicht immer nur Lokaljournalisten, also die mit den bis heute vielverspotteten Karnickelzüchterjahreshauptsersammlungsberichten. Vielleicht ist es auch einfach deren Beruf, dieses Verständnis zu haben, während der Feuilletonist bei einem Blatt (meine Söhne würden jetzt sagen: wieso heißt das denn Blatt?) in der Millionenstadt schlichtweg einen ganz anderen Beruf hat. Könnte ja sein.

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Der Musiktipp kommt heute wieder von Sohn I, es handelt sich um ein Video, dass seine Klasse im Kunstunterricht gesehen hat. Nanu!

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, es ist ein wenig wie bei einer Jukebox. Nur kommt eben Text raus, keine Musik. Na gut, es kommt auch jeden Tag ein anderer Text, nicht immer wieder eine exakte Kopie. Na gut, es kommt auch Text, wenn Sie gar nichts einwerfen. Na gut, es ist wohl nicht wie bei einer Jukebox. War ein Versuch.

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Strom & Stil

Die Woche beginnt mit einer Reizstrombehandlung beim Orthopäden, unter uns seniorigen Bloggerinnen muss so eine Erwähnung der Randumstände auch mal erlaubt sein, wir erleben ja sonst nichts mehr. Eine Behandlung, die jedenfalls ganz lustig war, da ein Arm dabei wildes Muskelzucken bekam und ich unwillkürlich winkend da saß, wie in einem Sketch von Zucker, Abrahams & Zucker, die Älteren erinnern sich. Laut lachend in der Kabine gesessen und mir passende Drehbuchstellen dazu ausgedacht, mit Ideen reich beschenkt gegangen, jederzeit gerne wieder. Dabei schreibe ich gar keine Drehbücher, fällt mir gerade ein. Egal.

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Ein Artikel über die Schlabberigkeit der Mode. Ich bin da gerade meinungslos. Aber ich kenne ziemlich wenig Menschen, denen ich einen deutlich erkennbaren Modestil nachsagen könnte, sicher sind es im Laufe der letzten Jahre auch eher weniger als mehr geworden. Und von denen, die ich kenne, gelten einige genau wegen ihres Stils als mindestens leicht irre. Der Rest trägt, was in den üblichen Läden eben so hängt. Irgendwie geschmacklos – aber irgendwie auch recht demokratisch. Hm. Schlimmer als modische Verheerungen erscheint mir allerdings oft der Einfluss der Jahreszeiten, denn der gewöhnliche Nordeuropäer beiderlei Geschlechts, er sieht einfach nur in Herbstmode gut aus. Kategorisch.

Wobei mich die Stilfrage daran erinnert, dass ich vor vielen, vielen Jahren oft einen seltsamen Typen auf der Straße getroffen habe (Achtung, habe ich schon einmal erzählt, Stammleserinnen springen bitte weiter zum nächsten Absatz), der so schrecklich und unvorstellbar abwegig angezogen war, dass er mir schon leid tat. So ein Typ, durch dessen Anblick einem klar wird, dass man selbst noch halbwegs richtig tickt, der in diesem Sinne also immerhin auch nützlich war, man braucht doch ab und zu den sozialen Abgleich. Viel später habe ich erst gemerkt – das war Wigald Boning, und der war damals nicht ganz erfolglos mit seinem Stil. Man braucht ein paar solcher Begegnungen, um von jeglicher Arroganz geheilt zu werden.

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Am Nachmittag Smilla Dankert getroffen und mich mit ihr über Bilder und Blogs unterhalten. Darüber muss ich noch ein wenig nachdenken, denn zwischendurch kam mir kurz der Gedanke, dass wir uns vielleicht viel zu wenig austauschen, also wir, die wir mehr oder weniger im Internet arbeiten und leben, die wir mehr oder weniger freiberuflich arbeiten und mehr oder weniger kreativ sind. Es könnte sinnvoll sein, das öfter zu tun, auch metierübergreifend, ich habe da womöglich selbst Bedarf. Umwerfende Erkenntnis, ich weiß, aber ich brauche manchmal eben länger.

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Auf der Straße eine junge Frau gesehen, auf deren T-Shirt in Brusthöhe “Sexy but psycho” stand, im Grunde total praktisch, da weiß man doch Bescheid. Kommt aber zu spät, so etwas hätten die Damen vor 30 Jahren tragen sollen. Obwohl. Nein, hätte auch nichts genützt, wenn ich so drüber nachdenke. Die Frau stand jedenfalls neben einem Auto, es wird ein Zufall gewesen sei, dass es gerade dieses Auto war, auf dessen Heckscheibe ein Aufkleber verkündete: “Never fuck a fucker”. Und sehen Sie, da haben wir es wieder. Wenn das ein kurzer Kameraschwenk in einem Film wäre, so von T-Shirt-Text zu Auto-Text, alle würden laut stöhnen. Aber in der Wirklichkeit muss man jeden Quatsch einfach so hinnehmen. Schlimm.

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Ich habe mehrfach zu danken, nämlich erstens dafür, dass Menschen die gestrige Wanderankündigung sofort finanziell unterstützt haben, wirklich grandios. Wenn das so weitergeht – es werden hier noch Sachen möglich, die ich früher immer gleich wieder verworfen habe, kaum dass mir überhaupt die Idee kam. Sehr, sehr interessant!

