Ich bin zwar mit dem Fuß neulich „beim Marathon“ lediglich umgeknickt, und zwar auch nur in der üblichen Weise, wie es uns allen manchmal passiert. Ich habe also nur mein eigenes Gewicht falsch auf ein Gelenk verlagert, das damit nicht gut zurechtkam. Aber aus dem Bericht des Radiologen lese ich etwas von „Unfall wie etwa unter Last“ heraus, auch von „heftiger Einwirkung“ und „massiver Belastung“ und dergleichen mehr. Mit anderen Worten, der Bericht nach dem MRT hat mich gerade dick genannt. Ich sage es immer wieder, kein Tag ohne Demütigung.

Ich lasse mir diesen ansonsten einigermaßen kryptischen Bericht des Arztes von einer KI in eine für Laien lesbare Version übersetzen. Et voilà, ich habe endlich doch noch eine sinnvolle und mich spontan überzeugende Anwendung für diese Technik gefunden. Ich sehe ein tatsächlich brauchbares und sogar hilfreiches Ergebnis. Jedenfalls wenn ich davon absehe, dass ich aufgrund meines mittlerweile chronischen und selbstverständlich vollkommen berechtigten Misstrauens sogar bei Aufgaben dieser Art eigentlich mehrere Anbieter vergleichen müsste. Denn wer weiß, ob da nicht etwas steht, was in der Originalversion keineswegs stand? Man würde Fehler als Laie ohne medizinische Kenntnisse schließlich nur bemerken, wenn es im neuen Text um den Bruch des sechsten Fingers an der mittleren Hand oder dergleichen gehen würde.
Aber dieses Vergleichen würde andererseits auch wieder Energie und Ressourcen verbrauchen, schon klar. Man muss sich und die Maßnahmen dabei sinnvoll begrenzen.
Wir werden jedenfalls alle älter und dabei in aller Regel nicht gesünder, das steht fest. Wir haben also tendenziell öfter Kontakt mit der medizinischen Fachsprache. Immerhin aber können wir uns jetzt alles, was Ärztinnen und andere in kleingedruckten Berichten, Diagnosen etc. gekonnt verklausulieren und mit viel längst vergessenem Latein darin festhalten, auf unser schlichtes Niveau herunterbrechen lassen.
Das ist großartig. Denn wir werden durch diese technischen Neuerungen die erste Generation sein, die über ihre Gebrechen fortlaufend sensationell gut Bescheid wissen wird. In einer bisher unter schlichten Patienten ungeahnten Detailtiefe werden wir nahezu alles verstehen, was gerade an und in uns zerfällt. Wir werden dauernd nachlesen können, was uns noch an Möglichkeiten bleibt, was vermutlich als Nächstes kommen wird, für was es zu früh oder zu spät sein wird. Inklusive der Heilungschancen und der therapeutischen Aussichten.
Und wir werden am Ende auf diese Art also viel informierter sterben.
Schön, schön.
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Ich weiß nicht ob ich derart gut informiert sein will über meinen Zerfall oder den ,mir sehr nahestehenden Personen. Letzteres hatte ich vor weit über zehn Jahren und ich frage mich heute noch, ob es nicht besser gewesen wäre, ich hätte nicht alles im Detail gewusst.