Links am Morgen

Alle kontrollieren alles

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Millionen beugen sich jetzt über ihre Laptops und zeigen ihr Gesicht in Großformat auf den Laptop-Displays anderer. Die Regeln des Gesprächs, die wir zusammen mit der Sprache für die Kommunikation im direkten physischen Kontakt erwerben (wenn sie nicht sogar angeboren sind), funktionieren hier nur sehr beschränkt. Blicke, die in die Augen des Gesprächspartners gerichtet sind, gehen an der Kamera vorbei, Zeigegesten verfehlen ihr Ziel, redebegleitende Gesten werden von der Kamera nur unvollständig erfasst, fallen buchstäblich aus dem Rahmen.

Ich werde in absehbarer Zeit übrigens der letzte Mensch mit Bürojob sein, der noch nie an einer Videokonferenz teilgenommen hat. Macht nichts, macht gar nichts.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Die Straße entlang

Eine höchst irritierende Kleinigkeit nur. Ich gehe kurz raus, denn ein Spaziergang ab und zu muss ja sein. Ich gehe die Straße entlang, die hier normalerweise die belebteste ist, oft war sie mir in den letzten Jahren viel zu voll. Nervtötendes Touristengewimmel und Gastrogetöse, überall Menschen, die penetrant im Weg stehen oder sitzen, dabei will man doch einfach nur da lang – na, das war früher. Jetzt ist die Straße natürlich leer, und da das Wetter schlecht ist und der Tag noch jung und auch niemand einen Ausflugstermin hat, für den man aus dem Bett müsste, ist sie gänzlich leer. Es fährt auch kein Auto, ringsum die Geisterstadt. Ich gehe einen Block entlang, ich sehe niemanden. Ich gehe noch einen Block weiter, ich sehe niemanden, nicht einmal in der Ferne, auch nicht in den Nebenstraßen. Beim dritten Block schließlich kommt mir doch noch einer entgegen. Unser kleines Bahnhofsviertel ist manchmal wie ein Dorf, viele der Einheimischen kennen sich hier, den da kenne ich aber nicht, der mir da entgegen kommt. Irgendeiner ist das eben, nie gesehen, einfach ein weiterer Mensch aus der Millionenstadt. Er geht ganz links und ich gehe ganz rechts, bloß nicht zu eng aneinander vorbei, wie man es jetzt so macht, und da passiert es – er grüßt mich und ich grüße ihn.

Ich grüße einen fremden Menschen. In der Hamburger Innenstadt. Das wirkt vielleicht zunächst nicht so, aber das ist dermaßen irre, ich kann meinen Enkeln einmal davon berichten, also wenn ich welche erlebe: “Dann kam es eines Tages sogar soweit, wir haben angefangen uns auf der Straße zu grüßen. Wie in einem Dorf.” Und dann staunen die aber.

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Später am Tag im Vorübergehen gehört:

“Sechzig Prozent der Arbeitnehmer sind …”

“Ach, leck mich doch mit deinen Zahlen immer.”

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Nur soviel für heute, morgen mehr, während wir die Fiktion eines Montags durchspielen.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Links am Morgen

Digitalisierung ohne Herz und Verstand.

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Über das Elend der Erntehelfer in Spanien.

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Epidemien und der ewige Kreislauf der Angst (Da braucht man etwas länger, ruhig vorher einen Kaffee aus der Home-Kantine holen)

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What You Are Doing is Not Remote Work. It is Coping in a Global Emergency. Das halte ich tatsächlich für ein nützliches und treffendes Statement, da kann man etwas länger drüber nachdenken. Via Judith Holofernes auf Twitter.
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(Via Doppelhorn)

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Das Virus der anderen – Jochen rechnet und grübelt.

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Das Mailied im Home-Office.

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Aus der Sicht eines Kindes: Es ist zu viel Familienzeit für mich!

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Jubelnd durch den Tag

Ich renne mit emporgerissenen Armen wie beim Fußballjubel durch den Tag, es ist wirklich äußerst unpassend in Bezug auf die Meldungen in den Nachrichten, das gebe ich gerne und etwas beschämt zu. Es liegt aber auch nur daran, dass ich wieder völlige Bewegungsfreiheit in den Schultergelenken habe, ein wirklich herrliches Gefühl. Ich melde mich jetzt den ganzen Tag, wie in der Schule, einfach nur weil es geht, nicht weil ich etwas weiß. Es nimmt mich aber gottseidank keiner dran. Das wäre auch peinlich, denn ich habe ja gar nichts zu sagen und weiß auch nicht, worum es geht. Und zwar egal, worum es geht. Meine Konzentrationsfähigkeit hat es in den letzten beiden Wochen komplett coronisiert, und sie war dummerweise schon vorher nicht die beste. In meiner Timeline habe ich das übrigens häufig gelesen, konzentrieren kann sich jetzt vielleicht kein Mensch mehr, endlich bin ich mehrheitsfähig.

