So herum auch gut

Bevor es Frühling wird, das Morgenrot ändert sich von Tag zu Tag doch verdächtig, noch eben ein Winterbild mitnehmen, schnell, schnell, das noch wegspeichern. Die Lichter nämlich, die abendlichen Lichter im ganzen Block, die Straßen entlang und rund um die Plätze. Es sind alle, es sind nahezu alle Fenster der Wohnungen erleuchtet. Er, sie, es ist zuhause, wir sind zuhause, ihr seid zuhause, sie sind zuhause, alle sind zuhause. Niemand geht irgendwohin, die Häuser sind hell wie in keinem Jahr, in alle Wohnungen kann man sehen und feststellen, was andere Menschen für Bilder aufhängen und meine Güte, was sind die manchmal seltsam. Die anderen dürfen das von unseren Bildern auch denken, versteht sich, aber wir wohnen zu hoch, hier kann eh keiner hereinsehen.

Das jedenfalls auch merken und später erinnern, den Enkeln später davon erzählen, diese Lichtfassaden über dunklen Absätzen. Denn unten, unten leuchtet nichts, kein Schaufenster, keine Werbung. Kaum Werbung. Die Stadt ist andersherum beleuchtet, und das sieht so herum auch gut aus, was bin ich heute wieder positiv.

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Am Morgen fragt eine Frau in der Bäckerei nach Berlinern. Da lägen nur so wenige in der Auslage, und es sei doch Karneval, sagt sie, sie brauche mehr. Wie jetzt, denke ich, Party oder was, das wäre ja dezent Anlass zur Verwunderung, wenn nicht zur Empörung. Und die Verkäuferin fragt in ehrlichem Erstaunen das, was noch viel naheliegender ist, richtig entgeistert fragt sie das: „In Hamburg?!“

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Gleich drei Eichelhäher sitzen im Holunder vor der Haustür und marodieren pöbelnd durch alte Nester kleinerer Vögel. Das ist schon Bandenkriminalität und die Meisen zwitschern höchst aufgeregt vom Verfall der Wohnlage, neulich auch schon dieser Bussard, tagelang war der da, man muss doch sehr bitten und was ist hier eigentlich neuerdings los.

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Ich stelle beim Nachrichtenhören fest, dass ich schon wieder vergessen oder vielleicht auch eher verdrängt habe, ab wann nun was wo wieder öffnen darf. Es war aber ohnehin eher wenig, glaube ich, und in jedem Bundesland irgendwie anders. Ich habe da eine seltsame Merkverweigerung und mache einfach weiterhin nichts, das wird man ja noch machen dürfen. Irgendwo machen irgendwann Blumenläden auf, Gartencenter und Friseursalons und Grundschulen, was auch immer. Die Zahlen gehen runter, die Zahlen gehen rauf, Mond und Sterne ziehen über uns hinweg.

Diess Blog bleibt dauerhaft geöffnet, ich habe ein Hygienekonzept, immerhin sitzen Sie sicher vor einer Scheibe.

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Zwei machen hier Home-Office, zwei machen hier Home-School. In der Wohnung unter uns reißen sie die Wände raus oder den Fußboden oder beides und die Badezimmerkacheln müssen womöglich auch weg, was weiß ich. Jedenfalls schweres Gerät und Gerumpel und Geratter ganztägig, frag nicht. Ich kann mich nicht konzentrieren. Ich weiß gerade noch, wie ich heiße, würde aber auch darauf nicht wetten. Auch wenn ich mich konzentrieren könnte, ich könnte auch dann nichts richtig machen. Zu viele Themen zur gleichen Zeit, alles ist zerfleddert und zerfieselt. Wer nichts richtig macht, der macht alles falsch, ich fühle mich wie seit Wochen, nein, seit Monaten wie damals in der siebten Klasse. Die habe ich wiederholt – und besser war das. Sohn I ist auch gerade in der siebten Klasse, mit ihm mache ich die also zum dritten Mal im Leben und allmählich reicht es mir auch, danke. Einführung in die Algebra zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten, kann sich die bitte jemand rektal einführen, die gottverdammte Algebra. Pardon, es geht gleich wieder.

Ich gehe am Vormittag rastlos von einem Zimmer zum anderen, hier ein Thema, dort ein Thema, links ein Problem, rechts ein Problem. Ich treffe die Herzdame im Flur, wir sehen uns an, wir wollen beide etwas sagen. Wir sagen nichts, wir haben beide schon wieder vergessen, was wir sagen wollten. Goldfische im Glas, immer im Kreis, voll schön hier und guck, eine Kurve, da mal rum! Dann biegen wir ab.

