Anmerkungen zur Heckenbraunelle

Im Garten ist es gerade so, dass die Herzdame sich dringend um die Beete kümmern möchte, also sofern kein Gemüse darinnen ist, das Gemüse bleibt nämlich meines. Der Innenbereich der Laube ist für den Moment oder sogar für das Jahr fertig, da hat sie alles durchdesignt und aufmöbliert und innenausgestattet, und da sie aber nicht einfach unbeschäftigt sein kann, marodiert sie jetzt durch die Beete und macht dort alles neu und richtig, also nach ihrer Meinung. Ich gebe willig nach und beschränke mich darauf, die Vorteile für mich zu sehen, denn das ist erstens ungemein rückenschonend für mich, wenn sie da alles alleine macht, und das gibt mir zweitens die Möglichkeit, meinem Plan nachzukommen, in diesem Jahr mehr zu beobachten und mir die Natur mit allen Beteiligten genauer zu besehen. Viel genauer.

Ich stehe also neben der schwer schuftenden und mit beiden Armen bis zu den Ellenbogen im Boden steckenden Herzdame, gucke entspannt in der Gegend umher und bin auf meine Art und nach meinem Plan und auch noch zu ihrer Zufriedenheit beschäftigt. So soll es sein, quasi Toptipp für die gelungene Ehe. Zwischendurch gehe ich zu meinem Gemüse, sehe gelassen zu, wie es wächst, und sage beifällig: „Schön, schön.“ Wenn man die Beete erst einmal hat und wenn man von der Ernte nicht leben muss, versteht sich, ist der Gemüseanbau nämlich nicht sonderlich anstrengend. Radieschen sind schnell gesät, Zwiebeln und Erbsen sind schnell gesteckt. Und dann wartet man eben.

Ich setze mich für einen Moment auf die Hollywoodschaukel, ich schwinge im heute sachten Frühlingswind leicht hin und her und beobachte. Auf der Kätzchenweide, das sind diese kleinen Bäumchen mit den hängenden Ästen, sitzt oben wieder die Heckenbraunelle und singt und singt. Die Heckenbraunelle sieht aus wie ein stark abgemagerter Spatz, sie macht beim besten Willen nicht viel her, sie ist die Unscheinbarkeit in Vogelperson. Aber der Gesang! Der wird allgemein gar nicht genug gewürdigt, glaube ich, dabei ist die Heckenbraunelle so etwas wie eine Uptempo-Nachtigall. Schmissige Melodien ohne diesen nächtlichen Wehmutschmacht, ohne diesen bei der Nachtigall immer mitklingenden und tendenziell runterziehenden Anflug von Trauer und Mondsucht. Eher treibend vorwärts, eher schmetternd, eher licht, wenn nicht sogar vergnügt.

Ich lese die Lebensweise der Heckenbraunelle auf dem Handy nach. Sie hat ein etwas beliebig wirkendes Liebesleben, so lese ich. Sie lebt als Männchen eventuell mit mehreren Weibchen zusammen, als Weibchen aber auch vielleicht mit mehreren Männchen und die Variante, dass mehrere Weibchen mit mehreren Männchen alles durcheinander machen, also wirklich alles, kommt wohl ebenfalls vor. Freie Liebe! Das ist im Grunde ein Hippievogel im Normcoregefieder, hätten Sie das gewusst? Wenn wir die Texte ihrer Lieder verstehen könnten, wir würden uns wundern, glaube ich.

Im Flieder wiederum sitzt die Kohlmeise und hinten im Liguster sitzt das Rotkehlchen. Zum ersten Mal verstehe ich diese Dreiteilung des Gartens in Vogelreviere. Zum ersten Mal höre ich sie alle drei gleichzeitig und kann sie dabei korrekt unterscheiden. Ich höre und sehe sozusagen Vogelräume, das ist auch mal interessant. Die Reviere überlagern sich nämlich kaum, das war mir gar nicht klar. Das Rotkehlchen fliegt eher nach hinten weg, zu den lärmenden Partypeople mit den Grillorgien hinter der hohen Hecke. Die Kohlmeise weicht lieber zur Seite aus, auf das brachliegende Nachbargrundstück, und die Heckenbraunelle stürmt meist nach vorne los, über den Weg und in entferntere Gärten. Wenn man so sitzt und guckt, wie ich das gerade mache, dann sieht man das irgendwann, wie sie das machen und wie sich das aufteilt. Es fühlt sich sehr gut an, das verstanden zu haben. Warum auch immer, es könnte mir ja auch egal sein. Vielleicht fühlt es sich an, als hätte ich endlich mal gut aufgepasst, das mag sein, und dahinter steht am Ende dann doch wieder das verdammte Leistungsethos. Wo man auch hindenkt, man entkommt dem einfach nicht, es sitzt zu tief.

