Linkwerk zum Wochenende

Gesehen:

Auf arte sah ich die aus familienpsychologischer Sicht durch und durch unangenehme, aber dennoch interessante Folge über Romy und Magda Schneider. Enthält selbstverständlich auch mitgelieferten Geschichtsunterricht.

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Bei den Mediathekperlen gibt es eine angemessene Beschreibung der Blechtrommelverfilmung von Schlöndorff, die auch in meinem Leben eine signifikante Filmerfahrung war, und es wird so für viele gelten. Das kann ich schon daran festmachen, dass ich mich ganz erstaunlich gut an viele Details erinnern kann.

Den Film kann man auf 3sat bis zum 20.4. sehen.

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Eine Instagram-Empfehlung: Ich mag den Account von Nico Koch aus Berlin. Urbane Bilder mit einem eigenen Stil. Manchmal so, dass mir Spielfilmszenen dazu einfallen.

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Gelesen:

Herr Rau ist eventuell einer Idee aus meinem Blog gefolgt, es ist aber auch egal, jedenfalls hat er die Elixiere des Teufels von E. T. A. Hoffmann gelesen, dazu einiges notiert und vor allem skizziert, was die etwas irre Komplikationsvielfalt dieses Romans darstellt.

Mich hatte beim Buch der nebenbei gelesene Hinweis irritiert, dass Hoffmann es besonders schnell geschrieben habe. Er muss also all diese Komplikationen der Handlung in der Gänze entsprechend schnell im Kopf gehabt haben.

Erstaunlich, sehr erstaunlich. Aber gut, es gibt in seiner Biographie weitere Hinweise darauf, dass sein Gehirn etwas leistungsfähiger als das anderer Menschen war, to say the least.

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Chris Kurbjuhn ist gestorben, viele werden ihn als Blogger gekannt haben. Hier und hier Nachrufe. Ich kannte ihn nicht, wir begegneten uns „nur“ durch regelmäßige, freundliche Hin- und Herverlinkungen.

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Gehört:

Man kann bei diesem Podcast „Jahrhundertgeschichten“ wohl keine einzelnen Folgen verlinken, aber ich hörte dort jedenfalls die Sendung vom 25.2. über „London 1952: The great smog“. Und zwar hörte ich sie durchweg staunend, denn ich wusste von dieser Geschichte rein gar nichts. Daher habe ich es auch noch in der Wikipedia nachgelesen, und dann habe ich weiter gestaunt. Tausende starben, es war ein wirklich spektakuläres Ereignis, wieso habe ich davon denn nie gehört?

Ein Szenario wie aus einem Horrorfilm: „Der Smog wurde so dicht, dass die Sicht fast auf „Null“ zurückging. Augenzeugen berichten, dass Menschen, die an sich herabblickten, alles, was unterhalb ihrer Taille war, nicht sehen konnten, und wenn sie die Arme ausstreckten, verbarg der Smog ihre Hände.“

Ebenfalls im Geschichtskontext eine Dreiviertelstunde bei Deutschlandfunk Nova über die Geschichte der Wikipedia und überhaupt der enzyklopädischen Vorhaben. Ich fand vor allem den Abschnitt über Diderot und d’Alembert interessant.

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Beim WDR hörte ich ein Zeitzeichen (15 Minuten) über die „dunkle“ Herkunft der Heinzelmännchen aus Sicht der Märchenforschung und der Germanistik etc. Was schon einmal faszinierend damit beginnt, dass die Ableitung ihres Namens unklar ist.

Bei dem Heinzelmännchen könnte man naheliegenderweise moderne Analogien bilden. Auch die AI und die Robotik sollen und können gerade Aufgaben für uns erledigen. Sie werden teils sogar derart beworben, dass sie Müßiggang und Faulheit ausdrücklich ermöglichen werden, siehe auch meinen Text von gestern dazu.

In der alten Geschichte der Heinzelmännchen ist ein frauenfeindlicher Aspekt enthalten, denn wie schon bei Eva und Adam ist es die Neugier einer Frau, die zu Köln ins Unglück führt. Die Neugier einer Frau, die einfach wissen wollte, was Sache ist. Die alles ergründen wollte, was also, wenn man es der männlichen Welt zuordnen würde, ausgesprochen positiv mit unermüdlichem Forscherdrang assoziiert und mit Preisen belohnt werden würde. Und keinesfalls mit der Vertreibung aus dem Paradies.

Es wäre nun nicht ohne geschichtliche Ironie, wenn die Kritik an der mittlerweile als allwirksam beschriebenen AI am prominentesten von einer Forscherin in dieser Hinsicht vertreten werden würde. Von einer Forscherin, die dem vermeintlichen Bewusstsein der Software dabei auf eine neue Art nahekommt, einem gewissen Aspekt auf den Grund geht und durch ihre Arbeit etwas aufdeckt, das durchaus nicht aufgedeckt werden soll – aber leider weiß ich nicht, wer die Kritik an der AI gerade besonders prominent vertritt.

Wer also den Heinzelmännchen die Erbsen oder Äpfel der Erkenntnis ausstreuen wird. Hauptsache Obst und Gemüse.

Ein Sticker: Bis hierhin ist alles gutgegangen

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Dann eine eher befremdliche Aufnahme. In einem Podcast der Zeit: „Nur eine Frage“. Das ist eine KI-Übersetzung eines im Prinzip interessanten Gesprächs mit Richard Edelman über sein „Trust Barometer“, über das Verhältnis von jungen und anderen Menschen zu traditionellen Medien.

Zwei Aspekte fand ich dabei bemerkenswert, ganz abgesehen vom eigentlichen Inhalt. Zum einen fällt mir wieder der Widerspruch auf zwischen dem, was man der KI mittlerweile zutraut, und dem, was sie kann. Denn die KI-Stimme, die da den Richard Edelman auf Deutsch gibt, ist absolut schrecklich. Sie klingt so, als würde jemand höchstens mittelgut eine KI-Stimme nachmachen, die mehr schlecht als recht einen Amerikaner nachmacht. Würde man da nicht mittlerweile mehr erwarten, wenn man die PR-Meldungen der Software-Firmen liest? Deutlich mehr würde ich erwarten, also ich jedenfalls. Ich würde erwarten, dass mir nichts mehr auffällt und alles vollkommen glaubwürdig klingt. Dem ist eindeutig nicht so.

Zweitens staunte ich sehr über einen Satz gleich am Anfang. Da weist der Chefredakteur der Zeit korrekterweise darauf hin, dass es sich um eine KI-Übersetzungsversion des Gesprächs handeln würde. Und er sagt dann noch, dass sie das Gespräch, also das KI-Ergebnis, zwar geprüft hätten, es aber dennoch Fehler enthalten könne („Wir haben versucht, das zu prüfen …“).

