Flickwerk

Was tun Sie eigentlich noch hier, Herr Glumm?!

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Ich lese Mariana Leky: “Erste Hilfe”, und ich mag es sehr, dass sie Themen variiert, dass man also etwas erkennt, was man aus einem anderen Buch von ihr kennt, außerdem gefällt mir die teils wundernahe Stimmung der Szenen. Ich möchte fast sagen: Genau mein Ding.

Davon abgesehen war ich in der Bücherei und habe festgestellt, dass im Regal mit dem Buchstaben R besonders viele Bücher von Frauen stehen, bei denen im Klappentext nicht das böse Wort präzise vorkommt. Wie isses nun bloß möglich? Warum R? So rätselt man sich durch die Tage.

Außerdem Colette mitgenommen, die fängt nicht mit R an, die lag aber im Weg.

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Der Club der Toten Dichter von Reinhard Repke, von mir schon oft empfohlen, hat sich im neuesten Projekt – das war einigermaßen naheliegend – Fontane vorgenommen und Katharina Franck an Bord geholt. Hier kommt gleich ein Filmchen dazu, und wenn Sie die Truppe im Laufe des Jahres während der allfälligen Tour auf einer Bühne erleben können, dann gehen Sie doch bitte hin, es lohnt sich mit großer Sicherheit.

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Ab jetzt beginnt die Fastenzeit und Sohn II, der einen besonderen Sinn für Challenges hat, geht das sehr sportlich an. Ich kann das ruhig veröffentlichen, sagt er, dann machen vielleicht ein paar Leute mit, und dann ist ja wieder etwas gewonnen. Ganze fünf Punkte werden von ihm in der Fastenzeit bearbeitet, da kann man sich etwas aussuchen:

  • Kein Zucker an Werktagen
  • Kein oder doch immerhin viel weniger Fleisch an Werktagen
  • Mehr Obst und Gemüse als sonstiges Zeug
  • Kein Plastik kaufen, das mit etwas Einsatz vermeidbar ist
  • Weniger drinnen sein, mehr Tageslicht

Und weil er auch einen Sinn für Systematik hat, hängt hier jetzt eine große Tabelle an der Wand, in der er die Tage und die Themen jeweils mit Plus und Minus bewertet, da kann er dann auch sehen, was besonders schwer und was vielleicht auch ganz leicht ist. Denn was ganz leicht ist, so sagt er, dass kann er dann ja auch beibehalten.

Warum aber er uns so etwas vorträgt und nicht wir ihm – ich weiß es auch nicht. Am Ende haben wir wieder irgendwas falsch gemacht, wie das bei Eltern so ist.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Hörspiel-Premiere: Die Alster-Detektive mit ihrem 6. Fall im Hamburger Rathaus

Ein Text von Jojo Buddenbohm, elf Jahre alt, auch bekannt als Sohn I

Wir waren im Hamburger Rathaus bei der Premiere von dem neuen Fall der Alster-Detektive „Langfinger-Alarm“ als Live-Hörspiel mit den echten Sprechern. Die Alster-Detektive kannte ich schon vorher, weil wir in der Klasse, das war noch in der Grundschule, mal eine Folge davon auf CD geschenkt bekommen haben.

Live-Hörspiel im Rathaus

In dem Hörspiel geht es darum, dass beim Hafengeburtstag und anderen Veranstaltungen in Hamburg viele Leute beklaut werden. Die Alster-Detektive sind hiervon auch betroffen und gehen deshalb der Sache auf die Spur.

Die Sprecher der Alster-Detektive standen auf der Bühne, haben das Hörspiel live vorgetragen und wurden von einem Geräuschemacher, der so gut wie jedes Geräusch machen konnte, begleitet. Das war sehr faszinierend und cool. Er hat z.B. auch mit einem Skateboard auf einer Holzplatte Geräusche gemacht, als würde wirklich einer mit dem Skateboard herumfahren.