Aber egal, erst einmal weiß ich jedenfalls etwas mehr über diese drei Vögel und finde das also aus irgendwelchen Gründen gut. Man muss auch nicht alles bis zum doch wieder bitteren Ende durchdenken.

Und ich weiß übrigens bald auch, wo die vermutlich nisten, die drei Vögelchen, nein, ich weiß es sogar jetzt schon. Ich sitze und gucke und lerne und merke mir das.

Die riesenhafte Rabenkrähe oben auf dem Strommast, die auch die ganze Zeit sitzt und guckt und lernt, die merkt sich das allerdings auch.

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Kaum hat man etwas entdeckt

Im Garten sehe ich eine winzige und einsam wirkende Blüte im Gras, die kenne ich nicht, die sehe ich nach. Es ist ein Reiherschnabel, der gehört da nicht hin, schon gar nicht so überaus jammernswert alleine, aber auch sonst nicht. Der Boden ist da völlig falsch für ihn und es ist auch noch eine Stelle, über die dauernd jemand rübergeht, und jetzt muss ich also dauernd neben diesem Blümchen stehen, lila bis pink übrigens, und aufpassen, dass es niemand achtlos umbringt. Kaum hat man etwas für sich entdeckt, schon fühlt man sich beauftragt, was soll das eigentlich.

Ich lese nach, die Vorfahren des Reiherschnabels kommen von den Inseln Korsika und Sardinien, das muss man sich mal vorstellen. Kommen die da aus diesen Traumgebieten im lichten, blauen Süden, kreuzen sich mehr oder weniger freiwillig durch die halbe Welt um dann in einem Hamburger Schrebergarten auf der Billerhuder Insel zu landen und Dreiviertel des Jahres grauen Himmel über sich zu haben und sich jeden Tag vom rüden Nordwest anrempeln zu lassen. Na toll.

Auf einer Gartenseite sehe ich, dass man den Reiherschnabel durchaus auch anpflanzt, der ist willkommen, der „gewinnt Gärtnerherzen.“ Der ist einer von den Lieben, wie kleine Kinder sagen würden. Man pflanzt ihn, so lese ich weiter, in kleinen Tuffs, wie süß klingt das eigentlich. Kleine Tuffs! Ich lese das und möchte augenblicklich auch in einem kleinen Tuff sein, das macht die lange Isolation, so etwas hätte ich früher nicht so leicht gedacht, wirklich nicht. „Die Pandemie war vorbei und die Menschen saßen wieder in kleinen Tuffs in den Gartencafés.“

Da mal drauf freuen.

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Ich kannte von diesem Song bisher nur die Kreisler-Version. Das hier ist das Original.

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Für Schreib- und Schriftmenschen interessant, die Antworten unter diesem Tweet von Berit Glanz, in dem sie fragt, wer welche Schriften wofür nutzt.

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Einfach, sinnvoll und lösbar

Wir fahren am Sonntag in den Garten, wir räumen etwas in den Beeten auf. Ich verteile schwarzen Kompost auf dem Kartoffelfeld, das danach aussieht wie frisch gestrichen. Ich schneide den Rosmarin. Ein Duft wölkt auf, dass es mich kurz in den August versetzt und in südlichere Gegenden. Wir bauen das Trampolin auf, der Saisonbeginn ist jetzt in Sichtweite, man darf wieder. In der Weide lärmt die Kohlmeise und ist mit unserer Anwesenheit ganz und gar nicht einverstanden. Wir lassen sie lärmen, essen Kuchen in der Laube und stellen fest, dass alles wie vor einem Jahr ist. Die Kälte, der Kuchen, die Laube, das Trampolin. Die Pandemie. Wir essen Kuchen und sind nicht in der Wohnung, das tut gut. Wir harken etwas, das ist auch gut. Das ist einfach und sinnvoll und lösbar und führt zu einem erwarteten Ergebnis.

