Everything is cool

Junge Menschen machen was

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Es muss dringend anders werden.

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Aus für Verbrenner in Irland.

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Im Vorübergehen gehört:

“Everything is cool as long as you love to do it.”

“Haha! No.”

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Ich bin bei manchen Trends etwas spät, so bin ich gestern zum ersten Mal mit einem Hamburger Stadtrad gefahren und habe mir damit auch zum ersten Mal überhaupt irgendein Verkehrsmittel per App besorgt und bezahlt. Ja, sehr spät, ich weiß. Es ging auch tatsächlich alles recht einfach, aber ich habe doch wieder eine meiner Spitzenbegabungen – ich habe mehrere – bemerkt, ich bin nämlich wirklich sehr, sehr gut darin, Piktogramme nicht zu verstehen und wie der letzte Trottel erst auf simplifizierte Zeichnungen zu starren, um dann ratlos den vermeintlich kindgerecht erklärten Gegenstand zu betrachten. Ich bin im Grunde so gut darin, man könnte mich als Tester für so etwas einsetzen, wenn es der Buddenbohm schafft, dann schaffen es alle. Aber auch diese Begabung ist wieder nicht rechtzeitig erkannt worden, der Zug, pardon, das Rad ist längst abgefahren. Schlimm.

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Es wird wieder diskutiert, wie das Dritte Reich in den Schulen behandelt wird, das ist zweifellos auch eine entschieden angebrachte Diskussion, wenn gewisse rechte Parteien gewisse Funktionen im Bereich Kultur und Bildung übernehmen, und so sieht es ja leider aus. In meiner Schulzeit kamen die Geschichte der Menschheit und die der deutschen Staaten in seltsamen Verzerrungen vor, einige Epochen unerklärlich lang (Monate über die attische Polis, es war eine Qual), einige unerklärlich kurz, wobei es in Wahrheit natürlich erklärlich war, es wurde nur eben nicht erklärt. Die NS-Zeit wurde sehr ausführlich durchgenommen, die hat aber mich ebenso wie etliche andere auch tatsächlich lebhaft interessiert, da hat man damals zusätzlich freiwillig Bücher darüber gelesen, gar nicht wenige sogar. Eine gewaltige Lücke gab es dann aber nach 45. Dafür war keine Zeit mehr, das Abitur grätschte sozusagen mitten in die Zeitläufte, ganz so als sei die Geschichte bis 45 noch wunderbar harmonisch auf Schuljahre zu verteilen gewesen, und dann ging die Story der Staaten aber dummerweise jahrelang weiter, das hat irgendwie keiner vorhergesehen. Konnte ja auch eine Weile lang keiner ahnen.

Die schulisch vermittelte Erkenntnis zu der Zeit seit 45 passte daher in ganz wenige Zeilen und ging etwa so: Nach einigen Wirren wurden zwei deutsche Staaten gegründet, einer davon war super, einer war dummerweise die DDR. Nazis gab es aber immerhin in beiden nicht mehr. Das war natürlich die westliche Sicht, versteht sich. Mehr gab es dazu nicht zu sagen, die Fünfziger, Sechziger und Siebziger waren gewissermaßen noch gar keine Geschichte, die waren quasi Gegenwart und damit nicht Gegenstand der Faches. Wer dazu etwas wissen wollte, der sollte, da haben wir es schon wieder, gefälligst Zeitungen lesen.

Ich komme darauf, weil es im schon mehrfach erwähnten Gespräch zwischen Irina Scherbakowa und Jörg Ganzenmüller auch um die NKWD-Speziallager ging und ich merkte, dass ich da eine Bildungslücke habe. Also ich habe zwar davon gehört, das schon, ich habe das aber nie “gehabt”. Falls Sie das Video des Gesprächs nicht gesehen haben, es hat ja niemand Zeit für so etwas, es ging da unter anderem um Gedenkwirren und Deutungskämpfe. Denn etwa in Buchenwald gab es nach 45 weitere Opfer, und nicht wenige, das waren natürlich andere Opfer als vor 45. Und es war dann irgendwann (besonders und neu nach 89) zu klären, wem da eigentlich an diesem Ort wie gedacht werden sollte und konnte. Es ist im Grunde auch noch bis heute und immer weiter zu klären, denn es gibt da z.B. Menschen, die ihrer eigenen Haft oder der ihres Großvaters gedenken wollen, der aber vielleicht keineswegs ein Opfer der NS-Diktatur war, eher im Gegenteil oder aber vollkommen unklar, bis heute. Ein Opfer einer anderen Diktatur, ein Opfer der Geschichte. Das ist ein abgründiges Thema, wie man sich leicht vorstellen kann, es wird einem schon unwohl wenn man nur darüber nachdenkt, es ist selbstverständlich absurd kompliziert und mit größtmöglicher Vorsicht zu behandeln.

Und wie wiederum komme ich darauf? Wegen dieser Meldung hier, die sich wie eine ganz kleine Meldung liest und die, etwas weiter gedacht, mit unserer Erinnerungskultur womöglich etwas zu tun haben wird.

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Musik! Chet Baker.

 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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