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Süd, Südwest

Im Drogeriemarkt haben sie den Drehständer mit den Gemüsesamen wieder in den Gang gestellt, beim Discounter gibt es nächste Woche Gartengeräte und Komposter. Im Wetterbericht steht etwas von sagenhaften 13 Grad schon am nächsten Wochenende und als ich am Sonntag in der Küche stehe und Unmengen Kartoffelsuppe mit Mettenden für eisige Tage zubereite, höre ich die Glocken unserer Kirche, danach noch weitere Glocken von einer Kirche in einem anderen Stadtteil und dann sogar noch mehr, die müssen weit weg sein. Ich öffne das Fenster, ich halte den Kopf in die Kälte und versuche, die Richtung zu bestimmen, aus der die fernen Glockenschläge kommen, die ich sonst nie höre. Ich glaube, sie kommen vom Hafen. Der Wind hat also gedreht, das ist Südwest, da liegt Sibirien nicht. Etwas Neues kommt vom Hafen her, das kann einem als Hamburger auch willkommen sein, so gehört das. Eine Unwetterwarnung piept auf dem Handy. Schnee und Regen auf Helgoland, viel davon. Wenn die Unwetterwarnungen zuerst für Helgoland kommen, dann ist es aber so etwas von West.

Das sind so die Frühlingszeichen. Adere sehe ich nicht, andere höre ich nicht, fühle ich nicht. Die Luft ist noch eisig, es riecht nach Winter. Es sieht auch nach Winter aus, weiter hinten das Alstereis, ein strahlendes Krankenhauslaken, frisch aufgezogen. Auf dem Spielplatz vorm Haus hüpfen die Eltern im Kreis, um sich aufzuwärmen. Ein kleines Kind im dicken Schneeanzug hüpft mit, fällt um und lacht sehr, rollt gut gepolstert über den Boden. Spielplatzsand und Schnee in unschöner Mischung, Wintertarnfleck.

Aber doch, da kommt was, ich will es gerne glauben.

Ich gehe um den Block. Ein paar Häuser weiter bleiben Menschen vor den Fenstern eines Restaurants stehen, dann noch andere Menschen und auch die, die nach denen kommen. Was gibt es da zu sehen? Die Tische wurden komplett eingedeckt. Als würde es da morgen wieder losgehen, so sieht das aus. Alles ist auf einmal wieder auf den Tischen, Kerzen, Gläser, Servietten, Dekoklimbim. Gestern standen die Tische und Stühle noch zusammengeschoben in einer Ecke. Üben die da? Machen die vielleicht Fotos? Das können sie doch so nicht liegenlassen, bis sie irgendwann wieder öffnen, das staubt doch alles ein, die Teller und die Gläser.

Die Menschen stehen draußen vor den Scheiben und einer sagt: „Sieht aus wie normal“, jemand antwortet: „Ja, früher normal.“

Ein paar Meter weiter hat jemand neben den geplünderten Mülleiner gekotzt. Das ist immer normal, damals, heute, morgen. Pandemie hin oder her. In der Nacht wird das frieren, der Winter hat auch Vorteile.

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Wir in der nächsten Zeit und kurz darauf

In den Nachrichten jetzt wieder überall Annahmen und Voraussagen zum Ende der Pandemie, zur nächsten Zeit und zu kurz darauf. Die Läden werden demnächst Mode zu Spottpreisen verkaufen, so lese ich. Bis zu 90% Preisnachlass, das wird alles quasi gar nichts mehr kosten, alles wird verramscht werden und doch noch gut sein, und wenn die Läden erst wieder geöffnet sein werden, dann stürmen wir da rein und kaufen alles, alles. Verdammt gut werden wir dann aussehen, wie neu werden wir aussehen und so werden wir uns auch fühlen, durch und durch wie neu. Viele Unfälle wird es geben, das ist eine andere Meldung auf einer anderen Seite, das klingt nicht so gut. Weil wir uns so dermaßen lange nicht bewegt haben, weil wir keinen Sport gemacht haben, weil wir eingerostet sind auf dem Sofa, das wir durchgesessen haben. Aber erst einmal gehen wir in die Innenstadt, erst kommt noch etwas Shopping, das ist so gefährlich nun auch wieder nicht, das kriegen wir schon noch hin, auch nach Monaten auf den Sitzmöbeln, die wir nicht mehr sehen können. Und wir werden in der Umkleide stehen und denken geil, wir stehen in einer Umkleide, das ist ja der Hammer, dass wir das noch erleben dürfen! Wir lassen alle Klamotten aus den Angeboten gleich an und gehen neu und farbig und topaktuell raus auf die Straße, wo alle anderen auch so aussehen wie wir, sehr gut sehen sie aus, sexy auch und sympathisch, überaus sympathisch, wir leben am Ende doch in einer guten Gegend.

