Neulich sah ich Meldungen über Lebenshaltungskosten. Was wohl auch ein besonders schönes Wort ist, über das man in den Kursen „Deutsch für Ausländer“ besonders lange reden könnte. Gerne auch mit spielerisch anmutenden Erweiterungen wie etwa „Lebenshaltungskostenjahresbilanz“ oder „Lebenshaltungskostentabellenübersicht“ und dergleichen.
Aber Moment, kurzer Exkurs. Ich benutze in diesem Blog oft, aber nicht immer, das generische Femininum. Es scheint mir sprachlich deutlich eleganter zu sein als andere Formen, etwa als die so seltsam beflissen wirkende permanente Benennung beider Geschlechter, wie etwa bei „Deutsch für Ausländer und Ausländerinnen“. Was dann oft einen mir eher unangenehm vorkommenden Anklang von Behördensprache hat.
Es sieht für mich aber auch besser aus als das „AusländerInnen“ mit dem großen Binnen-I, welches längere Zeit üblich war und hier und da auch noch ist. Oder was immer man sich da noch ausdenken mag, mit Sonderzeichen und allem.
Außerdem hat das generische Femininum auf einer eher simpel gedachten Logikebene selbstverständlich einen Gerechtigkeitsaspekt. Denn das generische Maskulinum, so kann man mittlerweile durchaus meinen, hat nun lange genug gewonnen. Es hat auch zweifelsfrei einige Nachteile. Es wirkt und ist oft überholt, es führt nachweisbar hier und da in die Irre beim Lesen und Assoziieren, es gibt längst ausreichend Studien dazu.
Manchmal finden Leserinnen das lustig, wie ich das hier benutze. Wenn ich etwa nur von Leserinnen, Bloggerinnen etc. schreibe und also im Satz bei „wir Bloggerinnen“ lande. Manchmal finden sie es großartig, weil sie es als Unterstützung ihrer Position lesen oder weil durch diese Benutzung sprachlich doch einmal etwas auffällt, das einem sonst leicht entgangen wäre. Es gibt bei so etwas immer interessante Stolperstellen, wie auch bei allen anderen Varianten der Benennung nach Geschlechtern.
Es gibt aber auch Besonderheiten, die in Ihrer Wahrnehmung und in meiner differieren werden, die aber in jedem Fall Spezialfälle sind. Wenn ich etwa das generische Femininum in einem Zusammenhang benutze, den man kritisch verstehen kann oder auch muss (wie etwa hier in diesem Text die „Berufsanfängerinnen“), dann liest man es womöglich als eine Beleidigung speziell der Frauen – und nicht etwa nur wie eine sprachlich etwas ungewohnt daherkommende Verallgemeinerung. Man liest es also unwillkürlich so, als seien Männer nicht mitgemeint (mon Dieu!).
Es gibt auch Fälle, wie etwa bei den oben im ersten Absatz zunächst nicht mitgenannten Ausländerinnen, da denkt man beim Gebrauch die Verallgemeinerung vielleicht eher nicht mit, da denkt man dann eher an Deutschkurse nur für Frauen, hat die auch gleich bildlich vor sich. Und kann vielleicht gar nicht benennen, warum man vom Wort aus diesmal nicht verallgemeinert, sondern auf einmal nur Frauen auf Schulbänken sieht.
Man fragt sich dann vielleicht, wieso ich jetzt an dieser Stelle nur die Ausländerinnen meine, was denn mit den Kursen für die Männer los sei. Man denkt also kurz eine Sinnebene mit, die ich unter Umständen gar nicht parat hatte. Was vielleicht auch manchmal seine eigene Komik und Abgründe hat, vielleicht nur in Ihrem, vielleicht nur in meinem Kopf.
Es gibt also mit anderen Worten und etwas abgekürzt beim Gebrauch des generischen Femininums ganz ähnliche Nachteile wie beim generischen Maskulinum, so einfach ist das. Aber das nur am Rande. Unter Umständen ist konsequentes Mischen auch eine sinnvolle Übergangslösung, bis die deutsche Sprache in zwei, drei Generationen einen praktischeren Ausweg gefunden haben wird. Denn ganz zweifellos wird sie einen finden.
Aber egal, wo war ich. Die Lebenshaltungskosten, genau. Die waren, nein, die sind, so stand es da in diversen Medien, in Hamburg am höchsten. Wir zahlen für das ganze Zeug im Einkaufswagen am meisten. Überall ist es besser, wo wir nicht sind, da haben wir es wieder.
Wir sollten vielleicht zum Einkaufen nach Bremen fahren. Nach Berlin wäre auch möglich und finanziell durchaus sinnvoll. Diese Städte waren die beiden Schlusslichter im Ranking, dort ist alles günstiger als bei den Hochpreishanseaten.
Angeblich haben wir hier aber auch tendenziell hohe Einkommen. Das halte ich zumindest im Falle dieses Haushalts allerdings für ein Gerücht, das wüsste ich. Den Vergleich bei den Preisen aber, den denke ich z. B. immer mit, wenn wir etwa meine Schwiegermutter besuchen und ich dabei in Richtung Minden und drumherum etwas Einkauf mitbekomme. Auch die Eintrittspreise und dergleichen dort, was man auf Märkten zahlt. Es ist teils markant, wie viel weniger dort ausgegeben werden muss. In Minden zahlen wir minder.
Zwioschendurch ein Lied? Aber sicher doch, nehmen wir einen Klassiker.
Es ist nicht schwer abzuleiten, dass wir mit unserem Haushaltseinkommen in Nordostwestfalen tatsächlich mehr Geld hätten, deutlich mehr. Allerdings würden wir diese Ersparnis dann umgehend und dringend für Kurztrips in Städte, die diesen Namen aus unserer verwöhnten Sicht auch verdienen, verjubeln, nehme ich an.
Es ist also, wie es ist. Wir sprachen hier kurz darüber, wir machten unsere üblichen bitteren Kommentare. Die längst allzu routiniert klingen, seit etlichen Jahren nun schon. Dann ging ich runter zum Briefkasten und holte dort, ich scherze keineswegs, die nächste Mieterhöhung heraus. Es passte also alles wieder sensationell zusammen, aber nicht immer ist das auch gut so.
Denn man macht was mit. Und man zahlt dann auch noch extra dafür.

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