Trinkgeld April, Ergebnisbericht

Ich habe mich von dem Trinkgeld auf dem Katamaran und auf Helgoland verpflegt. Sie erinnern sich, Helgoland, das ist schon wieder Monate her, also gefühlt. Imbissessen, Pizza usw., ich habe außerdem davon die Überfahrt zur Düne bezahlt (falls Sie das nicht kennen, Helgoland besteht aus zwei Teilen ohne Landverbindung) und mehrere sehr gute Latte Macchiato im “Kaffeeklatsch” gleich am Anfang des Lung Wai, der Haupteinkaufsstraße. Wer einmal nach Helgoland fährt, der merkt sich das bitte vor, man wird keinen besseren Kaffee dort finden, und so etwas ist ja elementar wichtig.

Sohn II hat sich von seinem Geld zwei Bände vom “Marsupilami” gekauft, und das ist doch mal eine richtig vernünftige Geldanlage.

Für den Garten gab es noch einmal ein paar Kilo Rasensamen, wovon wir jetzt soviel versenkt haben, der Boden kann eigentlich nur noch aus einer recht starken Schicht Rasensamen bestehen. Vielleicht wird irgendwann noch etwas Grünes daraus, wer weiß. Im Prinzip geht es aber jedesmal so, dass wir Rasen säen und uns nach getaner Arbeit zufrieden umsehen. Dann hören wir ein mittlerweile schon bekanntes Flügelgeräusch und ein Stockentenpaar landet, um sofort grußlos mit dem von uns angerichteten Festmahl zu beginnen. Man lernt im Garten nämlich immer was, etwa dass Stockenten Rasensamen essen. Viele Rasensamen, wer ahnt denn so etwas. Und als Vogelscheuche, das muss hier auch einmal festgestellt werden, als Vogelscheuche nehmen sie mich nicht ernst. Nicht einmal ansatzweise. Ist das schon ein Kompliment?

Etwas mehr haben wir in ein paar Meter Staketenzaun investiert, mit dem wir die Gemüsebeete vom Rest abtrennen werden, Bildbeweise folgen dann. Der Garten ist ein langes, langes Rechteck und muss dringend untergliedert werden. Räume schaffen, wie es in den Gartenzeitschriften immer heißt, und da haben Sie wohl auch Recht. Wir planen also in diesem Jahr etwas neu und und versuchen, etwas mehr Kuscheligkeit herzustellen und auch die Pflanzen sinniger zu positionieren. Ob wir damit aber weit kommen, das ist noch nicht ganz abzusehen.

Ich habe mir außerdem, um contentnah zu bleiben, ein Notizbuch gekauft, das ein wenig edler ausgefallen ist, weil gutes Papier und dergleichen mit gerade Spaß machen, Leinenrücken, marmorierte Pappe, Stifthalterung. Die Notizen werden dadurch leider nicht einmal ansatzweise lesenswerter oder geistreicher, aber wenn es doch so schön ist! Und das war dann auch schon das Buchgeld des Monats, ein leeres Buch also diesmal, warum auch nicht.

Ferner gab es wieder Eis für alle, versteht sich.

Noch ausstehend ist eine Ausgabe für den Betreff: “Unsinniges und Verwegenes”, ich denke seit Wochen darüber nach.

Wie immer, ganz herzlichen Dank für jeden eingeworfenen Euro und auch für jeden Cent!

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Wie fliehendes Wild

Im Vorübergehen gehört, der Dialog eines ungeheuer betrunkenen und sehr heruntergekommenen Pärchens, das kurz neben mir herschaukelte:

“Wir haben es doch noch immer geschafft, auch wenn wir nichts hatten. Wir haben ja uns. Weißt du? Wenn wir uns nicht hätten!”

“Dann!”

“Aber echt.”

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Beim NDR gibt es ein Filmchen über die Regionalwert AG und die Hobenköök.

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Da mir doch wieder der Gedanke kam, dass mich der Alltag körperlich einfach nicht genug bewegt und meine ganzen Fußwege dafür irgendwie auch dann nicht ausreichen, wenn sie bei durchschnittlich zehn Kilometern am Tag liegen, bin ich neulich doch wieder gelaufen. Also gejoggt, und alle wissen vermutlich, wie sehr ich das hasse. Aber nun, andere Sportvarianten sind ja eher noch grässlicher, beim Joggen ist man wenigstens allein, braucht sehr wenig Zubehör und ist terminlich flexibel, ja, ja, geschenkt. Ich finde es dennoch scheußlich. Überaus scheußlich.

