Peak Something

Jonathan Franzen (ja, der mit den Romanen) in der National Geographic über Seevögel.

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Wie eine Legende zur Waffe wird. Ich habe neulich gerade die Abläufe aus dem Jahr 2015 noch einmal nachgelesen, weil ich bei irgendeinem Artikel dachte: “Moment, so war das doch gar nicht.” Es ist erst drei Jahre her, aber es ist sinnvoll, sich damit noch einmal zu beschäftigen. Auch mit den Versäumnissen der europäischen Politik vor 2015, versteht sich, die dann eine ziemlich große Rolle spielten.

Währenddessen werden die Ergebnisse des EU-Gipfels verkündet, in jedem zweite Satz steht das Wort Lager. In meiner Schulzeit damals, ein kurzer Blick zurück in den Geschichtsunterricht, der dann vielleicht doch zu etwas gut war, kam der Begriff Lager vor allem in Bezug auf das Dritte Reich vor. Lager waren nicht in Ordnung, Menschen einfach in Lager zu sperren, das war definitiv verkehrt, mit diesem Eindruck ging ich von der Schule ab. Wo man unschuldige Menschen in Lager steckt, da ist mit den Werten wohl etwas nicht ganz in Ordnung, um es unangemessen milde auszudrücken. Wobei es in meiner Oberstufenzeit auch schon andere Lager gab, die waren – das waren noch Zeiten! – für mich deutlich positiver besetzt, etwa das Lager vor Brokdorf oder das Lager der Republik Freies Wendland. Die hießen in der Tagesschau so, die wurden Lager genannt, die waren aber offen, da konnte man nach Belieben kommen und gehen. Von diesen Lagern abgesehen gab es nur noch ein Lager, das regelmäßig in den Nachrichten vorkam. Da mussten aber keine Menschen rein, da wollten Menschen rein, oft sogar ziemlich dringend und voller sogar berechtigter Hoffnung, das war das Lager Friedland, welches übrigens immer noch in Betrieb ist. Tor zur Freiheit! So hieß das auch und es war nicht, ich wiederhole NICHT zynisch gemeint. Mehr Lager gab es in meiner Wahrnehmung nicht, es gab nicht einmal Lager Beer, jedenfalls nicht in Deutschland.

Heute reden wir also wieder über Lager in Europa, Lager, in die Menschen müssen, nicht wollen. Na, dann wollen wir wenigstens hoffen, dass sie nicht etwa wegen ihrer Herkunft, Religion oder Abstammung als so bedrohlich gelten, dass sie einzuzäunen sind … oh. Moment.

Da würden meine Geschichtslehrer von damals aber staunen! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann tun sie es tatsächlich.

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Peak screen. Ist das so? Merken tut man noch nichts. Aber sowieso kann man mit Peak Irgendwas wenig falsch machen, ist Ihnen das mal aufgefallen? Ganz egal, wie zutreffend der eben verlinkte Artikel nun ist, das schreibt sich einfach immer gut. Peak Plastic, Peak Car, Peak Blogs, Peak Summer. Passt schon. Ich habe gerade einen Zufallswortgenerator angeworfen, es gibt ja alles in diesem Internet, das ausgeworfene Wort hängen wir jetzt schnell hinter Peak und haben: Peak Pride.

Und jetzt die Probe: Könnte man dazu mit etwas Mühe einen Artikel verfassen. mit ein paar Belegen, tiefschürfenden Ausführungen und einer knackigen Theorie? Aber sicher könnte man das. Gucken Sie sich spontan um, nehmen Sie das erste Substantiv, das Sie irgendwo lesen, auf dem Schreibtisch, auf der Werbung da draußen, in der Zeitschrift neben Ihnen, egal, und hängen Sie es in der englischen Version hinter Peak. Klappt auf diese Art hier auch: Peak Nature. Aber hallo! Längst überschritten sogar.

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Sehr schick: Looper. So könnte man dann doch mal wieder in einem Zelt schlafen.

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Was noch? Romantik!

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, Sie müssen aber gar nichts. Es ist ein freies Land (Stand Juni 2018).

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Auffällig unauffällig

Ist das nicht alles sagenhaft lächerlich? Man möchte den Verantwortlichen in der Politik zurufen: “Wenn ihr nervlich so schwach seid, dann geht doch endlich in Rente!”

Noch ein kleiner Reality-Check, bei diesem lokalpolitischen Abend da vorgestern – das Thema, welches die Leute wirklich umtreibt, hier in der nicht unproblematischen Mitte einer Millionenstadt, das sind die Wohnungspreise und die Gentrifizierung oder Disneyfizierung der Viertel. Es ging immer wieder um die Frage, für wen die Stadt eigentlich da ist und wie sich das gestalten lässt, es ging in keinem einzigen Satz um die Fragen, die unseren Innenminister offensichtlich einzig interessieren. Ganz seltsam.

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Auf die Fußwege im Stadtteil hat jemand mehrmals mit bunter Kreide “Makedonia is Greece” geschrieben. Alles Großbuchstaben, etwas zackig vielleicht, gerade ausgerichtet. Ich stelle mir vor, wie ich in einem anderen Land, sagen wir Portugal, nachts durch die Straßen von Lissabon ziehe und “Nordslesvig is Germany” auf die Bürgersteige schreibe. Man braucht allerdings schon ziemlich viel Fantasie.

Und nein, kann man nicht vergleichen, schon klar. Man kann überhaupt nie irgendwas vergleichen.

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Heißer Tee bei Hitze. Aber als Erzählung, nicht als Lifestyle-Tipp.

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Ich lese ja keine Krimis, aber für die Fans dieses Genres tragen sich in der Heimat der Herzdame gerade Geschichten zu – man glaubt es nicht. Man beachte bitte unbedingt die Formulierung “auffällig unauffällig”. Und dann immer schön die Kolleginnen und Kollegen beobachten, ob die nicht vielleicht auch in diese gemeingfährliche Kategorie fallen!

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Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die schönen Stunden nur. Danach fand der gestrige Tag also gar nicht statt. Egal. Es wird ja jeden Morgen ein neues Versuchsobjekt mit frischen 24 Stunden geliefert.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen – ich ersetze dann eine rote Johannisbeere, die unbegreiflicherweise von einem Tag zum anderen schlagartig verblichen ist, keine Spur von Wühlmäusen oder anderen Schädlingen, es ist wirklich befremdlich. Was erlauben Pflanze? Einfach abhauen?

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