Langweiliger und stubenhockerischer

Ein Verriss des Mannes ohne Eigenschaften. Man findet ja immer die Verrisse der Werke hilfreich und richtig, an denen man selbst gescheitert ist. Mit Musil jedenfalls bin ich nie weit gekommen und habe auch tatsächlich bei keinem Versuch verstanden, was denn daran so toll sein soll. Meinetwegen kann das Buch dennoch ganz wunderbar sein, nur eben nicht für mich.

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Ich habe die Briefe der Brigitte Reimann an ihre Eltern durch und bringe hier eben noch selbstbezichtigend das folgende Zitat an: “Die neuen Generationen werden immer langweiliger und stubenhockerischer, findet ihr nicht auch?”  So schreibt sie 1967.

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Meine Rede – mit der Hand notieren und am Computer zu Ende texten. Das beste aus beiden Welten.

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Bewundernswert einfach

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Mehr Zeit bleibt mir heute nicht, das kommt davon, wenn man Abendtermine hat. Aber so drei Links und ein Zitat, das ist ja auch wieder mehr als nichts, so unter uns bescheidenen Menschen. Morgen mehr! Na, oder übermorgen.

Ich höre währenddessen den Stechlin von Fontane bis zum bitteren Ende, das im Text schon unmittelbar bevorsteht, nur noch ein paar Leseviertelstunden. Es ist das dritte Mal, dass ich dieses Buch genieße, ein großes Spätwerk und eindeutig ein Roman, der besser wird, je älter man selbst beim Lesen ist. Nie vorher ist mir etwa aufgefallen, dass der Erzähler einmal – und einmal nur! – sich an die Leserinnen wendet und vollkommen unvermittelt sagt, ich zitiere aus dem Gedächtnis, “Die anderen Gäste der Hochzeit waren uns schon bekannt” und man wird da also auf einmal von einem “uns” umarmt, es hebt sich anz seltsam vom Rest der Seiten ab, und wenig Seiten sind das ja nicht gerade. Als würde der Herr Autor kurz rüberwinken, so wird man da also auf einmal geunst. Doch, es ist ein herrlicher Roman.

Alte weiße Männer in freundlichst ironischem Licht betrachtet, man gerät da beim Lesen oder Hören unversehens in so eine verständnisvolle, verzeihende Grundhaltung, es wird einem ganz unzeitgemäß zumute.

Aber freundliche Ironie hat eben, wie wir heute alle wissen, geschichtlich auch weiter nichts genützt.

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Und außerdem bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte. 

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Ein blumiger Beitrag

Mein Haupttext steht heute wieder einmal nicht hier, der steht drüben beim Goethe-Institut. Hier bleibt mir nur, das noch musikalisch zu unterfüttern, wozu wir zwei Legenden auf die Bühne bitten: Neil Diamond und Barbara Streisand.

Wobei ich Ihnen aber eine weitere, künstlerisch womöglich anspruchsvollere und auch ernstere Version nicht vorenthalten möchte.

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Und außerdem bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte. 

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Rühmkorfs Briefwaage

Ich habe mich heute eigenmächtig von der Truppe, pardon, der Familie entfernt und war endlich im Altonaer Museum, bei “Lass leuchten!”, das war mir doch eine Herzensangelegenheit. Natürlich immer so eine Sache, Ausstellungen zur Literatur, textlastig wie nur was, auch wenn man da heute, Generation Powerpoint, mit Animationen und Projektionen alles belebt und helle erhebt – es bleibt doch Text. Nur Text. Und wenn der Zauber, aus diesem Text Welten und Paradiese werden zu lassen, in der geneigten Besucherin nicht bereits angelegt ist, dann taugt das wohl nichts, nehme ich an. Und es muss ja auch gar nicht für alle taugen. Wie etwa ich mich in einer Ausstellung über Fayencen und Keramik mutmaßlich zu Tode öden würde, während andere da voller Begeisterung von Objekt zu Objekt gieren – das ist ja alles in Ordnung so. Wer aber literarisch angefixt ist, für den ist das mit großer Sicherheit was, und wer Rühmkorf las oder liest, der wird es eh bereits als Pflichtprogramm auf dem Zettel haben.