Wobei das ”allein” ja auch so eine Sache ist. Das fängt damit an, dass ich kurzentschlossen in einer Sporthose in der Wohnung stehe, mir darin überaus albern vorkomme und die Herzdame sofort sagt: “Ich komme mit.” Das ist heikel, denn die Herzdame gehört zu den mir grundsätzlich suspekten Leuten, die komplett um die Alster laufen können, ich weise also erst einmal darauf hin, dass ich es vermutlich nur um den Block schaffe, und das auch nicht mit Sicherheit lebendig. “Ist gut”, sagt die Herzdame und zieht sich um. “Ich möchte hier einfach nur laufen”, denke ich, aber nun, man ist ja soweit verheiratet. Das denkt die Herzdame allerdings auch, die läuft nämlich neben mir los und fängt sofort an zu reden, einfach so. Beim Laufen. Ich bringe zwischen den Laufschritten äußerst mühsam ein “Nicht reden!” heraus, denn ich kann mich nicht gleichzeitig auf das Laufen, auf das Atmen und auf ein Gespräch konzentrieren, das ist nun wirklich völlig abwegig. “Macht nichts”, sagt die Herzdame nach einem etwas zu mitleidigen Seitenblick, “dann rede eben nur ich.” Und sie spricht einfach weiter , es perlt nur so aus ihr heraus, all die Themen, die sie schon immer mal mit mir besprechen wollte, bei denen meine Meinung aber vermutlich eh nicht gefragt war. Ich kann aber auch nicht beim Laufen zuhören, dann atme ich immer irgendwie völlig falsch, wobei ich eh nicht weiß, wie man beim Laufen richtig atmen soll, das habe ich nie herausgefunden. Im Grunde widersprechen sich Atmen und Laufen bei mir komplett. Es gibt kein richtiges Atmen im falschen, Adorno und der Laufsport, denke ich, Adorno wäre übrigens auch als Turnschuhmarke gut, und ich stolpere keuchend so herum.

“Also noch einmal zur Ferienplanung”, sagt die Herzdame gerade, aber ich biege einfach ab und lasse sie alleine weiter um die Alster ziehen. Im Rahmen der achtsamen Beziehungspflege wäre es womöglich ein klein wenig geschickter gewesen, dieses Abbiegen vorher zumindest ansatzweise zu erklären, aber das muss man ohne Sauerstoff auch erst einmal können. Die Herzdame läuft stoisch weiter, Menschen aus Nordostwestfalen haben es nicht so mit plötzlichen Richtungsänderungen. Vielleicht spricht sie dabei auch weiter, aber das höre ich natürlich nicht mehr.

Ich trabe also alleine weiter. Ich bin ein altes Brauereipferd, Brauereipferde sprechen nicht bei der Arbeit. Gut, denke ich, alleine geht es doch gleich einfacher, es ist auch viel weniger peinlich, immerhin biete ich einen Anblick des Grauens, nehme ich jedenfalls an. Ich mag ja selbst keine anderen Menschen beim Jogging beobachten, die sehen immer alle schrecklich aus, also abgesehen von den ganz wenigen Exemplaren, die sensationell toll laufen können, so leicht wie fliehendes Wild, diese Leute haben ja alle einmal gesehen. Aber eben in der Regel nicht im Spiegel.

Ich trabe alleine weiter, nach zehn Metern treffe ich Bekannte, die ihre Gesichter zwar im Griff haben, aber vermutlich vor Lachen zusammenbrechen, kaum dass ich sie passiert habe. Zwanzig Meter weiter treffe ich Leute aus dem Schrebergarten, dreißig Meter weiter andere Eltern aus dem Stadtteil, dann einen Kollegen, dann eine Nachbarin und wirklich, dieser Stadtteil ist manchmal doch entschieden zu dörflich für mich.

Vielleicht mache ich das mit dem Sport künftig doch besser morgens um 5 oder so. Da sind sicher nur Irre unterwegs, da füge ich mich dann harmonisch ein.

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Musik! Cher and The Osmonds. Die Siebziger waren auch etwas speziell, waren sie nicht?


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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Stets bemüht

Im Keller.

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Das Füchslein.

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Fragwürdige Verflechtungen. Lobbyismus, ne. Das Grauen.