Zweitens danke ich für die freundliche Zusendung von zwei Büchern und einer Säge, einer Japansäge genau genommen, die schwer nach Ninjazubehör aussieht und sehr gut sein soll. Alles ganz großartig.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, sie Gutmensch vom Dienst. Ja, hier dürfen Sie es noch sein!

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EIL: Neuer Blogeintrag

Die Kaltmamsell fragte nach dem Begriff “scheckheftgepflegt” im letzten Beitrag und traf damit gleich einen wunden Punkt bei mir, diesen Begriff konnte ich nämlich bisher auch nie korrekt ableiten. Das Scheckheft, die Erklärung ist leider banal und hat mt Schecks gar nichts zu tun, ist gleichbedeutend mit dem Wartungsheft, da sind also nur die erforderlichen Stempel drin. Diese Wartungen müssen nicht einmal teuer gewesen sein. Im Grunde meint “scheckheftgepflegt” also einfach nur “streberhaft gepflegt”, nicht “ungeachtet aller Kosten gepflegt”, wie ich immer dachte. Schade eigentlich. Ich könnte dieses Blog, das brav stets mit der neuesten WordPress-Version und jederzeit aktualisierten Plug-Ins läuft, jetzt immerhin als scheckheftgepflegt bezeichnen. Toll!

Ein reichlich wohlhabender Mann, den ich einst kannte, der hieß mit Nachnamen Scheck, ganz im Ernst. Das wäre für einen Roman wieder viel zu klischeehaft, das wäre allzu flach ausgedacht, plumpe Holzhammersymbolik, meine Güte, wie in Entenhausen. Und doch – der hieß einfach so und hatte Geld wie Heu. An den denke ich oft, wenn ich Figuren benamse. Was allerdings nicht mehr so oft vorkommt.

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Einem Kommentar unter dem letzten Beitrag entnehme ich, dass ich auf der Straße erkannt wurde, das kommt auch bei D-, E- F- oder G-Prominenz ab und zu vor, unter welche Kategorie ich da auch immer fallen mag, es geht ja immerhin bis Z. Und zwar bin ich erkannt worden als “der mit dem wallenden Haar und dem Frosch auf dem Arm”. Dazu stelle ich fest: Wenn ich schon auf der Straße erkannt werde, dann bitte genau so.

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Wie schräg es ist, der Nachricht vom Tod eines halbwegs angemessen betagten Menschen ein EIL vorwegzusetzen, wie es jetzt gerade wieder alle getan haben. Nichts daran eilt, der Mensch bleibt, soweit es uns bekannt ist, eine ganze Weile tot. Man muss auch als Empfänger der Nachricht nichts stehen- oder liegenlassen, es gibt keine dringende Handlung, die sich aus der Meldung ableitet, nicht einmal ansatzweise, vermutlich für überhaupt niemanden, sogar das Schreiben von Nachrufen könnte man entspannt angehen. Und wenn man betroffen sein möchte, dann eilt auch das nicht, es ist ja eine geradezu abartige Vorstellung, möglichst schnell betroffen sein zu müssen. Nichts eilt, wenn ältere Menschen sterben und ich würde es mir für mich verbitten, auch noch im Tod mit dem Begriff Eile verbunden zu werden.

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Eine Kurzgeschichte von William Trevor gelesen. Ich glaube, der ist mir bisher komplett entgangen. Im Urlaub gleich mal Bildungslücken schließen!

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Im Garten sind Buschbohnen reif, Tomaten und Karotten, Mangold, Salat und Frühlingszwiebeln, die Stachelbeeren legen überraschend auch noch nach. Alles in kleinen Mengen, aber alles auch sehr gut. Süße Karotten, viel süßer als die im Handel. Die rote Melde ist mittlerweile größer als ich, blüht und ist damit nicht mehr genießbar, aber mir ist sie als Deko-Pflanze genauso willkommen wie als Gemüse. Im nächsten Jahr viel mehr davon.

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Die von Sohn II gewünschte Wanderung (ich berichtete) nimmt allmählich Projektcharakter an. Ich kombiniere seinen aktuellen und einigermaßen vehementen Wunsch kurzerhand mit einem lange – ganz, ganz lange – gehegten und immer wieder aufgeschobenen Wunsch von mir und entferne nebenbei noch den unseligen und nach Orthopäde klingenden Begriff “Zelt” aus dem Konstrukt, trickse etwas altersgemäß herum (also bezogen auf mich) et voilà – es nimmt wirklich Gestalt an. Auf Eiderstedt machen wir in Kürze eine Testwanderung um uns warmzuspielen, und dann legen wir los, aber weiter östlich, denn das Kind möchte dort wandern, wo es noch nicht war, um etwas von der Welt zu sehen. Eventuell zweigen wir ein paar Euro aus dem Hut hier unten für die Wanderungen und Übernachtungen ab, aber das müsste ja passen, denn die Wandertage werden in jedem Fall für Content sorgen, selbst dann, wenn wir grandios scheitern. Wie Sohn II sagt: “Wir können den ganzen Tag reden und nachdenken!” Sohn I überlegt noch, ob er mitkommt. So richtig chillig klingt Wandern ja nicht.

