Lastender Spätsommer

Lastender Spätsommer, wie eine viel zu dicke, allzu warme Bettdecke, und so kuschelig es darunter auch sein mag, der Gedanke, sie irgendwann von sich zu werfen, aus dem Bett und in den Tag, nein, in den Herbst zu springen, dieser Gedanke ist schon auch ganz schön.

Hier gab es etliche schlaflose Nächte, so schlaflos wie zuletzt in den wilden Kleinkindjahren der Söhne (siehe hier, lange her), da kamen gerade diverse ungünstige Umstände zusammen, denen nur gemein war, dass sie alle nichts mit mir zu tun hatten und ich mich also mit Fug und Recht als komplett unschuldiges Opfer der Situation betrachten kann, was auch einmal erleichternd ist, dann spart man sich diese ganzen Umstände mit dem schlechten Gewissen. Aber wenn man sich nachts die Hände in Unschuld wäscht, dann schläft man dabei auch wieder nicht, irgendwas ist immer. Aber egal, schlaflos ist also schlaflos, woraus auch immer das resultiert, das Ergebnis issteckt doch immer gleich, man leidet schon nach zwei, drei Nächten ohne ausreichenden Schlaf zusehends unter fortschreitender Hirnerweichung und durch die gottverdammte, pardon, durch die übermäßige Hitze wird es auch nicht gerade besser, denn im Freundeskreis Dachgeschosswohnung weiß man natürlich Bescheid, wenn im Wetterbericht wieder von “Tropennächten” die Rede ist. Die Söhne schlafen seit ein paar Tagen wieder mit Kühlakkus im Bett. Wenn sie denn schlafen.

Ich erinnere mich ganz dunkel an eine Geschichte von Ephraim Kishon, die habe ich gelesen, als ich etwa dreizehn Jahre alt war, nehme ich an. Da ging es um eine Hitzewelle in Israel und darum, wie der angeschmolzene Autor da allmählich das Denken einstellte und zusehends an Wahrnehmungsstörungen litt. Er ging durch die Straßen von Tel Aviv (das ist geraten, aber es wird schon passen) und führte Selbstgespräche, ich kann das natürlich auch völlig falsch erinnern, aber egal, und er kommt dann jedenfalls nicht mehr darauf, ob es korrekt Afrika oder Arfika heißt. Es klingt plötzlich beides völlig plausibel, er sagt sich mehrmals verblüfft beide Varianten auf und bleibt ratlos, sein Hirn kann das einfach nicht mehr leisten, es ist alles durchgeschmort.

Was ich nur sagen wollte, in dem Zustand bin ich mittlerweile auch und wenn ich mir das Wort Arfika noch länger ansehe, wird es sich mir gefährlich gut einprägen. Oder Arfica. Bekannt auch als Lied von Toto.

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Wir haben im Garten Kartoffeln geerntet, das ist auch noch eine Erwähnung wert, denn die habe ich so angebaut, wie es wohl in keinem Lehrbuch steht. Ich hatte zwei neue Komposter aus Holz, diese einfachen Stecksysteme, für die ich nicht genug Füllmaterial hatte, um sie als regulären Kompost oder sogar als ordnungsgemäß geschichtetes Hochbeet zu nutzen. Die habe ich einfach mit frischem Rasenschnitt gefüllt und diesen mit etwas Kompost vom Recyclinghof vermischt. Da hinein habe ich im Mai Kartoffel gepflanzt und mich dann nicht mehr darum gekümmert, keine Minute lang – und es waren die dicksten und schönsten Kartoffeln, viel besser als die im Beet, das mache ich jetzt immer so.

Warum aber neben den Kartoffeln in diesen Kästen auf einmal auch prächtigster Topinambur wächst – es ist vollkommen unerfindlich. Aber was soll’s, der schmeckt auch gut.

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Musik! Dave Brubeck, Paul Desmond, Gerry Mulligan. Zehn wunderbare Minuten.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Trends and tolerance

Ich finde es weiterhin faszinierend, meine Texte in englischer Übersetzung zu lesen, hier etwa über trends and tolerance.

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In Berlin wird das Wasser warm.

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Darf’s noch ein bisschen Teer sein?