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Zu dem Kinderworkshop auf dem Europacamp gibt es hier einen Radiobeitrag vom Deutschlandradio, darin auch gegen Ende ein Satz von Jojo zur Rolle der Medien.

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Apropos Medien, die Nachrichten sind voll von seltsam grauenvollen Begriffen, und es sind nicht nur die normalen und bekannten Gruselausdrücke, es sind gerade auch eher neu dabei. Schlecker-Kinder musste ich da etwa mehrmals lesen, Schlecker-Kinder, Schlecker-Kinder, ein Wortpaarung des Grauens. Es klingt nicht nach Erwachsenen und es klingt nicht nach einem Nachnamen, es ist einfach nur schrecklich. Und wo wir schon bei Grauen sind, auch die “FDP-Paarung” kam in der letzten Woche gleich auf mehreren Seite vor, man weiß gar nicht, was schlimmer ist und möchte es sofort und dringend alles wieder ungelesen machen – aber den Knopf gibt es leider nicht.

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Am Morgen kommt der Herzdame und mir auf dem Fußweg ein SUV entgegen. Der Fahrer fand den Stadtverkehr vor unserer Haustür wohl unerträglich langsam und hat sich spontan an “off road” erinnert. Manche Verhaltensweisen im Verkehr muss man hier mittlerweile recht eindeutig als Kampfhandlung bezeichnen. Siehe dazu auch: “Die Deutschen müssen das Auto loswerden.”

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Zu den guten Nachrichten: Bei unserem Edeka wird das Zeug an der Frischetheke jetzt nur noch in Papier verpackt, ohne drei Lagen Plastik drumherum und dazwischen. Das scheint auf einmal zu gehen. Und auf dem Europacamp gab es die Limo für Jojo im Lokal mit Pappstrohhalm, das Wort muss für Ausländer auch seltsam aussehen, fällt mir gerade auf. Der Pappstrohhalm taugte allerdings als Ersatzprodukt nichts, der hat sich viel zu schnell aufgelöst. Aber eigentlich braucht der Sohn für eine Limo auch keinen Strohhalm.

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Am Abend habe ich mich wieder mit den Niederungen der Lokalpolitik befasst. Wenn man sonst schon alles für kompliziert hält, ist die Lokalpolitik ein gutes Gegengewicht, die ist nämlich irrwitzig kompliziert. Und mein Durchblick lässt weiterhin erheblich zu wünschen übrig, wenn ich mir da mal ein Zeugnis ausstellen soll. Herr Buddenbohm war stets bemüht.

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Musik! Andrew Bird.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Jojo auf dem Europacamp (Werbung)

(Ein Text von Jojo, auch bekannt als Sohn I, elf Jahre alt. Vorweg ein wichtiges Zitat aus seinem Text im letzten Jahr: “Das hier ist keine richtige Werbung, aber wir bekommen ein Honorar für unsere Zusammenarbeit mit den Veranstaltern, denn die haben ja auch hier im Blog geworben.” )

Ich war mit einem Freund auch in diesem Jahr auf dem Europacamp (darüber hatte ich letztes Jahr auch geschrieben). Es war wieder sehr toll. Dieses Mal habe ich aber nicht am Workshop für Kinder teilgenommen (das Thema war nämlich das gleiche, also die Einführung der Lebensmittelampel, das war nicht so toll), dafür haben wir die Kinder, die dieses Mal teilgenommen haben, interviewt. Die anderen Kinder haben wieder Minster/in der EU-Länder gespielt, mein Freund und ich waren diesmal die Presse. Er musste zwar zwischendurch gehen, weil er zum Sport musste, aber es war trotzdem gut, dass er da war.

Wir haben eine Kamera und ein Mikro bekommen. Zuerst haben wir uns eine Anmoderation ausgedacht und  aufgenommen. Wir haben uns während des Workshops dann einzelne Minister/innen herausgepickt und befragt. Die Fragen dafür habe ich mit meinem Vater schon vorher überlegt und auf Karten notiert. Im Großen und Ganzen sind die Interviews auch gut gelaufen, 99% der Kinder fanden die Veranstaltung toll. Alle haben etwas dabei über Europa und Abstimmungen im Parlament gelernt, haben sie gesagt. Die Interviews wurden im Anschluss dort auch gezeigt (wir dürfen die Interviews aber nicht hier im Blog zeigen, weil wir die Einverständniserklärung nicht von allen Eltern haben.) Die Betreuer, die den Workshop veranstaltet haben, waren sehr nett und kinderfreundlich.

