Lauben und Rauken

Verschiedentlich wurde in den Kommentaren nach mehr Bildern der Laube gefragt, auch von innen – okay, die mache ich gerne, das klappt am Wochenende, und dann auch mit der Kamera. Bitte sehr, bitte gleich.

Kritik gab es an den irgendwie südlich anmutenden Dekoleisten um die Fenster der Laube, diese Berghüttenoptik für Arme – nun ja. Es ist nicht so, dass man da sehr viel Auswahl hätte, denn das ist immerhin eine Laube von der Stange mit ziemlich wenig Extrawünschen. Lauben von der Stange gibt es quasi nur in den Trendrichtungen Südtirol und Schweden. Und das Modell Schweden kaufen gerade alle, da sind wir dann ja bockig, wir abgehobenen Exzentriker. An der alten Laube hing übrigens so ein Hirschgeweih aus Plastik, nein, es war ein Rehgeweih, aber egal. Das haben wir jedenfalls abmontiert und schrauben es natürlich an die neue wieder dran. Quasi Ehrensache. Dafür entfällt aber der Gartenzwerg, le Gartenzwerg, c’est moi.

Um die Laube herum ist erstaunlich viel Platz. Da ist genau genommen viel, viel mehr Platz, als wir uns vorgestellt hatten. Wir sind Anfänger, wir bauen zum ersten Mal, wir haben es noch nicht so mit dem räumlichen Vorstellungsvermögen. Da ist also mehr Platz und auch mehr Sonne als gedacht, da kann ich also noch verdammt viel pflanzen und Rasen säen und alles, denn auf dem freien Platz ist jetzt nichts, nur staubender Kies auf gefühlter Fußballfeldgrundfläche. In Wahrheit ist es wohl eher eine Beachvolleyballdimension, aber egal. Geht man einmal ums Haus, ist man schon dreckig wie Sau, so dermaßen staubt das da in diesen knochentrockenen Zeiten, die Sache mit der Rasensaat ist vielleicht ein wenig dringend. Arbeit ohne Ende also! Es ist ein Traum. Was ich jetzt nicht ironisch meine, ich hatte tatsächlich seit Ewigkeiten nicht mehr so viel Spaß an einer Aufgabe.

Was hier außerdem noch fehlt, das ist die seit Tagen versprochene Aufklärung über die Knoblauchsrauke. Es handelt sich dabei um eine wildwachsende und also garantiert unverpackte Pflanze, die in Hamburg reichlich vorkommt, die quasi an jeder Bushaltestelle wächst und essbar ist, wenn man sie nicht gerade da pflückt, wo dauernd Hunde und besoffene Fussballfans strullen. Sie schmeckt, das ist bei dem Namen jetzt total überraschend, eindeutig nach Knoblauch, man riecht aber hinterher nicht aus dem Mund. Hier ein wenig mehr zum Kraut.

Faszinierend an der Knoblauchsrauke ist, dass sie den meisten Leuten sofort schmeckt. Wenn man also Wildkräuter missionarisch unter die Leute bringen will, muss man Knoblauchsrauke pflücken – und nicht etwa Giersch, der viel weniger Leuten schmeckt, denn der geht ja geschmacklich eher Richtung Möhre, Petersilie, Sellerie. Das mit dem Giersch, das kann man zwar machen, das vermisst aber auch niemand dringend, wenn es nicht da ist. Aber Knoblauchgeschmack, na, siehe Bärlauch, da geht doch was. 

Wir haben reichlich Knoblauchsrauke im Garten, die direkten Nachbarn haben wir schon überzeugt, ein Blatt hat gereicht. Nicht kochen, nur roh verwenden! Blüten mitessen! Und mehr muss man auch gar nicht wissen, damit kann man schon pflücken gehen. Um noch einmal den Bogen zur Plastikfreisache zu schlagen – Kräuterbutter mache ich künftig natürlich selbst, da kommt dann auch diese Pflanze rein. Regional, bio, alles. So kämpft man sich Stück für Stück vor.

Apropos Rauke, die normale Rauke, die man auch im Supermarkt für den Salat kauft, die ist auch schon erntereif. Und bei der tritt jetzt das ein, was man so oft liest, wenn Gartenblogger von ihrem Gemüse schwärmen – sie schmeckt besser als die aus dem Laden. Bei Radieschen fiel mir das bisher nicht auf, immer ehrlich bleiben, aber bei der Rauke ist das gar keine Frage, es liegen Welten zwischen meiner und der bei Edeka oder Aldi. Meine ist deutlich würziger, die hat einfach mehr Kawumm. Und die eine reife Erdbeere, die bei uns schon anfiel und die wir uns feierlich zu dritt geteilt haben, weil ein Sohn gerade fehlte, die war auch unfassbar gut. Zuckersüß und aromatisch, sommerlich und sonnig. Noch zwei, drei Sonnentage und ich habe eine neue Erdbeere! Die teilen wir dann durch vier und jedes Stück wird großartig sein. Was für ein Spaß, ich fahre jetzt immer lachend an den Erdbeerverkaufshäuschen vorbei und kaufe nichts, gar nichts.

Ich denke, der Plan mit dem guten Zeug aus dem eigenen Garten geht auf.

 

Ein paar Links am Morgen

Die Holunderkrise. Gab es bei uns im Verein bisher nicht und Holunder steht tatsächlich auf meiner Einkaufsliste.

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Der Guardian über Gärtnerinnen und Gartenfreaks auf Youtube und Instagram. Der dort erwähnte Huw Richards erklärt übrigens sehr gut.

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Noch ein Update aus Frankreich zur Plastikfrage. Und hier noch ein paar Gedanken zur Plastiksteuer.

