Woanders – diesmal mit Architektur, Helgoland, Ostwestfalen und anderem

Hamburg: Ein Verriss der im Moment in Hamburg üblichen Neubauten. Ich hätte es vermutlich ganz ähnlich ausgedrückt, nur mit mehr Schimpfwörtern. Und ich hätte noch die Verwunderung darüber betont, dass man hier mehr und  mehr Wohnheinheiten baut, ohne wenigstens ein bisschen Gewerbe dazwischen zu setzen. Kein Kiosk, kein Laden, kein Café, nix.  Nur Schlafschuhkartons nebeneinander, immer noch einer und noch einer. So werden nie wirklich beliebte Gegenden entstehen, ich halte das für geradezu ausgeschlossen. Und ich begreife es einfach nicht. Die Hafencity ist natürlich eine bekannte Ausnahme, aber da kosten die Kartons auch etwas mehr. Bis das ein beliebtes Viertel wird, muss man es noch sehr gründlich runterrocken.

Norddeutschland: Helgoland wird die erste Gemeinde Deutschlands mit flächendeckendem Gratis-WLAN. Da müsste man sowieso mal wieder hin, aber man kommt ja zu nix.

Norddeutschland: In Wilhelmshaven sprühen die Senioren. “Das ist ja ‘ne Wissenschaft für sich.”

Fotografie: Bilder aus einem Dorf in Ostwestfalen. Es geht um die Versöhnung mit der Provinz, das ist immer ein gutes und dankbares Thema. In Nordostwestfalen, wo ich mich ein wenig besser auskenne, sieht es übrigens nicht viel anders aus. Link gefunden via Kwerfeldein.

Familie: Bei Frau Novemberregen können Eltern etwas über das Grüßen lernen.

Familie: Ein junger Vater kauft Äpfel.

In eigener Sache: Bei Frau Gröner kann man eine ihrer Hausarbeiten nachlesen, in der es um den Heimatbegriff in Blogs und auf Instagram geht, auch übrigens ein wunderbares Thema. Darin wird auch dieses Blog aufgeführt, mit der Sammlung “Der Rest von Hamburg”.

 

Zwischendurch ein Dank

… und zwar erstens an die Leserin Tamara K., die den Jungs einen Film vom Wunschzettel geschickt hat. Ganz herzlichen Dank!

Und zweitens an Bettina H. und Sohn Moritz, die uns doppelte Fußballsammelkarten  geschickt haben, was Sohn I übrigens Anlaß zur Vermtung gab, dieser Moritz könnte womöglich das netteste Kind der Welt sein. Rückpost folgt!

 

 

 

 

 

Der Lenz ist da

Sohn II ist verliebt. Das ist bei ihm keine dezente romantische Wallung, das ist ein Naturereignis.  Es ist spannend zu beobachten, viel spannender als etwa eine Sonnenfinsternis. Der Sohn  strahlt und  leuchtet, er schwebt zum Kindergarten. Er spricht nicht mehr, er säuselt. In der Kita baut er Höhlen aus Kissen und Decken, damit sich das Traumpaar in aller Ruhe küssen kann. Er ist entschieden heiratswillig und denkt über die passende Anzahl von Kindern nach, wobei er gerade Zahlen bevorzugt. Sechs oder acht oder so. Meinen leisen Hinweis, dass er nicht noch in diesem Jahr heiraten kann, den will er gar nicht gerne hören. Wann darf er heiraten? Als Erwachsener erst? Bitte?!

Geduld ist nicht seine Stärke, das hat er von  mir. Und auch in der Verliebtheit erkenne ich mich wieder. So gehört das nämlich, wenn schon, dann ganz. Und sofort und für immer.  Aber er ist noch nicht routiniert in der Liebe, es kommt noch zu Zwischenfällen. So ist es ihm nicht ganz gelungen, die Angebetete auf Händen zu tragen. Er hat sie nach einem kurzen Moment wirklich heldenhafter Anstrengung leider fallen lassen, was zu Beulen und Tränen führte und ihn etwas verunsichert hat. Ist das mit der Liebe etwa doch schwerer als gedacht?

Ich habe ihn natürlich getröstet. Denn gerade bei solchen Themen muss man als Vater präsent sein und Erfahrung weitergeben. „Das kann vorkommen“, habe ich gesagt, „wenn ich deine Mutter auf Händen tragen müsste, sie würde auch nach ein paar Schritten auf dem Boden liegen.“   Das fand der Sohn super, diese Erklärung, er war sofort getröstet, hat sich seinen Fehler verziehen und wieder neuen Mut gefasst. Da habe ich doch glatt mal eben eine Beziehung gerettet.

Nach dem Blick der Herzdame zu urteilen, muss  ich an meiner eigenen aber wieder etwas arbeiten.

(Dieser Text erschien als Sonntagskolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)