Anmerkungen zum Zahlungsverkehr

Zum Thema Bargeld versus digitale Zahlung könnte man meinungsstarke Artikel durcharbeiten und akribisch Argumente für diese oder jene Richtung herausarbeiten. Spontan sind mir dabei zwei Aspekte bewusst, und es werden nicht die geistreichsten sein, wie ich gerne zugebe.

Denn zum einen scheint mir das Datenschutzargument logisch und stichhaltig zu sein. Ich glaube denen nicht, die davon ausgehen möchten, dass die Datenspur, die sich aus all unseren Einkäufen ergibt, in keinem Fall gegen uns verwendet werden könnte. Diese Haltung finde ich bemerkenswert naiv.

Ein Mensch auf einer Bank an der Außenalster

Zum anderen gehöre ich aber als betont ungeduldiger Mensch selbstverständlich zu denen, die tendenziell innerlich eskalieren, wenn die Menschen an der Kasse vor ihnen anfangen, Centmünzen einzeln abzuzählen und dabei Standard-Smalltak mit dem Personal an der Kasse zu initiieren à la „Ein Euro und achtzig, die Sacht macht sich.“ Unvergesslich die Erinnerung an einen Einkauf in München, es ist schon eine Weile her. Als wir auf einer Reise beim Umstieg vom Mietwagen in den Zug nur wenig Zeit hatten, schnell in einen Supermarkt gingen und dort durch einen eher absurden Zufall alle etwa zwölf Personen vor uns bar bezahlten. Also etwa so, als sei die Kartenzahlung in Bayern verboten, was wohl nicht der Fall ist.

Es war tatsächlich ein Zufall. Aber eben einer von denen, die so sehr nach Sketch aussehen, dass man mit offenem Mund in dieser Sonderform der Wirklichkeit steht und sich nur noch fragt, womit man das nun wieder verdient hat.

Den Zug haben wir dann noch bekommen, mussten aber, um ihn gerade eben noch zu erreichen, mit dem Gepäck laufen, also tatsächlich sprinten. Dies war, glaube ich, die letzte sportliche Großtat, an die ich mich erinnern kann. Kurz vor Hamburg kam ich dann wieder zu Atem.

Bargeld also, das wollte ich nur eben sagen: Auch manchmal schwierig.

Ich habe aber ansonsten bei diesem Thema keine Spur von Leidenschaft und insgesamt kein hohes Interesse. Man kann nicht alle Nachrichten mit Leidenschaft verfolgen und es gibt Sachverhalte im modernen Leben, die mich deutlich mehr bewegen. Ich verfolge das also alles nur am Rande. Die Entwicklung in Ländern wie Norwegen etwa, wo das Bargeld schon unüblich geworden ist. Und auch die Sache mit dem Datenschutz und der Datenspur, wozu es ebenfalls gelegentlich Nachrichten gibt. Die dann meist keine guten sind.

Menschen auf einer Bank an der Außenalster

Aber!

Ein Aspekt bewegt mich dann doch, kommt mir unangenehm nahe, regt mich auf. Und zwar der unselige Umstand, dass die Anhänger der Zahlungsmöglichkeitsparteien Bar und Bargeldlos, wenn sie ein Geschäft betreiben, so oft passiv-aggressiv auf den Teil ihrer Kundschaft reagieren, der sich so verhält, als würde er der jeweils anderen Partei angehören.

Wenn ich etwa, wie es mir gerade passiert ist, an einem eher improvisiert wirkenden, winzigen Marktstand etwas Kleinkunsthandwerk im gerade eben noch einstelligen Preisbereich erwerbe, dann reiche ich Münzen oder einen Schein. Was auf Erfahrungswerten beruht. Und bin doch etwas irritiert, wenn mich der verkaufende Mensch dann so pikiert ansieht, als hätte ich mit Muscheln zahlen wollen. Um dann mit kritisch erhobener Augenbraue anzumerken: „Oh, also Bargeld … Nein, das nicht mehr. Bei mir nur mit Karte.“

Ich meine, dies ist Deutschland, dies ist 2026. Man kann als Kunde daher unmöglich ahnen, welcher Händler oder Dienstleister digital wie weit vorgedrungen ist. Dabei irgendetwas vorauszusetzen, es kommt mir vollkommen abwegig vor.

Ich schreibe dies aber nur, weil ich direkt nach dem Erlebnis an diesem Marktstand das erste Eis der Saison kaufte. Es war warm, die Sonne schien, die Wetter-App vermeldete gerade per Pop-Up den Beginn des Vollfrühlings, und was war schon dabei. Ich kam an einer Eisdiele, sagt man das überhaupt noch, an prominenter Stelle und touristisch interessanter Lage in der Innenstadt vorbei. Der Preis der Kugeln lag über zwei Euro, aber das ist ein anderes Thema.

Mittlerweile hatte ich aber nur noch einen Fünfziger im Portemonnaie, das kam mir unpassend für Eis vor. Ich sagte daher, was man dann so sagt: „Mit Karte, bitte.“

Der Eisverkäufer sah mich an, als sei ich ein Kunde aus der Zukunft, mit science-fiction-mäßigem Vokabular der stark überfordernden Art. Als hätte ich etwas gesagt wie: „Ich zahle mit Warp III.“

Der Mann sagte sichtlich irritiert: „Aber hier doch nicht!“ Wörtlich sagte er das. Und ignorierte mein spontan auftretendes Augenzucken, während er weiter ausführte – und mit welcher Anmaßung, Herablassung und Selbstherrlichkeit in der Stimme – dass man dort selbstverständlich nur mit Bargeld zahlen könne. Also wirklich, mit Karte! Und es folgte eine Art wegwerfende Geste, die in mir kurz die Lust aufkommen ließ, auch mein gerade erst empfangenes Eis zu werfen, und zwar in seine Richtung.

Weswegen ich, sicher auch im Namen anderer Kundinnen, kurz anmerken möchte: Wir wissen nicht, was an welcher Kasse in diesem Land möglich ist. Wir können und wollen es auch nicht wissen, wir möchten das nicht listenmäßig auswendig lernen. Weder möchten wir es parat haben, noch möchten wir so etwas kundig erahnen. Wir haben keine Neigung zu irgendeiner vorauseilenden Mitwirkung. Wenn Sie an einer Kasse stehen oder sonst wie Geld einnehmen, dann sparen Sie sich um Gottes willen sämtliche pikierten Blicke bei auf welche Art auch immer zahlungswilligen Kundinnen.

Ja, sparen Sie sich diese Blicke. Und sparen Sie sich auch die hochgezogenen Augenbrauen, erst recht die besserwissenden Anmerkungen und Belehrungen. Einfach jedem Fall.

Sie tun uns damit einen großen Gefallen.

Menschen sitzen an der Ballindammseite am Ufer der Binnenalster

 

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Mein linker, linker Platz ist frei

Kurz vorweg: Geplant war es nicht, aber einer der schöneren Zufälle ist es auf jeden Fall, dass dieser Text ausgerechnet an dem Morgen erscheint, an dem wir von der Abwahl der rechten Truppen in Ungarn lesen können. Mit freundlichem Winken in Richtung Budapest gesendet.

