Apanten

Es ist nicht möglich, auf Spotify einmal in Ruhe ein Lied von einem Herrn mit Gitarre zu hören, der es womöglich noch zu etwas Sinngehalt im Text gebracht hat, denn dann verkrallen sich die strunzdummen Algorithmen dort auf Wochen hinaus unausweichlich in der Schublade Singer/Songwriter und empfehlen in schier endloser Folge einen Winselpriester nach dem anderen, also junge Männer mit hohen Stimmchen, die von ihrem ach so schlimmen Leid singen und dabei so zaghaft Saiten zupfen, dass man zu Beginn immer ernste Zweifel hat, ob sie jemals heil über das Intro hinauskommen können oder vielleicht doch schon vor der ersten Strophe zusammenklappen. 

Ich höre nicht gerne junge Männer mit hohen Stimmen, ich höre alte Männer mit tiefen Stimmen, die scheinen aber keine gesonderte Schublade zu füllen. Schlimm. Vielleicht trete ich doch noch zum Blues über, da läuft das besser.

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Sohn I sitzt auf dem Sofa und kichert, warum kichert der? Den amüsiert, dass in einem Buch, das er gerade liest, die Formulierung vorkommt, dass etwas “abhanden kommt”. Abhanden, sagt der Sohn und er sagt es mehrfach. “Ich habe immer gedacht, es heißt apanten”, sagt er und kriegt sich gar nicht wieder ein, dass er das sein Leben lang falsch verstanden hat, es ist ein ganz anderes Wort! Mit Hand drin! Da staunt er aber. Er hat sich nie etwas bei apanten gedacht, er hat das nie geschrieben gesehen, er hat das immer nur so gehört und gedacht. 

Ich aber finde apanten eigentlich auch ganz schön. Ich möchte der Welt apanten kommen, denke ich, das ist doch ein ganz reizendes Fremdwort, ich will sehen, ob wir es nicht behalten können. 

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Was auch irritiert, als ob ich in diesem Jahr nicht längst irritiert genug wäre – die Stadt ist gar nicht leer. Nicht einmal halbwegs. Es sind Sommerferien, die Stadt hat also eigentlich leer zu sein, es sind jetzt eigentlich die Anwohnerparkplatzfestwochen, in denen man traditonell nahezu überall einfach parken kann. Es sollte eigentlich spürbar mehr Luft in der Stadt sein, hier und da sogar etwas Ruhe.

Aber die Straßen sind nicht leer. Die sind vielmehr rappelvoll, wie erklärt sich nun dieses? Vermutlich ist es so, dass all die Menschen, die den ÖPNV jetzt seltsam und ansteckungsgefährlich finden, da in ihren Autos unterwegs sind und damit sehr schön beweisen, wozu man eigentlich den ÖPNV braucht. Das geht nämlich gar nicht, dass alle mit dem Auto fahren, die stehen dann nur herum und beschimpfen sich gegenseitig, das ist seelisch mit großer Sicherheit ungesund. Weiter sind sicher viele, viele in diesem Sommer gar nicht verreist, sondern noch hier. Warum die jetzt aber dabei auch noch dauernd um den Block fahren – keine Ahnung. Und schließlich kommen wohl all die Menschen, die dieses “Urlaub in Deutschland” testen, versuchsweise hier vorbei, mal sehen, wie Stau in Hamburg so ist. Spoiler: Es ist wie Stau überall, nur mit mehr Regen. 

Fahrradstadt Hamburg, was haben wir gelacht. 

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Ich gebe es zu, ich bin womöglich etwas gereizt, verbraucht und unleidlich. Und noch drei Tage bis zum Urlaub.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci! 