Ich reime mir das so zusammen, dass wir alle in einem fortwährenden Alarm-Modus sind, und im Alarm-Modus achten wir permanent auf alles, wie seit der Steinzeit aus verdammt guten Gründen gewohnt. Wir achten also keineswegs nur auf Excel, Zoom, Skype, Seesaw, Hausaufgaben, Hilfsanträge, Händewaschen, Live-Blogs oder was auch immer gerade Ihr Fokus sein müsste. Fokus ist gerade aus. Wir ähneln jetzt mehr der Hauptfigur in einem Action-Film in Momenten der akuten Gefahr, wir stehen und passen angestrengt auf – worauf auch immer, wir wissen es nicht einmal. Aber irgendwo lauert etwas, soviel steht fest.

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Im Vorübergehen gehört:

“Was bleibt uns jetzt denn noch? Uns bleibt doch nur noch das Warten.”

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An einem Laden hier hängt ein Schild, auf dem steht: “Wir schließen bis zum 20. April – bis gleich!” Und das ist doch ein wunderbarer und fast schon seltsam entspannt wirkender Beleg für eine Änderung des Zeitgefühls, die ich allmählich überall und bei jedem vermute. Wir sehen uns in drei Wochen und sagen dazu im Ernst “Bis gleich”? Das ist definitiv neu. Was in drei Wochen ist, das war damals, also vor Corona, v.C., nicht gleich. Das war später, und zwar eher viel später. Die zeitlichen Kategorien geraten auf einmal alle ins Wanken. Heute ist irgendein Wochentag in irgendeinem Monat und irgendwann passiert irgendwas.

Genauere Angaben ändern da auch nichts.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Ich mache hier so etwas wie Straßenmusik, nur ohne Musik und auch ohne Straße. Aber es kommt immerhin Publikum vorbei und der Hut, der Hut ist fast gleich. Sie können nämlich hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Wenn Sie aber den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, die Daten dazu finden Sie hier. Merci bien! 

Links am Morgen

Bevor es in den kommenden Wochen richtig ernst wird.

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Falsche Aufgaben gepaart mit einem überfüllten Pensum bringen Eltern an ihre Grenzen. Weder sind sie in der Regel fachlich, pädagogisch und didaktisch ausgebildet, noch haben sie die Autorität, um ein Ersatz für die Schule zu sein. So wichtig Elternarbeit ist, sie kann Schule beim Lernen nur unterstützen. Die derzeit implizit geforderte Rolle läuft daher Gefahr, Eltern zu überfordern und damit auch das komplette Familiensystem. Zweifellos wird das Kinder aus einem bildungsfernen Milieu härter treffen.

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Vanessa Giese über Webinare vor Plüschtieren. Falls Sie übrigens, das könnte ja sein, auch Bedarf an Webinaren zum Thema Home-Office oder zu anderen Fragen der Arbeit zur Zeit haben, fragen Sie ruhig Vanessa. Ich habe mit ihr schon an anderen Themen gearbeitet und kann mit großer Sicherheit sagen: Vanessa ist super.

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Vanessa zitiert Hartmut Rosa, den ich schätze, der aber einen heiklen Satz schreibt, der nämlich auch, wie so viele, einfach daher behauptet, dass viele Menschen jetzt mehr Freizeit haben. Das kommt etwa in meinem Umfeld überhaupt nicht hin, dort ist eher das Gegenteil der Fall. Ich nehme an, das ist wieder ein Fall, bei dem Hochrechungen für den Einzelnen sehr schwer sind und die repräsentative Wahrheit unmöglich erahnt oder gefühlt werden kann. Vorsicht jedenfalls mit solchen Behauptungen. Eine Verlangsamung gibt es wohl de facto, aber eine Verlangsamung schafft noch lange nicht mehr Freizeit. Eine Verlangsamung kann auch purer Stress sein.