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Hafenluft. Oder, wie die Touristen immer ganz begeistert sagen: “Ah, es riecht nach Meer!”

Nein, tut es nicht.

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Climate crisis seriously damaging human health

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Am Wochenende waren wir im Garten und haben dort auch übernachtet. Dabei ergibt sich immer eine beträchtliche Offline-Zeit für die ganze Familie, in der News aller Art größtenteils nur noch aus den Beeten und Töpfen kommen, etwa die Eilmeldung von der ersten Erdbeere:

 

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Oder die lange, lange Meldung über das Wachstum der Feuerbohnen an nur einem Tag, es waren immerhin ungefähr vier Zentimeter. Twitter wurde natürlich stilsicher durch echtes Gezwitscher ersetzt, es war viel skandalfreier als die Online-Version, aber das liegt vielleicht nur an der fehlenden Übersetzung, wer weiß. Am Ende haten und disssen die Singvögel noch schlimmer als wir.

Wir haben den Staketenzaun endlich komplett fertiggestellt und sahen, es war gut. Die Menschheit teilt sich künftig in zwei Hälften, die eine sagt: “Ach, wie hübsch!”, die andere sagte: “Wieso steht jetzt da ein Zaun!” Wir lassen milde lächelnd beide Meinungen gleichberechtigt nebeneinander stehen, auch die der Ignoranten und Banausen, die nichts von dekorativen Aspekten im Garten verstehen.

Und tatsächlich war nicht nur der Staketenzaun gut, auch der Rest des Gartens war  – so etwas gilt stets nur nach Tagesform – besser als gedacht. Es haben im letzten Jahr doch mehr Stauden überlebt, die jetzt mit einer seltsamen Plötzlichkeit loswachsen (der Rittersporn! Hurz!) und volle Lotte erblühen, es sind wohl alle Bäume und Büsche gut angewachsen und produzieren sogar einige Früchte, am weitesten hat es dabei ausgerechnet die Nektarine gebracht. Mit etwas Glück bekommt in diesem Jahr jeder in dieser Familie eine. Immerhin! Dafür kränkelt der Pfirsichbaum jämmerlich vor sich hin da wird es keine Ernte geben. Ein Pflegefall.

Ein Sohn war am Sonntag auf der Bille als Stand-Up-Paddler unterwegs, also als Suppie, wie sich die Freundes dieses Sports wohl ernsthaft nennen, das ergibt übrigens auch eine seltsame Verbform: “Komm, wir suppen mal um die Insel.” Danach war er noch – ganz freiwillig – in der Bille baden, was wir jetzt im pluralis familiaris vergemeinschaften, wir haben also angebadet. So ein Wochenende war das.

Zwischendurch war ich sogar mit einem Sohn zuhause, um dort intensiv für die Schule Mathe zu üben, auch das hat trotz des guten Wetters hervorragend und in bester Stimmung geklappt. Das sind dann so die Sternstunden der Familiengeschichte, wenn einmal ein Plan aufgeht und keine Unzufriedenen zurücklässt, wenn einmal jedes Timing hinkommt, wenn einmal alles funktioniert – dann merke ich auch wieder, wie ungeheuer selten das bei uns vier Dickköpfen der Fall ist. Schlimm.

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Die letzten Arbeiten in den Schulen der Söhne sind mittlerweile geschrieben, es folgen einige ausgesprochen lästige und im Grunde völlig sinnlose, sich endlos ziehende Wochen bis zu den Sommerferien, es ist jedes Jahr das gleiche Drama. Dass die Wochen bis zu meinem Urlaub aber noch viel tragischer zu bewerten sind, das glaubt mir ja sowieso wieder kein Sohn.

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Währenddessen hat die Herzdame still und leise einen neuen Job angetreten und arbeitet jetzt festangestellt zum ersten Mal seit den Söhnen gleich viel oder tendenziell eher mehr als ich. Wir werden sehen, welche Auswirkungen das auf unseren Alltag hat, ich bin jetzt hier der flexiblere Part. Wir werden natürlich Aufgaben und Termine hin- und herschieben müssen, das ergibt dann wieder völlig unplanbare Kettenreaktionen, wobei allerdings auch gute Ergebnisse herauskommen können, bei denen wir uns dann vielleicht fragen werden, wieso wir denn nicht schon seit 2007 … man weiß es nicht.

