Die geschenkte Zeit

Die Herzdame und ich haben heute den 15. Hochzeitstag. Läuft. Oder, wie die Herzdame es ganz untypisch ausdrückte: “Immer noch die große Liebe.” 

Die Söhne schenkten uns Zeit, wir konnten zu zweit in ein Restaurant gehen. Das haben Sie neulich schon einmal gemacht, da kamen wir beide abgehetzt von der Arbeit und fragten, was denn jetzt wieder zu tun sei und wer mit wem wohin und so, da saßen sie da gechillt auf dem Sofa und sagten ganz ernsthaft : “Nichts. Geht Kaffee trinken oder so. Wir brauchen Euch hier nicht, es ist alles gut.”

Wir saßen dann kurz darauf irritiert, erfreut und amüsiert im Café vor ausgezeichneter Mandelkaramelltorte. Auch an diese Phase müssen wir uns erst gewöhnen. 

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Ich habe gerade eine etwas überladene Woche im Büro, zur Erleichterung habe ich versucht, mir während der Arbeitszeit irgendwelche Spotify-Playlists mit “Focus” im Titel anzuhören, also so deepes Konzentrationszeug, das war ganz schrecklich. Als ob eine Frau mit viel zu sanfter Stimme, eine Ersthelferin in der Psychiatrie oder etwas in der Art, einem tief in die Augen sieht und betont freundlich und sehr deutlich sagt: “Jetzt beruhigen Sie sich doch erst einmal.” Es macht mich, wie soll ich sagen, spontan eskalationsbereit. 

Das funktioniert also nicht, da höre ich doch lieber weiter monumentales Georgel von Bach. Ich finde, Bach klingt nach Konzentration.

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Keine bezahlte Werbung und kein Partnerlink, nur ein freundlicher Hinweis: Ich benutze als Notizbuch gerade etwas mit dem seltsamen Namen Filzduett in freundlichem Grau, und das ist sehr gut. Falls Sie auch Notizbuchjunkie sind, das dann mal probieren, es liegt hervorragend in der Hand. Und hier übrigens noch Kritzeleien von Kafka, apropos Notizbuch. 

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Ein Nachtrag zum Wochenende. Auf dem Weg vom Garten nach Hause (wir haben Hochbeete versetzt, eine sehr befriedigend Arbeit) fährt Sohn II auf Inline-Skates, und zwar macht er das auf eine Art, die bei mir für Rückenschmerzen sorgt. Bei Ihnen vielleicht auch gleich, wer weiß, ich beschreibe Ihnen das mal. 

Und zwar müssen Sie sich vorstellen, Sie haben ja Fantasie, dass Sie da so ganz zwanglos auf Inline-Skates einen Fußweg entlang fahren, der ist breit und eben und menschenleer, darauf kann man wirklich prima fahren, top Bedingungen, gutes Wetter auch. Jetzt stellen Sie sich bitte weiter vor, wie Sie sich beim Rollen langsam und mit ausgestreckten Beinen nach vorne beugen. So lange beugen Sie sich, bis ihre Handflächen den Boden berühren können, die Handflächen, wohlgemerkt, nicht etwa nur die Fingerspitzen. Weil sie das also können und wo Sie mit den Händen schon einmal da unten sind, machen Sie mit den Händen einfach mal schwungvoll krabbelnde Bewegungen, wobei Sie feststellen werden, dass Sie, wenn Sie die Beine nur breit genug auseinander spagatiert bekommen und geschmeidig genug in der Wirbelsäule sind, auf diese Art erstens recht lustig und zweitens auch noch ziemlich flott vorankommen, also wenn Sie denn auch ausreichend Kraft in den Armen haben.

Sohn II zumindest kommt auf diese Art vorwärts wie ein seltsames Rieseninsekt auf Speed, er kann sich auch zwischendurch einfach so wieder aufrichten, lachend und winkend, während mir allein vom Zusehen so ziemlich alles wehtut, was mit Muskeln und Gelenken zu tun hat, was ja eine ganze Menge ist. 

“Guck mal Papa, guck mal!”

“Ich sehe es”, sage ich stöhnend und halte mich weiter aufrecht, sehr aufrecht. 

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Musik! Suburban kids with biblical names, wenn das kein schöner Bandname ist.

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Und außerdem bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte. 

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