Wir haben Hunger und gehen in einen Imbiss, das geht auch wieder. Wir essen Pommes, ungesunde Pommes, und zwar viel davon, rotweiß unbedingt, wir brauchen enorm viel Energie, und zwar sofort, das spüren wir deutlich. Es ist erst elf Uhr am Vormittag, aber wir trinken Alkohol dazu, weil wir es brauchen, weil wir es feiern wollen, weil wir alles jetzt sofort feiern wollen. Wir sehen uns um, die anderen Gäste im Imbiss sehen alle nett aus, super Leute, das merken wir gleich, und wir machen Smalltalk mit denen, als hätten wir Smalltalk immer schon gut gefunden. Wir fragen, was sie im Lockdown gemacht haben. Wir fragen nach ihren Vornamen und nach ihren Berufen und Hobbys, wir trinken Brüderschaft. Nach dem Lockdown ist Köln weltweit und wir singen gemeinsam alles mit, was im Radio läuft. Wir gehen wieder raus und sehen auf einmal all die neuen Plakate, Veranstaltungen!

Weißt du noch, weißt du noch, und wir machen Fotos von den ganzen Plakaten und speichern sie ab und wollen überall hingehen. Freilichtbühne, bestuhlt oder unbestuhlt, Arena und Club und Privattheater, wir nehmen alles mit. Wir wollen in der ersten Reihe sitzen und jubeln, wir wollen die besten Plätze, genau das wollen wir und wir gehen immer schneller, weil wir noch etwas wollen, weil wir alles wollen, und zwar heute noch. Wir gehen zur U-Bahn, wir telefonieren dabei, wir gehen einfach das Adressbuch komplett durch und verabreden uns mit allen und für alles, wir lachen und reden und lachen immer mehr. Da, die Treppen runter zur U-Bahn, und wir hören sie unten schon einfahren, wir laufen jetzt, einmal wieder einer U-Bahn hinterherrennen und das Herz schlägt, wie das schlägt!

Wir stolpern über die vielen Einkaufstüten, wir fallen wie die Leute aus dem Stuntteam, nur ohne die geschickte Landung, aber sogar der Flug fühlt sich gut an, man wird davon erzählen müssen, denken wir noch, allen wird man davon erzählen müssen, da haben wir schon wieder ein Thema. Und wir brechen uns am Fuß der Treppe das Genick und sterben, so lebendig wie nie.

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Links am Morgen

Ein Phänomen, das die mir bekannte Jugend tatsächlich kennt und auch nutzt – chillige Lofi-Endlos-Session. Wired geht dem Trend nach. Bei mir wird währenddessen die Musik, die mich vermeintlich entspannt, immer schneller und wüster, was kommt eigentlich nach Tribal Techno? Egal, in absehbarer Zeit stelle ich mich aus Wellnessgründen einfach mal an der nächsten Baustelle neben einen rabiat ratternden Presslufthammer. Das hilft dann auch gegen Tinnitus, also zumindest für den Moment.

Und im Moment soll man ja leben. 

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Welcher Innenraum wie ansteckungsgefährlich ist. Das Theater ist also viel weniger bedenklich als die Schulen, entnehmen wir der Grafik da – vielleicht sollte man die Schülerinnen und Schüler einfach ins Theater schicken, oft und mehrfach, sämtliche Klassiker durch, Goethe bis Dürrenmatt, nicht unerhebliche Anteile des Deutschlehrplans wären damit doch ein für allemal gefixt. Alle hätten sogar Spaß, haha, okay, allein deswegen wird es nicht gehen, wo kämen wir da hin. Schon klar. Meine Güte, was bin ich gerade genervt von allem.

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Lassen Sie mich die Stimmung ansonsten mit dem Refrain des folgenden Stückes zusammenfassen. Passt schon. 

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Eine Dankespostkarte

Rückseite

Ich habe zu danken für die freundliche Zusendung eines Portemonnaies mit Mangaaufdruck, begierig in Besitz genommen von Sohn II, er lässt grüßen und findet LeserInnen super. Ferner gab es ein Buch für die Herzdame, nämlich die Mittagsstunde von Dörte Hansen. Den Roman kenne ich bereits, ich fand ihn großartig. Vielen Dank!