Und da möchte vielleicht nicht nur ich etwas entgeistert fragen: Warum das denn?! Sind sie bei der Zeit nicht in der Lage, ein Gespräch von nur 35 Minuten Dauer so zu prüfen, dass keine Fehler in der Übersetzung enthalten sind? Wieso nicht? Wie kann das sein? Brauchen sie Hilfe?

Fallen doch im Laufe des Gesprächs doch schöne Vokabeln wie Qualitätsmedien, Goldstandard, seriöse Medien etc., wird doch auch die Frage gestellt, wieso Vertrauen verloren wird.

Das merkt man doch? Nein?

Ein Rettungsring am Ufer der Binnenalster

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Es gibt einen neuen Song von Bedouine. Er klingt, und das ist sehr gut so, wie die früheren Songs: Long way to fall.

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Anmerkungen zum Workload Creep

Es geht um Arbeit, ich empfehle wie immer, beim Lesen den einschlägigen Dan-Reeder-Song im Hintergrund laufen zu lassen. Der Text besteht nur aus einer Zeile, und die reicht auch.

Im ohnehin empfehlenswerten Instagram-Account von Alke Martens, Professorin für Informatik, fand ich in diesem Beitrag die Vokabel „Workload Creep“. Den Begriff kannte ich noch nicht, den Inhalt schon.  Die naheliegende Annahme nämlich, dass durch KI die durch Menschen zu erledigende Arbeit mehr wird, nicht etwa weniger, wie überall postuliert.

Hier noch ein aktueller Artikel zum Thema, der den Inhalt des Begriffs knapp zusammenfasst. Ich finde das plausibel, was da aufgeführt wird, es ist ein im Moment wahrscheinliches Szenario, dass der Stress eher zunimmt.

Dass Arbeit tatsächlich absolut weniger wird, das ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Wir und all die anderen, auch z. B. die, welche uns eingestellt haben, wir werden uns schon Beschäftigungen erfinden, wenn man uns Beschäftigung nimmt. Das kennen wir auch aus der Vergangenheit so.

Ein Sticker mit Text: Irgendwas ist immer

Wir werden es Arbeit nennen, was wir uns da ausdenken werden, und wir werden es auch als Arbeit empfinden, es sogar als Arbeit empfinden wollen. Denn es sitzt kulturell doch tief.

Wobei ich es aber interessant finde, zwischendurch etwas allgemeiner nachzudenken und zu überlegen, wie KI im persönlichen Umfeld mittlerweile tatsächlich angekommen ist. Denn man kennt ja meist Menschen aus verschiedenen Berufen, Altersgruppen, auch mit unterschiedlichen ideologischen Ausrichtungen, diversen Interessen, Lebenssituationen etc.

Das mag nun bei Ihnen anders als bei mir sein, aber ich kann noch nicht berichten, dass der Alltag von vielen signifikant schöner oder eleganter geworden ist, von vieler Mühsal und allerlei Last befreit. Dass sie wahnsinnig lästige Aufgaben komplett losgeworden sind, dass sie vielleicht sogar deutlich mehr Freizeit haben, mehr Zeit für Kreativität oder für die großen philosophischen Fragen. Oder für andere zutiefst menschliche Möglichkeiten.

Einfacher ausgedrückt und zusammengefasst, ich erlebte noch keinen einzigen Fall von Gespräch, in dem jemand etwas sagte wie: „Weißt du noch früher, vor KI, wie schwer das immer alles war …“

Das ist aber genau der Typ von Satz, den es eigentlich geben müsste. An diesem Satz würde man merken, dass im Alltag etwas passiert ist. Sätze dieser Art haben wir damals, als wir die Büros durchdigitalisiert haben, durchaus verwenden können.Wie jeder weiß, der etwa einen Serienbrief an tausend Menschen sowohl vor als auch nach der Einführung von Computern, Word etc. auf den Postweg gebracht hat.

Ich bin einer von denen, ich war dabei. Aber auch damals schon haben wir die frei gewordene Zeit mit anderen Tätigkeiten aufgefüllt. Und wie unfassbar schnell wir das getan haben.

Ein Graffiti, das Wort Druck

Sicher, es gibt heute vereinzelte Erleichterungsmeldungen. Aber das sind bisher nur bestenfalls Prozessabschnittsverbesserungen. Die will ich zwar nicht leugnen, die kann man von Fall zu Fall auch feiern, aber es wird dann eher kein großes Fest geben.

Diese Gespräche über bedeutende Erleichterungen hätten längst eintreten müssen, wenn man den Influencern aus der KI-Richtung und auch vielen Medienberichten aus dem Tech-Ressort glaubt. Ich finde es interessant, wie sich das medial erzeugte Bild in meinem Alltag abbildet, wie da etwas nicht passt.

Eine Ausnahme gibt es allerdings, Sie haben sie vielleicht auch schon im Sinn. Bei einer Gruppe nämlich verhält es sich komplett anders, und dafür muss man auf den Nachwuchs sehen. Bei dem gibt es in der Tat schon die Wahrnehmung, dass etwas auf einmal viel leichter geworden ist. Wenn auch nicht im Sinne der Erwachsenen, vor allem nicht im Sinne des Lehrpersonals. Dass man nämlich nun schulische Aufgaben aller Art stark abkürzen oder vermeiden und an Technik teils komplett delegieren kann, das steht für diese Generation vollkommen außer Frage. So wird es heute gemacht, so ist es state of the art. So hätten wir es fraglos damals alle gemacht, hätten wir nur die Chance gehabt.

Aber wir hatten ja nichts. Nur äußerst komplizierte Taschenrechner in der Oberstufe, und bei denen kannten wir nicht einmal alle Tastenbelegungen.

Hätte ich etwa den Macbeth im Ernst und unter erheblichen Mühen in der Originalsprache gelesen, wenn ich es hätte vermeiden können, mich da ein halbes Schuljahr lang analysierend durchzukämpfen? Seite für Seite, Szene für Szene? Mein innerer Siebzehnjähriger lacht da kurz und bitter auf. Denn meine Güte, mit welch heftiger Aversion konnte ich dieses Buch in jenem Jahr nicht mehr sehen. Ich finde es aber heute doch irgendwie cool, nach all den Jahren immer noch ganze Textpassagen auswendig zu können.

Es ist kompliziert. Nein, es ist foul and fair.

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Von Hamburg nach Jericho

Wellengang bei Sturm auf der AußenalsterDer Frühling ist vorbei, höre ich am Dienstagabend im Wetterbericht. Aber nicht etwa, weil er demnächst freundlich in den Sommer übergeht und wir den Osterspaziergang von Goethe diesmal also passend wie kaum jemals zitieren dürfen, nein. Weit gefehlt!

Vielmehr wird er rückabgewickelt. Graupel, Schnee und sonstiges Unheil wird uns erneut vorhergesagt, des Winters letzte Offensive. Aber ich wollte die Militärsprache einkürzen, pardon. Des Winters letzter Versuch also, das reicht auch für das Bild.

