Alltagspointe

Im Dickicht des Literaturbegriffs – vermutlich nur für Leserinnen und Leser interessant, die in der letzten Woche hier und da etwas von der Miroloi-Debatte mitbekommen haben. Aber für die dann sehr.

***

Eine Rezension zur Rühmkorf-Ausstellung in Altona.

***

Was die Amazonas-Brände wirklich bedeuten

***

Der Klimawandel und die Bürgermeister

***

Kein Weg führt nach Utopia und Träume von den Fleischtöpfen in Ägypten – eine Rede von Àgnes Heller.

***

Wir müssen aufhören zu glauben, dass besondere Erlebnisse etwas sind, das man konsumieren kann.”

***

Wir haben uns an die Dauer­nachrichten vom Klimawandel gewöhnt. Sie sind für uns nicht mehr als Hintergrund­musik zu einem angenehmen Leben.

***

Stellen Sie sich bitte einen misslungenen Familienmorgen vor. Sie werden da ja Ihre ganz eigenen Assoziationen haben, aus der damaligen Kindheit oder aus dem heutigen Leben mit Ihren Kindern, egal, so etwas ändert sich kaum, na gut, es läuft heute sicher gewaltfreier ab als noch vor ein paar Jahrzehnten, das dann doch. Also so ein Morgen, an dem überhaupt nichts klappt, das Brot ist verschimmelt und der Kaffee ist alle, die Milch reicht nur noch für einen und die Müslisorte ist falsch, die Behälter für die Pausenbrote waren nicht in der Spülmaschine und die Wasserflaschen sind unauffindbar, die neue Jacke hat ein unerklärliches Loch von erstaunlicher Größe und vor der Tür steht eine ungerade Anzahl Schuhe. Die Nachbarin hört wieder in Endlosschleife und voller Lautstärke “Heal the world”, die Söhne hören Partykracher im Bad, wobei sie erbittert um die Auswahl streiten, und der Computer möchte jetzt bitte sofort ein Update, das aber selbstverständlich hängenbleibt, blauer Bildschirm, aus die Maus. Sie kennen vermutlich all diese Versatzstücke, suchen Sie sich genug aus, so dass es in der Gesamtheit völlig absurd klingt, denn so ist es eben manchmal. So ein Morgen also, an dem keiner etwas will und alle nur müssen, an dem es in jedem Raum vor sich hin eskaliert und man sich zwischendurch fragt, in welchem Film man denn jetzt wieder gelandet ist und vor allem warum und wieso ausgerechnet nach dieser fast komplett schlaflosen Nacht, was ist das bitte für ein Timing und wenn ich den Drehbuchautor erwische, das wird aber unschön. Zu einem misslungenen Familienmorgen gehören unbedingt noch allerlei fehlende Zubehörteile in Sachen Schule, also verschollene Hefte, leere Federmappen und Ranzen. Sportbeutel mit bestenfalls halbem Inhalt stehen mahnend und kläglich in sich zusammengesunken im Flur, es folgt ein sinnloses Suchen und Wühlen, es gibt intensive Verhöre mit verstockten Verdächtigen und gemeinsames Raten, die Kamera schwenkt währenddessen immer wieder auf die Uhr, die unerbittlich kurz davor ist, den roten Bereich anzuzeigen, den roten Bereich, in dem dann endgültig alle zu spät zu Schulen und Jobs kommen, wobei es gerade heute dort doch Arbeit und Arbeiten von einiger Wichtigkeit gibt, versteht sich.

Es fehlt in der allerletzten Minute schließlich immer noch eine entscheidende Information über zu lernende Englischvokabeln, wir brauchen die aber aus hier gerade zu komplizierten Gründen jetzt, sofort, unverzüglich. Wir suchen also alles ab, was mit Englisch auch nur entfernt etwas zu tun haben kann, es wird natürlich auch per Whatsapp in der Klasse nachgefragt – und von dort kommt endlich in aller Trockenheit die Antwort. Das Kapitel, dessen Vokabeln umgehend zu erlernen sind, es trägt den wunderschönen Titel: “Everybody can enjoy a challenge.

Altkluger Alltag, das hat mir gerade noch gefehlt .