Ich lese übrigens gerade “Deutschland ab vom Wege” (Henning Sußebach), das ist gar nicht so unpassend. Ich lese das als E-Book auf dem Handy, merke aber doch wieder, als Blogger sind E-Books irgendwie doof, denn man kann sie nicht schick fotografieren, das fehlt mir dabei.

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Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Heute nur eine Gitarre für alle, wir müssen sparen.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, sie setzen Sohn II und mich diesmal damit quasi in Bewegung.

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Die kommt noch

Ein Leserbrief an die Zeit. Einer von vielen, hoffe ich.

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Beim morgendlichen Brötchenholen steht eine Frau vor mir in der Schlange. Wenn man ihre Kleidung als Zeichen für den Geisteszustand nimmt, hat sie ganz offensichtlich nicht alle Latten am Zaun. Sie bestellt aber ganz normal, sie hat sich also soweit im Griff, das freut mich für sie. Es ist ja immer schön, wenn ein selbständiges Leben noch möglich ist. Auf der Straße vor der Bäckerei laufen dann allerdings noch mehr Menschen herum, die seltsam gut zu der Frau vor mir passen, da kombiniere ich die Indizien blitzschnell und mit gewohnt hellwachem Verstand, Sherlock Holmes nichts dagegen: Es ist wieder Schlagermove in Hamburg. Mit anderen Worten, es bleiben mir also nur noch etwa drei Stunden, bis mir überall Besoffene vor die Füße torkeln und dabei lauthals Lieder aus der Vergangenheit singen.

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Ich: “Die Platanen sehen jetzt ohne Rinde so seltsam nackig aus – als wären sie gerade aus den Klamotten gesprungen.”

Die Herzdame: “Das sagst du nur, weil du das bloggen willst. Das hältst du wieder für einen tollen Satz, da machste nachher nen Text draus. Oder?”

Ich: “Wir kennen uns irgendwie schon zu lange, Schatz.”

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Am Ufer der Billerhuder Insel liegen Motorboote, ziemlich viele sogar, denn da gibt es einige Clubs für die Liebhaber solcher Schiffchen. Einige der Boote sind fast yachtartig groß, andere sind winzig, Nussschalen mit Motörchen. Einige sind verfallen und sehen aus, als würden sie in Kürze sinken, ohne dass sie jemals jemand vermissen wird, andere sind  scheckheftgepflegt und alles an ihnen glänzt und blitzt, ist frisch gestrichen und geputzt.

Eines der ganz kleinen Boote liegt am Rand eines Anlegers herum, es sieht ein wenig so aus, als hätten die größeren Exemplare es weggeschubst, mach mal Platz da, Kleines. Vorne am Bug, also da, wo bei Schiffen normalerweise der Name steht, da steht in schwarzen Buchstaben: “Kommt noch”. In einer vorgelesenen Geschichte könnte man mit diesem Namen die Grammatik ruinieren: “Die Kommt noch schaukelte sanft auf den Wellen der Bille.”

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Wir waren essen, am Nachbartisch saßen Autohändler, alles junge Männer natürlich, weil Klischees eben immer hinkommen. Fast immer. Vielleicht kannten sie sich alle von der Berufsschule. Die arbeiteten für verschiedene Automarken und unterhielten sich natürlich sich über ihre Jobs. Begriffe, die in ihrem Gespräch nicht vorkamen: Verkehrswende, E-Auto, Dieselkandal, Fahrverbote, Verbrauchswerte, Mobilitätskonzepte.

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Falls jemand Accounts kennt, die besonders gelungene, besonders schöne oder sonstwie auffällige Instagram-Stories posten, ich bin gerade für Hinweise dankbar. Es darf gerne um Food, Deko, Garten, Kultur gehen. Ich finde es ja manchmal seltsam entspannend, mich im Social-Media-Bereich mit bisher ignorierten Möglichkeiten zu beschäftigen, deswegen habe ich nur aus Spaß gerade etwas mit diesen Stories herumgespielt und war überrascht, dass man da reichlich Rückmeldung bekommt. Ungewöhnlich viele Rückmeldungen sogar. Nanu! Aber okay, als Sommerspielzeug ist das vielleicht wirklich ganz nett.

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Wir haben die Söhne heute vom Bahnhof abgeholt, nachdem sie eine Woche ohne uns an der Nordsee im Zeltlager waren. Sie haben uns vermisst, sagen sie, die heimische Toilette aber noch mehr.

Nun ja. Wer würde sich nicht über einen guten zweiten Platz freuen.

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Was noch? Melancholie!

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Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, Sie müssen aber überhaupt nichts. Toller Deal, ne.

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Kleinkram

Am Abend William Faulkner gelesen (“Eine Rose für Emily”), das war natürlich eine Schnapsidee, wenn man gerade genug vom Rassismus hat. Heute weiter mit James Joyce (immer noch in der Anthologie “Der Spatz meiner Herrin ist tot”).

