Bekloppte und Römer

Im Vorübergehen gehört:

“Meine Tochter und ihr Freund, ne, die sind beide völlig bekloppt.”

“Ja, normal.”

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Ich habe neulich erwähnt, dass ich Sohn I beim Home-Schooling (wir werden künftig übrigens von School-Schooling reden müssen, wenn wir diese alte Außer-Haus-Methode da meinen) ausgiebig online recherchieren lasse, auf dass er auch dieses lerne. Das kam bei einigen Leserinnen und auch Bloggerinnen gut an, weswegen ich hier in routinierter Selbstkritik noch erwähnen möchte, dass er heute etwas zu Rom im Internet suchte, auf meine Ermunterung hin auch ausdrücklich bei Youtube, warum auch nicht, denn da gibt es ja alles. Und er fand dann auch, er sah auch, er nickte und grinste und wirkte ganz zufrieden, ich arbeitete währenddessen etwas anderes und spielte Home-Office. Er hatte Kopfhörer auf, und als ich deren Stecker kurz zog, um mich inhaltlich zwischendurch wieder aufs Laufende zu bringen, hörte ich den bemerkenswerten Satz: “Die Römer waren ganz harte Motherfucker.

Also es ging schon tatsächlich um römische Geschichte in dem Video, nur eben jugendoptimiert. Sagen wir ruhig – sehr jugendoptimiert. Recherche beizubringen, das ist schon weiterhin richtig. Aber man muss es recht eng begleiten, die Ergebnisse passen sonst nicht exakt genug zum Lehrplan. 

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Zeit für Real Life. Keine sehr gute Aufnahme, aber schön ist es doch. Eine Wele laufen lassen, es kriegt einen dann schon. Hier mehr zur Künstlerin. 


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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Gartengedanken

Ich sitze im Garten. Ich habe das momentane Lieblingsnotizbuch aufgeschlagen auf den Beinen liegen und halte den Stift in lauernder Bereitschaft über der fast leeren Seite. Sie müssen sich das so vorstellen, dass nur diese Buchstaben, bis genau hier, dort bis jetzt zu sehen sind, also jetzt natürlich gerade wieder ein paar mehr, Sie müssen schon etwas mitdenken. Ich sitze also, starre konzentriert auf die größtenteils nach wie vor leere Seite und frage mich, was ich wohl denke. Dabei bin ich mehr als bereit, das sofort aufzuschreiben. Nicht etwa, weil ich große Gedanken vermuten würde, dagegen spricht ja jede Erfahrung, nein, einfach nur aus Neugier. Man kommt nicht viel herum zur Zeit und man ist es doch gewohnt, auf irgendwas zu achten, jedenfalls als schreibender Mensch. Man belauert eigentlich immer irgendwas, die Welt oder zur Not eben auch sich selbst. Ich komme heute aber nach einer Weile und nach gründlicher Beobachtung zu dem Schluss, dass ich überhaupt nichts denke. Das ist allerdings überhaupt kein Problem, denn das ist immerhin deutlich besser als die sinnlose, belastende und am Ende doch wieder nicht zielführende Herumgrübelei, die bekanntlich gerade nahezu weltweit Saison hat. Das also denke ich so und sage dann: “Ha!”, denn ich denke ja doch etwas und so doof ist es gar nicht. Jetzt das Level halten!

Man kommt ja ganz ohne Ehrgeiz doch nicht aus.

Während ich den obigen Absatz schrieb, flog eine Hummel mehrmals um mich herum, ganz so, als sei ich ein irgendwie blütenähnlicher Typ. Aber Verwirrte gibt es eben überall und unter sämtlichen Lebewesen, nehme ich an. Die Hummel heißt im Plattdeutschen Plüschmors, falls Sie das nicht wissen. Plüschmors, und wenn man das weiß, dann werden einem Hummeln gleich noch viel sympathischer, selbst die verwirrten Exemplare: “De Plüschmors is een Dösbaddel.”

