Manchmal ist es einfach

Nach dem Tag in dem Freizeitbad in Herford, ich berichtete, wollten wir das nördliche Westfalen noch etwas weiter als Touristen erkunden, besonders die Herzdame wollte das. Denn sie kommt ja aus der Gegend und kennt also gar nicht alles, das ist meistens so. Ich z.B. komme aus Travemünde und war nie auf der Passat, auf die jeder reisende Mensch, den es dorthin verschlägt, doch pflichtgemäß zuerst geht, bei dem Schiff ist nämlich immer so ein Hinweissternchen im Reiseführer oder ein gelb markierter „Tipp“-Pfeil, etwas in der Art, aber wenn man da wohnt, dann liest man eben keine Reiseführer und denkt jahrelang, dass man da auch demnächst noch hingehen könnte, und das denkt man, bis man endlich wegzieht. Weswegen es beim Stichwort „Urlaub in Deutschland“ in aller Regel Ziele – welcher Qualität auch immer – vermutlich direkt vor der Haustür gibt, und zwar in jeder Region. Aber das nur am Rande.

Ich machte also, was man als Tourist so macht, ich googelte „Westfalen mit Kindern“, was sofort den Hinweis ergab, den Vogelpark in Heiligenkirchen zu besuchen, das liegt in der Nähe von Detmold. In der Nähe von Detmold liegt überhaupt so einiges, stellte sich dabei heraus. Niemand in der Familie der Herzdame hatte je etwas von diesem Vogelpark gehört, was ich interessant fand, denn in der Familie sind immerhin etliche Kinder und Enkel großgezogen worden und viele, viele Male wurde da also die sonntägliche Frage nach Ausflügen gestellt, aber nie kam jemand auf diesen Vogelpark, er blieb gänzlich unbekannt. Was wohl auch heißt, dass er in der lokalen Zeitung niemals vorkam. Da gibt es dann also Grenzlinien der Informiertheit, die man keiner Landkarte entnehmen kann, aber die umgeben sicher auch unsere Wohnorte und dahinter wartet dann schon das Neue, das Andere, es ist vielleicht nur eine Auto- oder Zugstunde entfernt. Bezüglich Vogelparks gab es im norddeutschen Raum in den letzten Jahrzehnten übrigens einen solch gewaltigen und penetranten Werbedruck, dass jeder Mensch in einem riesigen Umkreis reflexmäßig Walsrode als Bindewort ergänzt, das gehört so, das kann gar nicht anders sein, es kann keinen Vogelpark geben neben dem, du sollst keinen zweiten Vogelpark haben.

Wir fuhren dennoch zu diesem Vogelpark, der nicht in Walsrode lag. Nicht ohne die Söhne eindringlich zu warnen, Achtung, unbekanntes Ziel, keiner weiß, was uns da erwartet, am Ende taugt das gar nichts, das ist hier quasi ein Abenteuer, ein allerdings sehr gut gepolstertes. Den Söhnen aber war eh alles recht, man muss die, so haben wir dabei gelernt, nur mal coronabedingt ein paar Monate krass ereignisarm halten, dann freuen die sich auch wieder über ganz altmodische Familienausflüge. That was easy!

Der Park war bestens ausgeschildert, leicht zu finden und mäßig gut besucht, keine Spur von Überfüllung, wie wir sie etwa bei Hagenbeck sicher zu erwarten gehabt hätten.

Man geht zunächst an einer ganzen Reihe von bestenfalls mittelgroßen Volieren vorbei, in denen erwartungsgemäß exotische Vögel sitzen oder herumflattern. Es sind solche Volieren, deren Größe irgendwie nicht reichen kann und man sieht das auch, sie können also leicht traurig stimmen. Allerdings war die Vogelauswahl so, dass wir tatsächlich überrascht davor standen: Nie gesehen, solche Gestalten. Es waren welche dabei, die man anstaunen konnte und das habe ich schon lange nicht mehr gemacht, Tiere angestaunt, das ist aber schön. Wie bunt kann man sein, wie elegant, wie schillernd, was hatte die Schöpfung oder die Evolution denn bloß für abgefahrene Launen, wie isses nun bloß möglich. Solche Vögel waren das. Ich bin bei zoologischen Gärten aller Art reichlich skeptisch und bleibe das auch, aber ich fand es dann doch gut, so etwas einmal wieder gesehen zu haben.

Gegenüber ein Helmkasuar. Ein Laufvogel von beträchtlicher Größe und mit ausgesprochen grimmer Visage, wenn der Ihnen auf einem Waldweg entgegenkommt, dann weichen Sie aus, und zwar verlässlich und schnell und weit. Der ist tatsächlich gefährlich und er sieht auch so aus, auch diesen Vogel hatte ich noch nie vorher gesehen. Da stand ein einzelner Helmkasuar im Gehege, was einen zunächst spontan dauert, das arme Tier! Bis man nachliest, dass diese Kasuare rabiate Einzelgänger sind, die sich ausschließlich zur Paarung treffen. Ich bin auch gerne und oft alleine, aber ich sehe die Herzdame doch etwas öfter und das ist auch gut so, glaube ich. Vor der Paarung baut der Kasuarhahn ein Nest, nach der Paarung und der Eiablage kümmert er sich alleine um Eier und Aufzucht der Küken, der weibliche Vogel dagegen zieht weiter und sucht sich bald den nächsten Partner. Auch ein Modell.

