Als es neulich so seltsam alliterierend wie sonst nur in gewissen Medien „Wal vor Wismar“ und „Wölfe im Hamburger Westen“ hieß, endete der eine Teil der Story damit, dass man einen Wolf am Jungfernstieg eingefangen hat, an der Binnenalster. Das ist hier um die Ecke, das liegt auf meiner täglichen Spazierstrecke. Nachdem das Tier vorher in Altona auf der Chaussee angeblich eine Frau gebissen hat, was mittlerweile aber bezweifelt wird. Er hat sie vielleicht lediglich umgerannt. Man weiß es also nicht genau, aber Wolf und Frau, sie stießen jedenfalls irgendwie zusammen.
Immerhin kam bisher in den Medien, soweit ich es gesehen habe, niemand darauf, dass der wilde Wolf womöglich eine Art schwarzer Schwan war, die Alliterationen hatten gewisse Grenzen. Noch.

Nebenbei ist der Vorfall eine gute Gelegenheit, an jemanden zu erinnern, nämlich an Ludwig Hirsch. Der auch einen Wolf besungen hat. In einem Lied, mindestens so traurig wie die Geschichte dieses überaus bedauernswerten Wolfs, der sich da gerade im Hamburger Passagenviertel und in den Fußgängerzonen verirrt hat und lange durch die nicht nur für ihn sinnlose Konsumwelt trabte. Bis ans Ufer der Binnenalster, bis vor das Alsterhaus, ganz wie irgendein beliebiger, orientierungsloser Tourist.
Nur steigen die dort meist nicht in das Wasser, wie das Tier. Zumindest nicht nüchtern.
Das alles hatte ich, wie ein gewisser Kollege es formulieren würde, nicht auf meiner Bingokarte für dieses Jahr. Und wenn ich geistig versuchsweise einmal zurückschalte, sagen wir etwa bis zum Jahr meines Abiturs, 1987, und mir vorstelle, wir hätten damals einen Aufsatz schreiben sollen über eine fiktive künftige Wirklichkeit, welche diese beiden Schlagzeilen, die mit dem Wolf und die mit dem Wal, ermöglicht hätte – machen Sie sich einen Begriff davon, wie viel Fantasie wir mühsam hätten aufbringen müssen? Wal vor Wismar? Wölfe im Hamburger Westen? Isegrim in der Innenstadt?
Die Gegenwart ist in vielerlei Hinsicht doch enorm weit weg von meinen damaligen Erwartungen. Das ist auch, siehe fast beliebiges Geschichtsbuch, kaum anders zu erwarten. Schon mit einer eher groben Fünfzigjahresregel kann man das nachweisen: Alle 50 Jahre (spätestens) ist die Welt durch Innovation, Politik oder kulturellen Wechsel eine andere, wechselt das Kapitel im Geschichtsbuch, titelt eine andere Epochenbezeichnung. Seit langer Zeit schon.
Aber manchmal staunt man doch noch, wie unerwartet und wie schnell alles kommt. Ich hätte im Schulaufsatz vermutlich ein fortgeschritten apokalyptisches Szenario entworfen. Denn wie sonst sollte das mit den wilden Tieren zu erreichen sein, besonders das mit den Wölfen. Andererseits ist die Feststellung, dass wir gerade in einem besonders apokalyptischen Szenario leben, im Moment auch nicht völlig von der Hand zu weisen. Nur wurde alles anders ausgestaltet, als es uns vor einigen Jahrzehnten noch plausibel und ableitbar vorkam.
Als hätten wir irgendwann kollektiv zur allmächtigen Zeit und zum ewigen Schicksal „Na los, überrascht uns!“ gesagt.
Und das haben wir nun davon.
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Im Bild, ohne Zusammenhang zum Text, wohl aber zum Datum, die Kreuzigungsgruppe vor der Kirche nebenan. Ein Kunstwerk, das unter freiem Himmel steht.

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Der Frühling ist vorbei, höre ich am Dienstagabend im Wetterbericht. Aber nicht etwa, weil er demnächst freundlich in den Sommer übergeht und wir den Osterspaziergang von Goethe diesmal also passend wie kaum jemals zitieren dürfen, nein. Weit gefehlt!