Das Jesusdrittel und W, nicht V

Am Sonnabend zieht die Familie ohne mich in den Garten und beteiligt sich wieder an freiwilliger Gemeinschaftsarbeit, ich verbleibe am Schreibtisch und versuche etwas. Mehr macht man ja im Grunde nie, wenn man schreibt. Zwischendurch gehe ich einmal zur Bücherei und hole neue Bücher von Frauen, siehe gestern, es geht mir aber eigentlich mehr um die Bewegung als um die Frauen, denn einen Tag nur Schreibtisch, da werde ich ja irre. Ich bin immer noch überzeugter Anhänger der 10.000 täglichen Schritte. Nebenbei denke ich aber auch, Bücherei ist immer eine gute Idee, in der Bücherei siehst du immer etwas Beschreibbares, da hast du abends was fürs Blog. Die Bücherei und die Bäckerei, das sind eigentlich die verlässlichsten Quellen für kleine Szenen, so über die Jahre gesehen. Der Bahnhof, der riesige Hauptbahnhof mit seinen, Achtung, es folgt eine zwanghafte Erwähnung, 550.000 durchlaufenden Leuten täglich, der fällt dagegen doch deutlich ab. So sehr fällt er dagegen ab, dass es mir schon etwas seltsam vorkommt und ich demnächst öfter mal im Bahnhof herumlungern werde, einfach so, nur um zu sehen, ob da nicht doch noch etwas Blogbares auftaucht. Wenn man vielleicht mal länger hinsieht, ins unentwegte Gewühle und Gerenne (was übrigens wohl der Mensch mit dem Autokino gerade macht, erinnern Sie sich noch? Der da neulich vor der Anzeigetafel stand? Googelt der jetzt vielleicht schon Mietwagen auf Rügen in seiner Single-Küche? Ich glaube schon. Auf der Seite einer Autovermietung in Sassnitz ist er gerade gelandet, da findet er ein Angebot für Großraumlimousinen, immerhin acht Personen passen da hinein, das liest er gerade. Das reicht dann schon für eine Orgie im Autokino, denkt er, wobei er in Wahrheit gar keine nähere Kenntnis  von solchen Veranstaltungen hat. Acht Personen, na, vielleicht doch erst einmal mal kleiner anfangen? Auf der Seite der Firma steht auch der freundliche Hinweis: “Gönnen Sie sich eine Taxifahrt.” Er denkt kurz nach und schüttelt den Kopf.).

Die Bücherei jedenfalls enttäuscht mich auch an diesem Tag nicht, natürlich nicht. Ein Mann steht vor einem Regal und liest Buchrücken, seine Frau steht hinter ihm und sagt: “W! Du musst zu W, das ist V! Herr Gott nochmal!” Und der Mann geht ergeben einen Meter weiter, legt den Kopf schief und liest wieder, während sie wüst augenrollend daneben steht, verschränkte Arme, energisches Ausatmen. Bei manchen Beziehungen braucht man nur einen einzigen Satz im Vorbeigehen, um ein geschichtentaugliches Bild dieser beiden vor sich zu haben.

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Ein Sohn hat Bruchrechnung in der Schule, wir üben also mit allem Bruchrechnen. Es sind vier Frühstückseier auf dem Tisch, drei davon sind? Und nur eines ist? Und wie kann man zwei davon auch nennen? So etwas, immer wieder spielen wir das durch und brechen uns durch den Alltag. Vor dem Balkon die Dreieinigkeitskirche, Vater, Sohn, Heiliger Geist, Jesus ist also was? Ja, Mathematik ist nämlich überall. Wobei Jesus, wir vertiefen das noch etwas, je nach Glaube dann ein Drittel von allem oder von nichts ist, das ist rechnerisch dann doch etwas heikel.

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Wie Kakaopulver in Handarbeit entsteht. Wieder was gelernt.

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Sparen ist Feiern. Sparen ist Verschwenden.

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Musik! Tierisch gut.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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