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Das ist nett, kaum ist eine stinknormale Arbeit ein paar Jahre ausgestorben, wird sie plötzlich zur Medienanttraktion. In fünfzig Jahren spielen die jungen Leute dann unsere Bürojobs nach.

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Ein DSGVO-Rant.

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Und hier hat jemand keine Lust mehr, das aber lesenswert. Und überhaupt, Bartleby könnte man auch mal wieder lesen.

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Können Schnaken stechen? Wieder was gelernt, die wollen nur trinken.

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Um meine kleine Reihe mit englischen Garten-Youtubern fortzusetzen – hier eine sehr ruhige Variante. Castle Hill Garden, da wird alles von einem älteren Herrn langsam und geruhsam erklärt. Wenn man keine Ahnung von Gärten hat, so wie ich, dann ist das super. Wenn man eine Pause von all der Hektik braucht, dann auch.

 

Ja, mach nur einen Plan

Natürlich gibt es diverse Möglichkeiten, seine Einkäufe und den Speiseplan zu strukturieren. Ich habe im Laufe der Jahre mehrere probiert, wir kehren jetzt versuchsweise zu einem System zurück, das wir vor längerer Zeit bereits verwendet haben, irgendwann kamen wir dann aus heute unklaren Gründen davon ab. Ein System, für dessen halbwegs konsequente Anwendung uns mehrere Leute im Bekanntenkreis damals für komplett irre gehalten haben, ich denke aber nach wie vor, dass es sinnvoll ist. Dazu gleich mehr.

Es gab da auch diesen Artikel, den ich natürlich gerade nicht finde, über das Paar oder die Familie, die ihre Mittag- oder Abendessen bis in alle Ewigkeit geplant haben. Die haben, wenn ich mich recht erinnere, eine fixe Abfolge einer endlichen Anzahl von Gerichten in den Kalender gekippt, dann ein Loop, – zack, fertig. Das ist auch eine interessante Idee und ich habe das tatsächlich schon einmal probiert, denn ich bin bei so etwas ja neugierig. Das hat aber nicht funktioniert, das scheiterte an der Lust. Denn wenn ich jetzt weiß, dass es nächste Woche am Dienstag Senfeier gibt, dann ist die Chance groß, dass ich oder zwei bis drei andere Familienmitglieder nächste Woche am Dienstag keine Senfeier möchten, so einfach und plangemäß sie dann auch wären. Dann schiebt man einen Tag, dann behält man die Eier im Sinn, dann schiebt man noch einen Tag und behält schon zwei Gerichte im Sinn, dann braucht man aber auch schon keinen Plan mehr. Diese Variante schied für mich also aus, zumal man da mit Mühe noch saisonale Faktoren einbauen müsste, die aber bekanntlich schwanken können usw. – kompliziert.

[Plötzlich Hunger auf Senfeier. Schlimm.]

Naheliegend war ebenfalls die Sache mit dem Wochenplan, das fand hier über eine lange Phase so statt. Ich habe immer am Wochenende einen tollen Plan für die nächste Woche gemacht, ich habe sogar richtig engagiert Stunden damit zugebracht, ich habe tolle Rezepte herausgesucht, ausgefeilte Menüfolgen entwickelt, die Resteverwertung bedacht, die saisonalen Faktoren etc., nur um dann diesen Plan ab Montag nicht einzuhalten. Weil Alltagswahnsinn. Das hat sich für uns auch nicht bewährt.

Und nun kehren wir erst einmal zum halbstrukturierten Essensplan zurück, den ich gerade für die martkfreundlichste Lösung mit saisonalen Optionen halte, und darum geht es ja. Je mehr wir auf dem Wochenmarkt kaufen, desto besser, denn desto plastikfreier, müllfreier.

Dazu malen wir ganz simpel hinter jeden Wochentag eine möglichst großräumige Essenskategorie, Montag Pasta, Dienstag Salat, so in der Art. Freitags natürlich Fisch, alte Regeln kann man ruhig auch mal klauen, am Sonntag dann mal was, was länger dauern darf oder den Braten für die Fleischfraktion, auch das ist eine alte Regel. Am Sonnabend Suppe, weil die im besten Fall für zwei Tage reicht, dann entfällt nämlich auch der teure Braten, was bin ich wieder für ein Fuchs. Am Donnerstag gibt es abends nur Brot, quasi klassisches deutsches Abendbrot mit Gewürzgurke und allem, dann muss ich nicht kochen und außerdem mag ich das ganz gerne so. Den Mittwoch lassen wir uns als Joker für den Imbiss an der Ecke, die Tiefkühlpizza (hurz!), besondere Kinderwünsche oder Senfeier, Risotto, was weiß ich. Für den ganzen Rest eben, der sonst nicht passt. Am Mittwoch sind wir also geplant spontan und entspannt, auf die hanseatisch-gemäßigte Art.

Was wird dadurch einfacher? Diese Vorgabe erleichtert die Detailplanung ungemein und lässt dennoch genug Raum für spontane Ideen, weil man etwa mit Nudeln so ziemlich alles essen kann, was man auf dem Markt eben findet. Ich muss aber trotzdem nicht ganz von vorne nachdenken, was könnte man denn heute bloß mal essen, ich denke nur noch im reduziertem Nudelrahmen und ja, das ist wirklich viel, viel einfacher so. Ich habe einen Wochenmarkt am Montag, da kann ich dann für die Nudeln und auch gleich den Salat am nächsten Tag einkaufen, da muss ich in keinen Laden mehr. Einen Salat muss ich nicht planen, irgendwas kaufen, zusammenschnippeln, fertig. Mittwoch dann Döner an der Ecke, am Donnerstag Schnittchen und dann ist dann auch schon wieder Markt, da kann ich den Fisch kaufen und das Zubehör für die Suppe am Sonnabend und auch Gemüse für Sonntag, wenn ich richtig gut bin.