Ich habe dort ferner endlich einmal einen Tukan gesehen, das wollte ich schon lange einmal, Tukane sind großartig. Zwei unerwartete Bemerknisse ergaben sich dabei, denn zum einen hüpft dieser Vogel ausgesprochen leichtfüßig, als würde er gar nichts wiegen, zum anderen, und da wird es wirklich seltsam, klingt dieser gewaltige Schnabel, wenn er ihn gegen einen Ast schlägt, als sei er hohl und aus Plastik, ja, er klingt deutlich wie so ein Billigspielzeug, das etwa einer Kinderzeitschrift beiliegt, er klingt wie eine Kopie dessen, was man sich als Original immer gedacht hat. Nanu! Aber die Optik natürlich – grandios.

Den größten Erfolg bei den Söhnen hatte dann aber eine Art, die eigentlich hinlänglich bekannt ist, für die man überhaupt nicht hätte verreisen müssen, die kommt in genug Privatwohnungen vor: Wellensittiche. Die gibt es da schwarmweise in einer großen Anlage, in der sie frei herumfliegen und sich den Besucherinnen auf die Hände setzen, jedenfalls wenn diese Hände Hirse halten, die man da aus einem Automaten kaufen und kaufen und kaufen kann. Und dann hat man eben kleine bunte Vögel auf der Hand, die picken und knabbern und mit schräg gelegtem Kopf neugierig gucken und erstaunlich fest und schmerzhaft in Kinderfinger zwicken, und ich glaube, die Söhne und die Herzdame waren da mehr als anderthalb Stunden drin, weil es eben manchmal wirklich sehr einfach ist.

Im Gehege daneben haben sie dann noch gesehen, dass die Küken der einen Art skrupellos an die andere Art verfüttert werden, das haben sie dem Marabu etwas übelgenommen und ich habe mir dann pädagogisch wertvolle Vorträge über Chicken Nuggets mühsam verkniffen. Das war aber schon auf dem Weg zum Ausgang, da sahen die Söhne schon wieder eine Kioskmöglichkeit und hörten eh nicht mehr zu.

Es gab noch einen netten und kaum besuchten Spielplatz für eher kleinere Kinder, der ist zu normalen oder postpandemischen Zeiten sicher voll. Man kann natürlich Eis und Pommes und das Übliche kaufen, der Eintritt ist nicht teuer – klare Empfehlung. Als Tagesausflug bestens geeignet, man ist, je nach Kind, versteht sich, in drei bis vier Stunden locker durch, und das reicht ja auch, dann schafft man noch eine weitere Attraktion in der Gegend, dazu in Kürze mehr.

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!

Links am Morgen

Ich habe eine Bildungslücke geschlossen und weiß jetzt, wie Rudi Dutschke gesprochen hat. Ein Interview mit Günter Gaus, 40 Minuten lang. Damals hat man noch Sätze gebildet, die waren so lang, da passen heute zwei Sendungen rein. Link zu Yotube.

***

Eine vollkommen berechtigte Beschwerde über das Internet.

***

Die Scharlachpest

***

Ich gehöre in den Norden, idealerweise auf eine Insel.” Das kann ich nachvollziehen.

***

Hier wird etwas zu dem notiert, was ich über Notizen notiert habe. 

**

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci! 

Bleistift und Notizen

Ich habe, es ist schon eine ganze Weile her, eine Doku über John Irving gesehen, in der er sich ganz prächtig inszenieren wollte und konnte, so dass er sehr schön mit seinen Romanen harmonierte. Mit Training auf Matten und mit konzentriertem Sprungseilhüpfen und allem, er gab sich sehr sportlich, passt schon, und wie es passt, es fehlte nur noch der Bär im Garten.

Da hat er jedenfalls zwei Sachen gesagt, in dieser Doku, die mich beeindruckt und nachhaltig beschäftigt haben. Zum einen erwähnte er, dass er seine Romane mit der Hand geschrieben habe, die meisten davon sogar mit Bleistift, bis er schließlich aus Altersgründen doch noch auf schnellere Schreibgeräte mit leichterem Fluss umgestiegen sei. Das hat doch etwas, wenn man es sich bildlich vorstellt, das Hotel New Hampshire sei so entstanden, langsam und auf die gute, sehr alte Art, ich hätte das so nicht im Sinn gehabt, nicht bei John Irving. Ich schreibe selbst auch viel mit der Hand, aber ausgefeilte Prosa? Da habe ich viel drüber nachgedacht und ja, es ist mir klar, dass das jahrhundertelang gut funktioniert hat. Man kann aber auch schon seit etlichen Jahrzehnten auf diversen Geräten tippen.

Ich schreibe diese Zeilen hier übrigens auf der Halbinsel Eiderstedt und wissen Sie, was es in Tönning, gar nicht weit von hier, gibt? Ein Hotel New Hampshire. Nur im Vorbeifahren gesehen, nur am Rande erwähnt.