La dolce vita

Am Sonntagvormittag ergibt sich auf einmal eine Terminlücke, sie ist sogar mehrere Stunden groß. Das kann ich am Samstagabend bereits absehen, also denke ich, genau da kommt jetzt das mit der Entspannung rein, in diese schöne Lücke, da passt das doch mal, da stört das auch gar nicht. Sogar am Sonntag, wie passend ist das denn! Und ich gehe extra eine Stunde später als sonst ins Bett und stelle mir ausnahmsweise auch keinen Wecker. Der steht bei mir sonst unweigerlich auf 05:30, denn ich schreibe und arbeite wirklich gerne frühmorgens,wenn sonst noch niemand wach ist. Jetzt aber mal diese Langschläfernummer! Nennt mich Relax-Max! Denke ich mir so und strecke mich extra lang aus.

Ich wache dann am nächsten Morgen auch prompt erst nach meiner üblichen Weckzeit auf, und zwar um 05:32, also ganze zwei Minuten später als sonst. So geht das bei mir nämlich los mit dem Dolce Vita.

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Nicht nur im Garten, auch auf unserem Balkon sehen wir gerade eine unerwartete Zunahme der Artenvielfalt, ich komme mit dem Nachschlagen der Vögel gar nicht mehr hinterher. Ein Stieglitz, der war da in den letzten Jahren kein Gast, ein Rotkehlchen, das war nur ganz selten da. Dann sehe ich etwas, das muss eigentlich eine Tannenmeise sein, sagt jedenfalls das Bestimmungsbuch, aber ich weiß nicht recht. Eine Gartengrasmücke, die ist immerhin sicher. Und dann, da gucken wir alle mehrmals hin, ein Grünspecht, den gab es bei uns noch nie. Wo kommen die jetzt alle auf einmal her, ist das Landflucht? Wie weit spricht sich denn bitte unser halber Meisenknödel noch herum?

Ich erinnere mich rechtzeitig an meine guten Entspannungsvorhaben, setze mich vors Fenster und mache nichts. Ich gucke nur, ob Vögel gucken und ob Wolken ziehen und wie die Bäume im Wind vom Nordwestwind gezaust werden. Das mache ich ganze zwanzig Minuten lang, dann fällt mir auf, dass ich das wahnsinnig anstrengend finde, nur so herumzusitzen. Wie man’s macht, isses verkehrt.

Ich gehe zum Fenster und sehe runter zum Spielplatz, da steht eine Mutter und schaukelt ihr Kind, und zwar macht sie das verkehrt. Nämlich nur an einer von den beiden Ketten, so dass das arme Kind da ganz unharmonisch schaukelt, immer so leicht angeruckelt und schief im Schwung, kein schönes Durchschwingen, keine Eleganz in der Bewegung, kein stilvolles Sausen – ich möchte da runtergehen und der Mutter das Anschwunggeben verbieten, so sehr nervt mich dieser unschöne Anblick, wirklich, was ist denn bloß mit den Leuten los, die einfachsten Dinge machen sie falsch, ich kann so nicht entspannen.

Ich gehe zum Kühlschrank und sehe nach essbaren Dingen, denn Essen kann auch entspannen. Aus dem Kühlschrank tropft es und es riecht etwas seltsam, das kommt, wie mir nach eingehender Prüfung klar wird, weil jemand ein nicht richtig geschlossenes Glas mit Sardellenfilets in Öl umgekippt hat. Das Glas stand ganz oben, das Öl ist jetzt aber nicht nur ganz unten, sondern auch überall sonst, es hat, als ich die Kühlschranktür nur kurz geöffnet habe, sofort die ganze Küche kontaminiert, es ist schnell und raumgreifend. Ich habe Öl an den Fingern und kurz darauf also auch in den Haaren, ich rieche nach Urlaub in der Bretagne. Also mit etwas Fantasie jedenfalls.

Auch auf dem Boden ist Öl, man gleitet hier jetzt sehr schön über das spiegelnde Laminat, aber das kann so natürlich nicht bleiben. Eine Stunde später ist die Küche komplett geputzt, alles sieht aus wie neu, bei näherem Hinsehen vielleicht aber auch wie eingeölt, besonders der Fußboden.