Vom Widerstand in den USA erfahre ich am häufigsten durch Menschen, die im weitesten Sinne etwas mit Comedy und Satire machen, weil ich etlichen von denen auf Instagram folge. In den Nachrichten sehe ich wenig davon, zu wenig. Oder aber ich bemerke nur zu wenig davon. Vielleicht sehe ich nicht richtig hin, aber ich fürchte, das wäre eine allzu gute Erkenntnis. Nein, so wird es nicht sein.

Wenn sich jemand aus der A-Prominenz wie etwa Bruce Springsteen gegen den Präsidenten und alles, was ihn an trüben Umständen begleitet, querstellt, darüber wird dann berichtet. Aber allzu oft scheint das nicht vorzukommen und es ist also offensichtlich so eine Sache mit diesem Land of the free and the home of the brave.

Es wird hoffentlich deutlich mehr Widerstand geben, als bei uns ankommt. Es wird aber andererseits auch insgesamt zu wenig sein, wie man zweifellos am Ergebnis bemerken muss. Denn die Lage, sie ist nun einmal, wie sie ist.

Im Fachbereich Musik aber habe ich in Bezug auf dieses Thema gerade etwas gefunden und auch live besucht, das die Bewegung in dieser Richtung illustrieren kann. Ich bastele es Ihnen hier einmal mit etwas längerer Vorgeschichte zusammen, weil es in der Gesamtheit ein gutes Bild ergibt. Oder auch eine gute Playlist, ganz nach Belieben.

Die amerikanische Sängerin Carsie Blanton (Wikipedia-Link) lernte ich vor etlichen Jahren, noch in meiner sportlich bewegten Lindy-Hop-Zeit, über ein unschuldiges, unpolitisches, eindeutig Vergnügen ausstrahlendes, sommerliches Tanz-Video kennen. Es war sicher damals auch einmal im Blog eingebunden.

Dieses hier war es, und es ist ein immer noch gerne gehörter Song für die helleren Monate des Jahres. Es gab tatsächlich eine Zeit, wenn sie auch eher kurz war, da konnte ich den Titel des Songs sogar auf mich beziehen, because I could dance.

Ein hervorragend tanzbares Lied ist es nämlich, man hört es wohl.

Später fiel mir Carsie wieder auf, weil sie einen bemerkenswerten Tribute-Song nach dem Tod des von mir verehrten John Prine geschrieben hat. Es gab eine ganze Reihe von Tribute-Songs und Alben, dieses Lied hier ragte aber heraus, weil es ihm in Lyrics und Melodie näherkam als andere.

„Tonight in heaven it must be nice

They’re all eating peaches in paradise

All of them angels lining up in a queue

Just to go fishin’ with you.”

Die kanadische Gruppe The Burning Hell (Wikipedia-Link) verlinke ich hier jeweils traditionell zum Jahreswechsel. Ihr Klassiker „Fuck the government, I love you“ (YouTube-Link) ist ein Silvester-Song, und was für einer. So ein fantastischer Text, so ein immer wieder gerne gesehenes Video.

Später fielen sie mir dann z. B. durch das Vorstellungslied von Mathias Korn auf, bei TV Noir eingespielt: „My name is Mathias“. Und wieder habe ich gedacht, dass diese beiden da, Mathias und Ariel, doch außerordentlich sympathisch wirken und verdammt gut texten.

“Where we’re born and when we die, we can’t control that.

And life in between is just war and combat.

There are targets you can shoot for and mines to circumvent

But most of life is an accident” 

Und nun fanden diese Sängerin und diese Gruppe also zufällig zusammen. Ich zitiere von der Seite des Hamburger Clubs Molotow, in dem sie gerade mit dem gemeinsamen Album „Everything is great!“ auftraten:

„The Burning Hell trafen Carsie Blanton bei einem Gig in einer abgelegenen Kleinstadt, und alle waren sofort begeistert. Sie verband die gemeinsame Leidenschaft für Science-Fiction und Sozialismus, und sie schmiedeten Pläne für gemeinsame Songwriting-Projekte. Schon bald fand sich diese neue amerikanisch-kanadische Allianz in einem kleinen Dorf in Irland wieder, um ein ganzes Album aufzunehmen. Carsie, Joe, Mathias und Ariel brachten die albernsten und diabolischsten Seiten aneinander zum Vorschein, wetterten gegen Milliardäre und Kriegsverbrecher und schrieben Muppet-Musicals über Kybernetik und den unausweichlichen Zusammenbruch des Kapitalismus.“

Was schon einmal eine faszinierende, Interesse weckende Beschreibung ist. Hier ein beispielhafter Song von diesem Album, mit Mitsing-Qualität:

Es ist, um auf den Anfang zurückzukommen, ein Album mit Nachrichten aus dem Widerstand, wie man schnell merkt. Und man darf wohl annehmen, dass Carsie und auch der Band der Name des Hamburger Clubs, in dem sie auftraten, besonders zugesagt haben dürfte. Wie auf Mastodon jemand zum Lied kommentierte: That escalated quickly.

Man kann das ganze Album ruhig einmal durchhören. Ich möchte das ausdrücklich empfehlen, und sei es nur, um festzustellen: Ach guck, diese Positionen gibt es ja auch noch.  Oder wieder.

Oder sei es nur, um noch einmal im Leben berechtigt denken zu können: Links von mir ist ja auch noch etwas! Also falls Sie dieses Gefühl auch ab und zu etwas vermisst haben. Es gehörte immerhin, ich zumindest habe das so in meiner Erinnerung, eine ganze Weile lang selbstverständlich dazu.

Ich zitiere noch eben aus der Selbstbeschreibung von Carsie auf ihrer Website:

Carsie Blanton is a songwriter with hooks, chutzpah, and revolutionary optimism.”

Sowie aus der Selbstbeschreibung von The Burning Hell auf ihrer Website:

“They move with heavy rhyme and a light step, incorporating a frequent fixation on apocalypse and ruin into work that celebrates participation in a mutually created, ever surprising, and even occasionally beautiful world. Which is to say they’re good dance partners and they want to dance with you.”

Gelungene Vorstellungstexte, finde ich. Leider kann ich sie nicht stehlen, sie passen so gar nicht zu mir, aber es ist doch ein wenig schade.

Auf dem Weg zum Konzert ging ich notgedrungen über die Reeperbahn, und zwar an einem Samstagabend. Sie können die Anzahl der mir dort entgegenkommenden und teils schon früh sturzbesoffenen Junggesellenabschiedstrupps und ähnlich angeheiterten Amüsierausflüglerinnen kaum überschätzen.

Es passte im Nachhinein betrachtet sehr schön zum Albumtitel: Everything is great, in deed.

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Bitte warten Sie

Bedingt durch den dummerweise weiter anhaltenden Rückenschmerz und vermutlich auch durch lustige Medikamente ist mir vor zwei, drei Tagen ein Mittagsschlaf passiert, den es in dieser Ausprägung auch als Standard-Internet-Scherz, als Meme, gibt. Nämlich jene Nickerchen-Variante, bei der man so abgrundtief schläft, so gründlich abrutscht, so dermaßen nachhaltig nickert, dass man sich beim Aufwachen für einen kurzen Moment fühlt, als sei man im Schlaf auf der Zeitschiene des eigenen Lebens entgleist. Als würde man daher gerade neben, nicht mehr in der Zeit liegen. Nicht mehr in jener Zeit, in die man doch eigentlich hingehört und in der man sich auch gut auszukennen meint.