Prompt vergreift sich in der Nacht jedenfalls eine der ersten Sturmböen – und was für eine war das! – am Dachfenster, unter dem ich schlafe. Hektisch versucht sie, es im rasenden Vorbeiflug mal eben aus dem Rahmen zu reißen. Das wildwehende Raubzeug rüttelt am Dach, wie ich es hier kaum jemals erlebt habe, und wir sind doch stabil sturmerprobt.

Dergestalt rüttelt es, dass ich nachts um 2 nach ungeahnt sportlichem Aufstehen senkrecht im Bett stehe und dringend notwendige Windschutzmaßnahmen ergreife. Während von draußen auf einmal höhnisch heulende Orkangeräusche à la Kap Hoorn inszeniert werden, wozu noch irgendetwas Großes, Hölzernes, Zersplitterndes vom Sturm polternd die Straße hochgetrieben wird. Möbel aus der Außengastro auf Wanderschaft werden es wohl sein. Man geizt hier nicht mit Special Effects, wenn etwas mit beachtlicher Windstärke inszeniert wird.

Mein neues Büro in der Hafencity, fällt mir dabei ein, habe ich noch gar nicht bei einer anständigen Sturmflut erlebt. Das ist auch eine wichtige Erfahrung, die noch aussteht, content to come.

Ich bin jedenfalls zur Unzeit gründlich wach in dieser Nacht. Das erneute Einschlafen gestaltet sich bei zunehmendem Sturm schwierig. Fluchend sehe ich schließlich nach: In Schauernähe Beaufort 11, heißt es bei den Wetterdiensten. Okay, das ist schon was, wenn es auch in der Stadtmitte kaum so hinkommen wird. Aber was haben wir da genau: „Dicke Mauern werden beschädigt, Gehen ist unmöglich.“ Und dafür, ich bin auf einmal kurz nach dem Aufwachen schon beim Immerhin des Tages, dafür geht es mir immerhin noch gold.

Eine im Sturm zerrissene Hamburgfahne

In der Wohnung kann ich schließlich noch einwandfrei gehen, und die Mauern um mich herum, sie halten. Denke ich mir so, fasse aber zur Sicherheit eine prüfend an, ob da wirklich nichts wackelt.

Alles hält. Also nichts von wegen „And the walls came tumbling down“.  

Dennoch muss ich, es versteht sich fast von selbst, auch diese Gelegenheit mitnehmen, an die anbetungswürdige Sister Rosetta Tharpe zu erinnern, the Godmother of Rock’n’Roll.

“Und die Mauern fielen um“, so heißt die entsprechende Bibelstelle der Jericho-Erzählung bei Luther (Josua 6). Auch das sehe ich nach, denn ich bin nun einmal wach und das Hirn möchte bitte gefüttert werden, möchte keineswegs nur Raufaser im Dunkeln betrachten. Was das denn wieder für eine Zumutung sei, fragt es mich in der Finsternis.

Der deutsche Text fällt doch etwas ab gegen die gesungenen Zeilen auf Englisch, denke ich. Die machen für mein Sprachgefühl deutlich mehr her und klingen nicht nur nach einer schnöden Meldung an die Hausratsversicherung.

Auch an den Klarinettisten Sidney Bechet kann ich erinnern, wenn ich gedanklich bei Jericho bin. Mit seiner besonders, fast möchte ich sagen: extrem tanzbaren Version des Songs. Mit etwas Fantasie gespielt auf einer eleganten, swingtauglichen Weiterentwicklung des Schofars.

Ich möchte fast doch wieder mit dem Swingtanz anfangen, wenn ich das höre, ich möchte mich spontan irgendwo anmelden. Dieses Gefühl wird sich gleich wieder geben, ich weiß, aber dennoch … Den Grundschritt kann ich noch! Es kommt mir wie ein weiteres Immerhin dieses Tages vor, wenn es auch ein eher bescheidenes ist.

Diesen Song mochte ich in meiner Lindy-Hop-Zeit besonders gerne, bei dem war ich immer auf der Tanzfläche. Und es ist auch der Song, bei dem ich, es war die größte Peinlichkeit meiner Tanzerfahrungen, eine mir entgleitende Partnerin einmal bei einer schönen Drehfigur mit Schmackes ins Gestühl am Rand des Clubs geschleudert habe.

Nichts passiert, muss man da gleich murmelnd ergänzen, es ist ihr nichts passiert. Nur mein Selbstbewusstsein beim Swing nahm damals schweren Schaden.

Und wenn ich schon die Godmother of Rock’n’Roll auf der Bühne habe, ist es naheliegend, einen Moment auch an den ihr nachfolgenden King zu denken. Der hatte schließlich ebenfalls einen Part in der Geschichte dieses Liedes.

Aber einen, der deutlich anders klang:

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Reinlesen, Behalten und Weggeben (2)

Dann begann ich ein schmales Buch, das vermutlich schon seit Jahrzehnten ungelesen bei mir stand: „Der Tod eines Bienenzüchters“ von Lars Gustafsson, Deutsch von Verena Reichel.

Das Buch "Der Tod eines Bienenzüchters"

Liest man Lars Gustafsson heute noch? Ich müsste mal nachsehen, ob er in Buchhandlungen überhaupt noch routinemäßig vorkommt, ich habe gerade kein Gefühl für so etwas. Früher habe ich, vermutlich vor zwanzig Jahren oder so, einmal viel von ihm gelesen und auch gemocht. Allerdings habe ich nur eine seltsam unscharfe Erinnerung an Stil und Aussagen.

Die Wikipedia schweigt sich leider dazu aus, wie seine Bücher nun waren, nur das Wort „lakonisch“ hilft mir in einem der Texte zu den Büchern etwas weiter. In einer Rezension wird er als „Retrograder Avantgardist“ bezeichnet, wie ich mit Staunen sehe. Ich kann nicht behaupten, dass mir das besonders viel erklärt, aber es klingt doch äußerst ansprechend. Vielleicht ist „Retrograder Aktivist“ auch ein hervorragender Titel für eine Visitenkarte, der Gedanke hat doch etwas. Fast möchte man sich umgehend so etwas drucken lassen, möchte man nicht? Es klingt so durchdacht, so anspruchsvoll und gewichtig, es macht zweifellos etwas her.

Nüchtern und besonders durchdacht. Das könnte es vielleicht treffen, so waren Gustafssons Bücher und Texte wohl, das passt zumindest zu meiner ungefähren Erinnerung. „Ich neige dazu, mich als einen Philosophen zu betrachten, der die Literatur zu einem seiner Werkzeuge gemacht hat“, so beschrieb er das selbst (Quelle).

Die Plakette "Kulturschutzgebiet" am Schauspielhaus

Im „Tod des Bienenzüchters“ erhält die Hauptfigur einen Brief, in dem ein Befund vom Krankenhaus ist, der die Diagnose einer schnell zum Tode führenden Krankheit enthält – oder auch nicht. Er macht diesen entschieden unheimlichen Brief dann gar nicht erst auf. Um sich den Möglichkeitsraum zu erhalten, um sich etwas vage Hoffnung zu bewahren. Er vernichtet ihn sogar ungelesen, er wird nicht erfahren, was darin genau stand.