Ich bin nach dieser Aktion etwas erschöpft und also wirklich entspannt, wie ich interessiert feststelle. Ich merke mir daher für weitere entspannte Stunden in diesem Sommer vor: Sardellen. Immer auf dem Bekannten aufbauen, dann wird es wesentlich einfacher.

Noch fünf Tage bis zum Urlaub.

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Wie in einem Buch

Ich schreibe schon seit Jahren keine Geschichten mehr, also Kurzgeschichten abseits des Blogs meine ich, dazu werde ich auch sicher in absehbarer Zeit sicher nicht kommen, auch wenn die Lust allmählich doch wieder zunimmt. Ab und zu notiere ich mir allerdings etwas, denn vielleicht komme ich ja später wieder dazu, also viel später. Im letzten Jahr ist mir eine Kurzgeschichte begegnet, also im richtigen Leben, die ist so klar eine gute Geschichte, das erlebt man gar nicht oft. Eine präzise umrissene Hauptfigur, eine originelle Handlung, ein super Ende – wenn man einmal darauf erachtet, gibt es nicht viele Geschichten, die derart passieren, dass sie bereits fertig ausgestaltet sind, also druckfertig. Aber diese war so, da gab es nix, sie war es auch auf den ersten Blick und nicht nur für mich war das zu erkennen, das sagten auch andere: “Na, das ist ja eine Geschichte! Wie in einem Buch!” Die kann man sich so gut gar nicht ausdenken, denken dann einige. Kann man aber natürlich doch. 

Egal, ich dachte jedenfalls schon monatelang, die könntest du ja mal aufschreiben, die ist doch vorgezeichnet, die musst du nur noch eben ausmalen, dazu kann man auch nebenbei kommen. Ich habe sie dann ab und zu im Kopf etwas sortiert, ich habe hier und etwas ausgemalt, versuchsweise etwas ergänzt und weggelassen, ich habe die Erzählstimme probehalber verändert. Ich habe gemerkt, die Idee ist robust gut, der kann man auf verschiedene Arten beikommen, sie geht immer auf, weil sie einfach im Kern gut ist. By the way, kennen Sie “Der Mann, der seine Bücher im Kopf schrieb” von Patricia Highsmith? Das ist auch eine interessante Geschichte. 

Die Geschichte, die ich da gehört und teilweise miterlebt habe, sie ist ernst und sie ist etwas traurig, sie endet aber nicht mit verwüstender Depressionsstimmung, sondern eher mit sachter Wehmut. Sie lässt einen womöglich etwas betroffen zurück, aber nur für einen Moment. So eine Geschichte ist das. 

Und neulich dachte ich, komm, jetzt machst du da wenigstens mal einen Anfang, mal sehen, ob das noch geht. Ich setzte mich also kurzentschlossen an den Schreibtisch und fing an mit dieser besonderen Geschichte, die von wehmütigem Ernst geprägt ist und mit leisem Bedauern ausklingt und eine feine Trauer hinterlässt. Nach drei Sätzen schon schrieb ich eine Pointe, und ich wusste wirklich nicht, wie die da hinkam. Im vierten Satz tauchten zwei Hauptfiguren auf, die ich aus einer ganz anderen Geschichte kenne, mir war überhaupt nicht klar, dass die jahrelang im Hintergrund meines Kopfes gelauert haben, aber die stellten sich da jetzt mit einer Bestimmtheit mitten in die Szene und führten einen Dialog auf … nach zwei Seiten ging es dann um etwas, zu dem ich nie eine Geschichte schreiben wollte. Und ich saß da und sah meine Finger an, sah die Tastatur an und fragte mich zum tausendsten Mal, wer hier eigentlich schreibt und welche Dämonen man damit weckt und was das mit einem macht, und eine der neuen Hauptfiguren stand währenddessen da in einem Garten, lehnte an einem Baum und grinste. Es ist ein überaus seltsames Gefühl, wenn man von den eigenen Figuren angegrinst wird.