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Beim morgendlichen Linkfischen das Sommerloch gefunden, es erscheinen deutlich weniger Blogartikel als ohnehin schon, die Meldungen in den Medien sind noch monothematischer als sonst, es ist einfach nichts los. Der Feedreader bei Ebbe, ein Bildschirm mit sehr viel Weißraum, sogar die Twittertimeline rückt langsamer nach unten und bei Nuzzel lohnt F5 nicht mehr. Auch mal schön.

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Ich habe den Eindruck, dass immer weniger Alltagsszenen in Blogs erscheinen, diese kleine Geschichten, die Beobachtungen. Das ist tatsächlich nur ein Eindruck, ich habe nichts gemessen oder gezählt, vielleicht sehen das andere ganz anders. Vielleicht hat auch mein Feedreader wieder eigenmächtig Blogs abbestellt, das macht er gerne mal, ich merke das dann immer erst nach Wochen, wenn mir auffällt, dass die Kaltmamsell oder wer auch immer schon wochenlang nichts mehr geschrieben hat und ob das denn wohl sein kann. Dann sehe ich nach, ärgere mich und lese rückwärts. Jedenfalls: Der Kleinkram fehlt mir, ich mag diese Form. Rausgehen und beobachten, na, was ich früher immer Blogsport nannte. Und wenn das keiner macht, dann mache ich das eben wieder mehr. Nehmen wir gestern:

An einer Bushaltestelle steht eine ältere Dame und wartet, als ich mich da auch hinstelle. Sie guckt auf die Uhr, sie guckt auf die Straße, sie stöhnt. “Wissen sie”, fragt sie, “ob der Bus Verspätung hat? Oder was mit dem ist?” Ich weiß überhaupt nichts. Die Dame sieht auf ihre Uhr und sieht auf die Straße. “Wo sind wir denn”, sagt sie, “also wo sind wir denn hier. Dass der nicht kommt.” Ich frage, wie lange sie da schon steht, ich sehe auf dem Plan, dass der Bus alle zehn Minuten kommt. “Fünf Minuten!” So unfassbar lange steht sie da schon. Sie sieht auf die Uhr und sie sieht auf die Straße, wo der Bus jetzt brav auftaucht. “Wo sind wir denn hier!” Sie schüttelt den Kopf, sie sieht beim Einsteigen den Busfahrer so strafend an, andere würden sofort alles zugeben. Aber Hamburger Busfahrer sind bekanntlich harte Hunde.

Wo sind wir denn hier. Wir sind in einem Land, das ins Chaos stürzt, wir sind in einem Land, mit dem es bergab geht, wir sind in einem Land, in dem Busse ganze fünf Minuten zu spät kommen, so sieht es doch aus. Es herrscht quasi schon Anarchie. Die Dame sitzt mir im Bus gegenüber, atmet schwer und empört sich still weiter.

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Der Bus hält vor einem Hotel, das kein Hotel mehr ist, das ist jetzt ein Haus, in dem Leute untergebracht sind. Die Zimmer sind etwas wild mit Möbeln vollgestellt, da wurden auch Bettlaken quer durch Räume gespannt, da wurden Schränke vor Fenster geschoben, ein guter Zustand geht anders. Im ersten Stock guckt ein Mädchen aus dem offenen Fenster. Die Kleine ist vielleicht drei Jahre alt und sie winkt den Leuten im Bus da unten mit vollem Einsatz, die schwarzen Locken fliegen nur so, das ganze Kind bebt vor lauter Winken. Und sie strahlt und ruft etwas, das man nicht verstehen kann, also ich jedenfalls nicht, die Umstände lege aber nahe, dass es so etwas wie “Hallo!” ist. Hallo in irgendeiner Sprache eben. Der Busfahrer guckt hoch, grinst und winkt zurück, so ein harter Hund ist das dann also doch nicht, guck an. Und das Mädchen freut sich wie ein Stint, dass da endlich jemand winkt, denn die Straße ist eher nicht so stark befahren und Fußgänger sind da leider auch kaum, das ist dort eher Industriegebiet. Ihre einzige Chance ist der Bus alle zehn Minuten, deswegen winkt sie auch mit vollem Einsatz und nicht nur nebenbei.

Ich nehme stark an, dass Mädchen ist neu in der Stadt, die Indizien sprechen dafür. Sie ist neu in einer Stadt, in der man sich, und das spricht doch sehr für die Stadt, in Frieden wie ein Stint freuen kann, wenn ein Busfahrer winkt. Im Rest des Landes geht das ja eher nicht, schon weil da diese Redewendung keiner kennt, da freut man sich nämlich anders, wie ein Schneekönig oder so. Ob das Mädchen aber überhaupt weiß, was Schnee ist? Und es soll auch Städte geben, da sind die Busfahrer noch härtere Hunde, ich grüße an dieser Stelle meine Berliner Leserinnen. 

Sich wie ein Stint freuen, norddeutsch für: Sich wie ein Schneekönig oder wie Bolle freuen. Man lernt hier ja was! Und wenn das Mädchen hier bleibt, dann kennt es diese Wendung vielleicht auch irgendwann.

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Was noch? Man müsste ein Instrument spielen können.

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Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, Sie müssen überhaupt nichts. Toller Deal, ne.

