Denn der König winkt nicht jedem

Ich habe drüben bei der GLS Bank etwas über das Anthropozän zusammengestellt. Wenn Sie danach immer noch zu viel gute Laune an Bord haben, lesen Sie einfach diese Buchrezension, das regelt sich dann runter. Bitte, gerne.

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Ich lese weiterhin Bücher von Frauen, gerade habe ich Mariana Lekys “Die Herrenausstatterin” beeendet. Während das Buch den gleichen Charme hat wie ihre anderen Bücher, bin ich aufgrund meiner Geschmacksvorlieben diesmal etwas raus, Geister in Büchern sind nicht so meins, auch wenn sie noch so sympathisch wirken. Ich habe den Roman dennoch durchgelesen, das ist jetzt ein erhebliches Kompliment.

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Ich habe letztens im Vorbeigehen in der Hamburger Innenstadt gesehen, wie der stadtbekannte Jesusbrüller gerade in die Fußgängerzone einbog, fraglos um dort stundenlang in erheblicher Lautstärke geifernd zu predigen, also wie immer. Er kam mir ganz am Anfang der Fußgängerzone entgegen und sah sich gerade um, er sah ins Gewimmel der einkaufenden Menschenmassen vor ihm und murmelte mit leuchtenden Augen und voller Tatendrang: “Ah, Satan ist busy.”

Und vermutlich glaubt er tatsächlich, dass er dem mit seinen Predigten eifrig und stetig entgegenwirkt. Auch so ein Schicksal.

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Einer der letzten Tage begann so, dass ich mit dem obligatorischen Kaffeebecher in der Hand aus dem Dachfenster runter auf die verregnete Straße sah. Von da winkte mir jemand zu, das war ungewöhnlich, da sah ich genauer hin. “Hey! Ho!”, rief der mir nicht bekannt vorkommende Mensch da unten, “Guten Morgen!” Und er winkte ausladend ganzarmig und strahlte so begeistert, dass ich trotz aller norddeutscher Zurückhaltung kurz mal zurück winkte. Das ist ja auch mal ganz schön, wenn man morgens vom Volk auf der Straße so euphorisch begrüßt wird wie ein geliebter König im Märchen, der an einem besonderen Tag im vollen Ornat auf den Balkon tritt, das geht mir auch nicht gerade jeden Tag so. Ich winkte also  zurück und hob grüßend den Becher, der Mensch da unten geriet daraufhin völlig aus dem Häuschen vor Freude. Denn der König winkt nicht jedem, das weiß man.

Aber egal, der Rest des Tages war dann weniger märchenhaft. Deutlich weniger. Ich hatte bei der Begegnung am Morgen allerdings auch keine Brille auf und habe noch eine Weile überlegt, ob nicht doch irgendwelche Bekannte aus dem Stadtteil am frühen Morgen in so ekstatischer Stimmung da um die Ecke kommen könnten. Aber ich glaube, das kann ich ausschließen. Ich kenne nur normale Menschen.

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Ansonsten haben wir kinderfrei, bitte entschuldigen Sie daher die Kürze, ich muss mit enormer Dringlichkeit nichts tun.

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Aber doch noch schnell Musik! Zu Frühlingstagen dieser Woche, die sich so seltsam überzeugend herbstlich anfühlen, gibt es natürlich auch ein textlich passendes Lied. Die Wasser des Märzens. Hier in einem wunderbaren und sehr vergnügten Duett.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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