Schreiben, so viel steht fest, ist eine wirklich abgefahrene Sache. Ich freue mich jedenfalls, irgendwann wieder Geschichten zu schreiben, das wird sehr unterhaltsam – also zumindest für mich. 

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Trinkgeld Juni, Ergebnisbericht

Der dritte Monat (ich zähle im Geiste und auch an den Fingern noch einmal nach: doch, stimmt), in dem die hochgeschätze LeserInnenschaft hier mein wichtigster Kunde war und uns also die Brötchen nebst Belag und Salatblatt bezahlt hat, ich weiß da allmählich gar nicht mehr, wie ich adäquat danken soll, wenn nicht schlichtweg durch fleißige Bloggerei, und daran soll es selbstverständlich nicht mangeln. Ich freue mich jedenfalls wie Bolle, versteht sich. 

Zwei grundsätzliche Anmerkungen zu den Trinkgeldern, die sind vielleicht interessant. Zum einen kommt mehr Geld durch Überweisungen als durch Paypal, das hätte ich ganz und gar nicht erwartet und jederzeit auf das Gegenteil gewettet. Nanu! Zum anderen kann ich, das ist vielleicht auch für andere Bloggerinnen aufschlussreich, die Trinkgelder nicht, und zwar gar nicht, mit bestimmten Texten in Verbindung bringen. Es ist nicht so, dass ich etwas Lustiges schreibe, und dann kommt da etwas, oder dass ich dafür besonders tolle Links finden muss oder recherchieren sollte oder ernster werden oder was auch immer, und dann – nein, so läuft das nicht. Ich entnehme vielen, vielen Betreffzeilen, Grüßen und Kommentaren vielmehr ganz eindeutig, dass Sie für ein gewisses Kontingent zur Überweisung oder zu Paypal schreiten. Also etwa wenn Sie zehn Artikel gut gefunden haben, wenn Sie zehn Jahre im Blog gelesen haben (das kam tatsächlich öfter vor), wenn Sie ein paar mal gelacht haben, wenn Sie x Links interessant gefunden haben, und dann aber. Ich schreibe hier also und schreibe, und irgendwann ist irgendwas gut oder ausreichend genug, so in etwa. 

Vielleicht ist es das auch gerade passend so, denn wenn ich z.B. immer nach besonders heiteren Texten besonders viel Trinkgeld bekommen würde, ich würde vielleicht doch zu oft versuchen, besonders heiter zu sein, und das klingt ja eher nicht so heiter, wenn ich es bedenke. Aber so, wie es nun einmal ist, gucke ich einfach jeden Tag, was geht. Und Sie eben auch, das harmoniert gewissermaßen, das ist ein entspanntes Verhältnis. 

Apropos Tage, an denen was geht. Im Juli findet Urlaub statt, das führt wie immer in Kürze zu zwei erwartbaren Problemen. Zum einen ist die Woche vor dem Urlaub (die nächste) terminlich der reine Horror, da könnte es hier und da etwas klemmen mit den Artikeln. Zum anderen werden wir eine Woche auf Eiderstedt sein, da klemmt dann wieder das Netz, Sie kennen das. Na, aber dies nur kurz vorweg, schnell zurück zum Juni.

Es gab wieder viel Eis für die Söhne, für die Herzdame und für mich, wobei gewisse Familienmitglieder hier zu Spaghettieisorgien neigen, ich dagegen bin ja eher der typische Einkugelasket. 

Bei unserem letzten und eher traurigen Besuch im Kaufhof, ich berichtete, haben Sohn II und ich die Schreibwarenabteilung und auch die Kasse dort noch einmal etwas belebt, es hat den Laden aber nicht grundlegend retten können. Dieser Sohn hatte darüber hinaus auch wachstumsbedingt wirklich dringenden Bedarf an einem neuen Fahrrad, dabei haben die Trinkgelder auch anteilig etwas geholfen. 