Soweit die Theorie. Wenn der Plan mal einen Tag nicht funktioniert – das macht überhaupt nichts. Dann macht man am nächsten Tag eben stur normal weiter. Es ist jedenfalls alles besser als das vollkommen unstrukturierte Spontanverhalten mit der viel zu hohen Wegwerfquote der letzten Monate. Jetzt werden wir mal eine Woche sehen, ob das wirklich Müll spart, was ich mir da denke, aber ich glaube schon.

Über die Frage, wie man dem Verpackungswahnsinn an den Kühltheken entkommt, ohne preislich in dramatische Dimensionen für Wurst und Käse abzudriften, muss ich noch etwas nachdenken, das scheint mir eher nicht leicht lösbar zu sein. Aber versuchen werde ich es doch. Wieso bekommt man im Discounter oder sonstwo eigentlich keine größeren Packungen mit Wurst oder Käse? 400 Gramm, 600 Gramm? Die würden auch schon etwas helfen. 

Na, mal sehen. Es ist Montag, es gibt Nudeln. Mit Tomaten vom Markt und Rauke, Knoblauchsrauke, Ampfer und Schnittlauch aus dem Garten, nach der Arbeit schnell gepflückt. Total unverpackt! Weil ich es kann. Außerdem gibt es dazu Mozzarella, und da ist es dann wieder, das Plastikproblem.

Die Schönwetterlücke

Und da war sie wieder, die Schönwetterlücke im Blog, pardon, ich war im Garten, auch über Nacht. Ich nehme da übrigens immer das Notebook mit hin und denke, dass ich da ja auch arbeiten könnte, bloggen könnte, schreiben könnte. Und dann habe ich leider doch wieder keine Sekunde Zeit für irgendwas mit Tasten oder Bildschirm, weil die Sachen mit den Blättern und Wurzeln gerade viel spannender sind.

Die Laube ist jetzt fertig, so sieht sie aus, also Zwischenzustand:

Außen wird noch einmal gestrichen, innen wird überhaupt noch gestrichen, aber die Söhne und ich, wir haben es schon einmal getestet – es schläft sich da oben ganz wunderbar.

Deswegen fiel also auch 12 von 12 in diesem Monat aus, und mir kommt es nicht richtig vor, dass am nächsten Tag nachzuholen, Formatspießer, der ich bin. Wenn 12 von 12, dann am 12., nicht am 13. Das haben wir schon immer so gemacht!

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Bei Sven gibt es ein Update zum Plastikfreithema.

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Und hier ein ganz wundervoller Beitrag aus Frankreich zum Thema.

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Zu der Aktion darf ich auch Johnny (aka Sohn II), acht Jahre alt, zitieren, der mir wie folgt diktiert: “Man versteht das mit dem Plastik gar nicht immer. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob die Paninibilder mit Plastik sind. Die sind doch nicht nur aus Papier? Ich möchte ja später wenigstens ein halber Selbstversorger werden, dann brauche ich weniger Plastik. Radieschen, Himbeeren, Kartoffeln, Erdbeeren, Blaubeeren, Kürbis, Apfel, Birne, Kohlrabi, Giersch, Löwenzahn, Knoblauchsrauke, Liebstöckel, Minze, Birkenwasser und junge Birkenblätter, das kann man alles aus dem eigenen Garten holen, dann ist es nicht verpackt. Aber wenn ich mal einen Film sehen möchte – das geht dann nicht ohne Plastik. Das geht überhaupt nicht.”

Sohn I grübelt währenddessen wortlos darüber nach, ob Kaugummiverpackungen mit oder ohne Plastik sind, denn ein Leben ohne Kaugummi – da scheitert die Vorstellungskraft. Die Herzdame weiß es wiederum bei Kaffeeverpackungen nicht genau und alle drei fragen sich, was denn eigentlich mit dieser Alufolie um die Schokolade ist. Wie schlimm ist die denn nun? Alu ist in der Ökobilanz sicher schlimm, aber ist es abbaubarer als Plastik? Das haben wir auch wieder nicht in der Schule gelernt. Das Thema Verpackung ist wirklich sehr, sehr kompliziert.

In den Kommentaren am Anfang der Aktion kommentierte jemand wie folgt: “Ob der Ansatz “es soll alles so bleiben wie immer, nur jetzt plastikfrei” so wirklich zielführend ist … “ – wozu ich noch sagen wollte, dass das natürlich Absicht war. Selbstverständlich könnte ich komplexe Maßnahmen ergreifen, den Alltag radikal ändern, ich könnte vermutlich auch Kooperationen mit Firmen eingehen und ausführlich Sachen testen, die bei der Unverpacktsache weiterhelfen, das würde alles gehen. Das macht aber sonst kein Mensch, und das fand ich wichtig, mich zunächst mehr oder weniger normal zu verhalten, denn der Durchschnittskonsument, der stellt seinen Alltag eben nicht noch heute tiefgreifend um. Der geht auch nicht drei Stadtteile weiter in den Unverpacktladen oder mit ausgewaschenen Tupperdosen zum Edeka, jedenfalls noch nicht – wobei ich das langfristig für vorstellbar halte. Der Durchschnittskonsument steht im Aldi vor den zwei Gurken, eine ohne Plastik, eine mit aber dafür bio, er zögert kurz, dann greift er zu. Nicht einmal eine Sekunde Bedenkzeit.