Der andere Aspekt, der mir sehr zu denken gab, bezog sich auf das Thema Notizen, das mir bekanntlich am Herzen liegt. Der Herr Irving ist nämlich ein Notizenverweigerer, er schreibt sich nichts auf, nie, so sagte er. „Denn wenn etwas wichtig ist“, so erklärte er dann, „dann fällt es mir wieder ein.“

Ich halte diesen Satz für fundamental falsch, also für mich natürlich. Der Verstand von John Irving mag grundsätzlich anders beschaffen sein als der der meisten Menschen, als meiner, was weiß ich, das ist möglich. Ich denke aber, dass es für die viele zweckdienlich ist, sich Sachen zu notieren, denn es fällt einem wenig wieder ein, erschreckend wenig, man kann das ja leicht testen. Man kann mit und ohne Notizen leben, man kann vergleichen, ich habe das mehrfach und gründlich getan. Wenn ich mir etwas nicht aufschreibe, dann ist es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit weg, für lange Zeit oder für immer. Gewissen Ratgebern kann ich leicht entnehmen, dass das auf viele Menschen so zutreffen muss. Ich leide ja gelegentlich unter schwallartigem Sachbuchlesen, dabei registriere ich immer klammheimlich befriedigt, und mit einiger Erleichterung, welche Defizite auf andere Menschen auch zutreffen, das kommt Ihnen vielleicht bekannt vor. Egal, ich verbessere mich jedenfalls organisatorisch und kreativ, also bei den beiden Bereichen, auf die es für mich entscheidend ankommt, ziemlich deutlich, wenn ich mir ausreichend Notizen mache – und es können eigentlich gar nicht genug sein. Um einen Satz von Susan Sontag aufzugreifen und etwas umzuwandeln, ich glaube jedenfalls, er kam von ihr: Ich weiß nicht, was ich denke, wenn ich mir keine Notizen mache. Und manchmal glaube ich sogar, ich denke nennenswert mehr und strukturierter, womöglich sogar logischer, wenn ich mir Notizen mache, weswegen ich immer noch versuche, mir mehr zu notieren, häufiger und besser. Ich habe da noch lange nicht ausgelernt und auch noch lange nicht alles ausprobiert, ich glaube auch, dass man erstaunlich lange braucht, bis man sich Notizen gründlich genug angewöhnt hat.

Den letzten Text hier etwa hätte es nicht gegeben, also nicht so, hätte ich mir im Schwimmbad nicht „Mädchen/Sprungbrett“ notiert, ich merke mir so etwas sonst nicht. Es ist ja nur ein Augenblick, ein flüchtiges Hochsehen, eine Sekunde, eine Assoziation, wie schnell ist die verschollen und vergessen. Ich muss mir in so einem Augenblick denken, dass ich mir gerade etwas gedacht habe, und dann muss ich es mir aufschreiben.

Vielleicht merke ich mir so etwas normalerweise nicht, weil ich ein besonders zerstreuter oder flüchtiger Denker bin, was weiß man schon, das kann natürlich sein. Vielleicht merke ich mir jetzt nennenswert mehr als andere, weil ich mir mittlerweile genug Notizen machen, vielleicht merke ich mir auch nur endlich halbwegs normal viel, wie will man das herausfinden.

Vielleicht hätte John Irving mit reichlich Notizen noch zehn Romane mehr schreiben können und da lacht er dann vermutlich, legt das Sprungseil kurz weg, lächelt gutmütig wie ein sympathischer Sporttrainer aus einem seiner Bücher und fragt amüsiert: „Wann das denn?“

„Bleistift und Notizen Irving“. So stand das im kleinen Buch. Das kann ich jetzt abhaken und dieses Abhaken, das würde jetzt wieder mit der Hand mehr Spaß machen.

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!

Kleine Schritte

Um die im letzten Text erwähnten fünf Stunden ruhige Lesezeit zu erbeuten, sind wir also nach Herford gefahren. Das ist, zugegeben, etwas aufwändig, aber es lohnt sich für uns, wir haben da schon einschlägige Erfahrung aus dem letzten Jahr. In Herford gibt es ein großes Freizeitbad, das in der aktuellen Situation mit den üblichen Einschränkungen geöffnet ist. Wobei die üblichen Einschränkungen bei Schwimmhallen sehr angenehm sind, denn die Hälfte der Gäste reicht für mich völlig aus. Schwimmhallen sind mit reduzierter Gästezahl wesentlich angenehmere Orte und viel leichter zu ertragen, was vermutlich sogar dann gilt, wenn man dort ins Wasser geht. Wobei übrigens noch zu fragen ist, ob es überhaupt etwas gibt, eine Einrichtung eine Veranstaltung oder einen Ort, der dadurch reizvoller wird, dass er massenhaft besucht wird und also verlässlich bumsvoll ist – vermutlich ist das nicht so und ich bin noch gar nicht fertig mit der Frage, was daraus zu lernen ist. Also abgesehen von small is beautiful, das wird ja nur die oberste Ebene sein.