Wir haben den Söhnen unsere alten Handys vererbt und das Zubehör dazu aus dem Hut bezahlt, also diese Schutzdinger, neue Ladekabel etc.

Dann habe ich etwas zurückgelegt, um es lieber im Urlaub auszugeben, denn womöglich wird man da noch mehr Eis brauchen? Wir sind vorbereitet und ich kaufe mir womöglich auch einmal zwei Kugeln, ich kann auch anders. 

Eine Summe war explizit für einen gemeinsamen Restaurantbesuch, das fand exakt zum Ferienbeginn so statt, hierfür ganz besonderen Dank. Wir haben dabei natürlich draußen gesessen, nach drinnen zieht es mich noch überhaupt nicht.

Wie immer gab es auch ein Buch für mich, und zwar “Die allertraurigste Geschichte” von Ford Madox Ford, in der Ausgabe der geschätzten Büchergilde, übersetzt von Fritz Lorch und Helene Henze, mit einem Nachwort von Julian Barnes, und ich freue mich sehr darauf. Ich habe gerade gemerkt, ich habe das überschaubare Gesamtwerk Ford Madox Ford irgendwann abgebrochen, es ist Jahre her und es lag nicht an ihm. Das ist ziemlich gut, denn der Herr schreibt sensationell und ich habe jetzt Urlaubslektüre, drei Bände liegen bereit. 

Die Herzdame dankt für Lampions, mehrere, aus meiner Sicht also eher verdammt viele. Aber bitte, wenn sie es doch braucht. 

Bei den Betreffzeilen, die ich noch nicht umsetzen konnte, ist ja, ich schrieb schon einmal darüber, Geld für einen Theaterbesuch dabei, wenn der Herr Walser denn wieder im Ernst-Deutsch-Theater spielt, das wird tatsächlich bald der Fall sein, und da gehe ich dann hin. Im übernächsten Monat, also gleich. 

Es gab ferner Geld für Sohn II und das Reiten, das wird auf Eiderstedt umgesetzt, da stehen die Pferde nämlich bereit, auch das schwer vermisste Lieblingspferd. Der Sohn wird übrigens generell demnächst von Pony auf Pferd wechseln, wie isses nun bloß möglich?

Etwas Geld ist noch für ein Bananenbrot offen, das machen wir auch im Urlaub, ein Rezept liegt schon vor. 

Dann habe ich (immer noch!) den Posten Schabernack, Unfug, Unvernunft und Verwegenes – wir werden es noch irgendwann erleben. 

Und einmal gab es Geld für etwas “Was Ihr Euch nie kaufen wolltet”, darüber denken wir noch nach, das könnte auch etwas dauern. 

Schließlich gab es gleich zwei Beschwerden, es solle doch bitte auch Wünsche geben, nicht nur Kontodaten. Okay, Wir haben auch wieder einen Wunschzettel. Wie früher!

Wie immer, ganz herzlichen Dank für jeden Euro und jeden Cent, ich freue mich über jede Summe, wir freuen uns, und zwar sehr. Sie sind, falls Sie heute noch kein Kompliment bekommen haben, eine ausgesprochen feine Leserschaft. 

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Verhältnisse wie in Berlin

Ein Sohn hat zum ersten Mal überhaupt wieder Lust auf Gastronomie und fragt, ob wir nicht einmal wieder ins dieses Café gehen könnten, in das mit diesen besonders gemütlichen Sesseln in der Innenstadt, in dem wir “vor ein paar Tagen mal waren” – und dann überlegen wir gemeinsam, wann denn das wohl genau gewesen sein kann. Wir finden schließlich heraus, dass es etwa am 10. März gewesen sein muss. Und zwischen dem 10. März und heute liegen in der Tat nur ein paar Tage, wie wir alle wissen, es stimmt schon – aber die waren eben besonders lang.

