Links am Morgen

Ich vergleiche mich manchmal mit einem Welpen und mit einem alten Hund. Und wenn Sie sehen, wie ein Welpe mit wedelndem Schwanz ums Gehöft rennt und alle freudig begrüßt und wie dann der alte Hund irgendwann in der Sonne liegt, alles schon erlebt hat, alles kennt, über alles Bescheid weiß und nicht mehr bei jedem Briefträger, der vorbeikommt, bellt, dann ist das auch so ein bisschen wie ein Liedermacher in seinem achten Lebensjahrzehnt.

Reinhard Mey über sein neues Album “Das Haus an der Ampel”.

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Zum Geschichtsunterricht, heute geht es lang und interessant um den Begriff der Krise:

Gegen­wärtig leben wir im Schatten einer Pandemie, die häufig als Corona-Krise bezeichnet wird. In ökono­mi­scher Hinsicht wird sie regel­mäßig mit der Finanz­krise (ab 2007) vergli­chen, in poli­ti­scher Hinsicht mit der soge­nannten Flücht­lingskrise (2015), in ökolo­gi­scher Hinsicht mit der Klima­krise. Der Krisen­be­griff erlebt inzwi­schen eine Art von Infla­tion: Eine Krise geht zu Ende, sobald die nächste Krise ausge­rufen wird.

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Über Fimmel.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Merci! 

Ohne Pointe, lieblos angebittert und durchterminiert

Auf dem Weg zum Garten fahre an einem aufwändigen Kreidebild auf dem Radweg vorbei, da geht es um vegetarische oder vegane Ernährung, ich habe mich mit den Details gar nicht befasst. Ich habe nur kurz das bunte “Eat fruit not friends” gesehen, bin abgestiegen und habe routinemäßig ein Foto machen wollen, quasi Chronistenpflicht, siehe Bildbeweis anbei. Oder, wie es im Business-Kontext heute oft in eher seltsamer Englischübersetzung geschrieben wird: Bitte finden Sie unten das Bild dazu. Ich denke da immer an Ostern, bitte finden Sie Eier. Egal. 

Wobei die Pointe auf dem Bild allerdings fehlt, denn so interessant ist das ja nun auch nicht, dass da jemand irgendwelche Parolen auf den Radweg malt, aber es ist leider, wie es ist, die Pointe ist zu früh weggehoppelt.

Die saß da nämlich in Gestalt eines Wildkaninchens, ein ganz kleines Stück neben dem großen F von friends. Saß da in aller Ruhe, kaute an einem Kräutchen und sah dabei eher beiläufig zu mir hoch, ob ich das da denn auch lese? “Okay”, sagte ich, holte das Handy raus und wollte gerade das Bild knipsen, da hat sich das Kaninchen grußlos verdrückt, seitwärts ins Straßenbegleitgrün.

Dabei hätte ich ihm doch noch zeigen können, dass ich eine monströse Melone und Erdbeeren im Fahrradkorb hatte, total passend zum Schriftzug! Na, egal.

 

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Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm) am

Das erinnerte mich daran, dass neulich ein Sohn den längst vergessenen Manfred Kyber aus dem Regal zog und darin las. Ich habe eine Ausgabe seiner wunderbaren Tiergeschichten in Frakturschrift, das fand er interessant.

“Manfred Kyber”, sagte ich, “der hat bestimmt entscheidend dazu beigetragen, dass ich in meinen Texten manchmal mit Tieren rede. Und die Herzdame sah mich groß an und fragte: “Du machst bitte was?!”

Ich erklärte, dass ich in den Blogartikeln gelegentlich mit Tieren, also nicht oft und nur so nebenher, aber eigentlich dann doch und jedenfalls – die Herzdame sagte: “Du machst was?!”

Ich habe es, das wollte ich nur eben noch anfügen, auch nicht immer leicht hier.

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Ein erstes Mal, wie es viele Menschen in diesen Wochen haben: Ich war zum ersten Mal seit dem 13. März wieder in einem gastronomischen Betrieb. Es gab Eiskaffee in Eppendorf, wo ich meine Mutter besucht habe, die während der ganzen Coronazeit so gut wie niemanden gesehen hat. Und dieser Eiskaffee war so unfassbar schlecht, der schmeckte wie Konditoreikaffee 1987 in Scharbeutz oder so, das war lieblos angebittertes Wasser in kalt, mehr nicht. Da weiß man wieder, was einem eigentlich gar nicht gefehlt hat. 