Und am Rande sei hier noch schnell festgehalten, dass der schauspielaffine Sohn I das Wort “Plüschmors” bereits einmal auf der Bühne des Ohnsorgtheaters im Text hatte, also als es dort noch Theateraufführungen gab. Was eigentlich so schön ist, er müsste diesen entzückenden Umstand später in seiner Bio vorkommen lassen, wenn er denn jemals eine brauchen sollte. Ich werde ihn dann erinnern, nehme ich mir jedenfalls mal vor. Vielleicht wird er aber auch etwas Anständiges und braucht so etwas wie eine Bio dann gar nicht, wer weiß.

Ansonsten sitzt auf einem Zweig im Apfelbaum ein paar Meter weiter eine Meise und ist mit meiner Anwesenheit in diesem Garten ganz und gar nicht einverstanden, was sie lautstark und nun schon seit mehreren Minuten schimpfend verkündet. Und wissen Sie was, ich gehe da jetzt rüber und diskutiere das mit dem Vogel in aller Ruhe aus – ich verbringe doch nicht seit Jahren ziemlich viel Zeit in gewissen sozialen Netzwerken, um mich hier von der Seite anzwitschern zu lassen. 

So ja nun nicht. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Andere sind anders

Denken Sie auch ab und zu daran, wie Corona sich vor 30 oder 40 Jahren abgespielt hätte, in einer Zeit ohne Internet? Wie es alle Informationen nur aus der Zeitung und über Radio und Fernsehen gegeben hätte, drei Programme mit Sendeschluss, das ist eine überaus faszinierende Vorstellung. Vermutlich hätte man die Bevölkerung damals hauptsächlich per Lautsprecherwagen informiert, unentwegt wären die durch die Gegend gekurvt: “Hier spricht die Polizei! Bleiben Sie in den Wohnungen! Halten Sie Abstand!” Und es hätte Extrablätter gegeben, eines nach dem anderen. Ach, es ist alles gar nicht vorstellbar und es wird immer abenteuerlicher, je mehr Details man sich ausmalt. Home-Office ging nicht, Home-School – gar kein Gedanke, wir hätten unweigerlich einfach frei gehabt. Die Wirtschaft hätte nicht in einen Pausenmodus wechseln können, was ja selbst heute ein Euphemismus erster Klasse ist, sie wäre vermutlich einfach sofort und flächendeckend verstorben. 

Bei der Schneekatastrophe 78/79 gab es in Schleswig-Holstein schulfrei, das wurde morgens im Radio durchgesagt. Es gab keinen anderen Kanal für solche aktuellen Informationen. Da war ich aber schon brav losgegangen, bzw. da steckte ich schon draußen in der Schneewehe und mir dämmerte auf dem Weg zum Bus, dass durch diese seltsam polar anmutende Landschaft doch wohl gar kein Bus fahren kann, also bei aller Fantasie nicht, und ich kehrte dann nach längerer Überlegung um und ging nach Hause, oder ich kämpfte mich eher wieder durch den Schneesturm meines Lebens nach Hause. Das war ein einsamer Beschluss und er war auch schwer, denn es war ungeheuerlich und ein Wagnis, einfach nicht zur Schule zu gehen, so etwas war einfach nicht vorgesehen.

Wenn man sich nun vorstellt, man hätte die grundlegenden Informationen zu Corona verpasst und ginge eines Werktagsmorgens durch eine plötzlich menschenleere Stadt, alle Geschäfte geschlossen – im Grunde ein Gruselklassiker. Es wird Menschen am Anfang so gegangen sein, nehme ich an, einigen wenigen, den Informations- und Nachrichtenverweigerern, denn die gibt es auch. 

Aber apropos Nachrichten und Informationen. Wir haben hier im Stadtteil zwei sehr verschiedene Einkaufsstraßen. Eine kommt als Top-Adresse in Reiseführern vor und ist, wenn man es der Kürze halber deutlich vereinfacht, die Ausgeh- und Shoppingmeile für Menschen mit einem etwas besseren Monatseinkommen, für Hipster und Menschen aus dem Ausland, die sich eher nicht Migranten, sondern Expats nennen. Die andere ist, ebenso vereinfacht, das Einkaufsparadies für Menschen aus Ländern wie der Türkei, aus den arabischen Staaten, aus dem Iran, aus Indien, aus afrikanischen Ländern. Oder sagen wir so: In der einen Straße gibt es einen feinen Barbier für Hipsterbärte, der Laden ist so abgefahren und ungewohnt, da bleiben immer wieder Menschen vor den großen Fenstern stehen und sehen zu, wie prachtvolle Bärte aufwändig und ungewohnt liebevoll gepflegt werden. Also wenn die Barbiere geöffnet haben, meine ich. In der anderen Straße gibt es auch Barbiere, da bleibt aber kein Mensch vor den Fenstern stehen, denn da werden routiniert türkische Bärte rasiert und das ist so normal und alltäglich wie nur irgendwas. 