Dennoch natürlich ein interessanter Text, auch die Darstellung des Virus als das Unverfügbare schlechthin – man ist auch in diesem Bild prompt in einem Endzeitfilm, was vielleicht gar nicht so chlecht ist, da gibt es immerhin oft ein Happy End.

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Apropos Happy End: Auch gute Nachrichten müssen hinterfragt werden.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Links am Morgen

Ein Bollwerk verweigerter Hilfe. Erschreckende Mischwesen wie ich übrigens (fest angestellt, freiberuflich und auch noch als Firma tätig), und von uns gibt es durchaus auch ein paar, gucken überall eher ratlos hin und murmeln immer wieder eine leichte Abwandlung der damaligen Fernsehshow: “Was bin ich?” Um daran nicht komplett verrückt zu werden, halte ich mich geistig manchmal einfach an diesem Blog fest, an und mit dem ich ja auch Geld verdiene, und dann sage ich mir: “Ich bin eigentlich nur ich, aber das eben beruflich.” Und dann geht es wieder einen Moment.

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Der Hamburger Corona-Virus-Sozialnewsblog der Obdachlosenzeitung, die im Moment natürlich nicht auf der Straße verkauft werden kann.

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Hier ist ein kleiner Absatz über die Psychologie der Warteschlangen drin, faszinierend. Wieder was gelernt.

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Apropos Lernen: Das Thomas-Theorem.

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Der Staat sitzt jetzt zuhause. Da geht es auch am Rande über das Set-Up von Accounts etc, hierzu nur ein Erfahrungswert – ohne mich beschweren zu wollen! -, einfach nur als Zahl. Das Einrichten aller Accounts, das Testen und Beheben technischer Probleme hat für zwei Kinder etwa acht Stunden erfordert. Ich nehme stark, an, auf Seite der Schule waren es nennenswert mehr. Man muss das natürlich mitdenken, wenn man über Zeitbedarf beim Homeschooling redet. Und im weiteren Verlauf ist es übrigens so, wenn etwas nicht geht und ich es nicht spontan beheben kann, dann geht es eben nicht. Ich habe hier keinen technischen Support und kann da keinen halben Tag mehr investieren, weil etwa eine Audiodatei klemmt.

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Keiner kommt, alle machen mit

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Der Möglichkeitsraum für die neue Normalität. Und wie sie alle von den verschwimmenden Tagen schreiben, es ist vielleicht eine der prägendsten Erfahrungen im Moment, diese Aufhebung des Kalender. Aus meiner Sicht wird sie noch gesteigert durch dieses unwirkliche, strahlend helle und kalte Wetter, das sich jeden Tag genau gleich wiederholt, immer wieder wacht man auf und es ist still draußen, total still und wahnsinnig hell und der Himmel ist blau, so blau, unermesslich blau und nichts findet ein Ende oder auch nur einen neuen Anfang und es gibt keine Termine mehr. Man schwebt so herum, aber man hat sich Schweben irgendwie immer schöner vorgestellt.

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Etwas situationsangepasste Mathematik, vielleicht auch als Abituraufgabe geeignet.

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Zum Feuilleton! Hier endlich mal ein Artikel gegen Buchhandlungen. Aber keine Unruhe bitte, es geht nur um die Handlung von Büchern, nicht um das Handeln mit Büchern.

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Währenddessen bei den Buchhandlungen, also denen mit den Büchern in den Regalen. Siehe hier auch international. Man beachte bitte den Schlusssatz, er passt irgendwie zu allem gerade.

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Es ist alles ganz fabelhaft

Homeschooling hat übrigens auch thematisch ungeahnte Abgründe, und damit meine ich gar nicht, dass bei einem Sohn eigentlich gerade Sexualkunde auf dem Lehrplan steht. Daran kommen wir noch vorbei, wie vernünftigerweise entschieden wurde. Nein, ich meine etwa, dass es in Deutsch beim anderen Sohn gerade um Fabeln geht und ich es daher leider nicht vermeiden kann, das ziemlich ausführlich mitzubekommen, zum zweiten Mal im Leben. Um es gleich vorweg zu sagen, der Sohn hat die beste Deutschlehrerin der Welt, an ihr liegt es nicht. Fabeln, versteht sich, werden aber als Literaturgattung auf dem Gymnasium absolut zwingend abgehandelt, denn Fabeln, so muss man leider feststellen, gibt es nun einmal. Es liegen uns Beispieltexte vor, die man leise stöhnend liest, also der Sohn und ich jedenfalls, weil sie erstens, wie soll ich sagen, mit verhaltener Eleganz erzählt sind und zweitens eine so dermaßen tumbe Moral haben, dagegen sind sogar Leo-Lausemaus-Geschichten didaktisch ausgefeilt und fein differenziert, und das will etwas heißen.