Wir waren die ersten Gäste an diesem Tag, wir standen, das ist vielleicht etwas peinlich, wie schlimme Freizeitstreber als erstes Familiengrüppchen in der Schlange vor der Kasse, und zwar schon zwanzig Minuten vor Beginn der Öffnungszeit. Was allerdings nur daran lag, dass wir entgegen aller Erwartung und Wahrscheinlichkeit das Haus im Heimatdorf der Herzdame exakt pünktlich und plangemäß verlassen haben, es dürfte das erste Mal überhaupt gewesen sein. Dann gab es noch eine freie Autobahn, es hat sich alles so gefügt, und da standen wir also. An der Schwimmhalle waren große Schilder, die warben, ich denke mir das nicht aus, für die Deutschen Aufgussmeisterschaften 2021, die in der Saunalandschaft dort stattfinden sollen, mit, so war zu lesen, „Show-Aufgüssen“, was immer das nun wieder sein mag. Wenn man reist, dann sieht man was.

Es war mir allerdings auch recht, so früh vor dem Bad zu stehen, denn es gibt da zwei Liegen, die stehen abseits von allen anderen, und ich wusste, auf diese Art kriegen wir die, und so war es dann auch.

Wir legten uns auf diese Liegen und die Söhne gingen was auch immer machen, was man eben so macht in einem Spaßbad, in dem man rutschen und springen und planschen und sicher auch schwimmen und tauchen kann, ich habe weder hingesehen noch mich daran beteiligt, denn darum ging es ja nicht, ich habe gelesen. Die Söhne sind in einem Alter, in dem man nicht mehr jederzeit neben ihnen stehen muss, weder zu Wasser noch zu Lande. Das ist ziemlich angenehm so, denn das Danebenstehen hat man irgendwann lange genug gemacht, und wenn sie sich so allmählich entfernen und immer größere Kreise ziehen, dann hat es bei aller angebrachten Wehmut auch eine entschieden schöne Seite.

Wir legten uns also auf die Liegen und lasen. Ich las den Mannschen Hochstapler Felix Krull, hauptsächlich um ihn durchzukriegen, eher nicht aus reinem Genuss, denn das Buch gefiel mir nicht. Aber ich war schon über den Abbruchpunkt hinaus, jetzt wollte ich es auch komplett schaffen, ich wollte ihn erledigt haben, abgehakt und wieder wegsortiert. Ich überlegt zwischendurch einen Moment, ob es nicht irre tiefsinnig wäre, nur so zu tun, als würde ich den Felix Krull lesen, das wäre doch überaus meta … aber dann rief ich mich wieder zur Ordnung und fraß mich durch die Stunden und die Kapitel und dieses reine Fertigwerden, das ist bei Büchern manchmal eben auch eine Lust, Sie kennen das vielleicht. Ich wollte dieses Buch durchgearbeitet haben, ich fand das entspannend. Wellness ist eine individuelle Angelegenheit.

Als ich mit dem Krull fertig war, las ich die Anne Lamott auch durch, es war ganz und gar herrlich und die Söhne kamen nach wie vor einfach nicht wieder. Ab und zu sahen wir sie irgendwo vorbeilaufen, im Wasser, am Wasser, wie auch immer, sie hatten Spaß. Ich auch. Aus den Becken kam das übliche Kindergeschrei, die Leute sprachen auf den Liegen miteinander, Mütter und Väter riefen Kindernamen, aus Lautsprechern wurden unentwegt längere Texte durchgesagt, die für mich klangen wie die Stimme der Lehrerin bei den Peanuts, die immer riesige Sprechblasen mit endlosem Blabla füllte, über die Köpfe der Kinder hinweg. Kein Wort war zu verstehen, es war ein herrlicher Geräuschbrei in dieser Halle, den ich ganz mühelos ignorieren konnte. Diese wirre Dauerbeschallung in Endlosschleife war so dermaßen konzentrationsfördernd, damit kann keine Focus-Playlist auf Spotify jemals konkurrieren.

Das Bad in Herford ist gar nicht so riesig, aber es ist auf irgendeine Art, die zu beurteilen ich nicht kompetent bin, so ideal gebaut, dass der Spaß für Kinder dort stundenlang anhält. Es müssen dort die genau richtigen Anteile von allem enthalten sein, also genau die richtigen Rutschen etc., die Wellen im richtigen Intervall, die Sprungtürme rechtzeitig geöffnet und all das, es gibt kein einziges Bad in Hamburg, das so dermaßen gut funktioniert, nicht einmal annähernd.

Nur einmal sahen wir die Söhne zwischendurch, als dringend die üblichen Schwimmbadpommes zugeführt werden mussten, bei denen ich mich wieder fragte, ob es an einer kollektiven Verklärung liegt, oder ob die in meiner Kindheit wirklich besser geschmeckt haben. Man kann es wohl nicht herausfinden? Vielleicht hätte ich schwimmen müssen, um einen gültigen Vergleich zu haben, stundenlang schwimmen. Und springen und tauchen und rangeln und alles und danke nein.