Es hat sich cool angefühlt, da mit Kamera und Mikro herumzulaufen, das würde ich gerne wieder so machen. Ich konnte mit der Kamera ganz gut  umgehen, weil ich auch in der Schule einen Filmkurs habe, in dem wir jede Woche so etwas in der Art machen. Ich finde aber meine Stimme auf Tonaufnahmen immer sauschrecklich.

Der WDR und das Deutschlandradio waren ebenfalls da und haben mich und andere Kinder interviewt, das kommt vielleicht im Europamagazin und bei Kakadu.

Das Europacamp findet wahrscheinlich auch im nächsten Jahr statt, ich empfehle das Kinderprogramm. Mein Freund fand es auch sehr gut und würde noch einmal hingehen.

Bemerknisse auf dem Europacamp (2)

Ich habe einen Vortrag von Aral Balkan gehört, es ging da um Überwachungskapitalismus, also um die Art, in der Konzerne mit unseren Daten umgehen, was daraus werden kann und was daraus bereits geworden ist.

Das war eine recht verheerende Dystopie, was da geschildert wurde, und allzu übertrieben oder polemisch überzogen kam es mir nicht vor, wobei ich das sicher nicht sachkundig beurteilen kann. Getreu meiner Nachschlagregel habe ich über den Herrn hinterher online gelesen – ich kannte ihn vorher nicht – und einen Artikel von 2016 von ihm in der Zeit gefunden (hier), der ist inhaltlich nach wie vor die Grundlage seiner Vorträge, scheint mir, es ist alles in den letzten Jahren nur schlimmer geworden, wen wundert es. So weit, so trostlos. Es ging aber auch um Alternativen zu großen Konzernen, wenn es um die Daten auf unseren Geräten geht, erwähnt wurde da etwa die Seite Switching Social, die kannte ich auch nicht. Da werden Möglichkeiten gelistet, online Dienste zu nutzen, die vielleicht etwas sympathischer sind, ethischer, wie es dort heißt, also moralisch vertretbaren Überlegungen folgend, was man natürlich im weiteren Sinne verstehen muss, denn da wird es so leicht keine Einigkeit geben. Wenn man auch diesen Diensten online hinterhersucht, findet man zu jedem mehrere Meinungen und wüste Lagerkämpfe und Kritik, versteht sich.

Interessanterweise kannte ich aber einige der Alternativen gar nicht, deswegen schreibe ich das überhaupt, denn Ihnen geht es ja vielleicht auch so. Man kann sich diese anderen Möglichkeiten ja immerhin mal ansehen. Und dann kann man dort an der Usability scheitern oder daran, dass dort noch keiner ist von den Freunden, die man drüben bei den großen Konzernen aber doch hat und so weiter und so weiter, die Gründe sind sicher zahlreich, aber wie gesagt, gucken kann man ja mal. Wie man sich überhaupt immer wieder fragen kann, wo man gerade die richtige Wahl trifft, denn ich finde ja, wer sich das fragt, der tut schon viel. Ganz unabhängig vom Ergebnis.

Davon abgesehen kann Aral Balkan sehr schnell, frei, fokussiert und inhaltsreich sprechen, so etwas finde ich immer wieder bewundernswert, weil es nicht allzu viele Menschen können. Der Durchschnittstyp an sich ist ja doch eher ein lahmer Folienvorleser. Und man merkt oft erst an den Ausnahmen, wie lahm man geistig selbst ist.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Bemerknisse auf dem Europacamp (1)

Um ganz vorne anzufangen, also wirklich noch vor dem Anfang, fiel mir bereits im Programm-Flyer zur Veranstaltung etwas auf, es ist nur ein Umstand ganz am Rande, eine Winzigkeit, aber wie schon tausendmal festgestellt – es sind die Kleinigkeiten. Unter Anreise stand da also, und das habe ich noch nie so gesehen, unter Bus/Bahn und dem üblichen Zeug auch als ganz normale Rubrik: StadtRad. Mit Verweis auf die nächste Station. Das ist in der Tat eine Petitesse, schon klar, aber irgendwo fängt der Wandel eben an.