In einer Vitrine steht dort Rühmkorfs Briefwaage, in einer steht seine Dope-Dose, in einer seine Olympia-Schreibmaschine. Da steht man dann so davor.

 

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Ich hatte einen leisen Verdacht, gerade bei der Briefwaage: Wie die Menschen sinnend da herumstanden, wie sie näher rangingen ans Glas und dann auch das Schildchen daneben studierten, auf dem natürlich “Briefwaage” stand, wie sie schließlich doch wieder einen Schritt zurücktraten und dann abschließend und schon halb im Weitergehen sicherlich dachten: “Nun ja, seine Briefwaage eben”, genau dieser kleine Moment, dieses Situatiönchen nur, das wäre doch etwas für ihn gewesen. So eine Beobachtung am Rande, darüber würde er, ich möchte fast darauf schwören, später am Tag in seiner Mansarde über der Elbe ein paar Zeilen schreiben, wäre er denn noch unter uns.

Und würde er spuken, dann würde er sicher im Museum sein und den Besuchern hier so grinsend über die Schulter, aber jede Wette doch –  da habe ich mich kurz umgedreht.

 

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Was ich also nur kurz sagen wollte, ich mochte die Ausstellung.

Noch einmal mein Lieblingsstück, das muss jetzt einfach so. “Wenn ich mal richtig ich sage, wieviele da wohl noch mitreden können?” Immer wieder gut.

 

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Im Auto im Regen vor einem Container

Ein Blogeintrag mit einem ganz wunderbaren letzten Satz.

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Im Tagebuch aus dem Jahr 1962 stellt Sandor Màrai bei einem Besuch in Hamburg zwar keine Fremdenfeindlichkeit, aber doch eine Fremdengereiztheit fest – wenn der wüsste, was daraus geworden ist. Wie sehr dass mittlerweile als verniedlichender Begriff wirkt, Gereiztheit. Er notiert da außerdem, dass die Gastarbeiter oder deren Nachfahren, so sagte man damals, später zu einem anderen Typ des Europäers werden sollten, unabhängiger von nationalen Konstrukten wie etwa Belgien, Deutschland etc.. Na, was man damals so geträumt hat.

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Im Vorübergehen gehört, ein Mann in einem irritierend nach den Achtzigern aussehenden Business-Outfit am Handy:

“Das kostet dann 500 Euro … das ist Flug und Hotel … ja … das stimmt … eine Luftmatratze irgendwo wäre billiger, ja.”

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Neulich saß ich im Auto im Regen vor einem Container für Gewerbemüll, man kann ja nicht nur glamouröse Momente im Leben haben. Ich saß da und las, was soll man auch sonst machen, wenn man auf etwas warten muss, etwa auf Söhne. Zwischendurch sah ich kurz hoch und mein Blick fiel auf diesen Container. Der war sehr voll, oben quollen schon die prallen Säcke heraus, zwei nasse Plastikwülste, einer rosafarben und einer blau. Und das, so dachte ich, ist auch wieder nur konsequent, das in dieser Gesellschaft mittlerweile sogar schon der Gewerbemüll nach Geschlecht getrennt wird.

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Der Sohn lernt Vokabeln, jede Woche schreiben sie einen Test in Französisch, einen Test in Englisch, da kommt etwas zusammen. Noch komme ich ganz gut mit, das wird sich natürlich irgendwann ändern, besonders im Französischen. Im Englischen war mir aber auch gerade ein Begriff nicht geläufig, nie gehört das: “partially sighted” für sehbehindert. Das kann man sich zwar leicht erschließen, aber ich denke, ich habe das niemals wirklich gelernt oder auch nur bewusst gesehen. Partially sighted, okay, jetzt weiß ich es. Neue Generationen lernen andere Vokabeln, was weiß ich denn, wie wichtig das Wort heute ist, das kann man vielleicht schon mal gebrauchen, denke ich mir. Ich sage also “sehbehindert” und der Sohn schreibt genervt auf, was da aufzuschreiben ist, auch wenn er nicht recht einsieht, warum sie nun ausgerechnet diese Vokabel, wozu denn die nun wieder – aber gut, solche Gespräche führen bekanntlich zu nichts. Schule, Lernen, fertig, manche Sachen ändern sich wohl nie.