Eine Frage, die man sich nebenbei einmal stellen kann – ob eigentlich irgendjemand jemals Fabeln freiwillig gelesen hat – oder ob die nicht von allem Anfang an stets nur aufgezwungene Textbrocken waren, immer in erzieherischer Absicht an duldsame Schülerinnen und Schüler verteilt? Ich meine, es ist doch schlechthin nicht vorstellbar, dass ein lerneifriger Mensch jemals nach der begeisterten Lektüre einer neunmalklugen Fabel die Seite hat sinken lassen und dann froh gesagt hat: “Stark, das hat mich jetzt aber mächtig aufgeschlaut und moralisch weit emporgehoben! Da lese ich gleich noch so eine Geschichte!” Niemals. Niemand.

Fabeln. Die Prusseliese unter den Prosagattungen, das mit Abstand Tantenhaftigste, was je in Buchform daherkam. Pardon, es geht gleich wieder. Wir arbeiten nur noch eben die Moralgeschwulst aus der nächsten Fabel heraus und sehen uns dann mit leichtem Ekel an, was da vor uns liegt. Obduktion nichts dagegen.

Na, vielleicht sind Fabeln in Wahrheit auch gar nicht so schlimm und bei mir werden nur gerade alle Traumata aus der Schulzeit in kaum zu ertragender Intensität getriggert, das will ich gar nicht ausschließen. Wenn Corona nicht vor der Vektorrechnung und den Herrn-K-Geschichten von Brecht durch ist, ich denke doch noch einmal über Drogen nach.

Morgen machen wir wieder mehr Geschichte. Da geht es um den Hadrianswall, also um eine geschlossene Grenze, wie man heute sagen würde.

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Links am Morgen

Ich habe das lange nicht mehr gemacht, Linksammlungen zu posten, ich brauchte da nach dem Wirtschaftsteil auch erst einmal eine längere Pause. Es fällt aber gerade so dermaßen viel an, auch abseits der Hauptnachrichten, es ist vielleicht wieder richtig. Wenn es noch eine Weile so weitergeht, und so sieht es ja aus, dann finde ich vermutlich jeden Tag einige bemerkenswerte Meldungen, Artikel etc. Damit sich kein Rückstau bildet, poste ich die fix am Morgen. Wenn Sie sich dafür nicht interessieren, können Sie diese Rubrik einfach auslassen, wie praktisch ist das denn. Und wenn Sie sich nur dafür interessieren, dann lassen Sie eben den Rest aus, es ist ein freies Land. Haha, Scherz. Es war eines.

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That discomfort you’re feeling is grief. Ich merke das mit dem grief ja vor allem nachts, denn ich kann mich an meine Träume zwar eher nicht erinnern, merke aber doch bei jedem Aufwachen, dass im Hirn gerade Schwerstarbeit geleistet wurde, und wer weiß, am Ende passiert da sogar mehr als am Tag? Mich wundert mittlerweile gar nichts mehr, was übrigens eine empfehlenswerte Grundhaltung ist.

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Nicht systemrelevant. In diesem Zusammenhang eine ernstgemeinte Frage, ich habe da vermutlich etwas verpasst – gibt es einen Katalog, was alles systemrelevant ist, also aus offizieller Sicht? Bitte gerne kommentieren.

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Die Zwei-Klassen-Beschulung. Ein wichtiges Thema und, wenn ich nur mal aus dem heraus hochrechne, was mir hier im Umfeld bekannt ist – das Problem ist vielleicht erheblich größer, als man zunächst denkt.

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Über die Schulen und das Home-Schooling.

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Jochen doesn’t stay at home, Jochen fährt aus Gründen gerade quer durch die USA, Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.

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Ein Leben in der Nachbarschaft

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Corona im Libanon

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Was bedeuten Kontaktbeschränkungen für Obdachlose? Man hat das ja vielleicht nicht sofort parat. Aber es ist übrigens nicht alles schlecht: Die Hamburger Tafel hat neue Helfer. In diesem Zusammenhang gibt es noch weitere gute Nachrichten, bei den Hilfen für die Obdachlosen tut sich jetzt auch wieder etwas.  Das Suppenprojekt, das wir hier ein wenig supporten läuft natürlich auch weiter. Vielen, vielen Dank schon einmal für die ersten Spenden, Sie haben sofort Möglichkeiten geschaffen, es ist ganz großartig!