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Dann habe ich wieder gemerkt, dass ich aufgrund meiner Schreibart Probleme mit solchen Veranstaltungen habe, besonders dann, wenn ich sie gut finde. Es gibt Menschen, die gehen da hin, hören sich etwas an, schreiben etwas mit, gehen nach Hause und verfassen eine feine Zusammenfassung. Schulaufsatz nichts dagegen, womit ich das jetzt nicht herabsetzen will, ich habe das nämlich schon in der Schule nicht gekonnt. Ich gehe dahin, sehe beim Reinkommen einen interessanten Typen, höre im Weitergehen einen seltsamen Satz und habe genug für zwei Blogeinträge. Also auf meine Art, nicht dass das zwingenderweise gut wäre. Aber ich könnte dann auch wieder gehen. Und spätestens nach zwei Stunden platzt mir der Kopf und ich bin ob der Fülle komplett ratlos, was ich überhaupt schreiben könnte.

Das geht mir übrigens auch auf Reisen so, nein, da ist es noch schlimmer, weswegen es mir nie gelingt, Ausflüge oder Urlaube komplett wiederzugeben und jedes Mal ein erheblicher Anteil der Notizen ungenutzt veraltet, wie sehr ich mich auch bemühe.

Ich habe mir gestern zwei Vorträge angehört, einer inhaltsreicher und interessanter als der andere, dazu in Kürze mehr. Jetzt ist das hier nämlich schon wieder so lang geworden und ich fahre gleich erst einmal wieder hin, denn heute hat Jojo da seinen Job, er wird dann später auch darüber schreiben.

Der seltsame Satz im Vorübergehen übrigens:

„Ich kenne zu viele Leute in dieser Stadt.“

„Ja, es ist ein Dorf.“

 

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Man ist immer irgendwas.

Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm) am

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55 bis zum Ziel

Ich stelle mit Bedauern fest, dass auch meine Twitter-Timeline immer unlesbarer wird, da dort fortwährend über Stöckchen von rechtsaußen gesprungen wird, als gäbe es dazu keine bereits hundertfach geteilten erhellenden Erkenntnisse, diese Unbelehrbarkeit sitzt wohl wirklich tief. Und wenn gerade kein Stöckchen gereicht wird, dann findet man sonst einen Anlass, sich über richtiges oder falsches Verhalten in die Haare zu kriegen, ein Schulhof ist überhaupt nichts dagegen. Es ist ein wenig schade, ist es nicht? Mit so etwas möchte ich eigentlich keine Zeit verbringen und merke, dass ich im Moment eher aus nostalgischen Gründen weiter dabei bleibe.

Siehe übrigens auch Kiki und die Kommentare, das ist doch alles nicht mehr richtig so. Man möchte recht vehement mit dem Krückstock fuchteln.

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Auf dem Rückweg von der Arbeit komme ich an einem Obdachlosen vorbei, der seine ziemlich eindeutig nach gesammeltem Müll aussehende Habe auf mehrere Rolldinger verteilt mit sich führt. Er hält in einer Bahnunterführung Reden, das tut er vermutlich schon den ganzen Tag, wild gestikulierend mit beiden Armen. Er trägt etwas auf dem Kopf, das sieht aus wie die Fliegermütze von Snoopy, dazu eine Sonnenbrille  und irgendetwas an Bastelei auf der Nase. er zeigt auf mich und ruft mir zu: ”Noch 55 bis zum Ziel!” Dann folgen mir kryptisch bleibende, weit ausladende Gesten. Aber der Satz war immerhin klar und wer schon einmal einen Fantasyroman gelesen oder ein Computerspiel über ein paar Level durchgeklickt hat, der nimmt so etwas ja nicht auf die leichte Schulter. Was aber kann es bloß heißen? Noch 55 Jahre, dann bin ich 108, ist das noch Optimismus? Noch 55 Tage, Wochen, Monate, Stunden, es gibt einfach zu viele Möglichkeiten, das führt so zu nichts. Noch 55 Meter vielleicht! Ich gehe mangels Metermaß 55 Schritte, da stehe ich vor einem Supermarkt mit einem sprechenden Namen, daraus kann ich jetzt ableiten: Das Ziel ist real. Das klingt allerdings wie im Sozialismus und hilft mir auch nicht weiter, denn was genau ist jetzt das Ziel? Und was ist real? Als ob man das immer parat hätte.

Der Obdachlose bleibt zurück, sieht mir nach und lacht, bestimmt hätte ich sofort auf die Lösung kommen müssen, bestimmt war es so ein Rätsel, das die Söhne sofort herausbekommen hätten, das kenne ich von ihren Spielen. Nun. Bleibe ich wohl noch etwas länger auf diesem Level hängen.