Man konnte nun in den letzten Wochen hervorragend beobachten, wie sich Informationen in soziologisch leicht abgrenzbaren Gruppen anders verteilen. Denn all die sattsam bekannten Maßnahmen, also das mit dem Abstand, dem Mundschutz, den Handschuhen, den wenigen Menschen pro Laden usw., die fanden zwar in beiden Straßen statt – aber in völlig unterschiedlichem Timing und auch in anderer Intensität, es ging ein wenig hin und her. Mal war auf der einen Straße deutlich mehr Abstand zu sehen, mal in der anderen viel mehr Menschen mit Mundschutz, dann wieder anders herum – und die Unterschiede waren jeweils genau so deutlich und auf einen Blick zu merken, wie einem auch sonst der Unterschied zwischen den beiden Straßen, die übrigens nur knappe zwei Gehminuten voneinander entfernt sind, auf jedem Meter und in jeder Minute auffällt.

Was natürlich nur heißt, das Menschen aus anderen Gruppen, Szenen, Gemeinschaften etc. einfach anders informiert sind. Dazu müssen sie auch nicht aus verschiedenen Ländern kommen, es fällt einem dann nur leichter auf. Das weiß man eigentlich, aber wenn man etwa auf Twitter ist, dann kommt man dort zu dem Schluss, dass es viele Menschen, auch solche mit umfassender Bildung, vielleicht aber auch gerade die, immer wieder vergessen und ihren eigenen Informations- und Wissensstand jederzeit zum Maß aller Dinge machen und das auch mit großem Einsatz verkünden. Der hehr gedachte kategorische Imperativ wird dabei zum blockwartorischen Imperativ, mit der einfachen Maxime: “Handle du stets so, dass es mir passt.”

Aber andere Menschen sind anders informiert und haben einen anderen Wissensstand. Andere Menschen denken womöglich auch anders. Andere Menschen sind nämlich anders und anders ist ein Mensch übrigens dann, wenn er nicht ich ist. Nichts, was ich denke, gar nichts davon, ist also allgemeingültig. Das scheint eher schwer zu verstehen zu sein.

Und wenn nichts allgemeingültig ist, dann ist es übrigens dieser Gedanke auch nicht, was? Und ich bin ja auch einer von denen auf Twitter …

Es ist kompliziert. 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Anmerkungen zur Müdigkeit

Ich habe in mehreren Blogs von großer Müdigkeit gelesen und kann da anlegen. Denn während ich mich stimmungsmäßig immer noch in die Rubrik “vergnügt-fatalistisch” einordnen würde, was eigentlich keine so schlechte Gruppe ist, wenn man denn die Wahl hat, so kann es natürlich dennoch sein, dass gewisse Persönlichkeitsanteile von mir das etwas anders sehen und unentwegt vehementen Gesprächsbedarf mit den tendenziell belichteteren Regionen meines Hirns haben, dem aber nur sehr begrenzt und eher ungern stattgegeben wird. Ich nehme an, ich bin auch deswegen dauernd müde. Denn wenn ich schlafe, dann können diese problembewussten Teile endlich mal das sagen, was sie eben noch sagen werden dürfen, als besorgte Gedanken, also so in etwa stelle ich mir das jedenfalls vor, und sie sagen das dann laut, empört und durcheinander und sie halten Plakate hoch und gucken böse und verlangen dauernd irgendwas.