Vorderseite

Es ist nun leider so, es gibt eindeutigen Motivmangel. Ich sehe nichts mehr, die Aufmerksamkeit lässt nach, es sieht alles gleich aus, es hebt sich nichts mehr ab. Ich müsste viel weitere Kreise ziehen, um wieder etwas wahrzunehmen, aber ich komme hier ja nicht raus. Ich gehe unzufrieden durch die immer gleichen Straßen zum Einkaufen in die immer gleichen Läden, es sieht alles aus wie gestern und vorgestern, wie letzte Woche und wie im Monat davor. Die Schaufenster werden nicht mehr umdekoriert, wozu auch. Mir kommen jeden Tag die gleichen Leute wieder entgegen. Vielleicht sind es auch andere, vermutlich sogar sind es andere, aber ich merke nichts mehr. Ich sehe mich um, ich sehe nichts oder zu wenig. Ich muss mich konzentrieren, ich bleibe stehen und gucke gründlich.

Am Straßenrand eine Obdachlose, vor ihr der obligatorische Becher mit wenigen Münzen darin. Ein junger Mann bleibt neben ihr stehen und das Folgende kann ich Ihnen als unspektakuläre Postkarte nur anbieten, wenn Sie sich das Bild bitte mal eben comicartig vorstellen möchten. Es enthält zwei Sprechblasen, denn ohne Dialog klappt das nicht, es geht überhaupt nur um den Dialog. Eine Obdachlose also am Straßenrand, haben Sie die? Dazu noch ein junger Mann, vor ihr stehend, mehr Bild brauchen Sie gar nicht, Ihre Vorstellungskraft wird hier nicht großartig herausgefordert, möchte ich meinen. Der junge Mann sagt, jetzt bitte die erste Sprechblase: „Möchten Sie vielleicht etwas essen oder trinken, darf ich Ihnen etwas bringen?“ Genau so sagt er das, denken Sie sich ruhig ein Blümchen in die Sprechblase und eine ausgesprochen freundlich wirkende Schrifttype. Es ist ausgesucht höflich, wie er da formuliert, mit diesem herrlich oberkellnerhaften Dürfen im Satz, das hört man nicht mehr so oft. Darf ich ihnen etwas bringen? Das haben wir alle lange nicht mehr gehört, diese obdachlose Frau aber vermutlich noch viel länger nicht. Und sie guckt überrascht, lächelt dann erfreut und sagt in perfekt passender Tonart, jetzt bitte Sprechblase Nummer zwei: „Gerne, ein heißes Getränk wäre jetzt angenehm.“ Mehr nicht. Aber das war schon schön, das nehmen wir so.

Wobei ich hier noch einen kleinen Exkurs dranhängen möchte, am Beispiel des Comics, den Sie jetzt vielleicht tatsächlich im Kopf hatten. Da hatten Sie also diese Obdachlose und den jungen Mann, etwas Straße vielleicht, irgendwie Großstadt eben. Autos, eine Ampel, etwas in der Art, und diese zwei Sprechblasen. Den Becher, die wenigen Münzen, kurze Großaufnahme. Spannend könnte man jetzt finden, wie die beiden sprechenden Personen aussahen, denn das schreibe ich so gut wie nie. In diesem Fall kam nur „jung“ als nähere Beschreibung des Mannes vor. Wie sieht der Mann also aus? Es ist nämlich so, ich lebe hier in der Mitte der Großstadt. Der Mann sah vielleicht nicht so aus, wie Sie ihn sich gedacht haben. Er war vielleicht erheblich dunkelhäutiger, um nur eine Möglichkeit zu benennen, es gibt noch viele, viele andere. Ändert das etwas am Bild? Ich denke schon lange darauf herum, ich habe noch keine verbindliche Antwort für mich gefunden, was beim Erzählen richtig ist. Also nicht im Sinne von „korrekt“, obwohl das auch interessant ist, sondern im Sinne des nach meinem Gefühl richtig erzählten Bildes und der Assoziationen, die dann daran hängen. Es ist wirklich enorm kompliziert. Ich nehme an – aber das ist wirklich nur ein Gedanke – wenn Sie aus einer Gegend kommen, in der es kaum Menschen aus anderen Teilen der Welt gibt, wie es etwa im Heimatdorf der Herzdame der Fall ist, dann stellen Sie sich die Leute in meinen Szenen vielleicht nicht ganz passend vor. Könnte sein. Aber macht das denn etwas aus? Das ist nicht leicht zu beantworten. Da mal drüber nachdenken, wie der olle Kempowski gesagt hätte. Wenn ich all diese Menschen nämlich andererseits näher beschreiben würde, Sie würden sich manches vielleicht erst recht falsch vorstellen, in welcher Richtung auch immer. Das könnte auch sein, es ist nicht einmal unwahrscheinlich. Assoziationen sind ein wahres Teufelszeug, wenn es um Menschen geht.