Vielleicht ja 55 Blogeinträge lang? Ich muss weiter nachdenken.

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Musik! The Jolly Boys.

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Grinsekatzen hundertfach

Über Instagram und den tourist gaze.

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Ich bin nach wie vor sehr überzeugt davon, dass es interessant ist und weiterführt, alles nachzusehen und nachzulesen, was einem so auffällt. Die Älteren erinnern sich, das galt auch einmal als Vorteil des Internets, man kann immer alles nachsehen. Macht nur kein Schwein. Aber ich! Selbstlob kommt hier sonst nicht vor, aber da dann doch einmal. Wirklich, im Nachsehen bin ich so gut, da haben andere das Nachsehen. Genug geprotzt, mir fiel auf, denn ich achte selbstverständlich auch auf die wirren Gedanken im eigenen Kopf, dass ich in letzter Zeit aus natürlich wieder komplett unblogbaren Gründen mehrfach das Wort “Duldungsstarre” in Verbindung mit mir und gewissen Problemen gedacht habe. Und wissen Sie was, das habe ich tatsächlich nicht gewusst, wo dieses Wort eigentlich herkommt. In Bio damals nicht aufgepasst oder so. Und während ich die Ohren nach hinten drehe, können Sie das ja auch einmal nachlesen, dann haben heute wieder alles was gelernt. Toll!

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Ich habe nie verstanden, wieso man Selfies macht oder verbreitet, ich ticke da ganz offensichtlich anders als andere, ich gehe aber auch kategorisch nicht davon aus, dass die Verbreitung von Buddenbohmbildern zur Ästhetisierung der Welt beitragen könnte. Umso mehr frage ich mich, wie man denn bloß seelisch beschaffen sein muss, um Wahlplakate mit sich selbst darauf auszuhalten. Wie steht man das bloß durch, an jedem zweiten Baum und an jedem dritten Laternenpfahl die Grinsekatze zu geben, garniert mit irgendwelchen schaumigen Schlagwörtern fortgeschrittener Beliebigkeit, wie es gerade wieder überall der Fall ist? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, mich irgendwo zur Wahl zu stellen, aber falls doch, dann nur ohne solche Bilder, die ich auch als Betrachter für eine blanke Zumutung halte. Los, wählen Sie einen Smiley, der für Solidarität ist oder für Sicherheit oder für Sauberkeit oder für Sonnenschein. Oh ja, prima, danke, gute Idee.

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Musik! Janis Joplin.

 

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Spannung

Ich mache mit Sohn II eine Radtour durch das sonnendurchglühte Nordostwestfalen, wir wollen Kiefernzapfen sammeln, die sein Opa für den Kamin oder wofür auch immer haben möchte. Wir fahren an einem Schild am Straßenrand vorbei, auf dem stehen drei Wörter untereinander, handgemalt:

Langsam

Spielende

Kinder

Und wir stellen uns das genau vor, wie die Kinder an dieser Straße so langsam spielen, dass man Autofahrer vor ihnen warnen muss, wie die Kinder da gewissermaßen in Zeitlupe über die Straße spielen, mit Murmeln oder so, und Sohn II sagt: “Ich bin ja eher ein schnell spielendes Kind”, und damit hat er Recht. Er ist ein sehr schnell spielendes Kind.

Unter den Kiefern ist der Boden dann so staubtrocken, die Meldungen mit der Waldbrandgefahr im Radio wirken ziemlich einleuchtend. Wir zerreiben Waldboden zu mehligem Staub und sind uns einig, dass das so nicht gehört.

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Am Nachmittag sitze ich mit dem Notizbuch im Garten, ein Besuchskind tobt vorbei, hält kurz an und fragt mich: “Du hast doch Bücher geschrieben?” Ich sage ja, das habe ich. “Und die kann man kaufen?” Ich sage ja, das kann man. “Hast du auch Kinderbücher geschrieben?” Ich sage nein, bisher nicht. “Mach mal”, sagt der Junge und guckt erst mich an, dann das Notizbuch und meine Hand mit dem Stift, als müsse ich sofort anfangen. Ich überlege. “Worüber soll ich schreiben?” “Also das muss natürlich spannend sein. Sehr spannend. Richtig spannend.”

Das hilft mir noch nicht recht weiter, ich frage lieber nach:

“Aber wovon soll es denn genau handeln?”