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Endlich alles, endlich nichts

Kleiner Nachtrag zum sonnen-krossen Laub. Nicht nur in Hamburg.

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Bei der GLS Bank habe ich zum Thema Klima gebloggt.

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Vorgestern fuhr ich nach der Arbeit direkt in den Garten und setzte mich in die Laube. Es war zu stürmisch, um draußen etwas zu machen, ich saß da also nur herum und guckte mir die Wände an. Das war enorm befriedigend, ich mag diese Wände und ich mag das Raumgefühl in der Laube. 24 Quadratmeter und aus Holz, das fühlt sich perfekt an, zumindest für eine Person, es fühlt sich an wie maßgeschneidert. Mit Toilette und Bad und Heizung wäre es natürlich noch netter, aber man kann im Kleingarten nicht alles haben. Die Laube bringt mich jedenfalls auf den Gedanken, dass ich mit einem Tiny House vermutlich gut klarkommen könnte, also theoretisch. Praktisch natürlich nicht, denn ich habe ja Familie. Aber so eine Hütte nur für mich – ein feiner Gedanke. Ich müsste mich auf Minimalismus nicht einmal umstellen, ich bin von Natur aus nicht besonders gut im Sammeln und Besitzen von Zeug.

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Die Söhne sind ohne uns auf Reisen, die Herzdame und ich sind also alleine und wieder hin- und hergerissen zwischen den beiden gleich einladenden Optionen, endlich einmal gar nichts zu machen oder endlich einmal alles zu machen, zu dem man sonst nie kommt. Und wenn wir uns schließlich auf ein Verfahren geeinigt haben, ist die Woche auch schon wieder vorbei und die Söhne wieder da. Same procedure as every year. Es gibt Themen, da sind wir einfach nicht lernfähig – aber immerhin teilen wir dieses Schicksal mit anderen Eltern. Nehme ich jedenfalls an.

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Heute zufällig in der Wikipedia drüber gestolpert – hier kommt also die Melodie von “Eisgekühlter Bommerlunder” her. Wieder was gelernt.


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Ich erwähnte es bereits, die Söhne haben Ferien, wir Eltern noch nicht, dennoch macht sich auch bei uns so etwas wie Ferienstimmung breit, ein allgemeines Nachlassen. Man könnte die Erschöpfung auch einmal zur Kenntnis nehmen und sich ihr etwas hingeben, das ist immerhin eine Option – es wird also etwas ruhiger hier zugehen in den nächsten fünf Wochen, fast wie in jedem Sommer. Vielleicht auch noch etwas ruhiger. Es gibt so Ideen, für die müsste ich erst einmal Schwung holen, ich weiß nur nicht woher, aber das ist vermutlich normal für die Jahreszeit. Ich brauche Pause von allem, auch und besonders dringend von den Nachrichten. Es ist unfassbar, wie die einen runterziehen, ein Energieverlust ohne Beispiel, einfach nur beim Lesen der Schlagzeilen. Ich muss länger Bäume angucken oder Vögel oder die Nordsee, so etwas in der Art. Wolken! 

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Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, die Herzdame braucht Lavendel vor der Laube. Und ich brauche den dann auch. Das ist übrigens ein Souvenir aus Südtirol, diese Lavendelsehnsucht, denn als wir zum ersten Mal da unten waren, schliefen wir eine Woche auf einem Obsthof, auf dem es überall durchdringend nach Lavendel duftete, es war berauschend und entrückend. Das war der Oberglunigerhof in Tscherms, den kann ich nach wie vor empfehlen. Nicht ganz billig, aber wirklich schön.

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Kaffee dazu?

Gärtnern in Zeiten des Klimawandels.

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Auf dem Weg zur Arbeit ist die Stadt so leer und ruhig wie sonst am Sonntagmorgen um fünf Uhr, es ist Ferienzeit in Hamburg. An den Straßenrändern gibt es sogar freie Parkplätze, mehrere nebeneinander, man könnte monströse Wohnmobile da abstellen. Einfach so. Möwen und Tauben stehen auf unbefahrenen Kreuzungen herum und gucken irritiert, ich radele durch eine verwunschene Welt. Bürohäuser ohne ein einziges erleuchtetes Fenster, da sind keine Sachbearbeiter drin, die die Sachen bearbeiten, die Sachen liegen jetzt in dämmerigen Großraumbüros herum. Einfach so. Der Himmel ist grau und verhangen wie früher, als es in Hamburg noch Regen gab, man hat so Erinnerungen. Es fällt nicht nur grünes Laub von den Bäumen, wie gestern, jetzt werfen auch noch die Platanen ihre Rinde ab, große Stücke, ein knuspriges Bersten und Brechen unter den Rädern, ich fahre Schlangenlinien unter Platanen, um möglichst viele Stücke zu erwischen.

Der Westwind treibt kühle Luft von der Nordsee vor sich her, mit etwas Glück fällt in den nächsten Tagen sogar der eine oder andere Schauer. Man muss es genießen, in drei Tagen kommt schon die Hitze zurück. Wenn man sehr tief einatmet und genau hinspürt, dann merkt man das Meer im Wind. Oder man bildet es sich ein, was macht das schon.