Ein Aufkleber an einem Balkonbkumenkasten: Schlafen Sie gut?

Man fühlt sich in etwa so aus allem gefallen, so dermaßen draußen, als seien diverse Varianten der Zeit und des Zustandes der Welt, der Umstände und der eigenen Person gleichermaßen möglich und wahrscheinlich.

Als könne es z. B. sein, dass man nach Verzehr eines eiligen Nutellabrotes zum Bus laufen müsse, um in der Mittelstufe die Geschichtsklausur zu schreiben. Oder man fühlt sich, als könnten mehrere Frauen verschiedener Altersstufen als aktuelle Partnerinnen in Betracht kommen. Als könne es ferner sein, dass man doch eher Single ist. Oder aber liierter Vater von ein bis zwei Kindern, wie viele auch immer es nun genau waren. Und diese Kinder wiederum könnten Kleinkinder, Schulanfänger oder längst Teenager sein, vielleicht auch schon ausgezogen.

Man weiß es gerade nicht genau, man muss erst ein wenig nachdenken und sich konzentrieren. Bitte warten Sie, blendet das Hirn dabei kurz ein, während es langsam wieder hochfährt.

Es kommt einem also für einen kurzen und betont seltsamen Moment alles gleichermaßen auswählbar vor. Für eine Sekunde etwa auch gleich plausibel. Wie bei einer Roulettekugel, die kreisend an sämtlichen Feldern vorbeirollt. Und dabei noch so viel Geschwindigkeit hat, dass man zunächst absolut kein Ergebnis dieses Laufs abschätzen möchte oder könnte.

In meinem Fall fand ich das so verwirrend, dass ich nicht einmal dazu kam, eine der möglichen Varianten schlimmer oder besser als die andere zu finden. Es fand zunächst also nicht einmal eine Verknüpfung von Themen und Bewertungen statt.

Nach dem bemerkenswert späten Einrasten der Möglichkeit „2026“ mit entsprechendem Familienstatus, Wohnort, Gesundheitszustand etc. dauerte es schließlich immer noch eine Weile, bis ich endlich auch zur Klarheit bezüglich des Wochentags und schließlich noch der Uhrzeit durchdringen konnte.

Wobei die Sache mit der Tages- und Uhrzeit verwirrend lange dauerte, denn es war eine eigenartige Lichtsituation im Zimmer, die mir mehrere Deutungen zuzulassen schien. Ganz zum Schluss dieses Prozesses erst dämmerte langsam, als würden die Einzelheiten Stück für Stück eingeblendet, ein Ring von To-Dos, Terminen und üblichen Tragödien rund um meine aktuelle Situation in meinem Bewusstsein.

Damit war ich erst komplett in der richtigen Situation angekommen. In die ich, nach allem, was ich zu wissen meine, auch gerade gehöre und schreibe, etwa diesen Text. Es bleibt aber küchenpsychologisch interessiert anzumerken, das wollte ich nur eben sagen, dass ich für einen Augenblick nennenswert bewusster als sonst mitbekommen habe, wie die Auswahl der anzuwendenden Stimmung dabei passierte.

Denn Auswahl hat man, das stand für mich fest. Tatsächlich Auswahl. Als würde man zögerlich vor dem Schrank stehen und die Kleidung für den Tag aussuchen. Was trage ich denn heute einmal, Schwarz oder Dunkelgrau?

Das ist gewiss keine neue Erkenntnis und nicht überraschend. Das bekomme ich nur normalerweise nicht so deutlich präsentiert. Man wacht nicht auf und fragt sich, wie bin ich denn heute mal drauf. Wie könnten meine Vibes diesmal sein, was nehme ich denn heute für ein Stimmungskostüm. Also normalerweise wache ich jedenfalls nicht so auf. Ich hänge vielmehr meist schon beim Aufwachen in der dominierenden Stimmungsumgebung der Woche, des Vortages, der letzten Stunden fest. Und selbst wenn ich nicht festhänge, ergibt sich die Stimmung meist unabsichtlich und nebenbei. In etwa so unbeachtet und ohne jede Reflexion, wie man vielleicht auf der körperlichen Ebene in seine neben dem Bett bereitstehenden Hausschuhe steigt oder sich einen Morgenmantel anzieht.

Ganz ähnlich, so denke ich, wirft sich die Seele an den meisten Tagen die Stimmung über. Ich könnte mich nun, wenn ich Zeit dafür hätte, wiederum zur Meditation zurückziehen und mit dem gebotenen Ernst der sich aufdrängenden Frage nachgehen: Wenn ich beim Aufwachen die Auswahl bezüglich meiner Stimmung habe – in welcher Stimmung mag dann der Auswählende in diesem Moment sein? Was ist die Grundausstattung, Normalnull? Oder Melancholie als Mittelwert?

Aber wie auch immer. Ich werde mich wohl erst einmal wieder um das „foolish grin“ bemühen. Das ist immerhin auch ein Basic-Feature.

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Linkwerk zum Wochenende

Gesehen:

Abgesehen von dem wiederum teils leicht infantil wirkenden Kommentarton und dem schon regelhaft dümmlichen Titel fand ich bei arte eine Sendung über Quallen interessant. Ich hätte z. B. nicht gewusst, wie die sich fortpflanzen. Interessante Methode, etwas simpler als bei uns.

Ich sehnte mich außerdem kurz zurück in eine Zeit, in der mir sämtliche Pointen aus der „Unglaublichen Reise in einem verrückten Flugzeug“ noch neu waren. Hier die Besprechung bei den Mediathekperlen dazu.

„Haben wir die Clearance, Clarence?“

„Alles roger, Roger.“

„Wie ist der Vektor, Victor?“

Ähnlich der Albernheit entschlossen zugewandt ist der Krimi „Mord mit kleinen Fehlern“ von 1963, in dem sich und uns Michael Caine und Laurence Olivier amüsieren.

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Gehört:

Während ich normalerweise alle eher plaudernden Podcasts meide, höre ich einige wenige doch. Die mir zur Entspannung dienen, bei denen ich also nicht unbedingt konzentriert zuhören muss. Die auch Berieselung sein dürfen oder, um Gottes willen, bloße Unterhaltung.

Dazu gehört unbedingt “Der Soundtrack meines Lebens“, in dem Menschen ihre Musikgeschichte erzählen. Das trifft oft in Tonfall und Thematik eine Richtung, die ich seit der späteren Kindheit schon als entspannend schätze, nämlich das ruhige, fortgeschritten nerdige Fachsimpeln über die Geschichte der Popmusik, der Bands, der Künstlerinnen und Künstler, der Technik in den Studios etc.