Die Erkenntnis ist natürlich klar, wenn man sich durchschnittlich verhält, hat man so gut wie gar keine Chance nennenswert Plastik zu vermeiden, schon gar nicht am Kühlregal. Man hat, um es noch einmal zu wiederholen, noch weniger Chancen, als man ohnehin schon immer denkt. Auf dem Wochenmarkt dagegen hat man ganz gute und auch vernünftig umsetzbare Aussichten, man braucht aber einen Plan, um auf dem Wochenmarkt sinnvoll einkaufen zu können, also einen Plan für mehrere Tage. Hat denn der Herr Otto Normalverbraucher heute eigentlich einen Plan? Oder ist Erika Mustermann eher der spontane Typ, worauf habe ich denn heute Appetit, oh, da sehe ich Lachs? Das weiß ich nicht, das kann ich nicht einmal raten. Der Durchschnittsverbraucher könnte rein theoretisch auch sofort seinen Konsum reduzieren, er müsste es auch, darüber schreibe ich im Wirtschaftsteil drüben bei der GLS regelmäßig. Das ist aber illusorisch, das wird so nicht eintreten, denn er will ganz sicher weiterhin billige Grillfleischpakete im Sonderangebot aus Massentierhaltung, verpackt in praktischem Plastik. Und er wird sie nur dann nicht kaufen, wenn er sie nicht bekommen kann oder wenn sie ihm zu teuer sind. Der Rest der Argumente ist egal, das muss man realistisch sehen.

Ich habe mir mittlerweile weitere Gedanken zu unserem Plan gemacht, das kommt in Kürze.

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Die Kaltmamsell erklärt, warum Carolin Emcke falsch liegt. Hierzu stelle ich fest: Die Kaltmamsell hat Recht.

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Patricia erklärt, warum Charlotte Roche falsch liegt. Hierzu stelle ich fest: Patricia hat recht.

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Hier im Blog scheitern einige Kommentierende an einer Fehlermeldung, die besagt, dass man zu schnell sei – ich habe noch nicht herausgefunden,woran das liegt, ich müsste mal eine ruhige Stunde zum Herumprobieren haben, aber das ist die falsche Woche dafür, diese Woche ist etwas voll. Sollte jemand diesen Fehler in seinem Blog auch gebastelt haben, gerne Bescheid geben, was da zu tun ist.

Na, irgendwann klärt sich auch das. Bis dahin kommentieren Sie bitte in Schrittgeschwindigkeit, mit konzentrierter Achtsamkeit und ungemein besinnlicher Ausstrahlung. Dann scheint es zu gehen. Mein Blog als Beruhigungsmittel, warum auch nicht. Meine rechte Hand ist schwer und ruhig, meine rechte Hand schreibt einen Kommentar. 

Ein paar Links am Morgen

Ach guck, unser Jugendzentrum hier in der brandeins.

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Ich habe drüben bei der GLS Bank ein paar Links zum Thema Arbeit zusammengestellt.

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Demnächst mal ansehen, den müllfreien Beach-Club in Hamburg.

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Barbara Vorsamer über die Blogfamilia. Der Workshopleiter, der da vom goldenen Zeitalter der Elternblogs sprach, das war ich, bekenne mich schuldig. Die Herzdame, Sohn I und ich haben über Content in Elternblogs geredet.

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Können Gärten und Balkone zum Artenschutz beitragen? Ich habe neulich übrigens einen ganz seltenen Schmetterling im Garten gesehen, wunderschön, der ist mir noch nie zuvor begegnet. Und ich dachte, das ist ja großartig, wie das hier klappt, kaum haste nen Garten, schon tummelt sich da alles Bedrohte, weil du eben so tolle Blumen und Büsche pflanzt, du guter Mensch! Dann habe ich dem Schmetterling etwas nachgeforscht und es war ein ganz gewöhnlicher Aurorafalter, der ist überhaupt nicht selten, der ist einfach nur hübsch. Und den kenne ich nur nicht, weil ich von Natur eben keine Ahnung habe. Ich sage es ja, kein Tag ohne Demütigung.

Musik!

Reduce to the max

Das letzte Update zur Plastikfreiexperimentphase kam von der Herzdame, da haben Sie vielleicht etwas bemerkt, einen kleinen Unterschied zwischen ihr und mir – sie redet in Geschäften nämlich sowohl freiwillig als auch lang und breit mit Verkäuferinnen und Verkäufern, ich tue das nicht. Das liegt zum einen an meinem Hanseaten-Hintergrund, denn ich bin tatsächlich recht norddeutsch und rede nicht mit fremden Leuten, wenn es nicht unbedingt sein muss, wir sind hier ja nicht am Rhein. Das liegt zum anderen auch daran, dass ich vor vielen Jahren mal soziophobe Phasen hatte, von denen mir bis heute ein heftiger Unwille geblieben ist, nämlich der Unwille in Geschäften zu reden, und das geht weit über das Norddeutsche hinaus. Das ist etwas seltsam, weil es keine Angst im engeren Sinne ist und auch recht leicht überwunden werden kann, wenn es denn sein muss – aber ich will und muss meistens nicht. Ich frage also in Läden nicht nach plastikfreien Waren, das muss alles schon so klappen. Im Grunde wurde das Online-Shopping speziell für Leute wie mich erfunden, aber wie bereits beschrieben, Online-Shopping ist aus anderen Gründen doof.

Soziophobie ist übrigens ein spannendes und allgemein recht unbekanntes Thema, wenn ich mal wieder zum Schreiben von Geschichten kommen sollte – es wird dort behandelt werden. Ich habe da so einen angefangenen Roman herumliegen, die männliche Hauptfigur darin hat ein gewisses psychisches Problem, obwohl natürlich jede Ähnlichkeit rein zufällig usw., nicht wahr, das kennt man. Den müsste ich mal weiterschreiben, den Roman. Wenn die Kinder ausgezogen sind oder so. Aber dies auch nur als kleines Outing nebenbei, denn man muss heute mit psychischen Defekten viel offensiver umgehen. Siehe Bayern, Sie wissen schon.