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Ich kam, weil ich bei der Arbeit an einem ganz anderen Text assoziativ abglitt, auf alte Werbespots, etwa auf den ollen Jever-Clip, in dem sich, Sie werden sich gewiss erinnern, der Mann im sandfarbenen Trenchcoat rückwärts entspannt in die Dünen fallen lässt – obwohl er die bestimmt gar nicht hätte betreten dürfen – und die Erzählstimme sagt gerade: “Keine Termine.” Mir fällt, da ich trotz der letzten Wochen schwer und nachhaltig termingeschädigt bin, auf, woran ich damals nie gedacht habe, mir fällt also auf, dass es sowohl für den Sprecher als auch für den Schauspieler natürlich jeweils ein Termin war, diese Claim gewordene Terminlosigkeit zu inszenieren, die damals ein ganzes Land dauernd zitiert hat, sobald die Küste in Sicht war, und auch dieser Besuch der Küste war dabei für alle nur ein Termin, was sonst. 

Tiefsinniger wird es heute aber nicht mehr, Tiefsinn hat frühestens morgen wieder einen Termin. 

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Links am Morgen

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Eine Seuche ist eben kein Uhrwerk, das einem gleichmäßigen Takt gehorcht.

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Vielleicht nur etwas für Menschen, die sich geradezu hardcore für Kunst, Kreativität und die Finanzierung der Zirkusartistinnen interessieren, für die ist es aber auf jeden Fall etwas: Judith Holofernes lang und länger – in online-untypischer Gründlichkeit – über Patreon, die Crowd-Finanzierung und das Künstlerdasein. 


Für mich ist Patreon nichts, glaube ich, schon weil ich als Nutzer eine gewisse Aversion gegen Abos und auch gegen exklusive Inhalte habe, ich bin durch die Art meiner Blogposts und Linksammlungen gewohnheitsmäßig auf die Möglichkeit des offenen Teilens von Inhalten aus. Aber das soll keine Kritik sein, es gibt viele Möglichkeiten. 

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Links am Morgen

Ein Nachruf auf Irm Hermann

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Dieser Blog wird nach jedem Beitrag desinfiziert. Postings erscheinen in größeren Abständen und es greifen nicht mehr als 100 Menschen am Tag darauf zu.”

Man beachte bitte den letzten Satz im Text. Apropos seltsame Hygienekonzepte: Sohn II darf wieder reiten, aber nur ohne Handschuhe. Hä?

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Datteln

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Verfilzungen

Ich erinnere dunkel, dass in einem der Bücher von Charles Bukowski, die ich mit etwa siebzehn Jahren der Reihe nach weggelesen habe, der Satz stand: “Die Tage galoppierten wie Mustangs über die Hügel.” Vielleicht erinnere ich das aber auch völlig falsch, vielleicht ging der Satz ganz anders oder er war aus anderen Büchern, das mag alles sein, es ist immerhin verdammt lange her und schon gar nicht mehr wahr. Und warum überhaupt habe ich ausgerechnet diesen Satz behalten? Nur um jetzt festzustellen: Die Tage wehen wie Staubmäuse durch die Wohnung.

(Nachgelesen: Ein Buchtitel von ihm war es, The days run away like wild horses. So falsch lag ich gar nicht, mein Gedächtnis kann manchmal coole Sachen.)

Die Zeit franst aus und verfilzt sich, die Tage werden immer unübersichtlicher und füllen sich ganz von selbst auf eine Weise, die mir nicht ansatzweise recht ist, die schon gar nicht selbstbestimmt ist, es gärt alles so vor sich hin. Die Herzdame fragt, ob ich jetzt mal eben einen der Söhne begöschen könne, vielleicht aber habe auch ich sie das gefragt, es ist auch völlig egal, es geht alles durcheinander. Begöschen, das Wort habe ich lange nicht mehr gehört. Wir begöschen hier seit dem 13. März durchgehend und es wäre ganz reizvoll, wenn man sich einmal wieder selbst begöschen könnte, vorzugsweise durch ein paar komplett leere Tage oder wenigstens Stunden mit eingehender Betrachtung der Raufaser im Schlafzimmer. 