Im digitalen Familienkalender steht als To-Do: „Biotonne langsam füllen“, womit gemeint ist, dass sie bald wieder abgeholt wird und wir daher langsam beginnen können, sie mit Gartenabfällen zu befüllen. Ich stelle mir die Aufgabe lieber wörtlich vor, wie man da also neben der Tonne steht und sie ganz langsam befüllt, sozusagen Blatt für Blatt und in Zeitlupe. Zen und die Kunst, eine Biotonne zu füllen.

Die bunten Krokusse zu meinen Füßen werden rege durchhummelt, einzelne Bienen sehen auch vorbei. Dahinten die vage Unruhe in der Luft, kaum zu erkennen, das werden die ersten Mücken sein. Die Forsythien in der Hecke blühen noch nicht, aber es fehlt auch nicht viel, es kann eine Frage von Stunden sein. Ich stehe schon mit der Rosenschere im Anschlag wie Clint Eastwood mit einem anderen Gerät in einem alten Western. Spiel mir das Lied vom Rosenschnitt. Ich stehe still, die Forsythie steht still, keiner von uns beiden bewegt sich. Das zieht sich etwas hin, dann murmele ich „Man trifft sich immer zweimal“ und gehe weiter.

Vorne im Hochbeet kommen die ersten Radieschen, die ich vor vierzehn Tagen gesät habe. Hellgrüne Keimblätter. Man bekommt sofort Lust auf Salat, wenn man die sieht.

Ich schneide einen Meter weiter das Braune im Erdbeerbeet weg. Das ist eine simple Regel, das Braune muss weg, das gilt anderswo genauso schlicht. Kein Gartentag ohne Metaphern, alte Regel.

Mitten in der Arbeit höre ich auf und setze mich wieder in die Laube. Der Plan war, weniger einzuplanen, es fällt mir rechtzeitig wieder ein. Ich setze mich hin und mache gar nichts. Ich schreibe nicht einmal. Das schaffe ich ganze zwanzig Minuten lang und komme mir danach vor wie ein Wellness-Experte. Dazu dann demnächst mal Kurse geben oder ein Buch schreiben, Entspannung im Kleingarten. Been there, done that.

 

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Das ungefähre Vorhaben

Im Garten blühen die Schneeglöckchen, und zwar tun sie das im toten Winkel des Gartens. Also in einer Ecke, die im Sommer schattig liegt. Die Erde ist da nicht so gut, da ist dröger und verhärteter Boden, keinen Spatenstich schafft man da. Es ist zudem ein Grenzstück zu den Nachbarn, weder wir noch die machen da etwas, das ist, soweit es das im Schrebergarten überhaupt geben kann, ein Quadratmeter eher unkultivierte Brache, die aber nicht zu einer üppigen Wildnis wurde, eher zu einer Art müdgrüner Karstlandschaft. Der am wenigsten angesehene und betretene, der kaum jemals gewürdigte Bereich ist das, der Fleck, an dem man vorbeigeht, ohne hinzusehen. Und da blühen die also. Eine kleine Kolonie weißer Lämpchen nur, man kann sie schnell übersehen. Aber wenn man erst weiß, dass sie da sind, dann wartet man auch auf sie und sieht immer mal wieder nach. Und deswegen gucken wir also wenigstens einmal im Jahr, sehr früh im Frühjahr, da hin und lächeln und bücken uns und freuen uns. Ist das nicht geradezu kalenderspruchmäßig deep und besinnlich? So ist das mit Gärten, so ist das immer.

Wir ernten Pastinaken, die sind nach dem Winter in der Erde so aromatisch und duften dermaßen angenehm, man könnte sich reinlegen. Wieder nehme ich mir vor, noch viel mehr Pastinaken zu säen, denn das ist es wert, dass man diese kleine Freude noch vor dem eigentlichen Beginn des Gartenjahres hat, diese erste Ernte als Nachhall des letzten Sommers und auch als allerletztes Winteressen. Die Pastinaken scheiden die Jahre, nach den Pastinaken das Neue.

Mehr Pastinaken also. Das reicht eigentlich schon als Plan, beschließen wir spontan. Der Rest ergibt sich. Der Winter war so unfassbar anstrengend, zehrend und fordernd, der Garten wird uns in diesem Jahr nur zur Erholung dienen müssen. Es wird keinen Anbauplan geben, keine Projekte, keine Vorhaben. Hinfahren und Kaffee trinken. Hängematte und Kuchen. Lesen und Schreiben und Schlafen. So etwas. Wir machen nur, was leicht ist, wir machen nur, was uns einfällt. Radieschen, Mangold, Zuckererbsen. Kartoffeln, Kürbis, die sind alle leicht und gut. Wir spielen „Das Beste aus 2020, 2019 und 2018“, wir legen das Gemüse von damals auf.