Am Dienstag habe ich jedenfalls bei Lidl alles gekauft, was nicht verpackt und gut für mal eben so zwischendurch war, das waren Bananen, Salatgurken (nicht bio, die waren in Plastik), Kohlrabi und Paprika. Aus. Irgendwer hatte hier kommentiert, dass es bei Lidl relativ viel Obst und Gemüse unverpackt gibt, das ist definitiv nicht so oder ist zumindest in diesem speziellen Markt nicht so oder war einfach an diesem Tag nicht so.

Ich kam danach an einem afghanischen Bäcker vorbei und kaufte Fladenbrote, der hat sowieso die besten Fladenbrote überhaupt, die hole ich da oft. Und die gab es auch ganz ohne Plastik und sogar ohne Verständigung, einfach die Hand aufgehalten und es wurde ein Brot rübergereicht, so muss das. Das Stück für einen Euro, Traumware, Traumpreise. Zwei Finger hochgehalten, zwei Stück, so gehe ich gerne etwas kaufen.

Zum Fladenbrot brauchten wir noch einen Dip, einen Käse, irgendwas. Dafür habe ich den Bioladen besucht, in der Annahme, dort irgendwas im Glas zu finden. Im Kühlregal war aber rein gar nichts auszumachen, also habe ich mich wieder an die ganz großen Aufgaben im Leben eines Mannes erinnert, denn der soll bekanntlich ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen, ein Buch schreiben und, das ist die denkbar schwerste Aufgabe, irgendwann einen schmackhaften vegetarischen Brotauftstrich finden. Das mit dem Buch, dem Baum und dem Sohn, das habe ich alles längst erledigt und sogar übererfüllt, ein Haus wird gerade gebaut. Okay, ich lasse bauen und es ist auch nur eine Laube, aber immerhin.

Vegetarische Brotaufstriche schmecken entweder nach pürierten Brekkies oder nach der Trägersubstanz, die die Produkte zusammenhält. Also z.B. nach Sonnenblumenkernen. Nichts gegen Sonnenblumenkerne, aber als Geschmacksträger ist die unweigerliche Vogelfutternote doch abzulehnen. Es gibt auch vegetarische Brotaufstriche, die hauptsächlich nach Aromen schmecken, grob zu unterteilen in Leberwurstartige, Italienischseinsollende, Indischseinsollende und Irgendwiemeerrettichverschärfte. Noch nie habe ich einen gefunden, der wirklich gut schmeckte, obwohl sie alle sicher gut gemeint waren und etliche auch erträglich schmeckten. Aber eben nicht richtig gut, also gut im Sinne von: “Oh toll, haben wir davon noch mehr?”. Viele Menschen mögen diese Aufstriche, weil sie sie wirklich dringend mögen wollen, denn wenn ein Mensch einen Entschluss fasst, ist er bekanntlich zu nahezu allem fähig. Beide Söhne hatten längere vegetarische Phasen, beide haben in der Zeit wild entschlossen etliche Produkte dieser Reihen probiert, keines wurde jemals wieder gekauft.

Aber am Dienstag geschah das Wunder, wir kauften “Rote Linsen Chili” der Firma Allos (nein, keine Werbekooperation) im Glas – und Sohn I und ich fanden es gut. Richtig gut. Nach all den Jahren! Gleich ein Glas leergefuttert.

Na gut, vielleicht waren wir auch einfach nur sehr, sehr hungrig und hätten in absehbarer Zeit auch Kistenholz oder Baumrinden benagt, so nach etlichen Stunden Garten ohne irgendwelche Nahrung, das kann schon sein. Ich kaufe das also demnächst lieber noch einmal, Versuchsreihen immer doppelt absichern, ganz wichtig.

Ich habe jedenfalls, das ist das eigentlich Interessante, wegen dieser Plastikfreigeschichte fast gar nichts gekauft. Und die paar Sachen, die wir dann hatten, die wurden regelrecht verschlungen. That was easy. Das hat sich am Mittwoch ähnlich wiederholt, es gab wirklich wenig. Jetzt müssen wir wohl oder übel darüber nachdenken, ob wir vielleicht in letzter Zeit generell zu viel eingekauft haben, denn das ist ja immerhin eine Möglichkeit. War unsere Wegwerfquote nicht vielleicht längst zu hoch? Das ist leider nicht auszuschließen, ganz und gar nicht. Man will auf alle Eventualitäten des Familienalltags vorbereitet sein, man kauft dies und das und jenes, schon ist alles rappelvoll in der Küche und wird dann doch nicht oder nicht rechtzeitig gebraucht. “Wann wollten wir denn was mit Huhn essen? Und ist das noch okay, wenn es so aussieht?”

Ich kaufe also mal eine Weile überhaupt nichts mehr auf Vorrat oder Verdacht, ich koche hier jetzt erst einmal alle Schränke und Gefrierfächer weitgehend leer und warte auf den wirklich dringenden Bedarf, bevor ich etwas kaufe. Und dringlich wird es, wenn die Kinder freiwillig Einkaufszettel schreiben.

Das ist zwar etwas abseits des ursprünglichen Projektgedankens, zugegeben, aber es vermeidet selbstverständlich auch Plastik, wenn man nichts oder deutlich weniger kauft, aus ökologischer Sicht ist weniger sicher fast immer besser.