So etwas ist jedenfalls immer spannend, und es soll ja auch bloß nicht langweilig werden.

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Musik! 36 Grad. Passt schon.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Es folgt Werbung

Tand, Tand

Hier wird Tik Tok erklärt, für Eltern quasi Pflichtlektüre.

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Ein Buchtipp, es ist interessanter als es vielleicht klingt. Tim Parks: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen, übersetzt von Ulrike Becker und Ruth Keen. Ja, noch ein Buch über Bücher, dabei gibt es doch schon zwei oder drei, ich weiß. Aber es sind dann doch ein paar Gedanken drin, die mir neu waren, etwa über globalisierte Literatur. Kann ich empfehlen.

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Sozialmeisenbauten

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Es ist keine Investition (!)

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Der Tag war ein Gartentag und ich habe zwar nur mit aller Vorsicht gearbeitet, da ich nicht schon wieder drei Monate wegen kaputter Arme arbeitsunfähig sein möchte, aber dennoch – Laubharken ist Hochleistungssport, wenn man den ganzen Winter nichts gemacht hat. Definitiv.

Es blühen Krokusse und Schneeglöckchen und noch etwas, das ich nicht mehr erkenne. Es müsste an der Stelle eine Glockenblume sein, aber im Februar? Ich weiß ja nicht. Die Magnolie hat die allerdicksten Angeberknospen, quasi Bullenklöten, und in ihren Zweigen sitzt das Rotkehlchen, zutraulich wie im letzten Jahr und singt uns was in einer schmetternden Fröhlichkeit, da kommen wir Menschen stimmungsmäßig noch nicht mit, wir fühlen da ja noch ganz vorsichtig hin, in diesen unerwartet maienhaften Monat, als wären wir gerade erst aus der Winterschlafhöhle gekrabbelt.

Wir entfernen schubkarrenweise tote Stauden und Zeug, Marie Kondo in den Beeten, alles, was schwarz ist, macht da definitiv keine Freude mehr. Der Rasen sieht aus, als müsse man ihn dringend mal aufschütteln. Der Grünkohl, den wir nicht rechtzeitig gegessen haben, wirkt allmählich auch nicht mehr genießbar, wer nicht kommt zur rechten Zeit. Das mit der pünktlichen Ernte haben wir immer noch nicht drauf.

Der Winter war nicht lang und nicht kalt genug für die Vogelmiere, die hat sich gedacht, ach, wachse ich einfach mal weiter. Sie liegt wie ein hellgrüner Schaum überall herum und pflückt sich leicht wie dahergewehte Watte, das ist eine schöne Arbeit mit schnell vorzeigbarem Ergebnis. Die Finger riechen nach Kraut und Boden.

Dennoch sieht der Garten wüst aus, von den vielen, vielen Mühen des letzten Jahres ist erstaunlich wenig zu erkennen, aber das ist nicht nur bei uns so. Das kommt in den Gartenbüchern übrigens immer zu kurz, wie sehr man im Frühling wieder von vorne anfängt, wie viel man nach dem ersten Eindruck im sehr frühen Frühjahr umsonst und weitgehend ergebnislos gemacht hat. Man muss das schon mögen und ich mag es sehr. Tand, Tand, ist das Gebilde von Menschenhand, drei Monate ohne Pflege und man sieht fast nichts mehr davon. Du arbeitest Dir einen Wolf, dann kommt die Natur und wischt da mal eben so drüber, es ist wie bei diesen Mönchen in Tibet oder wo das war, die diese Mandalas aus Sand anfertigen, die stets wieder verweht werden, kaum dass sie fertig sind. Und dann machen die Mönche einfach weiter, so auch wir. Die Hände im Beet und im Laub, es fühlt sich gut an, richtig gut.

Wir stehen später am Ufer der Bille und sehen ins Wasser. Der Himmel ist so blau über uns und spiegelt sich so freundlich in der sachten Strömung, ich möchte direkt in den Fluss springen und anbaden. Aber ich bin ja ungewöhnlich willensstark und bleibe also eisern auf dem Rasen stehen.

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I wish I could talk to you.