Der Sohn also notiert und versteht erst mein Lachen gar nicht, als ich seine Vokabeln korrigiere und sehe, was er da geschrieben hat. Da ist ihm nämlich die Gegenwart dazwischen gekommen, die Gegenwart und der Druck der Werbung, die digitale Welt, das halb abgespeicherte im Unterbewussstsein – sehbehindert hieß bei ihm jedenfalls: “parship sighted.”

Falls Sie mit diesem Portal oder einem ähnlichen irgendwelche Erfahrungen haben – passen Sie bloß auf mit den Sehstörungen.

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Sohn II brach sich währenddessen wieder etwas und wir wissen jetzt, dass man damit beim dritten Mal schon etwas routinierter umgeht. Es tut aber, so sagt er, und ich will es ihm gerne glauben, so weh wie beim ersten Mal.

Schreiben und Reiten kann er jedenfalls ein paar Wochen vergessen, da fühle ich mit ihm. Also beim Schreiben jedenfalls.

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Es gab Kohl

Und zwar, es folgt ein für manche gar finsteres Wort, Rosenkohl. Den esse ich hier gewohnheitsmäßig ganz alleine und drei andere sehen staunend und schaudernd zu, siehe in diesem Zusammenhang auch Leber oder Labskaus.  Rosenkohl also, ein ungemein schmackhaftes Wintergemüse, es wurde diesmal im Ofen zubereitet mit Pecanüssen, Apfel, Zwiebel und Petersilie, und das ist dann so gut, da braucht man keine Beilage und nix, das geht so als Hauptgang durch. Also bei mir jedenfalls.

Es handelte sich um ein Rezept von Oliver Trific aus dem ohnehin guten Buch “USA vegetarisch”, das ist aus der von Katharina Seiser herausgegebenen Reihe, die hier schon öfter vorkam. Ich hatte aus diesem Buch vor einiger Zeit einmal den Butternusskürbis hier präsentiert, der war ebenfalls, pardon, saugut.

Und weil auf Instagram gleich Nachfragen nach dem Rezept kamen, bitte sehr, bitte gleich. Ich verschlanke die Mengenangaben, denn wenn ich das aus dem Handgelenk kann, dann können Sie das auch, echtjetztmal.

 

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Mis en place: Rosenkohl, Zwiebel, Apfel, Petersilie, Pecanusskerne, Salz, Pfeffer, Bratöl.

Sie nehmen also den Rosenkohl, ich hatte da diese supermarktübliche Beutelmenge. Der Kohl wird am Stumpf etwas gekappt, die äußeren Blätter fliegen wie immer in den Kompost. Das von der Mutter gelernte kreuzweise Einritzen des Stumpfes lassen wir hier einmal weg, das kam da nicht vor, es ging auch so. Stark!

Danach schneiden Sie eine Zwiebel in irgendwas, Ringe, Würfel oder was Sie halt so draufhaben, es ist vollkommen egal. Ein Apfel wird entkernt und in Viertel, Achtel oder was auch immer geschnitten, er wird aber vorher bitte nicht geschält. Greifen Sie zweimal in die Tüte mit den Pecanüssen, die Ergebnismenge dann grob hacken.

Pecanüsse gab es hier übrigens nirgendwo, in keinem der Edel- und Fachgeschäfte, ich fand sie dann ganz banal bei Lidl. Nanu.

Der Kohl wird in einer Pfanne mit etwas Öl kräftig angebraten, er darf also ruhig an etlichen Stellen farblich eine ordentliche Veränderung durchmachen, wobei man aber, Achtung bitte, es folgt ein Spitzenwortwitz, auf eine kohlschwarze Verfärbung verzichten sollte. Im Bild oben sieht man deutlich, dass es noch mehr Farbe hätte sein dürfen.

Nebenbei den Ofen auf 210 Grad vorheizen.

Den Rosenkohl aus der Pfanne nehmen, die Zwiebeln dafür hineingeben und anbraten, bis sie heimelig herbstlich aussehen. Die Apfelstücke auch dazu geben und kurz mitbraten. Etwas gehackte Petersilie jetzt auch dazu, bzw. darüber.

Alles in eine ofenfeste Form geben, salzen, pfeffern und vermengen. Im Ofen cirka 25 Minuten oder etwas mehr garen, je nach Rosenkohlgröße, zack, fertig.

Das gibt es jetzt öfter.

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