In einer kleinen Szene, die ich sah, als ich gerade die Bücher wechselte, kam schon wieder ein kleines Mädchen vor. Wie neulich erst, als es hier um das kleine Mädchen mit dem rollenden Ball ging, jetzt sah ich ein Mädchen im etwa gleichen Alter auf einem Sprungbrett, und zwar auf dem Dreier. Der war ein wenig zu hoch für sie, alle anderen, die dort sprangen, waren wesentlich größer als sie und überhaupt bin ich mir nicht sicher, ob ich schon einmal ein so kleines Mädchen auf einem so hohen Sprungbrett gesehen habe. Sie stand noch oben an der Leiter, als sie mir auffiel, bis zum Ende des Brettes war es aus ihrer Sicht noch ziemlich weit. Dann fing sie etwas zögernd an zu gehen, mit winzigen, vorsichtigen Schrittchen. Sie hielt sich links und rechts am Geländer fest, und wie sie sich festhielt. Das Geländer reichte vorne bis etwa zur Hälfte des Brettes, danach war nur noch die Planke da, und natürlich der Abgrund. Aber auch bis zu dieser Mitte brauchte sie schon lange. Sie hielt sich gerade, sie hielt sich die ganze Zeit sehr fest und ihre Schritte waren spielzeugklein. Unten standen etliche, die auch springen wollten und man muss es wohl den besonderen Umständen der Corona-Zeit zuschreiben, dass da niemand drängelte, niemand etwas rief oder sich auf eine andere Art danebenbenahm. Die standen da einfach alle und guckten geduldig, viele lächelten sogar oder nickten aufmunternd, es war so ein Moment, der mir nicht gerade wahrscheinlich vorkam.

Zurück zum Mädchen, das da ganz oben mittlerweile am Ende des Geländers angekommen war. Äußerst vorsichtig löste sie jetzt die Hände, eine nach der anderen. Sie hielt die Arme noch einen Moment waagerecht, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, so ganz ohne sicheren Halt. Dann nahm sie die Arme Zentimeter für Zentimeter herunter, machte sich noch gerader und ging weiter. Die Schritte wurden aber auch jetzt nicht größer und der Weg war immer noch weit. Wer schon einmal auf einem Dreier gestanden hat, der weiß, wie verdammt hoch das wirken kann. Das Mädchen war kalkweiß im Gesicht oder es wirkte vielleicht auch nur in dem Licht so, es vergingen gefühlte Minuten, bis sie endlich vorne ankam, wo die Planke unweigerlich zu Ende war und jede und jeder entweder schmachvoll umkehren oder aber tatsächlich springen muss. Das Mädchen blieb da vorne nicht stehen, keine Sekunde, es machte einfach nur noch einen dieser ganz kleinen Schritte, ohne die allergeringste Bedenkzeit. Sie hatte, so denke ich mir, alle Angst bereits in kleinen Schritten verbraucht und jetzt ging es eben. Sie fiel dann zwar mehr, als dass sie sprang, aber sie tat es in immer noch gerader Haltung, kam wieder hoch und schwamm und grinste. Applaus vom Beckenrand.

Ich kenne in Herford weiterhin nichts außer diesem Freizeitbad, aber die Stadt ist mir irgendwie nicht unsympathisch.

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci! 

“Kann sicher lesen”

Was mich vom 13. März bis zum ersten Urlaubstag in der vorletzten Woche durchgehend und zunehmend gestört hat, das war ein gewisser Zeitmangel bei mir wichtigen Beschäftigungen, als da wären Denken, Lesen und Schreiben. Es handelt sich dabei um meine Lieblingsbeschäftigungen, dicht gefolgt von Herumgehen und Herumgucken, da wären wir dann bei immerhin fünf, und viel mehr würden mir auch nach längerem Nachdenken vermutlich nicht einfallen.

Nun klingt es immer etwas unangenehm überambitioniert, wenn man das Denken als Beschäftigung ausgibt, mit der man sich gerne abgibt, aber es ist so – ich bin im Denken zwar nicht übermäßig erfolgreich, aber es macht mir eben Spaß. Ich dilettiere im Denken sozusagen ähnlich vergnügt herum wie mancher Hobbyjogger nach Feierabend um die Alster hampelt, der hat da ja auch keine wirklich sportlichen Ambitionen, der hat nur irgendwie vage Fitness im Sinn und etwas Spaß dabei, also im besten Fall. So auch ich, nur eben etwas anders. Denken finde ich, auch bei unklaren Erfolgsaussichten und höchst zweifelhafter Bilanz, oft faszinierend und fast immer interessant, es wird so schnell nicht langweilig. Um aber denken zu können, brauche ich etwas Zeit, und ganz besonders Zeit, in der ich nicht von irgendwem beansprucht werde. Diese Zeit ist seit März ziemlich knapp geworden. Es war, haha, eine ganz schlechte Zeit für Home-Thinking.

Das Denken geht bei mir oft ins Schreiben über, da sind die Erfolgsaussichten schon etwas besser. Nicht aus meiner Sicht, das nun wirklich nicht, aber aus Ihrer, denn ab und zu erhalte ich von irgendwem irgendwo ein Lob. Das nehme ich dann manchmal vor mir selbst als Legitimation und schreibe danach mit frisch erworbener Berechtigung weiter. Zum Schreiben aber brauche ich auch wieder Zeit. Erst zum Hinschreiben, dann zum Korrigieren, dann zum zweiten Korrigieren und so weiter, das zieht sich gerne mal ganz fürchterlich und schon sind zwei, drei Stunden vergangen.