***

Wir waren auf einer Hochzeit, was ein hervorragender Anlass war, mir nach längerer Zeit mal wieder einen Anzug zu kaufen. Den habe ich dann zuhause vor dem Spiegel angezogen und mich prüfend darin betrachtet. Nachdem man eine Weile keinen Anzug getragen hat, sieht man darin immerhin auf einmal aus wie ein komplett anderer Mensch. Immer spannend, so ein Relaunch. Ich überlegte dann noch eine Weile, ob der andere da nun besser oder schlechter als der sonst übliche Typ im Spiegel aussah, denn wenn man kraft ausreichender Lebenserfahrung erst einmal skeptisch genug geworden ist, dann glaubt man auch dem Spiegel nichts mehr auf den ersten Blick, nein, dem schon gar nicht. Die Söhne sahen mir erstaunt dabei zu und kommentierten schließlich:

“Papa, du bist schon verheiratet. Weißte, ne.”

***

Musik! Wo wir schon bei Anzügen sind – Tom Jones in alltagstauglicher Herrenmode.

***

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

***

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!

 

Meins, meins, meins

Falsche Nachrichten – falsche Erinnerungen.

***

Serendipity und Horace Walpole

***

In den letzten sieben Tagen ist mir gleich zweimal das Wort Pfadabhängigkeit begegnet, ein Begriff, zu dem ich aus dem Stand gar keinen Inhalt hätte referieren können, weil er mir bisher noch nicht untergekommen war. Was ich ziemlich seltsam finde, denn er passt hervorragend zu den Themen, die mich interessieren, sogar aktuell, er bezeichnet etwas, über das ich schon nachgedacht habe, er ist auch recht schön auf Familien anwendbar und so weiter, die Wahrscheinlichkeit, dass ich diesen Begriff selbst längst souverän verwende, sie war im Grunde ziemlich hoch. Aber – nie gehört.

Jetzt gerade habe ich ihn immerhin aktiv wiederholt, das ist schon einmal gut, so unter bildungsbeflissenen Strebern, jetzt muss ich da nur noch ein wenig drüber nachdenken, vielleicht auch nachlesen und ihn natürlich auf das eigene Erleben anwenden, eigene Gedanken dazu haben oder ihn irgendwie originell platzieren und zack, fertig damit, dann ist das meins, wie die Möwen in “Findet Nemo” schreien.

Bei Hartmut Rosa, das ist der mit der Resonanztheorie,  kommt die Formulierung vor, dass wir dazu neigen, die Welt nur noch als Ansammlung von Aggressionspunkten zu sehen, womit er meint, dass wir alles haben wollen, verwenden und verwerten wollen, umsetzen wollen, ändern wollen, abbilden, konsumieren und abhaken wollen, das trifft bei mir auch auf die Sprache zu, wenn ich’s recht bedenke. Geben Sie mir Ihr Wort, ich will das haben und gebrauchen.

***

Apropos Wort, jetzt noch der umgekehrte Fall. Im Familienkreis benutzen wir in humorigen Momenten ein Wort für das Nichtstun, welches ich vermutlich erfunden habe, woran ich mich aber nicht erinnern kann. Es hat null Treffer bei Google, es kommt nicht einmal in meinem Blog vor, obwohl ich gewettet hätte, es bereits verwendet zu haben. Es handelt sich um eine norddeutsch klingende und fortgeschritten alberne Umschreibung des, pardon, Eierschaukelns, beschreibt also jenen Zustand, in dem mit Eiern ausgestattete Menschen nichts zu tun haben, was in dieser Familie anatomisch bemerkenswert irreführend als “Klötenklackern” benannt wird. Und bei uns ist es so gängig, ich halte es manchmal für eine vollkommen übliche Bezeichnung.

Nun, in Kürze gibt es dazu immerhin einen Google-Treffer, man muss ja irgendwo anfangen.

***

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

***

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!

Blühende Wiesen

Amazon fires. Sozusagen der Apokalypselink des Tages. Man findet ja genug.

***

Über Filterblasen und den Filterclash. “Was kommt? Keine Ahnung.” Das ist doch einmal eine glaubwürdige Antwort auf eine Interviewfrage. Sehr sympathisch.