Ein anderes Highlight war, dass die beiden Sprecher von Justus Jonas und Peter Shaw von den Drei ??? auch da waren und mitgesprochen haben. Mir war gar nicht klar, dass die Sprecher von den beiden schon so alt sind. Ich habe sie mir viel jünger vorgestellt. Aber wenn man drüber nachdenkt, ist das ja eigentlich logisch, weil meine Mutter die auch schon in ihrer Kindheit gehört hat.

Das Hörspiel und die Veranstaltung haben mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist spannend und ich kann sie nur weiterempfehlen, auch für Kinder, die nicht aus Hamburg kommen.

Auf der auf der Website www.alster-detektive.de kann man sich die Hörspiele auch kostenlos runterladen.

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Vorfrühlingsgedanken

Es ist trotz der wieder etwas kühleren Tage, trotz des stark auffrischenden Windes und trotz des drohenden Regens etwas in der Luft, Sie merken es vermutlich auch. Der Frühling lässt sich nicht mehr leugnen, na gut, der frühe Vorfrühling zumindest nicht. Ich erzähle eine kleine Geschichte, die zur kommenden Jahreszeit passt, es geht um menschliche Triebstärke und menschliches Versagen, das ist ganz wie in der großen Literatur. Ich habe das vermutlich schon einmal erzählt, das macht aber nichts, ich erzähle es heute einfach anders. Ein Thema variieren, das ist auch wie in der großen Literatur, aber davon abgesehen – mir ist einfach gerade so, und das ist dann doch mehr so blogmäßig.

Vor unserem Haus liegt der Spielplatz, der ist auch ein Kirchhof, der war einmal ein Friedhof. Das ist ein Platz in handlicher Größe, nicht zu klein, nicht zu riesig, immer kann man auf einen Blick sehen, wer da alles gerade ist, wenn man ihn durch eines der drei Tore betritt. Denn das hat sich vielleicht durch die Zeiten gehalten, es gab und gibt ein Mäuerchen rund um den Platz und zwei, drei Pforten. Heute ist die Mauer rings um den Platz mannshoch, früher war sie wohl kleiner. Ich weiß das aber gar nicht genau, ich stelle mir das nur vor, so eine alte Kirchhofmauer eben, die kennt man doch von Bildern, von alten Gemälden. Heute ist es eine Mauer, über die man knapp nicht rübergucken kann, roter Backstein, wie es sich in Norddeutschland einmal überall gehörte. An einigen Stellen ist auch nur ein eiserner Zaun, aber der wächst im Frühling mit Kletterpflanzen und Bambus zu, der ist dann auch halbwegs blickdicht.

Am Abend kommen, sobald die Temperaturen und der Regen es auch nur halbwegs zulassen, Liebespaare zum Spielplatz, die kein Zuhause haben, keine erlaubte Zone oder einfach keine andere Gelegenheit. Immer sind es jugendliche Paare, Teenies oder Menschen mit knapp zwanzig Jahren, älter sind sie nie. Wenn man älter wird, dann lösen sich zwar nicht alle Probleme, aber einen Platz findet man dann in aller Regel doch irgendwo. Sie sitzen also da und warten, bis die Eltern mit den kleinen Kindern endlich weg sind, sie halten Händchen und küssen sich ab und zu, sie legen die Arme umeinander oder die Beine übereinander, sie sitzen dicht zusammen und reden leise. Wenn auch die letzten Eltern weg sind, küssen sie sich etwas mehr, und wenn es dämmert, küssen sie noch mehr und drücken sich in einer Art, dass man manchmal gleich und auch von Ferne sieht, da gibt es eine gewisse Not und Dringlichkeit.

Es sind nicht viele Paare, die da abends sitzen. Als würden sie sich untereinander absprechen, es ist sogar meistens nur ein Paar. Wie das wohl geht, dass da nicht jeden Abend zehn mal zwei junge Menschen sitzen? Na, am Ende ist die Anzahl der Bänke auch begrenzt. Und auf einer Bank fängt es immer alles an, auf so einer Spielplatzelternbank, die auf Dauer allerdings furchtbar unbequem sein muss. Da sehe ich manchmal Positionen, die schmerzen schon beim Zusehen, wenn sich da jemand wie hingegossen nach hinten biegt, weit über das Lehnenbrett hinaus, und der andere Mensch rückt dann so drängend und gierend nach.

