Diese Tage sind nicht schön. Ich will aber, dass die Tage schön sind, denke ich in angelesener Eigenwilligkeit, man kann doch immer etwas Schönes entdecken, sieht man nur richtig hin. Sagt man. Liest man.

Ich fahre in den Garten, das ist oft die Lösung. Das Wetter aber, das ist schon einmal nicht schön. Schauer jagen über die Stadt, schwarze Wolken werfen mir grieskleinen Hagel hinterher und der Wind will mich vom Rad wehen. Ich schiebe mein Rad über einen Zebrastreifen. Das Auto von links hält nicht, es zerdengelt mir mein Vorderrad und braust weiter. Fahrerflucht ist ein Kavaliersdelikt, denke ich, während ich meinen Lenker notdürftig zurechtbiege und eiernd weiterfahre. Es war ein Porsche Cayenne, natürlich war es einer, und das mit den Klischees in der Wirklichkeit, weitab von der Dichtung, es ist ernsthaft langweilig. Auf schöne Flüche komme ich, aber eine andere Schönheit hatte ich im Sinn.

Da ist die Insel, da ist das Gartengelände. Ich biege ein in kleine Wege ohne wilden Verkehr. Vorne die Parzelle der alten Dame, die mir vor zwei Jahren sagte, sie könne jetzt mit 93 Jahren allmählich doch mal Hilfe gebrauchen. Ob ich nicht jemanden kennen würde? Ihre Laube wurde in diesem Sommer abgerissen, das Grundstück planiert.

Vielleicht blüht in unserem Garten doch noch eine allerletzte Rose. Vielleicht remontierte der Sommerflieder, der kann das. Vielleicht werde ich noch mit zwei, drei Herbsthimbeeren beschenkt, eine besondere Süße in diesen späten Wochen des Jahres. Vielleicht stelle ich mich nur vor die Blumen, die noch immer den August nachspielen, vor die Cosmea und den Storchenschnabel, und sehe denen beim Blühen zu, lila und blau.

Vielleicht fallen Blätter von der schon ergoldeten Birke und ich kann mich darunter stellen, nach oben sehen und „Autumn leaves“ in 37 Versionen hören, ich habe für solche Momente eine Playlist. Vielleicht schlägt aber auch der nächste Schauer zu und ich kann mich in die Laube flüchten, mir einen Kaffee machen und dabei Bach hören, während die Lampions draußen vor dem Fenster an ihren strammen Leinen einen strengen Formationstanz in den herumstrolchenden Böen aufführen.

Vielleicht ist ein gelber Hokkaido doch noch orange geworden und leuchtet neben dem Kompost. Vielleicht ernte ich den Topinambur und wühle dabei in der Erde, das fühlt sich immer gut an und beruhigt.

Vielleicht sehe ich mir an, wie die längst verlassene Schaukel auf der Parzelle der Nachbarn in den Windstößen schwingt und komme dabei auf traurige Geschichten, auch das kann schön sein.

Es gibt viele Möglichkeiten, im Garten etwas schön zu finden, dazu hat man ihn ja. Erst aber noch schnell nachsehen, was da hinten auf dem Rasen liegt, das gehört da nicht hin. Das ist das Eichhörnchen, sehe ich dann, es liegt da tot.

Es gibt Tage, die sind einfach nicht schön, da kann man nichts machen. Und dieser Oktober, er hat einen ganz seltsamen Beigeschmack von November.

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