Das fand ich damals im Radio großartig, das finde ich heute noch gut. Und ich muss dabei erstaunlicherweise nicht selbst fachkundig sein, wollte es auch nie wirklich werden, um das seltsam begeistert genießen zu können. Ich mag es, wenn mir jemand erzählt, dass der zu jener Zeit noch vollkommen unbekannte Drummer einer nur in einer gewissen Szene geschätzten schottischen Punkband der Frühphase später für eine halbe Minute auf dem einen Track des legendären Sängers XY zu hören ist, weil er zufällig gerade in jenem Studio war, als das Stück dort zum dritten Mal aufgenommen wurde, und wo er sich dann übrigens mit der Sängerin dieser New-Wave-Band angefreundet hat, die damals aber auch noch keiner kannte, um dann später mit ihr, aber das wissen nur wenige …

Also wirklich, ich liebe es.

Andere müssen Drogen nehmen, um so tiefenentspannt zu werden, wie ich es regelmäßig bei solchen Sendungen bin. Ich höre fast schon das Klatschen der einen Hand, wenn ich nur lange genug zuhöre, ich stehe kurz vor der finalen Erleuchtung.

In diesem Sinne hörte ich einige alte Folgen, nämlich die mit Frank Spilker (1:45) und die mit Wolfgang Niedecken (1:49) und die mit Jochen Distelmeyer (1:20). Das Alter der Sendungen spielt bei diesem Format keine Rolle, nicht einmal darauf muss man achten.

Und Frank Spilker, das war dann mein Podcast-Höhepunkt der Woche, erwähnt in seiner Sendung diverse Hamburger Etablissements, in denen damals, es geht immer um irgendein Damals, die Musik spielte, und während er einen dieser Clubs nannte, ging ich „zufällig“ gerade daran vorbei, in einer Gegend, in der ich sonst nie bin.

Da fand ich dann für einen kleinen Moment die Wirklichkeit wieder ansprechend arrangiert. Es hält immer nur kurz, diese Wirkung, aber es hilft doch ein wenig.

Um wenigstens einem der Herren hier auch musikalisch gerecht zu werden, hier ein Bob-Dylan-Cover von Niedecken. Komisch, wie et manchmal komme kann:

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Der Rathausmarkt im Regen

Ich freue mich, wenn ich Reportage-Formate bei den Radiosendungen oder Podcasts finde. In diesem Sinne hörte ich beim Deutschlandfunk einige Folgen über Welt- und Millionenstädte. Jeweils um 20 Minuten, gute Länge, gute Themen: Einmal Kairo, dann Rio de Janeiro, außerdem Neu-Delhi, auch Mexiko-City und Chengdu.

Der Adolphsplatz

Bei „Alles Interpretationssache“ gab es eine Folge (33 Min.) über „Air“ von Bach.

Und wenn man etwas zum Klima zur Kenntnis nehmen möchte, das zur Abwechslung nicht stimmungsmäßig direkt in den Abgrund führt, empfehle ich diese Sendung von 53 Minuten Länge beim Deutschlandfunk: „Wie Politik scheitert und Städte trotzdem vorangehen“.

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Gelesen:

Germanistik-Ansätze, die einen wirklich weiterbringen: Je weniger Rehe, desto besser der Eichendorff.

Und hier noch ein Bild: „Der alte Blogger“.

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That’s how the light gets in

Ich las hier den einleitenden Satz „Die neuen Nachbarn haben sich nicht vorgestellt“. Wobei mir erst auffiel, dass ich noch aus einer Zeit komme, in der man das tatsächlich noch gemacht hat. Auch in Großstädten, und zwar auch in Häusern mit etlichen Parteien, wie etwa in diesem, in dem ich wohne. Von Tür zu Tür zog man dabei, wie heute etwa ein Parteimitglied in der heißen Phase des Wahlkampfes, und warb um Sympathien. Nur ohne Flyer dabei zu haben. Und weitgehend auch ohne Programm.

Ich weiß nicht, wie viele Jahre es her ist, dass dergleichen hier zum letzten Mal vorkam. Wir wohnen nun seit 19 Jahren hier und die Erinnerung ist ungenau. Es hat sich in dieser Zeitspanne aber auch die Geschwindigkeit erhöht, mit der die Wohnungen in der Stadtmitte gewechselt und durchgetauscht werden. Immer öfter wurde aus- und eingezogen, es kamen auch die Airbnb-Varianten auf und wurden, wie legal auch immer, um uns herum durchgezogen.

Ein beleuchtetes Zimmer-frei-Schild an einem Hotel

Dazu könnte ich vermutlich eine perfekt passende Statistik finden, wenn ich diesen Ehrgeiz denn hätte. Dem ist aber gerade nicht so, denn der Regen auf dem Dachfenster macht bequem, es ist so ein angenehm sedierendes Geräusch.

Nächtlicher Blick durch eine Fensterscheibe im Regen auf Lichter in Häusern gegenüber

Heute würde man jedenfalls den aus der Zeit gefallenen Menschen, der sich von Tür zu Tür klingelnd und dabei vorstellend durchs Haus bewegt, vermutlich gleich für komplett irre halten. Das ist auch so ein Wandel, den man eher nicht mitbekommt, während er passiert. Erst im Rückblick fällt einem so etwas auf. Und wie man es auch finden mag, es ist wieder eine Veränderung, die von sozialen Kontakten im Umfeld wegführt.

Soziologinnen und Soziologen könnten dies aus dem Stand noch weiter, viel weiter ausführen.

Im gleichen Blog, nur einen Absatz weiter, wird noch gefragt, ob es eine Eierkrise gebe, die Regale im Supermarkt seien gerade so leer … In einem Kommentar darunter kommt dazu ein erhellender Hinweis.

Die Frage erinnerte mich an das alte Stichprobenproblem und den Zufall, an ein Thema, zu dem ich auch gerade ein Erlebnis hatte. Und zwar ging ich da durch die Innenstadt und mir kamen Menschen mit Maske entgegen. Wie damals, gestandene Pandemieteilnehmerinnen erinnern sich sicher noch. Wenn auch vielleicht ungern.

Menschen mit Maske sieht man nach wie vor ab und zu in der S- oder U-Bahn, manchmal auch in Geschäften. Zur Grippe-Saison sieht man jeweils einige mehr davon, nach meiner Beobachtung sind es aber nie wirklich viele. Sind sie also nie bildbestimmend, bleiben sie stets eher am Rande vorkommend, eine Splittergruppe.

Jetzt kamen mir aber mehr und mehr Menschen mit Maske entgegen, und zwar auf offener Straße. Nicht gerade Hunderte, aber doch so viele, dass es auf einmal ein nennenswerter Anteil der Passanten war, eine auffallende Deutlichkeit im Stadtbild. Da es keine japanische Reisegruppe war, fragte ich mich kurz und keineswegs nur scherzhaft, ob ich meinen Nachrichtenkonsum in letzter Zeit vielleicht doch etwas zu sehr eingeschränkt hatte, und ob nicht am Ende …

Es war dann aber nichts. Es war nur ein Zufall, es war ein weiterer von vielen, vielen Stichprobenfehlern. Wenn man sich damit schon einmal interessiert beschäftigt hat, merkt man manchmal förmlich, wie das Hirn gegen das nüchterne Faktenwissen und die Erkenntnislage rebelliert. Weil es unbedingt – unbedingt! – möchte, dass die Wirklichkeit so ist, wie es sie gerade hochrechnet. Und zwar jetzt, in diesem Moment, auf diesem Meter Straße. Etwas im Hirn weiß zwar, dass anekdotische Evidenz wenig beweist, aber diese Evidenz hier, die muss irgendwie anders sein. Man sieht es doch!