Ich bin nicht in einem körperlichen Sinne müde, nicht so wie nach fünf Stunden Gartenarbeit oder nach zwei Stunden Telco oder einem Vormittag Home-School, ich in nur einfach in einem verblüffenden Ausmaß jederzeit schlaffähig. Ich brauche nur Sofakontakt und zack, metertief eingeschlafen. Und dann beim Aufwachen immer und immer wieder das Gefühl, wow, ich habe zwar keine Ahnung, was ich genau geträumt habe, aber es muss doch einigermaßen krass gewesen sein, denn mein Hirn fühlt sich an, als hätte es jemand gründlich ausgewrungen und weggeworfen.

Das Ende der Corona-Zeit werde ich jedenfalls auch daran merken, dass ich endlich mal wieder ganz normales Zeug träume, was weiß ich, von Sex oder vom Meer oder so. Was man eben so träumt, wenn gerade keine Pandemie ist, ich weiß es schon gar nicht mehr, das ist ja auch lange her. Doch, ich habe früher manchmal davon geträumt, nicht dauernd ins Büro gehen zu müssen, fällt mir gerade wieder ein. Aber da möchte ich dann aus heutiger Sicht gleich ergänzen, dass das so ja gar nicht gemeint war …

Egal. Zu spät. Ich leg mich wieder hin.

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Warum auch immer

Um dieses elende Homeschooling ein wenig konstruktiver anzugehen, haben wir etwas umgestellt. Es gibt bei mir jetzt für Sohn I meistens nur ein Fach pro Tag, das geht viel besser so. Die Schule sieht das tendenziell etwas anders, aber hey, ich bin ja auch gar kein Lehrer, ich habe überhaupt nicht den Anspruch, hier alles richtig zu machen. Ich habe nur den Anspruch, die Beziehung zum neuerdings von mir dauerbeschulten Kind möglichst unbeschadet durch diese Zeit zu retten. Dafür müssen wir hier aber alles möglichst friedlich halten und möglichst viele nervötende Faktoren ausschalten. Alle Stunde oder alle zwei Stunden das Fach zu wechseln und bei der noch nicht ganz ausgereiften Selbstorganisation schon wieder zu helfen, das nervt alle Beteiligten erheblich. Wenn die Schule da also etwas anderes will – bitte hinten anstellen, es ist schlicht eine Prioritätenfrage. Ich mache es so, wie es uns passt. Und nein, die Tage sind natürlich nicht alle gleich lang auf diese Art. Warum sollten sie es auch sein, ich weiß ja nicht einmal, welcher Wochentag überhaupt ist.

Wir haben zuerst tatsächlich versucht, uns so etwas wie einen Stundenplan nachzubasteln, das schien uns einigermaßen naheliegend zu sein, weil es nun einmal immer so war, es war aber doch Unfug. Hier ist keine staatliche Schule, ich muss wirklich nicht alles nachspielen, was da so gemacht wird, es klingelt ja auch nicht zwischendurch. Und im Grunde ist die Variante mit nur einem Fach pro Tag sogar so dermaßen viel besser als die andere, also auch für das Lernen, es wird hinterher vermutlich seltsam sein, wieder einem gewöhnlichen Stundenplan zu folgen, bei dem nach altem Muster dauernd das Thema gewechselt wird, wenn man doch gerade erst aufgetaut ist und sich eben erst warm gedacht hat.

Und noch etwas habe ich geändert. Da man beim Homeschooling nämlich oft an einem Computer sitzt, neben dem womöglich auch noch ein Smartphone liegt, bringe ich jetzt das bei, was ich selbst in einer solcher Arbeitssituation seit Jahren völlig normal finde, nämlich alles online herauszufinden und nachzulesen.Es gibt hier also kein “Ich weiß nicht …” mehr. Es gibt vielleicht noch ein “Ich finde nicht …” – aber da kann ich helfen, da landen wir dann nämlich bei der Bewertung von Quellen, das wird super, da kenne ich mich ein wenig aus – besser jedenfalls als bei Dezimalbrüchen und deren Umwandlung in was auch immer. Und während ich das mit der Recherche also beibringe, fällt mir erst richtig auf, dass das auch bitte unbedingt jemand beibringen muss, die Schule tut es nämlich nicht – oder zumindest nicht in auch nur halbwegs ausreichendem Ausmaß. Und es handelt sich doch um essentiell wichtige Fähigkeiten, ganz im Ernst.