Manchmal tut ihm im weiteren Verlauf der Handlung etwas weh, manchmal fühlt er sich krank, manchmal nicht. Manchmal weiß er es nicht recht. Er schreibt etwas auf, er notiert etwas über frühere Zeiten, er denkt über sein Leben nach. Und über das, was er machen könnte, noch machen könnte.

Es war wohl ein typischer Gustafsson-Schachzug, die Geschichte so anzulegen, auch das Ende des Lebens als Akkord von Neuanfang und Tod darzustellen.

Das Buch wurde verfilmt, das wusste ich nicht. Von Theo Angelopoulos, der die Handlung nach Griechenland verlegt hat und Marcello Mastroianni die Hauptfigur spielen ließ. Die Bilder daraus, die ich auf YouTube finde, sehen so aus, als würde ich diesen Film sehen wollen.

Die Wikipedia zitiert eine Rezension: „… ein strenges, ernstes und sehr melancholisches Drama über die Einsamkeit, das Marcello Mastroianni in einer Glanzrolle als Hauptakteur präsentiert. Das Motiv Liebe und Tod durchzieht dieses poetische Meisterwerk.“

Auch bei Gustafsson wusste ich zunächst nicht, wie er aussah, aber YouTube hilft mir auch dabei. Er konnte Deutsch, sehe ich im Clip, sehr gut sogar, und seine Erscheinung passt erstaunlich exakt zu meiner Vorstellung von ihm.

Das Buch "Der Mann auf dem bkauen Fahrrad"

Das Buch, das in diesem Film gerade auf seinem Schoß liegt, stand hier im Regal neben dem Tod des Bienenzüchters. Da könnte ich dann auch noch einmal hineinsehen. Es war, wenn ich mich richtig erinnere, eines der geschmeidigeren, netteren Werke.

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Blumen und Bücher

Zusammenhangslos vorweg fällt mir ein, dass ich hier mit Dringlichkeit als links oder woke oder grün zu lesende Inhalte einstreuen muss. Denn es ist vielleicht so, der Gedanke ist längst nicht mehr abwegig, dass jemand wie der Kulturstaatsminister & Consorten auch Blogs überprüfen lassen. Wenn es nicht ohnehin längst geschehen ist, was mich keinesfalls überraschen würde.

Wenn es aber erst ansteht, dann wäre es doch arg peinlich, aus deren Sicht nicht zu beanstanden zu sein, nicht wahr. In welche Gesellschaft geriete man da.

Also bitte.

Ein Sticker an einem Brückengeländer. FCKNZS

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Christian Hanne war jetzt auch bei Fortuna Ehrenfeld und schreibt darüber.

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Im Park Planten un Blomen blühen ansonsten die Krokusse. Teils tun sie das üppig und teppichartig, sie neigen wie Menschen zum massenhaften Auftreten. Was einem die Gelegenheit gibt, Verhaltensweisen von Mitmenschen zu beobachten, die man lieber nicht zur Kenntnis nehmen würde.

Denn es ist so, dass etliche Menschen, ich habe es am Sonntag in etwa 15 Minuten fünffach beobachtet und mir damit das Recht auf Verallgemeinerung erworben, behaupte ich jedenfalls, sich für ein Selfie gerne einmal in so ein Krokusfeld stellen. Also mitten rein, versteht sich. Wozu sie zunächst in Storchmanier vorsichtig durch die fragilen Blüten stelzen. Denn die werden ja noch als liebliche Deko in aparter Farbgebung für die Aufnahme gebraucht.

Dann gibt es eine kleine Fotosession, das übliche strahlende Gesicht, die üblichen Faxen. Das bin ich im Blütenmeer, so war das im Park, so schön ist Hamburg, so schön bin ich.

Danach verlassen sie die Blumenwiese wieder. Weil die nun aber ihren Zweck erfüllt hat, walzt man jetzt vollkommen ungeniert durch das Blühzeug. Man braucht es schließlich nicht mehr und es ist auch egal. Keine Spur von Vorsicht mehr im Schritt, gar kein Gedanke an eine Ähnlichkeit zu achtsam und berechnend schreitenden Störchen mehr. Man assoziiert vielleicht eher Wildsäue, die durchs Unterholz brechen, mit diesen Menschen, die ihr Smartphone gerade wieder wegstecken.

Und wie in einem merkwürdig bewusst zusammengestellten Bildausschnitt sehe ich bei meiner fünffachen Beobachtung eine faszinierend breite Streuung über Altersgruppen und andere erkennbare Merkmale. So dass der Schluss naheliegt: Man macht das heute nun einmal so. In unseren seltsamen Zeiten des überbordenden Ichs.

Ich habe kein Krokusbild gemacht. Hier Ersatzblumen aus anderer Gegend.

Osterglocken an der Außenalster

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Es ist aber auch nicht alles negativ, was ich in den Parks beobachten kann. Ich habe am Sonntag viel Parkraum, also im grünen Sinne, durchstreift, viel mehr als sonst, weil das Wetter und die Laune so waren und mich immer noch weiter und weiter zogen. Und weil ich einem sich andeutenden Rückenleiden im wahrsten Sinne des Wortes entgehen wollte.

Dabei habe ich festgestellt: Man liest offensichtlich wieder. Entgegen all der Meldungen zur Krise des Buches und der Buchhandlungen hatten eine Unzahl von Solo-Personen Bücher in der Hand, und zwar Bücher aller Art. Nach einer Weile sah ich immer interessierter hin, weil es mir an diesem Tag fast die Regel zu sein schien, dass fast sämtliche einzelnen Menschen Literatur in den Händen hielten. Und auch hier ging es wieder durch alle Altersgruppen und sonstige Merkmale.

Menschen in Planten un Blomen, die am Wasser in der Sonne sitzen und teils lesen

Es kann sich also nicht nur um den Trend handeln, der neulich von TikTok aus in die Wirklichkeit brach, bei dem es darum ging, dass lesende Menschen, vor allem Männer waren wohl gemeint, angeblich wahnsinnig attraktiv aussehen. Das werden etliche ältere Menschen gar nicht mitbekommen haben. Es wird bei ihnen nicht in jedem Fall um das Balzverhalten im Frühling gehen, wenn sie zum Buch greifen, nehme ich an.

Aber selbst dann, wenn es bei den Jüngeren so der Fall sein sollte, wer könnte etwas gegen diesen Trend haben, der sich so harmonisch in den globalen Analogtrend fügt.

Menschen auf dem Rasen in Planten un Blomen

Man sitzt einfach in der Sonne und liest aus Gründen der Hipness. Man geht mit der Zeit, indem man nicht geht, sondern sitzt und liest. In einigen Fällen schläft man über dem Buch auch ein, vielleicht weil das Lesen längst ungewohnt geworden ist und daher anstrengend. Vielleicht auch nur wegen der Entspannung, wer weiß.