Und dann muss man wieder als innerer Erklärbär beruhigend auf sich selbst einreden. Weil man es als aufgeklärter Mensch doch etwas besser weiß als das eigene Hirn, und man darf sich dabei um Gottes willen nur am Rande fragen, wer bei diesen Gedankengängen im eigenen Kopf eigentlich gerade mit wem spricht.

Ja, nur am Rande darf man sich das fragen. Man merkt sonst so unangenehm deutlich, dass das berühmte Leonard-Cohen-Zitat vom „crack in everything“ auch für den eigenen Schädel gilt.

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Reinlesen, Behalten und Weggeben (3)

Dann las ich etwas in „Das böse Mädchen“ von Mario Vargas Llosa, Deutsch von Elke Wehr. Ein Roman eines würdevollen Nobelpreisträgers immerhin, auf der Einbandrückseite wird er auch erstaunlich euphorisch umjubelt. In der Wikipedia wird die Reaktion der Kritik deutlich anders zusammengefasst: „Zu den Kritikpunkten zählten die flache Zeichnung der Figuren und die mangelnde Darstellung ihrer Motivation. Außerdem wurden die häufigen Wiederholungen bei Personenbeschreibungen und innerhalb der Handlung kritisiert. Die erotischen Szenen seien linkisch und aus der Perspektive eines Biedermanns beschrieben.“

Das Buch "Das böse Mädchen"

Wozu festzustellen ist: Das ist zutreffend. Leider besonders der letzte Satz. Fortschreitendes Fremdschämen beim Lesen, so etwas lese ich sicher nicht bis zum Ende durch. Zumal die Sexszenen immer schlimmer werden und immer peinlicher ausgeführt werden. Sprachlich arg bemüht, aber vollkommen erfolglos. Ein fürchterlich schlechtes Buch. Man wird den Verdacht nicht los, dass der Autor es nur geschrieben hat, um diese Sexszenen tippen zu können, denn das böse Mädchen erfüllt sonst keine Funktion und die Handlung ist mekwürdig sinnlos, trägt nur gerade von Bett zu Bett.

Es wäre auch gar nichts dagegen einzuwenden, wenn sie wenigstens toll oder sogar aufregend zu lesen wären, diese so angestrengt herbeifantasierten Liebesszenen, aber ach.

Ich hörte danach die Lassie Singers zur Entspannung. Nämlich den wichtigen Song, der das Wort „Körpergebirgsergriffenheitssex“ und die fundamentale Schlussfrage „Liebe – was soll das“ enthält.

Almut Klotz habe ich damals noch live auf Lesungen erlebt, das ist ein reelles Immerhin des Tages, heute einmal aus dem Kulturbereich. Sie gründete auch, es ist ein wunderschöner Bogen zurück zum eingangs erwähnten Buch mit dem bösen, also im patriarchalen Sinne losen Mädchen, das Plattenlabel „Flittchen Records“. Wie passend ist das denn.

Ganz anders ging es danach weiter mit Bernard Cricks Orwell-Biografie. Sie ist leider nicht mehr lieferbar, habe ich gesehen, aber wenn Sie sich für entweder Orwell, für Biografien oder aber für englische Literaturgeschichte interessieren, wird es sich für Sie lohnen, das Buch doch irgendwie aufzutreiben. Denn mit welch beeindruckender Akribie hat der Autor das alles erarbeitet, enorm gründlich ausgebreitet und dabei gut lesbar dargestellt, wie man es so oft bei englischen Sachbüchern findet.

Es geht auch wieder viel um das bei mir im Blog so beliebte Thema „Zeugen und Wirklichkeit“. Etwa wenn es um die Schulzeit von Orwell geht. Die er später als abgrundtief schrecklich beschrieben hat, was diverse Zeugen dann aber heftig und auch argumentreich bestritten haben.

Kann der berühmte Autor es dennoch richtig erzählt haben, ist das möglich? Hat er sich die Wirklichkeit im Nachhinein im unzulässigen Maß zurechtgebogen und wenn ja, wer legt das Maß dafür fest – und macht es überhaupt etwas aus? Macht es uns etwas aus?

Das Buch "George Orwell"

Widersprüche dieser Art werden derart gründlich verhandelt und abgewogen, ich fand es besonders faszinierend. Ganz unerwartet gerne gelesen, dieses Buch.

John Galsworthy (Wikipedia-Link) halte ich, wie schon manchmal erwähnt, für eher zu Unrecht früh vergessen oder zumindest vernachlässigt. Seine Bücher, etwa die Forsyte-Saga, stellte ich beim Wiederreinlesen fest, behalte ich noch, und besonders die Saga würde ich auch nach wie vor in jeden Kanon mit aufnehmen.

Unbekannt war mir dagegen bisher „Der Patrizier“, aber ich mag seine Bücher vermutlich fast alle. Immer her damit, es sind noch welche übrig.

Das Buch "Der Patrizier"

Mein Assoziationsvermögen wirft bei der befremdlichen Kombination des betont feinen Galsworthys einerseits und dem zwielichtigen „Bösen Mädchen“ andererseits eine ferne Plattenerinnerung aus.

An ein altes Album der herrlich verrückten Sparks (Wikipedia-Link), nämlich „Indiscreet“ von 1975, auf dem das abgedrehte Stück „Under the table with her“ war. Welches ich, warum auch immer, nach wie vor mitsingen kann, wie ich gerade feststelle, offensichtlich sind es ewig abrufbare Zeilen für mich. Fantastische Lyrics, damals habe ich sie mir noch mit dem dicken Oxford Dictionary aus der Schule in der Hand übersetzt, wie son Steinzeitmensch:

Nobody misses diminutive offsprings

Not when there’s big wigs there, there

Dinner for twelve is now dinner for ten

Cause I’m under the table with her, her

I give a yelp and they throw me a cutlet

Somebody pets her hair, hair

Everyone’s nice to the subhuman species

I’m under the table with her.

People all around the world are having only rice and tea

Two of them should come and take the place of Laura Lee and me.“

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Luftig und leicht, liegend und knurrend

Da ich neuerdings, wie man es im Büro so unangenehm ausdrücken würde, ungemein erfolgreich an meiner Say-Do-Ratio arbeite, war ich nach dem Tippen des letzten und deko-orientierten Textes sofort auf einem Flohmarkt.

SOFOCHT, wie Isa es in solchen Momenten auszudrücken pflegt. Und zwar war ich bei dem saisoneröffnenden Flohmarkt am Museum der Arbeit im fernen Barmbek, noch am Ostermontag. Wo es aber entschieden zu voll und zu kalt für mich war, und beides auch sehr.

Der Osterbekkanal in Barmbek

Weswegen ich der Angelegenheit schon nach wenigen Minuten wieder den Rücken kehrte und stattdessen am Osterbekkanal entlang podcasthörend nach Hause ging.