Ich sehe das übrigens vom Küchenfenster oder vom Balkon aus, ich gucke von oben runter auf diesen Platz, der liegt unten vor mir wie eine Freilichtbühne. Und für die Balkone und Fenster links und recht neben mir gilt das auch, der Platz ist von drei Seiten von Häusern mit vielen Fenstern eingefasst, an der vierten Seite steht die Kirche und guckt weg.

Einmal war da ein Paar, bei dem war es noch dringender als bei den anderen. So dringend war es, irgendwann zogen die beiden kichernd und etwas zögerlich zum Kletterturm aus dicken Bohlen, der damals unten eine kleine Plattform hatte, über die sich dann die ganze Konstruktion mit Rutsche, Kletterseil, Strickleiter und allem erhob. Und auf diese kleine Plattform legten sie sich, legte er sie oder legte sie ihn, das war im Gemenge kaum zu unterscheiden. Der Platz reichte nur gerade für die Oberkörper, mehr war anatomisch gar nicht möglich, aber da lagen sie dann jedenfalls und die Hände, die bis dahin nur in den Haaren und an den Armen und Hälsen waren, sie waren jetzt so ziemlich überall und schnell waren sie auch, da musste nämlich in kurzer Zeit sehr viel gefühlt und gedrückt werden. Er machte ihre Hose auf, sie drehte gerade an seinen Knöpfen, da sprang er lieber doch noch einmal auf, sah sich hektisch um – ringsum Mauer, kein Mensch zu sehen, alles okay. An die Menschen über ihm dachte er keine Sekunde lang, an die Menschen in den Fenstern und auf den Balkonen dachte er nicht, an all die Menschen auf den Rängen sozusagen. Und wer wäre man, das lächerlich zu machen. Es ist vielmehr vollkommen verständlich und sehr gut nachvollziehbar, die Liebe geht vor, die Triebe gehen vor, wer weiß, man kann das so oder so sehen und manchmal eh nicht unterscheiden. Immer aber gilt doch wohl, dass man das kennt.

Die Hosen rutschten dann tatsächlich noch ein wenig hinunter, sie drückten sich aneinander und was da im weiteren Verlauf genau stattfand, das war nicht mehr zu erkennen. Wenn es das war, was vermutlich alle gedacht haben, dann ging es schnell wie bei Tauben und leise wie bei Meisen, da stand er schon wieder sichernd vor dem Klettergerüst und sah sich um, während sie die Jeans wieder schloss und sich den Sand aus den Haaren schüttelte, denn das Liebesnest war den ganzen Tag über intensiv von den Kleinen bespielt worden, mit backe, backe Kuchen und allem.

Die Menschen auf den Balkonen standen und guckten, einige rauchten und gingen dann wieder rein, als nichts mehr zu passieren schien, denn die beiden da unten saßen jetzt nur noch da herum und flüsterten in ihrer angenommenen Abgeschiedenheit, die immerhin seelisch hoffentlich eine echte war. Zweimal Schultern und Rücken von oben, lange und kurze Haare, die ineinander übergingen, und natürlich auch wieder die gehaltenen Hände.

So geht es den Menschen im Frühling manchmal, wenn etwas in der Luft ist, und so ging es ihnen immer schon, auch schon zu den Zeiten, als das da unten noch ein Kirchhof und ein Friedhof war, wir können das einfach annehmen. Auch damals schon sind da gelegentlich zwei abends über die Mauer und haben sich da so umgesehen und hektisch gekichert, mit geröteten Wangen und verwilderten Gedanken, man kann eigentlich sicher sein, dass es so war, es waren ja auch Menschen. “Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer”, so heißt es bei Kästner, und es ist eine seiner allerschönsten Zeilen.