Dabei erinnert die Körperhaltung dieser Lesenden, Schlafenden auf einmal an alte Ölgemälde oder Zeichnungen aus vergangenen Jahrhunderten. Da wird dermaßen Ruhe und Frieden ausgestrahlt … Man muss es in dieser Welt doch zweifellos nützlich finden.

Oder die Menschen sehen kurz von Büchern hoch und dann verträumt den Vögeln nach. Den Wolken auch, den Segelbooten auf der Alster oder den Fähren auf der Elbe, den schaukelnden Kindern und Eltern auf dem Spielplatz, den Passantinnen oder Passanten in teils attraktiver Frühjahrsmode.

Menschen auf Bänken an der Aupßenalster, von hinten aufgenommen

Menschen am Ufer der Außenalster, von hinten aufgenommen

Ein sympathischer Trend, denke ich mir, und wann denke ich das schon einmal.

Da vielleicht demnächst einmal mitmachen! Man will doch ab und zu auch im Freizeitverhalten à jour sein.

I read a lot, I can’t put it down
While others are painting the town, you’ll find me in a world
Of fantasy
Population: one. That’s me

So if you ask me how I stop
Contemplating what I now have not
I’ll reply
I read a lot“

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Third-Wave-Anglizismen

Den Begriff in der Überschrift gibt es gar nicht, den habe ich mir eben ausgedacht. Falls es ihn doch gibt, vielleicht sogar im richtigen Zusammenhang, bin ich ziemlich gut im Ausdenken.

Man kann ihn jedenfalls leicht unterfüttern und mit plausibler Deutung versehen, diesen Term. Etwa so: In einer ersten Welle, in der eine Sprache Begriffe aus einer anderen aufnimmt, werden es meist nur bestimmte Substantive sein. Entscheidende neue Begriffe, die es in der aufnehmenden Sprache bis dahin nicht gab. So kamen z. B. nach dem Zweiten Weltkrieg etliche neue Wörter aus dem Englischen im Deutschen an, durch Besatzungssoldaten, Kino, Songs, Populärkultur etc. Dabei haben wir so etwas wie Care-Paket, Teenager, Jeep, Rock’n’Roll und dergleichen mehr.

Etwas später dann kamen die vielen Begriffe aus der Welt der digitalen Modernisierung, jene Wörter, die man hier zunächst etwas hilflos als Begriffswelt der „Neuen Medien“ zusammenfasste. Also etwa Software, Hardware, Floppy Disk usw., auch die vielen Softwaremarkennamen und die Bezeichnungen und Fachbegriffe aus den Video- und Computer-Games, von Pong (1972) über Leisure Suit Larry (1987) bis heute.

Es kommen in diesem Kontext immer noch Vokabeln dazu, auch solche, die es mühelos und schnell in den allgemeinen Sprachgebrauch schaffen, wie etwa in letzter Zeit Cloud oder AI. Rund um Bürotätigkeiten aller Art entstand eine eigene, besonders mit Anglizismen gesättigte Sprache, in der kurz darauf (second wave) mit den Wörtern mehr gemacht wurde. In der man sie stärker vereinnahmte, in der z. B. immer mehr Verben auch konjugiert wurden.

Es gab also nicht nur ein Update, es wurde upgedatet oder geupdatet. Man drückte nicht nur auf Reset, man hat etwas resettet. Aber auch Adjektive und andere Wortformen wurden und werden in die deutsche Grammatik eingebettet, etwas wirkte auf einmal fresher und cooler usw. Längst sind es Selbstverständlichkeiten für uns alle.

Ich habe nun keine linguistischen Fachkenntnisse, denke aber, dass sich diese Entwicklung so wiederholt und belegen lässt, von der Ausbreitung des Lateinischen in die damaligen Nachbarsprachen bis heute.

Bis zur Third Wave, in der sich die Sprachen weiter und immer enger, unauflösbar mischen. In der die morphologische Integration der Fremdvokabeln, wie man es wohl hoffentlich korrekt nennt, also weiter fortschreitet.

Diese hat sich nun, wenn ich das richtig recherchiert habe, seit etwa fünf Jahren stark beschleunigt, wenn es um die Integration des Englischen ins Deutsche geht. Meinem Empfinden und meiner Erinnerung entspricht das in etwa, aus meiner Sicht kommt das hin. Ungefähr seit dieser Zeit fällt es mir vor allem beruflich stärker auf.

Diese Entwicklung bringt mich in eine merkwürdige Position – aber nicht nur mich, vermutlich meine Generation. Wir haben bei der zweiten Welle noch kräftig mitgemischt, wir haben sie ausdrücklich befeuert und sicherlich entscheidend vorangetrieben, wir fallen jetzt aber schnell zurück. Sicherlich in vielen Fällen unerwartet schnell.

Es gibt Third-Wave-Formulierungen, und es werden mit hoher Geschwindigkeit mehr, die uns, also mir und meinen benachbarten Jahrgängen, kategorisch und dauerhaft fremd bleiben. Die wir, und das ist wohl entscheidend, nicht selbst benutzen würden. Außer in einem ironischen Sinne, mit distanzierenden Anführungszeichen, die wir entweder tippen oder beim Reden mit süffisanter Mimik in die Luft zeichnen.

Neonschrift: Stand Up Comedy

Formulierungen sind es, die wir also in etwa so wahrnehmen, wie unsere Eltern die zweite Welle damals wahrgenommen haben. Mit genau diesem Gesichtsausdruck, mit dem sie damals zum ersten Mal etwas angewidert „Floppy Disk“ oder „Dongle“ wiederholt haben, weil es ihrem Beruf auf einmal dazugehörte, mit diesen Dingern umzugehen.

Ich habe nun gar nichts gegen diese neue Entwicklung, au contraire. Ich betrachte sie eher amüsiert und teils gut unterhalten. Und ich weiß, ich habe da im Prozess eine Rolle gespielt. Wenn auch nur eine winzige Rolle, falls man an das Große und Ganze denkt. Aber doch, ich war dabei, und die schärfsten Kritiker der Elche waren bekanntlich früher selber welche.

Es ist also keine ätzende Kritik, wenn ich auf diese Formulierungen sehe, wenn ich sie mir notiere und sammele. Es ist einfach Interesse. Jedenfalls habe ich gerade eine Weile nur aus Spaß in Podcasts und Meetings etc. die Anglizismen mitgeschrieben, die ich der so von mir definierten Third Wave zuordne. Was ich also vor allem daran festmache, dass ich sie nicht benutzen würde.

Ich bin daher das Messgerät. Ich weiß aber sicher, dass es viele, viele in meinem Alter ganz ähnlich wahrnehmen würden. Es sind also eher wir das Messgerät.

