Wir fahren am Sonntag in den Garten, wir räumen etwas in den Beeten auf. Ich verteile schwarzen Kompost auf dem Kartoffelfeld, das danach aussieht wie frisch gestrichen. Ich schneide den Rosmarin. Ein Duft wölkt auf, dass es mich kurz in den August versetzt und in südlichere Gegenden. Wir bauen das Trampolin auf, der Saisonbeginn ist jetzt in Sichtweite, man darf wieder. In der Weide lärmt die Kohlmeise und ist mit unserer Anwesenheit ganz und gar nicht einverstanden. Wir lassen sie lärmen, essen Kuchen in der Laube und stellen fest, dass alles wie vor einem Jahr ist. Die Kälte, der Kuchen, die Laube, das Trampolin. Die Pandemie. Wir essen Kuchen und sind nicht in der Wohnung, das tut gut. Wir harken etwas, das ist auch gut. Das ist einfach und sinnvoll und lösbar und führt zu einem erwarteten Ergebnis.

Im digitalen Familienkalender steht als To-Do: „Biotonne langsam füllen“, womit gemeint ist, dass sie bald wieder abgeholt wird und wir daher langsam beginnen können, sie mit Gartenabfällen zu befüllen. Ich stelle mir die Aufgabe lieber wörtlich vor, wie man da also neben der Tonne steht und sie ganz langsam befüllt, sozusagen Blatt für Blatt und in Zeitlupe. Zen und die Kunst, eine Biotonne zu füllen.

Die bunten Krokusse zu meinen Füßen werden rege durchhummelt, einzelne Bienen sehen auch vorbei. Dahinten die vage Unruhe in der Luft, kaum zu erkennen, das werden die ersten Mücken sein. Die Forsythien in der Hecke blühen noch nicht, aber es fehlt auch nicht viel, es kann eine Frage von Stunden sein. Ich stehe schon mit der Rosenschere im Anschlag wie Clint Eastwood mit einem anderen Gerät in einem alten Western. Spiel mir das Lied vom Rosenschnitt. Ich stehe still, die Forsythie steht still, keiner von uns beiden bewegt sich. Das zieht sich etwas hin, dann murmele ich „Man trifft sich immer zweimal“ und gehe weiter.

Vorne im Hochbeet kommen die ersten Radieschen, die ich vor vierzehn Tagen gesät habe. Hellgrüne Keimblätter. Man bekommt sofort Lust auf Salat, wenn man die sieht.

Ich schneide einen Meter weiter das Braune im Erdbeerbeet weg. Das ist eine simple Regel, das Braune muss weg, das gilt anderswo genauso schlicht. Kein Gartentag ohne Metaphern, alte Regel.

Mitten in der Arbeit höre ich auf und setze mich wieder in die Laube. Der Plan war, weniger einzuplanen, es fällt mir rechtzeitig wieder ein. Ich setze mich hin und mache gar nichts. Ich schreibe nicht einmal. Das schaffe ich ganze zwanzig Minuten lang und komme mir danach vor wie ein Wellness-Experte. Dazu dann demnächst mal Kurse geben oder ein Buch schreiben, Entspannung im Kleingarten. Been there, done that.

 

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