Das hölzerne Klettergerüst gibt es seit drei Jahren nicht mehr, es wurde ausgetauscht gegen eine moderne Variante aus Plastik und kaltem Metall. Die Plattform darunter ist jetzt noch viel kleiner und für gewisse Zwecke sicher völlig unbrauchbar. Vielleicht gehen die beiden von damals oder auch nur sie oder nur er da ab und zu vorbei und denken, dass sie da einmal … und sehen dann, es würde heute gar nicht mehr gehen. Aber mittlerweile sind sie auch schon älter, sie werden also längst andere Plätze gefunden haben und vielleicht auch andere Menschen. Nichts bleibt, mein Herz.

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Musik! Der Mensch an sich ist einsam.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Termine und Levkojen

Herr von Ribbeck heute

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Patricia über die Pubertät

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“Kennen Sie sich hier aus? Wo ist denn das mit Else Lasker-Schüler?” Das fragte mich eine Dame vor unserer Haustür und mein Bücherregal meinte sie nicht, nahm ich an, obwohl das auch was mit Else Lasker-Schüler ist und sicher am nächsten gelegen war. Nach einigen weiteren Sätzen kam ich darauf, dass sie wohl eine Veranstaltung in der Kirche meinte, eine szenische Lesung, die übrigens ein Nachbar von mir inszeniert hat, wie mir dann wieder einfiel, und die ich völlig vergessen hatte. Die Plakate hatte ich mal kurz gesehen, das schon, die habe ich auch gar nicht uninteressant gefunden, den Inhalt dann aber nicht erfolgreich abgespeichert, Sie kennen das. Die Veranstaltung fand in Sichtweite vor unseren Fenstern statt, ich konnte beim Kochen das Licht des Raumes sehen, in dem da gespielt und rezitiert wurde, und in dem jetzt sicher die Dame saß und sich was vom Prinzen von Theben erzählen ließ. Ohne das Gespräch auf der Straße hätte ich das einfach nur für irgendein Licht im Kirchturm gehalten, egal. Da ist ja öfter Licht.

Wenn ich aber schon Termine nicht recht mitbekomme, die direkt vor meiner Haustür stattfinden und dort von mir bekannten Menschen veranstaltet werden, wie unendlich viel mag es wohl in dieser Stadt geben, das ich komplett verpasse? Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob das ein tröstlicher oder ein frustrierender Gedanke ist.

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Im Garten gewesen, Knospen geguckt und ein Bäumchen verpflanzt. Das war der erbauliche Teil der Woche.

Das aktuelle Beeträtsel besteht in einer lila blühenden Staude, die laut allen Erkennungs-Apps eindeutig eine Levkoje sein soll. Ich habe aber nie Levkojen gepflanzt und sie blühen auch nicht im Februar, nie nicht, das wäre nun wirklich sehr ungehörig. Der Garten als Wundertüte.

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Es gab Fisch mit Kartoffel-Gurken-Salat und dieser Salat, ganz einfach (Chefkoch-Rezept hier) aus zerschnippelten Pellkartofffeln zubereitet, mit etwas Brühe, etwas Essig, etwas Öl, etwas roher Zwiebel, etwas Gurke, Pfeffer und Salz, war ein Gericht, das alle Familienmitglieder gleichermaßen gemocht haben. Das kommt hier so dermaßen selten vor, das ist eine Erwähnung wert und es wird jetzt also ziemlich oft Kartoffel-Gurken-Salat geben. Vielleicht klappt es bei Ihnen ja auch.

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Musik! Max Raabe.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Kurz und klein

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Trinkgeld Februar 2019, Ergebnisbericht

Die Söhne waren im Kino und haben “Chaos im Netz” gesehen, woraus gar kein Blogartikel geworden ist, merke ich gerade. Schlendrian! Aber sie fanden den Film jedenfalls gut, daran erinnere ich mich noch deutlich.