Alles das, was wir eher witzig und sketch-tauglich, nicht aber alltagstauglich finden, was wir in einem Comedy-Programm verwenden könnten, während andere, etwa auch meine Söhne, es schon berechtigt für allgemeinen Sprachgebrauch halten und auch so verwenden, das ist für mich Third Wave.

Nur für die Zwecke der Chronologie und aus Interesse an dieser Entwicklung, nicht aus konservativer, krückstockfuchtelnder Ablehnung, hier eine vollkommen beliebige Liste von Formulierungen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind. Auf die der oben beschriebene Indikator zutrifft, die ich so nicht verwenden würde, auch fast nicht verwenden könnte, ohne zu lachen.

Beginnend mit einem Wort, das mir in letzter Zeit bemerkenswert häufig begegnet, mit dem ich vielleicht sogar besonders connected bin:

 

Ich habe mit dem connected

Das ist so connected, das kann man nicht trennen

Ich muss mich wieder mit meinen Bedürfnissen connecten

Der Roboter connected sich automatisch mit seiner Ladestation

Wir connecten euch alle bei unterschiedlichen Events

 

Dieser Mantel fühlt sich cozyger als der andere an

 

Wir haben zu diesem Thema damals Folgendes predicted

 

Die Audience hat unterschiedliche Meinungen entwickelt

 

Jeder hat seine eigene Audience

 

Wenn wir hier schon so delusional sind

 

Ich habe gestern ein neues Gastro-Highlight gespottet

 

Ich würde gerne etwas deeper gehen mit dir

 

Die Firma hat gerade ein Update announced

 

Da bin ich nicht so passionate für

 

Jetzt mal ein Spell-Out für die Hörerinnen

 

Den Code kann man da rauscopyandpasten

 

Ich bin hier gechillt in meiner Home Base

 

Das Produkt sellt doch an eine andere Zielgruppe

 

Das klingt nach einem Banger, der mich catcht

 

Ich kann das hier nicht alles revealen

 

Ich habe Dein Verhalten als harmful empfunden

 

Bevor wir uns mit negativen Gedanken obsessen

 

Unsere Interessen sind nicht aligned

 

Man muss doch zum Arzt gehen, wenn etwas wrong ist

 

Ich glaube allerdings, meine Sammelleidenschaft ist hiermit noch gar nicht satisfied.

Mit anderen Worten: More to come, from time to time.

Neonschrift: Crumble

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Anstrengungen

Vorweg ein Zitat aus der „Ungeduld des Herzens“ von Stefan Zweig, welches ich mir beim Hören aufgeschrieben habe. Es ist ein Zitat für alle, die sich im Moment nicht eben euphorisch guter Laune erfreuen. Fast möchte ich es eine Zielvorgabe für Menschen in bestenfalls mittlerer Stimmung nennen. Eine elegante Variante zum mir von Kid37 bekannten Satz: „Wo ich bin, ist immer Herbst“. Denn man kann es auch so ausdrücken:

„Merkwürdig, mit dem Augenblick, da er gekommen, scheint das Zimmer melancholischer zu schatten …“

Aber gut, das muss man auch erst einmal schaffen, dass ein Zimmer melancholischer schattet. Eine bemerkenswerte, zitierwürdige Formulierung jedenfalls.

Menschen an der Binnenalster, Lombardsbrücke, bei Sonnenuntergang

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Kaum schrieb ich ansonsten ironisch über die Frühjahrsmüdigkeit, die es doch in Wahrheit gar nicht gibt, wie wir nun gelernt haben, schon steckte ich am Sonnabend kurz nach dem Aufwachen und Bloggen in einem Energietief erster Klasse. Wie von einer Walze überfahren lag ich reglos auf dem Sofa, mir graute bei dem Gedanken an jedwede Handlung.

Allerdings war die letzte Woche auch besonders anstrengend, billigte ich mir dann zögernd zu, in vielfacher Hinsicht und Frühling hin oder her. Wobei es, das ist das eigentliche Problem, seit längerer Zeit schon nur noch die Wahl zwischen anstrengenden und besonders anstrengenden Wochen zu geben scheint. Was ist das überhaupt für ein Angebot, und ist es alternativlos?

Da hat man dann gleich die nächste anstrengende Frage. Na super, vielen Dank auch.

Menschen auf Bänken an der Binnenalster. Neuer Jungfernstieg

Währenddessen blühen immerhin die Narzissen in den Blumenkästen an den Balkonen, blühen die Zierkirschen im Park, die Mirabelle vor der Haustür und auch die Außengastrositzkissenbezüge. Die Elstern bauen ihr Nest weiter zum Palazzo aus und die Menschen im Stadtteil kaufen wieder Eis. Wobei sie mit der gleichen Hingabe wie im letzten Jahr die Kugelpreise und das Angebot an Sorten diskutieren: „Franzbrötchen und schwarzer Sesam, geht’s noch?“ Nein, die Sorten sind nicht ausgedacht.

Die Besitzerinnen und Besitzer von sehr kleinen, sehr schlecht oder gar nicht erzogenen Hunden der lediglich dekorativen Arten lassen diese an lang ausgerollten Flexileinen durch die Fußgängerzonen tollen, so dass sich die dünnen Strippen wie Schleppnetze um etliche PassantInnenbeine wickeln. Das bringt sogar verschlossene Norddeutsche ungeahnt schnell in Kontakt und manchmal auch zu Fall. Man kommt sich beim gemeinsamen Enttüdeln dann ganz ungewohnt nahe.

Auch Amor geht hier also mit der Zeit, wechselt Methoden und Werkzeuge, bringt Menschen auf zeitgemäße Art weiterhin zusammen.

Menschen an der Binnenalster, Ballindamm

Auf den Bänken rund um Binnen- und Außenalster wird zum Sonnenuntergang in einer Intensität geknutscht und gekuschelt, dass man im Vorbeigehen gleich an das englische Gegenstück zur Frühjahrsmüdigkeit denkt, an das Spring Fever.

Ich könnte mir Knutschen und Kuscheln auch einmal wieder vorstellen, wer kann dazu schon nein sagen. Ich würde dafür aber an diesem mich generell überfordernden Tag keinen Aufwand betreiben wollen. Am liebsten würde ich dafür gar nicht erst vor die Tür müssen. Für mich sollten sich die saisonalen Kernbegriffe bestenfalls sinnig mischen, ich wäre also für die Variante Frühjahrsmüdigkeits-Fever. Aber die Verhältnisse, sie sind hier nicht so, und ein für solche Vorhaben geeigneter Mensch ist an diesem Tag auch gar nicht im Haus.

Die Herzdame hat, wie mir in diesem Zusammenhang spontan einfällt, übrigens nie die Serie „Friends“ gesehen. Was mir kategorisch jegliche Möglichkeit nimmt, im Dialog mit ihr oder in anderen Texten all jene gerade naheliegenden Kracherpointen anzubringen, die sich auf „We were on a break“ beziehen.

