Im Sausetunnel

Bei der GLS Bank habe ich einen Wirtschaftsteil zu sozialen Themen zusammengestellt.

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Auf der Sturmhöhe beginnen derweil die bekanntlich unlösbaren Probleme zwischen Cathy und Heathcliff, die man heute vermutlich beide nach dem letzten Buch der geschätzten Nora Imlau als gefühlsstarke Kinder bezeichnen und ebenso intensiv wie bindungsorientiert und zugewandt betreuen würde, aber darauf kam die Menschheit ja eher spät. Es würden der Weltliteratur allerdings auch großflächig Werke fehlen, wenn es anders gewesen wäre, man muss das als Leser etwas anders sehen als aus der pädagogischen Perspektive. “Die alte Haushälterin bückte sich, bis sie mit Heathcliff auf Augenhöhe war, und redete freundlich mit ihm über sein Verhalten und was es mit ihr machte.” Nein, das hätte keiner gedruckt. Wie viele Romane bleiben überhaupt übrig, wenn man es so betrachtet?

“Ich möchte ihn nicht heiraten. “Dann musst du das auch nicht, Effi, mein Schatz.” Zack, Buch vorbei, sie lebte glücklich als Single bis ans Ende ihrer Tage. Wenn Sie mal kurz an Ihr Bücherregal treten wollen – ohne Erziehungsdesaster bleibt da nichts übrig.

“Hanno ist hypersensibel.” “Da haben wir besondere Angebote, Frau Buddenbrook.”

Leider kann ich nicht die ganze Nacht in dem Roman lesen, dabei wäre das doch völlig angebracht. Wobei Dünndruckbücher irgendwie unbefriedigend sind, merke ich wieder, man schafft ja einfach nichts. Selbst wenn ein Buch noch so gut ist, man möchte es doch durch haben, möchte man nicht? Es warten immerhin noch ein paar andere im Regal. Gestern hatte übrigens der olle Stevenson Geburtstag – enorm verlockend! Die Schatzinsel! Was ein Spaß! Aber nein, erst die Sturmhöhe beenden. Disziplin ist alles, das gilt auch im Bett. Also beim Lesen, meine ich.

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Es gibt hier im Stadtteil eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer, damit die nicht über eine riesige Kreuzung müssen, diese Unterführung ist bei Kindern und Eltern allgemein als “Sausetunnel” bekannt. Weil man eben ganz nett beschleunigt, wenn man da hinabrollt, ob nun mit einem Bobbycar, einem Laufrad, einem Rennrad, Waveboard oder E-Scooter, ganz egal, das geht ab. Wenn ich jetzt einen Blick in den Kalender werfe, dann bin ich oder sind wir schon wieder im kalendarischen Sausetunnel gelandet, der direkt durch die Feiertage führt und erst irgendwo im Januar wieder rauskommt, bis dahin kommt man kaum noch ans Licht, bis dahin ist alles randvoll mit Terminen und ach so besinnlichen Feiern und Events aller Art, gestern gab es die Hinweiszettel aus den Schulen gleich stapelweise, der Alltag wird ganz nett beschleunigt. Das geht ab.

Und wenn ich nicht genau wüsste, dass es physikalisch eher unwahrscheinlich ist, ich würde wetten, dass ich am gestrigen Nachmittag bei zwei Terminen gleichzeitig war. Mindestens. Weswegen auch mehr Text diesmal einfach nicht geht.

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Musik geht aber noch! Es lohnt sich, das bis zum Ende anzusehen. Fanden sogar die Söhne, und das will etwas heißen.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte. Ich gucke neuerdings übrigens immer noch einmal kurz in die Nachrichten, bevor ich den Text mit diesem Schlusssatz abschicke. Besser ist das.

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