In diesem Monat hat jemand aufgrund eines alten Scherzes ausdrücklich Geld für Dosenmais eingeworfen, an dem Sohn II eine ganz besondere, um nicht zu sagen etwas seltsame Freude hat. Das Kind fühlt sich reich beschenkt, soll ich sagen. Ab und zu sieht es nach, ob noch alle Dosen da sind, ob sich da nicht etwa jemand daran vergreift.

Ich habe Saatgut bestellt, wesentlich weniger als im letzten Jahr. Es gibt nämlich noch Reste – ich muss sie nur noch finden, aber das wird schon. Pflanzkartoffeln habe ich bestellt, Rote Melde (baut mehr Rote Melde an, das Zeug ist so toll! Und dekorativ!), Zuckererbsen, so etwas. Die Herzdame hat die Kartoffeln ausgesucht, sie saß da mit dem Katalog und hat gesagt: “Hier, das klingt gut, schreib Duke of York auf.” Und zwei Minuten später hat sie gesagt: “Nein, hier die klingt besser, schreib La Ratte auf”. Kurz darauf kam die nächste Korrektur und dann noch eine und noch eine, es ist nämlich ungeheuer schwer, Kartoffeln aus einem ansprechend betexteten Katalog auszusuchen. Beim Einkaufen im Supermarkt achtet man kaum auf die Sorte, aber wenn man die Dinger selbst pflanzt, dann sucht man plötzlich mit einer Sorgfalt aus, Neuwagenkauf nichts dagegen. Bestellt haben wir wieder bei Hof Jeebel, keine bezahlte Werbung, nein. Aber eine sehr gute Auswahl.

Außerdem kauften wir fünf Sack Kompost vom Recyclinghof.

Was noch? Anzuchterde in ganz kleiner Menge, wir haben einfach keinen Platz für Anzucht, es gibt in diesem Haushalt dummerweise keine einzige Fensterbank.

Bei einer Trinkgeld-Betreff stand “Nicht alles auf einmal ausgeben”, dieses Geld lege ich in sehr guten Kaffee an, aber nach und nach, ganz wie vorgegeben. Wie gesagt, ich nehme die Betreff-Zeilen stets absolut ernst.

Ich habe mir außerdem eine neue und besonders leichtgängige Tastatur von dem Geld zugelegt, meine kaputten Arme brauchen jede Erleichterung, wo es nur geht. Jetzt kann ich wieder etwas fluffiger schreiben, auch deutlich leiser, das weiß die Familie zu schätzen. Die alte Tastatur war laut wie bei einer elektrischen Schreibmaschine mit Typenrad, die Älteren erinnern sich. Warum ich die nicht viel eher getauscht habe – im Nachhinein ist es ja manchmal etwas seltsam. Es gibt einen weiteren Vorteil, die Tastatur ist jetzt genau das Modell, welches auch im Büro auf dem Schreibtisch liegt, das erspart mir die minimale Irritation, dass bei den beiden Dingern irgendwelche Tasten anders belegt oder angeordnet sind. Finde ich gut.

Der Betreff “Für etwas Schönes”  wurde in Blumen für die Herzdame umgesetzt, betont frühlingshafte Tulpen, versteht sich. Und da ich jeden Monat auch ein Buch von dem Geld kaufe, gab es “Die Haushälterin” von Mariana Leky.

Sohn I hatte noch etwas Geld, das speziell für ihn war, das hat er in einem Laden für Graffiti-Bedarf gelassen, das gute Großstadtkind. Den März können wir jetzt damit zubringen, eine Ecke zu finden, in der er legal etwas mit dem Zeug anfangen kann. Es ist kompliziert.

Wie immer, ganz herzlichen Dank für jeden eingeworfenen Euro und natürlich auch für die Centbeträge, hier wird alles entsprechend gewürdigt und gefeiert, welche Summe auch immer. Ich habe ganz fraglos wunderbare Leserinnen, die Herren sind mitgemeint.