***

Es überschlagen sich gerade einige nicht blogbare Entwicklungen, wie ich mit spockmäßig hochgezogener Augenbraue feststellen muss, es könnte mit dem fast täglichen Bloggen in nächster Zeit tatsächlich etwas knapp werden. Bleiben Sie dennoch dran, ich löse das dann alles in zehn Jahren auf, wenn das Gras, das bis dahin über die Themen gewachsen sein wird, längst zu blühenden Wiesen geworden ist. Wofür man sich jetzt natürlich den Apokalypseaspekt unserer Zeit kurz wieder wegdenken muss, sonst klappt das nicht, schon klar. Und zehn Jahre jedenfalls, das wissen wir, die gehen schnell. Nehmen wir nur das Beispiel von Sohn II, der wird in zwei Wochen  nämlich zehn Jahre alt, es ist äußerst seltsam, ist es nicht? Wie rasant bitte ging das. Messerscharf kombinierend können wir aus diesem Hinweis ableiten, dass Sohn I dann zwei Tage vorher zwölf wird, also dann schon ein angehender Teenager ist, es ist ja nicht so, dass es gar keine Karriereschritte in diesem Haushalt geben würde.

***

In einer Radiosendung habe ich gehört, dass Psychopathen keine Angst und keine Empathie haben, dass diese beiden Merkmale sie leicht erkennbar auszeichnen. Das ist schön und auch irgendwie tröstlich, denn wenn man so eine schlichte Botschaft hört, dann kann man sich sofort an seine altvertrauten Ängste klammern, an die viele Zeit denken, die man mit ihnen im Laufe der Jahrzehnte verbracht hat und sich erleichtert denken: “Okay, Psychopath bin ich schon einmal nicht!” So simpel ist das, da muss man über die Sache mit der Empathie nicht einmal weiter nachdenken.

***

Musik! Chet Baker und Red Mitchell: My Romance.

***

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

***

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!

Witternd wie wilde Waldtierchen

Sans Forgetica

***

Singapur und der Klimawandel: “Wir müssen jetzt anfangen.”

***

Supercharging the melting

***

Es wird jetzt wieder früher dunkel, das Licht hat diese Herbstwärme, in der es nicht mehr so blendet, sondern sich wie Arminnenflächen an einen heran legt. Sonntagmorgen noch hat es so geregnet wie sonst Ende September. A. sagt: Man sieht ihn nicht, man spürt ihn nur. Am Abend komme ich noch einmal in den Regen, er ist jetzt gewachsen, man kann ihn sehen und spüren und schmecken und alles ist sofort nass. Als ich an der Ampel auf dem Rad warte, hält der Mann auf dem Bürgersteig seinen Schirm unauffällig so, dass ich zumindest für die Rotphase nicht nass werde. Das sind diese Schlenker, die der Sommer macht, damit man sich ausruhen kann, liegen und lesen ohne schlechtes Gewissen, drinnen, wo man sich auskennt.

Mehrere Menschen in meinem Umfeld sprachen in den letzten Tagen darüber, über den Geruch des Herbstes, über das andere Licht, überhaupt über das gerade eingetretene Andere, irgendwie unbestimmt aber doch, da ist doch etwas, merkst du es auch, man fühlt allgemein so herum. Der sich ankündigende Wechsel der Jahreszeiten sorgt also wie immer für diese Momente, in denen die Menschen morgens nach Verlassen ihrer Schlafhöhlen wieder witternd wie die wilden Waldtierchen irgendwo im Morgenlicht stehen und auf einmal etwas ungemein Wichtiges wahrnehmen, und das passiert ja überhaupt nur noch zwei-, dreimal im Jahr, mehr wittern wir längst nicht mehr.

Währenddessen wird es allerdings schon wieder wärmer und an den nächsten Tagen läuft noch einmal das ganze Sommerprogramm ab, mit vollen Straßencafés und badenden Menschen und Hitze im Büro und im Dachgeschoss und mit luftiger Kleidung und Schirmchendrinks am Abend, aber man weiß es jetzt doch insgeheim schon besser und glaubt nicht mehr alles, was man sieht.

***

Apropos Sehen, im Urlaub habe ich einen Nachruf auf Brigitte Kronauer gelesen, von der ich zu ihren Lebzeiten leider gar nichts wahrgenommen, mir dann aber doch ihren Essayband (“Zweideutigkeit – Essays und Skizzen”) besorgt habe, der mir sehr gefallen hat. In diesem Nachruf jedenfalls, er war wohl in der gedruckten Version der Süddeutschen, die ich aus Notwehr gelesen habe, weil ich in Schleswig-Holstein wieder einmal ohne Netz war, da wurde Robert Walser zitiert, der gesagt oder geschrieben hat: “Man braucht nicht viel Besonderes zu sehen. Man sieht so schon sehr viel.”