Ich entnehme währenddessen der dienstlichen Kommunikation im Büro, dass gerade ein Halbjahr beendet wird. Die Information höre ich wohl, aber sie ist seltsam inhaltsleer und bedeutungslos. Ein Halbjahr. Kann ja jeder sagen. 

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Im Vorübergehen gehört:

“Ich bin ja mehr so kreativ unterwegs.”

“Du bist doch nur völlig disziplinlos.”

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Wir essen Kirschen direkt vom Baum, wir essen Erdbeeren und Karotten und Kartoffeln aus den Beeten und Erbsen und Himbeeren von den Ranken. Die Stachelbeeren verteidigen ihre Früchte in diesem Jahr so wehrhaft und waffenstarrend, man kommt ohne Blutzoll gar nicht heran. Ich stehe davor und sage: “Aber die Marmelade!”

Wir essen Kirschkuchen mit Kirschen aus dem Garten. 

Der Kürbis setzt wieder vom Kompost aus zur Welteroberung an und geht in Sturm und Drang davon aus, den ganzen Garten zu bedecken, vielleicht aber auch die Gärten der Nachbarn! Kleiner will er es nicht machen und geh da weg, du stehst meinen Blättern im Weg.

In einer schattigen Nische zwischen dem Birnbaum und dem Flieder, unterlegt mit der vagen Dunkelheit des Efeus, blüht ein Rittersporn in einem so dermaßen unwahrscheinlichen Blaulila, das ist eine Farbe, mit der rechnet man so nur unter Wasser oder im Dschungel.

Der Schmetterlingsflieder fängt auch gerade an und verspricht viel. In Schmetterlingskreisen wird er bald schon ein Thema sein, hoffentlich auch eine Top Location. Eben stand hier Schmetterlink, mit einem k am Ende, das kam mir ganz erstaunlich lange nicht falsch vor. Das Internet und die Folgen! Wir klicken auf einen Schmetterlink. 

Zuhause im kleinen Bahnhofsviertel kommt neuerdings eine Spatzenbande auf den Balkon, das sind hier Verhältnisse wie in Berlin, wa. Sie versuchen immer wieder, auf dem letzten Meisenballrest aus dem Winter zu landen, das gelingt ihnen aber nicht. Dann setzen sie sich aufs Geländer und motzen allerliebst, gucken scheel und verduften erst einmal wieder. Ihnen folgt wie auf einer Bühne eine Amsel nach, der es völlig egal ist, dass ich nur ein paar Zentimeter neben ihr sitze und lese, es wird Abend und sie hat da jetzt also etwas zu singen und zwar wie folgt, sie legt den Kopf in den Nacken und los. Wissen Sie, wie laut so eine kleine Amsel ist, wenn sie direkt neben Ihnen lossingt, ohne eine Fensterscheibe oder einige Meter dazwischen? Da fällt man vom Stuhl. Wie sie das bloß macht. Kein Resonanzraum unterm Federkleid, aber ein Sound wie ein Konzertsaal.

Der Blauregen auf dem Spielplatz unten expandiert wieder neugierig über die Mauer, an der er seit Jahrzehnten lehnt, jedes Jahr guckt er nach, was eigentlich da drüben ist. Geh doch rüber! Er angelt und hangelt auf der anderen Seite grünfingrig von oben nach den Hälsen der Radfahrer, die ducken sich im Vorbeifahren hektisch weg, wenn sie die Schlingen denn überhaupt rechtzeitg sehen, sie drehen sich um und gucken empört, wieso schneidet das da keiner weg, das gemeingfährliche Grünzeug? Dieser Blauregen kommt aber im Kalender des Gartenbauamtes gar nicht vor. 

Auf einem schmalen Weg zwischen den Häusern fallen einen Brombeeren aus dem Hinterhalt an, in finsterer Kumpanei mit einem Kirschbaum. Der Baum wirft mit Früchten, auf denen man ausrutscht, die Brombeeren ritzen die Opfer dann an. Es ist eine ganz feine Pflanzengesellschaft da im Halbschatten, Wegelagerer und Banditen, die pflegen noch den alten Ruf dieses Stadtteils, der lange eine einigermaßen verkommene Gegend war.