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Um den Block

Am Abend gehe ich noch einmal um den Block, da den ganzen Tag über nichts Blogbares passiert ist und auch keine einzige Idee im alltagsergrauten Hirn glimmt. Sohn II will überraschend mit, wir gehen und reden über das Schreiben, über Ideen und über Geschichten. Was man da braucht und wie man das macht und dass eine Handlung ja nicht alles ist, das sagt er. Dass man auch Beschreibungen braucht, Adjektive und so, sonst kann sich keiner was vorstellen und es wird auch alles zu kurz. Und er findet auch Geschichten ohne Einleitung nicht gut, wenn das da so mittendrin anfängt, also nein. Und ohne Ende – überhaupt indiskutabel.  Ich sehe das eigentlich auch so, besonders das mit dem Ende, ich mag gute Enden. Der Sohn hat einen Freund, mit dem er zusammen Geschichten schreibt. Wie die Grimms, sagt er, aber “Mädchen geht in den Wald und kämpft gegen Wolf”, das reicht so eben nicht, das muss man schon anders machen. Da sind wir uns soweit einig.

Viel schwieriger ist aber die Sache mit den Ideen, wo kommen die her? Wie kommt man überhaupt jemals auf Geschichten, auf Texte, auf irgendwas Beschreibbares? Wir gehen so herum und gucken, das mache ich ja immer so. Wir gehen die Einkaufsstraße auf und ab, wir sehen aber nichts, es ist alles geradezu nervtötend normal. Wir gehen in den Bahnhof und kaufen Blumen für die Herzdame, wir gehen da dann noch durch die Wandelhalle und gucken hier und da, wir sehen uns die Leute an, das Verkaufspersonal, die Reisenden, alle. “Man muss einfach so herumgucken”, sage ich, “mehr nicht”.  “Hm”, sagt der Sohn, aber überzeugt klingt er nicht.

Wir gehen schließlich ohne Ergebnis wieder nach Hause, so etwas kann passieren. Kurz vor unserer Haustür steht ein Paar mit einem kleinen Hund. Der Hund sitzt mitten auf dem Weg und will wohl nicht mehr weitergehen. Die Frau zieht etwas an der Leine, nur ein ganz wenig, der Hund sitzt stoisch da herum. “Der hat das doch eben gehört”, sagt der Mann, “dass wir hoffen, dass er bald stirbt, deswegen ist der jetzt beleidigt. Der bleibt da jetzt sitzen.” Die Frau sieht ihn an, zieht wieder zögerlich an der Leine. Der Hund sitzt und guckt auf den Boden. Die Frau sagt: “Also so haben wir das ja nun nicht gesagt. Nicht ganz so.”

Der Sohn und ich gehen vorbei und sehen uns an:

“Das nehmen wir, oder?”

“Genau das.”

“Aber wie traurig ist das?”

“Das kann man sich nicht aussuchen.”

“Du schreibst es auf, ich erzähle es meinem Bruder.”

Und so haben wir es dann auch gemacht.

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Lexikon, Duden und Rechentafel

Sven über Ampeln

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Wenn ich an 56 Tagen des Jahres 2019 im Schnitt etwa 3.500 Zeichen gebloggt habe, wie viele Leserinnen haben dann den jeweils zweiten Link angeklickt? Wenn Sohn II in jedem Strumpf sieben Löcher hat, welche Schuhgröße trägt er und mit wie vielen Freunden spielt er Fußball? Pardon, ich mache in Vorbereitung auf die nächste Mathearbeit seit Tagen dauernd Textaufgaben mit Sohn I und eventuell schlägt es mir allmählich doch aufs Hirn.

Wenn ich heute um zehn Uhr abends ins Bett gehe, wie tief ist der Schlaf und bis wohin reichen die Träume? Das Ergebnis kann aufgerundet werden.

Währenddessen entdeckt Sohn II seine Vorliebe für Kreuzworträtsel, er fräst sich durch ganze Stapel davon und stellt dauernd entsprechende Fragen, ich bin also gerade eine Mischung aus Lexikon, Duden und Rechentafel. Kompliziertes Verfahren mit sechs Buchstaben: Alltag.