Das Obst macht sich eh selbst. Unterm Baum stehen und auf Kirschen warten.

Ein Sohn liegt auf dem Rasen und guckt in den Himmel. Das ist das Vorhaben, genau das.

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Für fünf Minuten

Am Morgen hole ich Brötchen und gehe an einer riesigen Rabenkrähe vorbei, die auf einem schmalen Vordach über einem Hauseingang sitzt und mich mit schrägem Kopf genau beobachtet und dann leise lacht. Zumindest klingt es so. Ich sehe sie fragend an, da dreht sie den Kopf weg und besieht sich lieber den vielversprechenden Morgenhimmel, recht demonstrativ tut sie das. Ich bleibe etwas stehen und sie sieht mich nach einem Augenblick wieder an und schüttelt den Kopf. Dann ruft sie einer Taube, die unter einem ausgesprochen armseligen Gebüsch am Straßenrand im Dreck pickt, etwas zu, und die Taube dreht sich doch tatsächlich um und blickt ebenfalls zu mir. Tiere sehen dich an, ich sage „Ja, was jetzt.“ Aber da kommt natürlich nichts und ich gehe entschlossen weiter. Mühsam drehe ich mich nicht mehr um, man hat ja soweit seinen Stolz. Im nächsten Schaufenster, eine Ecke weiter, betrachte ich prüfend die Spiegelung, ich sehe aus wie immer. Und genau das ist es wohl.

Es folgt der erste Tag im Garten und es ist wie im letzten Jahr und wie immer, ich habe die Hände bereits in der Erde, bevor ich auch nur an Gartenhandschuhe denken kann. Ich mag es einfach, Erde anzufassen, das ist nicht mehr heilbar. Ich wühle hingebungsvoll im erstbesten Beet und ziehe die Mangoldstrünke des letzten Sommers heraus, armdicke und blutrote Aderstränge sind das, sie sehen aus wie die Requisiten eines Horrorfilms. Der gute Gartentipp: Mangold einfach mal stehen lassen, er macht dann sehr tolle Sachen, wird riesig und sieht dabei unfassbar toll aus. Fast den ganzen Winter durch.

Ich wühle in der Erde, ich schiebe Laub beiseite und ziehe Rillen mit dem Zeigefinger, ich säe Radieschen. Säen, das ist eine Tätigkeit, die weiter nach vorne weist, das ist auch mal schön. Und ja, es ist vielleicht zu früh. Vielleicht auch nicht.

Die Herzdame hat den Saisoneröffnungskuchen gebacken, American Cheesecake, der ist sensationell gut. Nachbarn kommen vorbei, wir winken sie heran und sitzen draußen und reden, es fühlt sich fast normal an. So einen Abstand hatte man doch früher auch und meine Güte, ist der Kuchen gut.

Gänse ziehen etwas später über uns hinweg. Formationsflug, wie es sich gehört. Dann eine Wende, das große V löst sich auf, was machen sie jetzt? Sie kreisen über unserem Garten und rufen uns etwas zu. Dann noch ein Kreis und noch einer. Ich habe leider nichts verstanden. Wie auch, die haben ja alle dauernd durcheinandergerufen. Nach dem dritten Kreis fliegen sie weiter, was war das wohl? Eine Botschaft, eine Verheißung, eine Warnung, ein Gruß, ein Wildganswort, im Flug gerufen. Ob es wichtig war?

Ich spiele mit einem Sohn Ball, das tut gleichmäßig weh. Also im Rücken, in den Knien, in den Armen, womöglich fehlte mir in den letzten Winterwochen doch etwas Bewegung. Der Sohn rennt und fängt und tritt und wirft sich ins Gras und rollt und springt, ich bücke mich ab und zu stöhnend nach dem Ball. Das wird demnächst wieder besser.