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Im Tagebuch von Max Frisch, das Berliner Journal war es wohl, kommt ganz am Anfang die Bemerkung “Nierchen bei Grass” vor, im Tagebuch von Rühmkorf erwähnt der irgendwann “Schweinskopfsülze bei Grass”, über diese seltsame Kombination freue ich mich schon länger. Jetzt gerade im Tagebuch von Sarah Kirsch eine Anmerkung zu Grass entdeckt:“Ein gewisser Primitivismus spricht aus ihm.”

Ich habe ihn ja seit Jahren immer mit Schweinskopfsülze im Bart vor Augen, ein unauslöschliches Bild.

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Bei Anne Tyler kommt in den Romanen ein wiederkehrendes Motiv vor, da summen, singen oder pfeifen immer wieder Menschen Melodien von Songs, die dann etwas Tiefsinniges zu bedeuten haben, wenn sie darüber nachdenken, was sie da eigentlich von sich geben. Das Unterbewusstsein gibt da also eine Playlist vor und die Figuren singen etwa Abschiedslieder, wenn sie nach einem Ehestreit mal kurz aus dem Haus gehen. Ich denke seit Tagen darüber nach, ob mir so etwas auch schon einmal passiert ist. Ich kann mich an keinen einzigen Vorfall dieser Art erinnern. Aber ich habe mich eine Weile scharf beobachtet, um das genauer herauszufinden. Ich pfeife, so habe ich gemerkt, dauernd die Titelmelodie von Pippi Langstrumpf und mache mir also die Welt … das ist allerdings so unterbewusst nun nicht. 

Ob ich im Büro wohl ganz andere Melodien im Sinn habe als zuhause? Ich muss das dringend mal herausfinden, aber dazu müsste ich ja erst einmal ins Büro gehen. Komplikationen, wohin man auch sieht. 

Egal, Halbjahresschluss jetzt auch im Blog. Zack, zu. 

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Schluss mit lustig

Ich wohne seit über 30 Jahren in Hamburg, aber wenn ich auf einem Stadtplan die Stellen markieren würde, mit denen ich in dieser Zeit etwas zu tun hatte, an denen ich etwas zu tun hatte, das wären gar nicht mal so viele. Die drei, vier Wohnungen, die drei Adressen, an denen die Firma war, das Fitness-Studio (damals), dann natürlich die paar Ecken, an die ich nur durch die Söhne kam – der größte Teil der Stadt bliebe auf jeden Fall weiß und es gibt viele, viele Gegenden, in denen ich noch nie war, ich war immer ausgesprochen reviertreu.

Eine Kreuzung gibt es aber, mit der kann ich hundert Geschichten verbinden. Das ist so eine Stelle, die kam wieder und wieder vor, jedes Jahr gab es da eine neue Begegnung, eine weitere Story oder Szene, auch als ich schon längst nicht mehr dort in der Nähe wohnte. Mit den meisten Menschen, die ich in dieser Stadt näher kannte oder kenne, habe ich da irgendwelche Momente erlebt, auch und besonders mit den Frauen, denen ich wie auch immer verbunden war. Umarmungen und Beschwörungen fanden da statt, Dramen, Versöhnungen und Anbetungen, eine Eheanbahnung und auch das Ende einer langen Geschichte. 

Wenn ich mich an dieser Kreuzung aus einer Umarmung löste und hochsah, hing da ein Firmenschild, das beschrieb mich und die jeweils anderen sehr direkt, ich fühlte mich nicht nur einmal davon angesprochen: “Pappnase & Co”. 

Der Laden gibt jetzt leider auf – und damit hört irgendwie auch diese Kreuzung für mich auf, das macht ja so keinen Spaß mehr da.

Oder wie Sohn II sagte: “Das war mein Lieblingsladen, das geht doch nicht!”

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