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Kaum erwähne ich hier freudig die Absicht, mehr Bücher von Frauen lesen zu wollen, schon habe ich zwei Bücher von Männern in der Post. Nanu! Einen großen Dank an den überaus freundlichen Menschen, der mir das Buch: “Porträt eines glücklichen Menschen” geschickt hat, verfasst von Érik Orsenna, aus dem Französischen von Annette Lallemand. Da geht es um die Kunst des Gartenbaumeisters von Versailles, hier die Verlagsseite dazu. Das klingt sehr interessant, ich freue mich darauf.

Zum zweiten Buch später!

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Davon abgesehen nur Unblogbares, da merke ich wieder, dass das tägliche Schreiben gar nicht unerheblich zur seelischen Gesundheit beiträgt. Was nicht rauskann, das hängt quer.

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Musik! Lange nicht mehr gehört.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Wenn Sie hier Geld in den Hut werfen, wer freut sich dann? Okay, das war zu einfach. Danke jedenfalls!

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Das Geld und die Welt und die Zeiten

In einem riesigen Beet in unserem Garten blüht ein einziger Krokus, er leuchtet aber für zehn, ein kleines Strahlen in Kraftlila. Aus dem enorm blauen Himmel über der Billerhuder Insel kommt eine einzige Biene und kreiselt langsam zu ihm runter, schließlich landet sie mit Schwung in der Blüte, dass der Krokus wild hin- und herwippt wie die Stahlfederschaukeltierchen auf einem Spielplatz, wenn sich Kinder auf sie stürzen. Und wenn man so ein Zusammentreffen zum ersten mal im Jahr sieht, dann ist es doch erstaunlich, dass es überhaupt klappen kann. So eine winzige Blüte, so ein winziges Insekt, so unendlich viel Raum um sie herum, wie ist das unfassbar geschickt eingerichtet. Stark.

Die blauen Blüten neulich, die ich nicht recht einsortieren konnte, das waren übrigens die Aubretien, die Blaukissen also, die polstern da programmgemäß die Beetkante etwas auf.  Blühen sollen sie erst ab April, die gehen vor. Und das gehört jetzt vielleicht auch zum Frühling, das mir erst nach und nach wieder einfällt, was wo steht oder stehen müsste oder im letzten Jahr noch stand, dass mein Gehirn das ganze Gartenprogramm erst einmal wieder hochfährt.

Das Wetter war am Sonntag so gut, ich hätte schon wieder in den Garten ziehen können. Was eine Lust, da herumzuwühlen. Dreckig wie ein Bioschwein mit Freilauf nach Hause gefahren, so muss das.

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Sohn I stand heute am Nachmittag längere Zeit am Fenster und sah auf den Spielplatz hinunter, wo endlich wieder das ganze frühlingshafte Wimmelbildprogramm geboten wurde – etwa 25 tobende Kinder mit entsprechendem Elternaufgebot, mit geparkter Buggyparade und mit  etlichen Tauben etwas abseits, die sich auf ein üppiges Butterkekskrümelabendessen freuten und vor Begeisterung und Hunger schon ganz aufgeregt mit den Köpfen wackelten. Der Sohn ist für den Spielplatz längst zu groß, der ist eher etwas für Kleinkinder, aber es ist doch ab und zu auch für ihn unterhaltsam, da zuzusehen. Er beobachtete das Treiben längere Zeit und stellte dann missbilligend fest: “Da laufen echt alle Eltern den Kindern die ganze Zeit hinterher, das ist ja furchtbar. Ihr wart ja damals mehr so die Sitzenbleiber, das war viel besser. Aber die Zeiten ändern sich wohl.”

Und das ist dann ganz schön, so im Nachhinein wenigstens irgendwas richtig gemacht zu haben. Und sei es nur durch beinhartes Sitzenbleiben am Spielplatzrand.

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Musik! Das Lied gab es hier vor Jahren schon einmal, aber mir fällt heute kein passenderer Song ein. Esther Ofarim singt Heinrich Heine.