Ich schreibe neben der Homeschool etliche Mails und Nachrichten und erhalte, egal in welchem Kontext und von wem, es zieht sich einfach so durch, nur komplett irre Antworten. Es gibt so Tage und gestern und heute waren solche. Ich frage jemanden nach einer Zahl und er antwortet sinngemäß: “Die Zahl weiß ich nicht, aber ich kann dir den Wetterbericht vom letzten Jahr vorlesen.” Solche Antworten. Ich lese sie einmal, ich lese sie zweimal, ich sehe lange aus dem Fenster. 

Ich gehe um den Block, die Stadt hängt voller Plakate, die alle falsch gehen. Werbung für Veranstaltungen in den letzten Wochen, das Beste aus dem März, dem April und dem Mai, nichts davon hat stattgefunden. Es werden keine neuen Plakate mehr geklebt, alles geht nach, die ganze Stadt läuft nicht nach Fahrplan. Einige Hinweise auf Termine im Juni, die finden auch nicht statt. Ich gehe an den Plakaten vorbei und sage: “Nein.”

Dabei klingelt mein Handy, eine unbekannte Rufnummer. Ich gehe ran. “Sie verkaufen da ja online Leckmuscheln”, sagt jemand, ich sage: “Ach?” Er sagt: “Also wegen der Leckmuscheln …” Ich frage mich, was ich mich in solchen Momenten immer frage und was man sich gewiss auch tatsächlich ab und zu fragen sollte, nämlich wer ich eigentlich bin und was ich hier mache, es fällt mir aber gerade nicht ein. Mir fällt auch nichts zu Leckmuscheln ein, also rein gar nichts.Ich sage, dass ich keine verkaufe, auch nicht online, der Anrufer sagt: “Doch.”

Ich mache diese 4-7-8-Atemübung, die kennen Sie bestimmt, danach ist immer alles super oder man ist eingeschlafen, was will man mehr. Ich denke sofort wieder klarer, der Anrufer sagt: “Sind Sie noch da? Also wegen der Leckmuscheln …”, ich lege auf. 

Vielleicht sind das alles nur Hinweise, überlege ich, vielleicht sollte ich ja wirklich online Leckmuscheln verkaufen, was weiß ich denn. Letzte Ausfahrt Leckmuscheln, schon ist beruflich alles geritzt. Aber gibt es da denn eine Nachfrage, nach gebrandeten Modellen oder dergleichen vielleicht? Möchten Sie das Logo Ihres Arbeitgebers ablecken? Oder möchten Sie vielleicht Ihr Porträt auf Leckmuscheln drucken und die dann so als Give-Away unter die Leute streuen, also ich weiß ja nicht, aber die Geschmäcker sind eben verschieden. Hipster-Leckmuscheln mit Basilikum-Ziegenkäse-Feige-Geschmack. Die gibt es noch nicht, glaube ich, lassen Sie mich durch, ich bastel einen Business-Plan

Ach, egal. Falls der Anruf ein Hinweis war, so einer wie in einem Game, dann habe ich ihn dummerweise nicht verstanden. Macht nichts, wir singen gemeinsam mit Udo Jürgens: Und immer, immer wieder geht ein Level auf. 

Morgen zum Beispiel, morgen ist noch so ein Tag. 

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Ein faszinierender Zufall, gleich zwei Bloggerinen schreiben über das Riechen mit Maske. Hier geht es um Freesien, hier um Deo. Andererseits ist es aber auch ganz nett, gewisse Düfte mit Maske gar nicht erst wahrzunehmen, etwa wenn man durch den Hauptbahnhof geht. 

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Till Raether hat die “Kinder vom Bahnhof Zoo” noch einmal gelesen, mit interessanten Bemerknissen

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Die Schulen im nächsten Halbjahr: “Statt eines großen Wurfs dürfte es auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinauslaufen.Alles andere wäre aber auch ein Wunder, ein großes. 

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Links am Morgen

Es wird warm, man muss nicht nach Spanien.