Bei, wie hieß es im Wetterbericht so treffend, „rasch nach Hamburg einfließender Polarluft“. Wonach es sich auch überdeutlich anfühlte, zumal mir diese Luft mit einer solchen Vehemenz entgegenkam, dass sie sich wie ein besonders scharfer Fahrtwind beim Gehen anfühlte. Dabei gehe ich zwar stets zügig, aber so schnell nun auch wieder nicht.

Segelboote auf einem Steg an der Außenalster

Ich ahnte dabei schon, dies könnte vorerst der letzte Kaltlufteffekt dieser Art sein. Vielleicht sogar bis Oktober oder November, man wird ja kurz hoffen dürfen. Und das war es dann erst einmal mit polar und arschkalt und dergleichen. Nachdem dieser Wind durchgefegt hat, kommt hier der tatsächliche Frühlingseintritt, echtjetztmal.

Jedenfalls aber war ich dort gewesen, unter Menschen und auch draußen sowie an einem Ziel, daher war ich ausreichend zufrieden mit mir selbst. Manchmal ist es einfach, man muss im Grunde nur die Genügsamkeit und die Ansprüche passend einpegeln.

Ein blühender Baum an der Außenalster

Am nächsten Tag dann bereits der Triumph der Rechthaberei, denn die Luft war auf einmal anders, das Licht auch deutlich milder. Die Blüten an den Zierkirschen irgendwie schöner, intensiver und leuchtender und die Fußgängerzonen auf einmal voller Übergangsjäckchen in ungewohnter Farbgebung.

Am Rande die Beete, in denen die Hunde nun zwischen aufblühende Tulpen kackten, so schnell kann es nämlich gehen.

Blicm auf die Binnenalster durch blühende Kirschzweige

Sichtbar zunehmende Leichtigkeit und Luftigkeit also im Stadtbild. Ich aber plagte mich mit dem herum, was man früher Lumbago genannt hat. Das sagt allerdings kein Mensch mehr, glaube ich, obwohl es viel besser und auch würdevoller ist ist als die Bezeichnung Hexenschuss. Laut Wikipedia auch als Albschoss oder Mahrschuss bekannt, beides habe ich sicher noch nie gehört. Lumbago kommt von lateinisch lumbus, die Lende, und lumbus, das klingt doch zweifelsfrei wie ein lateinisches Schimpfwort. Du elender Lumbus.

Ich assoziiere Lumbago vage mit den Romanen von Eric Malpass, damals in der Kindheit habe ich die gelesen, mit dreizehn Jahren vielleicht. „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ und die Folgebände. Ich weiß aber nicht, ob diese Assoziation tatsächlich eine verlässliche Brücke ist oder eher in die Irre führt.

Englische Greise jedenfalls, die grummelnd und fluchend den Tee bockig in ihrem Zimmer trinken und partout nicht zur sorgenden Familie herauskommen wollen. Die auch nicht mit den Enkeln spielen wollen und vollkommen ungehemmt übellaunig sind, denn sie haben ja ihr Lumbago, und das berechtigt zu so etwas. Gepöbel durch geschlossene Türen, und man hat allgemein Verständnis dafür.

Bettruhe wird bei Lumbago nicht empfohlen, lese ich noch eben nach, als ob ich das noch nie gehabt hätte. Wohl aber „lockeres Gehen“. Woraufhin ich am frühen Abend einen Dennoch-Spaziergang der mühsamen Art runter zur Alster unternehme. Einen kleinen Gang, auf dem ich etlichen Menschen begegne, die sich vermutlich, kaum dass sie mich passiert hatten, so etwas sagten wie etwa:

Der sah aber nicht sehr locker aus, der krumme alte Mann da! Und dazu dieses garstige Gegrummel! Wie bei Waldorf und Statler, so sah der aus, nur leider ohne die Komik. Ganz schlimm, diese Typen, so möchte man ja auch nicht werden!“

Fluchend ging ich nach überschaubarer Wegeleistung wieder nach Hause und ächzend ab in die ausdrücklich nicht empfohlene Bettruhe. Aber eben als Trotzhandlung, und dann macht es bekanntlich gleich noch mehr Spaß. Und vielleicht, dachte ich, nachdem ich eine allerdings etwas seltsam anmutende Haltung gefunden hatte, in der endlich nichts mehr wehtat, macht es auf diese Art auch viel mehr Spaß als sonst. Als jemals!

Denn die Reaktanz hat bei mir eine Wirksamkeit, die kann kein Motivationstrainer jemals ereichen.

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Dieser Text wurde liegend und knurrend geschrieben. Wenn er anders klingt als sonst, wird es sicher nur darauf zurückzuführen sein.

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Die Deko für die nächsten Jahre

Neulich, als ich auf der Suche nach mehr oder auch neuem Sinn wieder bei der Raufaser direkt vor mir begann, fiel mir auf, dass dort auch ein Bild hängen könnte. Genau dort, wo die weiße, körnige Wirklichkeit begann. Und zwar eines, welches womöglich noch zu erwerben, zu finden sei. Umdekorieren und anders, irgendwie optimiert handeln in Lebenskrisen und Umbrüchen aller Art. Es naht immerhin auch ein Geburtstag mit markanter Null: Man kennt das.

Eddingschrift an einem Verkehrsschildmast: "Sad n happy"

In meinem Alter muss man nur unbedingt von den Eingriffen à la Aschenbach bei Thomas Mann absehen. Die gefärbten Haare und die Reisen nach Venedig, das exaltierte Gebaren lasse ich also bewusst und bemüht aus, ebenso wie die gegenteilige Variante des allzu lässigen Gehenlassens.

Obwohl ich zu der eine gewisse, situativ erklärbare Neigung spüre. Wenn ich ihr auch nicht nachzugeben gedenke. Zeilen wie die von Nick Lowe aber, in seinem Song „Lately I’ve let things slide“, ich fühle sie durchaus:

„Smoking I once quit

Now I got one lit …”

Wüsste ich nicht, dass die Nikotinsucht bei mir ein äußerst schwer zu bekämpfendes Monster war, ich wäre gerade erheblich in Versuchung.


„That untouched take-away

I brought home the other day

Has quite a lot to say“

Doch, ich mag den Text des Songs und ich stimme dem YouTube-Kommentar unter dieser Performance zu: „The kind of effortless brilliance it takes a lifetime to achieve.“

Aber wie auch immer, diese beiden Varianten sind also nicht anzustreben, okay. So ein Bild an der Wand dagegen, an jener Wand, die ein Sohn gerade erst frisch gestrichen hat, mit bemerkenswert gutem Ergebnis sogar … Das kann man doch machen. Dachte ich.

Ich fuhr daher nacheinander zu den beiden Stilbruchläden. Das sind die Geschäfte, in denen die Hamburger Müllabfuhr das verkauft, was man früher, die Älteren erinnern sich, noch mit etwas Glück auf dem Sperrmüll gefunden und bejubelt hat. Lange Zeit noch habe ich Gegenstände und Möbel aus diesem Fundus direkt am Straßenrand besessen, und es waren nicht die schlechtesten im Haushalt. Aber gut, es war auch Zeug vom Sperrmüll in Eppendorf, Ende der Achtziger Jahre. Das waren aus heutiger Sicht paradiesische Zustände, das war ein El Dorado der gebrauchten Gegenstände, in dem man dort mit wenig Suche viel finden konnte.