Na, aber das nur am Rande. Ich verbleibe einigermaßen unentschlossen und beschreibe Ihnen weiter quasi Ausmalmenschen. Es kann sein, dass ich das richtig finde. Vermutlich ist es so.

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Bedauerndes Verneinen

Es steht eine Dankespostkarte aus, ich weiß. Dafür brauche ich aber ein paar Minuten mehr, die habe ich gerade nicht. Ich habe heute nur so wenige Minuten, die reichen gerade eben für den Mann an der Ecke, und der ist keine Postkarte, der ist einfach nur. War einfach nur. Egal. Danach noch etwas Homeschool. Aber nur ganz am Rande.

Ein Mann an einer Straßenecke also, gerade aus einem Kiosk kommend. Er trägt eine zerknitterte OP-Maske unterm Kinn, er hat eine gerade angezündete Zigarette im Mund und außerdem eine Brille auf. Das sind also drei Zubehörteile am Kopf, und ich weiß aus eigener leidlicher Erfahrung, dass man ab drei Teilen leicht überfordert sein kann. Bei mir sind das dann allerdings Maske, Kopfhörer und Brille, aber was auch immer es ist, ab drei jedenfalls – tendenzieller Overload. Da noch bewegungssicher etwas entfernen oder auch nur richten – schwierig, schwierig, das erfordert enorme Konzentration. Der Mann will die Maske ganz abnehmen, wobei die Brille erheblich und ruckartig verrutscht und ein Bügel auf die Zigarette schlägt, die er nur knapp auffängt, wobei die Kippe aber das Bändchen der Maske durchbrennt. Der Mann steht da, die Hände unbeholfen vor dem Gesicht, beschädigtes Zubehör in den Fingern, eine schiefe Brille im Gesicht, Rauchwolken über ihm: „Hört dieser gottverdammte Scheiß jetzt bald mal auf“, höre ich ihn im Vorbeigehen sagen.

Die Frage ist natürlich berechtigt. Wir können sie aber bedauernd verneinen, nehme ich an. Es ist, wie es ist.

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Ich habe mit den Söhnen endlich angefangen, die Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“ zu sehen, das ganz alte und aus heutiger Sicht eher betuliche Zeug also, das fanden sie aber dennoch unterhaltsam. Wir kamen gar nicht weit, denn da wird in der ersten Folge das Gehalt des jungen Tierarztes verkündet, 4 Pfund in der Woche bekommt er, bei freier Kost und Wohnung. Aus einer anderen Szene ergab sich dann noch, dass eine Kuh damals 50 Pfund wert war. Und da gab es Fragen. Was war das denn so, ein Einkommen von 4 Pfund in der Woche? War man damit gut dran, wie wäre das heute und wie hoch war der Wert der Kuh? Wir haben das dann nachgeschlagen, man kann alles nachschlagen. Das war zwar etwas homeschoolmäßig und geradezu streberhaft, aber irgendwie war es das auch nicht. Ich überlegte beim Nachschlagen nebenbei, was da jetzt eigentlich anders war und dann fiel es mir auf, es ist ja ganz einfach, was da der Unterschied ist, und warum das nicht auf die blöde Art homeschoolmäßig war. Das lag nämlich nur daran, dass die Kinder etwas gefragt hatten. Während ja in der Schule immer die Kinder etwas gefragt werden. Im Grunde ist das grundsätzlich falsch herum, nicht wahr, was die Schule da macht. Aber okay, solche Gedanken führen erheblich zu weit, ich sehe es ein.

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Verzweiflungsgebäck und die Umkehr des Blues

Ich habe am Morgen auf dem fiktiven Arbeitsweg, auf der also vollkommen sinnlosen Runde um den Block, über Kopfhörer Blues gehört. Und zwar so einen schrammeligen Echtblues, wissen Sie, so einen alten Blues dieser Art, bei dem ein rhythmisches Stampfen der Füße als Percussion reicht. Dazu dann noch zwei, drei eher wüst gespielte Akkorde, wenn überhaupt, und dann nur noch das wahnhafte Wehklagen einer wunden Seele, because my baby left me, warum auch sonst. Es rumpelt, es scheppert, es schmerzt, es ist schön. Ich mag Blues nicht oft, aber manchmal eben doch, man muss den richtigen Moment erwischen. Auf der menschenleeren Straße hat einer einen Mülleimer geplündert und alles verstreut. Der Unrat weht mir genau im Moment des Refrains im bitterkalten Ostwind entgegen und um die Füße, all das Einwickelzeug des To-Go-Essens, die Kippen und Schachteln und Plastikbecher und sogar eine klackernde Bierdose, das gibt es ja heute kaum noch. Im Ohr den Blues, im Blick den Müll der Metropole, das war fast schön, das hat immerhin gepasst. Ich bin, versteht sich, stets willig, so etwas anzuerkennen und soweit also zum Positiven bereit, ja doch.