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Musik! Was wir über Jenny Wren noch nicht wussten.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Ein Jahr

Heute haben wir den Garten seit einem Jahr. In der Zeit bis jetzt, vor allem im Winter, habe ich sehr viel übers Gärtnern gelesen und irre viele Videos dazu gesehen. Nach dieser Erfahrung kommt es mir so vor, als sei ein Jahr für ein komplett neues Thema ein ganz guter Zeitraum. Ein Jahr, so lange braucht man wohl. Also jedenfalls wenn man volle Lotte interessiert ist, sonst sicher länger. Man braucht so lange, bis man die Grundlagen halbwegs kapiert hat, bis man die wichtigsten Autorinnen kennt, die entscheidenden Bücher, Zeitschriften und Informationsquellen. Bis man all die Blogs gefunden hat, die Instagramkanäle, die Twitterer, die FB-Seiten und Gruppen. Man ist dann immer noch und weiterhin Anfänger, aber nach einem Jahr kann man anfangen, das Thema auszudünnen.

Wenn ich morgen anfangen würde zu segeln, was eine ausgesprochen niedrige Wahrscheinlichkeit hat und nur als vollkommen willkürliches Beispiel dient, ich würde auch da von einem Jahr selbstgebastelter Grundausbildung ausgehen. Weiß ich das jetzt also auch. Wobei es faszinierend ist, dass man jeweils so gar keine Ahnung hat, was denn bloß das nächste Thema sein könnte – und es muss ja auch gar kein nächstes geben.Man kann auch lebenslang auf den bestehenden Interessen herumreiten, so ist es ja nicht. Ich habe allerdings gerade mal gezählt, ich komme auf etwa 15 Themen, mit denen ich mich im Laufe des Lebens ernsthaft beschäftigt habe, also voller Interesse, Hingabe, Wissbegier und in der Freizeit. Wenn ich mich der Einfachheit halber als etwa seit 30 Jahren erwachsen betrachte, was habe ich dann eigentlich in den anderen 15 Jahren gemacht? Desinteressiert und apathisch in der Ecke gesessen? Nein, vermutlich habe ich Bücher gelesen, Romane und so etwas. Auch nett.

Seit den ersten warmen Tagen in diesem Jahr habe ich in jeder möglichen Stunde etwas auf der Parzelle gemacht, vor allem natürlich Fehler. Mittlerweile sieht der Garten deutlich anders als vorher aus, genau genommen sieht er weiterhin nach jedem Wochenende deutlich anders aus. Gästen scheint es zu gefallen, ich bin natürlich nicht annähernd zufrieden – und das ist auch gut so. Ich wollte keinen Garten, um etwas fertig zu haben. Ich wollte einen Garten, um mit den Händen etwas tun zu können. Sollte er also zwischendurch versehentlich fertig aussehen, grabe ich da einfach alles wieder um. Aber es ist ja nicht fertig, es fehlen noch weitere Beete, wir haben keinen Teich, der Platz um die Laube herum ist nach wie vor viel zu kahl, es gibt keine Pergola, es gibt noch unberankte Zäune, ein Schuppen muss bald neu gebaut werden, die Hecke vorne gefällt mir nicht, gestern haben wir gesehen, dass der Weg anders verlaufen und die ganze Fläche überhaupt anders aufgeteilt werden muss – da geht noch was.

Die Laube ist noch am ehesten als fertig zu bezeichnen, zumindest innen, aber die ist ja auch Herzdamenterrain. Und die Herzdame kann vermutlich damit umgehen, dass etwas fertig wirkt, das ist ein wichtiger Unterschied zwischen uns beiden, sie ist wesentlich genussfähiger. Ab und zu beneide ich sie sogar darum. Aber nur kurz, denn für längere Neidgefühle fehlt mir einfach die Zeit. Sie setzt sich jetzt also in die Laube und macht, was die Damen in den Wohnzeitschriften auch immer machen, sie wirkt attraktiv und guckt ebenso glücklich wie entspannt, wobei ihr Kleid zum Sofa passt und die Sonne die Szene vorteilhaft ausleuchtet. Also nehme ich jedenfalls an, denn ich sehe das ja nicht, ich grabe irgendwo weiter hinten im Bild.