Ich könnte es mir auf ein Kissen sticken lassen, so richtig finde ich das.

***

Musik! Der King bei der Arbeit an einem Song. Es sieht ein wenig anstrengend aus.

 

***

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

***

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!

E-scooters in the rain

Was so alles verschwindet

***

2050 ist zu spät

***

Dem Weizen wird es zu warm

***

Ein Hotel im Kosovo

***

Im Namen der Toleranz …

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm) am

***

Ich wurde in einem Kommentar gefragt, wie ich denn mit der Stundenplan-App von Sohn I zurecht komme, das will ich gerne beantworten: Gar nicht. Was aber nicht daran liegt, dass sie nicht gut ist oder etwa eine lausige Usability hat oder nicht korrekt mit Content betankt wird oder etwas in der Art, das liegt einfach nur daran. dass ich sehr selten auf einen Stundenplan der Söhne sehe. Es gibt einfach keinen Grund dafür. Beide sind auf Ganztagsschulen ohne Hausaufgaben, na gut, fast ganz ohne Hausaufgaben, das sind seltene Ausnahmen. Mit Sohn I lerne ich oft, aber nur auf Arbeiten hin, nicht für den nächsten Tag. Mit Sohn II arbeite ich mich an das Lernen erst noch heran, der hatte bisher gar keinen rechten Bedarf, das kommt erst noch. Ich muss nicht wissen, welches Fach morgen dran ist.

Die Söhne gehen morgens aus dem Haus, sie haben dabei kaum Schulsachen dabei, einen Ranzen und eine Federtasche, ein Mitteilungsheft, Schulbrote und einen Apfel. Das wiederholt sich so an jedem Tag, dafür brauche ich also erst einmal keinen Stundenplan. Das ist übrigens auch der Teil des Konzepts Ganztagsschule, der funktioniert: Ich habe mit dem täglichen Einerlei tatsächlich wenig zu tun, das regelt sich da alles ohne mein Zutun, das finde ich gut. Ich muss wenig oder fast nichts mitdenken oder organisieren. Es gibt auch einen Teil des Konzepts, der mir ganz und gar nicht gefällt, darüber müsste ich auch einmal schreiben, fällt mir gerade ein …ja, ist jetzt vorgemerkt. Ich bin mittlerweile, aber das sei hier nur nebenbei erwähnt, mit meiner Notiertechnik so absurd gründlich geworden, Sie machen sich überhaupt keinen Begriff. Ich habe dermaßen viele Notizen, Ideen und Stichwörter in meinem Speicher, ich könnte wie ein Maulwurf darin herumwühlen, sie hochwerfen und mir auf den Kopf prasseln lassen. Jedem seinen Reichtum! Wobei ich jetzt vermutlich etwa ein Jahr gebraucht habe, um mich selbst endlich dahin zu bekommen, meine eigenen Gedanken in einem für mich sinnvollen und auch zureichend erscheinenden Ausmaß zu erwischen, also erfolgreich notieren zu können, denn das ist erstaunlich schwierig. Man hat etwa 60.000 Gedanken pro Tag, das stand jedenfalls irgendwo zu dem Thema, da wird vielleicht klar, dass es eine größere Aufgabe ist, die vermeintlich oder tatsächlich irgendwie brauchbaren Sequenzen  bewusst mitzubekommen und zur Strecke zu bringen. Wovon man allerdings – bloß keine falschen Hoffnungen! – auch nur begrenzt etwas hat, denn man bleibt dadurch ja in seinem Denken gleich flach wie immer schon, man wird nur in seiner Dummheit auf einmal wesentlich sortierter. Das allerdings zumindest gefällt mir sehr, ich räume eben generell gerne auf.

Pardon, wo war ich? Bei dem digitalen Stundenplan. Den brauche ich nur für die  Abweichungen von der Norm. Wenn ein Kind etwa um 11:30 einen Arzttermin hat, weil man andere manchmal nicht mehr bekommen kann, dann muss ich das Kind um 11:00 irgendwo auf dem weitläufigen Schulgelände finden, in der Sporthalle, im Musikraum, im Klassenzimmer oder was weiß ich wo. Dann erst sehe ich auf den Stundenplan und dann finde ich die App auch vermutlich total praktisch. Das wird sich also noch zeigen, aber darauf freue ich mich jedenfalls jetzt schon. Das früher auf dem Handy genutzte Foto vom Stundenplan, der ganz altmodisch am Kühlschrank hing, das tat es natürlich auch, sehr gut sogar, aber ein wenig technische Spielerei ist schon nett.