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Moby Dicks Ende

Ich will noch eben erzählen, wie es mit Moby Dick ausging. Also nicht mit der Handlung des Buches, ich nehme stark an, das wissen Sie schon, sondern wie es mir mit dem Ende des Hörbuchs erging. Es war nämlich so, dass ich in der Anfangszeit der Coronaphase einmal abends auf dem Sofa lag und mir dachte, jetzt ist es soweit, jetzt hast du definitiv nichts vor, überhaupt nichts, denn die Welt findet ja in absehbarer Zeit nicht mehr statt, jetzt kannst du das große Werk endlich in einem Rutsch bis zum Ende hören, bis der Erzähler da also als einziger Überlebender auf dem Sarg durchs Meer treibt, das ist ja auch eine der Szenen, die man aus dem Film oder auch aus den Filmen kennt.

Ich legte mich also hin und ließ das Hörbuch laufen. Ich war eventuell nervlich etwas stärker beansprucht und allgemein etwas durch, das werden die meisten in den letzten Tagen für sich nicht ganz ausschließen können. Jedenfalls dämmerte ich zwischendurch weg und das Sofa schwankte bald gefährlich, denn es kam Sturm auf und die kreuz und quer über das Deck hastenden Matrosen störten mich erheblich beim Einschlafen; zumal ich nie verstand, was sie mir zuriefen, lauter seemännische Ausdrücke waren das, die mir gar nicht geläufig waren. Es klang aber alles so, als hätte ich dringend mitmachen müssen, als hätte auch ich so wie sie irgendwo ins Tauwerk greifen und ziehen oder pullen müssen, irgendetwas einholen, losmachen, festmachen, vertäuen müssen und dabei brach dann noch ein unfassbarer Regen los, wie er nur in eine Südseesturm möglich ist und das ist übrigens gar nicht so günstig, wenn man nur leicht bekleidet auf einem Sofa auf Deck herumliegt und nicht recht versteht, was eigentlich vor sich geht. Die Herzdame erschien auf dem Achterdeck und wollte etwas, ich konnte sie allerdings nicht verstehen, denn sie rief gegen den Wind, und irgendein Wind war das nicht, das war immerhin ein Taifun. Der Klang von Kirchenglocken wehte darin zu mir und ich fragte mich, wieso die denn bei Sturm läuten, das gab es doch nur früher einmal, auf den Halligen bei Sturmflut oder so, und wieso überhaupt Glocken auf See, hängen die in den Masten oder was – und so ging alles in einem Maße durcheinander, es war eine so unbegreiflich psychedelische Erfahrung, ich bin vermutlich noch nie im Leben so dermaßen gründlich in ein Buch gefallen. Zwischendurch kam es mir auch so vor, als sei es ein kluger und enorm tiefgründiger Gedanke, dass nicht nur der Erzähler, sondern dass auch der Leser die letzte Reise der Pequod überlebt hat und dass man das unbedingt bei allem bedenken und einigermaßen dringend etwas darüber schreiben müsse – das scheint mir bei Licht betrachtet aber keinen Bestand mehr zu haben.

Natürlich weiß ich jetzt nicht genau, wie die letzten Kapitel wirklich abliefen, aber das ist auch egal, ich lass das so stehen, ich weiß ja, wie es ausging. Mehr noch, ich war selbst an Bord, das kann auch nicht jeder behaupten.

Als das Hörbuch vorbei war, rappelte ich mich wieder hoch, es war im Grunde viel zu früh für den Nachtschlaf, selbst für meine seltsamen Verhältnisse. Ich zog mich an und ging noch einmal um den Block, ich ging durch den Bahnhof, wie ich es oft tue. Der Bahnhof war leer, es war der erste Abend, an dem er so leer war, ich könnte also jetzt die Corona-Tage abzählen, welcher davon es gewesen sein müsste, aber es ist auch schon egal. Ich sah über die Bahnsteige, sie sahen aus, als sei es schon tief in der Nacht, dabei war es ein früher Werktagsabend. Tausende hätten da umhereilen müssen, so gut wie niemand war da.