Dann noch die Frage, ob es nach längerem Lockdown wohl so etwas wie den reverse blues geben mag, gesungen von den Menschen, denen der Partner oder die Partnerin nach endlos langweiligen gemeinsamen Wochen so unsäglich und dermaßen auf den Geist geht, my baby‘s still here, oh my god, she’s still here. Und er sitzt da mit der Gitarre und seinen zwei Akkorden, noch so ein Tag, noch so eine Nacht, dieser Akkord, jener Akkord, immer wieder, unerbittlich. I’ve still got the blues with you. Gary Moore sitzt deprimiert auf dem Sofa, rollt die Augen und sie geht so vorbei, macht Home-Office und dreht sich nicht nach ihm um. Er sieht aus dem Fenster, geschlossene Bars und Geschäfte. Gitarrensolo im Sitzen. Na, was man so denkt, in solchen Momenten.

Ich gehe wieder nach Hause, die Herzdame ist noch da. Das allerdings ist natürlich kein Grund für Blues, mehr so im Gegenteil. Schwein gehabt! Aus dem Blues etwas Erfreuliches folgern, das sind dann so die Tricks unter uns fortgeschrittenen Stehaufmännchen.

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Auf dem Küchentisch liegt ein angeschnittener Stollen, Puderzuckerstaub um ihn herum. Niemand in dieser Familie mag Stollen, dennoch finden sich in jedem Winter ein bis zwei an. Die dann lange herumliegen, bis weit nach Weihnachten, bis längst sogar schon die Nüsse weg sind und auch diese wirklich merkwürdigen Kekse, von denen niemand mehr weiß, wer sie überhaupt gebacken hat. Der Stollen bleibt, der Stollen ist das wahre Verzweiflungsgebäck. Der wird erst angeschnitten, wenn in der ganzen Wohnung kein Krümel Zucker mehr zu finden ist und irgendwer im Zustand fortgeschrittener Unterzuckerung endlich zu allem bereit ist. Man kann an der Länge des verbleibenden Stollens erahnen, wie die Stimmungslage der letzten Tage war, wie die Wochen liefen und laufen, wie die Not oder der Stress mal bei diesem und mal bei jenem Familienmitglied plötzlich aufbrandet.

Was soll ich sagen, es ist nicht mehr viel da.

Aber apropos Stollen, in der Innenstadt hängt die verdammte Weihnachtsbeleuchtung immer noch, vermutlich weil sich jetzt jemand endgültig gedacht hat, ach, lass mal, Weihnachten kommt ja eh immer wieder. Und in diesem Jahr ist doch irgendwie alles egal und es sieht ja auch keiner, wir lassen das jetzt einfach so, Haken dran und gut ist. Ich aber gehe abends durch die leere Innenstadt, gucke in die Lichter und schreie herum: „Ich sehe das! Ich sehe das!“

Das nützt auch nichts, ich weiß. Aber was nützt schon was?

Egal. Jetzt Stollen.

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Links am Morgen

Ich habe für das Goethe-Institut etwas über mittelgroße Vorkommnisse geschrieben.

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Über Schulöffnungen.