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Bei der ganzen Diskussion rund um Ganztagsschulen und Nachmittagsbetreuung geht es im Prinzip immer nur um Quantität: Es soll irgendjemand auf die Kinder aufpassen, damit die Mütter arbeiten können. Doch die Qualität der Betreuung ist wichtig, nur so kann wirklich soziale Ungleichheit ausgeglichen werden. Einerseits braucht es ein multiprofessionelles Team von PsychologInnen, SozialarbeiterInnen und anderen ExpertInnen, die mit den Kindern arbeiten. Lehrkräfte können unmöglich neben dem Unterricht psychosoziale Beratung leisten und sollen es auch nicht. Dann gibt es einen Punkt, den ich wichtig finde und der nicht einmal so viel Geld kostet: Es müssen schulfremde Anbieter, Kultur- und Sportvereine integriert werden. Niemand hat sich überlegt, dass die Kinder in der Ganztagsschule nicht mehr an solchen Angeboten teilnehmen können, und die Vereine jammern umgekehrt um den mangelnden Nachwuchs. Hier braucht es aber auch jemanden, der das professionell koordiniert, das kann kein Schulleiter nebenher machen.

Gefunden via Nicola Wessinhage auf Facebook. Seltsam nur, dass im zweiten Satz lediglich Mütter erwähnt werden. Ansonsten sehr interessantes Interview, der zitierte Absatz ist ein wichtiger Punkt, den ich seit Jahren schon so gebetsmühlenartig wiederhole, dass im Bekanntenkreis alle weglaufen, wenn ich nur damit anfange. Ja, es muss alles, alles in den Ganztag integriert werden, wenn er denn das gültige Konzept ist, wovon ich allerdings etwa ab Klasse sechs nicht mehr überzeugt bin. Mein Eindruck ist mittlerweile , dass der Ganztag bei jüngeren Kindern enorm zur Chancengleichheit beitragen kann und muss, bei älteren Kindern aber irgendwann in eine Nine-to-five-Logik kippt, die nicht mehr zeitgemäß ist, seit Corona schon gar nicht mehr. Großartiges Thema, könnte ich Stunden mit verbringen. Im Text steht “Niemand hat sich überlegt …”, und wenn man sich damit beschäftigt, dann hält man irgendwann für möglich, dass dieser Satz genau so stimmt.  

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Was stört

Mir ist heute etwas aufgefallen, ein Aspekt der Schulsituation, den ich noch gar nicht bedacht habe. Vielleicht brauchte das ein paar Wochen. Wenn ich das ganze Drama des Homeschoolings und des reduzierten Unterrichts nämlich einmal eher positiv betrachte, wozu ich ja nur aus der Elternrolle kurz in die Perspektive der Söhne wechseln muss, die fast alles in der aktuellen Situation ziemlich okay finden, dann stelle ich fest, dass das Lernen jetzt – die Söhne haben beide an jedem zweiten Tag Unterricht in der Schule – ziemlich zuverlässig läuft, sogar halbwegs gechillt läuft, wie ein Sohn sicher sagen würde, gechillt aber eben doch stetig. Im Grunde sogar erstaunlich stetig. Es wird gleichmäßig Stoff zugeführt und es wird auch zunehmend Stoff selbständiger aufgenommen, und da kommt auch die Erkenntnis gleich um die Ecke. 

Denn es ist ja so, die Söhne schreiben schon seit Mitte März keine Arbeiten und Tests mehr und jetzt wird allmählich deutlich, wie sehr die all die Jahre gestört haben. Aber nicht, weil sie so unüberwindlich waren, nein, einfach nur, weil sie einen im Grunde völlig unnötigen Stress ins System gebracht haben. Hektisch große Mengen Stoff ins Kurzzeitgedächtnis baggern, unnötige Spannung durchleben, nach der Prüfung alles gleich wieder vergessen – da machen zwar alle brav mit, weil man es anders überhaupt nicht kennt, das war ja auch schon immer so und wird sicher auch bald wieder so sein, aber ich möchte nach den Erfahrungen hier dann doch einmal laut denken: Ohne diesen Stress geht es auch. Und es geht sogar ziemlich gut. 

Aus Sicht der Söhne und vermutlich vieler Kinder jedenfalls: Sie haben jetzt kleinere Klassen, viel mehr Ruhe in der Schule, einen entspannteren Lernalltag, spannende digitale Unterrichtsformen, deutlich weniger Stress und einen wesentlich ruhigeren Alltag ohne eng getaktete Stressintervalle. Na super. Ich brauche also noch einen Plan, um ihnen nach den Sommerferien – oder wann auch immer – erfolgreich zu verkaufen, dass die Normalität, also die alte Normalität v.C., irgendwie toll sein soll.