Es gibt jetzt also kein “Ich weiß die dritte Person Singular von vouloir nicht mehr”, es gibt kein “Ich weiß nicht, wann der Hadrianswall erbaut wurde”, es gibt kein “Was ist nochmal ein Attribut”. Es gibt höchstens: “Oh, ich bin offline.”

Wenn man die dritte Person Singular von vouloir dreimal online nachgeschlagen hat, dann weiß man die übrigens auch, inklusive Aussprache und allem. Zu diesem Schluss werden vermutlich viele Kinder und auch viele Eltern in den letzten Tagen gekommen sein, nehme ich an. Es wird dann auch bei diesem Thema überaus komisch für die Schülerinnen und Schüler werden, wieder auf normal oldschool (haha!) umzusteigen, oder gefühlt dann vermutlich eher hinunter zu steigen, wenn man nämlich auf einmal wieder so ohne Geräte im Klassenraum sitzt. Das wird sich zweifellos verdammt komisch anfühlen. Als würde man auf einmal Welt ohne Internet spielen. Warum auch immer.

Corona wird ein Bruch sein, es kann danach nicht normal weitergehen, an vielen Stellen nicht. Man wird es vermutlich dennoch versuchen, aber es wird hier und da einfach nicht mehr zu halten sein. So viel Prophezeiung darf man wohl wagen.

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Zur Unzeit am Unort

Ich habe den Verdacht, dass mich die Unstimmigkeit der Bilder da draußen mehr stresst, als ich zunächst angenommen habe. Also nicht schlimm stresst, nicht kreislaufgefährdend, aber doch auf eine nagende und immer leicht unangenehme Art. Bei jedem Blick auf eine Straße oder einen Spielplatz, in einen Park oder in den Hauptbahnhof nervt es mich mehr oder weniger bewusst, dass es dort nicht so aussieht, wie es gehört. Dass die Szenerie also nicht zur Tageszeit passt, auch nicht zum Wochentag und in den letzten Tagen nicht einmal zum Monat oder zur Jahreszeit. Irgendein automatisierter Mechanismus in mir möchte permanent Bilder abgleichen – die Innenstadt so leer, das muss ein Sonntagmorgen sein, etwa 06:30.

Und es ist so saukalt, es muss etwa Mitte Februar sein. Es ist dann aber in Wahrheit ein Montag im späten März, es ist 16:15 und nichts passt mehr, mir sind die Grundeinstellungen allesamt verrutscht.

Das ist ja ein bekanntes Gefühl, dass man einmal denkt, es sei Mittwoch und dann nach einem halben Tag erst merkt, es ist erst Dienstag, und wenn man es dann merkt, dann sortiert man sich lachend innerlich kurz durch und wundert sich und macht weiter, also früher hat man dann jedenfalls einfach weitergemacht. Und heute auch, heute macht man auch weiter, aber nichts wird dabei durchsortiert und man wundert sich immer weiter und es hört nicht auf.

Ich bin ein bildlich denkender Mensch, ich möchte, dass alles in etwa so aussieht, wie es schon einmal ausgesehen hat und wie es aussehen müsste. Ich glaube, mein Hirn prüft das tatsächlich die ganze Zeit, aber die Bild- und die Tonspur sind so hoffnungslos versetzt und falsch zusammengeschnitten und fehldatiert, der Prozess kann einfach kein Ende mehr finden und es wird alles erst gut und befriedet in mir sein, wenn es mir wirklich vollkommen egal ist, welcher Monat ist, welcher Wochentag und welche Uhrzeit ist. So weit bin ich noch nicht.

Das dauert aber nicht mehr lange, nehme ich an. Und dann, genau dann, das ahne ich jetzt schon, wird alles auf einmal wieder auf normal geschaltet, das alte Leben nimmt wieder Betrieb auf und man erinnert sich dunkel, wo man einmal gearbeitet hat. Man geht dann wie früher morgens ins Büro, blickt auf den Wandkalender, der da immer noch hängt, rechnet lange nach und denkt: “Ach guck, ein Sonntag.”

Und dann geht man eben wieder nach Hause.

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