Jetzt lasse ich allerdings gerade etwas in meinen Bemühungen nach und mache hier und da auch mal etwas weniger im Garten, es ist zu heiß, es ist zu trocken und der Energieaufwand bisher war doch recht hoch, der entzündete Ellenbogen ist auf Dauer auch echt etwas lästig. Da mir aber neulich eine Dame nebenbei sagte, ich hätte deutlich sichtbar Muskeln entwickelt – das war es wert. Früher habe ich jahrelang Kraftsport gemacht und in wildem Bemühen Eisen gestemmt, um endlich kein Hänfling eh zu sein, nie hat das eine gesagt, nicht einmal. Und dann nur ein paar Wochen Bewegung mit Harke und Spaten – zack. That was easy!

Jetzt also erst einmal Sommerpause. Wie bei Mon Chéri, die werden im Sommer ja auch kühler gelagert und machen sonst nichts. Wir haben da so Liegen im Garten, da war ich noch nie drauf, es war immer so viel zu tun. Aber jetzt! Mal probeliegen. Und dann einfach abwarten, ob nicht Claudia Bertani in ihrem roten Cabrio am Garten vorbeifährt. Nur um dann betont lässig abzuwinken, die Kirschen essen wir natürlich selbst, diese Pralinen schmecken übrigens auch gar nicht.

Einfach mal dem Kürbis (sponsored by Patricia) beim Wachsen zusehen. Es ist die Pflanze, die ich am ehesten dabei erwischen könnte, wie sie wächst, wenn man da zwei Stunden konzentriert hinsieht, dann müsste man es erkennen können. Nächstes Jahr unbedingt mehr Kürbisse setzen! Kürbisse sind toll, auch wenn sie unverkennbar immer die Weltherrschaft anstreben, was sonst oft als abstoßend empfunden wird, etwa bei Präsidenten. Aber bei Kürbissen weiß man, sie werden sicher scheitern und hinterher gibt es gute Suppe. Gutes Konzept, das kriegen Präsidenten so nicht hin.

Die Sommerpause von Mon Chéri geht bis Mitte September, ich habe das gerade nachgelesen, ich lese ja jeden Quatsch nach. Die Sommerpause von Mon Max wird kürzer ausfallen und mit dem Blog hat sie nichts zu tun, das läuft hier alles weiter, eh klar.

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Außerdem: Annabell Dillig über Tourismus.

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Trinkgeld Juni 2018, Ergebnisbericht

Vielen Dank an die Leserinnen und Leser, die in diesem Monat etwas Geld über hatten! Ich weiß ja nicht, ob ihnen das klar ist, aber wenn das mit dem Geld im Hut so läuft wie in den letzten beiden Monaten, dann ersetzt das hier tatsächlich einen Auftrag und ergibt daher ganz im Ernst mehr Zeit und also Blogtexte. Ist das toll? Das ist ebenso toll wie unerwartet.

Wir haben das wie folgt umgesetzt, hier der Einkaufszettel aus dem Juni, volle Möhre Transparenz:

Zehn Sack Kompost von der Stadt. Ein Kilo Rasensamen. Saatgut für Lampionblumen, die überall freiwillig wachsen, an jedem blöden Zaun in dieser Stadt, nur nicht in unserem Garten, es ist wirklich ein wenig empörend. Zuckererbsensaat für 2019, ebenso Mangoldsaat, Freilandgurkensaat. Ein Lavendel, acht Glockenblumen, eine lilafarbene Malve, zwei Kandelaber Ehrenpreis. Einen schon sehr großen Rittersporn, den Sohn II unbedingt haben wollte. Außerdem gab es noch fünf rosafarbene Margeriten und sechs blaue Phlox, sagt man Phloxe? Phloxi? Phix und Phloxi, der Comic für den Bumenfreund, ich gerate hier schon wieder auf Abwege. Egal. Eine rote Spalierrose, ein Ziest, der klingt auch eher wie ein Gebrechen als wie eine Pflanze. “Sie haben Ziest.” “Oh mein Gott!” Eine rosafarbene Schafgarbe, welche die Herzdame für Unkraut hält. Schlimm. Einen noch ganz kleinen Schmetterlingsflieder, der aber schon üppig blüht. Zwei Kissen-Astern, eine Säckelblume, ein japanisches Blutgras, eine Staudenverbene. Ein Sonnenhut, eine Stockrose, ein Bartfaden, ein Köcherblümchen, von dem ich vorher noch nie etwas gehört habe.