Und ja, ich weiß, dass es natürlich auch Kinder gibt, die der Lage aus diversen Gründen nichts Gutes abgewinnen können und dass es auch Kinder gibt, die nach wie vor kaum Schule haben und in jeder Hinsicht zu kurz kommen. Und ja, ich weiß, dass das alles aus Elternsicht eine vollkommen andere Geschichte ist. 

Aber das wir vielen Kindern gerade ganz unabsichtlich vorführen, wie Schule noch netter, besser und moderner sein kann, das wird am Ende auch nicht ohne Folgen bleiben.

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Links am Morgen

Patricia über den Lesefluss. Auch ein guter Romantitel: “Unten am Lesefluss”. 

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Der Sohn und ich, also der mit dem Bananenbrot und ich, wir haben beschlossen uns zu steigern, denn wir haben das hier gesehen. Demnächst dann. Oder wie der Sohn sagt: “Das machen wir aber sofort!”

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Hier was gelernt: Warum Telegram für Extremistinnen so attraktiv ist. Ich habe gerade die weibliche Form eingebaut, das ist ein interessanter Effekt, nicht wahr? Haben Sie Männer jetzt mitgedacht?

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Die Wände seiner Röhren tapeziert der Wurm mit Schleim und Exkrementen und stabilisiert sie so.” Dagegen, das muss ich auch einmal betonen, dagegen wohnen wir gepflegt. Obwohl es ja erschütternd ist, was man zu viert für einen Dreck macht, wenn man coronabedingt kaum noch vor die Tür kommt. Wir gehen nirgendwo mehr hin, nur noch in den Garten, und das auch nur, um dort noch mehr Dreck aufzunehmen. Nach Corona müssten wir eigentlich renovieren. Oder ausziehen, das wäre wesentlich einfacher. Da mal drüber nachdenken!

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Frau Akyün ist im exakt gleichen Timing und im gleichen Modus wie ich:


Das spricht dann aber auch wieder gegen das Renovieren, denn: “Die Tapete hält doch noch.”

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Verwirrungen

In der Fußgängerzone kommt ein Mann aus einem Drogeriegemarkt. Bürokleidung der besseren Art, er trägt aber keine Anzugjacke, nur das leuchtend weiße Hemd und die wehende Krawatte, der arbeitet also sicher hier nebenan, der wird, die Schilder an den Türen weisen es aus, Steuerberater oder Notar sein, so etwas in der Art, es passt schon. Graumelierte Schläfen, seniorige Ausstrahlung, aber dabei ein Gang, der noch eindeutig als zackig zu bezeichnen ist. Der will noch etwas erreichen, und dafür muss er vermutlich dringend zurück an seinen Schreibtisch.

Auf der Schwelle des Ladens bremst er abrupt ab und setzt sich eine Maske auf. Und während er das macht, fällt ihm etwas auf, ruckartig schnellen die Brauen zusammen und drängen steil nach oben. Er dreht sich um und guckt nach, wo er gerade herkommt, er dreht sich wieder um und guckt nach vorne, auf die Straße. Er schüttelt den Kopf. In seinem Gesicht gibt es eine plötzliche Bewegung wie zu großen Stummfilmzeiten, in seiner Mimik ist richtig etwas los, als ihm klar wird, dass er das gerade völlig falsch gemacht hat. Man trägt die Maske im Geschäft, nicht davor. Man setzt sie beim Reingehen auf, nicht beim Rausgehen. Er nimmt sie wieder ab und geht weiter, jetzt ohne zackige Schritte, fast etwas zögerlich. 

In diesem Zusammenhang auch dieser nachgereichte Bäckereidialog vom Sonntag:

Bäckereifachverkäuferin: “Haben Sie eine Maske dabei?”

Kunde: “Jawoll!”

Bäckereifachverkäuferin: “Könnten Sie sie dann bitte aufsetzen?”

Kunde: “Ich habe sie auf!”

Bäckereifachverkäuferin: “Nein.”

Kunde: “Oh.”

Und er betastete überrascht sein unverhülltes Gesicht. 

Aber gut. Es ist ein neuer Alltag und es dauert etwas, bis wir uns alle zurecht gefunden haben.Und wie es aussieht, haben wir noch genug Zeit dafür.

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