“Mann, es muss spannend sein! Spannend!” Und beim letzten Wort hat er die Arme gehoben und wie ein Angler gezeigt, wie groß die Spannung mindestens sein soll, da gewann das Wort Spannweite eine ganz neue Dimension für mich. Dann wurde er etwas ungehalten, weil so Bücherschreiber ja wirklich selten dämliche Fragen stellen können, meine Güte, das hatte er gar nicht gewusst, und er ging dann doch lieber wieder mit den anderen Kindern spielen.

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Musik! Elizabeth Cotton. Mit 92 Jahren.


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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Von Baumhäusern und Blogs

Am Morgen sitze ich am Schreibtisch, die Familie schläft noch. Vor dem Fenster steht ein blühender Pflaumenbaum, ein weißes Strahlen, durch das eine Amsel turnt. Das ist ein sehr gutes Programm, ich sehe länger hin, denn was auf dem Notebook geboten wird, es fällt dagegen doch etwas ab. Weiter hinten landet ein Storch auf der Wiese, das ist schon alles recht schön so. Frühling in Nordostwestfalen, kann man machen.

Die Söhne verschwinden direkt nach dem Aufstehen wieder im gestern erwähnten Baum und arbeiten dort oben wild herum. Nach einer Weile bekommen sie noch einmal Verstärkung von anderen Kindern und Mangel an Fleiß oder Ehrgeiz kann diesem Bautrupp gewiss keiner vorwerfen, zumindest den Geräuschen und den bewegten Ästen nach zu urteilen, da geht es zur Sache, ein wahrer Schaffensrausch. Wie das hinterher aussehen wird, das ist natürlich sekundär und von denkbar geringem Interesse, es geht nur um die Aktion. Das ist die kaum zu überschätzende Bedeutung des Unfertigen, denn es ist doch meist das reine Machen, was uns treibt. Ziele sind nur Konventionen und Theorie, die hat man zwar, doch sind sie eigentlich egal; wir wollen nur irgendeinen Grund haben, immer wieder frisch anzufangen, denn sobald wir etwas erreicht haben und es zufrieden betrachten, sobald wir etwas hinnehmen, wie es ist und zum Augenblicke sagen: “Verweile doch, du bist so schön …” pardon, das ist eine ganz andere Geschichte.

Ein Hinweis am Rande für den Freundeskreis Zufall: An dieser Stelle läuft, und das ist ganz und gar kein Scherz, gerade der Pudel der Nachbarn durchs Bild. Hm.

Ich bin jedenfalls überzeugt, dass ein fertiges Baumhaus eine recht langweilige Angelegenheit ist, die Gärten sind voll von fertigen Baumhäusern, in denen keine Kinder sind, wozu auch, wie öde ist bitte etwas, das einfach ist. Sein, das ist doch kein Spiel. Weswegen im weiteren Zusammenhang und Verlauf des Lebens auch die im Vorteil sind, die sich mit dem Gärtnern beschäftigen, denn ein Garten ist das Unfertige schlechthin, ein rollierendes System aus Entstehung und Vernichtung, wunderbar, man bleibt ganz herrlich beschäftigt und ist niemals, niemals auch nur annähernd fertig – kann sich zur Not aber immer einbilden, schon morgen wieder etwas zu erreichen. Oder im nächsten Frühling. Oder wenn der Kirschbaum groß ist.

Wobei auch ein Blog, fällt mir gerade ein, als ein ewig unfertiger Text zu betrachten ist, also im Rahmen der persönlichen Unendlichkeit des Schreibenden jedenfalls, mit der es so weit bekanntlich auch nicht her ist. Aber egal, ein Blog bleibt jedenfalls immer Stückwerk, fügt sich nicht zu einem Ganzen, rundet sich nicht. Man tritt als Autor nie final zurück und sagt “So!”, man schließt nicht ab, man geht schreibend immer wieder über Start – womöglich sogar täglich! – und bastelt weiter. Und wenn es sich endlich doch noch rundet, weil irgendwann einfach keine weiteren Beiträge mehr folgen, dann nimmt es auch niemand mehr zur Kenntnis. Faszinierend.

Und morgen nagele ich hier einfach wieder ein neues Brett dran, widewide wie es mir gefällt. Toll.

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Musik! Irgendwas mit Baum.


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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhanden Hut werfen, für Blogbretter und Bäume. Herzlichen Dank!