Auf Instagram fragte jemand, ob es nun nicht bald genug sei mit dem Pflanzenkauf – nun, der Garten ist ziemlich groß, alleine das Staudenbeet ist über zwanzig Schritte lang und war praktisch komplett leer. Da passt was rein, man staunt. Wenn ich weiterhin jede Woche nur ein paar Pflanzen kaufe, ich mache das meistens ohne Auto, dann habe ich vermutlich zum Saisonstart 2019 eine halbwegs gute Ausgangslage. Nehme ich an. Aber hey, ich mache das alles zum ersten Mal.

Das Geld für Sohn I lief natürlich wie angekündigt separat direkt auf sein Konto. Eine Summe wurde außerdem ausdrücklich für den Erwerb von Backzutaten überwiesen, damit Sohn I backen und bloggen kann, auch das setzen wir bald genauso um wie bestellt.

Eine Schenkende schrieb: “Für Holz”, das dürfte dann also für Sohn II sein. Ich behalte das im Hinterkopf und setze es bei nächster Gelegenheit so um, was sicher nicht lange dauern wird.

Noch einmal, ganz herzlichen Dank! Es ist uns jedesmal ein Fest, dieses Geld empfangen zu dürfen. 

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, die Verwendung erfolgt in etwa wie oben beschrieben, saisonale Unterschiede nicht auszuschließen. Danke!

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Unter der Sonne Hamburgs

Noch einmal Enno Park zur DSGVO.

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Während bei uns im kleinen Bahnhofsviertel in jedem zweiten Haus ein Bäcker zu finden ist, der allerdings gar kein Bäcker ist, sondern, wie nennt man das denn, ein Backshop, also so ein Teiglingaufbackdings einer Franchise-Kette eben, machen auf dem Land die echten Bäcker nach und nach dicht und es kommen keine mehr nach. Hier ein Einzelfall etwas näher betrachtet. Dann legt er sich zu seinen Bäckern nieder – und er kömmt nimmer wieder.

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Für die GLS Bank habe ich hier etwas zum Thema Landwirtschaft zusammengestellt.

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Und dann wurde es noch heißer in Hamburg. Ich bin, ich weiß gar nicht mehr an welchem Tag, nach der Arbeit in den Garten geradelt, um ein paar Pflanzen mit ein paar Tropfen Wasser zu helfen, ich habe die Laube aufgeschlossen, die da in der prallen Nachmittagssonne stand und in der die Luft wie ein gefährlicher Glutball waberte, ich habe gelüftet und gemerkt, wie mein Kreislauf sich dabei sachte verabschiedete und gleich, Achtung, bitte, kommt wieder so ein Vergleich, den verstehen nur ältere Menschen, die damals ferngesehen haben, also ganz damals. Denn ich habe mich dann notgedrungen für ein paar Minuten in der Laube auf eine Matratze gelegt, ein Bett gibt es da nicht. Bullenheiß war es zu der Stunde im gesamten Garten, da konnte ich drinnen wenigstens weich liegen, dachte ich, und lag da also schwitzend wie in der Sauna, wobei ich in so etwas ja nicht gehe, aber egal. Dergestalt beschädigt lag ich jedenfalls da, dass ich mich fühlte wie Sebastian Flyte in der letzten Folge von “Wiedersehen mit Brideshead”, wo er da in Marokko oder wo das war völlig zugedrogt und verkommen unter sengender Sonne vor sich hin krepierte. Genau so entsetzlich fühlte ich mich ein paar Minuten lang, denn etwas Selbstmitleid ist manchmal die beste Medizin. Und dann ging es auch schon wieder.

(Wenn Sie Wiedersehen mit Brideshead versehentlich nicht kennen: ruhig mal lesen (Evelyn Waugh) und danach gucken. Beste Fernsehproduktion ever, es bleibt dabei.)