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Zur Lyrik, heute Karl Krolow, “Der Juli”. Wie gestern bei Rühmkorf wollen wir kurz ein Bild am Anfang des Gedichts auf uns wirken lassen:

Der Juli

fällt ins Haus

mit frischen Himbeeren

wie manche Brustwarzen

aufgerichtet unterm Hemd.

In meiner Vorstellung, die mit den Jahren vielleicht etwas spießig geworden ist, wenn man bedenkt, wie oft man als Vater Flecken auf Kinderkleidung zu verhindern versucht hat, zermatschen Himbeeren unter Hemden augenblicklich, das würde dann dummerweise etwas blutig aussehen. Irgendwie kein schönes Bild, das sich aus Hemd und Himbeere ergibt. Aber Obst und Körper, schon klar, da geht immer was, bei Ringelnatz etwa geht Pfirsich und Popo, warum auch nicht. Die Ähnlichkeit liegt auf der Hand oder hängt am Baum. In meiner Jugend war es mal Kult, diese berühmte Platte vom Kinski aufzulegen, Kinski spricht Villon, mit dem titelgebenden Gedicht “Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund”. Sehr exaltiert betont alles, er musste ja auch möglichst irre rüberkommen, er hatte da einen Ruf zu verteidigen. Ob er mit “Ich bin so wild nach deiner Himbeerbrust” damals wohl den gleichen Erfolg gehabt hätte? Aber dafür hätte es ja erst einmal Paul Zech einfallen müssen, dessen Übersetzung die Kinski-Texte damals folgten, wenn ich das recht erinnere. Mein Gehirn meldet gerade, die Platte wurde damals durchaus öfter aufgelegt, ich habe noch Zeilen parat: “Ich schrie mir schon die Lungen wund, nach deinem weißen Leib, du Weib …”

Na, da gab es noch kein Whatsapp, als man die Sehnsucht nach den Damen noch nächtlich unterm Mond herausbrüllte, statt ihnen einfach Nachrichten mit Herzchen-Symbolen zu schreiben. Was haben wir uns seither entwickelt!

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Der letzte Bäcker, der noch ohne bescheuerte marketingoptimierte Zwangsdialoge auskam, hat die Mitarbeiterinnen gerade nachgeschult. Jetzt fragen sie also auch in diesem Laden bei jedem Brötchenkauf, ob man denn keinen Kaffee dazu wolle. Nein, denn dann würde ich es ja sagen. Ich bin schon groß, ich kann sagen, was ich möchte. Oder dann vielleicht etwas Süßes? Nein! Nein! Nein! Brote wieder zuhause selber schmieren, es geht einfach nicht anders, diese Dialoge machen mich zu aggressiv. Aber ich sehe es schon kommen:

Ich, morgens zu mir selbst murmelnd: “Hunger. Erstmal Brot machen.”

Auch ich, weiter zu mir selbst murmelnd: “Darf es dazu auch ein Kaffee sein?”

Und dann den Kopf an die Wand in der Küche hauen, bis alles wieder gut ist.

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Sohn II möchte mit mir auf Wanderschaft gehen. Und dann irgendwo zelten, nur wir zwei. Da kann ich natürlich nicht nein sagen, aber ganz so einfach ist das auch nicht. Unser Zelt ist ein riesiges Vierpersonenfamilienzelt, das wiegt unfassbar viel und kann denkbar schlecht auf dem Rücken mitgeführt werden. Außerdem kann ich es alleine zwar auf-, aber nicht abbauen, genau genommen würde ich es eher verbrennen als noch einmal Stunden mit sinnlosen Versuchen zuzubringen, das Ding korrekt einzufalten, während der Rest des Campingplatzes sich prächtig über mich amüsiert. Es ist kompliziert.

Eventuell wandern wir irgendwann in den Ferien los, kommen irgendwo an und rufen dann die Herzdame an, sie möge uns freundlicherweise das Zelt mal eben mit dem Auto vorbeifahren. Dann schicken wir sie aber gleich wieder weg, denn das soll ja so ein Vater-Sohn-Ding sein. Am nächsten Morgen hänge ich einfach einen Zettel “Zu verschenken” ans leere Zelt und der Sohn und ich machen uns noch im Morgengrauen aus dem Staub. Ja, so könnte es gehen.

Ich hatte einmal ein Kinderbuch über so eine Vater-Sohn-Wandergeschichte, da hat der Vater, sich das eigene Bett auf der Wanderschaft mit dem Sohn jeden Abend hinterherfahren lassen, vermutlich hatte er Rücken und viel Geld, ich weiß es aber nicht mehr genau. Kennt das Buch jemand? Vielleicht erinnere ich das auch völlig falsch. Niemals einfach Zeugenaussagen glauben, auch nicht den eigenen.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ich plane an der Herbstbepflanzung herum und googele Gartencenter. Ich kann die trüben Pflanzenreihen in Baumärkten nicht mehr sehen, ich bin da rausgewachsen. Ich brauche den Fachhandel.

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Der Präser Gottes

Ein wenig Geschichtsunterricht, passt gerade ganz gut.

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Auch in der FAZ denkt man über offene Grenzen nach.

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Furcht und Fremdheit.