Heute findet man zweifellos Großartiges bei Stilbruch, und enorm günstig ist es teils auch, was besonders für die Möbel gilt (keine bezahlte Werbung, nein). Man muss nur oft genug hingehen, um etwas mitnehmen zu können. Passende Bilder für mich gab es diesmal aber nicht.

Es waren Ölgemälde da, darunter beträchtlich große, die ganz okay gewesen wären, wenn ich sie geerbt hätte. Wenn also irgendein nachvollziehbarer Bezug dabei gewesen wäre, von mir zum abgebildeten Fachwerkhaus in attraktiver Landschaft, zum röhrenden Hirsch, zum würdevollen Großonkel, zum Dreimaster im Sturm oder zum abenddunklen Teich am Dorfrand, komplett mit Mondspiegelung im schwarzen Wasser und Sternengefunkel darüber.

Aber das sagte mir alles nichts. Das wäre wie die Deko in einer Fernsehserie gewesen, wo einfach irgendwas an den Wänden hängt, mit der lapidaren Anweisung im Drehbuch: Ölbilder, alt. Das wollte ich so nicht. Und erinnerte mich noch beim Betrachten der Gemälde dieser Art an meine Antiquariatszeit, in der es manchmal Requisiteurinnen als Kundinnen gab. Die große Mengen Bücher kauften, gerne auch die teuren, vielbändigen Gesamtausgaben in Leder, auf denen man sonst Jahrzehnte sitzenbleiben konnte. Und die beim Preis nicht einmal zuckten, höchstens kurz spöttisch lächelten.

Es brachte uns dringend benötigtes Geld, denen das Zeug zu verkaufen, aber es tat auch ein wenig weh. Denn man war doch, wenn man in einem solchen Laden arbeitete, kulturell ein wenig ambitioniert. Das fanden sie erheiternd, diese biestigen Requisiteurinnen, diese zynischen Ausgeburten der Gegenwartsunkultur. Als solche kamen sie uns zumindest vor, Varianten von Cruella de Vil aus der Deko-Abteilung waren es für uns. Den Goethe, den Lessing und den Novalis haben wir ihnen aber dennoch eingepackt, versteht sich, und die Scheine haben wir dafür gerne angenommen. All die schönen und teils wertvollen Bände haben wir ihnen eingepackt, in große Bananenkartons. Buchrücken, die dann viel später in einem Fernsehkrimi zwei Minuten lang zu sehen waren, im Hintergrund einer Landhausszene.

Es gab auch Ölgemälde in den Stilbruchläden, die ich ironisch hätte aufhängen können. Aber man wächst irgendwann aus dem Alter raus, in dem man Räume noch ironisch dekoriert. Ich möchte auch hierbei annehmen, Sie kennen das.

Und es waren einige Ölgemälde da, die hatten einen Rechtsdrall. Nicht in der Pinselführung, wohl aber in der ideologischen Ausrichtung: Sehr strammer Bauer in besonders aufrechter Haltung mit flachsblondem Sohn an der schützenden Hand, und ernst winkt die Mutter am Feldrand, auf den hölzernen Rechen gestützt. So etwas.

Ein schlechtes Ölbild, eine Puppe neben einem Blumenstrauß darstellend

Dann waren viele Fotos in großem Format da. Plakate gab es, die waren das Beste aus den Achtzigern, Neunzigern und Nullern. Und zwar waren sie das Beste aus den damaligen Plakatabteilungen bei Ikea, Karstadt etc. und womöglich auch noch von Quelle, Otto, Neckermann. Und was es noch alles gab.

Es wäre auch interessant, fiel mir dann beim Durchblättern ein, unser Land aus abgelegter Deko zu rekonstruieren. Wenn man in Läden wie Stilbruch das anlandende Angebot jahrelang mitschreiben, mitfotografieren und natürlich auch verschlagworten würde, welche Rückschlüsse auf uns alle ließe das wohl zu und welche Fragen würde das aufwerfen.

Warum hatten wir etwa, wo es doch hunderttausend Künstlerinnen und Künstler aus der so vielfältigen Kulturgeschichte zur Auswahl gab, ausgerechnet diesen unübersehbaren, etwas wahnhaften Van-Gogh-Fimmel. Und was sagt das eigentlich über uns aus.

Und warum richteten wir unsere Küchen stets den schnell wechselnden Moden folgend ein, einen Farb- und Materialtrend nach dem anderen dabei abarbeitend, hängten aber quer durch die Jahrzehnte immer wieder die gleichen schwarzweißen Bilder von kleinen französischen oder manchmal auch italienischen Bistros an die Wände über der Arbeitsplatte und dem Küchentisch. Wonach haben wir uns da gesehnt.

Auch das Aufkommen, Hochbranden und Abebben der Verehrung US-amerikanischer Unterhaltungskultur könnte man so darstellen: Elvis, die Beatles, James Dean, Marilyn Monroe, Tom Cruise, Springsteen und Madonna.

Und wäre es nicht auch interessant zu wissen, durch was das Amerikanische jetzt allmählich ersetzt wird? K-Pop und was noch?

Na, wie auch immer. Ich habe dann jedenfalls bei meinem Besuch entschieden zu viel gedacht und gar nichts gekauft. Es ist recht billig, auf diese Art zum Shopping zu gehen, aber es dekoriert dummerweise nichts. Und zuhause dann wieder lediglich die Raufaser an der einen Stelle, die durch meinen steten, bohrenden Blick schon ganz abgenutzt ist.

Ich gehe demnächst noch einmal dort nach Bildern gucken, glaube ich. Oder ich gehe auch einmal wieder auf Flohmärkte. Da war ich seit Ewigkeiten nicht mehr, das Thema hatte ich schon ganz abgehakt.

Aber anders und irgendwie neu handeln in Lebenskrisen, ich sage es ja.

“I got an urban dictionary

I got an MPC

So I can be young if I want to be

And I’m gonna need that shit obviously

If I’m to take on this hopeless world”

 

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Bienen, Kühe, Menschen und Esel

Am Sonnabendnachmittag gab es unerwartet den ersten Kaffee draußen, unter freiem Himmel, mit blendender Sonneneinwirkung, summender Bienenbegleitung und gefälligen Temperaturen. Der Wetterbericht hatte das vorher so nicht verheißen wollen, der Wetterbericht lag falsch.

Noch einmal gab es Torte von der Schwiegermutter für uns. Diesmal mit gleißendem Tageslicht auf den großen Kuchenstücken und Vogelsang aus den Büschen in der Nähe. Passend für einen Feiertag im Frühjahr.

Blühende Magnolie

Auch einen Spaziergang ohne Jacke unternahm ich direkt danach. Erstmalig in dieser Saison, wieder staunend über die Anzahl und Größe der Greifvögel, die in Nordostwestfalen über den Feldern patrouillierten. Auf den letzten Metern steigerte ich sicherheitshalber meine Geschwindigkeit, um der Abendkühle noch zu entkommen und die stimmungshebende Mai-Illusion des Tages nicht zu beschädigen.