Reduce to the max, das war früher ein bekannter Werbespruch mit beachtlichem Tiefgang, ich fand den super. Nicht wegen des beworbenen Produktes (das war der erste Smart, wenn ich mich recht erinnere, der hat mich nicht interessiert), sondern wegen der Erwähnung von Max, denn ein solcher bin ich ja auch, selbst wenn mich fast alle Menschen in meinem Bekanntenkreis mit dem vollen Maximilian anreden. Sobald ich Kontakt mit dem Ausland oder Bayern habe, bin ich aber wieder Max, denn Englischsprachige und Bayern verkürzen den Namen reflexmäßig.

Und reduce to the Max, das wollte ich jahrelang immer wieder in meinem Liebeswerben sinnvoll unterbringen, als Botschaft mit beachtlichem Tiefgang für beachtlich schöne Frauen, zumal ich ja – und das passte doch sensationell! – auch smart und eher klein … nun ja. Die Idee war ganz gut. Finde ich immer noch. Fand aber sonst niemand.

Aber heute könnte ich den Satz doch wieder sinnvoll unterbringen, beim Einkaufen! Und ich habe dazu auch schon eine Idee.

 

Ein paar Links am Morgen

Sascha Lobo über das Drama mit dem Datenschutz.

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Patricia Cammarata nachvollziehbar und anwendbar zu WordPress und Datenschutz. Bloggerinnen und Blogger bitte unbedingt lesen, der Rest kann weitergehen, es gibt nichts zu sehen.

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Und dann so: Auftritt Merkel.

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Es sind genug Brote für alle da.

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Den Hunger sieht man an den Handgelenken.

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Und es regt irgendwie keinen auf, aber wir müssen im Norden mal eben die Deiche erhöhen, und zwar ganz ordentlich. Klimawandel ne. Macht ja nichts.

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Über Mikroplastik im Biodünger. Macht auch nichts.

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Eine Plastiksteuer wird es so schnell nicht geben. Wozu auch, alles egal.

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Keine Ahnung, wie ich zu diesem Video kam, aber für einen kurzen nostalgischen Kick ist es zweifellos brauchbar. Also wenn man in den Achtzigern dabei war. Ich mag sehr, wie die beiden sich zwischendurch ansehen. 

Die Herzdame experimentiert: Plastikfrei

Sohn 2 liebt Experimente und war sofort Feuer und Flamme von der Idee, eine Woche plastikfrei einzukaufen. Und wenn Sohn 2 was will, müssen alle mitziehen. Da hilft nichts. Leider.

Große Lust hatte ich ja nicht, aber wenn ich so eine Aufgabe gestellt bekomme, nehme ich sie auch ernst. Nun haben wir schon drei Tage des Experiments hinter uns und ich sag mal so: gut läuft das nicht.

Am Montagmorgen bin ich schon daran gescheitert, weil ich vergessen hatte, mirveine Tupperdose für mein Pausenbrot mit zum Bäcker zu nehmen und somit das Brot in einer Plastiktüte mitnahm. Ich hätte wahrscheinlich auch um eine Papiertüte bitten können, aber dann ist das ja schon mittags ausgetrocknet und ich hätte es weggeworfen. Also musste ich mich entscheiden: mein halbes Brot in Plastik oder den Rest wegwerfen. Und jeden Tag neues Brot kaufen, dafür habe ich auch einfach keine Zeit.

Wie gut, dass ich noch Butter und Aufschnitt von der letzten Woche hatte und damit kein weiteres Plastik kaufen musste. Über mein Einkaufserlebnis an der Fleischtheke am Montagabend hat der Gatte schon hier berichtet. Das fand ich auch schon sehr enttäuschend. Am Dienstag sind wir nachmittags in den Garten gefahren und ich wollte gerne noch ein paar Süßigkeiten für die Kinder kaufen. Ohne Plastik und auch ohne Alufolie. Probiert das mal!

Auf meinem Weg kam ich nur an einer Drogerie vorbei, die aber auch viele Bioprodukte haben und ich war deshalb optimistisch, irgendetwas Süßes zu bekommen. Egal, ob die Kinder das nun mögen würden oder nicht, aber Hauptsache ohne Plastik.

Ich habe mich wirklich redlich bemüht was zu finden und habe bestimmt zehn Minuten alle Regal abgesucht. Leider Fehlanzeige. Dann bin ich zur Verkäuferin und habe sie gefragt, ob sie noch eine Idee hätte, was ich ohne Plastik und Folie kaufen könnte. Geschmack egal. Erst hat sich mich angesehen, als wäre ich nicht ganz dicht. Zusammen haben wir dann auch noch mal 5 Minuten die Regale durchgescannt. Und dann war sie selbst ziemlich schockiert, dass sie wirklich gar nichts ohne Plastik im Angebot haben. Wir haben sogar mehrere Schokoladen halb ausgepackt, um dann festzustellen, dass selbst die teuren Bioschokoladen unter ihrem Einwickelpapier noch Alufolie haben. Gummibären, Kekse, Reiswaffeln, Chips – alles in Tüten.

Am Ende habe ich ohne Einkauf den Laden verlassen und eine etwas verstörte Verkäuferin zurückgelassen, die diesen haltlosen Umstand auch sofort ihrem Vorgesetzten weiterleiten wollte.

Ich bin dann zum Bäcker gegangen und habe Kuchen gekauft. Leider für den dreifachen Preis, im Vergleich zu einer Packung Kekse. Beim Einpacken des Kuchens fragte ich dann auch vorsichtshalber nochmal, ob die Zwischenlegefolien auch plastikfrei sind. Die Zwischenlegefolien sind aus beschichtetem Papier und die Verkäuferin fand meine Frage auch ganz schön dämlich. Immerhin stand neben mir ein Kunde, der viel Verständnis für meinen Wunsch zeigte und mich dann ungefragt mit 1000 weiteren Informationen und Tipps versorgte, die er irgendwo im Fernsehen mal gesehen hatte.