Schließlich das Lesen, das immerhin ist etwas, das kann ich, so glaube ich, ganz gut. Ich kann schnell und langsam lesen, flüchtig und gründlich, rückwärts und über Kopf, ich kann lernend lesen oder nur zum Zwecke des Amüsements, ich kann recherchierend lesen und suchend, forschend und fragend, lange und kurz, und ich kann sogar vorlesen. „Kann sicher lesen“ würde ich mir also jederzeit und aus voller Überzeugung und bei aller Bescheidenheit selbst ins Zeugnis schreiben. Dummerweise brauche ich auch dafür wieder Zeit. Lesen geht nur manchmal nebenbei und huschhusch, in aller Regel erfordert es mindestens etliche Minuten, wenn nicht Stunden oder, da wird es dann aber schon traumhaft, halbe Tage, ganze Tage, pardon, ich komme da leicht ins nostalgische Schwärmen.

Neulich habe ich endlich einmal wieder sagenhafte fünf Stunden am Stück gelesen, und wie das möglich war, das erzähle ich im nächsten Text, der online geht, wenn ich wieder einmal etwas Netz habe. Vielleicht ist es morgen soweit, vielleicht erst übermorgen – je nördlicher ich in Deutschland bin, desto südlicher muss die Haltung sein, was das Digitale betrifft. Manana is soon enough for me.

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci! 

Ein Dank zwischendurch – mit Geschenktipp

Es erreichte mich ein Leserinnengeschenk, welches Sie vielleicht als Geschenktipp interessieren wird, es ist auf eine angenehm dezente Art ausgefallen und es erfreut verlässlich alle Menschen aus dem Freundeskreis Notizen – ein Commonplace Notebook aus Schottland im Tartandesign und mit Stoffeinband, in meinem Fall mit dem Tartan der Isle of Skye. Rechtsseitig liniert, links blanko. Es ist auf beiligenden Zetteln alles sehr freundlich erklärt, das mit den commonplace notebooks, das mit den Tartans und mit Schottland und überhaupt, es ist ganz wunderbar und ziemlich sicher ein großartiges Geschenk. Alles von dieser Firma hier. Dicke Empfehlung, herzlichen Dank!

Ebenfalls vielen Dank für einige Pflanzensamen vom Wunschzettel, unter anderem Natternköpfe, die mir peinlicherweise auch bis vor kurzer Zeit gar nicht bekannt waren. Dabei sind die ziemlich schön. Wenn ich mit dem Rad in den Garten fahre, komme ich an einem großen Rudel vorbei, ich bin da vor einigen Wochen abgestiegen und habe dann recherchiert, was da wächst. Wie son Naturforscher. Im nächsten Jahr dann auch in unserem Garten. 

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci! 

Ein kurzer Halt

Sohn I fährt auf einer Skate-Anlage herum, die Herzdame und ich sitzen am Rand und sehen zu oder lesen. Wir sind hier eigentlich nicht erforderlich, wir nutzen nur die Gelegenheit, irgendwo abgestellt zu werden, um erfolgreich nichts zu tun und dabei doch Familie zu sein. Man braucht Strategien! Die Herzdame liest, ich höre ein Hörbuch. Ich gehe etwas herum, ich gehe versuchsweise in den Schatten, ich stehe Skatern im Weg, ich gehe um den Platz. Ich bin ein eher mäßig erfolgreicher Herumsitzer, aber egal. Entspannung ist das dennoch, was wir hier machen, jeder auf seine Art, wir haben nichts weiter vor, wie wir uns gegenseitig ab und zu versichern, weil es so ungewöhnlich ist. Der Sohn fährt und fährt, er hört gar nicht wieder auf. Eigentlich sollte das hier nur ein kurzer Halt sein, es werden dann aber mehrere Stunden und es ist okay. Wir haben Urlaub, wir sehen bemüht nicht einmal auf die Uhr und die Zeit ist egal.

Zwei Brüder kommen mit Skateboards auf den Platz, die haben ihre kleine Schwester dabei, sie wird noch im Kindergartenalter sein. Die große Brüder fahren mit den Boards und sind etwas älter und cooler als alle anderen, das Mädchen geht an den Rand, setzt sich zu den Sachen der Brüder und passt auf. Sitzt da so und guckt etwas planlos herum. Nach einer Weile nimmt sie einen Basketball aus einer der Taschen. Und den rollt sie dann ganz langsam über den Asphalt und den vertrockneten Rasen, wobei sie davor kniet und genau hinsieht. Und zwar muss man sich das wie bei anspruchsvollen Forscherinnen vorstellen, sie ist nach einer Weile ganz Konzentration und so dermaßen vertieft in diesen rollenden Ball, sie bekommt überhaupt nichts anderes mehr mit. Es ist nicht zu erkennen, was sie da so brennend interessiert, vielleicht will sie wissen, wie das Rollen eigentlich vor sich geht, vielleicht überrollt sie auch Ameisen oder sie beobachtet, wie lange Sand und lose Grashalme am Ball haften, bis sie endlich doch fallen, das weiß ich nicht. Fest steht aber, sie sieht da mit aller Schärfe hin und sie prüft ganz genau. Sie rollt den Ball in Zeitlupe oder noch langsamer hin und her, sie schüttelt den Kopf und wiederholt die Bewegungen. Sie legt sich auf den Bauch und guckt aus dieser Perspektive noch einmal, sie lässt den Ball halten und runzelt die Stirn, sie denkt und denkt, einen Finger immer oben auf dem Ball. Die Brüder rufen sie, sie hört nichts, sie hat hier doch zu tun. 