Landstraße unter dunklen Wolken

Knapp habe ich es geschafft und kurz vor der rettenden Haustür habe ich mir das österliche Goethe-Zitat etwas umgewandelt und situativ angepasst: „Hier bin ich Mensch, hier lauf ich ein.

Schrift auf Asphalt: Ziel

In einer Ecke des Dorfes, in der ich noch nie war, habe ich dabei doch noch im Vorbeigehen einige Kühe gesehen. Da hat man es wieder, die Sache mit dem Wirklichkeitsausschnitt. Denn auch bei einem eher kleinen Dorf kennt man oft nicht das ganze Dorf. Ob die Kühe aber dort wohnhaft waren oder nur zwischen zwei Verkäufen dort standen, etwas seltsam zusammengetrieben in einem kleinen Hofstück, das weiß ich nicht.

Einen langen Text habe ich dann noch geschrieben. Der eher kein gutes Ende fand, der auch keine gute Stimmung verbreiten konnte und im Grunde auch keine gute Idee beinhaltete. Das brauchbare Ende dieses Gedankenganges, das ich zu Beginn der Niederschrift noch vage im Sinn gehabt hatte, es löste sich im Laufe meiner Schreibzeit auf und war schließlich nur ein Scheinriese von Wegweiser durch die Absätze.

Von dem fast nichts blieb, wie es bei Scheinriesen so ist, abgesehen von einem eher nüchternen, lapidaren letzten Satz.

Diesen Text habe ich am Abend dann versehentlich komplett gelöscht. Das Unterbewusstsein zog bei dieser Formulierung soeben kurz eine innere Augenbraue hoch, ich merkte es deutlich, aber mit wachem Verstand kann ich es mir jedenfalls immer noch nicht erklären, wo der Text geblieben ist. Und wieso er mit den normalen Methoden auch nicht wiederherstellbar ist.

Ich schreibe öfter Texte und meine, mich da ein wenig auszukennen. So etwas ist mir seit etlichen Jahren nicht mehr passiert, der unwiederbringliche Verlust von ganzen Seiten.

Aber weg ist weg, und dann soll das wohl so sein. Sagt man sich in solchen Momenten schließlich auch als eher nichtreligiöser Mensch. Der dem Numinosen auf diese leise Art heimlich doch ein wenig Platz einräumt. Hier und da, und auch nur bei passender Gelegenheit, versteht sich.

Aber unterm Strich eben doch. Darüber vielleicht auch mal länger nachdenken.

Einen Simenon aus dem öffentlichen Bücherschrank in Hamburg habe ich durchgelesen, „Der Mörder“. Ein besonders guter Non-Maigret-Roman, ein besonders bitterer auch. Ein verheerendes Lehrstück über den Einzelnen und die Gesellschaft, wenn man sich auf die Stimmung einlässt, braucht man seelisch ein Geländer. Es war jedenfalls ein passendes Gegengewicht zu den schokoladigen Ostersüßigkeiten, denn man muss es sich bekanntlich immer alles passend zusammensuchen.

Das Buch "Der Mörder"

 

Dann habe ich „Buridans Esel“ angefangen, ein Buch von 1968, Günter de Bruyn. Natürlich habe ich zunächst die Sache mit dem Esel sicherheitshalber nachgelesen, wobei ich aber feststellte, dass die berühmte Denkfigur Buridans Esel gar nicht von Buridan ist, wohl sogar eher gegen Buridan gedacht war.

Das Buch "Buridans Esel"

So zerfällt, was man halbwegs sicher zu wissen meint, kaum dass man bei irgendetwas genauer hinsieht, kaum dass man eine Minute lang recherchiert.

Und schon wird es wieder deep wie sonst etwas. Dabei hat man von dem Roman noch keine Seite gelesen.

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Linkwerk zum Wochenende

Gesehen:

Wie fast immer die arte-Dokus zuerst. Beginnend mit Joe Cocker, „Mad dog with soul”. Mit ihm verhält es sich etwas merkwürdig, denn ich würde seine Songs nicht bewusst auswählen und hören, aber im Bewegtbild finde ich ihn immer wieder beeindruckend. Eines seiner Konzerte hätte ich damals vielleicht besuchen sollen, aber zu retten, ach, zu spät. Das gilt so auch für manch andere Menschen auf großen Bühnen, die ich nun nicht mehr erleben kann.

Und, aber das nur nebenbei bemerkt, je älter ich werde, desto faszinierender und auch anziehender finde ich ohnehin das Jahrzehnt, aus dem ich komme, und in dem er bekannt wurde, die Sechziger. Von denen wir mittlerweile kulturell etwa zweihundert Jahre entfernt sind. Und gut ist das nicht, ganz und gar nicht.

Danach etwas im viel ernsthafteren Bereich, die Doku über Simone de Beauvoir und „Das andere Geschlecht“. Gelernt, wie außerordentlich pionierhaft ihr Buch war, das war mir in diesem Ausmaß peinlicherweise nicht bewusst. Und ich fand es folgerichtig, in der Sendung auch die Rassismusthemen aufzugreifen.

Ein Sticker an einem Briefkasten: "Akteurinnen für urbanen Ungehorsam"

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Gehört: Im Musik-Podcast „Alles Interpretationssache eine schöne Folge über „The girl from Ipanema“ (33 Minuten).

Thematisch unerfreulich, aber immerhin interessant das Kalenderblatt zu Charles Manson, 15 Minuten.

Dann einige längere Stücke im Blomcast, das ist der Podcast des Historikers Philipp Blom. Ein Gespräch mit Ralph Janik über das Völkerrecht und den Krieg mit dem Iran, besonders ausführlich und gründlich, ausdrückliche Empfehlung. YouTube-Link (1:23). Außerdem die Folge über Innovationen, genauer über Gesellschaften in der Geschichte und ihre Haltung zur Innovation – hier entlang, 30 Min.

Eine Folge Radiowissen gab es noch: „Provokation in der Kunst – Vom Sinn des Tabubruchs“ (23 Min). Sie war informativer als angenommen, auch diese Sendung ist eine Empfehlung.

Bei Lesart hörte ich eine kurze (9 Min.) Sendung über „Healing Fiction“, eine Literaturgattung, die mir nicht bekannt war. Und die, es fiel Ihnen vielleicht auch gleich auf, von der Bezeichnung her ähnlich wie Romantasy zu meinen Third-Wave-Anglizismen passt. Ich nehme das für die nachste Sammelausgabe mit auf.

Schließlich eine Stunde bei der Zeit über die aktuelle Lage in Kuba: „Hier ist kaum noch Alltag möglich.

Ein Che-Guevara-Grafitti

Gelesen:

Zwei weitere Texte zur klassischen Musik und zu Konzerten, zum einen noch ein Besuch in der Elphi, zum anderen Fragen zum Deutschem Requiem von Brahms, die Patricia stellt. Viele Fragen hat sie, einige werden in den Kommentaren gleich beantwortet.

Und überhaupt ist es schön, dass sie wieder bloggt.

Ansonsten: Der Odenwald und der Mond. Da staunt man!

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