Und ich weiß, es gibt deutlich Schlimmeres – aber ich finde gerade auch das anstrengend.

Menschen an der Binnenalster, Lombardsbrücke, kurz vor Sonnenuntergang

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Linkwerk zum Wochenende

Gesehen: Fallende Blätter, ein ruhiger und leiser Liebesfilm von Aki Kaurismäki auf arte. Der Titel und auch der Name des finnischen Regisseurs klingen für mich eindeutig eher nach Herbst. Aber man sollte im Zweifelsfall die Kaurismäki-Filme doch nehmen, wie sie kommen, dachte ich mir. Denn Kaurismäki finde ich in der Regel sehr gut.

Außerdem gab es in der Reihe der Film-Dokus noch die Folge über Ryan Gosling.

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Gehört:

Eine neue Folge des gerne gehörten Podcasts „Interpretationssache“. Es geht diesmal um „Greensleeves“, also um eine Melodie, die vermutlich eine absurd hohe Anzahl von Menschen kennt. 44 Minuten.

Der Podcast von Bill Nighy „Ill advised“ geht in die zweite Staffel.

28 eher frustrierende Minuten beim SWR zum Thema „Wirecard – Warum Wirtschaftsbetrug so einfach ist.

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Bei SWR Wissen hörte ich auch in einer kurzen Sendung einen verheerenden Satz. So einen Satz, nach dem ich, ach was, nach dem wir fast alle unser Leben gründlich umstellen müssten, aber wie radikal! Denn es hieß da: „Je mehr Leute man kennt, die einen nerven, desto schneller altert man.“

Aus der gleichen Quelle kam noch eine Erkenntnis, die man vielleicht unangenehm finden kann: Die Frühjahrsmüdigkeit ist eine Legende. Wenn Sie also gerade herumbehaupten, saisonal weniger in Form als sonst zu sein, ist es Zeit, sich der Wahrheit zu stellen. Sie sind gar nicht frühjahrsmüde. Sie sind einfach durch. Aber andererseits: Wer wäre es nicht.

Originell fand ich aber den Gedanken, dass der Begriff und das Gedankenkonstrukt nicht in allen Sprachen und Kulturen vorkommen, nicht einmal bei unseren direkten Nachbarn. Die Frühjahrsmüdigkeit ist am Ende wissenschaftlich nicht haltbar, aber doch eine deutsche Tradition und damit auch ein deutscher Wert. Die Frühjahrsmüdigkeit (man muss sich das Wort in Fraktur geschrieben und im Wochenschautonfall gesprochen vorstellen) ist daher selbstverständlich auch von den Menschen einzufordern, die hier einwandern.

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Dann noch zwei Podcast-Links von vermutlich eher lokalem Interesse. Im Podcast des Magazins „Der Hamburger“ gab es ein Interview mit dem Senator für Kultur und Medien Carsten Brosda (47 Minuten). Wie bereits einmal angemerkt, Carsten Brosda gehört zu den wenigen mir bekannten Politikerinnen aus der ersten Reihe, bei denen ich nicht große und schmerzhafte Probleme mit dem Fremdschämen habe, wenn sie auch nur zwei Sätze nacheinander aufsagen. Bei Brosda reicht es immerhin auch für fast eine Stunde, und schon darüber freue ich mich.

Beim Thema Olympia habe ich eine andere Meinung, aber das macht ja nichts. Ich schätze z. B. unsere gemeinsame Vorliebe für Outlaw-Country und für Songs, die Geschichten erzählen. Ich weiß aus anderen Quellen, er ist auch Fan von Townes van Zandt, das ist auf jeden Fall eine stabile Gemeinsamkeit.

Und im Podcast der Hamburg Open Online University befragt schließlich Nicola Wessinghage (auch von ihrem Blog bekannt) den Geschäftsführer des Obdachlosenprojektes Hinz und Kunzt.

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Gelesen habe ich in dieser Woche so gut wie keine Online-Texte, gelesen habe ich einen weiteren Graham Greene: „Zentrum des Schreckens“. Deutsch von Walther Puchwein und Fanny Esterhazy. Das Buch geht nach der Lektüre auch in den öffentlichen Bücherschrank, obwohl ich es gerne gelesen habe und nebenbei noch etwas lernte, weil ich aufgrund seiner Schilderungen von The Blitz dieses Kapitel der Geschichte noch einmal nachlas.

Es waren deutlich mehr Opfer und es war auch eine viel größere Zerstörung damit verbunden, als ich es gemäß Schulbildung erinnert hatte. Man lernt eben auch aus Romanen, und nicht wenig.

Das Buch "Zentrum des Schreckens" von Graham Greene

 

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Reinlesen, Behalten und Weggeben (1)

Eine neue Reihe, nur lesenswert für Menschen mit Interesse an Literatur und Büchern. Sollte Sie das nicht interessieren, grasen Sie heute bitte meine Blogroll ab. Da werden auch andere Themen dabei sein, das pralle Leben und alles.

Eine neue Reihe auch, bei der ich vermutlich jeweils entschlossen vom Thema abkommen werde, sie lädt dazu ein.

Eine Postkarte, an einem Schrank steckend, mit der Aufschrift "erst tanzen, dann denken"

Zu den Vorhaben, die ich gerade entschlossener angehe, gehört das Weglesen meines Buchregalbestandes. Womit ich meine, dass ich Bücher, die manchmal schon seit gefühlten Ewigkeiten in meinem Bestand sind, schon seit der Antiquariatszeit mitunter, noch einmal prüfend in die Hand nehme. Mich versuchsweise an sie und meine gemeinsame Zeit mit ihnen erinnere, in sie auch noch einmal hineinlese, sie in einigen Fällen sogar erneut durchlese – um sie danach in vielen Fällen aber zum öffentlichen Bücherschrank zu tragen und dort in aller Freundlichkeit auszusetzen. In der Hoffnung, dass sie anderen noch etwas Freude bereiten können.

In einem gewissen Sinne zerlese ich also meine Buchregale.

Gerade kommt mir beim Schreiben eine flüchtige, aber immerhin milde erheiternde Erinnerung an einen mir einmal bekannten, äußerst kultivierten Menschen aus Neuseeland, es war jemand namens Ian, wenn ich das noch korrekt parat habe.

Der hier Deutsch lernte, nebenbei meiner Mutter etwas Englisch beibrachte und während seines Aufenthalts eine etwas obsessive Liebe zur Vorsilbe „zer“ entwickelte. Die er dann versuchsweise an nahezu alle Verben klebte, die er gerade lernte, und er lernte schnell und viel. Er freute sich immer wieder über die Ergebnisse, verbunden mit einem enthusiastischen, beliebig oft wiederholten Bejubeln der zahllosen Möglichkeiten in der deutschen Sprache.

Es war für die Zuhörenden teilweise etwas zerfordernd, wie er sich da immer weiter hineingesteigert hat. Wobei ich Spezialinteressen und obskuren Sonderthemen dieser Art, auch sprachlichen Tics etc. grundsätzlich freundlich zugewandt bin. Es wohl auch sein muss, ich weiß.