Ich überlege, wann ich zuletzt etwas so dringend genauer wissen wollte wie dieses Mädchen gerade, das Ergebnis fällt etwas beschämend aus. Unter meinem flüchtigen Interesse rollen sich die Wochen ab und ich denke zum wiederholten Male, dass man ab und zu noch genauer hinsehen muss, als Blogger schon gar, man muss einfach irgendwo anfangen und genauer hinsehen, und Zeit muss man dafür haben, mehr Zeit. 

In einem Film jetzt Großaufnahme auf den Ball, wie er unter dem Finger des Mädchens einen Millimeter nach rechts aus dem Bild dreht und ein Sandkörnchen langsam, langsam sich löst und schließlich zögerlich fällt. 

Schwenk auf ihr Gesicht, sie guckt ernst und nickt. So lernt man, und vielleicht auf keine andere Art. 

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci! 

Links am Morgen

Ich habe “Das falsche Gewicht” von Joseph Roth als Hörbuch gehört (Der Spotify-Link funktioniert nicht, aber jedenfalls gibt es das Werk dort, die Suchfunktion führt hin), gelesen von Joseph Lorenz, also das glaube ich jedenfalls, denn gesagt wird es leider nicht, es deuten nur Google-Ergebnisse darauf hin. Ein hervorragendes Buch jedenfalls, auch wenn es vielleicht ein wenig besser in den Winter oder in den frühen Frühling passen würde, die Mehrheit der Szenen spielt in diesen Zeiten. Und ein bitteres Buch ist es natürlich, wie der Titel schon andeutet, es ist ganz und gar keine heitere Ferienlektüre. Aber was für ein Deutsch, es ist ein Fest. 

***

Das Leben vor der Wurst

***

Wir werden weniger

***

Auf Youtube gibt es eine Doku (eine Stunde, lohnt sich) über das Leben von Sister Rosetta Tharpe, die kann man sich ansehen und dann mit einem etwas anderen Bild der Geschichte des Rock’n Roll weiterleben. Auch recht! (Link zu Youtube). Mehrfach kommt dort ihre Show in dem stillgelegten nordenglischen Bahnhof vor, mit dem Song “Didn’t it rain”. Das Lied und die Szene hatte ich vor Jahren schon einmal im Blog, ich sehe mir das nach wie vor ab und zu an, weil es ein so dermaßen grandioser Auftritt war. 

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci! 

An einem mittleren Sommertag

Im letzten Text in diesem kleinen Fachblog für Wellness und Entspannung lag ich auf dem Sofa in der Wohnung in Hamburg, ich tausche das jetzt gegen das Sofa im Haus der Großeltern der Söhne. 

Ringsum das weite Nordostwestfalen, es ist ein mittlerer Sommertag, nicht zu warm, nicht zu kalt. Die erweiterte Familie ist irgendwo, ich weiß es nicht genau, wo es sie alle hingetrieben oder gezogen hat, es ist mir auch egal. Ich bin mittagsmüde und das Sofa ist einladend frei, also lege ich mich hin. Es ist so ein Sofa, bei dem die Füße im Liegen etwas über den Rand ragen, das ist hervorragend geeignet für ein Nickerchen, es wird dann nicht zu lang. Ich liege und sehe in die Gardinen vor den Fenstern, dahinter wippt vages Grün von Kirsch- und Pflaumenbäumen im sachten Wind des Julitages. Eine Uhr tickt.

Sie tickt sogar ziemlich laut, also in dieser Lautstärke, die man nur hört, wenn alles ganz still wird, die dann aber unvermittelt beträchtlich laut wirkt, so dass man sich fragt, wie man das sonst eigentlich dauernd überhören kann, dieses Geräusch scheint doch alles im Raum zu bestimmen und mit seinem unerbittlichen Takt alles mit einem strammen Stakkato zu unterlegen. Ich versuche, mich mit geschlossenen Augen an diese Uhr zu erinnern, die da so zudringlich laut ist, es gelingt mir nicht. Eine alte Uhr wird es auf jeden Fall sein, eine Wanduhr vielleicht, eine Schrankaufsatzuhr, so etwas. Und ererbt wird sie sein, anderen Generationen wird sie schon Stunden geschlagen haben, so manchen Mittagsschlaf wird sie eingeleitet und begleitet haben, ungerührt und gleichförmig, stets zu Diensten wird sie gewesen sein.

Zwei Möglichkeiten hat man, ihr zu lauschen. Zum einen kann man die Geschwindigkeit wahrnehmen, in der da die Sekunden vergehen, denn das laute Ticken zerhackt die Zeit in schnell vergehende kleine Teile, jede Sekunde, die da getickt wird, ist weg, ist weg, ist weg, ist weg, es könnte einen schier irre machen, wenn man zuviel darüber nachdenkt, schon ist alleine bei diesem Gedanken eine Hundertschaft der winzigen Einheiten vergangen, maschinell abgezählt und abgetan, und sie kömmen nimmer wieder.

