Linkwerk zum Wochenende

Vorweg schnell ein etwas verspäteter Dank für die freundliche Zusendung von „Holzfällen“ von Thomas Bernhard. Ein Werk mit dem Zusatztitel „Eine Erregung“, und das ist schon einmal sehr gut. Vielen Dank!

Das Buch "Holzfällen"

Gesehen:

Es ist nicht eben eine rationale Entscheidung, aber ich möchte tendenziell gerade eher nichts aus US-Produktionen sehen, kein Hollywoodzeug etc. Ausnahmen wird es wohl geben, aber im Grunde geht mir alles mit US- vorne dran auf den Wecker. Es nervt und belästigt, weil ich dauernd den aktuellen politischen Kontext unerfreulicher Art mitdenke.

Ich habe also innerlich ausreichend Raum für andere Kulturen gemacht und wenn Sie geschichtliches Interesse haben, können Sie das nun gerne mit dem Verlust von Soft-Power in Verbindung bringen. Es wäre immerhin möglich, dass dieser Gedanke verdammt gut passt und später in Rückblicken punktgenau mit unserer Gegenwart in Verbindung gebracht werden wird.

In diesem Sinne verwarf ich auf Netflix daher einige Storys aus New York etc., obwohl ich die Stadt ausdrücklich mag, und landete schließlich in Oslo. Auf europäischem Boden war ich da, und fast war es eine kontinental-patriotische Entscheidung. So weit sind wir nämlich schon.

„Pörni“ jedenfalls, die Serie um die alleinerziehende, teenagerbändigende Mutter Pernille, genannt Pörni, die gefiel mir zumindest über die erste Staffel hinweg gut. Hier die Besprechung bei Seriesly awesome.

Wie auch bei „After Life“ von Ricky Gervais wurde diese Serie von der Person, welche die Hauptfigur spielt, entwickelt und geschrieben, es war diesmal Henriette Steenstrup (Wikipedia). Nahbar und sympathisch nennt man das wohl, was dabei herauskam. Bei den zahlreichen Familienaspekten kann ich zumindest sagen, dass ich das schon nennenswert schlechter verarbeitet gesehen habe, unglaubwürdiger und haarsträubender. Mir kam es im Gegenteil recht kundig und durch Erfahrungen unterfüttert vor, was da ausgebreitet wurde.

Dabei trotz aller Exaktheit in der Problembenennung eine durchgehend positive Grundhaltung zu vermitteln, plausibel sogar gelegentlich Lösbarkeiten anzudeuten, das reicht für mich auch schon aus als Alltagsheroismus. Das halte ich bereits für eine Großtat beim Drehbuchschreiben und Darstellen.

Auf Instagram fand ich Vidura Bandara Rajapaksa. Es war zu ungünstiger Uhrzeit, denn ich sah mir dann nahezu sein Gesamtwerk an und wurde zwar mitten in der Nacht, in the wee small hours,  so gut unterhalten wie lange nicht, war aber am Morgen danach etwas unbrauchbar. Hier sein Instagram-Account, aber es gibt ihn auch per Newsletter und auf YouTube:


Gehört:

Eine weitere Folge der fast immer hörenswerten Sendung „Sternstunde Philosophie“, diesmal mit dem Religionssoziologen Detlef Pollack: „Glaube ade? Die schwindende Bedeutung von Religion“. Pollack forscht dazu seit vielen Jahren und stellt regelmäßig aus weltweiten Quellen Zahlen zusammen. Die seit längerer Zeit eine klare Richtung haben, nämlich weg von den Religionen.

Er selbst ist nicht religiös, hat aber Theologie studiert, aus Gründen, die aus seiner Lebensgeschichte und aus der Geschichte der DDR plausibel werden. Er hat also eine kritische Nähe, ergänzt um eine Liebe zur Kirchenmusik, ich fand seine Haltung sympathisch.

Ich gehöre auch zu den Abgefallenen und Versprengten, zu den Ungläubigen und also Irrenden, wie andere sagen würden. Allerdings unterscheide ich mich etwas von der ungläubigen Mehrheit, weil ich den Religionen immerhin zugestehe, dass wir sie bei zwei wichtigen Themen bisher nicht vernünftig ersetzen konnten, und dass dies nicht gut ist: beim Trost und beim ethischen Handeln. Äußerst problematische Leerstellen sind das nach wie vor.

Zum Thema Religion äußern sich auch die Menschen, die hier die Wände, Stromkästen etc. beschriften, und zwar wie folgt:

Schrift an einer weißen Wand: Jesus hat auch gefickt

Okay, wissen wir das jetzt auch. Vermutlich erfand er dabei die Missionarsstellung.

Ein WDR-Zeitzeichen hörte ich (15 Min.) über den Beginn des Exils von Irmgard Keun.

Und im Geschichtspodcast „Blomcast“ von Philipp Blom hörte ich die Folge mit dem Politologen Daniel Marwecki: „Die Welt nach dem Westen“ (YouTube-Link, 1:06). Sehr empfehlenswert. In der Kurzfassung geht es viel um die Frage, ob das, was in der chinesischen Geschichte als „Jahrhundert der Scham“ benannt wird und die Epoche der großen Erfolglosigkeit vor dem uns bekannten Aufschwung meint, sich gerade in Europa in ähnlicher Weise wiederholt.

Viel Gegenwartsanalyse also für ein History-Format, und definitiv ist es nichts, was die Laune hebt. Aber das Gespräch wird so geführt, dass man dabei gerne mitdenkt. Zumindest ging es mir so.

Beim SWR hörte ich noch etwas mit Laune-Bezug, nämlich „Krieg, Inflation, Reformstau – Wie raus aus der Schlechte-Laune-Falle?“ (44 Min.) Und vielleicht geht es Ihnen anders als mir, aber ich habe beim Hören hauptsächlich verstanden, warum unsere schlechte Laune vollkommen berechtigt ist. Ich fand das gut, plausibel und überzeugend dargestellt. Was vielleicht zu bedauern ist, aber wie auch immer.

Es ist, wie es ist.


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3 Kommentare

  1. Was die Funktion von Religion auf dem Gebiet des Trostes anbelangt: dieser Sektor wird heutzutage vollständig durch Instagram abgedeckt. Ethisches Handeln, weniger.

  2. Lieber Herr Buddenbohm , ich verfolge als “ stille Leserin“ seit Jahrzehnten Ihren Blog. Wir teilen viele gemeinsame literarische Interessen . Wie oft wird die Wunschliste aktualisiert? Ich frage deshalb, da ich ( höheres Alter) aktuell dabei bin meinen Buchbestand zu verringern, gerne gezielt an Interessierte weitergebe u. eben gesehen habe das z.B. der Hilde Spiel Titel aber noch in der Liste steht?

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