Wie bereits einmal erwähnt: Ich behalte langfristig nur noch Bücher, bei denen ich der Ansicht bin, ich könnte sie auch noch ein drittes oder viertes Mal lesen, und zwar mit Gewinn oder Genuss. Oder mit beidem. Bei denen ich denke, ich könnte zumindest Teile von ihnen später noch einmal brauchen, genießen oder verwenden, vielleicht auch zitieren wollen.

Was etwa bei sämtlichen Lyrikbänden der Fall ist, auch bei einigen Klassikern wie Stevenson oder Dickens, Fontane etc.

Also beste Bücher, aus meiner Sicht. Die sich ausdrücklich nur auf meinen Geschmack bezieht, so seltsam er hier und da auch sein mag, nicht auf als verbindlich angesehene Erkenntnisse und Urteile der Literaturwissenschaft oder irgendwelcher Kanon-Entwicklungen.

Ich finde das Durchtauschen von Lektüre über den Bücherschrank wunderbar nützlich für mich. Dazu ist es noch mit einem so angenehmen Zufallsfaktor versehen. Außerdem wohne ich knapp neben der Zentralbibliothek der Hamburger Bücherhallen (nach wie vor ist es besonders schön, dass es in dieser Stadt „Bücherhallen“ heißt, ein wunderbares Wort).

Es gibt für mich daher keine Notwendigkeit, besonders viele Bücher in der Wohnung vorrätig haben zu müssen. Und wer weiß, man wird sich vielleicht irgendwann verkleinern müssen, was den Raumverbrauch in Regalmetern betrifft. Da könnte es gut sein, schon vorgesorgt zu haben.

Das Buch "Der menschliche Faktor" von Graham Greene

In diesem Zusammenhang las ich gerade noch einmal Graham Greenes „Der menschliche Faktor“, Deutsch von Edith Walter. Ein Agentenroman aus seinem Spätwerk. Bemerkenswert kunstvoll erzählt, geschickt aufgebaut und angenehm mitziehend, nicht mitreißend, im Sinne von shaken, not stirred.

(Hätten Sie es parat gehabt? „Das Schütteln sorgt für ein kälteres, milderes Getränk.“)

Moskaus Agenten tauschen in diesem Roman noch Geheimnachrichten aus, die sie mittels vorsintflutlich anmutender Buchcodes verschlüsselt haben. Wozu sie unter anderem Ausgaben von Tolstois Krieg und Frieden benutzen, wie kulturbeflissen ist das denn.

Der Roman ist von 1978, ich habe es dann nachgesehen. Er wirkt durch die Schilderung solcher Praktiken aber, als sei er noch nennenswert älter.

Was wohl heißt, wie mir dann bei der weiteren Lektüre einfiel, dass diese ganze Zeit, die meine Jugendzeit war, vielleicht mittlerweile so wirkt, als sei sie noch älter. Unsere analogen Erfahrungen scheinen uns etwas tiefer in die Vorgeschichte zu drängen. Das nur vermeintlich ehrende VSOP-Siegel ist bei uns womöglich durch technikgeschichtliche Umstände etwas früher dran als bei anderen Generationen.

Das mag sein, und es würde auch einiges erklären.

Sehr gerne gelesen jedenfalls, dieses Buch, das als eines seiner besten gilt. Aber es kann jetzt dennoch weg.

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Bürgerlicher Unmut

Ansonsten rührt sich Protest im Stadtteil. Es gibt Demonstrationen und Aufrufe und politische Bestrebungen, man plakatiert auch Statements, aber alles in eher bescheidenem Umfang. Wieder einmal geht es um Mieten, ums Wohnen.

Gleich um die Ecke etwa, ein paar Meter nur von der Hotelbaustelle entfernt, wird ein nicht gerade baufällig aussehendes, großes Haus mit Mietwohnungen abgerissen, es soll einem Neubau weichen. Da es direkt an der Alster steht, wenn auch an einer Straße mit autobahnmäßigem Verkehr, kann man sich die Wertsteigerung durch einen Neubau dort gut vorstellen. Allerdings waren die Wohnungen wohl sämtlich noch vermietet. Ich war daher etwas überrascht, dass dies so einfach möglich zu sein scheint, die Mieterinnen vor die Tür zu setzen, um neu zu bauen. Es hat sich kein juristisches Gegenmittel gefunden, wie man am Ergebnis merkt. Ich bin allerdings mit den Details des Vorgangs nicht vertraut.

Ich habe aber durchaus Grund, äußerst unangenehm überrascht zu sein. Denn raten Sie einmal, welches Haus ebenfalls zum Besitz der Gesellschaft gehört, die da zwei, drei Häuser neben uns eines abreißen lässt, und welches Haus außerdem ein ganz ähnliches Baujahr hat? Genau.

Es verhilft einem nicht gerade zu einer zuversichtlicheren Weltsicht, so etwas zu registrieren. Aber der Gang zum Briefkasten immerhin, er wird wieder deutlich spannender. Der kleine Thrill zwischendurch, einfach auf Abruf. Haben auch nicht alle.

Außerdem wurde einem Restaurant, ebenfalls um die Ecke, der Mietvertrag gekündigt. Und das war nun das eine Restaurant, also selbstverständlich war es exakt dieses, welches sich eher an die Stadtteilbewohnerinnen gerichtet hat, nicht an die Laufkundschaft aus den Massen der touristischen Belagerungsarmee.

Ich nehme nicht an, dass der aktuelle Protest etwas nützen wird, da fehlt mir jeder Optimismus. Es handelt sich nur um ein klein wenig bürgerlichen Unmut auf der einen Seite und um einen gesellschaftlichen, geschichtlichen Trend in der Stadtentwicklung auf der anderen.

Ein abgerissenes Plakat, man kann noch erkennen, dass es um eine Demo gegen hohe Mieten ging

Wie auch immer. Die Wahrscheinlichkeit jedenfalls, dass die nächste Gewerbeeinheit, die dort einziehen wird, eher für Reiseführer, Instagram und Tourismus-Influencerinnen optimiert sein wird, nicht etwa für „uns“ im Sinne der Bewohnerinnen der Gegend, sie liegt wohl bei etwa 100 %. Denn so geht es zu.

Wenn man betroffen ist, dann kann es einem alles nicht passen. Wenn man aber nicht betroffen ist, dann geht man irgendwann in diesen interessanten neuen Laden in Bahnhofsnähe, von dem jetzt alle reden. Und das ist auch nachvollziehbar.

Ich würde da sicher ebenfalls hingehen, wenn ich nicht gerade ein beleidigter Nachbar wäre. Und würde womöglich sogar darüber bloggen. Auch du, Brutus Buddenbohm.

Ein Sticker: I'm not interested in competing with anyone. I hope we all make it.

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