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Verwaltungsfachleute sind sozial stabiler als andere. Oder so. Hä? Nach der Logik sind Menschen wie ich, zwei Berufe oder mehr, sicher sozial instabil wie nur was.

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Wir sind vier Tage nicht im Garten gewesen, und was da jetzt alles hinüber ist – es nicht zu fassen. Wenn man nicht täglich wässert, läuft gar nichts, wächst gar nichts, man möchte in diesem Jahr ganz sicher kein Landwirt sein.

“Auf Sommers Grill” heißt ein thematisch passendes Gedicht von Peter Rühmkorf, der auch manchmal zu mehr als seltsamen Bildern neigt, gucken Sie mal, wie das anfängt:

Auf dem Grill des Sommers hingebreitet,

sonnen-krosses Laub am Ellenbogen,

und der Himmel wie ein Präser Gottes

über die entflammte Welt gezogen.

Der Präser Gottes also. Mal im Hinterkopf behalten, für den nächsten Blick zum Himmel. Auf der Seite der Zeit kann man zufällig gerade lesen, dass der Tripper zurückkehrt und gar nicht mal so gut behandelbar ist. Klingt ein Präser, den man über etwas Entflammtes zieht, nicht irgendwie auch nach Geschlechtskrankheit? Und gibt es Präser überhaupt in himmelblau? Ist mir jedenfalls noch nicht untergekommen. Drübergekommen. Egal. Man muss ja Rühmkorf auch nicht für jede Zeile feiern.

Aber “sonnen-kross”, das wiederum hat er schön gesagt. Ich bin heute auch über sonnen-krosses Laub geradelt, noch grün und doch tot, die ganze Stadt liegt voll damit. Beim Überrollen machen die knochentrocken bröselnden Blätter ein krispes Geräusch als hätte man frisch verstreute Kartoffelchips unter den Rädern, es ist ein schönes Geräusch, urban und ländlich zugleich. Extra Schlangenlinien gefahren, um möglichst viel sonnen-krosses Laub zu erwischen.

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Im Garten habe ich heute ein Experiment geerntet, dicke Bohnen. Das war ein Horroressen meiner Kindheit (ich grüße an dieser Stelle meinen Bruder), das scheint überhaupt wenig Kindern zu schmecken. Ich habe das jahrzehntelang nicht gegessen, genau genommen nie wieder, seit ich Lübeck vor zig Jahren verlassen habe. Ich aß das heute also zum ersten Mal wieder, dicke Bohnen nur gekocht, kurz in Butter geschwenkt und gesalzen – köstlich. Bin ich doch glatt wieder ein Stück erwachsener geworden! Und weil ich ja immer alles nachschlage, weiß ich jetzt auch, dass dicke Bohnen gar keinen Bohnen sind, in Wahrheit und in der Botanik sind das Wicken. Dicke Wicken! Das wissen Kinder aber nicht, sonst gäbe es da enorm viele schöne Witze zu, bei so einladenden Reimwörtern. Im nächsten Jahr werden bei uns jedenfalls mehr dicken Wicken angebaut. Gutes Zeug – und niemand mag die in der Familie, nur ich, alles meins. Immer gut. (Für Gartenfreunde: Dicke Bohnen passen hervorragend neben Kartoffeln, mit etwas Glück sind sie auch gleichzeitig reif.)

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Aus einem Kleingarten höre ich auf der Fahrt nach Hause Musik, ungewöhnlich laute Musik sogar. Musik, die ich erkenne, auch wenn ich den Titel nicht weiß, aber es ist ein Stück, das sich mir tief eingeprägt hat. Es ist nämlich eines der wenigen Stücke, zu denen man Paso Doble in Tanzschulen übt. Paso Doble ist das, wo es in Anfänger-Standard-Kusen allmählich lächerlich wird, wenn Sie das vielleicht nicht kennen. Paso Doble ist das, wo man in diesen Kursen einfach durch muss und wo alle irgendwann albern werden. Der Norddeutsche als gockelnder Torrero, das klappt einfach nicht. Aber man stampft gottergeben auf wie der jugendliche Liebhaber in Granada oder wo auch immer, man drückt das Kreuz irgendwie spanisch sein sollend durch und die Dame wirft wild den Kopf zurück und denkt angestrengt an Carmen, also jedenfalls wenn sie vor Lachen überhaupt noch kann.

Ich fahre etwas langsamer, ich will doch mal sehen, wer da denn bitte Paso Doble am Gartentisch hört. Spanier womöglich? Aber nein, da sitzen ältere Deutsche, rundliche, ältere Deutsche, eine Frau und ein Mann, hinter der gepflegten Ligusterhecke, und sie sitzen vor Kaffee und bereits leeren Kuchentellern. Und bewegen sich nicht und hören stumm, die Musik kommt brüllend laut aus der Kompaktanlage und ist sehr südlich und wer weiß denn schon, was in den beiden vorgeht, während sie noch einen Schluck Milch in den Filterkaffee kippen. Oder was in ihnen damals vorging, als sie gemeinsam den Paso Doble … man weiß es eben nicht.