Ich lag gedanklich noch immer bei Melville vor Anker und wage fast nicht, von dem Mann zu erzählen, dem einzigen Mann weit und breit, der mir in der Wandelhalle entgegenkam, und der Ölzeug und einen Südwester trug, obwohl das Wetter nicht danach war, die Szenerie schon gar nicht, das Jahrhundert eigentlich auch nicht. Es wird keine erhellende Erklärung dafür geben. Er gehörte entweder zu einem der benachbarten Theater und lief im Kostüm herum, Zigaretten holen oder so, oder er war zu einer privaten Party unterwegs, die es in diesen Tagen wohl gerade noch gab. Vielleicht war er auch einfach einer der zahllosen Großstadtverrückten oder er war Model und hatte einen Fototermin für irgendwas mit Hamburg und Meer und dergleichen, wir werden es leider nicht erfahren. Er ging einfach nur an mir vorbei, und mit seinen in der leeren Halle gut zu hörenden Schritten verhallte Moby Dick endgültig in mir.

Es war, das wollte ich nur eben sagen, eine einigermaßen spektakuläre Hörbucherfahrung und ich tausche jetzt gerne alle Arten von Drogen endgültig und wild entschlossen gegen die Literatur im Halbschlaf ein. Für meinen Bedarf reicht das so.

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Es gibt Suppe

Eine kleine Szene vorweg. Es gibt hier im kleinen Bahnhofsviertel eine Dame, die jeder kennt. Sie steht jeden Tag an der Straße und hält einen kleinen Pappbecher vor sich, sie bettelt. Sie ist sehr freundlich, viele Menschen geben ihr ganz routiniert etwas, auch bei Kindern ist das beliebt, seit langer Zeit nun schon. Sie steht da einfach nur und ist nett, mehr macht sie nicht, aber so nett ist sie, das ist schon etwas. Sie sammelt immer nur bis zu einer bestimmten Summe, dann macht sie Feierabend, hat sie uns einmal erzählt, ich weiß aber nicht, wie hoch oder eher niedrig dieser Betrag sein mag. Sie steht da also manchmal nur bis zum frühen Nachmittag und mal bis zum späten Abend, sie kann sehr lange stehen. Manche Menschen gehen einfach an ihr vorbei, manche geben etwas Geld, manche geben etwas Geld und reden noch kurz mit ihr.

Heute Morgen stand sie auch wieder da. Sie steht jetzt aber an einer fast menschenleeren Straße, das ist nun ein mühsames, ein sehr mühsames Geschäft. Und es gibt jetzt Menschen, die kommen da also diese Straße entlang und geben nicht nur nichts, nein, sie machen auch noch einen kleinen oder sogar deutlich größeren Bogen um sie. Sie steht da dennoch immer weiter und lächelt, denn das ist das, was sie wirklich gut kann.

Was ich nur eben sagen wollte – die Ärmsten trifft es wieder besonders heftig, und unter den Armen übrigens noch einmal besonders die Obdachlosen, alle Unterstützung bricht gerade weg. Denn alle bleiben zuhause. Wo bleiben die Wohnungslosen?

In unserem kleinen Bahnhofsviertel gibt es eine lange Tradition der Hilfe für Obdachlose und Arme, die Kirche, auf die ich aus unseren Fenstern sehe, spielt dabei eine große Rolle. Einige werden sich übrigens erinnern, die Herzdame und ich haben uns im Jahr 2015 schon einmal in Kooperation mit der Kirchengemeinde um eine Spendenseite gekümmert, da ging es um die Unterstützung von Gruppen, die damals Geflüchtete versorgt haben.

Unterstützung fehlt auch jetzt, aber das liest man am besten drüben weiter, denn wir haben, wie soll ich sagen, die Band wieder zusammengebracht, die Seite überarbeitet und wir legen jetzt noch einmal los. Die Zeiten sind so, und es ist immer gut, wenn man konstruktiv sein kann, das kann man ja überall nachlesen.

Hier drüben bei Sankt-Georg hilft wieder erklären wir den Rest, es geht dabei nicht nur um Geld, es geht auch um sinnvolle Sachspenden, denn es fehlt jetzt an vielem. Wenn Sie jemanden kennen, der oder die jemanden kennt – manches wird sich vielleicht ganz einfach lösen lassen.

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Vielen Dank an die Herzdame, der ich diesen Text wieder diktiert habe.

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Der übliche Paypal-Link entfällt heute, wenn Sie einen Euro oder zwei übrig haben, werden Sie doch bitte drüben auf der Seite etwas ein. Es kommt da an, wo es ganz dringend gebraucht wird, ich kann das tatsächlich vom Balkon aus beobachten. Es gibt auch eine Spendenbescheinigung!