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Das Jesusdrittel und W, nicht V

Am Sonnabend zieht die Familie ohne mich in den Garten und beteiligt sich wieder an freiwilliger Gemeinschaftsarbeit, ich verbleibe am Schreibtisch und versuche etwas. Mehr macht man ja im Grunde nie, wenn man schreibt. Zwischendurch gehe ich einmal zur Bücherei und hole neue Bücher von Frauen, siehe gestern, es geht mir aber eigentlich mehr um die Bewegung als um die Frauen, denn einen Tag nur Schreibtisch, da werde ich ja irre. Ich bin immer noch überzeugter Anhänger der 10.000 täglichen Schritte. Nebenbei denke ich aber auch, Bücherei ist immer eine gute Idee, in der Bücherei siehst du immer etwas Beschreibbares, da hast du abends was fürs Blog. Die Bücherei und die Bäckerei, das sind eigentlich die verlässlichsten Quellen für kleine Szenen, so über die Jahre gesehen. Der Bahnhof, der riesige Hauptbahnhof mit seinen, Achtung, es folgt eine zwanghafte Erwähnung, 550.000 durchlaufenden Leuten täglich, der fällt dagegen doch deutlich ab. So sehr fällt er dagegen ab, dass es mir schon etwas seltsam vorkommt und ich demnächst öfter mal im Bahnhof herumlungern werde, einfach so, nur um zu sehen, ob da nicht doch noch etwas Blogbares auftaucht. Wenn man vielleicht mal länger hinsieht, ins unentwegte Gewühle und Gerenne (was übrigens wohl der Mensch mit dem Autokino gerade macht, erinnern Sie sich noch? Der da neulich vor der Anzeigetafel stand? Googelt der jetzt vielleicht schon Mietwagen auf Rügen in seiner Single-Küche? Ich glaube schon. Auf der Seite einer Autovermietung in Sassnitz ist er gerade gelandet, da findet er ein Angebot für Großraumlimousinen, immerhin acht Personen passen da hinein, das liest er gerade. Das reicht dann schon für eine Orgie im Autokino, denkt er, wobei er in Wahrheit gar keine nähere Kenntnis  von solchen Veranstaltungen hat. Acht Personen, na, vielleicht doch erst einmal mal kleiner anfangen? Auf der Seite der Firma steht auch der freundliche Hinweis: “Gönnen Sie sich eine Taxifahrt.” Er denkt kurz nach und schüttelt den Kopf.).

Die Bücherei jedenfalls enttäuscht mich auch an diesem Tag nicht, natürlich nicht. Ein Mann steht vor einem Regal und liest Buchrücken, seine Frau steht hinter ihm und sagt: “W! Du musst zu W, das ist V! Herr Gott nochmal!” Und der Mann geht ergeben einen Meter weiter, legt den Kopf schief und liest wieder, während sie wüst augenrollend daneben steht, verschränkte Arme, energisches Ausatmen. Bei manchen Beziehungen braucht man nur einen einzigen Satz im Vorbeigehen, um ein geschichtentaugliches Bild dieser beiden vor sich zu haben.

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Ein Sohn hat Bruchrechnung in der Schule, wir üben also mit allem Bruchrechnen. Es sind vier Frühstückseier auf dem Tisch, drei davon sind? Und nur eines ist? Und wie kann man zwei davon auch nennen? So etwas, immer wieder spielen wir das durch und brechen uns durch den Alltag. Vor dem Balkon die Dreieinigkeitskirche, Vater, Sohn, Heiliger Geist, Jesus ist also was? Ja, Mathematik ist nämlich überall. Wobei Jesus, wir vertiefen das noch etwas, je nach Glaube dann ein Drittel von allem oder von nichts ist, das ist rechnerisch dann doch etwas heikel.

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Wie Kakaopulver in Handarbeit entsteht. Wieder was gelernt.

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Sparen ist Feiern. Sparen ist Verschwenden.

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Musik! Tierisch gut.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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