Ich fahre weiter, ich drücke das Kreuz durch und halte mich für einen Moment mal wieder caballeromäßig kerzengerade auf meiner zweirädrigen Rosinante, während die Musik mit der Entfernung immer leiser wird und die beiden im Garten da weiter reglos sitzen, nur ab und zu wird eine Tasse zum Mund geführt. Haltung ist alles beim Paso Doble, vielleicht aber auch sonst.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen. Gerade kam da Geld mit der expliziten Aufforderung, es für Eis auszugeben, das ging bereits klar, vielen Dank, auch von den Söhnen! Und außerdem noch ein ganz besonderer Dank an Jörg O. für die besonders freundlichen Zeilen, die haben mich riesig gefreut. 

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Der Aufbruch

wo bleibt denn da mal wieder ein Aufbruch … Hierzu stelle ich fest: Den Aufbruch findet man im Herrenklo der Kneipe “Traumzeit” am Hamburger Hansaplatz in unserem kleinen Bahnhofsviertel. Da steht auf den Kacheln links über dem Wasserkasten, handgeschrieben mit Filzstift und dunkelgrün: “Es lebe das Leben – es lebe die Revolution.” Von da geht das also aus. Bitte sehr.

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Gestern gab es einen Hauch von Frische bei der morgendlichen Radfahrt zur Arbeit, ich habe gleich gedacht, ach ja, ein wenig Herbst wäre auch fein, mal wieder durchatmen und etwas mehr Energie haben. Ob ich das überhaupt schon jemals im Leben Anfang Juli gedacht habe, einen Tag nach Beginn der Sommerferien? Die Welt ist aus den Fugen. Oder ich bin es, das kann man nie ganz ausschließen.

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Daran anschließend einige Gedichtzeilen zum Thema Hitze in der Stadt (unweigerlich singt es im Hinterkopf “Hot in the city”, furchtbar), das ausgewählte Werk kann aber leider nicht vollständig zitiert werden, denn da wird im späteren Verlauf tatsächlich und wörtlich Herz auf Schmerz gereimt, es ist ein wenig shocking. Ich zitiere aus “Stadtsommer”:

Funkelnd über den Dächern

Liegt der heiße Strahl;

Ach, kein Lüftchen, kein Fächern

Lindert die sengende Qual.

Ferdinand von Saar war das. Na ja. Da liegt er also herum, der heiße Strahl. Ist das ein gutes Bild? Wir haben da Zweifel, haben wir nicht? Einfach mal abwinken, beim Durchblättern einer Gedichtantholgie. Das ist völlig in Ordnung.

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Kaum schreibt Jojo hier mal was, wird er gleich im Tagesspiegel zitiert. Ts. Und in der aktuellen Ausgabe der Chrismon kommt die Herzdame mit dem Medienexperiment vor, aber die erwähnen dort das Blog nicht, dann verlinke ich sie auch nicht. Auge um Auge, Link um Link. 

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Ich lese gerade “Die Dame mit dem Hündchen” von Tschechow (in der Anthologie “Der Spatz meiner Herrin ist tot: Große Liebesgeschichten der Weltliteratur, herausgegeben von Jeffrey Eugenides), da kommt Jalta drin vor, wo die Liebenden sich kennenlernen. Ich finde es amüsant, wie beim Lesen des Wortes Jalta plötzlich Lichtlein in abgelegenen Kammern des Hirns angehen, wie da hektisch Schubladen alarmmäßig aufgerissen werden, denn das kam damals im mündlichen Abitur vor, die Konferenz von Jalta, Teilnehmer, Jahreszahl, Beschlüsse, Folgen, Nachkriegsordnung, Absichten der Weltmächte, bitte sehr, bitte gleich, kann ich alles. Also konnte ich. Wild aufgewirbeltes Fetzenwissen beim Lesen eines Wortes – ich denke bei den folgenden Absätzen also Stalin, nicht Liebe. Schlimm.

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Apropos Hitze: Die Ostsee hat auch ein Problem.

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Noch mehr Plastikmüll. Viel mehr.

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Und was ist mit Kasachstan? Das fragt man sich natürlich auch bei manchen Inlandsthemen, wo die denn bloß bleiben, denn bei dem Debakel der letzten Woche fand auch eine gewisse Verdrängung statt. Kurzer Check bei tagesschau.de jetzt gerade: Fünf Meldungen oder Kommentare zum CSU-Quatsch. Fünf!

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Es gibt Neuigkeiten von Peer (siehe hier). Die Bauarbeiter haben doch tatsächlich für eine unerwartete Wendung gesorgt, sie haben gestern die Zaunsegmente einfach mal umgestellt. Jetzt steht da nicht mehr die rüde anmutende Feststellung “Peer lutscht Schwänze”, jetzt steht da eine im direkten Vergleich fast schon vorsichtige Frage: “Lutscht Peer Schwänze”. Allerdings ohne das notwendige Fragezeichen, da hat sich bisher keiner erbarmt, es ist kaum mitanzusehen. Ob sich demnächst jemand nachts an die Rettung des Fragesatzes macht? Und wo kann ich hier Farbe kaufen?

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, es geht allmählich an die Aussaat für den Herbst, womit diese Jahreszeit im heutigen Eintrag schon zweimal erwähnt worden ist. Nanu. 

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