Am Freitagnachmittagnachmittag erreichte die Hitze dann Temperaturen, bei denen ein finales Gewitter doch irgendwie logisch und unvermeidlich erschien, es war, ich will das zeitgemäß ausdrücken, alternativlos. Wir waren im Garten, als die ersten Tropfen fielen, die dann schnell zu Starkregen wurden, der in geradezu irrer Geschwindigkeit drei Regentonnen bis zum Überlauf füllte und dann noch lange nicht aufhörte, es kübelte, es goss, es flutete nur so herab. Es blieb dabei aber weiterhin warm und tropisch, wir saßen bei weit offener Tür in der Laube und beschlossen, dort zu übernachten, mit diesem trommelnden Regen auf dem Dach und mit Blick auf die Pflanzen in den Beeten, die quasi sofort beschlossen, jetzt aber mal ordentlich zu wachsen, die sich streckten und reckten und mit allen Zellen gierig Wasser pumpten.

Ich lief noch einmal durch den Garten, um noch ein paar Zutaten für das Abendbrot zu pflücken, ich wurde dabei nass wie beim Duschen, aber es gab frische und regennasse Kräuter und Gemüse. Es war einer der besten Momente im Garten bisher, ach was, das war einer der besten Momente der letzten Jahre.

Zwiebeln! Das muss ich eben einschieben. Vom Anbau von Zwiebeln wird oft abgeraten, den Zwiebeln sind im Laden ja so billig, superschnell sind sie in der Entwicklung auch nicht gerade, besondere Hübschigkeit sagt man ihnen ebenfalls nicht nach und angeblich schmecken sie immer genau gleich, egal, wie und wo man sie anbaut. Man liest also: Zwiebeln eher nicht. Ich aber habe im frühen Frühjahr Zwiebeln gesteckt, Stuttgarter Riesen, da ist ja schon der Name toll. Beim Abendbrot fehlten uns Zwiebeln und mir fiel da erst ein, dass ich die ja im Beet habe! Viele sogar! Keine Ahnung, wie reif die sind, aber jetzt her damit. Ich habe die zwei größten Zwiebeln herausgezogen, wir haben sie feierlich angebraten und auf diese bescheidene Art wurde dann auch das äußerst lapidare und tausendmal wiederholte Anbraten von Zwiebeln endlich zu so einem herrlich intensiven Erlebnis, bei dem man ganz genau hinsieht, hinriecht, hinschmeckt, bei dem man also ganz Aufmerkamkeit ist, denn es waren ja meine eigenen Zwiebeln aus meinem eigenen Anbau, die hatte ich selbstgemacht, mit reichlich Hilfe der Natur jedenfalls.

Selbstverständlich waren sie schon durch diese völlig ungewohnte Aufmerksamkeit sensationell wohlschmeckend, fünf Sterne gar nichts dagegen. Das war also wie in diesen ganzen Ratgebern, die ich mit Anfang 20 gelesen habe, als ich noch genau wie alle glaubte, man könne mit ein paar Tricks besser leben und das Glück sei irgendein Instantprodukt, per Gebrauchsanweisung schnell und leicht verfügbar. Da ging es ja auch dauernd um die Aufmerksamkeit für den Moment, in diesen schnell verschlungenen Büchern, um Achtsamkeit und dergleichen, da muss man heute natürlich spontan brechen, wenn man dieses geradezu widerlich abgenutzte Wort nur hört, so verschlissen und ranzig ist das, aber unter uns und mit aller Vorsicht: Da ist dann vielleicht doch was dran. Die Zwiebel im Hier und Jetzt, die bringt einen schon weiter ans Glück ran. Ein kleines Stück.

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Nur versehentlich habe ich zwischendurch Nachrichten mitbekommen, als ich, einem dummen Reflex folgend, doch einmal aufs Handy sah. Einer aus der Nazipartei sagt also irgendwas, ich wiederhole so etwas nicht, ich arbeite mich daran auch nicht ab. Ich lese die Juni-Gedichte in der Reclam-Anthologie und zitiere kurz aus Tucholskys „Park Monceau“ die letzte Strophe:

“Die Kinder lärmen auf den bunten Steinen.

Die Sonne scheint und glitzert auf ein Haus.

Ich sitze still und lasse mich bescheinen

 und ruh von meinem Vaterlande aus.”

Reicht doch auch.

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Sie können hier Trinkgeld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, dann kaufe ich davon die Steckzwiebeln fürs nächste Jahr.

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