Und wenn diese App dann Blödsinn anzeigt, dann wird man das vermutlich hier lang und breit lesen können, weil ich den Sohn dann nämlich längere Zeit suchen muss und danach ziemlich sauer sein werde, das fällt dann unter Technikfolgen.

***

Es regnete die letzten Tage einigermaßen ergiebig, vielleicht fiel es Ihnen auch auf. Das führt mich zu brennenden Fragen der kulturellen Moderne, etwa ob die melodisch wimmernde Riege der Singer/Songwriter schon die schier maßlose Traurigkeit entdeckt hat, die unbenutzte E-Scooter bei schlechtem Wetter ausstrahlen?

My life is all in vain

E-scooters in the rain ..

Na, so in etwa. Da kommt noch etwas, ganz gewiss kommt da etwas, ich werde darauf achten. Bis dahin bleiben wir bei den kaputten Fahrrädern. Und ja, das ist ein September-Song, was soll ich machen, ich gehe vor.

***

Nur noch schnell ein Wortvorschlag, ich übernehme ihn heute von Sohn I, mit dem ich auf dem Dom war, wo er mit einer Achterbahn fuhr, die den Ansprüchen des immerhin fast Zwölfjährigen nicht ganz mehr zu genügen schien. Er stieg da nach der Runde etwas missmutig aus und sagte verächtlich: “Das war jetzt aber nur Billig-Adrenalin.” Ist das nicht schön? Billig-Adrenalin. Doch, das gefällt mir sehr.

***

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

***

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!

Vor acht

Wir hatten ja damals keine Wasserflaschen dabei. Es ist im Grunde unvorstellbar.

***

Tim Minchin gibt Ratschläge. Ich mag etwa die Formulierung “micro-ambitious”. Gefunden via Patricia auf FB.


***

Die Kinder des Berliners

***

Rügen auf dem Weg zur Versyltung. Oder hier, Santorin. Oder Rhodos.

***

In der wie immer brechend vollen S-Bahn am Morgen fragt ein sitzender junger Mann einen stehenden älteren Mann: “Wollen Sie sitzen?”Der ältere Mann guckt kurz hoch, er ist in der üblichen Werktagsstimmung und will also ganz sicher nicht angesprochen werden, das sind norddeutsche Werkseinstellungen, er blafft daher nur kurz: “Was?!” und freundlich klingt das weiß Gott nicht, eher im Gegenteil. Der junge Mann wiederholt seine Frage unbeirrt und der andere schüttelt unwillig den Kopf, finstere Blicke, also wirklich, spricht der mich einfach an, unglaublich so etwas, was kommt denn noch alles. Dann sieht er aber doch noch einmal hin, denn nach ein paar Bedenksekunden – das war womöglich ganz nett gemeint. Könnte ja sein. Er hebt die Augenbrauen etwas, die Skepsis ist stark in ihm, aber er beguckt sich den Jüngeren jetzt erst einmal genauer. Der guckt ruhig und freundlich zurück und wartet ab, ob der Ältere seine Meinung vielleicht noch ändert. Das tut der zwar nicht, aber in seinem Gesicht passiert Unvorhergesehenes, ein Lächeln bricht da durch. Das ist allerdings kein leichter Prozess und das geht auch nicht schnell, es endet aber doch in einem akzeptabel freundlichen Gesichtsausdruck und wer weiß denn schon, wann dieser Mann zuletzt vor acht Uhr morgens mal freundlich geguckt hat und was für eine Leistung das gerade ist. “Das ist aber nett”, sagt er dann anerkennend, seine Überraschung ist nicht zu überhören und allmählich ist er sogar bei einem richtigen Grinsen angekommen, denn guck an, es gibt doch noch anständige junge Menschen auf der Welt, das ist ja ein Ding. “Finde ich gut” sagt er schließlich noch, “Finde ich richtig gut.” Der Satz richtet sich aber an niemanden direkt, der geht eher allgemein an die Umstehenden und Beobachtenden, die jetzt aber sicherheitshalber alle so gucken, wie er selbst zuerst geguckt hat, denn hallo, es ist noch vor acht, es ist Mittwoch, es ist Hamburg, es regnet. Ruhe jetzt.

***

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

***

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!