Die Familie fährt am frühen Abend mit dem Auto nach Hause, nur ich fahre Rad, siehe Bewegung. Missstände immer sofort beheben! Ich biege aus dem Garten auf den Weg und fahre durch die Kolonie. Andere Nachbarn sitzen zu zweit im Garten und halten Händchen, ein altes Pärchen. Ein junger Mann kommt mir entgegen, der könnte fast noch ein Junge sein. Ein Vexierbildgesicht, Junge, Mann, es kommt auf den Winkel und die Beleuchtung an. Neben ihm ein Mädchen im gleichen Alter, eine junge Frau also vielleicht. Sie sehen sich an und halten ebenfalls Händchen und lachen. Er sieht auf ihren Mund, sie sieht in seine Augen, vielleicht war es auch umgekehrt. Ich fahre vorbei und hätte ich einen Rückspiegel am Fahrrad, ich hätte den Kuss sicher noch gesehen. Auf einer Bank zwei Mädchen, etwa sechste Klasse, die werfen die Köpfe zurück und lachen gleichzeitig über etwas, nach hinten fliegende Haare. Eine Bank weiter zwei Frauen, die sehen gemeinsam auf ein Handy und kichern über etwas, das sie dort sehen. Die Bille hinter ihnen ist noch eisbedeckt, aber es taut und man riecht das Wasser, zum ersten Mal seit Wochen riecht man es.

Die Gärten riechen von der anderen Seite des Weges nach Erde und auch nach einem fernen Feuer, die Gerüche mischen sich und das rührt in dieser Mischung etwas an, etwas ganz Altes und Unbewusstes. Ich fahre eine sachte Kurve, und die ist genau richtig, es ist eine überaus angenehme Kurve. Die Kurve und die Gerüche und die lachenden Menschen, die gehaltenen Hände und dass ich das erste Mal wieder ohne Jacke fahre, nur so im Pullover, und dass die Temperatur dennoch genau richtig ist, dieses alles zusammen, das ist, was ich lange nicht mehr hatte, das ist ein schöner Moment. Das gibt es ja heute kaum noch und ich fahre einigermaßen beseligt durch die Kurve und über eine Brücke und dann über noch eine und vergesse doch glatt und immerhin kurz den Lockdown und Corona und alles und für fünf Minuten, meine Damen und Herren, hier muss ich eben eine Künstlerin zitieren, die hier vor langer Zeit schon einmal vorkam, für fünf Minuten nämlich – hatte ich keine Angst vor gar nichts. Wer kann das schon von sich behaupten.

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Manchmal ist es einfach

Ich habe wieder Laub im Garten geharkt. Wenn ich das als Sport betrachte, habe ich dabei mittlerweile sogar leichte Trainingserfolge. Wie unlängst berichtet, haben die Söhne im Garten ein Loch ohne Sinn gegraben, ein ziemlich breites und tiefes Loch sogar. Das haben wir mit Laub verfüllt und die Söhne sind dann immer wieder mit Anlauf hineingesprungen. Ein Spaß wie zu alten Zeiten, ganz undigitalisiert, geradezu verdächtig bilderbuchmäßig und dabei so gut für die Stimmung, dass auch die Nachbarkinder dazu kamen und mitmachten. Manchmal ist es einfach. Na gut, ganz selten ist es mal einfach.

Ein jung aussehendes Eichhörnchen saß nachdenklich am Rand der Parzelle. „Es ist frei!“, sagte ich, lächelte verbindlich und ging ein Stück auf es zu, ein kleines Stück nur. „Es ist frei!“ Und ich zeigte auf die Highlights im Garten, ich pries die Luxusbäume und die Komfortbüsche, ich wies auf die liebevollen Ausstattungsdetails in den Beeten hin und erwähnte auch die zentrale Lage in der beliebten Gartenanlage, in der man für den täglichen Bedarf alles …

Auf dem verwilderten Nachbargrundstück gingen zwei Igel gemächlich herum und unterhielten sich leise. „Ruhige Nachbarn“, sagte ich noch.

So macht man das in der Immobilienbranche, dachte ich, so klappt das. Das Eichhörnchen kletterte auf den Weißdornbaum und besah sich die Sache von oben. Lange. Länger als ich warten konnte, aber auch das ist nun einmal so, in der Immobilienbranche, die Leute brauchen einfach Zeit für ihre Entscheidungen. Ich warte ein paar Tage und frage dann noch einmal nach.

Die Rose stand währenddessen bei 12 Grad in der Sonne und dachte sich, ach, was soll der Geiz, komm her, ich schmeiß noch eine Runde Blüten. Und wo sie stand, da war Sommer im November, man roch es.

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