Zu anderen kann man es aber auch beruhigend finden, wie da gemütlich getickt wird, es ist allein eine Frage der Weichenstellung im Kopf. Meditativ kann es einem vorkommen, tick, tick, tick, das ist angenehm leer und gleichförmig und problemlos, darauf kann man sich sehr gut konzentrieren und es ist, als würde man sich auf gar nichts konzentrieren, und auch das ist manchmal willkommen. Ich kann das sonst nicht gut, diese ganze Welt und Wissenschaft der Meditation ist mir seit vielen Jahren unselig verschlossen, kein Zutritt, nur für Mitglieder, und das bin ich nun einmal nicht. Ich bin einer, der sich hinsetzt oder legt, der tief atmet und ruhig wird und sich besinnt und dann, das klingt jetzt wieder wie ein Scherz, es ist aber gar keiner, macht mein Hirn folgendes, es spielt in Partylautstärke etwas ab, immer macht es das, wenn ich meditieren will, wie ein furchtbarer Mitbewohner in einer WG dreht es Musik auf und ich höre also gottergeben: “CAN YOU HEAR THE DRUMS, FERNANDO?” Immer wieder dieses Lied. Nicht dass es ein schlechtes Lied wäre, eher im Gegenteil, aber es stört doch ein klein wenig, wenn man meditieren möchte und es zu laut läuft.

Aber mit so einer tickenden Uhr, da hört man die Drums ja quasi selbst und muss sich keine Musik vom Hirn vorgaukeln lassen, und ich denke an vor Urzeiten gelesene Bücher über Meditation. Um die Lücken zwischen den getickten Sekunden ging es da, dass man die finden kann, dass man da quasi hineingleiten kann, also geistig jedenfalls. Blasen und Beulen in der Zeit, Sie kennen das vermutlich. 

Ich habe weiterhin keinen Zugang zur Meditation, aber ich kann, das wollte ich nur eben sagen, ganz hervorragend beim Suchen nach dieser Lücke zwischen den Sekunden einschlafen, denn Herr, es ist Zeit und die Lücke ist sehr groß, und da bin ich auch schon weg. 

Ich brauche in Hamburg wohl auch so eine laut tickende Uhr. 

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci! 

Ein Dank zwischendurch

Ich will es so halten, dass die Herzdame oder ich uns jeweils für die Geschenksendungen vom Wunschzettel zwischendurch bedanken, denn Sie wollen ja auch wissen, dass die Sachen angekommen sind, für die Trinkgelder aber danke ich weiterhin zum Monatswechsel.

Es erreichte mich ein Füller aus privatem Bestand, Kaweco Sport (mit Sport wie in Blogsport) für die Interessierten, der ideale Unterwegsfüller, kleiner geht es nicht mehr. Da lag ein handgeschriebener Brief in geradezu vorzüglicher Handschrift bei, gegen die meine aussieht wie die eines betrunkenen Hooligans. Schlimm. Der Füller aber ist sehr gut, versteht sich. Es kam auch ein Metropolitan-Füller in rot, und das vielleicht noch als Tipp für alle, die gerne mit der Hand schreiben oder solche Menschen greifbar haben: Gucken Sie mal nach Metropolitan Pilot, wenn es um Füller geht. Günstig, elegant und gut, bestens als Geschenk geeignet, ich benutze die gerne, Sohn II auch. Bei allem, was das Schreiben mit der Hand betrifft, sind hier Sohn II und ich ein Team, wir teilen auch Füller und Federn.  

Ein Notizbuch von Rhodia in Jackentaschengröße, damit die Notate mit den neuen Füllern auch jederzeit möglich sind. Rechtzeitig vor dem Sohn versteckt!

Für die Herzdame kam eine Lichterkette, es gibt also vermutlich bald ein NDR-Sommer-Special über die Beleuchtung unseres Gartens, nehme ich an. 

Für die Söhne gab es Fahrradzubehör, viel sogar und die Freude ist groß! Das mit den Rädern, also mit den Mountainbikes, entwickelt sich hier weiterhin leidenschaftlich. Gerade am Wochenende ist Sohn II zum ersten Mal soweit gewesen, mit ordentlich Anlaufstrecke über einen Graben in Nordostwestfalen zu springen – und ist dann daran einigermaßen spektakulär und mit erstaunlicher Flugstrecke gescheitert, immerhin ohne Knochenbruch. Er bleibt aber dran, versteht sich. 

Und dann gab es noch Samen der wilden Karde, da war mir die Herzdame mit dem Wunsch in Pflanzendingen einmal voraus, ich weiß nicht einmal, was das ist – aber das wird sich dann ja schönstens aufklären, wenn es wächst.

Ganz herzlichen Dank für alles, auch für die manchen Sendungen beiliegenden Zeilen! 

Jetzt machen wir eine spontane Radtour, das neue Zubehör will eingesetzt werden. 

***

Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!