Unser Abendbrot war dann etwas karg, da der Gatte nur Fladenbrot und so einen vegetarischen Brotaufstrich im Glas gefunden hat (Details dazu berichtet er selbst.) Und ich hasse vegetarischen Brotaufstrich. Für das Kochen war keine Zeit mehr, da wir bis um 22 Uhr im Garten waren. Mir scheint, der Versuch plastikfrei zu leben hat den Effekt, dass man am Ende gar nichts mehr isst, er ist damit noch besser für die Figur als zuckerfrei zu leben.

Gestern sind wir gleich nach der Arbeit in den Garten gefahren, weil wir da einen Termin mit den Laubenbauern hatten. Das heißt, es musste schnell gehen und weil da auch noch ein spätes Mittagessen, Kuchenessen und Abendessen geplant war, mussten wir das auf dem Weg mal eben im Supermarkt kaufen.

Leider hatte dieser Supermarkt weder einen Bäcker noch eine Frischetheke. Deshalb bin ich kurz zum Bäcker rübergegangen und habe die letzten zwei labberigen, ekeligen Pizzastangen und eine Platte Butterkuchen gekauft. Alles in Papier und mit Papierfolie getrennt. Und ein Brot für das Abendessen, leider wieder in Plastik.

Für das Abendbrot im Garten, wo wir mangels Laube noch kein ausreichendes Geschirr hatten, haben wir dann die reinste Plastikschlacht veranstaltet. Frischkäse zum Dippen, Würstchen und Kartoffelsalat (ein Pott und eine Gabel für alle). Und für das gute Gewissen eine Melone ohne Plastik, die dann aber mangels Messer niemand gegessen hat.

Fazit dieser Tage: ich ernähre mich hauptsächlich von Resten oder gar nicht, weil ich nichts ohne Plastik kaufen kann oder mit schlechtem Gewissen, weil es nichts ohne Plastik gibt. Unterm Strich habe ich deshalb aber insgesamt deutlich weniger Müll produziert, weil ich einfach weniger gekauft und nichts gegessen habe.

Die Milch der frommen Denkart

Falls da jemand gerade gestolpert ist, es heißt im Original bei Schiller tatsächlich Denkart, nicht Denkungsart, wie alle immer sagen, ich natürlich auch bis gerade eben. Immer Zitate googeln, bevor man sie schreibt, dann merkt man so etwas. Aber sowieso geht es heute um Milch, nicht um Klassiker.

Adelhaid schreibt hier auch über Plastik und Einkauf, das ist natürlich immer großartig, wenn andere da so mitspielen, “Wie früher!”möchte ich da immer rufen, “Wie früher!”. Blogstöckchen, die Älteren erinnern sich. 

Bei Sven ist die Milch auch noch einmal Thema, und die Milch haben wir familienintern reichlich diskutiert, denn der Rahm in der Flaschenmilch stört die Kinder hier auch. Was etwas seltsam ist, denn im Heimatdorf der Herzdame trinken sie die Milch ganz frisch, sehr fett und quasi euterwarm auf dem Hof nebenan, aber egal. Milch in der Flasche ist jedenfalls schwierig. Und schwer.

Und weil es alles so schwierig ist, habe ich gestern einen Experten befragt, das soll ab und zu ja weiterhelfen. Ulf Schönheim ist auch als Regionalulf bekannt, ferner Vorstand der nördlichen Regionalwert AG (nein, keine Werbekooperation) und er war auch schon einmal bei “Was machen die da”.

MB: Das Tetrapak-Dilemma – hat der laienhafte Privatkonsument eine Chance, bei Themen wie Milchverpackung etc. etwas richtig zu machen – oder reicht das Richtigmachen nur bis zur Regionalentscheidung, weil man weiter einfach nicht kommt?

US: Grundsätzlich gilt: Je näher dran, desto besser ist Mehrweg. Denn Glas und Flüssigkeiten durch die Gegend zu fahren verbraucht viel Energie. Man muss dabei auch berücksichtigen, dass große Molkereien auch große Einzugsgebiete haben. Das heißt, die Milch fährt im Extremfall schon mal 200 Kilometer, bevor sie überhaupt in der Molkerei ist. Und: Die Pfandflaschen müssen ja auch zurück.

Mein persönlicher Tipp für Normalkäuferinnen und Normalkäufer in Hamburg, die keinen Hofladen und keine Milchtankstelle um die Ecke haben, ist die Vier-Jahreszeiten-Milch von De Öko Melkburen. Die ist zwar im Tetrapak, kommt aber von drei Bio-Höfen direkt vor der Stadt und wird in der Meierei Horst abgefüllt. Leider hat die Meierei keine Flaschenabfüllung, aber das kann sich eines Tages bestimmt ändern. So lange finde ich es wichtig, kleine regionale Projekte zu unterstützen, die ziemlich viel richtig machen, bis hin zur muttergebundenen Kälberaufzucht.

Und mein allgemeiner Tipp für andere Regionen: Möglichst bio, möglichst nah, möglichst kleine Molkerei, möglichst Mehrweg. In Hessen zum Beispiel von der Upländer Bauernmolkerei, in Schwaben und Franken von den Schrozberger Milchbauern, im Norden von der Meierei Horst, den genannten Öko-Melkburen oder von der Bauerngemeinschaft Hamfelder Hof. Und noch ein Tipp: Viele der genannten Erzeuger bieten Besichtigungen und Veranstaltungen an. Dort kann man direkt mit den Menschen sprechen und ein Gefühl dafür bekommen, wieso sie so arbeiten wie sie es tun.