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Und nun gute Musik. Abends zu hören. Übrigens habe ich ja, ich berichtete, neulich diese Playlist angefangen, die mit dem Groove. Das artete dann etwas aus, weil ich bei so etwas, wenn ich erst einmal angebissen habe, eine gewisse Neigung entwickele, ganz Spotify neu zu sortieren. Das muss irgendwann wieder ausgebremst werden, ich verliere mich sonst wochenlang darin und habe am Ende befremdliche Spezialkenntnisse, die zu nichts zu gebrauchen sind. Schlimm. Jedenfalls fiel mir irgendwann auf, diese Playlist müsste eigentlich die perfekte Reiseplaylist sein. Die mal hören, während man unterwegs ist und es gerade dunkel wird, wenn es so herandämmert! Auf einer Autobahn durchs Nichts vielleicht, also durch irgendwelche Flächenbundesländer etwa. Oder im ICE nach Berlin. Oder auf einem nächtlichen Fährschiff über die Ostsee, so etwas in der Art, das müsste verdammt gut sein. Ich war seit Jahrzehnten nicht auf Ostseefähren, wieso fallen mir jetzt ausgerechnet Ostseefähren ein, das ist doch wieder so ein Pandemieding, das Unterbewusstsein dreht allmählich durch, und nicht nur das. Wenn die Lichter einer Mole in der Ferne auftauchen, wenn die ganz langsam näherkommen und auf einmal eine gewisse und eher verfrühte Unruhe die Passagiere ergreift, wenn auf einmal alle herumlaufen und kramen und sortieren und räumen – dabei dann den richtigen Sound auf den Ohren haben und aus den Augenwinkeln nur heimlich einen Menschen ansehen, der vielleicht nach einer Geschichte aussieht, was weiß ich, eine Frau mit Baskenmütze oder jemanden in der Art. Frauen mit Baskenmützen, das weiß man aus Filmen, sind immer für Geschichten gut. Für schwierige Geschichten, versteht sich, aber Hauptsache, es passiert etwas. Vor den Fenstern der Bar auf dem Oberdeck die Finsternis der nächtlichen Ostsee, in erheblicher Entfernung ein anderes Schiff. Weit hinten die Lichter von Schweden oder Dänemark, auf die fährt man zu. Unverständliche Lautsprecherdurchsagen mischen sich mit dem Beat aus den Kopfhörern, letzte Bierbestellungen werden aufgegeben. Menschen mit Koffern gehen vorbei und wieder zurück und die ganze Zeit spürt man ein wenig trägen Wellengang und unten, noch deutlich unter den Bässen der Songs, das Brummen des Schiffsmotors, das hört man mit den Füßen. Wo war ich? 

Jetzt habe ich also sieben Stunden beste Unterwegsmusik zusammengestellt und sitze damit zuhause auf dem Sofa herum oder gehe bestenfalls im Wohnzimmer im Kreis, wobei Gehen doch gar nicht die richtige Fortbewegungsart für diese Musik ist. Vielleicht einfach mal mit dem Auto im Kreis durch die Stadt fahren? Aber die Umwelt. Oder einfach stundenlang in der U3 cruisen, Tageskarte, was soll der Geiz? Aber Corona. Man hat aber auch Probleme! Hafenfähre immer hin und her? Zu kalt im Moment. Ich muss nachdenken. 

Egal. Erst einmal das hier. 


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Der Groove

Ich klicke routiniert, allzu routiniert und eher nebenbei bei den Impfterminen vorbei, um meiner Mutter einen solchen zu sichern. Nach einer Trillion sinnlosen Versuchen in den letzten Wochen sind auf einmal tatsächlich welche verfügbar, fast hätte ich sie wieder weggeklickt, weil ich schon nicht mehr mit ihnen gerechnet habe. Ich fülle die Kontaktdaten aus, ich will sichern, da ist der Termin weg, nicht mehr frei. Sie verschwinden, während man nach ihnen greift, das nennt man dann wohl bewegliche Ziele, Termine wie Seifenblasen. Oder man nennt es Digitalisierungsrückstand, denn wie schlecht ist das denn? Ich game mich auf diese Art hektisch durch zehn oder mehr verpuffende Terminmöglichkeiten, es klappt dann irgendwann noch, doch ich bin ziemlich sicher – meine Mutter hätte das nicht hinbekommen. Das ist schon alles ziemlich schlecht gemacht, da gibt es nichts. Siehe hierzu auch Lernplattformen, aber darüber schreibe ich nichts mehr, ich soll mich nicht aufregen.

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Mir ist das Lesen wieder komplett abhandengekommen, ich finde alles uninteressant. Ich nehme nicht an, dass es an den Büchern liegt, das Problem bin ich selbst. Ich lege das Buch weg, Hundert Jahre Einsamkeit, ich weiß nicht, was mir das sagen soll, was geht mich das an, warum ist das eigentlich so bekannt, keine Ahnung, alle verrückt. Das ist kein gültiges Urteil, ich weiß das.

Ich suche lieber Musik, ich klicke mich den ganzen Tag und den ganzen Abend wie ein Irrer durch Playlists. Ich spiele an, ich verschiebe in andere Playlists, ich überspringe, ich suche. Ich habe keine Ahnung, was ich genau suche, ich suche einen Groove. Irgendwas zwischen Funk und Groove und Jazzrap und Instrumental Hiphop, ich weiß im Grunde doch, was ich suche, ich weiß aber nicht, ob es das gibt. Treibend, aber dabei ruhig, nicht dumpf, aber doch dunkel, mit wenigen Lyrics, die mich bitte nicht interessieren müssen, raffiniert, aber nicht intellektuell, auf jeden Fall urban, aber nicht zu coffeehousemäßig, es ist wirklich kompliziert. Wenn ich diesen Sound jedenfalls finden würde, dann! Dann wäre ich auch kein Stück weiter, aber egal. Ich klickte beim Streaming so vor mich hin, und nichts zu finden, das war mein Sinn.

