Ruckblog

Es ist ein etwas ruckartiger Frühlingseintritt in Norddeutschland, ist es nicht? Aber wenn schon überhaupt etwas ruckartig eintritt, dann soll es doch bitte der Frühling sein. Oder Reichtum, der wäre auch in Ordnung, wenn ich so darüber nachdenke. Oder die Rente. Oder die Weisheit, die Gesundheit, der Weltfrieden, das Ende des Klimawandels. Im Grunde gibt es ziemlich viele Dinge, die gerne ruckartig eintreten können, dieser Textanfang führt zu überhaupt nichts, ich nehme alles zurück und komme einfach nochmal rein. Nur den Frühling, den lasse ich stehen.

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Am Morgen verteilen wieder Menschen kostenlos Zeitungen im Hauptbahnhof, viele werden sie aber nicht davon los, niemand reißt sich um Zeitungen. Ich nehme auch keine, obwohl es diesmal die immerhin lesbare Süddeutsche ist, meine Zeit wird heute eh nicht dafür reichen. Meine eine S-Bahnstation reicht lektüremäßig einfach für gar nichts, manchmal fehlt es mir fast, eine etwas längere Strecke fahren zu müssen. Früher hab ich mal die Zeit im Zug gelesen, jede Woche, alle Teile außer Sport! War auch ganz nett. Klingt aber schon wie: “Früher bin ich mit der Kutsche zur Arbeit gefahren.”

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Am Montag noch eine Johannisbeere und mehrere Blaukissen, Schnittlauch und Petersilie gepflanzt, außerdem einen Wildblumenblühstreifen angelegt und einen Zaun begrünt, also theoretisch jedenfalls, wenn das denn da alles wächst, der Mai wird es zeigen. Es ist aber immer noch Platz in den Beeten. Es ist noch verdammt viel Platz in den Beeten. Demnächst Pastinaken, Möhren, Salat, Mairüben, Mangold, Dill säen. Die Vorbereitung des bescheidenen Kartoffelfeldes ist einhändig leider so gut wie unmöglich, ein zäher Kampf um jede Grassode, stellen Sie sich den Autor einfach terrierhaft knurrend und am Rasenteppich ziehend vor, das ist so abwegig nicht.

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Sobald ich im Garten bin, ist mir übrigens das Handy egal, und zwar dergestalt egal, dass ich stundenlang nicht draufgucke. Das ist keine bewusste Entscheidung gegen die Onlinewelt, aber der Garten ist nun einmal im Moment wesentlich interessanter. Wenn Sohn II und ich, also die Garten-Ultras dieser Familie, da stundenlang herumbuddeln, ist alles anderer eher nicht mehr so wichtig. Und das ist ganz schön, sich wieder so volle Möhre auf ein Thema konzentrieren zu können, das hat in den letzten Jahren vielleicht doch etwas gelitten.

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Es gibt heute Hühnersuppe, obwohl gar keiner krank ist. Ich bin so ein Rebell.