MB: Hat das Regionalthema mit dem Unverpackt-Thema und dem Plastikfrei-Thema überhaupt einen Sinnzusammenhang?

US: Naja, Sinn kann man sich ja überall basteln, sagt der Soziologe in mir. Aber ja, natürlich: je verpackungsärmer desto besser, und je plastikfreier desto besser. Denn bei Lebensmitteln und insbesondere bei Flüssigkeiten, die sich länger in Plastik aufhalten wie etwa Säften, ist eine Glasverpackung auch aus geschmacklicher und gesundheitlicher Sicht in der Regel besser. Und meistens kommt die Verpackung ja auch nicht aus der Region, das sollte man beachten im Sinne einer regionalen Ernährungssouveränität – was ja ein Ziel der Regionalwert-Bewegung ist.

Langfristig sollte es möglich sein, auch Verpackungen bio-regional zu erzeugen, zum Beispiel aus Abfällen der Lebensmittelproduktion. Die Forschung ist da schon recht weit – unter anderem mit Milchfasern  Dann sorgt die Milch nachher womöglich für ihre eigene Verpackung. Aber natürlich braucht man dann erstmal die Produktionskapazitäten. Und die kosten ziemlich viel Geld. Aber auch da wollen wir ja mithelfen.

MB: Warum eigentlich gibt es nicht mehr Märkte mit regionalen Zulieferern in der Stadt und gibt es dazu irgendwo Modellprojekte?

US: Ja, bald im Hamburger Oberhafen. Dazu kann ich in zwei, drei Wochen mehr erzählen. Oder in der Markthalle Neun in Berlin.

Aber grundsätzlich: Die klassischen Wochenmärkte leiden unter drei Dingen. Erstens: sozialer Wandel. Freitags und sonnabends funktionieren Wochenmärkte nach wie vor gut. Aber wer hat heute noch Zeit, zum Beispiel dienstagsvormittags auf den Markt zu gehen? Selbst auf dem Hamburger Isemarkt gibt es zu dieser Zeit Lücken, weil zu wenig Kunden kommen. Zweitens: Die Anbieter auf dem Wochenmarkt oder in Markthallen haben relativ hohe Personalkosten. Insbesondere im Vergleich zum normalen Supermarkt, der auf großen Flächen mit wenig Personal hohe Umsätze erzielt. Und: Wochenmarktstände müssen ihren kompletten Umsatz mit Lebensmitteln machen. Für viele Supermärkte sind frische Lebensmittel dagegen häufig nur noch Sonderangebotswerbung, damit die Kunden in den Laden kommen. Ihr Geld verdienen sie dann mit Convenienceprodukten, Aktionsware, Duschgel oder Kosmetik. Da kann eigentlich kein Wochenmarktstand mithalten, es sei denn, er kauft beim billigsten Großhändler.

Bei Markthallen kommt drittens dazu, dass die Mieten an guten Standorten in der Regel so hoch sind, dass sie kein kleiner Standinhaber zusätzlich zu den Personalkosten bezahlen kann. Oder dass die Lebensmittel dann furchtbar teuer werden. Eigentlich wäre das eine städtische Aufgabe: Neben sozialem Wohnungsbau für sozialen Markthallenbau zu sorgen, wo sich die Bewohnerinnen und Bewohner zu vernünftigen Preisen bei kleinen Erzeugern eindecken können. Solange das nicht der Fall ist, muss man es eben selber machen, zum Beispiel über Marktschwärmereien, Solawis und Mitgliederläden oder im größeren Zusammenhang über die Regionalwert-AGs, die es bald in fünf Regionen Deutschlands gibt. Und weitere Regionen haben Interesse.

Nach dem Interview fiel noch ein Satz, den ich hier mit aufnehme, weil er auch für die Experimentzeit bei uns wichtig ist:

US: Persönliches Engagement ist immer super. Aber man sollte sich damit nicht überlasten und nicht versuchen perfekt zu sein. Das macht nämlich unglücklich. Letztlich wäre das Plastikproblem auch eine Aufgabe der Politik. Irgendwo habe ich mal den Vorschlag gelesen, Kraftstoffpreise im Vorhinein langsam und berechenbar steigend festzusetzen. Liegen die realen Preise drunter, geht das Geld in einen Fonds. Liegen sie drüber, nimmt man Geld wieder raus. Dann wissen Verbraucher und Wirtschaft Bescheid und können sich darauf einstellen. Das sollte man dann praktischerweise nicht nur für Kraftstoffe, sondern gleich für alle Mineralölprodukte machen.

Soweit Ulf Schönheim. Wir halten währenddessen für die Mich das Zitat fest: “Möglichst bio, möglichst nah, möglichst kleine Molkerei, möglichst Mehrweg.” Das sage ich dann am Regal einfach auf und zähle ab. Easy.

Es wurde Regen für den Nachmittag angekündigt, vielleicht komme ich dann noch einmal zum Schreiben, denn es fehlt hier weiterhin der Dienstag, es fehlt mittlerweile auch der Mittwoch, es fehlt die Antwort auf die Frage, wo die Kartoffeln hin sind, was eine Knoblauchsrauke ist, warum ich mittlerweile fast gar nichts mehr einkaufe und warum das sehr erhellend ist, ich möchte fast sagen, es ist erschreckend erhellend. Aber keine Sorge, ich habe gestern und vorgestern alles stichwortartig mitgeschrieben, kommt alles.

Währenddessen wird im Garten die Laube gebaut, wir sind daher ein wenig abgelenkt, pardon. Immerhin aber ist die Laube nicht aus Plastik, Schwein gehabt! Allerdings: Die Holzstapel waren in Plastik verpackt. Schlimm.