Aber wie überzeugend ich mir stundenlang vorgaukele, dass diese Suche wichtig sei, das ist schon faszinierend.

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Ich durchschaue mich in bescheidener Weisheit selbst, ich erkenne immerhin, dass das nur eine Übersprungshandlung ist. Es ist die Vermeidung der großen Leere. Ich beschließe, die Leere auszuhalten. Weg mit all den Suchtmitteln, die Bücher weg, die Musik weg, die Schokolade weg, die Nüsschen weg.

Ich setze mich entschlossen aufs Sofa, ich bin einfach nur, so geht das auch. Ich sitze und atme tief, ich schlafe sofort ein. Das ist nämlich die Wahrheit, denke ich mir danach, also nach dem extended Nickerchen, im Grunde ist diese unfassbare Müdigkeit die einzige Wahrheit im Moment und den Groove suche ich nur noch, um mich nach seinem Rhythmus durch den Tag zu treiben wie einen lahmen Gaul, der schon lange nicht mehr will.

Egal. Ich nenne die neue Playlist Jazzraphopgroove, ich weiß es doch auch nicht.

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Trinkgeldbericht Januar

Einerseits ist es etwas schwierig, unter diesem Titel einen sinnigen Text zu verfassen. Weil ja, ich schrieb und schreibe es weiterhin des Öfteren, einfach nichts passiert. Da kann ich also nach wie vor nicht beschreiben, welche Ausflüge wir gemacht haben, wo wir im Restaurant waren und was wir dabei erlebt haben, was wir Tolles in Läden erworben haben und wie wir die Trinkgeldbeträge auf wundersame Weise in Content verwandelt haben. Da war nichts. Ich kann nicht einmal über fertige Zimmer berichten, weil der Umbau unserer Wohnung nach wie vor komplett stockt und klemmt wie nahezu alles. Möbel sind weiterhin nicht lieferbar, eine größere handwerkliche Aktion lässt auch noch auf sich warten bis mindestens März, eine weitere hängt aber von dieser ab, es läuft auch bei diesem Thema wieder unerbittlich darauf hinaus, dass nichts passiert, aber das hatten wir ja schon. Es gab zusammenfassend fast keine speziellen Ausgaben, es gab aber, allerdings berichtete ich bereits, einen Stapel Mangas für die Söhne, seitdem sind sie weitgehend nicht mehr ansprechbar. Auch recht! Sehr recht sogar!

Andererseits ist es aber ganz einfach, unter diesem Titel einen Text zu schreiben. Denn man braucht ja Trost in dieser Zeit, und den bastele ich mir einfach weiterhin aus den täglichen Einkäufen zusammen und denke mir dann etwa, während ich das Toastbrot in den Einkaufswagen werfe, siehste, denke ich, das haste dir eigenhändig erbloggt. Ich rede manchmal etwas umgangssprachlich und ankumpelnd mit mir, pardon, das ist vermutlich der ebenso stete wie sinnlose Versuch, mir selbst näher zu kommen. Das haste dir also erbloggt und ertextet, so in etwa denke ich, und dann ist das ja gleich kein normales Toastbrot mehr, dann ist das ein tröstliches Toastbrot. Weil es nun einmal sehr schön ist, sich ein Brot erbloggen zu können, denn das hat doch was von „Ich mache Kleinkunst und lebe davon“, also von dieser Richtung, in der ich mich recht wohl fühle. Ich lege das Toastbrot in den Wagen und gucke bohèmehaft, da sind so die Momente, da zehre ich dann von.

Ich werde übrigens den Verdacht nicht los, dass der Februartext diesem ähnlich werden könnte, womöglich auch der vom März und was kommt dann noch einmal. Aber jetzt, wo ich das geschrieben habe, same old magic … Na, wir werden sehen.

Wie immer, ganz herzlichen Dank für jeden eingeworfenen Euro und jeden Cent, ich freue mich über jeden einzelnen Betrag! Und ich führe nach wie vor genau Buch über jede Betreffzeile, die einen Verwendungswunsch darstellt. Heute etwa kam eine Summe mit der Zeile „Für etwas Feines“, da denke ich dann erst einmal eine Weile drüber nach. Vielleicht denke ich auch sehr lange und ungewöhnlich gründlich darüber nach, ich habe nämlich ziemlich viel Spaß an diesem Nachdenken. Und Spaß, Sie wissen es vermutlich auch, den braucht man gerade dringend. Was ist denn bloß etwas „Feines“ für mich? Da könnte man doch ganze Essays dazu schreiben, wenn man erst einmal anfängt, das zu durchdenken. Faszinierend. Ich grübele weiter.

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